Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 8

8. Jack – 3.W.Sept. 2045– Samstag – Zoo

4:30, heute war er der Erste! Er schlüpfte in seine Sportsachen und lief nach unten und war enttäuscht. Opa, also Wolfgang Bluhm, der jetzt bei Ihnen wohnen sollte, saß mit einem Glas Wasser auf dem Sofa und las mit der Brille auf der Nase in der Zeit. Er sah auf, als Jack vor ihm stand.
„Wo willst du denn hin junger Mann?“
„Ins Fitnessstudio. Komm doch mit … alter Mann.“
Wolfgang nickte.
„Wie komm ich denn da rein, ich hab noch kein Armband.“
„Ich guck mal ob im Briefkasten eins ist.“
„Hey Opa. Schon so früh auf?“
Amber war erschienen um Lucy zu füttern. Sie war auch schon in Sportsachen unterwegs.
„Ich stehe für gewöhnlich um vier oder öfters auch früher auf. Die Welt ist dann so viel stiller und friedlicher. Mein Körper hat sich über die Jahrzehnte an sehr wenig Schlaf gewöhnt und der Cocktail macht den Rest, mehr als fünf Stunden brauche ich selten. Ich hab mir gestern noch abends eine Wochenzeitung geholt, ich dachte es könnte länger dauern. Und ihr wollt zum Sport? Löblich. In eurem Alter waren meine Kinder an einem Samstag nicht aus dem Bett zu bekommen, auch meine kleine Mara nicht. Ich hab gehört du hast eine Katze. Das ist aber keine Katze das ist ein Leopard.“
„Das ist meine Lucy, sie ist zahm und ganz lieb.“
Jack öffnete den Briefkasten und holte ein kleines Päckchen mit einem weißen Silikonband und einem Beleg. Demnach war das Konto auf 1.000 Euro gebucht worden. Wolfgang wirkte Bescheiden, das mit dem Guthaben sagte er ihm lieber noch nicht. Und er checkte sein Bankkonto und war zufrieden, als er dort die gleiche Summe vorfand. Das war doch mal ein solides Taschengeld.
„Opa, dein Transponder ist da, damit kannst du uns begleiten.“
„Oh das ist ganz ausgezeichnet. Meine Morgenroutine sind zwei Kilometer schwimmen, aber ihr geht bestimmt richtig trainieren? In meinem Alter macht der Körper nicht mehr alles so ohne weiteres mit. Ich geh mal hoch und suche meine Badehose und darf ich mir ein Handtuch von euch ausleihen?“
„Du kannst dir auch unten Sachen leihen, die haben sehr kuschlige Handtücher.“
„Ach Quatsch ich bin mit Schmirgelpapier aufwachsen, soviel Sanftheit bin ich gar nicht mehr gewohnt. Selbst von meiner Frau nicht, unsere Ehe war ein Katastrophe, aber für drei tolle Kinder hat‘s gereicht, die großen zwei wollten mich aber auch nicht aufnehmen. Ich vermisse Mara, sie war eine ganz tolle junge Frau, die einen sehr gefährlichen Job gewählt hatte. Es gibt keinen Tag an dem ich nicht an meine jüngste und Karl ihren Waran denke. Der da übrigens liegt. Huhu, alter Knabe.“
Karl kam auf Wolfgang zugelaufen und ließ sich am Kopf kraulen.
„Mara war so versessen von Echsen und Waranen, sie hatte ihr erstes Paar mit zwölf, Bartagamen. Sie hat ihr ganzes Taschengeld in Terrarien und Echsen gesteckt. Ich glaube sie konnte immer besser mit Tieren als mit Menschen. Danke dass ihr Karl bei euch habt. Ob ich ihn mit raus nehmen darf? Mich kennt er ja noch, ich kenne ihn frisch aus dem Ei geschlüpft. Ich hab mit ihm gespielt wenn ich zuhause und Mara in der Schule war. Er müsste jetzt acht oder neun sein, bin mir nicht sicher.“
„Ich denke das geht klar, er ist ruhig und zahm und alle hier in Berlin Solomon kennen ihn. Ich weiß nur nicht ob wir ihn in den Zoo mitnehmen dürfen.“
„Also wenn Kasimir in dem Zoo ist, werden die bestimmt ein Auge zudrücken. Die Meisten Hunde sind lauter und aggressiver als Karl. Und ich nehme zur Not einfach seinen Maulkorb mit.“
„Das klingt gut. Früher hab ich ihn im Kinderwagen als Jungtier durch die Gegend geschoben, das gab immer ein großes Hallo. Wann macht ihr denn samstags immer Frühstück?“
„Selten vor halb neun, aber unten das Cafe öffnet um halb sechs, da könnten wir hin. Der Zoo macht um acht auf. Wie wär‘s ich lade uns drei ein, die machen ein tolles Frühstück. Ich sag Steve Bescheid, damit er den anderen Bescheid gibt. Und ich reservier einen Tisch für sechs. Bekommen wir das hin?“
„Klar dann düse ich mal hoch und hol die Sachen, danke für das Armband, das ist für Türen und Spinde und so?“
„Und fürs Bezahlen an Bars und in Läden, Sebastian hat dir da ein bisschen Guthaben draufgeladen.“
„Das war außerordentlich großzügig, das werde ich bestimmt nicht vergessen. Dann mal los.“
Jack und Amber fuhren schon mal ins Studio und trainierten was das Zeug hielt. Bis der Schweiß in Bächen an ihnen herabströmte. Die Dusche oben danach tat echt gut und sie zogen sich ihre bequemen Nox Sachen an. Amber föhnte ihre Haare und setzte sich ihre Langhaarperücke auf. Machte sie das eigentlich nur wegen ihm oder gefielen ihr kurze Haare nicht mehr?
   Wenig später kam Wolfgang vom Schwimmen und roch noch ein bisschen nach Chlor. Er zog sich ein paar legere lockere Sachen an. Zu viert inklusive angeleintem Karl gingen sie nach unten ins Café und ein Kellner zeigte ihnen ihren Tisch. Wolfgang bestellte einen Kaffee, schwarz ohne Milch oder Zucker. Sie beide nahmen zwei Kakao und Orangensaft, Wolfgang wurde hellhörig und es wurden drei Gläser Orangensaft. Dazu eine deftige Frühstücksplatte für drei. In gewohnt ausgezeichneter Qualität kam ihr Essen und sie speisten gütlich. Wolfgang wirkte sehr zufrieden. Er schummelte indem er seinen Kaffee mit Zucker süßte. Karl bekam von der Küche einen Napf mit Dosenpfirsichen, die gingen aufs Haus.
   Gegen sieben zahlte Jack und sie brachen auf. Mit Karl im Schlepptau würden sie bestimmt anderthalb Stunden brauchen. Der Zoo war alles anderer als in der Nähe, aber sie wollten mit dem Waran nicht U-Bahn fahren. Das war dann bestimmt zu viel für den Guten. Sie zeigten Wolfgang das Viertel der Patrioten in dem sie wohnten und spazierten durch die Parks. Wolfgang zeigte sich am Haus des Glaubens interessiert, einem Gotteshaus für alle großen Religionen, dass Emma entworfen hatte. Ein recht hässlicher Klotz aus Beton und Glas (wie Jack fand) Der Elemente von Gotteshäusern verschiedener Religionen aufgriff. Viele Leute grüßten sie und gerade Kinder streichelten den großen Waran in Ehrfurcht. Ein paar grüßten auch den ehemaligen Soldaten und sprachen ihr Beileid aus.
Der Zoo in Berlin Solomon war nicht so riesig, dafür hatten sie viel Raubtiere und große Echsen. Amber fand es schade das Lucy nicht mitdurfte. Vor dem Eingang stießen sie auf ein bekanntes Gesicht, Emily Strauss. Sie begrüßte sie etwas verlegen.
„Hey ihr, ich dachte wir wären die einzigen die so früh morgens in den Zoo gehen. Das ist der Institutszoo und wir forschen hier an Tieren, aber heute sind wir als Besucher da.
Klara ist schon bei ihren Lieblingstieren.“
Wolfgang warf einen Blick auf Karl.
„Sie mag Warane?“
„Ja, leider ist unsere Wohnung zu klein, sonst würden wir einen halten. Aber wir haben Jahreskarten für den Zoo und sie ist Tierpatin für eine große Waranin.“
Karl züngelte und erstarrte, dann zog er an der Leine die Jack hielt. Und zog. Amber zahlte schnell für die Karten und sie wurden eingelassen. Und Karl zerrte an der Leine und Jack lief erst und rannte dann der durchgedrehten großen Echse hinterher durch den Zoo während die anderen plus Emily ihm folgten. Er war hier schon ein paar Mal. Aber Karl war hier anscheinend öfter.
   Karl riss ihn ins Reptilienhaus, durch ein paar Gänge und sprang Klara Strauss wortwörtlich in die Arme, die sich mit einem Pfleger unterhielt der einen großen schwarzen Kaiserwaran auf dem Arm trug. Klara stolperte unter dem Gewicht Karls zurück und fiel auf den Po und wirkte ganz verwirrt im Angesicht des Riesenviechs das sich eng an sie drückte.
„Was soll das, warum überfallt ihr mich so?“
Die anderen holten sie ein. Der Pfleger starrte sie nur grinsend und drehte sich dann mit dem ihnen neugierig hinterherblickenden Waran um und ging davon.
„Könnte mich jemand von diesem Vieh, von Karl befreien?“
Widerwillig ließ sich Karl von ihr trennen und zerriss dabei vermutlich absichtlich ihr T-Shirt.
Jack warf Wolfgang einen Blick zu. Dem älteren Herrn liefen die Tränen über das Gesicht als er Klara sah und er umarmte sie heftig während er laut schluchzte.
„Mara! Meine Mara lebt, es ist nicht zu glauben. Warum bist du so gemein zu uns.“
Klara wirkte perplex und tätschelte Wolfgang unsicher den Rücken.
„Werter Herr, das muss eine Verwechslung sein, das ist meine kleine Schwester Klara.“
Wolfgang ließ von ihr ab und musterte Emily mit einer gewissen Feindseligkeit.
„Und du bist wohl auf der Jagd nach den Millionen die dein lieber Freund gerade verprasst.“
Emily war sichtlich empört.
„Na hören sie mal, erst attackiert dieses Monster meine Schwester und dann diese ungeheuerlichen Behauptungen! Sind Sie immer so freundlich ihren Mitmenschen gegenüber?“
„Nur denen, die eindeutig ein falsches Spiel spielen, so wie sie beide.“
„Schwester, komm wir gehen!“
Und die beiden Schwestern gingen energisch davon. Jack sah ihnen nach. Von hinten waren die beiden durchaus heiß. Amber riss ihn aus seinen Gedanken.
„Hey, hier wurde er geboren, das sind seine Eltern!“
Eltern? Er nahm Karl hoch auf den Arm und zusammen sahen sie durch eine Scheibe wo sie zwei riesige schwarze Warane ansahen und musterten. Einer der beiden nickte freudig mit dem Kopf. Jack sah zu Karl der mit einer Kralle zu winken schien. Die beiden anderen winkten zurück.
„Hier ist eine Tafel. Hera und Rüdiger, die beiden Elterntiere. Und es gibt gar nicht mal so viele Jungtiere, dafür leben noch alle und sind bei ausgewählten Privatpersonen in Besitz oder in anderen Zoos. Diese Art ist scheinbar selten aber hat einen stabilen Bestand, es gibt mehr von ihnen als von den großen Komodos, aber sie sagen nicht wo die leben. Sollen wir uns den Rest ansehen?“
Sie nickten und Karl nickte auch, allerdings warf er seinen Eltern noch einen langen Blick zu.
Um die Uhrzeit hatten sie den Zoo praktisch für sich alleine. Kasimir sprang aus dem Wasser und rannte bis zur Abgrenzung als er Amber sah. Sein Halstuch war frisch gewaschen und er war auch nochmal ein Stück gewachsen, seit dem letzten Mal. Wolfgang war sehr an dem Rudel Wölfen interessiert, die sie interessiert musterten. Er stand eine ganze Weile da und sah den Wölfen beim Herumliegen und Spielen zu. Er musste sein eigenes Rudel sehr vermissen.
Geist hin oder her, aber wie wollte er seinen Lebensabend bestreiten, wenn man ihm alles weggenommen hatte? Wolfgang war sechzig, da stellte ihn doch niemand mehr ein.
Ihm tat der alte Mann Leid. Hatte sein Leben und seine jüngste Tochter verloren. Das musste ein schreckliches Leben sein.
   Sie besuchten Lucys Verwandte. So ein Leopard kann ja echt groß werden. Wird Lucy dann auch mal so groß? Also so geheuer ist mir das aber nicht, dachte er sich. Aber Amber war ganz verliebt in diese Großkatzen und wollte am liebsten als Großkatze wiedergeboren werden.
   Darüber hatten sie gesprochen. Er wusste nicht welches Tier ihm so viel bedeutete, dass er darin wiedergeboren werden wollte. Vielleicht einfach einen endgültigen Tod?
   Nach drei Stunden und einem Eis waren sie fertig und standen im Zooshop. Es stand fest, der alte Mann würde einen Plüsch Wolf gekommen. Sie fanden auch einen ganz tollen, den erstand Amber, während er Wolfgang ablenkte. Auf die Frage was denn in dieser großen Tüte sei, gaben sich keine Antwort und grinsten nur. Jetzt nahm Wolf den Waran an die Leine und sie gingen entspannt zurück.
Gegen halb eins waren sie schlapp und müde und betraten die Wohnung. Anna erwartete sie gespannt in einem tollen blauen Kleid. Ihr stand der kurze Bob richtig gut.
„Ich hab die Notiz schon gelesen. Wie war euer Zoobesuch?“
„Ganz toll, Karl hat zwar etwas verrückt gespielt als er Mara … ähm Klara Strauss gesehen hat. Aber es ist toll so nahe an einem so großen Zoo zu wohnen, das ist echt der Wahnsinn.“
„Wir haben dir auch etwa mitgebracht Wolfgang, einen Plüschwolf.“
„Was habt ihr? Oh, der ist aber wirklich toll. Gut, danke sehr ihr beiden, der schläft bei mir.“
„Das freut mich. Die anderen sind immer noch bei Sport, wir haben heute ausgeschlafen. Und Merlin bereitet gerade alles für einen Brunch oben vor. Lien kauft gerade noch ein. Akira hat sich Lucy für einen kleinen Spaziergang einmal um den Block ausgeliehen, wird aber in zwei Minuten wieder hier sein, sie wartet gerade unten auf den Aufzug. Macht es euch doch erstmal bequem ich rufe euch dann zum Brunch.“
Karl stapfte zum Fenster und legte sich flach auf den Bauch und döste. Wolfgang ging mit dem Plüschwolf hoch und sie gingen auch hoch. In Unterwäsche schmiegten sie sich auf der Lieblingsdecke in Ambers Zimmer hin und kuschelten. Auch wenn es total kitzelte. Sie schliefen eng verschlungen ein und wurden von Anna sanft geweckt.
„Es gibt etwas zu essen, zieht euch an, wir haben Besuch. Ansonsten hätte es mir gereicht wenn ihr im T-Shirt unten erscheint. Zieht euch wenigstens noch eine Hose an. Bis gleich.“
Wolfgang war doch eher ein neuer Hausbewohner und kein Gast. Merkwürdig. Sie folgten der Bitte wie gewünscht und gingen nach unten und … Nein … Klara und Emily Strauss waren da und warteten auf einem der Sofas. Feixend gingen sie ganz runter und begrüßten die Gäste.
„Hallo Liz und Mara.“
Sie grinsten breit und die Frauen runzelten die Stirn.
„Hey ihr, seid nicht so gemein, ihr wisst doch dass die beiden tot sind. Fangt doch mal an den Tisch für elf Leute zu decken. Und wo ist nur euer Vater und Onkel wieder?“
Da öffnete sich die schwere Tür und Yusuf und Kaz kamen nassgeschwitzt und eifrig diskutierend rein, bekamen rein gar nichts mit und gingen hoch zum Duschen. Die beiden verstanden sich echt blendend.
   Akira kam mit ihrer Regenbogenmähne runter und spielte mit einer Strähne.
Sie drei Kinder deckten den Tisch und verteilten die Speisen, die ihnen Merlin hochschickte und bekamen einen Bärenhunger. Das sah echt lecker aus. Die Damen hatten einen Obstsalat und Kuchen mitgebracht.
   War das geplant gewesen? Die waren doch total brüskiert nach der Sache im Zoo gewesen.
Dann waren sie alle elf vollständig und sie setzten sich. Amber saß neben ihm und sie hielten Händchen. Wolfgang grinste sich einen ab. Karl lag neben ihm aus dem Boden. Er schien den alten Herrn zu mögen, vielleicht erinnerte er ihn an seine Besitzerin Mara. Die Story mit dem Waran im Kinderwagen war total genial gewesen. Sowas wäre auch Kaz zuzutrauen.
   Emily erhob die Stimme.
„Entschuldigt unser nicht wirklich angekündigtes auftauchen aber ich und meine Schwester haben eine Entscheidung getroffen. Aber vorab, sind wir hier wirklich sicher? Die Sache ist sehr sehr ernst!“
Jack warf einen Blick nach draußen wo das Panorama Fenster gerade abdunkelte und über ihnen helle Tageslichtlampen erstrahlten.
„Oh wunderbar. Das war definitiv eine Falle von Mächten, die wir nicht ganz verstehen. Aber ihr habt alle Recht. Ich bin nicht Emily und das ist nicht Klara, wir sind Elisbeth, also Liz, und Mara.“
Wolfgang lachte unsicher, Yusuf zuckte mit den Schultern, Xen und Tamara guckten ungläubig und dem Rest fiel die Kinnlade herunter.
„Das ist doch totaler Blödsinn, so etwas gibt es doch nur in Büchern und Filmen. Jeder der Tot ist, ist wirklich tot, Ende Gelände, Schicht im Schach“
Kam es von Xen.
„Ja ich weiß wie sich das anhört. Ich weiß noch wie es sich angefühlt hat, wie man mir die Arme und Beine abgesägt, mir den Kiefer zertrümmert und mir eine Kettensäge in den Schritt gesteckt hat. Es waren die schlimmsten Schmerzen und ich bin an meinem eigenen Blut erstickt. Dann kam eine Art Tunnel und ich bin zuerst in einer virtuellen Realität gelandet. Eine Art Garten Eden, wo ich auch andere Tote stieß, bis man uns wieder erweckt hat. Ich wusste nicht was das hieß und dann bin ich in diesem Körper aufgewacht. Leider sah ich so aus wie Mara und meine neue Identität die man mit vorgegeben hat, schrie leider auch nach Mara. Aber ich hab das Beste draus gemacht.“
„Bei mir ist das Experiment in Russland schiefgegangen. Meine Fahrkarte ins Leben. Die Schmerzen wurden so unerträglich, dass mein stark geschwächter Körper einfach nein gesagt hat. Erst der Garten dann der neue Körper. Zumindest bin ich bis auf meinen augmentierten Unterleib kerngesund und hab volles Haar.“
„Das ist schwer zu glauben. Wer hat das alles inszeniert. Wer hat so viel Macht?“
„Wir wissen keine Firma, wir wissen nur die Person. Johnny Solomon.“
„Ich bitte euch, mein Bruder war genial, aber die Erfindung des Mittels gegen den Tod, ich weiß nicht. Das ist doch zu sehr übertrieben.“
„Ich nicht, er hat den Link gebaut als er Schüler war.“
Kaz schien sich zu verschlucken.
„DEN Link? Den hat doch Abubakr entwickelt.“
„Entwickelt vielleicht, aber die Idee kam von Johnny.“
„Also ist mein eigener Bruder ein Geist. Oder ein Helfer.“
„Bei der Macht tippe ich auf einen Geist.“
„Das kann ich nicht glauben.“
„Kaz nicht jeder Geist ist ein Killer. Viele sind einfach nur Agenten im Sinne der Sache.“
„Das ist ein bisschen viel auf einmal. Warum kommt ihr damit auf uns zu.“
„Weil ihr doch die Wahrheit schon wisst. Wolfgang, Papa, war das Show oder wusstest du es.“
„Dein Waran hatte den richtigen Riecher und wir haben uns abgesprochen. Und ein bisschen was inszeniert um euch aus der Reserve zu locken.“
„Das ist zwar ein schlauer Waran, aber der kann nicht sprechen, niemals!“
„Doch ich zeige es euch. So ich schreibe was auf einen Zettel ohne es jemanden zu zeigen und präge es mir ein. Und jetzt seht zu.“
Karl sprang auf und schoss los, die Treppe hoch nach oben und kam fünf Minuten wieder runter, mit einem Paar Socken im Maul.
„Tada, hier auf meinem Zettel steht ‚Hol ein paar Socken‘“
Die anderen sahen ihn fasziniert an.
„Wie funktioniert das?“ Kam es von Mara.
„Karl trägt einen höheren Link, so wie ich. Damit kannst du dich mit anderen Lebewesen über den Link praktisch über Gedanken verständigen. Unverzichtbar für verdeckte Operationen, alle meine Wölfe haben einen. Die Senioren Brigade bekommt eben nur das Beste Spielzeug vom Auge.
Und Karl ist sehr kommunikativ. Von der Intelligenz her wie ein kluger Teenager, also für ein Tier ordentlich hoch. Und er knackt gerne Codes und mag Rätsel. Er kann sogar simples Laras Alphabet, bemerkenswert. Deshalb mag er mich so sehr, ich spiele mit ihm Rätsel. Wir haben einfach ein bisschen Risiko gespielt und ein großes Theater inszeniert um euch bei eurem schlechten Gewissen zu erwischen. Das hat ja auch geklappt. Ätsch“
Mara biss sich auf die Lippe und sah ihren Vater böse an.
„Das war unfair und so typisch Dad. Warum bist du eigentlich hier?“
„Frida hat mich vor die Tür gesetzt, die Bundeswehr musste mich fristlos entlassen, Druck von oben. Alles was mir lieb und teuer ist in einem Armeerucksack und einem Wäschesack. Deine Mutter will die Scheidung für eine gescheiterte Ehe. Ich werde vermutlich alles verlieren und ohne Job und Rente ins Alter gehen. Über dreißig Jahre Kampf für mein Vaterland und das ist der Dank.“
Mara schlug sich die Hände vors Gesicht, schluchzte, stand auf und ging zu ihrem Vater um ihn zu umarmen.
„Stört es dich wenn ich von der Hüfte abwärts kein Mensch und auch nicht mehr zwanzig bin?“
„Nein, für mich bleibst du immer meine kleine Mara.“
„Das ist so furchtbar. Ich darf nur außer euch hier im Raum keinem auf der Welt sagen, dass ich Mara Bluhm bin, gleiches gilt für meine Schwester Liz. Und Mama schnappt sich natürlich wieder alles was ihr nicht gehört. Sorry, aber ich hab sie nie richtig gemocht, ich war das Versehen, ich war kein Wunschkind. Und so hat sie mich behandelt. Deshalb waren mir Tiere immer näher als Menschen, glaube ich zumindest. Kann ich mit Karl auch reden? Und wie kann er mit mir reden.“
„Du kannst normale Sprache verwenden und er kann das lateinische Alphabet. Du kannst normal mit ihm reden, er ist sehr schlau. Englisch funktioniert auch. Ohne den Link verwendet er einen Code, mit dem er Sätze in wenigen Zeichen schreiben kann. Am besten auf einen Sandtisch. Ich hab es mit ihm entwickelt, als du dich auf deinen Abschluss vorbereitet hast und ich viel Zuhause war. Es ist komplex, aber leicht zu lernen und es verwendet keine Schlüssel. Den höheren Link bekommen nur Geister, eines bestimmten Ranges. Einzelkämpfer brauchen den nicht. Teamplayer schon eher. Amber hat einen bekommen. Und Lucy hat einen.“
Alle starrten auf Amber, die sich ein bisschen auf ihrem Platz wand.
„Ja ich kann mit Karl und Lucy sprechen. Das ist ganz komisch, weil sie gar nicht so richtig eigene Stimmen haben, aber ich weiß einfach was sie sagen, wenn sie mit mir reden.“
Lucy sprang auf ihren Schoß und schnurrte laut.
„Sie möchte gerne ein bisschen Schinken, ist das okay? Und Karl hat Hunger auf Pfirsiche.“
Wolfgang meldete sich zu Wort.
„Das mit den Pfirsichen hat er leider durch mich, nach jedem gelösten Rätsel habe ich ihn mit einem Pfirsich gefüttert. Der Kleine Supermarkt in der Straße Gegenüber hatte immer tolle. Und ich hab ihm immer die Zähne geputzt, wenn ich da war. Ich hoffe keiner hatte die Violette genommen.“
Mara würgte angeekelt.
„Lila war meine Farbe! Du Scheusal, du…“
Wolfang lachte.
„Wieder ein kleiner Test. Karl hatte eine Hellgrüne, die ich immer weggepackt habe. Er verträgt auch viele Zahnpasta Sorten nicht, also hab ich lang nach dem richtigen Mittel gesucht.“
„Warum weißt du mehr über meinen Waran als ich?“
„Das meiste hat er mir selbst erzählt. Er fühlt sich wie ein Genie ohne Mund und Arme. Er ist schlau, kann damit aber nicht viel machen, weil er im Gegensatz zu Affen keine richtigen Hände hat. Er hat ja versucht mit dir zu reden, aber du hörst nicht richtig hin. Morse-Alphabet, Klopfzeichen, Kratzzeichen. Aber du warst schon immer so stur, das hast du von deiner Mutter.“
„Hey, ich bin gar nicht stur, Siegfried und Franziska waren verdammt stur, ich … oh man, wieder reingefallen oder nicht?“
Wolfgang nickte grinsend.
„Darf ich mir den mal ausleihen?“
„Nope, aber du kannst ihn hier besuchen.“
„Ok das ist fair. Wen willst du besuchen Emily … ähm Liz?“
Liz zuckte nur mit den Schultern.
„Hey du musst Amber und Akira besuchen. Die haben dich vermisst.“
Die beiden genannten standen auf und Umarmten Liz, und zogen und zerrten an ihren Haaren, was die Betroffene dieses Mal mit einem Lachen quittierte.
„Nein die sind wirklich echt und ich mach sie auch nicht ab, auch wenn ich mit kürzeren Haaren liebäugle, aber erst Im Sommer. Der Winter soll ein Jahrhundertwinter werden, darf ich mir dann einen der Mäntel ausleihen, die kann ich mir nämlich nicht so ohne weiteres leisten.“
„In Ordnung, außer du rasierst dir Kopf und Augenbrauen und färbst dir die Haut weiß.“
„Nein, das verspreche ich, momentan kann Horizon echt auf das Nazi Image verzichten.“
„Dann tun wir wohl in der Öffentlichkeit so, als würden wir uns gerade frisch anfreunden. Liz kennst du das Bistro in Potsdam Babelsberg noch, hättest du Lust?“
„Ich bitte dich, hier gibt’s auch gute Lokale. Soll ich einen Tisch für uns beide bei dem netten Inder um die Ecke reservieren. Der ist echt richtig gut. Und das kommt von einer, die indisch absolut liebt.“
„Absolut, aber das ist kein Date, ich bin verlobt.“
Emily lachte und winkte Anna zu die wenig begeistert wirkte.
„Geht klar, jetzt weiß ich ja, dass ihr beide schon immer beschlossene Sache wart. Da grätsche ich bestimmt nicht dazwischen, dafür seid ihr ein zu süßes Pärchen.“
Anna errötete und Kaz gab ihr einen Kuss auf die Wange.
„Es ist so seltsam an einem reich gedeckten Tisch zu sitzen und mit alten Freunden zu reden.“
„Finden wir auch, aber wir genießen es. Auch den neuen Job den wir in zwei Wochen antreten werden. Glücklicherweise hat viel von Horizon Brandenburg den Anschlag überlebt, auch wenn verdammt viele Menschen in der Klinik und in dem Turm ums Leben gekommen sind. Sie transportieren gerade die Trümmer ab und planen den Wiederaufbau. Wieder ein Turm, aber kleiner und Massiver und das Tor vorne soll richtig Festungsartig werden. Wir haben so Glück das der Untergrundtresor mit den Krankheitserregern keinen Kratzer abbekommen hat. Dafür liegt der Schaden im Milliardenbereich. Unser Büro ist in einem der flacheren Trakte, Die Chefetage ist auch dahin umgezogen und überall ist Security. Ist echt gruselig. Und überall parkt Militär. Aber die Untergrund Bahn hat nichts abbekommen, von Solomon Central führt eine Privatbahn direkt bis unter das Hauptgebäude, unter der Havel durch, richtig cool. Da sind wir schon mal Probegefahren. Taktung wie eine normale U-Bahn. Und damit wird auch Cargo transportiert. Ich mag so technische Sachen total gern und fragt nicht wie das geht, aber wir wissen genau was wir während unsere Jahre gemacht haben, wo und mit wem. Uns kommt es so vor, als hätten wie beide satte zehn Jahre studiert. Und ich kann jetzt mehrsprachig programmieren, das finde ich ganz toll. Ich mag C am liebsten.“
„Meine KI Hal hab ich mit C geschrieben.“
„Du hast niemals eine KI geschrieben. Du hast mit Ach und Krach bestanden und hast nach einem halben Jahr eine Ausbildung zum Koch angefangen und richtig gut bestanden. Du bist Koch, kein Programmierer.“
„Da dürfte ich wiedersprechen Madam, Sir Katsuro hat meinen Kernel im Alter von fünfzehn Jahren vollendet, von da an hab ich mich selbst nach meinen eigenen Ansprüchen weiterentwickelt.
Jetzt sind sie ja eingeweiht, also darf ich es verraten. Mein Name ist Hal und ich bin eine KI. Die Identität als Versager wurde Sir Katsuro von unserer Organisation gewissermaßen aufgezwungen um mit seinem Programmiertalent nicht aufzufallen. Wir haben zusammen Halos entwickelt, was Teil seiner erstklassigen Masterarbeit war. Es ist heute eines der am weitesten verbreiteten Betriebssysteme auf diesem Planeten und wird überall dort eingesetzt wo Sicherheit ein Rolle spielt.“
Die beiden Schwestern waren heftig erbleicht.
„Stimmt das oder ist das irgendeein Fake und den Sprecher kenne ich doch, dass ist doch …“
„Die Stimmt von Till Hagen, genau. Deepfake ist schon eine tolle Erfindung.“
„Das ist doch total abgefahren, nein das glaube ich dir nicht. Du liebenswerter Idiot hast niemals HALOS mitentwickelt. Du hast in deiner schrottigen Zweizimmerwohnung gelebt und den Tag über nichts gemacht.“
„Du weißt schon dass ich mit dem Link mit Hal sprechen kann, ohne die Lippen zu bewegen? Wir hatten sehr fundamentierte Gespräche über das Leben und den Tod. Und guck ein Wunder ist geschehen und hat euch wieder aufgeweckt. Und du siehst nicht so abstoßend hässlich wie eine Gesichtslose aus sondern siehst toll aus, mit deinem vollen langen Haar, lass die bitte dran.“
Emily drückte sich eine Träne weg.
„Ich dachte du fandest mein neues Outfit toll, so kann man sich täuschen. Du bist doof.“
„Ach komm schon, das sah zu sehr nach Nazi aus und heutzutage bist du schon einer wenn du nur in der Mitte stehst und doof findest was die Linken machen. Selbst die Patrioten hier im Viertel sind alles Nazis, weil sie für ihr Vaterland geradestehen. Und die Presse zerfleischt sich innerlich, weil die Patrioten in Deutschland eben nicht nur die Weißen sind. Lest doch nur die Artikel zu dem Marsch der Animals, die linke Presse ist fassungslos weil ihr Weltbild in Scherben liegt. Und jetzt ist schon wieder so viel Politik, lasst uns die Toten feiern und ordentlich schlemmen. Emily, du darfst dir jetzt gerne schon so viele Mäntel nehmen wie du tragen kannst!“
Ah, endlich essen. Jack tat sich und Amber ordentlich auf und sie genossen das tolle Essen. Allen schmeckte es vorzüglich. Der Kuchen von den Schwestern war echt lecker. Wie hatten die den in der kurzen Zeit gebacken oder war das Treffen schon geplant gewesen und sie wussten nur nichts.
„Vielen Dank für die Einladung euch allen, auch wenn das wie eine Falle gewirkt hat, was es ja auch war, auch wenn wir schon von einem zu schlauen Waran und einem alten Wolf durchschaut wurden, ich weiß nicht warum man es uns so schwer gemacht hat, uns zu tarnen. Es ist uns ein absolutes Rätsel und wir fühlen uns wie Zielscheiben. Zum Glück sehen wir nicht exakt wie vorher aus, aber viele Menschen scheinen uns zu erkennen. Das ist nicht sehr angenehm. Immerhin kennen unsere Körper Kampfsport und wir tragen immer unauffällige Waffen mit, die nicht offensichtlich unter das Waffengesetz fallen. Und wir tragen nur noch NOX. Die Clowns sind zwar von der Oberfläche verschwunden, aber sie werden nie weg sein, denn diese verblendete Idee lässt sich nur schwer töten. Zum Glück gibt es so aufgeweckte Gruppen wie die Animals und die Partei die neue Mitte mit Ihrem großen Bruder als Anführer.“
„Tja, dem wurde das mit in die Wiege geführt. Gut reden konnte er schon immer, er war immer Klassen- und später Schulsprecher, den man in der Armee fast schon angefleht hatte Offizier zu werden. Und auch sonst ist er der geborene Anführer den man ja fast schon respektieren muss. Auch wenn ich es im KSK gehasst habe immer zweite Wahl nach ihm gewesen zu sein.“
Wolfgang klang sehr verbittert. So viel auf einmal, das musste ihm nahe gehen.
„Ich und Benj begleiten Emily und Klara dann nach Hause, sicher ist sicher.“
Kam es von Kaz.
„Hey, noch sind wir nicht fertig! Übrigens solltet ihr beiden die Wahl eurer Stofftiere und Bettumgebungen bedenken, das schreit nach Liz und Mara. Plüschwarane und Felle.“
Oh Akira, das hättest du für dich behalten sollen.
„Wissen wir, aber wir dachten, dass wir uns das Versteckspiel mit euch knicken können. Euch trickst man ja eh nicht aus. Interessant dass ihr es geschafft habt bei uns einzusteigen. Die Security ist eigentlich total klasse. Das haben wir nicht bemerkt, echt nicht. Respekt.“
Sie unterhielten sich weiter und brunchten, aber Jack schaltete ab, ihm war nach schlafen.
Nach zweieinhalb Stunden räumten sie ab und die Erwachsenen gingen hoch aufs Sonnendeck und er schnarchte auf Ambers Bett mit der flauschigen Decke ein.
   Er erwachte von einem Waran, der sich auf ihn legte und ihm die Luft abdrückte.
„Geh runter, ich bin ja schon wach“
Knurrte er müde. Der Waran gab ihm einen Kuss.
„Oh man Amber, du bist schwer!“
Seine Freundin rollte sich lachend von ihm runter.
„Komm schon, es ist nach sieben, du grillst dir gerade deine Routine.“
Fuck, schon früher Abend. Wie lang hatte er denn bitte geschlafen?
Er stand widerwillig auf und suchte nach seiner Hose. Müde tappte er aufs Klo und dann runter ins Wohnzimmer. Am großen Tisch schien Wolfgang mit einer Brille auf der Nase das Kreuzworträtsel einer Zeitung zu lösen. Sie gesellten sich zu ihm. Er sah nicht auf.
„Du Opa Wolfgang, du bist doch Agent?“
Wolf sah hoch und lächelte.
„Kann man so sagen, auch wenn ich in der Regel beim Militär war. Aber wir haben viele verdeckte Militäroperationen gemacht, wo es auf Unauffälligkeit ankam. Und als Geist war ich viel quasi als Geheimagent unterwegs wenn ihr das meint.“
„Dann hast du bestimmt einen Koffer voller Gadgets?“ kam es von ihm.
„Puh, ich weiß nicht ob ich es Gadgets nennen sollte, aber Werkzeuge durchaus. Wir machen das mal so, ich zeig euch, was ich seit über dreißig Jahren jeden Tag dabei habe, wenn ich unterwegs bin. Moment ich hol es mal.“
Sie warteten ganz aufgeregt auf das was Wolfgang ihnen zeigen würde. Als einer der ältesten aktiven Geister musste er bestimmt tonnenweise abgefahrene Sachen dabei haben. Explodierende Kugelschreiber und so Zeugs. Sie waren gespannt als er seinen großen Rucksack holte und dann irgendwie enttäuscht. Wolfgang legte ihnen einen Bauchgurt mit zwei Fächern, ein kleines Lederetui und seine Brieftasche auf den Tisch und lehnte sich gespannt zurück.
„Das sind meine Gadgets. Eins fehlt noch, das zeige ich euch nachher, aber das habe ich auch nicht jeden Tag mit dabei.“
Die Brieftasche zuerst. Stapelweise Karten für Bank und Versicherungen und Bahn und so Krams. Ein kleiner Spiegel und eine Taschenlupe im EC-Kartenformat waren interessant. Ein paar Geldnoten und Kleingeld. Das Etui war schon spannender. Eine Minitaschenlampe, ein Schlüsselhalter, Ein Kleinstwerkzeug, Kugelschreiber und Dietriche.
   Aber wo war das abgedrehte Zeug? Doch im Bauchgurt. Huh ob das antike Telefon noch funktionierte? Dann immerhin ein Prism 10, Kopfhörer, Ein kleiner Block, Berlin Stadtplan, ein Schreibmäppchen, Ein Kompass, eine antike Taschenuhr zum Aufziehen und eine kleine Dose mit Briefmarken und ein kleines Fernrohr. Oh man ey, total viel Plunder.
   Im Schreibmäppchen waren Anspitzer und Radiergummi, zwei Bleistifte und einen Graphitstift, Noch ein Kugelschreiber, drei Fineliner, Ein Edding, Wachsmalkreide und weiße Kreide.
Enttäuscht lehnten sie sich zurück, während sie Wolfgang über den Tisch hinweg breit angrinste.
„Ihr beiden habt zu viele actionlastige Agentenfilme gesehen. Das wahre Leben ist viel subtiler und Unaufgeregter. Vieles sind versteckte Zeichen und Codes, für die man einfach ein Gespür finden müsst. Auch Beschattungen müssen euch in Fleisch und Blut übergehen. Ich trainiere mit euch Codes. Laras Alphabet ist mittlerweile beliebt, weil er so vielseitig ist. Ich mal euch schnell mal einen auf, Sekunde.“
Wolfgang nahm sich Zettel und Stift und war ein paar Minuten zugange, dann zeigte er ihnen sechs Zeilen Kauderwelsch. Jack starrte auf den Block und sah auch nach zehn Minuten nichts. Er gab ihn zurück. Wolf lachte.
„Karl komm mal her.“
Der Waran setzte sich auf den Stuhl neben Wolfgang und musterte die Karte für einen Moment. Dann nickte er eifrig mit dem Kopf und züngelte aufgeregt.
„Was macht ihr denn hier? Bastelstunde?“
Kaz kam zu ihnen. Er warf einen Blick auf die Karte.
„‘Kaz ist doof‘ Danke sehr. Zeigst du ihnen Laras Alphabet? Gute Sache, den sollte man können.“
Jack und Amber sahen sich verstört an, selbst Karl war wohl einfach schlauer als sie.
„Im Feld dauert das natürlich zu lange, deshalb hab ich immer diesen Kasten mit.“
Er legte ein buchgroßes schwarzes Kästchen auf den Tisch.
„Das ist ein Drucker für Postkarten und kleineres. Sehr praktisch für das Versenden von etwas komplexeren Urlaubswünschen. Den kopple ich mit meinem Prism und für das hab ich den Link. Also kann ich den einfach im Rucksack haben und der drückt sich fröhlich eine Postkarte, während ich spaziere. Und ich hab das natürlich auch immer dabei.“
Er legte ein Kampfmesser mit Hülle auf den Tisch.
„Leider darf man mit den behinderten Gesetzten auch mit drei Jahrzehnten an der Waffe zivil keine Waffe tragen, in dem Fall würde ich eine Beretta 92 nehmen, die mag ich mehr als unsere heimischen Waffen, ich hab die HK P8 schon immer gehasst. Der Italiener sieht auch schnittiger aus, aber das ist Geschmackssache. Ich hoffe Wilhelm macht da was, wenn man den alten Eimer wählt. Neuwahlen sind in ein paar Monaten wenn ich mich nicht irre. Aber die Reden die er zündet sind der Knaller, der belebt die Massen ohne in Populismus zu verfallen. Nicht das er noch Stadien füllt und man schwarz rot weiße Banner hinter ihm wehen lässt. Untersteh dich irgendwas für den zu entwerfen, ich sehe ja was du malst.“
„November sind Wahlen. Ich würde eine FN Five-Seven nehmen. Und ich male keine Nazi Sachen.“
„Königin der Gesichtslosen ist optisch schon hart an der Grenze. Und ihr Kinder dürft ja noch nicht wählen, hat Amber eigentlich schon die deutsche Staatsbürgerschaft?“
„Sie hat eine Aufenthaltsgenehmigung und ich habe den Papierkram für die Anmeldung im Januar eingereicht. Aber ich bin ja Nazi und so, den Antrag haben sie bestimmt gleich in die Tonne geworfen.“
„Dürfte eigentlich nicht sein. So korrupt kann unsere linke Regierung doch nicht sein oder? Naja auf der anderen Seite, wie wir bei der Armee gegängelt und schikaniert wurden, mit minderwertigem Equipment und der miesesten Auftragssituation seit Jahrzehnten. Die scheinen uns echt zu hassen wie wir sehen. Dass wir es mit den SEALs trotz dieser Gängelung aufnehmen können, spricht wahre Bände. Was wir alles für unnötigen Scheiß machen musste. Diese Schweinhunde werde ich bejubeln, wenn sie abtreten müssen. Sagt‘s keinem, aber ich wähle meinen Bruder. Und jetzt räume ich mal mein Zeug wieder ein. Ich denke ich fang mit euch dreien gleich morgen an, also meinen ‚Enkelkindern‘. Ich ertränke euch jetzt nicht mit Wissen, aber die Codes müsst ihr lernen und die anderen Methoden machen wir dann etwas später. Ich hab schon gesehen, dass sich Amber und Akira gut austoben können, was Verkleidungen angeht und Jack zieht immer die Junior Kaz Masche ab, die auf Dauer nicht brillant ist, aber sie funktioniert gut. Und jetzt geh ich nochmal ein paar Runden schwimmen und ich probiere den Rest in dem Bad aus, inklusive dieser Bar.“
Jack und Amber wollten nach oben verschwinden, aber Kaz hielt sie zurück.
„Amber, du bist unachtsam! Lucy hat ein Loch im Zahn! Zu viel heimliche Eiscreme? Heute haben die Tierärzte schon zu, also fährt Anna Montag mit dir und Lucy zum Tierarzt oder in den Zoo. Und pass auf, sie ist noch ganz jung, die braucht ihre Zähne. Und ab sofort putzt du ihr jeden Tag zweimal die Zähne. Ich kontrolliere, also nicht schlampen. Kein Eis und Süßkram mehr für die Katze!
Hast du mich verstanden? Und jetzt hoch mit euch.“
Amber machte ein trauriges Gesicht während sie hoch trottete und reagierte auch nicht auf Jacks Spiel mit ihr. Tränen liefen ihr die Wangen herunter, als sie stumm weinte.
   Lucy wartete oben und machte ein unglückliches Gesicht. Amber und die Katze trotteten in ihr Zimmer und machten zu. Heute würde er also bei sich pennen. Heute würde es um neun einen großen Eintopf Gulaschsuppe geben, Kaz kochte. Heute hatten Merlin und Lien frei und würden morgen erst wieder zu Abend auftreten. Gut, gegen Kaz Kochkünste sprach ja nichts. Er ging in die vierte und bei Akiras Streamingstudio leuchtete das rote Aufnahmelicht.
   Er ging in seinen Raum und guckte eine alte Aufzeichnung seines ollen Streams zu. Meistens guckte ihm keiner zu und er übertrug auch nur Audio weil er Facecam nicht wollte, er fand dass er ein Gesicht wie eine Kartoffel hatte. Aber meistens sah er hier oben Akiras Stream an und war nur neidisch. Jetzt gerade spielte sie einen Plattformer, wo man eine lustig aussehende Schlange steuerte. Bei ihr sah das so leicht aus, er hatte bei diesem Spiel so versagt.
   Ab und zu ploppte eine Donation auf oder jemand subscribte bei ihr. Über zwanzigtausend Zuschauer für ein hübsches Mädchen, was verdammt gut spielte. Wie konnte sie darin so gut sein, man, in allem war sie so gut und er versagte in fast allem was er machte. Das war doch nicht normal.
   Frustriert machte er den Stream aus und spielte ein rundenbasiertes Strategiespiel. Dazu hörte er ein Drei Fragezeichen Hörspiel, die drei Sprecher gaben sich auch tapfer, jung waren die nicht mehr.
Irgendwann wurde zum Essen gerufen. Es gab dann richtig eine kleine Einblendung auf dem Bildschirm, das war schon ziemlich genial. Genial war auch der echt leckere Eintopf.
Danach Zähneputzen und ab ins Bett. Ne, er spielte natürlich noch ein bisschen weiter. Ihm war gerade nicht nach Schlaf. Um zwei nukte er Gandhi in Civilisation und machte dann aus.
Jetzt war er zufrieden.

LEGO Technic 8069 Backhoe-Loader

Letztes Jahr, als ich wieder bekundet habe mich stärker mit LEGO zu beschäftigigen und weil die Frage bestand was ich mir von meiner Patentante denn nun zu Weihnachten wünsche, hat sie erwähnt, dass noch das ganze LEGO ihrer Söhne rumsteht, was keiner haben will und nur einstaubt. Also wurde prompt ein Päckchen entsendet, in dem der Bagger und ein Lastwagen schlummerten, letzteren wollte ich eigentlich zuerst vorstellen, aber bei dem fehlen ein paar Teile, also musst der Bagger zusammengebaut werden. Gesagt getan, Bauzeit weiß ich nicht mehr genau, etwa 1-1,5 Stunden für einen erfahrenen Bastler. Und da steht er nun.

Kenndaten

Hersteller: LEGO
Kategorie: Technic
Release: 2011
Herstellernummer: 8069
Setname: Backhoe Loader
Alter: 10-16
Teile: 609 Pcs
Preis 2011: ~60€

Dieses Set auf Bricklink: LINK

Bilder

Optischer Eindruck

Dafür, dass dieses Ding aus nur 600 Teilen besteht, ist es echt riesig. Aber es ist recht Skelett-artig und oft nur angedeutet. So ist aber auch schön aus wie wenigen Teilen die Motorhaube und die Kabine bestehen und dennoch so stimmig aussehen. Man kann richtig reingucken und den Zahnrädern bei der Arbeit zugucken, das finde ich toll und erinnert an die Sets aus der Pre-2000 Ära, wo alles noch klotzig und kantig war. Nicht wie der durchgestylte Lizenz Mist, den wir heute bekommen, wo die geilen Funktionen weggespart werden. Mir ist Funktion über Design sehr wichtig und der kleine Bagger erfüllt das total, zudem ist kein Teil für sinnlse optische Spielereien draufgegangen.
Achja, keine Farbseuche! Es gibt als Farben gelb, grau und schwarz plus der blaue Sitz. Wenn jetzt auch noch die blauen Pins und 2er Achsen schwarz wären.

Funktionen

Hier wird es wild, denn das Set strotzt nur so von schönen Kurbelfunktionen. Fangen wir vorne an. Ein Zahnrad (beidseitig montiert) zum Heben und Senken der Schaufel und wenn man an dem Auspuffrohr dreht, neigt man die Schaufel. Auf dem Führerhaus haben wir einen Knubel, der die sehr saubere Lenkung betätigt – der Lenkradius ist ok. Dann zwei Zahnräder, die den hinteren Baggerarm betätigen, ein Rad um den Arm nach links und rechts zu bewegen und zwei Stützen. Wenn man die Stützen einzeln zählt, kommt man auf sage und schreibe 8 Funktionen. Wie geil ist das denn? Acht coole Funktionen auf ein 60€ Set, das haben wir heute nicht mehr. Im Video zeige ich euch alle Funktionen im Detail, also vergesst nicht reinzuschauen.

Fazit

Beim Bau dachte ich mir anfangs noch nichts, aber je mehr das Teil wuchs und je mehr Funktionen ich baute, desto mehr wuchs meine Begeisterung. 600 Teile sind nicht viel, um mit diesen Set ein Funktionsmonster auszutüfteln, das auch optisch in Schlichtheit besticht – das ist Wahnsinn – genialer Wahnsinn. Es ist easy in den Top 10 meiner LEGO Technic Sets, gerade im Hinblick auf die Funktionen. Ich bin sehr zufrieden und passt wunderbar in die Sammlung.

Klare Empfehlung! Holt euch den über ebay oder bricklink, es lohnt sich.

ABC-Etüden Schreibwochen – 3-4.22

Hier findet ihr die Details.

Die aktuellen Worte sind die:

Wackelpudding
unverdrossen
knistern.

Und ich hab mir was „munteres“ ausgedacht, auf den Punkt 300 Wörter 😉

Katastrophe

Weihnachtsmorgen, zwölf Uhr. Die Luft knisterte. Eigentlich, unter normalen Umständen, würde Joschi jetzt das tollste Weihnachts- und Geburtstagsfrühstück der Welt für seine Tochter Lucy zaubern und die Geschenke unter dem Baum verteilen. Diesmal nicht. Weihnachten fiel aus.
Missmutig öffnete er den Kühlschrank und holte die schwere, große Brotbackform mit dem festgewordenen Waldmeister Wackelpudding heraus. Seine Depri-Spezialmischung, weniger Wasser, dafür eine halbe Flasche Vodka. Die Mischung machte er oft, wenn es Zoff mit seiner bescheuerten Tochter gab. Nerdig unschuldiges Hoppelhäschen mit großen braunen Rehaugen, die aber den lieben langen Tag nur zickte und bockig war – heute wurde sie sechzehn.

Er stürzte den Pudding auf eine Platte und schnitt zwei große Stücke ab und servierte sie ihm und Luise Hofgärtner, Lucys Lehrerin für Physik und Schauspielerei und seit ein paar Tagen seine Freundin. Eine Freundschaft, die seine Tochter zwar angeleiert hatte, aber mächtig torpedierte, indem sie im Wahn ihrer Krankheit Luise übel beleidigt und bedroht hatte. Lucy zuliebe, hatte es Luise zum Glück nicht der Schulleitung gemeldet, die seine Tochter in hohem Bogen von der Schule geworfen hätte. Er schob sich einen Esslöffel voll Vodka-Wackelpudding in den Mund und verfluchte Lucys Mutter dafür, ihrer Tochter diese beschissene Psycho Krankheit vererbt zu haben.

Ein Anruf bei einer guten Freundin hatte genügt und noch am gestrigen Abend war seine Tochter von zwei Pflegern abgeholt und in eine Einrichtung für Menschen mit besonders schweren psychischen Krankheiten gebracht worden. Seine Tochter, die ihre Krankheit vehement und unverdrossen leugnete, hatte geschrien und getobt, auf die Pfleger und auf ihn eingeschlagen und am Ende gebrochen geheult, gefleht und gebettelt.

Luise sah auf und lächelte flüchtig.
„Sehr interessante Mischung, aber tut gut.“
„Danke.“
„Wie fühlst du dich?“
„Beschissen.“
Sie sah betreten auf ihren Teller. Dann streckte sie den Arm auf und ergriff seine Hand.
„Wir stehen das zusammen durch!“

Media Monday #551

Die Details findet ihr hier.

1 Wenn ich eines aus Filmen gelernt habe dann, dass Hauptfiguren Plotrüstung tragen und Waffen unendlich viel Munition haben.

2 Schon lustig, wenn man sich überlegt, wie früher alle gelebt haben, ohne Computer, Smartphones, Internet und Social Media. Was für Zeiten waren das, ich erinnere mich vage.

3 Die Funktionalität eines Schalldämpfers ist ja in der Realität meist etwas anderes als die verklärte Darstellung in Filmen, denn die funktionieren eigentlich nur bei Unterschall Murmeln und es ging mir beim Finale des neuen James Bond Films wieder dezent auf den Sack.

4 Schade, dass man im Moment so wenig von SureAI hört, denn ich hätte schon echt Lust auf deren Erstlingswerk als richtig ausgegründetes Gamestudio, nach grandiosen und sehr erfolgreichen Modgiganten wie Nehrim und Enderal, zumal Deutschland meiner Meinung nach eh ein paar mehr geile Entwicklerstudios für epische AA/AAA-Games braucht.

5 ich verstehe ja grundsätzlich schon, warum große Film Studios bekannte Spielereihen auf die Leinwand bringen wollen, aber warum verbocken es die meisten dann immer so dermaßen hart? In meiner Erinnerung ist Sonic der einzige Spiele-Film, der nicht kacke ist.

6 Starfield als erste neue Bethesda Gamestudios IP seit fast zwanzig Jahren könnte ein echter Erfolg sein/werden, wenn die Qualitätssicherung nicht mal wieder schläft und das Spiel in einem richtig guten polierten nicht-verbugten Zustand ohne 50GB Day-One-Patch rauskommt – kein wiederholtes Debakel wie der Start von Fallout 76 …

7 Zuletzt habe ich richtig Lust auf Fallout 4 mit Mods gehabt und das war alles vollkommen für die Katz, weil im Spiel dann meine Mods und Scripte alle nicht richtig geladen wurden und ich nicht so der Modder-Geek bin, der das easy fixen kann.