Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 23

23. Kaz – 3.Mai 2045 – Mittwoch – So wie früher

Kaz beobachtete die linksautonome Bar und wartete geduldig. Um kurz nach Eins kam Andreas Ex-Freund heraus und ging mit etwas wackligen Schritt die Straße entlang. Gleich würde er bei Kaz sein. Er drückte sich gegen die Wand der kleinen Gasse und verschmolz mit den Schatten.
   Der Typ ging an der Gasse vorbei und Kaz schlug zu. In den Würgegriff, Mund zu halten und in die Gasse zerren. Im nu war der Typ k.o. Er zückte eine Spritze, zog die Kappe ab und gab dem Typen die volle Ladung in den Hals, jetzt träumst du erstmal süß. Ein Wagen hielt vor der Gasse. Ein uralter rostiger VW Passat in ausgeblichenem grün. Wolf stieg aus und sie luden den Bewusstlosen in den Kofferraum und warfen eine Decke über den Typen. Sie stiegen vorne ein und fuhren los.
„Wo hast du denn diese Affenschaukel gefunden, alter Mann?“
„Den hab ich mir geliehen, bei einer Entführung muss man immer unauffällig sein.“
„Schön und gut aber hast du auch einen Ort, wo wir den ausquetschen können.“
„Und ob ich den weiß, wir besuchen einfach die Potsdamer Mafia.“
„Verarsch mich nicht sowas gibt’s nicht.“
„Offiziell nicht aber die Jungs und Mädels sind ja auch gut in ihrem Job. Ich hab dir doch erzählt dass ich in Potsdam aufgewachsen bin. Nicht so schlimm wie die gute Liz, aber das Haus war schon ganz schön alt und nicht saniert. Jedenfalls bin ich als Junger Mann zu einer Menge Geld gekommen und ich habe das Haus gekauft und die beiden daneben auch. Unter Falschen Namen natürlich. Und dann habe ich mir ein paar Jungs und Mädels ausgesucht, die da einziehen. Junge Leute, die sich das reiche Potsdam nicht leisten können und etwas außerhalb eine WG gründen und unabhängig sein möchten. Selbst Energie erzeugen, Sachen reparieren, Alltagsgegenstände selbst herstellen und Obst und Gemüse anbauen, sowas eben. Und bis heute hält sich dieses Bild. Aber die Wahrheit wird dir mehr gefallen. Diebe, Einbrecher, Attentäter, Hehler, Schmuggler, Fälscher, Geldwäscher, Drogenmixer und Prostituierte. Ich sag nichts bekomme zwanzig Prozent von den Einnahmen und die zahlen dafür keine Miete und bekommen Schutz von mir und meinen Jungs, das Geld hab ich mit den schwarzen Wölfen fair geteilt. Wer legt sich schon mit der besten Spezialeinheit der Welt an? Die die es versucht haben sind heute alle Tot und sie sind nicht natürlichen Todes gestorben. Hahaha. Und das Virus hat sich ausgebreitet und die ganze Straße unterwandert. Die haben Keller und Tunnel zwischen den Häusern gegraben, das ist ein ganzes Labyrinth da unten. Natürlich hab ich ihnen ein paar Tricks beigebracht, wie man‘s macht und so. Und sie machen keine Geschäfte mit den Clowns. In dem Haus in dem ich aufgewachsen war gibt es unterm Dach ein kleines Zimmerchen wo ich ab und zu penne, wenn ich Krach mit meiner Frau hab. Die Mädels dort trösten mich ab und an. Und das Gras, das die da anbauen ist erste Sahne.“
„Tja, du hast Geheimnisse und ich habe meine Geheimnisse. Manche größer, manche kleiner.“
„Und wir beide gehen durch dick und dünn, so wie früher kleiner.“
Sie fuhren aus Berlin raus und auf die B2 in Richtung Potsdam, sie unterhielten sich nicht. Stattdessen durchsuchte Kaz das Handschuhfach und fand ein paar alte Drei Fragezeichen Kassetten, er legte gerade die A Seite von Superpapagei ein als sie Spandau hinter sich ließen. Die altbekannte Melodie dudelte und das Hörspiel startete. Wolf schmunzelte. Er war mit dem Zeug aufgewachsen.
„Was ist deine Lieblingsfolge?“
„Ich hab da so einige, aber die frühen haben immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.“
Sie lauschten der Geschichte und fuhren mit gemäßigtem Tempo Potsdam entgegen.
„Eine so schöne, so hässliche Stadt. Alles haben sie mit hässlichen Betonklötzen zutapeziert und die Mieten kann sich kein Normalsterblicher mehr leisten, immerhin haben sie die Altstadt und die zerbombten historischen Sachen wiederaufgebaut. Aber wo viel Geld ist bleibt auch genug für uns übrig. Das ganze Unternehmen bringt mit ein ganz hübsches Sümmchen Schwarzgeld jeden Monat ein. Weißt du, Kommandant der Wölfe hin oder her, viel verdient man damit nicht. Und ich stehe kurz vor der Rente, von diesem Hungerlohn will ich nicht leben müssen. Ich würde nur gerne meine Frau loswerden, wie gut, dass die nicht eingeweiht ist. Immer macht sie alles kaputt was mir lieb und teuer ist. Vielleicht hätte Mara noch gelebt, wenn sie nicht so ein abscheuliches Biest zu ihr gewesen wäre. Wäre ich doch nur da gewesen und hätte sie beschützt.“
Große Bitterkeit lag in Wolfs Stimme. Sie erreichten Potsdam und Wolf fuhr nach Westen in Richtung Bornstedt. Fünf Minuten später bog Wolf rechts in eine Straße ein, wo um diese Uhrzeit nicht mehr viele Lichter brannten, auf halber Strecke bog er nach links auf einen sandigen Hof ein. Laute Musik drang aus einer offenen Tür hinterm Haus. Sie hielten an und Wolf drehte den Motor aus. Zwei junge Frauen mit großen Möpsen in entsetzlich engen Latexkleidern und hohen Absatzschuhen rauchten ein paar Zigaretten. Die eine winkte Wolf zu, als dieser ausstieg. Für die Mädels schien es eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass sie einen Bewusstlosen in eine Decke eingewickelt ins Haus trugen.
„Erster Stock Großer, die Tür ist wahrscheinlich verschlossen. Aber du gehst ja nie ohne Dietriche aus dem Haus. Das Bad in der Wohnung ist der Platz fürs Eingemachte. Alles abgeklebt und schallisoliert. Da drin kannst du eine Bombe zünden und keiner bekommt es mit.“
Der Typ war nicht gerade leicht. Er knackte das Schloss oben und sie bugsierten ihn ins Bad. Dort war ein Metallstuhl über einem Ausfluss fest in den Boden geschraubt. Sie zogen den Kerl bis auf die Haut aus und fesselten ihn mit Kabelbindern an den Stuhl.
„Das dürfte halten, wenn du ihm die volle Ladung gespritzt hast, bleiben uns ein paar Stunden. Komm mal mit nach nebenan. Da können wir ihn durchleuchten.“
Kaz folgte Wolf in einen mit Technik vollgestopftes Zimmer, der ältere Mann räumte eine Stelle frei und musterte das Handy.
„Ein generisches Smartphone von Samsung, das vorletzte Modell der Mittelklasse. Solide Sicherheitseinrichtung, aber kein Prism deine Freundin Lara werden wir wohl nicht brauchen. Moment mal, was ist denn das für ein Stümper, man kann es einfach durch wischen entsperren, kein Fingerabdruck oder Gesichtsscan. Vollidiot. Dann wollen wir mal sehen was dieses Smartphone über seinen Besitzer aussagt. Scan läuft. Hast du Durst? Das wird etwa eine Viertelstunde dauern.“
„Klar warum nicht.“
Wolf tippte auf ein paar Tasten und der Lüfter des PCs heulte auf, als der Prozessor ordentlich beansprucht wurde. Wolf führte ihn in eine geräumige Küche mit Blick auf den Innenhof. Die Party war immer noch im vollen Gange und noch mehr Leute in Latex Outfits rauchten auf dem Hof. Interessante Gegend.
„Die Leute die diesen Club da unten betreiben sind echt nett und ein paar der netten Mädchen hätte ich glatt gerne als Töchter. Die behandeln mich auch so, als wäre ich ihr Papa. Aber die Welt ist eben ungerecht. Ich hab unseren Besuch angekündigt und wir sind gut versorgt. Ein paar Jungs hier in der Straße betreiben einen Imbiss und ein paar andere ein indisches Restaurant.“
Auf dem Tisch stand eine Warmhaltebox und Wolf entnahm zwei eingepackte Döner, im Kühlschrank waren ein paar Flaschen Budweiser und Cola. Sie entpackten ihr Essen, entkorkten die Flaschen, Wolf goss sich gekonnt ein und sie prosteten sich zu. Lecker, Knoblauch und extra viele Zwiebeln, Liz würde ihn wohl nicht so schnell mehr küssen.
„Ich genieße das sehr, ganz wie in alten Tagen. Nur macht es mir sorge, dass die Geister wieder aufgetaucht sind, dass könnte unserer Vorhaben erschweren, gerade mit diesem Wichser Dagger will ich nichts zu tun haben. Seine letzte bekannte Tötungsmission hatte maximale Opferzahlen. Und er ist ein sadistischer Scheißkerl. Wir sind eine saubere Organisation, da können wir sowas nicht brauchen. Und er ist immer schlecht gelaunt wenn man ihn nachahmt. Siebzehn Tote, das war doch nur ne Aufwärmung für den Sack. Meine Jungs haben geschnüffelt und beim letzten Mal sind über zweihundert Menschen durch seine Hände Hops gegangen. Zweihundert in einer Nacht, was für ein krankes Schwein macht sowas? Der nimmst uns doch als Vorspeise. Also wir machen das gleich ganz sauber und machen diesen Pisser nicht unnötig schmutzig. Und in kein Organ schießen, was wir noch gebrauchen können, ich hab einen Organspende Ausweis gefunden und das gibt immer ganz gut Knete. Ich bin sehr auf die Werte gleich gespannt.“
Kaz schob sich das letzte bisschen Döner zwischen die Kiemen und spülte mit der Cola nach.
„Wie machen wir es?“
„Kleines Verhör, wir lassen ihn zappeln und wimmern und knallen ihn ab und dann gucken die Mädels unten was man verwerten kann und die Reste schmeißen wir in ein Säurebecken. Ganz Saubere Angelegenheit. Und dann lackieren wir den Passat um und er bekommt neue Nummernschilder. Ganz einfache Sache.“
Sie wuschen sich die Hände mit Seife an der Spüle und gingen ins Rechenzentrum nebenan.
„Ah wunderbar, komm hol dir einen Stuhl. So wen haben wir denn da. Robert Müller, fünfunddreißig Jahre. Der Name ist so generisch dass das fast schon wie ein Alias klingt. Mal sehen, arbeitet in einer linksautonomen Bar als Kellner und Barkeeper, handelt mit Rauschgift nebenher und hat mit Andreas Kreditkarte regelmäßig schmutzige Sachen bezahlt. Besitz von Waffen, harten Drogen und Diebesgut. Nettes Kerlchen. Hat etwa dreitausend Euro auf dem Konto, das werde ich gleich mal an eins unserer Konten transferieren und ich schick ein paar Jungs zu seiner Einzimmerwohnung um sie nach etwas Brauchbarem zu durchsuchen. Hundert Mäuse in der Brieftasche, du mit deinem Avenger hast bestimmt noch genug Kleingeld übrig. Davon besorge ich Karl ein paar schöne Pfirsiche. Mh, hat Andrea mehr als einmal in bewusstlosen Zustand vergewaltigt und Nacktbilder von ihr online verbreitet. Die Gute hat einen beschissenen Geschmack für Männer. Hier arbeiten ein paar gute Jungs, vielleicht sollte ich die mal vermitteln. Ich denke das reicht, lass uns diesen Pisser aufwecken.
Warte ich gebe dir was.“
Wolf drückte ihm eine Beretta 92 mit Schalldämpfer in die behandschuhte Hand. Er mochte den Italiener, auch wenn ihm in den letzten Jahren die Belgier sehr ans Herz gewachsen waren. Die Browning High Power und besonders seine geliebte FN Five-Seven.
   Im Bad verabreichte Wolf dem Bewusstlosen eine Spritze und binnen Sekunden wachte der japsend und zitternd auf. Sein Blick ging fahrig durch den Raum und blieb an Kaz Waffe hängen. Auf einmal wurden die Augen des gefesselten Robert Müller riesengroß und er wimmerte.
„Was wollt ihr, bitte tut mir nichts, wollt ihr Geld? Das kann ich euch besorgen. Oder Drogen? Oder Mädchen? Ich gebe euch alles nur bitte tut mir nichts.“
Tränen liefen Robert über die Wangen. Wolf trat vor.
„Diebstahl, Vergewaltigung und Angriff auf Polizei Beamte, das bringt ein paar Jährchen, und die Jungs im Knast gehen nicht so zimperlich mit Vergewaltigern um, also kommst du bei uns sogar noch gnädig weg. Und du siehst unsere Gesichter, also wirst du lebend diesen Raum nicht verlassen!“
Kaz schnaubte.
„Wolf, wie schalldicht ist dieser Raum?“
„Wir haben Blanks des Kalibers .50 BMG abgefeuert und das hat kein Schwein gehört, mach schon, ein bisschen Spaß muss doch auch sein.“
Kaz schoss Robert eine 9mm Kugel mitten in die Eier. Der quickte auf wie ein angestochenes Schwein und wimmerte während ihm Bäche von Tränen über die Wangen liefen.
„Was ein Waschlappen, komm beende es, das ist doch peinlich.“
Kaz schoss Robert ohne zu zögern in den Kopf, genau zwischen die Augen.
Der tote Körper erschlaffte und Blut tropfte auf den Boden. Draußen hörte man ein Klopfen.
„Ah pünktlich wie die Maurer.“
Vor der Haustür standen vier Männer in schwarzen Outfits, mit einem Leichensack und Putzsachen. Dem Anführer drückte Wolf zwei Hunderter in die Hand.
„Leider sind wir noch nicht so weit, dass wir uns Goldmünzen prägen lassen können. Aber wir arbeiten daran. Macht’s gut Jungs.“
Die vier grüßten ihnen zu und Kaz und Wolf gingen im Treppenhaus nach unten. Auf der Steintreppe zum Hof setzten sie sich und Wolf drehte gekonnt einen Joint.
„Zieh auch mal dran, tut immer wieder gut und mir hilft es gegen die Rückenschmerzen. Ich werde auch nicht mehr jünger und mein Körper zerfällt langsam.“
Kaz nahm einen tiefen Zug und sein Kopf fühlte sich etwas leichter an. Er drehte sich eine normale Zigarette und steckte sie sich mit dem Zippo an. Hatte er gesagt, dass er Nichtraucher war? Das war gelogen. Anna hatte ihn angestiftet und sie fand es sah cool bei ihm aus. Er freute sich auf seine zweitbeste Freundin, vielleicht traute sie sich ja her, wenn Liz weg war.
„Wie in John Wick, er und sein Mentor. Und du siehst auch noch so aus. Wörtlich.“
„Ich weiß. Und wir werden beide alt. Und unsere Familien wissen nicht womit wir unsere Brötchen verdienen. Für meine Familie bin ich immer noch der Loser der einen Zufallstreffer gelandet hat.“
„Aber nicht, dass du es versehentlich irgendwas blödes ausplauderst.“
„Quatsch, mein Bruder ist zu beschäftigt um irgendwas zu schnallen und der Rest der Familie denkt ich wäre ein Art Geheimagent.“
„Tja, das ist nicht so fern der Wahrheit. Du hast ein gutes Herz Großer. Ich möchte, dass es dir gut geht und pass auf Amber auf. Anna wird sich gut als Mutter machen, das hat sie schon bewiesen.“
„Wo ist eigentlich der Passat hin.“
„Hab ich doch gesagt, der bekommt ein Facelifting. Ich schlaf die Nacht hier und fahr morgen mit der S-Bahn zurück. Hab immer Berlin ABC Tickets dabei.“
Plötzlich fuhr ein Alter Opel Astra in dem Standard Silber auf den Platz und zwei Männer sprangen hektisch heraus. Sie rannten mit einer Trage ins Haus. Eine junge Frau die man gefoltert und heftig verstümmelt hatte. Skalpiert. Ohren, Nase und Lippen abgeschnitten und Augen zerstochen. Kaz und Wolf traten die Kippen aus und rannten hinterher. Im zweiten Keller waren ein modern eingerichteter Operationssaal. Eine Ärztin eilte in den Saal. Die beiden Typen wuchtete die Frau auf den Tisch.
„Fuck das ist Alina. Die sollte nur einen Freundschaftsbesuch machen. Die Schweine haben ihr auch noch die Zunge herausgeschnitten und Finger und Handgelenke zertrümmert. Das bekommen wir nicht alleine hin, dafür haben wir nicht die Ausstattung!“
Kaz hob eine Braue, zückte sein Prism und tippte eine Nummer ein.
„Kaz Bruderherz, was gibt’s?“
„Was kostet eine vollständige Plastische Wiederherstellung eines Gesichts, zuzüglich augmentierten Augen, Zunge und Händen? Plus ein CQC Upgrade der Stufe zwei.“
„Hoppla, was geht denn da bei dir ab, schick mir mal Details.“
Kaz machte ein paar Bilder von Alina. Am anderen Ende hörte er seinen Bruder japsen und sich in einen Mülleimer übergeben.
„Was zum Fick machst du denn? Erst die Sache mit unseren Eltern und jetzt das. Ok. Wo ist das? Wir schicken einen Trupp hin und holen die kleine ab. Wenn du dir den Avenger leisten kannst dann bezahlst du die Operation aus der Portokasse.
„Es ist nicht ganz legal wo ich hier bin, ich schicke ein paar Jungs los und gebe dir die Koordinaten. Schick am besten einen Hammerhead.“
„Ist gut, wir warten auf dein Signal.“
Er beendete den Anruf und alle starrten ihn mit offenen Augen an.
„Sie helfen einer verletzten Frau einfach so, die Sie noch nie gesehen haben. Wie können wir Ihnen danken?“
„Erstmal bin ich Kaz und zweitens schickt‘ Boten nicht unbewaffnet los. Horizon gibt der kleinen ein nettes Upgrade. Das erste Mal geht aufs Haus, nächstes Mal zahlt ihr.“
Die Ärztin flickte die Wunden und einer der Typen hängte die Frau an eine Blutkonserve.
„Danke kleiner, das war sehr freundlich. Wenn ihr nach Norden über die Felder rausfahrt gibt es genug Stellen wo man eine Übergabe gestalten könnte. Macht sie transportbereit und dann geht’s los, schickt mir eure Koordinaten, dann kommt der Rest. Kaz komm mal mit.“
Sie gingen die Treppe hoch in den zweiten Stock.
„Hier sind wir ungestört. Danke für deine Hilfe, die nehmen wir gerne an. Das wird dir Alina nie verzeihen. Ich hätte eine kleine Aufgabe für dich. Alina sollte eine Lieferung an Juri den Zwerg bringen, der gehört zur russischen Mafia und die versuchen hier Fuß zu fassen. Alina ist neu bei uns hier oben und das sollte ein simpler Routine Job sein. Das finde ich nicht sehr nett, sie so zuzurichten. Das bedarf einer Antwort. Hättest du Lust die Nachricht zu überbringen? In deinem Fall natürlich ein Sack .308 Winchester in Geschenkpapier eingepackt.“
„Du weißt dass du mich nicht fragen musst wenn es um sowas geht. Ich fahr hoch zur Nordspitze des Buga Parks, da hat Hal den Avenger X5 geparkt. Eine Adresse wäre nett.“
„Immer einen Schritt voraus. Also mach es sauber und hinterlass keine Spuren. Rund um die Fabrik hast du doch ein paar tote Dörfer als Tarnung. Das haben die Russen auch ausprobiert und sich in einem winzigen Kaff Nordwestlich von Potsdam eingenistet. Danke dir Kaz, das vergesse ich dir nicht. Brauchst du Hilfe?“
„Glaube ich nicht, mit was muss ich rechnen?“
„Juri den Zwerg, ein paar loyale Mädels dieses Pissers und bestimmt ein Dutzend Schläger.“
„Gut, dann bin ich zum Frühstück wieder zurück. Bis gleich.“
Wolf umarmte ihn und sah ihm nach als er das Treppenhaus hinab lief.

*

„Hal wie sieht es aus?“
„Ein Haufen sadistischer Stümper. Sie haben nicht mal geschnallt als wir ihre Telekommunikation gegrillt haben. Sie werden keine Probleme haben. Für den Fall der Fälle geben wir mit Railgun, .50 BMG Maschinengewehr und Dronen Feuerschutz.“
„Lassen wir es mal nicht so weit kommen. Das ist reine Routine.“
Er lud sein schallgedämpftes HK MR308 und näherte sich im Stealth Modus seines Anzugs dem Hintereingang des Hauses. An ihm ging eine tätowierte und gepiercte Frau vorbei, die ihn nicht bemerke. Im Keller entdeckte er fünf Männer und eine Frau beim Poker spielen. Er schoss sie alle sechs mit jeweils einem Schuss in den Kopf. Auf dem Tisch lag ne Menge Geld, das würde er sich später holen. Im Erdgeschoss erledigte er heimlich vier und im ersten Obergeschoss fünf schlafende Drecksäcke. Im zweiten Obergeschoss wartete das Dessert auf ihn.
   Er scannte den Raum hinter der schweren von innen verschlossenen Tür. Zwei Saßen auf der Couch, einer stand an einer Bar und zwei Frauen saßen neben dem Boss, Juri dem Zwerg. Wie die Szene in einem seiner Lieblings Actionstreifen, The Equalizer mit Denzel Washington.
Er knackte das Schloss, öffnete die Tür und spazierte in den Raum.
„Ey Man, was soll die Scheiße?“
Kam es von Juri der viel zu sehr mit einer der nackten Frauen beschäftigt war.
„Hey Man, was soll das, wer hat dich geschickt?“
„Die Frau, der du heute die Augen ausgestochen hast.“
„Alina die Fotze, genau, sie wollte nicht, dass ich mit ihr spiele. Komm gib doch nicht so den harten Typ in deiner Möchtegern Ninja Ausrüstung. Bist hier reingeschlichen und willst mich erschießen. Ich bitte dich, meine Jungs hauen dich zu Brei. Kommt schon.“
Er dachte an das Versprechen an Wolf es sauber zu machen. Drei Schüsse später lagen die Schläger auf dem Boden. Juri und die Mädchen waren nun gar nicht mehr gelassen.
„Verdammte Scheiße bist du sowas wie John Wick? Wir haben ganz viel Gold und Geld in dem Safe da, ich gebe dir die Kombination wenn du mich am Leben lässt.“
„Ok das lässt sich einrichten.“
Unter dem Visier grinste er breit. Juri würde so oder so sterben. Er erschoss die beiden Mädchen und zerrte den kleinwüchsigen Juri über den Schreibtisch und fesselte ihn.
„Moment Mal, so war das nicht abgemacht. Verdammt die Kombination ist 1234. Und jetzt lass mich in Ruhe. Wir hatten einen Deal.“
„Mir egal.“
Kaz testete die Kombination und starrte beeindruckt auf den fetten Stapel Goldbarren. Dann erschoss er auch Juri. So wurde das ja vielleicht doch noch was mit den Goldmünzen.

*

Er parkte den Avenger X5 in der Tiefgarage vom Platz der Nationen eins und ging hoch ins Center. Beim Bäcker kaufte er sich das volle Sortiment an frischen Gebäckstücken. Die Bäckereifachverkäuferin starrte ihn mit großen Augen an als er eine Rolle Fünfziger hervorholte und mit einem der Scheine bar bezahlte. Das Wechselgeld stopfte er in die Hose und nahm den Stapel Tüten mit beiden Händen.
   Es leben elektronische Schlüssel, denn er hatte gerade echt keine Hand mehr frei. Die Tür zu 3-VII öffnete sich lautlos und er legte seine Beute auf die Arbeitsplatte in der Küche und warf schon mal die Kaffeemaschine an. Es war kurz vor sieben. Wolf würde ihm seinen Anteil geben, der würde hoffentlich Alinas Operation decken, die kleine würde vermutlich nie mehr sprechen können. Wenn man vom Teufel sprach, sein Prism läutete.
„Immer noch im Büro Johnny? Bei mir und Liz gibt es gleich Frühstück.“
„Ja, ich hab ne halbe Packung mit Koffeintabletten geschluckt. Ich verfolge da so eine Sache. Die gute Alina konnte zum Glück noch hören und wir haben sie durch das Programm navigiert. Sie bekommt eine saftige Kampfwertsteigerung so wie Mara, wir haben ihre Erlaubnis bekommen. Wir übernehmen die Kosten. Unser Angebot war besser als deins. Sie wird unserer Garde beitreten und ihr Gauner-Leben hinter sich lassen. Wir suchen immer junge engagierte Talente. Ich hatte ein nettes Pläuschchen mit meiner lieben völlig aufgelösten Schwester. Du Wichser hast Mama, Papa und Emma fast erschossen! Ich schick dir die Garde auf den Hals wenn du mir nicht erklärst was da abging.“
„Nimm den Mund nicht zu voll Schlappschwanz. Deine Garde ist mir zahlenmäßig vielleicht überlegen, aber nicht so gerissen wie ich. Sag ein böses Wort und ich schlüpfe in eine Tarnidentität und bin verschwunden. Und du wirst von da an jeden Tag über deine Schulter gucken müssen.
Garde und Bruderschaft hin oder her, du wohnst in einem maroden Schuppen, in den man verdammt einfach reinkommt wenn man weiß wie. Großvater Ben hat mir die Tricks gezeigt.“
„Halt die Fresse du Spinner. Du Versager warst schon immer von Spionage Filmen und Büchern besessen. Komm mal runter auf den Boden der Tatsachen. Das ist hier keins von deinen Büchern wo der Protagonist Plot Rüstung hat. Das ist die verdammte Realität. Und du wolltest unsere Eltern umbringen.“
„Hey du Waschlappen, die wären längst tot wenn ich sie umbringen wollte. Mir war nur nach ein bisschen Spaß zu Mute, nachdem mich deine Arschgeigen so gedemütigt hatten.“
„Aber es ist doch kein Spaß, wenn du jemanden erschrecken willst indem du ihm eine geladene Waffe auf die Brust drückst.“
„Das war ein Spielzeug. Ich kenn da so ‘nen Laden in Berlin. Die Waffe ist mit Schalldämpfer und macht ein Geräusch wie ein Schuss und lässt den Schlitten zurückgleiten. Und der Rest war Pyrotechnik. Ne kleine elektronisch gezündete Ladung im Dielenboden und eine die aus der Mündung der Pistole kommt. Ein völlig harmloser Spaß. Und ihr seid alle drauf reingefallen. Aber ein bisschen schauspielern kann ich auch. Hab den bösen Typen gespielt. Ich hab alles vorbereitet als wir nach der Beerdigung bei euch waren. Den Schaden bezahl ich euch.“
Er hörte wie Johnny am anderen Ende sichtlich erleichtert aufatmete.
„Du verdammter Spinner. Irgendwas ziehst du sowas ab und die Leute sind nicht so verständnisvoll. Man Bruderherz ich mache mir so Sorgen um dich. In welchen Gegenden und Kreisen verkehrst du denn das dir schwerverletzte Mädels wie die von heute Morgen begegnen?“
„Berufsgeheimnis.“
„Du bist hauptberuflich Autor und Spinner …“
„So sieht das aus ja.“
„Wenn du mir jetzt sagst, dass die Waffe doch echt war dann knall ich dir eine.“
„Die war wirklich ein Spielzeug. Aber ich hab einen Waffenschein und darf legal Waffen besitzen.“
„Und das macht mir bei dir echt Angst. Da kann doch leicht mal was schiefgehen.“
„Bisher nicht und die schweren Waffen sind noch auf der Ranch in Texas. Hierzulande bekommt man nicht so viele spaßigen Sachen. Aber ich dachte daran mir vielleicht ein HK MR308 von Heckler und Koch zu besorgen, deren Waffen machen immer Laune.“
„Noch ein Wort zu Waffen und ich lasse dich verhaften. Tja, in einer Stunde ist das erste Meeting des Tages und ich brauche noch einen Power Nap und will ‘ne Runde Duschen und was Vernünftiges essen. Wir hören und sehen uns bestimmt nochmal großer Bruder. Ich schulde dir ein Mittagessen im Haus der Welt. Und lass den Scheiß mit den Waffen und bleib bei Bögen.“
„Mache ich, viel Spaß mit deinem Meeting. Hab dich lieb Bruderherz. Mach’s gut.“
Er legte auf und atmete auf. Er hasste es, seinen Bruder und durchaus besten Freund zu belügen, aber die Arbeit machte es erforderlich. Das würde Wolf nicht mögen, dass Alina jetzt bei Horizon war.
   Egal, er nahm sich eine Cola aus dem Kühlschrank und trank sie in einem Zug aus. Man das tat jedes Mal wieder gut.
„Hey Großer, ich hab dich gestern Nacht vermisst.“
Liz kam in die Küche und gähnte herzhaft.
„Weißt du ich hatte da so eine Sache am Laufen.“
„Warte mal, du riechst total nach Qualm. Und … iih … Dein Atem riecht nach Knoblauch, Zigaretten, Gras und Alkohol! Was machst du denn bitte für Sachen?“
„Ich hab mich mit einem Kumpel getroffen und wir sind um die Häuser gezogen.“
„Details bitte. Waren Frauen im Spiel und wer ist dieser Kumpel.“
„Jede Menge Prostituierte und mein Kumpel ist Wolfgang Bluhm.“
„Ist ja nicht mein Problem mit wie vielen Frauen du deine Verlobte betrügst, aber woher kennst du einen KSK Befehlshaber?“
„Ich kenne auch Marines und Navy SEALs persönlich. Ist es da verwunderlich wenn ich auch ein paar meiner Landsleute kenne? Ich hab Kontakt zu ihm gefunden als ich in den USA war und das ging meist nur via Chat und per Telefon. Und Auf der Beerdigung hab ich ihn zum ersten Mal in Echt gesehen und gestern waren wir zusammen unterwegs.“
„Und wo wart ihr so?“
„Wir haben uns am Hauptbahnhof in Berlin getroffen und sind mit der S7 in Richtung Potsdam gedüst. In Babelsberg haben wir gehalten und uns dann erstmals einen fetten Döner zwischen die Kiemen gezimmert. Und dann haben wir die Bars und Clubs in Potsdam abgeklappert. Zuletzt waren wir in einem merkwürdigen Schuppen, wo die Mädels riesen Möpse hatten und Latexoutfits trugen, aber ich hab den Namen vergessen, da war ich schon völlig breit. Ich erinnere mich aber noch, dass die Absätze von deren Stiefeln waren so hoch wie deine. Vielleicht solltest du das auch mal ausprobieren. Jedenfalls sind wir um halb fünf Hackebreit wieder nach Berlin gedüst. Und ich dachte ich bring dir als Entschuldigung ein bisschen Gebäck mit.“
„Haarsträubende Geschichte und ich hasse Latex … und Zigaretten. Während ich hier Frühstück mache gehst du erstmal ins Bad unter die Dusche und putzt dir am besten zweimal die Zähne und zieh gefälligst was Frisches an!“
„Ok Boss.“
Im Badezimmer seufzte er, er hasste es seine Freunde die ganze Zeit anlügen zu müssen, aber die Zeit war noch nicht reif und sie waren hier nicht in der Welt von John Wick wo praktisch jeder ein Killer ist. Er leerte die Taschen und warf die dreckige stinkige Wäsche in den Wäschesack. Er genoss immer wieder diese funktionierende Dusche und den prallen Wasserdruck. Mit einem Handtuch um die Hüften gebunden tappte er ins Schlafzimmer und mimte den etwas Besoffenen. Er schlüpfte in Bequeme Sachen und folgte Liz zum großen Esstisch. Sie hatte schon alles vorbereitet. Fast so wie früher. Nur war das nicht seine schrottige kleine Bude sondern ein Edelpalast vom Feinsten. Wie er es doch vermisste, irgendwo zu wohnen, wo eben nicht alles auf Anhieb funktioniert. Bastler war er nicht geworden weil alles immer funktionierte.
   Er nahm einen Schluck vom heißen Milchkaffee. Liz trug einen Hauch von Nichts und scrollte durch die Zeitung. Auf einmal hielt sie inne und ihre roten Augen wurden groß.
„Heilige Scheiße, außerhalb von Potsdam gab es eine Schießerei. Nein eine regelrechte Hinrichtung. Die Bilder … ich wette das waren Profis und nicht so ‘ne popelige Gang. Du warst doch heute in Potsdam, habt ihr da was mitbekommen?“
„Sorry nein, wir haben gekifft wie die Weltmeister und waren die ganze Zeit ziemlich breit.“
„Schade. 21 Tote in einer Nacht. Das erinnert mich an die Sache mit Dagger. Du bist doch so ein Experte in Sachen Mythen und Legenden. Was weißt du über die Geister.“
„Eine Geheimorganisation von Geheimagenten und Attentätern. Angeblich gib es sie schon seit Jahrhunderten oder länger. Sie werden nicht ohne Grund die Geister genannt, man hat noch nie einen Lebenden gesehen, tot natürlich auch nicht. Man munkelt dass es ein Netzwerk von Unterstützern um den gesamten Globus gibt. Und sie haben angeblich eine Privatarmee, die man die schwarzen Geister nennt. Und richtig viele Geister gibt es nie. Die Besten der Besten in ihren Berufsfeldern. Ihre Zahl ist unbekannt aber die Leute die danach forschen gehen von vielleicht zwanzig bis dreißig aktiven Geistern aus. Das Perfide sind die Geheimidentitäten. Die tun so als wären sie ganz normale Leute. Nur Dagger ist recht bekannt, weil er sein Zeichen in die Haut seiner Opfer einritzt. Er ist ein sadistischer Psychopath der seine Opfer foltert. Man sagt sich dass er bei seiner letzten Mission völlig Amok gelaufen ist. Zweihundertsiebzehn verdammte Tote … in einer Nacht! Was ein kranker Wichser. Stell dir vor du hast den als Feind, dagegen ist noch selbst John Wick ne kleine Nummer. Jedenfalls gehen die Geister heimlich vor und werden nicht gefunden, es sei denn sie wollen gefunden werden. Keiner weiß wie sie aussehen.“
„Dann wette ich mit dir, dass du liebenswürdiger Versager ein Geist bist.“
„Ach Quatsch, du fantasierst, ich könnte doch keiner Menschenseele Leid antun.“
„Das stimmt allerdings, gibst den harten Bastard und bist in Wahrheit so ein liebenswürdiger Kerl. Du bist ein Bücherwurm und du zeichnest. Du schreibst coole Sachen und bastelst geniale Erfindungen zusammen. Du könntest doch niemals richtig böse zu jemandem sein.“
„Ach am Montag habe ich meinen Eltern und meiner Schwester einen üblen Streich gespielt und so getan als würde ich sie umbringen wollen.“
Liz sah ihn zu Tode erschrocken an.
„Bist du wahnsinnig. Bei der ganzen Security hätte das Übel ins Auge gehen können. Versprich mir, dass du das nicht nochmal machst. Und Wehe du kaufst dir eine Waffe während du hier bei mir wohnst, versprich mir das!“
„Ok beste Freundin, ich verspreche es.“
Während sich sein Herz etwas verkrampfte wirkte sie erleichtert.
„Unsere Proben und Aufnahmen gehen leider noch diese ganze Woche und nächste Woche bis zum Live-Auftritt. Aber wir haben die Morgende und Abende zusammen und am Wochenende nehme ich mir Zeit für Amber. Versprochen.“
„Ich vermisse dich jeden Tag wo du nicht bei mir sein kannst liebe Freundin.“
„Ja, aber ich möchte auch, dass der Abschied richtig gut wird. Für alle, nicht nur für dich. Tut mir so leid. In meinem nächsten Leben werde ich kerngesund und total faul.“
„Du musst ja nicht faul sein, aber Zeit einfach mehr genießen.“
„Ich bin leider so, das kann ich die letzten zwei Wochen auch nicht mehr ändern.“
„Leider, ich hab mich nach zehn Jahren so gefreut mit dir wieder ganz normale Sachen wie früher machen zu können. In Kino gehen, Eis essen, Kochen, Spiele spielen.“
„Für sowas hab ich nur noch selten Zeit gehabt nachdem ich bei Horizon angefangen habe.“
„Das ist sehr schade.“
„Und bevor ich sterbe möchte ich das machen, was ich am liebsten mache, Musik!“
„Okay okay, dagegen spricht ja auch nichts.“
„Soll ich dich heute zum Essen einladen?“
„Ich hab am Platz der Nationen diesen echt guten Inder gefunden, da lad ich dich ein.“
„Oh man ich hab seit fast zehn Jahren kein Indisch mehr gegessen! Ok ich bin dabei.“
„Und sag Anna besser nichts davon.“
„Wieso, sie ist erstens in Moskau und nicht hier und zweitens bist du meine beste Freundin.“
„Dann wird das wie früher, wo du mich nach der Physiotherapie immer zum Inder in Potsdam eingeladen hast.“
„Japp, deshalb habe ich ja auch immer den allerletzten Termin vor Feierabend bei dir genommen.“
„Das waren tolle Zeiten, weißt du das? Mein Leben war scheiße, aber ich hatte immer dich.“
„Meins war nicht so viel besser und ich hatte dich. Anna war in Moskau, Xen in Polen und Johnny hatte nie Zeit. Du warst oftmals alles was ich hatte.“
Sie beugte sich über den Tisch und küsste ihn auf den Mund.
„Ich habe gerade beschlossen, dass wir im nächsten Leben daten.“
„Das finde ich eine gute Idee.“
„Auf die Beziehung im nächsten Leben.“
Sie stießen mit den Kaffeebechern an und brachen in schallendes Gelächter aus. Das war exakt so wie früher in der guten alten Zeit.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 22

22. Kaz – 2.Mai 2045– Dienstag – Armer Wolf

Das Rad war echt gut und der eingebaute Motor machte endlich Laune. Der Tag nach den Krawallen und überall waren Trupps die aufräumten und die ausgebrannten Autos abräumten. Gestern musste es echt noch schlimm gewesen sein. Vielleicht hätte er die Arschgeigen in schwarz überfahren sollen, nein müssen. Er war durch die Wohngebiete in Richtung BIT im Süden geradelt und war dann über die Brücke an Solomon Central vorbei. Er sah Horizon Gardisten mit Polizisten diskutieren. Wahrscheinlich war was vom Konzern kaputt gegangen. Hätte man doch HRZN Security genommen, ein paar Ritter und es wäre Schicht im Schacht. Oder ein paar Mechs. Die Russen und die Japsen waren ganz begeistert von Kampfläufern. Die Panzer der Zukunft hieß es, mag wohl stimmen. Solange es nur nicht wie in Metal Gear wird und die Dinger Railguns für nukleare Sprengköpfe bekommen. Dann würde es echt böse werden.
   Ein Autofahrer hupte ihn an und er drehte sich um und zeigte ihm den Vogel. Lern doch Fahren du Schwachmat! Genervt sah er wieder nach vorne auf die Straße und radelte durchs Bankenviertel zwischen Bahnhof und Kulturpark. Bei dem schönen Wetter waren viele Radler und Fußgänger unterwegs. Hier war ja was los, dutzende abgefackelte Wagen, darunter etliche Mercedes und BMW und drei Porsche, das würde teuer werden. Am Platz der Nationen gestern waren zwar Demonstranten aber keine Krawalle gewesen. Dafür hatten die Animals ordentlich Party gemacht. Er trat ordentlich in die Pedale und näherte sich dem Kulturpark, jetzt noch etwa fünfzehn Minuten und ich bin am Zoo. Seine Uhr zeigte ihm halb elf. Als er vor dem Zoo anhielt und sein Rad anschloss hörte er hinter sich Gelächter und er drehte sich um. Ein etwas älterer Herr mit weißem Vollbart radelte neben ihm auf einem grell pinken Damenfahrrad vorbei, er trug einen halboffenen Rucksack in dem ein großer Plüschwaran saß und rausguckte. Wolfgang Bluhm, was ein Zufall.
„Hey alter Mann, was machst du denn hier?“
Wolfgang schloss das auffällige Fahrrad an und drehte sich um.
„Ich gehe in den Zoo kleiner und was treibst du so?“
„Dasselbe. Warst du schon mal hier?“
„Ziemlich oft und seit Maras Tod jeden Tag.“
„Warum das denn?“
„Komm mit ich zeig‘s dir.“
Er folgte Wolfgang zum Eingang und entdeckte ein Schild, nach dem der Zoo von Horizon gesponsert wurde. Sie bezahlten und die Tickets waren erfreulich billig. An einer Tafel mit der Karte des Zoos blieb er stehen. Es gab ziemlich viele Raubtiere. Großkatzen, Wölfe, Bären. Dazu ein großes Vogelhaus, ein Insektenhaus, Affenhaus und ein riesiges Reptilienhaus. Nicht zu vergessen einen ganz schön großen Abenteuerspielplatz mit anliegenden Zoo Restaurant und zwei Cafés. So ein großer Zoo, toll. Sie gingen logischerweise zuerst zu den Wölfen.
„Guck die mal die Frau da an, Schlimm.“
Wolfgang deutete auf eine Frau mit dem linken Arm in der Schlinge und einem mächtigen blauen Auge. Er zuckte zusammen, das war Kriminalpolizistin Andrea Wolf. Sie sah ganz elend aus.
„Sie ist bei der Polizei, lass uns mal zu ihr gehen.“
Andrea bemerkte sie nicht bis sie vor ihr standen. Sie zuckte zusammen.
„Herr Solomon und Herr Bluhm, Äh … Hallo.“
Sie wirkte sehr unsicher.
„Kommen sie doch mit, ich lade euch beide ins Zoo Restaurant ein, die machen eine tolle Currywurst.
Und bitte nennen sie mich Wolfgang oder kurz Wolf.“
Andrea schniefte und trottete ihnen nach. Um die Uhrzeit war das Restaurant nicht sehr voll und sie bekamen einen abgelegenen Tisch in einer ruhigen Ecke. Kaz zuckte zusammen als eine Bedienung an ihrem Tisch auftauchte und ihnen Speisekarten vor die Nasen legte, Zoorestaurant war normalerweise Selbstbedienung, so war er es vom anderen Zoo in Berlin gewohnt.
   Sie bestellten zwei große Cola und ein großes Bier für Wolf. Dazu zwei normale Currywurst und eine doppelte Portion für ihn. Andrea schien etwas aufzutauen und nahm einen tiefen Schluck Cola.
„Dürfen wie erfahren wer dich so zugerichtete hat? Ich bin übrigens eingeweiht in ihre Mission.“
„Nach den unerlaubten Ermittlungen im März wurde ich degradiert und Strafversetzt nach Berlin Solomon. Da habe ich heimlich weiterermittelt, aber hier in Solomon sind die Cops absolut lupenrein. Nach deiner Anleitung habe ich mir einen Zugriff für den Hauptcomputer in den Zentralen der Polizei in den anderen Stadtteilen gesucht und bin fleißig am Suchen, aber das ist gar nicht so wichtig. Gestern hatte ich Dienst und wurde zu den Trupps eingeteilt, die bei den Krawallen auf den Straßen für Sicherheit sorgen sollten. Ich war in einer Gruppe mit fünf anderen und plötzlich tauchen die Autonomen von allen Seiten auf und attackieren uns. Ich hab zwar einigen ordentlich mit dem Knüppel auf die Glocke gehauen aber wir wurden völlig zu Brei geschlagen und man hat mir den Arm gebrochen und mir verdammt hart ins Gesicht geschlagen. Und ein Wichser hat mir Pisse über die Uniform gespritzt als wir am Boden lagen. Rettungswagen haben uns ins Krankenhaus gefahren und wir wurden versorgt. Ich bin jetzt erstmal krankgeschrieben. Und ich hab mich gestern von meinem Freund getrennt, er war in einer der Zellen im Präsidium und hat mich als falsche Faschisten Fotzte beschimpft. Verdammt wir waren ein Jahr zusammen und ich hab nichts bemerkt. Zuhause hab ich Stundenlang geduscht weil ich diesen Geruch von Urin nicht wegbekam und dann hab ich mich eingerollt und die halbe Nacht geheult. Und jetzt bin ich hier.“
„Das klingt ganz ordentlich heftig, ich wurde gestern nur entführt und von einer Kampfschwester von Horizon malträtiert. Aber du Arme, erst degradiert man dich, dann haut man dich zu Brei und jetzt bist du Single, das Leben einiger ist hart.“
„Und ich hab meine Tochter vorgestern zu Grabe getragen, das war auch nicht schön.“
Andrea spielte nervös mit einem Strohhalm.
„Ich glaube ich weiß, warum er und seine Freunde uns verdroschen haben. Ich wollte ihn anzeigen.“
„Das musst du uns aber erklären.“
Andrea senkte ihre Stimme und flüsterte fast.
„Dieses Arschloch hat mich vergewaltigt und gedacht ich merke nichts.“
„Heiliges Kanonenrohr, verstehe. Die korrupten Cops hätten ihn wahrscheinlich nur wieder laufen gelassen. Aber Knast hätte ihm gut getan, all die armen unschuldigen Seelen, die hätten ihn ordentlich vermöbelt. Aber das ist wirklich schlimm, das ist ein großes Verbrechen.“
Andrea nickte und weinte.
„Er hat mir so oft erzählt, dass er mit den Clowns ganz dicke ist und die würden meine Familie plattmachen, meine Mutter und meine kleine Schwester, wenn ich nicht den Mund halte und brav mitspiele. Ich wette das war nicht das einzige Mal, dass er sich an mir gütlich getan und mir sonst wo noch Schaden zugefügt hat.“
„Wir könnten dir anbieten, uns deinem kleinen Problem anzunehmen und dem guten Herrn einen Denkzettel zu verpassen. Alles ohne dass du uns bezahlen musst.“
„Moment mal, was wollen ein Autor und ein KSK Kommandant machen, woher kennt ihr euch überhaupt?“
„Das unterliegt der Geheimhaltung, aber ich kann sagen dass wir unzertrennlich sind auch wenn der Junge zehn Jahre in den USA gefaulenzt hat. Wir sind durch dick und dünn gegangen.“
Andrea hob ungläubig die Brauen und wechselte Blicke zwischen Kaz und Wolf, die breit zurückgrinsten.
„Ok, dann macht diesen Wichser platt, würde mich nicht stören wenn es endgültig wäre.“
„Sehr wohl Andrea, du bist ja auch ein Wolf, damit gehörst du fast zur Familie. Ich hab deinen Vater gut gekannt. Zwanzig Jahre haben wir zusammen gekämpft und er ist von jedem Einsatz heil zurückgekommen und dann kommt ein mieser Clown und macht ihn platt wenn er mit Freunden ein Bier trinken geht. Ich weiß es als wäre es gestern gewesen, wir waren in einer Bar was trinken und er ist raus weil er seine Brieftasche im Wagen vergessen hab. Und anstatt ihn einzuladen hab ich ihn gehen lassen. Danach das aufheulen eines Motors und der Aufprall. Verdammt, er ist in meinen Armen gestorben, während dieser Drecksack Fahrerflucht beging. Hätte ich meinen Freund doch nur eingeladen. Ich hab mir das nie verziehen, aber er hat eine wunderschöne Tochter hinterlassen.“
Andrea heulte lautstark und Wolf nahm sie in den Arm und strich ihr über den Rücken.
   Die Bedienung stellte die Teller ein bisschen verwirrt ab und verschwand dann wieder. Andrea lehnte sich auf ihrer Bank zurück und wischte sich mit der Serviette die Tränen weg.
„Das ist das erste Mal dass mir jemand sagt der dabei war, wie er gestorben ist. Alle haben immer nur gesagt er hätte einen Unfall gebaut, aber das stimmt doch nicht. Ich war so stolz auf meinen Vater und ich habe es gehasst wie unser Name durch den Dreck gezogen wird. Ich bin zur Polizei gegangen, weil ich solche Verbrechen aufklären wollte. Vielleicht hätte ich wie Papa doch lieber zur Armee gehen sollen. Aber ich will dass diese Stadt wieder sauber wird.“
„Ein ehrenwertes Ziel nur leider könnte es dafür schon zu spät sein.“
„Ich gebe nicht auf. Solange ich bei der Polizei in Berlin Solomon bin, hab ich Rückenhalt. Das finde ich richtig gut, dass es auch noch Männer und Frauen gibt die ihre Berufung als Polizist ernstnehmen.“
Wolf prostete ihr zustimmend zu und sie stießen an. Dann wurde erstmal gegessen. Wolf hatte nicht zu viel versprochen, die Currywurst war echt lecker und die Pommes schön kross. Sie aßen in Ruhe und mit jedem Bissen schien es Andrea besser zu gehen. Bei den letzten Bissen wirkte sie regelrecht vergnügt.
„Darf ich fragen warum du einen Plüschwaran mit dir im Rucksack herumträgst?“
„Darfst du, das ist Earl. Den hab ich meiner Mara geschenkt als sie dreizehn oder vierzehn war. Dazu muss ich aber auch erklären was es mit meiner kleinen auf sich hatte und wie sie zu Karl gekommen ist, dem Kaiserwaran. Mara war ein unerwartetes Kind, eigentlich hatte ich mich mit meiner Frau Frida auf zwei Kinder geeinigt und als sie dann plötzlich wieder schwanger wurde hab ich sie dazu überredet, das Kind zu behalten. Es wurde ein Mädchen namens Mara. Sie war immer etwas anders und hatte große Schwierigkeiten damit Freunde zu finden. Frida wollte keine „kaputte“ Tochter und hat sie nie wie ein normales Kind behandelt. Sie hat sie nie richtig geliebt und sie ständig missachtet und für Dinge bestraft, die sie nicht begangen hat. Mara war faszinierend von Reptilien seit sie ein kleines Kind war und ich hab sie immer mit in den Zoo mitgenommen wenn ich zuhause war. Als Teenager hat sie ihr gesamtes Ersparnis in Terrarien und Reptilien investiert. Und dann kam dieses schreckliche Ereignis. Wisst ihr meine Frau Frida hat Maras Hobby abgrundtief gehasst. Mit sechzehn war Mara auf einer zweiwöchigen Klassenfahrt und als sie zurückkam fand sie all ihre Lieblinge tot oder vergiftetet vor. Sie war so außer sich vor Trauer und vor Wut. Sie hat meine Frau angefallen und angeschrien. Frida konnte damit nicht umgehen und ist regelrecht geflohen. Ich hab meine Brüder angefleht sich um die Kleine zu kümmern während ich weg bin. Als ich wieder in Berlin war hab ich mich um meine kleine Tochter gekümmert. Sie sollte bei meinem großen Bruder Wilhelm bleiben bis ich eine Wohnung für sie gefunden hatte. Als erstes waren wir wieder im Zoo und ich hab ihr im Shop dieses tollen Plüschwaran zum Trösten geschenkt. Wir waren bei einigen Ärzten und bei ihr wurde eine Form von Autismus gefunden. Und dann hatte ich eine verrückte Idee. Kaiserwarane haben einen sehr stabilen Bestand und werden aufgrund ihrer außerordentlich hohen Intelligenz und Ruhe gerne als Haustiere gehalten. Allerdings gibt es da Sonderbestimmungen. Ich habe in Absprache mit meinen Kommandanten eine Auszeit genommen und eine Wohnung für mich und meine Tochter gesucht und auch gefunden, in Berlin Solomon, nahe der Havel und dem Platz der Nationen. Dort haben wir gewohnt und ich habe ihr nach der Schule einen Platz bei Bluhm Security besorgt. Zum siebzehnten Geburtstag habe ich ihr einen frisch geschlüpften Kaiserwaran vom Zoo in Berlin Solomon geschenkt. Sie war ganz aus dem Häuschen und hat ihn aufgezogen. Karl war immer ihr bester Freund. Als ich dachte sie sei wieder in Sicherheit bin zurück zum KSK und zu meiner Einheit. Alles ging so gut, bis zu dem Attentat. Ich war durch eine Mission auf der anderen Seite der Welt gebunden und konnte nicht zurück. Mara wurde lebensgefährlich schwer verletzt und ich dachte dieses Mal hätte ich sie für immer verloren. Sie war Frau Engström zugeteilt die Mara beschützt und verteidigt hat bis Verstärkung von HRZN Security auftauchte. Augmentierungen werden von keiner Kasse bezahlt und ich bin nicht reich und ich dachte das war‘s. Aber diese wunderbare Geschäftsfrau bezahlte alle Operationen für mein kleines Mädchen auch wenn sie danach nicht mehr wiederzuerkennen war. Karl durfte bei Frau Engström wohnen und Der Stoffwaran Earl schlief in Maras Bett in ihrem Apartment. Und dann das zweite Attentat. Mara war besser gewappnet aber ihre Gegner auch. Vor knapp einem Monat war es endgültig und ich hab meine liebe Tochter für immer verloren. Und Karl, den dieser Kerl hier bald adoptiert, und der Stoffwaran hier sind alles was mir von meiner kleinen Tochter geblieben ist. Ich bin zwar schon über sechzig, aber wenn ich zuhause in Deutschland bin, nehme ich den fast überall hin mit, auch ins Bett. Nennt mich ruhig kindisch, aber wenn ich die beiden Warane sehe ist es fast schon wieder so als würde ich mit meiner kleinen Mara spielen. Ich vermisse sie so sehr. Jeden Tag.“
Jetzt weinte Wolf und Andrea starrte ihn ungläubig ab. Kaz tröstete seinen Freund.
„Ich möchte euch etwas zeigen, bei den Waranen.“
Wolf zahlte und sie gingen in Richtung Reptilienhaus. Das war ja riesig. Reptilien auf drei Etagen, nach Größe sortiert. Unten waren die dicken Schuppenviecher und ganz oben die kleinen Eidechsen und Geckos. Unten blieb Wolf vor einem wirklich riesigen Terrarium stehen.
„Das sind Hera und Rüdiger, Karls Eltern. Paare von Kaiserwaranen bleiben ein Leben lang zusammen. Kaiserwarane sind schon etwas seltsam. Leben in Gruppen, Sind oft Baumbewohner und unfassbar schlau, also wirklich schlau. Karl ist keine Ausnahme. Komm ich zeige es euch.“
Wolf winkte einem der riesigen Warane zu. Die Echse kam näher und musterte die drei neugierig. Erst jetzt bemerkte, dass vor dem Waran nahe der Scheibe eine Art Tastatur in den Boden eingelassen war. Mit einer mächtigen Kralle tippte die Echse auf der Tastatur.
„Mara?“
Wolfgang seufzte tief. Und tippe auf seiner Seite etwas.
„Tot.“
Der Waran musterte sie lange, dann erschien ein „Traurig“ Emote auf dem Bildschirm auf ihrer Seite.
„Das ist Hera, sie ist über vierzig, Kaiserwarane werden über achtzig Jahre alt. Sie ist also noch in den besten Jahren, sie will wissen wer ihr seid, also tretet vor und tippt eure Namen ein.“
Schwer fasziniert trat Kaz vor und tippte „Kaz“ ein. Und dann kam Andrea und tippte ihren Namen ein. Ein „Fröhlich“ Emote kam und dann drehte die Waranin wieder um.
„Sie wird sicher trauern, sie hat Mara sehr gemocht. Kommt lasst uns weiter gehen.“
Bedächtig sahen sie sich alles an und gingen dann in die anderen Häuser. Der Zoo war echt groß. Am Ende standen sie wieder vor dem Eingang und Andrea bedankte sich für die Einladung und die Führung.
„Und bitte knallt diesem Arschloch eine, wenn ihr ihn seht.“
„Es wird uns eine Freude sein Andrea.“

Xingbao XB-07005 Beach Motorcycle

Vor Weihnachten habe ich nach kleinen nicht-LEGO Sets gesucht, die ich vielleicht einmal ausprobieren könnte, und bin nach langen Stöbern auf der Seite von Bluebrixx (LINK) unter dem Hersteller Xingbao über dieses kleine Quad gestolpert. ursprünglich wollte ich auch noch einen grünen Dünenbuggy ordern (LINK), aber der ist momentan nicht lieferbar.
Und momentan ist das Quad im Sale, also von 14,95€ runtergesetzt auf knackige 8€, da musste ich natürlich gleich zuschlagen und eins als Geschenk für meine beste Freundin einpacken, die auch in echt im Gelände Quad fährt.

Die Box für diesen Knirps ist riesig und von guter Qualität, beidseitig öffnenbar und offenbart eine Pappschale, in denen die Tüten mit den Teilen und die Anleitung liegen, also von der Größe der Verpackung ein bisschen Schmu, die bräuchte höchstens halb so groß sein. Dafür hat sie einen praktischen Henkel zum tragen, das ist ganz nett.

Bevor wir zur eigentlichen Review übergehen hier die Eckdaten:

Kenndaten

Hersteller: Xingbao
Release: ?
Herstellernummer: XB-07005
Setname: Beach Motorcycle
Alter: +6
Teile: 323 Pcs
Preis: 14,95€

Dieses Set auf bluebrixx.com: https://www.bluebrixx.com/de/technic/101619/XBA-07005-Quad-Strand-Motorrad-Xingbao

Bilder

Und jetzt die Bilder, damit diejenigen, die sich nicht das Video ansehen wollen, wissen von was ich rede.

Optischer Eindruck

Rot, weiß, schwarz und grau. Kein farblicher Blödsinn verbaut, wie man es zum Beispiel von LEGO gewohnt ist. Die Motorteile und die Auspuffanlage ist in flat silver gehalten und hünsch anzusehen. Die weißen Mudquards sind zu meiner Überraschung qualitativ hochwertig bedruckt, das könnte ein gewisser anderer Hersteller, der Aufkleberlappen auch noch bei 400€ Sets beilegt, definitiv nachmachen.
Ich bin kein Quad Experte, aber es wirkt authentisch und realistisch. Das Rot ist durchgängig von einem Farbton ohne Abweichungen. Was ein bisschen stört sind die blauen Pins, die überall hervorstechen.

Funktionen

Hinterachse und Vorderräde sind voll gefedert, gerade vorne mit sattem Federweg. Die Frontachse ist gelenkt und der Wendekreis ist erfreulich klein. Weniger erfreulich ist, dass die Lenkung Friss-oder-Stirb ist, das heißt, dass ein feiner nuancierter Lenkeinschlag nicht so richtig funktioniert.
Die Hinterachse ist über eine Zahnkette mit einem Einkolben-Zylindermoter verbunden, was in der der Theorie eine echt coole Idee ist, aber in der Praxis verhakt sich der Motor oft und die Hinterachse blockiert. Tipp zum besseren Bespielen: lasst die blöde Kette oder eins der Zahnräder zum Motor einfach weg, dann blockiert auch nichts.
Das Set ist recht robust, aber bei zu übermäßigen Bespielen können Teile abfallen, die aber schnell wieder montiert sind. Vermeidet es, das Quad am Lenker hochzuheben, das geht schief.

Fazit

Lenkung, Federung und mitlaufender Motor in einem Set für unter 20€, beim Konkurrenten LEGO sucht man so etwas vergeblich. Die Teilequalität ist ziemlich gut und die Passgenauigkeit sehr hoch. Mein Highlight sind die Räder und die bedruckten Teile.
Momentan noch im Sale für 8€, also ist zuschlagen angesagt, zu dem Preis kann absolut nichts schiefgehen.

Klare Kaufempfehlung.