Wenn dir eine Skizze einfach nicht reicht

Heute nur was kurzes, weil ich noch einen Film gucken will und es schon neun Uhr abends ist. Ich mache ja derzeit ein Bauzeichner Praktikum bei einem Landschaftsarchitekturbüro in Berlin Kreuzberg. Die Woche war das Ziel Arbeitsproben für ein Bewerbungsgespräch für das nächste Bauzeichner Praktikum zu sammeln. Und heute nach zumindest gedanklich schweißtreibender Arbeit waren für Liz Solomons Milliardärinnen „Wohnung“ alle Grundrisse endlich fertig. Jetzt fehlen nur noch die Schnitte und die Ansichten.

Das Abgefahrene an der Wohnung ist, dass es eine riesige und ausgesprochen hässliche Protzvilla mit großem Garten wiederum in einem noch viel viel größerem Gebäude (Dark Horizon) ist, als Domizil für Leute, für die Geld einfach keine Rolle mehr spielt, so wie Liz eben, die zwischen 450 und 500 Milliarden Euro besitzt und von ihrem Papa Herbert Solomon, dem Chef des Baukonzerns Solomon Industries diese Wohnung zu ihrer Volljährigkeit spendiert bekommen hat. Das Haus inkludiert 6 großzügige Angestelltenwohnungen, einen riesigen Nutzgarten, einen See, einen überdachten Pool und hat 5 Stockwerke. Das einzige was am Plan nicht akkurat ist, ist, dass die Garage eingezeichnet ist, denn Liz besitzt eine Tiefgarage für mehr Protzschlitten als sie braucht und der See ist nicht voll drauf. Ich hab aber die Files und autoCAD, also kann ich noch weitermalen, wenn ich Bock drauf habe 😀

EG + Außenanlagen

Keine Sorge, wenn das Praktikum vorbei ist, lad ich die PDFs in die Cloud zum runterladen und angucken und es wird einen ausführlichen Beitrag geben, der jedes Zimmer und jeden Ausschnitt beleuchtet 🙂

Damit dürfte ich zu den verdammt wenigen Autoren gehören, die professionelle Grundrisse für die Orte ihrer Bücher anfertigen. Ist doch auch ein Alleinstellungsmerkmal. XD

Übrigens mit dem Osiris Genom (2.5) gehts wieder weiter, aber es dauert noch eine Weile bis es fertig ist 😉

Und wenn ich ab Juli wieder mehr Zeit habe, baue ich das Ganze in Unreal Engine 5 nach, was vermutlich trotzdem eine Weile (Jahre) dauern wird, weil ich mir auch erstmal selbst beibringen muss. Und dann baue ich eine Figur, mit der man sich alles ansehen und interagieren kann … vielleicht sogar in VR. Und dann brauche ich wirklich ein PC Upgrade 😀

Der Katastrophenzyklus – 2-1 – Überraschungsbesuch (8 Seiten)

Der Abend vor Weihnachten. Es dürfte etwa zehn sein, Lucy war schon früh zu Bett gegangen, morgen wollte sie vormittags nochmal mit ihrer Freundin Anna (oder Lena?) ins Schwimmbad, Anna war zwar ziemlich moppelig, aber sie schwamm echt fix und gerne, genauso gerne wie seine Tochter.
   Joschi schmökerte in einem Architekturbildband, den Tipp hatte ihm seine Schwägerin Anna gegeben, die als Innenarchitektin sehr erfolgreich arbeitete, um nicht zu sagen, dass sie eine der gefragtesten Innenarchitektinnen Deutschlands war, auch wenn sie ihm nach all den Jahren nicht verziehen hatte, dass Anna in seinen Büchern eine schöne russische Scharfschützin war. Dazu trank er Cola und aß Gummibärchen. Die Küchentür war nur angelehnt, damit Lucifer, der auf seinem Schoß saß und sich die Bilder ansah (zumindest sah es so aus), zur Not raus konnte, wenn ihm langweilig wurde oder er auf Klo musste.
   Ein Klingeln ließ ihn heftig zusammenschrecken. Wer war das? Und vor allem so spät? Er sprang auf und schoss in den Flur und spähte durch den Spion, der Kater sauste hinter ihm her und kratzte an der Wohnungstür. Eine großgewachsene Frau in einer dicken Winterjacke mit plüschigem Fellkragen, einen Rucksack auf dem Rücken und umfasste den Griff eines ziemlich großen Rollkoffers, fast schon in Richtung Schrankkoffer.
   Ihr Gesicht kam ihr wage bekannt vor und er dachte nach wer das sein könnte, dann traf ihn der gedankliche Blitz und er erkannte sie wieder, wenn auch nicht sofort. Er fluchte innerlich, Gianna, seine kleine, seit 26 Jahren verschollen geglaubte Schwester. Er öffnete missmutig die Tür und erwartete sie mit einer frostigen Miene.
„Was, kein strahlendes Lächeln deine liebe Schwester zu sehen?“
Fragte sie enttäuscht, es klang nicht gespielt.
„Was willst du?“
Fragte er ziemlich schroff und abweisend, er mochte sie nicht sonderlich. Sie war als Schwester die Pest gewesen und hatte sich mit neunzehn auf Nimmer Wiedersehen verdünnisiert – hatte er zumindest angenommen, jetzt schien, als würde er falsch liegen. Er malte mit dem Kiefer, als sich ihre Augen auf einmal mit Tränen füllten, typische Krokodils-Tränen.
„Ich brauche jetzt einen Ort, wo ich unterkommen kann!“
„Such dir ein Hotel, davon gibt’s genug.“
„Ich kann nicht, ich bin nach langer Reise einfach so einsam und morgen ist schließlich Weihnachten.“
„Ist doch nicht mein Problem, du hast die letzten 26 Jahre sehr deutlich gezeigt, dass für dich nur deine Karriere zählt und dir deine Familie scheißegal ist.“
Jetzt heulte sie und bebte unter Schluchzern. Er fluchte.
„Ich … ich brauche familiäre Wärme.“
„Dann geh deinem anderen Bruder auf den Sack, der wohnt doch eh in Berlin in seiner Protzwohnung, wo allein jedes Kinderzimmer so groß ist wie mein Wohnzimmer.“
Sie sank zu Boden und bebte jetzt vor heftigen Schluchzern. Er seufzte, immer die große Show abziehen müssen – typisch Schwesterherz.
„Komm häng deine Jacke an die Garderobe, du Heulsuse. Ich mach dir einen Kaffee.“
Er streckte ihr die Hand hin und sie zog sich dankbar daran hoch. Dann marschierte er in die Küche und räumte den Bildband weg. Lucifer, der Kuschel-Tiger, sah ihn misstrauisch an (im Gegensatz zum alten Kater seiner Eltern war Lucifer richtig verschmust und kam immer kuscheln, wenn er nicht gerade schlief, das viele kuscheln half bestimmt bei den Depressionen des Katers). Er wühlte in dem Berg Stofftiere und förderte ein hübsches dickes Plüschkrokodil hervor, Luise (nicht zu verwechseln mit Luise Hofgärtner), und legte es auf Giannas Seite auf den Tisch. Wenn man vom Teufel sprach stolperte sie in die Küche, trug nur noch ungewöhnlich abgenutzte Jeans und einen schicken, aber alten und ziemlich löchrigen dunklen Rollkragenpullover, und setzte sich an den Tisch. Sie starrte unschlüssig auf Luise.
„Was soll ich damit?“
„Knuddeln, was sonst.“
„Ich bin zu alt für Stofftiere.“
Brummelte sie missmutig.
„Das ist meine Wohnung, also heul dich gefälligst bei dem Plüschkrokodil aus. So, wie willst du deinen Kaffee?“
Sie knuddelte tatsächlich einen Moment mit Luise und schloss die Augen.
„Cappuccino mit zwei Zucker.“
„Kommt sofort.“
Er dachte an seine Whisky Sammlung, sagte aber nichts. Er gab still zu, dass er eigentlich zu viel trank. Lucy gab ihm auch hin und wieder gute Gründe.
Zwei Minuten später stellte er ihr einen dampfenden Becher hin und setzte sich hin. Er hatte sich eine Dose Red Bull aus dem Schuppen geholt, ein bisschen Nervennahrung tat bestimmt gut. Es zischte, als er die Dose öffnete und er einen Schluck nahm. Gianna trank schweigend Kaffee. Er kannte sie nur als Mädchen und Teenager, danach war der Kontakt mit ihr komplett abgebrochen und er hatte über fünfundzwanzig Jahre nichts mehr von ihr gehört, bis jetzt. Man merkte ihr das Alter an, die Fältchen und Grübchen um Mundwinkel und Augen. Ihre langen dunklen Haare waren mit ersten grauen Strähnen durchzogen. Er erkannte sie kaum wieder. Sie sah älter aus als 45, eher wie Mitte 50. Er sah einen schlichten Ehering am Ringfinger, also hatte sie Familie oder war geschieden, hing aber noch an der Beziehung und trug den Ring weiter.
„Warum tauchst du gerade jetzt zu Weihnachten wieder auf?“
Sie hob den Blick und sah ihn etwas nachdenklich an.
„Mein Mann möchte mit mir und unseren Söhnen zusammen gewissermaßen einen Neuanfang in meiner Heimat wagen, ich hab ja einen deutschen Pass, er muss hingegen noch eine Menge Papierkram einreichen, bevor er ohne weiteres hier leben darf. Und meine Söhne wollen hier studieren, bzw mein jüngster hier noch sein Abi machen.“
„Hm, wo hast du denn gewohnt?“
„Austin, Texas. In einem Einfamilienhaus etwas außerhalb. Ich hab die Reise schon eine Weile geplant gehabt und bin von Austin nach London und von London nach Berlin, alles in der unbequemen Economy Klasse. Und dann mit der S-Bahn erst zum Berliner Hauptbahnhof und dann mit dem S-7 nach Potsdam und mit der Tram zu dir, das war ganz schön weit. Jetzt bin ich total geschafft und müde.“
Die Staaten also, hätte er irgendwie auch vermutet.
„Bist du eigentlich wohlhabend? Du scheinst dir zwar einen langen sicherlich nicht billigen Flug leisten können, aber nicht ein paar neue Klamotten.“
„Schon, nur habe ich als Studentin mit sehr wenig gelebt und zeige es eben nicht, dass ich gut verdiene und wohlhabend bin.“
„Was machst du denn beruflich?“
„Ich war bis vor ein paar Wochen der CEO eines großen IT-Konzerns, aber ich habe den Posten abgegeben um mich auf den Umzug meiner Familie vorzubereiten und dann auch mehr Zeit für sie zu haben.“
Sie guckte traurig.
„Wenn du so einen Job hast, verdienst du zwar einen Batzen Geld, aber Zeit für deine Kinder hast du dann nicht mehr.“
Sie schwieg einen Moment, drückte das dicke Plüschkrokodil an sich und trank einen Schluck Kaffee.
„Toll. Meine Schwester leitet einen Konzern, mein Bruder ist einer der gefragtesten Fotografen Deutschlands und ich … ich bin nur der Trottel.“
Tiefe Resignation und Traurigkeit erfüllten ihn, er war doch nur ein kleines armseliges Licht, er hatte im Leben nichts, aber auch gar nichts erreicht.
„Ich weiß, aber das stimmt doch gar nicht. Von uns drei Geschwistern hattest du nur eben nicht so viel Glück im Leben und von dem was ich mitbekommen habe, hast du viel probiert und hattest auch viel Pech mit deiner Krankheit. Ich war sehr gesegnet bzw. wusste von Anfang an besser damit umzugehen. Jedenfalls wusste ich schon mit zwölf, dass ich Ingenieurin werden und an einer berühmten Uni studieren will. Ich habe einen Mann und zwei tolle Söhne, aber gut fühle ich mich nicht.“
„Wieso, bist du krank?“
„Nein, ich bin einigermaßen fit, aber viel Alkohol, Zigaretten und gelegentlich Drogen haben Spuren hinterlassen. Und ich bin nicht stolz darauf, dass ich lange nicht gesund gelebt habe. Jetzt hoffe ich auf einen Neuanfang in meiner Heimat. Ich hatte gehofft, ich könnte fürs erste bei dir abstürzen bis ich eine feste Bleibe gefunden habe. Heißt ein Grundstück gekauft und ein Haus für meine Familie gebaut habe oder eine große Eigentumswohnung gefunden habe.“
„Und jetzt?“
„Jetzt ziehe ich bei dir ein, wenn du erlaubst. Ich hoffe doch einfach, du hast noch ein Gästezimmer übrig, dass man für einen längeren Aufenthalt entsprechend umrüsten kann?“
Er war sprachlos, damit hatte er nicht gerechnet.
„Habe ich eine Wahl?“
„Wenn du in einem beschissen kalten Winter deine liebe Schwester nicht in der Kälte stehen lassen willst, nein. Außerdem mache ich mich im Haushalt nützlich und wenn du ganz lieb bist, unterstütze ich meinen Lieblingsbruder auch ein bisschen finanziell. Mein Nicht-Lieblingsbruder hat eh schon viel zu viel und protzt auf Instagram mit seinem Tesla Fuhrpark, dieser Blödmann.“
Er seufzte schwer, sie machte es ihm mit Lockungen schwer, sie vor die Tür zu setzen, das war schon immer ihre Taktik gewesen, wenn sie etwas haben wollte. Blöde Kuh.
„Ok, du kannst hier wohnen“
„Oh vielen, vielen Dank, Joschi. Du bist ein toller großer Bruder.“
Sie klang aufrichtig, was ihn etwas erleichterte.
„Wie viel Gepäck hast du denn?“
Sie wischte sich die Augen und suchte seinen Blick.
„Ein paar Sachen zum Anziehen für alle Jahreszeiten, Erinnerungsstücke an meine Familie, Geschenke für morgen und meinen Laptop.“
„Mh, ich hab kein Gästezimmer.“
Sie sah ihn verdutzt an.
„Auf du schreibst doch immer auf deinem Blog, dass du eine ziemlich große fünf Zimmer Wohnung hast. Da wird doch ein Raum als Gästezimmer übrig bleiben.“
„Stimmt, und ich arbeite selbstständig von Zuhause aus. Also Arbeitszimmer, Wohnzimmer, Lucy und mein Schlafzimmer. Und das Fünfte Zimmer ist mein Klemmbaustein-Studio mit über einer Millionen Lego Teilen und meiner Filmausrüstung, nach zwanzig Jahren ist mein Auftritt auf ein paar Video-Plattformen so groß, dass ich mein Hobby überwiegend refinanzieren kann. Aber wenn es dich tröstet, in meinem Schlafzimmer steht ein zweites großes Bett, falls Besuch kommt.“
„Wozu denn das?“
„Für Silvester, da kommen sowohl unsere Eltern als auch mein kleiner Bruder mitsamt seiner Familie auf ein paar Tage vorbei. Immer zu mir, weil ich Fahrstuhl habe.“
„Und wo schlafen dann alle?“
„Mama und Papa auf dem großen Schlafsofa im Wohnzimmer, Johnny und seine Frau auf dem Extrabett in meinem Zimmer, weil wir Neujahr morgens meistens zu dicht sind als dass er nach Hause fahren dürfte, auch wenn seine Teslas Autopilot haben. Und meine … ähm unsere Nichten schlafen bei Lucy im Zimmer, dazu habe ich ein paar Matratzen lagernd.“
„Und ich?“
„Du hast in den letzten sechsundzwanzig Jahren keine Rolle gespielt, ich leg dir eine Matratze in mein Büro.“
„Die kannst du doch nehmen. Ich …“
Sie brach ab, als sie seinen bösen Blick bemerkte.
„Wo soll ich denn dann schlafen?“
„Im Keller ist auch ein Feldbett.“
„Aber wir haben zweistellige Minusgrade!“
Sie klang beinahe erschüttert.
„Stimmt, aber ich habe einen dicken Polarschlafsack, den kannst du nehmen, außerdem ist mein Keller nicht so kalt, ich habe ihn rudimentär gedämmt, als ich eingezogen bin und einen Heizstrahler in die Ecke gestellt. Aber Prinzeschen kann sich doch ruhig von all ihrem Geld für die Nacht ein Hotelzimmer holen, wenn es ihr an den Füßchen zu kalt wird.“
„Du bist doof.“
„Damit endet jeder zweite Satz meiner Tochter, wenn sie mit mir spricht.“
Bemerkte er beiläufig.
„Das ist aber nicht sehr nett. Wie ist sie denn so?“
„Sie hat überraschenderweise reichlich Elemente von dir und klein Johnny, hat das meiste von ihrer  Mutter und ein bisschen von mir. Sie ist regelmäßig bockig, ein bisschen zickig, eine Heulsuse, wenn sie ihren Willen nicht durchgesetzt bekommt, sehr kreativ, beschissen schlecht in der Schule, flüchtet sich in virtuelle Welten, um der unbequemen Realität auszuweichen, absolut grottig im Umgang mit netten Jungen und schminkt sich seit einem Jahr wie eine Schlampe. Kurz um, sie ist gelegentlich liebenswürdig, aber es gibt viele Momente, da würde ich ihr gerne eine scheuern. Gerade wenn ich in Ruhe arbeiten oder entspannen will und sie mir wegen Drama und Jungs auf den Sack geht oder der Dauerrenner, sie will etwas sofort und dringend haben, aber ihr Taschengeld reicht nicht. Natürlich kommt sie ganz nach ihrem Onkel Johnny und räumt nie auf, also bleibt der ganze Mist an mir hängen. Also arbeite ich täglich acht bis zehn Stunden, damit meine liebe Tochter drei Mahlzeiten am Tag und eine gute Bildung bekommt und in einem warmen Bett in einer scheißteuren Wohnung schlafen kann. Dazu muss ich natürlich kochen und ihr morgens eine Brotbüchse machen, ich bin der Geldautomat, wenn sie Süßigkeiten, Makeup, Essen gehen, zum Frisör – was sie viel zu oft macht – oder ins Kino will, ich muss mich allein um den Haushalt und nebenbei um meine bockige Tochter kümmern.“
Sie musterte ihn mit einem mitleidigen Blick in den Augen.
„Sie kann ja nicht von alleine auf deiner Türschwelle aufgetaucht sein, was macht denn ihre Mutter? Ich hab auf den ersten Blick keine Damenschuhe oder –Mäntel gesehen.“
Er sah sie einen Moment traurig an.
„Lucys Mutter ist zwei Tage nach ihrer Geburt an Entkräftigung gestorben.“
Gianna riss die Augen auf und wirkte erschüttert.
„Oh verdammt, das tut mir Leid. Trauerst du sehr?“
„Es ist ein bisschen kompliziert, weil wir nie in einer Beziehung waren.“
Er holte Luft und erzählte ihr die Geschichte, die er erst vor wenigen Tagen Luise Hofgärtner erzählt hatte. Als er endete, musterte sie ihn nachdenklich.
„Also wart ihr nicht in einer Beziehung und da hast dich wie der größte Riesenarsch in der Geschichte benommen und gleichzeitig gezeigt wie sehr du du selbst bist, wenn du mit schwierigen Situationen konfrontiert wirst, also der feige Idiot, der den Kopf in den Sand steckt und hofft, es wird schon nichts passieren. Papas Reaktion hingegen fand ich stark, so handelt ein verantwortungsvoller Erwachsener, nicht wie du. Ich hoffe Meggies Grab ist tipp-top gepflegt, sonst trete ich dir gehörig in den Arsch. Und dann habt ihr beide auch noch diese dumme Krankheit. Was ist nur mit deiner Tochter, diese Scheiße ist vererbbar!““
„Nette Worte. Sie ist bisher nur ein bisschen Depressiv, zum Glück bisher keine Suizidgedanken, aber dann ist sie wochenlang still, geknickt und kraftlos. Aber das reicht mir schon.“
„Und dann versuchst du dummer Volltrottel einen Vollzeitjob und die Erziehung gleichzeitig ohne Hilfe zu stemmen. Ein Mädchen, bzw. Kinder allgemein brauchen am besten zwei Elternteile. Und du bist nicht so hässlich, als würdest du keine finden, zumal du fit und definitiv nicht arm bist, so wie das klingt.“
„Ach echt? Wäre ich nie drauf gekommen. Aber vor Lucy lief da schon nichts und als Lucy geboren war … naja, Single Papas sind als Partner nicht so gefragt, habe ich auf die harte Tour festgestellt. Und komm schon, im Alter wird man nicht hübscher, ich bin zwar fitter geworden, aber das war‘s schon. Außerdem hatte ich alle Hände voll zu tun mit meiner Selbstständigkeit und meiner Tochter, da war einfach kein Platz mehr für Dates. Ich hab eh praktisch keine Freizeit mehr, gerade als Lucy jünger war und sich noch nicht so gut selbst beschäftigen konnte. Mein Studio ist mein Rückzugsraum geworden, wo ich abends nochmal ein paar Stunden hingehe um ein bisschen zu basteln oder ich mach’s mir in der Küche mit einem Buch bequem. Aber die Zeiten wo ich mal stundenlang machen konnte was ich wollte sind seit sechzehn Jahren vorbei, und kommen erst wieder, wenn Lucy endlich auszieht, aber bis sie lebensfähig ist, wird noch viel Zeit vergehen.“
„Warum das?“
„Sie gibt sich alle Mühe, Schule so richtig an die Wand zu fahren. Sie steht immer irgendwo fünf und reagiert allergisch auf Nachhilfeunterricht. Sie macht ihre Hausaufgaben nicht, sieht einfach nicht ein warum und fängt sich eine sechs nach der anderen ein. Sie zockt lieber und postet auf Instagram, als dass sie sich auf Tests und Klassenarbeiten vorbereitet. Sie ist in genau drei Fächern nicht völlig scheiße: Sport, Kunst und Schauspielunterricht. Also alles drei Fächer mit denen man sich eine „sichere Zukunft“ aufbauen kann.“
Kommentierte er sarkastisch, auch wenn er sich eigentlich furchtbar fühlte, so über seine Tochter herzuziehen. Klar lernte sie nicht so gern, aber war er als Jugendlicher so viel anders gewesen?
„Zudem ist sie dort auch nicht überragend gut. Jede Woche habe ich bei irgendeinem Lehrer ein Elterngespräch, über ihre schlechten Noten. Und natürlich bin ich schuld daran, dass meine Tochter so schlecht ist, ich der schlechte Vater, das schlechte Vorbild.“
„Wer sagt sowas?“
Er seufzte schwer.
„Andere Eltern und andere Lehrer. Weißt du meine bockige Tochter hat mir ein Date mit ihrer Lieblingslehrerin angeleiert. Luise Hofgärtner.“
„Was echt?“
Seine Schwester verkniff sich ein Lachen und schmunzelte.
„Ja, letzten Sonntag. Es ging gut, auch wenn der Anfang sehr holprig war. Jedenfalls haben wir Nummern getauscht und chatten seitdem regelmäßig, wenn die Brut anderweitig beschäftigt ist. Und da hat sie mir traurig erzählt, dass ich unter den Lehrern an der Schule keinen guten Ruf habe. Und das stimmt mich so traurig. Ich will meiner Tochter doch nur ein gutes Leben ermöglichen, aber sie stellt sich einfach so bockig und setzt ihren eigenen Willen durch, was selten in Lernen ausartet. Eher in Zocken und Serien bingen. Anschreien nützt nichts und ich mag keine Gewalt. Gut zureden nützt aber auch nichts. Es ist wie einen löchrigen Eimer mit Wasser zu füllen.“
Sie musterte ihn nachdenklich.
„Und wenn ich mein Glück bei ihr versuche?“
Er runzelte die Stirn.
„Wie meinst du das?“
„Ich hab zwei Söhne und mein Jüngster ist in ihrem Alter. Vielleicht kann ich mit ihr reden und sie dazu zu bringen das Schulleben ein bisschen ernster zu nehmen.“
„Das würdest du tun?“
Unglaube schwang in seiner Stimme mit. Seine Schwester machte was für ihren großen Bruder, das musste er sich im Kalender eintragen.
„Ja, irgendwas muss ich schließlich tun, ich kann doch nicht einfach die nächsten zwei bis drei Jahre hier herumsitzen und nichts tun, während das Haus gebaut wird. Ich wiederhole mich, aber irgendwas muss ich schließlich tun.“
„Stimmt, du konntest nie still sitzen, du musstest immer irgendwas machen. Für dich war Schule prio Nummer eins, danach kam das Lesen von ganz wichtigen Sachbüchern oder Biografien und deinen ersten Businessplan hattest du schon mit fünfzehn.“
Sie schmunzelte.
„Das stimmt auch, aber viel Zeit für ein Sozialleben blieb dann in der Regel nicht.“
„Wie heißt dein Mann?“
Sie lächelte bei der Frage.
„Chris, er ist schwarz und sechs Jahre älter als ich.“
„Was hat deine Firma gemacht?“
„Sorry, das würdest du nicht verstehen.“
Er war gekränkt.
„Warum behandeln mich alle wie den letzten Dorftrottel?“
„Weil du manchmal wie einer rüberkommst?“
Er lehnte sich traurig zurück.
„Ok, hier die Kurzfassung, wir haben komplexe Computerchips und Quantencomputer gebaut.“
Er sah sie erstaunt an.
„So viel Knowhow hast du?“
„Sicher, ich hab Physik und Informatik am MIT studiert.“
Joschi starrte seine Schwester vor lauter Unglauben an.
„Das MIT?“
„Genau, Abschluss mit Magna cum Laude.“
„Und wie konntest du dir das leisten?“
„Gar nicht, ich hab kein Stipendium bekommen und geschuftet wie Teufel, um mein Leben zu finanzieren. Aus dieser Zeit habe ich meine Verweigerungshaltung gegen die Wegwerfkultur und kaufe eigentlich alles nur second Hand und repariere kaputte Elektronik, anstatt sie wegzuwerfen. Ich hab gekellnert und Nachhilfe-Unterricht in Mathe, Informatik und Physik gegeben.“
Er stand auf und öffnete einen Schrank etwas weiter oben und griff sich eine Flasche Single Malt Whiskey und ein Glas, großzügig schenkte er ein und nahm einen tiefen Schluck.
„Du bist eine liebenswerte Zicke.“
„Danke, denke ich. Krieg ich auch einen?“
Sie deutete auf den Whiskey und er holte ihr murrend ein Glas. Sie trank mit Bedacht.
„Der ist gut.“
„Hat mir Johnny geschenkt, für Krisenzeiten.“
Gianna schmunzelte.
„Hätte dich nicht für einen Säufer gehalten.“
„Tja, so täuscht man sich. Mein kleines Leben läuft eben nicht gut.“
„Wie meinst du das?“
Fragte sie mit einem besorgten Unterton in der Stimme.
„Ende des Sommers sind mir vier ziemlich große Kunden abgesprungen und ich kämpfe seitdem damit über die Runden zu kommen. Meine Tochter soll ein angenehmes Leben führen können, aber das kostet und wenn es so weitergeht, muss ich die Reserve anbrechen, die eigentlich für ein neues Auto und eventuell eine Eigentumswohnung gedacht sind, die Wohnung hier ist zwar groß und schön, aber im Alter kann ich mir das einfach nicht leisten, dafür ist sie einfach zu verschwenderisch groß und teuer. Ernie wird den TÜV im Frühjahr nicht packen und dann hab ich kein Geld für ein neues Auto. Aber dann werde ich nächstes Frühjahr neunundvierzig und ich muss mir langsam Gedanken um meinen Ruhestand machen und wie ich mit meinen Sachen verfahre. Mit dem frühen Tod von Lucys Mutter habe ich mit Mitte dreißig schon mein Testament gemacht, damit es an meiner Tochter ans nichts fehlt, wenn mir etwas zustößt. Aber viel ist es nicht. Momentan schreibe ich überall rote Zahlen und es sieht nicht so aus, als würde ich im neuen Jahr plus machen, ich war schon immer schlecht daran, neue Kunden zu akquirieren.“
Sie musterte ihn aufmerksam und er nahm noch einen Schluck, es brannte angenehm in der Kehle.
„Und wenn du etwas anderes machen würdest?“
Er sah sie zweifelnd an.
„Das hab ich schon öfter überlegt, aber zum einen bin ich schon Ende Vierzig und wer will denn noch jemanden in dem Alter ausbilden. Und dann weiß ich nicht, was mit mir anzufangen ist und das größte Problem, ich könnte es einfach nicht finanzieren. Ich zahl knapp fünftausend für die Miete, Unsummen für Versicherung und Steuern und eine völlig gefräßige Tochter bei Laune zu halten, die verschwenderisch mit ihrem Taschengeld umgeht und immer nach mehr bettelt, ist auch kein kleines Unterfangen. Der Job ist ok, aber Spaß macht er mir nicht wirklich.“
„Mh, ich hab gehört du bist Autor, Youtuber und Blogger.“
„Stimmt, die Bücher und der Kanal, das bringt ein paar Taler, aber es deckt noch lange nicht die Miete, es reicht aber immerhin dafür um das Equipment zu finanzieren und ein paar der Versicherung zu deckeln. Und der Blog läuft ganz gut, nach fast zwanzig Jahren Bloggen, habe ich rund fünftausend Follower, aber momentan schreibe ich aber nur etwa einmal die Woche was und so verliert man eben Abonnenten am laufenden Band.“
„Das ist bedauerlich, mir ist zu Ohren gekommen, du seist recht gut. Jedenfalls nicht den Kopf in den Sand stecken und aufgeben, wie du es eigentlich immer schon gemacht hast, seit dem es dich gibt. Sobald Schwierigkeiten in Sicht kommen, buddelst du dich ein und tust so, als könntest du dich da durchmogeln indem du nichts tust und nicht einfach untergehst. Ich hab gelernt, es ist nicht schlimm wenn du auf die Nase fliegst, solange du danach wieder aufstehst und weitermachst.“
Er schluckte und spülte mit Whisky nach.
„Stimmt schon, ich war immer schon so. Aber mit Lucy ist es dann besser geworden, meine Tochter könnte ich nie im Stich lassen. Und für sie springe ich schon mal in einen Brombeerbusch, wenn es ein großes Problem gibt.“
„Gute Einstellung, deine Tochter braucht einen starken Vater, kein rückgratloses Weichei.“
Schweigend saßen sie da und tranken Whisky. Dann gähnte sie demonstrativ.
„Hast du irgendwo vielleicht ein weiches Bett, ich würde mich gerne hinlegen, ich bin seit vierzig Stunden auf den Beinen, weil ich noch so viel erledigen musste!“
„Alles klar, komm mit und vergiss Luise nicht.“
Er stand auf und ging in den Flur, wo er ihren Rollkoffer nahm. Damit ging er auf eine Tür links am Ende des sehr langen geräumigen Flures zu, in dem man fast schon Bälle abhalten konnte. Er öffnete die Tür und machte Licht an. Es war wirklich keine Besenkammer, wie er sein Schlafzimmer immer scherzhaft nannte, denn immerhin hätte sein altes WG-Zimmer hier spielend zweimal reingepasst. Aber es war jetzt auch nicht gewaltig riesig, es maß etwa dreißig Quadratmeter, also ein Zehntel der Wohnungsfläche und war rechteckig langgestreckt. Abgesehen von den beiden großen Betten war alles bis unter die nicht gerade niedrige Decke mit Regalen und Schränken vollgestopft und in der freien Fläche in der Mitte des Raumes standen zwei vollbestückte Wäscheständer, einer mit Unterwäsche und Socken, der andere mit Bettwäsche. Er stellte den Rollkoffer neben ein großes Bett, das er in ein Regal eingebaut hatte, sodass einer der Schlafenden des Doppelbetts in einer Art Höhle nächtigte.  
„Da schläft unser Bruder und seine Frau Anna, wenn sie zu Besuch sind und übernachten, ab und zu auch unsere Eltern, wenn sie länger zu Besuch sind, was aber nicht mehr so oft vorkommt, da sie auch schon recht alt sind. In den Nachthimmel ist ein Bildschirm eingelassen, sodass man im Liegen noch etwas bequem gucken kann. Mein Bett ist das große mit den ganzen Plüschtieren, schwer zu verfehlen.“
Gianna stellte den Rucksack neben den Koffer und entfaltete einer der dicken Daunendecken, die er schon in Vorbereitung auf den Besuch ihrer Eltern zwischen den Jahren vorbereitet hatte. Sie legte das Plüschkrokodil neben das Kopfkissen und schlüpfte ungeniert aus Jeans und Rollkragenpullover, Schmuck trug sie keinen und den Ehering ließ sie am Finger. Dann ließ sie sich in Unterwäsche und T-Shirt schwer aufs Bett plumpsen und kuschelte sich sofort ein und machte die Augen zu, sie schien echt fertig zu sein. Leise machte er sich fertig und gesellte sich zu den wenigstens vier Dutzend Plüschtieren, davon eine große Rotte Plüschwarane, in sein großes Bett mit der wahnsinnig tollen Matratze und fiel schnell in einen tiefen Schlaf.

*

Joschis Abenteuer – 1-5 – Erfolg

„Iiih!“
Dumpf hörte er eine Mädchenstimme. Er öffnete die Augen und sah nichts bzw. alles völlig verschwommen, wie auch ohne Brille. Er tastete nach der Brille auf dem Sofatischchen und schob sie sich auf die Nase. Zwei Mädchen standen neben dem Sofa, Lucy und Lena. Lucy strahlte ihn an.
„Hattet ihr Sex, Papa?“
Er wurde rot.
„Das fragt man seinen Papa nicht!“
Luise wurde neben ihm wach und wirkte sehr verlegen.
„Was macht ihr denn hier?“
Lucy grinste breit.
„Wir wollten sehen wie es gelaufen ist.“
„Fabelhaft.“
„Ganz toll, echt.“
Kam es von Luise.
„Es ist übrigens zwölf, Zeit fürs Frühstück.“
Joschi und Luise wechselten Blicke.
„Dürfte ich vielleicht deine Dusche benutzen?“
„Klar doch, ich leg dir ein Handtuch raus.“
„Danke sehr.“
Er rappelte sich auf, flitzte in den Schuppen und kramte aus dem Wäscheschrank ein pinkes Duschtuch hervor und legte es auf die Waschmaschine. Er fand dreimal duschen am Vortag erforderte nicht, auch nochmal zu duschen. Stattdessen räumte er den Tisch von gestern ab, wischte ab und deckte für vier. Amber half ihm, Lena sagte nicht viel, sie war wie er recht still – das machte sie ihm sympathisch – aber sie half auch kräftig mit, sie wusste ja wo alles war, so oft wie die beiden Freundinnen hier in der Küche abhangen oder ungesund kochten.
   Schnell war der Tisch fast so opulent wie am Samstag gedeckt, als Lucy ihn überrascht hatte. Luise gesellte sich zu ihnen, sie hatte die Ohrringe und die Halskette abgenommen und sah ohne Makeup erfreulich normal aus, hübsch, aber normal. So gefiel sie ihm insgeheim noch besser. Auch Lucifer hatte sich zu ihnen in die Küche getraut und sprang auf die Bank neben Lucy und schmiegte seinen Kopf an ihren Unterarm. Joschi grinste und legte noch ein paar Scheiben Roastbeef auf den Wurstteller, Lucy verstand das Zeichen und fütterte den Kater, der jetzt etwas munterer wirkte.
„Wo setz ich mich hin?“
Fragte Luise. Die Mädchen saßen schon auf der Eckbank und grinsten.
„Wo du magst.“
Sie setzte sich. Joschi schüttete zwei gehäufte Löffel Zucker in den Milchkaffee und rührte um. Alle sahen ihn an, er fühlte sich unwohl.
„Ähm … ich …“
Er seufzte. Unter dem Tisch griff Luise nach seiner Hand.
„Haut rein.“
Lucy grinste und griff sich ein Croissant. Die Mädchen plapperten ausgelassen und Luise und er fragten abwechselnd, was die Kinder so getrieben hatten. Bis auf das Kuscheln und Bier trinken anscheinend ungefähr dasselbe wie sie. Joschi schmierte sich ein Brötchen und lächelte breit. Solche Frühstücksrunden mit Erwachsenen plus Kinder hatte er gefühlt zuletzt mit seinen Eltern vor zwanzig Jahren gehabt. Es fühlte sich fast wie eine Familie an. Nach dem Frühstück verabschiedete sich Luise von ihm und zerrte ihre leicht bockige Tochter mit, nahm sich aber noch Zeit mit ihm Nummern zu tauschen.
„Ich mag Telegram am liebsten, leider viele Spinner, aber die Sticker sind spitze.“
„Danke sehr, kommt gut nach Hause.“
„Werden wir.“
Sie schien kurz zu zögern, dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange.
„Danke sehr, das war ein toller Abend und ein schönes Frühstück! Das müssen wir unbedingt wiederholen.“
Sie strahlte ihn an, dann verließ sie mit ihrer Tochter die Wohnung. Er atmete aus.
„Und?“
Fragte Lucy scheinheilig.
„Was und?“
„Lief es gut?“
„Es hatte Anfangsprobleme, aber nachdem das Eis gebrochen war, ging es ziemlich gut.“
Sie grinste breit.
„Gutes Weihnachtsgeschenk?“
Er schmunzelte.
„Japp.“
Sie standen eine Minute im Flur herum. Lucy knuffte ihm in die Seite.
„Hab ich jetzt eine Mama?“
Er ließ die Frage unbeantwortet und lächelte nur.

ENDE

Joschis Abenteuer – 1-4 – Das Mahl

Jetzt war alles raus und er saß mit hängenden Schultern da. Er runzelte die Stirn. Täuschte er sich oder war da ein Schmunzeln in ihren Mundwinkeln. Sie richtete sich auf ihrem Stuhl auf.
„Das ist eine schöne Geschichte, zwar mit einem sehr traurigen Mittelteil, aber dann wieder einem schönen Ende. Weiß Lucy Bescheid?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, nur ich und meine Eltern kennen die Geschichte, Lucy hab ich gesagt, dass ihre Mutter uns verlassen hat. Ich glaube das war ein Fehler, aber ich könnte nicht damit umgehen, wenn mich meine eigene Tochter hasst für das, was ich getan habe, auch wenn sie wahrscheinlich allen Grund dazu hätte.“
Sie runzelte die Stirn.
„Ich glaube, das wird sie nicht.“
Er lehnte sich zurück, dann drehte er die leere Bierflasche in den Händen.
„Noch ein Bier?“
Fragte er.
„Gerne.“
Eine Minute später standen zwei frische gekühlte Budweiser auf dem Tisch.
„Jetzt reden wir hier schon so lang. Darf ich fragen wie du mit Vornamen heißt?“
„Joschi.“
Sie hob die Brauen.
„Ok, Aljoscha.“
„Schöner Name, russisch nicht? Hast du russische Vorfahren?“
Er zog eine Grimasse.
„Nope, daher bevorzuge ich Joschi.“
„Identifizierst du dich denn auch mit diesem knuffigen Dino mit der dicken Nase.“
„Natürlich, ich habe ihn als Stofftier, als LEGO Figur, als Tasse und er ist mein Lieblingscharakter, wenn ich Mario Kart spiele.“
„Süß. Ich heiße Luise.“
„Das ist aber auch ein schöner Name.“
„Danke sehr.“
Sie errötete leicht und trank einen Schluck Bier und schob sich ein paar Chips in den Mund. Dann machte sie ein ernstes Gesicht.
„Ich hatte erst dieses Jahr auch so ein Erlebnis, wo ich dachte es ist aussichtslos.“
Er wurde neugierig.
„Schieß los.“
„Ich hatte Krebs.“
Jetzt war er an der Reihe, die Augen erschrocken aufzureißen.
„Oh verdammt, hast du es überstanden?“
„Ja, aber verdammt knapp. Chemo plus OP, ich hatte Brustkrebs. Die,“
Sie schob mit ihren Armen ihre Brüste nach oben.
„sind nicht echt. Ich hab sie mir sogar etwas größer machen lassen. Egal, es war furchtbar, ich dachte jeden Tag nur daran, dass ich vielleicht sterben und meine Tochter im Stich lassen könnte. Und ich hatte vorher immer schöne, volle, lange Haare. Dann kam Chemo und ich hatte eine nackte Glatze. Dank Cosplay konnte ich mich zum Glück temporär einem ganzen Stapel Perücken bedienen, aber das ist nur ein schwacher Trost. Und jetzt sind sie dünn und leblos. Puh, ich rege mich viel zu sehr über mein Äußeres auf, aber vielleicht bin ich einfach zu eitel. Als die Ärzte mir dann sagten, dass ich es überstanden habe, war ich so unendlich erleichtert. Erst Wochen davor hatte ich Bang und voller Sorge mein Testament aufgesetzt. Und Lena war erst erleichtert, sie mag ihre Großeltern nämlich nicht so sehr und hätte sich nie vorstellen können bei denen zu wohnen falls ich … falls ich es nicht gepackt hätte. Aber ich dachte auch mir, dass Lena schon Recht hat, sie braucht einen Papa. Jemanden der für sie da ist, wenn mir etwas zustößt.“
„Zum Glück hast du es überstanden. Und die Haare sehen schick aus.“
„Danke.“
Sie errötete leicht.
„Lena hat mir von Lucy erzählt, dass du blond als Haarfarbe richtig schlimm findest.“
Er errötete.
„Ja, naja. Kommt ganz drauf an, kurz sind sie annehmbar.“
„Puh, hab ich ein Glück. Was wäre dir denn lieber?“
„Weiß nicht, braun denke ich. Wenn du es flippig haben willst auch ein gedecktes Rosa.“
Luise lehnte sich zurück und sah aus der Balkontür nach draußen, er folgte ihrem Blick, es schneite nicht mehr.
„Denkst du darüber nach ob du danach fragen könntest, ob du eine rauchen darfst?“
„Ertappt.“
„Ist die das in dem Pulli nicht zu kalt?“
„Geht schon, ich brauche ja nicht lang. Hast du einen Aschenbecher?“
„Mhm, steht auf dem Tisch draußen, meine Beste besucht mich gelegentlich und sie raucht auch.“
„Gut zu wissen. Kommst du mit raus?“
„Japp, ich hol mir nur kurz Schlappen.“
Es war frostig kalt draußen, im Flur hatte er sich noch schnell einen Schal umgebunden. Sie zückte ein flaches Etui und entnahm eine gekonnt selbstgedrehte Zigarette heraus. Sie steckte sie sich mit einem Zippo an und nahm einen tiefen Zug.
„Das tut gut.“
„Rauchst du viel?“
„Wahrscheinlich, ich weiß nicht. Ich rauche am Tag maximal das, was in dieses kleine Etui reinpasst und das sind zehn Stück. Oft mache ich es mir gar nicht voll. Und ab und zu ist auch eine Fluppe mit Gras dabei, wenn ich mal eine Auszeit brauche.“
„Guter Vorsatz, aber Rauchen ist trotzdem doof.“
„Stimmt, aber es beruhigt mich ein bisschen und Lena ist furchtbar anstrengend und Nerv tötend.“
„Lucy ist vermutlich nicht besser, da trinke ich dann einfach ein Glas Single Malt Whisky und alles ist vergessen. Oder ich exe ein Glas Vodka.“
Sie lachte.
„Das kann ich mir vorstellen.“
Schweigend guckten sie über die Dächer, dann drückte sie ihre Zigarette aus und sie flüchteten sich verfroren wieder ins wohlige Warm der Küche. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr, es war schon acht Uhr durch, eigentlich Zeit für was zu futtern. Sie schien den gleichen Gedanken zu haben.
„Ich hab ein bisschen Hunger, aber nur eine Kleinigkeit. Hast du was da?“
„Was würde dir denn zusagen?“
„Ich hatte jetzt eine Woche Vegi hinter mir, in der Schule und zuhause, ich könnte saftiges Fleisch vertragen.“
„Mhm.“
Er überlegte.
„Steaks?“
Ihre Augen fingen an zu leuchten.
„Klingt gut. Was für Beilagen?“
„Mh, Bratkartoffeln und einen kleinen Tomatensalat?“
„Mjam.“
„Geht klar.“
„Moment, kann ich dir helfen? Mach ich sofort, du musst mir nur zeigen, wo was ist.“
„Ach so, magst du den Salat machen?“
„Klar. Die Kartoffeln, hast du schon welche gekocht?“
„Im Kühlschrank sind welche in einem Topf, ich hab mir gestern Kartoffeln und Quark gemacht, als Lucy schon im Bett war. Warte ich zeig dir alles.“
Er gab ihr die drei Minuten Tour durch die Küche, reichte ihr eine Schürze und sie legten los.
„Kann ich drei Fragezeichen anmachen?“
Sie sah ihn erstaunt an.
„Deine Küche, deine Regeln … aber eine von den älteren, die neuen finde ich doof.“
Er tippte auf dem Tablet in der Ecke herum und wählte im Bann des Voodoo, eine seiner Lieblingsfolgen. Sofort dudelte die Altbekannte Melodie aus den Boxen.
„Eine Küche mit einem Soundsystem, wie cool.“
Sie machten sich ans Werk und gegen Neun deckten sie den Tisch, diesmal tranken sie Cola. Das Steak medium-rare war zart und saftig und die Bratkartoffeln schön kross.
„Sehr lecker, du bist ein klasse Koch.“
„Danke sehr, dein Tomatensalat ist aber auch nicht von schlechten Eltern.“
„Ich bin eben die Salat-Mutti. Lena bekommt jeden Tag ein Töpfchen selbstgemachten Salat mit in die Schule.“
„Hilft‘s?“
Sie zog eine Grimasse.
„Die Töpfchen sind leer, wenn sie nach Hause kommt, aber ich glaube das blöde dicke Biest schmeißt den Salat einfach weg und holt sich stattdessen in der Cafeteria ein paar Donuts, die sie da blöderweise verkaufen. Ich koche gesund und verstecke die Süßigkeiten, aber sie bleibt dick, das ist doof. Ich zweifle an meinen Fähigkeiten als Mutter. Wie sind denn Lucys Essgewohnheiten?“
„Mh, wenn mein Töchterchen Hunger hat, verputzt sie alles wie ein Staubsauger. Aber wenn sie keine Lust hat, kann ich ihr das geilste Steak der Welt auftischen und sie verschmäht es trotzig. Sie ist eine echte Naschkatze, aber hat einen guten Stoffwechsel und nimmt eher schwer zu. Außer sie hat eine Eiscreme-Fressattacke, dann höre ich die Tage danach das Geheule aus dem Bad, wenn sie auf der Waage steht. Die Brotbüchse ist einfach gehalten, zwei geviertelte Äpfel, zwei Sandwiches und einen Schokoriegel. In Variation mit Nüssen, Trockenfrüchten und Bananen. Zum Glück sind ihr Lieblingssnack gefriergetrocknete Trockenfrüchte, die sind zwar schweineteuer, aber gesund – von denen haben wir immer ziemlich viel vorrätig.“
„So eine Tochter hätte ich auch gern. Die Brotbüchse finde ich gut, klingt gesund.“
„Geht so, die Sandwiches sind dick mit selbstgemachter Mayo beschmiert.“
Sie lachte.
„Na dann, ist aber auch gut. Soviel Arbeit machst du dir?“
„Natürlich, ich mag kochen … und backen. Da fällt mir ein, dass ich dir auch noch tonnenweise Lebkuchen, Baumkuchen, Herrenschnitten und Plätzchen hätte anbieten können, ist das schlimm?“
„Nein gar nicht, gute Chips sind mir lieber als Plätzchen. Aber meine Lena ist auch ganz eifrig in der Küche, allerdings kocht sie nie was Gesundes, obwohl ich ihr immer wieder zeige wie es geht. Hm, und wie frühstückst du?“
„Variiert stark. Zu aller erst mache ich seit zwanzig Jahren Intervall Fasten, heißt ich Frühstücke gegen eins und mache zu halb neun Abendessen. Frühstück können Spiegeleier mit Brot, Cornflakes, Müsli mit Obstsalat, Sandwiches, Porridge oder einfach eine Handvoll Nüsse und vier Bananen sein.“
„Klingt spannend. Ich bin besessen von Salat, also mache ich morgens immer eine Grundmischung und verfeinere ihn fürs Mittagsessen mit Meeresfrüchten oder gebratenen Geflügelstreifen. Salat geht einfach schnell und den kann ich abends noch als Beilage verwenden. Dann gibt es meist etwas, was nicht so kompliziert ist und schnell geht, zum Beispiel Steaks so wie du eben oder Wraps. Manchmal bin ich auch einfach faul und bestell einfach was oder schiebe eine TK-Pizza in den Ofen.“
„Geht mir ähnlich, als Selbstständiger kommt es öfter mal vor, dass ich mehr als acht Stunden arbeite. Amber macht sich meistens selber was – räumt danach natürlich nie die Küche auf. Und dann bestelle ich eben nochmal was oder geh schnell und hol mir was, um die Ecke ist ein super Bistro, die machen neben Döner auch verblüffend gute Burger und eine Straße weiter ist ein richtig guter Asiate. Leider ist der nächste gute Inder ein gutes Stück weit weg und das ist mir meist zu weit wenn ich was für den schnellen Hunger brauche.“
„ich würde gerne mal wieder Indisch essen. Das war ich dieses Jahr nur zu Lenas Geburtstag, obwohl ich Indisch abgöttisch liebe, aber dann kam Krebs und ich hatte keinen Bock mehr aufs Leben.“
Er dachte nach.
„Ich habe ein zwei indische Rezeptbücher, wir könnten beim nächsten Mal zusammen was indisches kochen.“
„Das würdest du machen? Das finde ich toll. Moment, dann möchtest du, dass wir uns erneut treffen?“
„Klar, ich finde dich toll und nachdem das Eis gebrochen war, waren wir ja auch pausenlos am Reden und Snacken. Du bist mir sehr sympathisch!“
Sie strahlte.
„Das ist cool, danke dir, das ehrt mich. Ich mag dich auch irgendwie. Abgemacht, beim nächsten kochen wir indisch. Aber nur mit Mango Lassi.“
„Natürlich, ohne geht’s nicht.“
Er musterte sie einen Moment und genoss ihr Lächeln. Siehste mal, alle Nervosität ganz umsonst, sie ist doch nett.
„Und jetzt? Ist erst halb Zehn.“
„Puh, so ein angebrochener Abend, Lena erwartet mich heute glaube ich nicht mehr. Vermutlich wäre sie mir sogar böse, wenn ich jetzt komme. Will ich aber auch nicht. Ich hab gehört, du sollst ziemlich gut in Mario Kart sein, können wir das spielen?“
Ein Date mit einer schönen Frau, die mit ihm Videospiele spielen will, das war ihm völlig fremd.
„Klar, wen spielst du?“
„Ich nehme immer Bowser, den mag ich einfach.“
„Dann komm mit, die Spülmaschine bestücke ich nachher, lass ruhig stehen.“
„Na dann, wo muss ich hin?“
Er führte sie ins Wohnzimmer wo sie staunend den großen Tannenbaum bewunderte.
„Der ist ja riesig, ich hab nur so ein doofes Plastikteil, weil mir so ein echter nicht ganz geheuer ist.“
„Ein echter Baum ist lange Familientradition, das und echte Bienenwachskerzen am Baum.“
Sie sah sich um.
„Schön groß alles, mh, warum ist denn die Schlafcouch ausgeklappt?“
„Ich finde es so gemütlicher und ich schlafe öfters auf der Couch.“
„Hast du kein Bett?“
„Doch, doch, aber mein Schlafzimmer ist abgesehen von der Rumpelkammer der kleinste Raum und sehr ungemütlich, praktisch ein Schrank mit Schlafgelegenheit. Außerdem penne ich eh irgendwann ein, wenn ich was gucke. Das mag Lucy gar nicht, wenn wir was gucken. Das habe ich von meiner Mutter, und die von ihrer Mutter.“
„Naja, jeder hat so sein Päckchen zu tragen, ich schnarche zum Beispiel und mein Darm ist so doof, dass ich gerne mal stundenlang auf dem Klo hocke. Deshalb habe ich einen Fernseher im Bad, zum … naja, und wenn ich bade. Das mache ich auch stundenlang, meist bis in Nacht hinein, während ich immer wieder heißes Wasser nachfülle. Und ich bin ein richtiges Kakao-Monster. Ich hab schon deine ganzen Vorräte bewundert. Wie trinkst du ihn am liebsten.“
„Also wenn es schnell gehen soll, dann einfach 4 Teile Milch und 6 Teile heißes Wasser auf Kaba-Pulver und wenn ich es genießen kann, dann den guten Zotter Kakao im Milchtopf.“
„Finde ich gut, badest du gern?“
„Japp, ich habe mir extra eine überlange Badewanne für die Wohnung gekauft, die ist auch tiefer als eine Normbadewanne. Ich habe übrigens auch einen kleinen Fernseher im Bad, bzw. ein Bildschirm, der an einen dicken Mediaserver angeschlossen ist. Darüber kann ich dann hunderte von Filme und Serien genießen. Ich bin auf den Geschmack von Sauna gekommen, aber das ist mir im Schwimmbad immer zu teuer, meine Oma hatte eine eigene Sauna im Keller, das will ich auch irgendwann auf meine alten Tage haben. Nach der Geburt meiner Tochter, habe ich zwei Sparbücher angelegt, eins für Lucy und eins für ein Haus, da ist über die Jahre schon was zusammengekommen, aber reichen tuts noch nicht – leider.“
„Haus will ich auch, mit einem tollen großen Garten, wo ich Gemüse und Kräuter für meine Salate anbauen kann und mit einem großen Rasen und einem Grill und am besten einem kleinen Pool.“
„Ach komm, in Potsdam haben wir so viele Seen, da braucht man keinen Pool. Aber wenn schon, dann einen überdachten und beheizten, dass man auch im Winter schwimmen kann.“
„Au ja, da klingt cool. Als Lehrerin verdiene ich zwar ganz gut, aber nicht so, dass ich mir ein ganzes Haus leisten kann, das ist doof. Und so ein großes Haus zu zweit wäre mir auch nicht ganz geheuer.“
Er unterdrückte ein Grinsen, aber sie bemerkte es und lächelte verlegen.
„ich hoffe, du hast keine schrecklichen Geheimnisse, denn du bist offen gesagt, der erste Mann seit Jahren, den ich doch irgendwie ziemlich gut finde.“
„Das freut mich zu hören. Sollen wir jetzt spielen?“
„Klar … Moment mal, ist das Fell?“
Sie deutete auf die sorgsam zusammengefaltete Plüschdecke.
„Nein, leider nur Kunstpelz.“
„Achso … magst du denn Pelz?“
Er errötete.
„Schon, ich mag es flauschig und kuschlig, aber es ist ganz schön teuer.“
„Das stimmt. Ich würde es vielleicht nicht tragen, denn dafür laufen in Potsdam viel zu viele militante Ökos rum, aber ich finde es ausgesprochen stilvoll. Aber ich könnte es mir beim besten Willen nicht leisten, ich meine ein guter Mantel kostet ja so viel wie ein halbes Auto, das ist Wahnsinn und nur was für reiche Leute, zu denen ich nicht gehöre.“
„Ich schätze es würde dir gut stehen, ich finde du hast einen tollen Modegeschmack.“
Sie wand sich verlegen.
„Danke sehr. Aber du hast ja nur ein Outfit gesehen. Ich habe zwei riesen Kleiderschränke, für die brauche ich eine Leiter. Die sind randvoll mit Klamotten und Kostümen.“
„Hab ich auch, nur brauche ich keine Leiter.“
„Stimmt, brauchst du nicht, aber du siehst ehrlich gesagt nicht so aus, als bräuchtest du zwei Kleiderschränke.“
„Genau, in dem einen sind meine Klamotten, in dem anderen waren mal LEGO Teile.“
„Hat mir Lena schon erzählt, das finde ich stark.“
Sie strich mit der Hand andächtig über den Kunstpelz.
„Darf ich die nehmen.“
„Klar. Aber erst Schuhe ausziehen.“
Während sie sich aus den Stiefeln kämpfte, machte er Fernseher und Switch an und griff sich zwei Controller. Als er sich umdrehte saß sie schon in die Decke eingekuschelt auf dem Sofa und sah ihn erwartungsvoll an. Nachdem er das Licht gedämmt hatte, setzte er sich neben sie und reichte ihr einen Controller.
„Hast du Erfahrung mit Mario Kart?“
„Japp, mein Vater ist auch Zocker aus Leidenschaft und der hatte alle Nintendo-Systeme und wir haben immer zusammen gespielt. Meine Eltern haben mir damals den Gamecube und danach die Wii, die WiiU und dann die Switch geschenkt. Meinen ersten eigenen PC hatte ich erst als Studentin.“
„Cool, ich komm aus der PC Ecke und hatte meine erste Konsole erst mit Ende zwanzig. Davor hab ich nur Maria Kart Abklatschen wie Moorhuhn Kart gespielt, aber das war einfach nicht dasselbe. Und ich hab mich mit ein paar Emulatoren rumgeärgert, nur um dann genervt die Switch zu kaufen. Mh, sollen wir gleich eine Meisterschaft spielen? 150ccm?“
„Genau und wir fahren drei Meisterschaften und der Gewinner darf sich einen Film aussuchen.“
„Abgemacht.“
Er drückte auf Start und sie legten los. Sie war gut und sie kämpften auf jeder Strecke verbissen um die Krone. Er gewann nach drei Meisterschaften mit satten 2 Punkten Vorsprung.
„Du bist gut!“
Lobte er sie.
„Du aber auch, ich hatte noch nie so eine knappe Niederlage gegen einen anderen Spieler außer meinem Dad. So macht das Spaß, Lena spielt zwar total gerne Spiele, aber sie ist in allem einfach so unfassbar grottig schlecht und dann auch noch so super schnell eingeschnappt wenn sie verliert. Ich lasse sie daher lieber gewinnen, auch wenn ich rückwärtsfahren muss. Ihr Opa macht das nicht, deshalb mag sie ihn auch nicht so wirklich, er lässt sie nie gewinnen – Papa war ja auch jahrelang aktiv im eSport für Counter Strike und World of Tanks unterwegs und damit ziemlich erfolgreich, er streamt und Let’s-played sogar seit Jahrzehnten, womit er sich mittlerweile die bescheidene Rente aufpeppt. Ach ich weiß nicht, jedenfalls gibt sie auch generell viel zu schnell auf.“
„Letzteres klingt eher nach mir.“
Sie lachte auf.
„Finde ich nicht, immerhin hast du eine Tochter großgezogen und dir ein ordentliches Leben aufgebaut.“
„Das stimmt, aber ich war auch mal anders.“
„Warst.“
„Richtig.“
„Und was anderes ist doch gar nicht wichtig.“
„Danke.“
„Bitte.“
Sie musterte ihn einen Moment.
„Welchen Film gucken wir?“
Sie mochte Games und Anime …
„Sonic?“
Ihre Augen leuchteten.
„Super, mit Snacks?“
„Sicher, Popcorn?“
„Das wäre riesig. Geht das überhaupt auf der Plüschdecke mit all der fettigen Butter?“
„Die kann ich zur Not waschen.“
„Dann ist ja gut. Ich bin aber vorsichtig!“
Eine halbe Stunde später lief der Vorspann und eine Riesenschüssel zuckriges Popcorn thronte zwischen ihnen, Sie hatten einen Plüsch Bowser auf ihrer Seite und er seinen Yoshi. Er griff nach dem Popcorn und sie auch und ihre Hände trafen sich unbewusst. Schnell zog er sie zurück und warf ihr einen Blick zu. Sie lächelte und schob sich eine Handvoll Popcorn in den Mund. Dann griff sie nach seiner Hand und drückte sie. Sie drehte sich zu ihm hin. Jetzt oder nie, er beugte sich vor und küsste sie auf den Mund. Sie sah ihn etwas überrascht an, dann erwiderte sie den Kuss. Er ließ sich in die weichen Polster sinken und sie rutschte näher zu ihm. Mit ihrem Kopf an seine Schulter gelehnt guckten sie einen tollen Film über Freundschaft und Familie. Danach saßen sie einfach nebeneinander und schwiegen. Er schaltete den Fernseher aus, legte die Fernbedienung weg und sah sie an. Sie lächelte glücklich und schmiegte sich an ihn. Arm in Arm schliefen sie ein.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 21

21. Kaz – 17. Mai – 2058 – Engel

Er träumte. Berlin, eine vertraute Straße. Ein Schlüssel wanderte in ein Türschloss und jemand betrat eine Wohnung – seine alte Wohnung. Im Spiegel blickte ihm seine Liz entgegen, die echte. Sie blätterte durch die Post und zog eine Postkarte hervor. Der Text hinten konnte er nicht lesen, nur das letzte Wort war in Rot und hieß „Zeit“ in Deutsch. Die Frau lächelte und holte einen Zeichenblock hervor. Sie malte ein Gesicht, Liz Gesicht vor dem Unfall damals, ein Selbstportrait. Dann wachte er auf.
   Er schlug die schwere Pelzdecke zurück und Anna neben ihm schlief noch. Seine Hände zitterten. War das gerade ein Traum gewesen? Oder eine Vision? Fast sieben Jahre waren vergangen, dass er das Buch das Osiris Genom geschrieben hatte. Er spürte wie Jack gerade in einem Buch las und Wolf schlief – Karl neben ihm im Bett, er kappte die Verbindung zu den anderen.
   Leise stand er auf und zog sich im Ankleideraum etwas Unauffälliges an. Unten im Keller schloss er sein Fahrrad ab und radelte durch die Tiefgarage und nach oben in das nächtliche Berlin.
   Seine alte Wohnung war etwas abgelegen, also fuhr er bis zur Solomon Akademie und nahm von dort die S10 in Richtung Hauptbahnhof. Das sollte er öfters machen, nachts durch Berlin zu radeln.
Er fuhr seinen gewohnten Weg entlang und bog dann durch eine Durchfahrt in einen Hinterhof ein. Das Tattoo Studio, wo er die meisten seiner Tattoos her hatte und den kleinen Dönerladen, der seiner Meinung nach den besten Döner in Berlin machte, gab es sogar immer noch. Die alte Werkstatt wo er und Xen früher unter Anleitung von Jonah an Autos geschraubt hatten gab es auch noch.
   Nachdem er sein Fahrrad an dem Metallzaun angeschlossen hatte ging er zum Wohnhaus. Hier hatte er damals immer Schlösserknacken geübt wenn keiner zusah. Schlösserknacken geht zwar schneller aber er suchte trotzdem seinen alten Hausschlüssel heraus. Er ging hoch in den dritten Stock und zu seiner alten Wohnung. Sein Name stand immer noch an der Klingel und gegenüber wohnte anscheinend immer noch Jonah, der buddhistischen alte Kerl, der ihm so einiges beigebracht und dem gehörte auch die Werkstatt im Hof. Der war mittlerweile bestimmt längst tot.
   Er zog sein Schlüsselbund aus der rechten Hosentasche und nahm den Schlüssel den er seit über zwanzig Jahren nicht mehr verwendet hatte. Der Schlüssel passte perfekt und er schloss auf, sein Herz pochte ein bisschen. Aber es war kein Einbruch wenn es seine eigene Wohnung war.
   Er merkte sofort die Veränderungen. Ein anderer Schlüsselbund lag in der Schlüsselschale neben einer geladenen FN Five-Seven. Im Flur standen Damenschuhe, hohe Stiefel und High Heels mit abenteuerlichen Absätzen und ein dunkler Wollmantel hing über der klapprigen Stange an der Garderobe.
   In der Küche stand ein Suppenteller und ein Bierglas auf dem Abtropfgitter und eine halbvoller Topf Gulaschsuppe stand auf dem Herd, er bemerkte die Sammlung leerer Bierflaschen neben der Spüle.
Im Bad stapelte sich Makeup vor dem Spiegel. Im Wohnzimmer traf ihn der Schlag. Auf dem Tisch in der Sitzecke lagen die Postkarte aus dem Traum und das Bild mit Liz, was fotorealistisch gezeichnet war. Auf der Rückseite der Postkarte stand etwas, aber er erkannte nur „Zeit“ in Rot.
   Wer wartete wohl im Schlafzimmer auf ihn? Er öffnete die Tür. Das Etagenbett war oben immer noch mit seinem Schrott vollgemüllt und völlig verstaubt. Unten schlief Liz aus seinem Traum unter einer schwarzen plüschigen Fleecedecke, Das Fenster war gekippt und die Vorhänge zurückgezogen, Mondlicht strahlte herein.
   Er kniete sich vor sie hin und studierte ihr Gesicht, das konnte nicht sein, sie war doch längst tot.
Als sie ihre Augen öffnete und ihn aufmerksam betrachtete, zuckte er zurück, es war wie als wenn sie nur auf ihn gewartet hatte. Sie schlug die Decke zurück und sie war nackt, ungeniert stand sie auf und legte einen Finger auf ihre vollen Lippen. Dann schloss sie das Fenster und schob die dicke schwarze Gardine vor.
„Ich hatte gehofft ich könnte eine Szene vermeiden wenn ich dich hierher rufe.“
Scheiße das war Liz Stimme, haargenau.
„Ich hätte mir gewünscht dass wir uns schon vorher begegnen, aber ich hatte den Auftrag mich von dir Fernzuhalten, ich wäre sonst schon 2045 wieder zu euch gestoßen, geht es Amber gut?“
Was faselte die Frau da?
„Entschuldigung wie unhöflich, aber deine Augen täuschen dich nicht, ich bin ich.“
Ihre Augen waren intensiv grün und sie hatte Sommersprossen. Seine Liz, wie er sie kennen gelernt hatte vor jetzt über dreißig Jahren.
„ich bin die Osiris Initiative durchlaufen, man nennt mich Angel, den Engel des Todes. Den Namen hab ich mir nicht ausgesucht, den hat mir Nomad gegeben. ihr könnt euch übrigens auch tarnen. Das macht die Missionen echt einfacher, aber es erfordert eine Menge Konzentration und Übung. Nach meiner „Auferstehung“ hab ich mir ein paar Tarnungen ausgedacht, für den Fall, dass man sich an Liz erinnert. Entschuldigung dass ich wieder hier eingezogen war, aber nach der Wiederauferstehung brauchte ich einfach etwas Vertrautes. Ich glaube, dass ich dich Rufen konnte zeigt dir, dass ich auf deiner Seite bin.“
Tränen liefen über seine Wangen und er umarmte sie fest.
„Erst dachten wir du wärst Emily und dann kam die Spinnenkönigin.“
„Aber Emily ist Liz, also ich, und die Spinnenkönigin war ich auch, aber ich kann nur diesen Körper selbst steuern. Nur ich bin ich. Emily wird viel zu sehr wie mein altes Ich.“
„Du meinst zerfressen von Ehrgeiz und der Zeit?“
Liz lachte und nickte.
„Jetzt habe ich einen sehr starken und gesunden Körper. Und Zeit ist mir außerhalb der Missionen total egal geworden, ich liebe es total Zeit zu verplempern. Die Nächte durch zu bingen, oder stundenlang MakeUp und Verkleidungen auszuprobieren, oder mir in Ruhe die Beine zu wachsen ohne dass ich darüber nachdenke wie viele Millionen Horizon dadurch verliert. Und hier wo ich in einem anderen Leben ein halbes Jahr gelebt habe, fühle ich mich sehr wohl. Nur du fehlst mir sehr.“
„Wie lange wohnst du hier und ich dachte du bist nach Russland geflogen.“
„Ich bin nie nach Russland geflogen. Eines Nachts bin ich einfach aufgewacht ohne zu wissen wie ich da hingekommen bin. Dann wurde ich zu seinem Geist und einem Todesgott. Das war Sommer 2045. Ich durfte dich nie kontaktieren, bin aber provozierend in deine alte Wohnung eingezogen. Die hat mich immer an früher erinnert. Meine Tarnidentität ist unter anderem eine junge Schwarze, mein Name ist Samantha und wehe du nennst mich Liz. Und gestern habe ich die Nachricht bekommen, dass es Zeit wird mit dem Versteckspiel aufzuhören und euch drei anderen mit einzuweihen. Der Kampf ist noch nicht vorbei. Er hat gerade erst begonnen. Das hier soll ich dir übrigens wiedergeben, ich weiß jetzt warum es dir Glück bringt.“
Sie hielt ihm einen Yin-Yang Anhänger an einem Anhänger entgegen. Und er ergriff ihn beinahe andächtig und musterte den Anhänger, den ihm sein Großvater Ben vermacht hatte. Wärme breitete sich in ihm aus, als er sich den Anhänger umhing.
„Und jetzt?“
„Nomad wird dir alles erklären, er ist jetzt unser Anführer.“
„Mein Großvater ist tot!“
„Nein, er lebt. Aber er ist kein Mensch mehr, er ist etwas Höheres geworden.“
Sie schwieg einen Moment und sah ihn lange an.
„Er ist zu einem Gott geworden.“

ENDE

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 20

20. Jack – September 2051 – Das Buch

„Weißt du was das tolle an eurem Haus ist? Ihr habt einen tollen großen Garten. Du glaubst nicht wie Laut Kinder schreien können. Hier ist es entspannt, auch wenn man die Großkatzen riecht. Aber tausend Quadratmeter Wohnung und kein Garten, wie doof ist das denn?“
„Soll ich dir sagen wie schweinelaut vier Babys sind, wenn sie zeitgleich ein Schreikonzert geben. Ich bin froh über die subtilen Ohrstöpsel, auch wenn mich Amber oft genug hasst weil sie nachts nach den Kleinen sehen muss, weil ich den Lärm nicht höre und weiterschlafe. Aber mein weniger Schlaf ist mir hoch und heilig. Ich hab übrigens Snacks mitgebracht.“
Er stellte das große Tablet ab. Für jede Nase, also ihn, Kaz und Wolf gab es einen saftigen großen Burger. Eine Riesenschüssel Pommes für alle und kühle Getränke. Bier für den alten Mann und Cola für den Rest. Sie langten herzhaft zu.
„Meint ihr die Unbeteiligten haben war mitbekommen?“
„Hoffentlich nicht, ich hab eine Menge Scheiße ausgeplaudert.“
„Wir werden es erfahren. Linda ist eine liebe Seele, ich möchte nicht dass sie mitbekommt wie ich meine Brötchen verdiene. Sie liebt mich tatsächlich und sie völlig fasziniert vom schlausten Waran der Welt, der mitdiskutierten kann wenn es um Kryptografie geht. Vielleicht heiraten wir nochmal. Aber so viele Enkel, das finde ich toll. Eine neue Generation. Auch wenn ihr in der Babypause seid, heißt das nicht, dass die Welt aufhört sich zu drehen. Die Clowns werden lästig. Meine Freunde leiden. Ich denke, wir sollten wieder mal eine Operation starrten, wir drei. Das hat beim letzten Mal toll geklappt. Mimik wird Nachahmer finden. Nur wissen jetzt alle dass ein offensichtlicher Krieg nicht weit kommt. Mimik wurde regelrecht von der Landkarte gestrichen. Der nächste Konflikt wird ein Schattenkrieg. Dafür müssen wir bereit sein. Wir alle. Tja der Solomon Fluch ist jetzt ein Problem. Ihr dürft eure Kinder nicht im Stich lassen, sonst wiederholt sich alles wieder. Und wir müssen sie auf den Krieg vorbereiten. Kaz du kennst die Routine und Jack du mittlerweile auch. Wisst ihr, ich fühle mich alt. Als ich zur Bundeswehr gegangen bin, gab es noch keine Smartphones und jetzt über vierzig Jahre später haben wir künstliche Intelligenzen und Raumschiffe und noch mehr Zeugs und die Toten stehen wieder auf. Kaz, deine totgeglaubten Geschwister werden Probleme machen und die KIs auch. Das ist eine Entwicklung, die mir ganz und gar nicht gefällt.“
„Ich stimme dir zum Teil zu. Aber Hal und Lara gehen in Ordnung. Sie wohnen hier auf dem Grundstück in Angestellten Wohnungen, helfen Jack und genießen ein ganz normales Menschen als Menschen, so wie sie es sich schon immer gewünscht haben. Ganz unauffällig. Ich treffe mich mit den beiden öfter mal auf einen Kaffee. Ich dachte daran ein Buch über das ganze Schlamassel zu schreiben.“
„Ist das nicht gewagt, glaubst du die Welt ist bereit dafür?“
„Ich weiß nicht, ich würde es aus meiner, Jacks und Liz Perspektive schreiben.“
„Wie soll das denn gehen?“
„Durch den Link habe ich Zugriff auf deine Sicht der Ereignisse und es ist nicht so schwer sich in Liz herein zu versetzten, ich kenne sie schon mein halbes Leben. Natürlich muss ich es aus dramaturgischen Gründen anders aufbauen und die Namen ändern. Vielleicht wird das ja was.
Ich will einfach mal was Neues ausprobieren, wisst ihr?“
„Guck mich nicht an, ich hab da nichts dagegen Dagger. Mach ruhig. Wie heißt es denn?“
„Das weiß ich noch nicht. Vielleicht etwas mit Todesgöttern. Also uns.“
„Das Osiris Projekt“
„Riskant den echten Namen für das Projekt zu nehmen, aber für Eingeweihte hat es durchaus etwas Griffiges. Also dann, lasst und anstoßen. Auf das Osiris Projekt.“
Sie hoben ihre Flaschen und klirrten sie zum Anstoßen zusammen.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 19

19. Jack – 20.08. 2051 – Es ist wie Magie

Behutsam verfrachtete er die kugelrunde Amber in seinen Omega Defender auf dem Beifahrersitz. Und Sahid machte gleiches mit Akira, die nicht weniger rund war. Nach ein paar Minuten saßen sie zu viert im Wagen.
„Wessen Idee war es das ihr genau gleichzeitig schwanger werdet? Und dann auch noch ausgerechnet mit Zwillingen?!“
Amber und Akira waren verlegen und Sahid sah unglücklich aus dem Fenster.
Versehen oder Schicksal, in wenigen Wochen würden vier lärmende Säuglinge das ganze Haus zusammenschreien, er und Sahid hatten bereits Vorratsladungen an Ohrstöpseln besorgt.
Er hatte sich mit dem Araber eng angefreundet. Eigentlich waren sie vier eine große Familie und kamen sehr gut zurecht. Und dann gab es noch die größere Familie zu der sie jetzt fuhren.
Es hatte etwas Komisches. Jetzt plötzlich waren alle schwanger oder mit Kleinkindern unterwegs.
Klara hatte einen zweijährigen Sohn mit Ralf, der Gott sei Dank keine Memme mehr spielte. Mittels Kaiserschnitt war ein gesunder Junge geboren worden. Er hieß Kasper.
Emily hatte es probiert aber bei ihr waren alle Versuche einer künstlichen Befruchtung fehlgeschlagen. Yusuf hatte eine Tochter mit Nadja, sie hieß Yara und war ein Jahr alt.
Bei seiner Mutter Anna war es kompliziert gewesen, aber jetzt hatten sie auch eine Lösung für Emilys Problem, ein völlig neues medizinisch Verfahren und Anna trug den Embryo, der genetisch zwei Mütter und einen Vater haben würde.
   Ach ja, er selbst fühlte sich sehr unwohl, dass er seine Freundin mit seinem komischen Körper geschwängert hatte, er …
„Wie lange sollen wir denn noch in der Einfahrt stehen, sag nicht du hast deinen Schlüssel vergessen! Mir ist warm, mach den Mülleimer an!“
Amber war hochschwanger immer wieder liebreizend. Es war aber auch wirklich warm heute.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss und der fette Motor dröhnte satt. Er ließ den Motor ein bisschen laufen und schaltete die Klimaanlage ein. Der Motor schluckte auf hundert Kilometer satte zwanzig Liter, Diesel pur, den bekam man mittlerweile hinterhergeschmissen. Allerdings produzierte er auch Wasserstoff und satt Strom, Atomreaktor im Keller sei Dank.
   Und er hatte die Strahlenwerte gemessen. Wenn er den Geigerzähler auf den Reaktor stellte hatte er weniger Strahlung als bei einem normalen Flug über den Atlantik. Schon krass. Trotzdem waren die Wände dick und strahlengesichert.
   Dann fuhr er langsam vom Grundstück. Und fuhr die Straße entlang zum Platz der Nationen eins.
Bedächtig fuhr er die Tiefgarage herunter und parkte neben dem fetten Omega Avenger von Kaz. Einen X8 für maximalen Exzess. Und daneben ein X5 für den Alltag. Und die beiden fetten Anhänger.
Neben dem im Gegensatz zu den anderen beiden Monstern echt günstigen roten Lamborgini Sián hielt er an und half seiner Freundin aus dem Wagen.
„Wehe einer von euch platzt etwas wenn wir nach oben düsen!“
Die Fahrstuhlfahrt verlief zum Glück ohne Probleme. Und oben wurden sie schon erwartet.
Karl begrüßte sie vor Freude wie wild züngelnd, er war anscheinend noch größer geworden. Und er führte sie ins Innere der Wohnung.
   Alle waren da und erwarteten die beiden hochschwangeren Geburtstagskinder.
Wolfgang mit seiner neuen Freundin Linda, Kaz neben einer müde wirkenden Emily und einer runden strahlenden Anna. Klara mit Ralf und Kasper, Yusuf mit Nadja und Yara, Xen und Tamara und ihre vier Kinder, die nach Alter sortiert höflich auf einem Sofa saßen.
   Sie nahmen auf den vielen Sofas Platz und der junge Panther Max, den Amber ihrem Vater geschenkt hatte strich um ihre Beine, er war ganz lieb und noch ganz schön klein. Trotzdem hatten die Kinder einen Mordsrespekt vor dem Vieh und vor Karl, der locker dreieinhalb Meter lang war.
„Es freut mich so sehr dass ihr alle heute an diesem Tag wieder hergefunden habt. An diesem Tag haben wir alles verloren, aber uns auch wieder gesammelt als Familie gefunden und das hat uns stark gemacht. Und bald werde ich tatsächlich sowohl Opa als auch Vater, mit Mitte Vierzig, der Familienfluch hat mich getroffen wie es mir scheint. Herbert wäre jetzt Uropa. Wir sollten auf den Alten anstoßen und sein großes schweres Erbe. Auf Herbert Solomon.“
Sie stießen mit ihren Gläsern an. Und Lien und Merlin servierten Kuchen und besonders die Kinder freuten sich. Sie mampften den tollen Kuchen und Amber strich bedächtig über ihren Bauch.
Vater mit Anfang zwanzig, schon ziemlich krass, aber sie hatten sich abgesprochen und schon Personal eingestellt um die Kleinen so gut es geht begleiten zu können. Sie hatten sogar einen tollen Spielplatz und eine eigene Badestelle direkt am Wasser. Vom unterirdischen Schwimmbad und den Kletterwänden gar nicht zu sprechen. An denen übte Akira wieder klettern wenn sie nicht gerade kugelrund war. Amber hatte ihre Ausbildung mit Bestnoten bestanden und hatte ein Rudel Großkatzen im Zoo in ihren Bann geschlagen. Das Mädchen war die Sensation des Zoos. Wie Tiger und Löwen mit ihr herumtollten und spielten war unglaublich. Er dachte daran dass Wolf sie als geborene Führerin bezeichnet hatte, vielleicht ja für wilde Raubkatzen. Zuhause hatte sie immerhin noch Lucy und Panther Moritz, für ein Zuchtprogramm. Genehmigungen waren alle da und das Gehege war artgerecht und ziemlich groß. Sie würde aber fürs erste einmal Mutter spielen.
Und er ging Arbeiten. Nicht dass er Geld brauchte, aber was sollte er denn sonst mit seinem Leben machen wenn er nicht mehr als drei Stunden schlief und alles super schnell und effizient abarbeitete?
   Er war im dritten Jahr an der Akademie, die einen sehr hohen Praxisanteil hatte. Die Ausbildung ging im Regelfall fünf Jahre, aber dann hätte er den Master der Architektur und Simon war sein Mentor geworden und er lernte so viel von dem alten Herrn. Für den Master hatte er geschummelt und sich das Umbauprojekt für den Horizon Konzern zurechtgelegt. Emily war hin und weg von seinen Entwürfen gewesen und hatte das so durchgeschubst. Jetzt sah alles aus wie eine moderne Neuinterpretation einer riesenhaften mittelalterlichen Burg mit Cyber-Anleihungen. Außen Backstein mit Türmen, Wehrgängen und Zinnen innen Hightech vom Feinsten. Passte auch hervorragend zur Bruder- und Schwesternschaft.
   Er war sich sicher dass er das Zeug dazu haben würde in Emmas Fußstapfen zu treten, auch wenn dahin noch ein langer Weg führte. Mit Mitte zwanzig wollte er keinen Konzern leiten. Er übte aber schon mal den richtigen Rhythmus und hatte mit Simon abgemacht, dass er zu etwas unüblichen Stunden und viel von zuhause arbeiten würde.
   Und er malte mit großer Begeisterung. Er probierte sich aus, aber digital, Airbrush und Öl waren seine Favoriten. Seine Ölschinken gingen weg wie warme Semmeln und die Drucke seiner digitalen Sachen brachten ihm ein gutes Sümmchen ein. Für Das Kilo sündhaft teurer Schokolade, dass er wöchentlich mampfte reichte es allemal. Amber beneidete ihn darum, dass er alles essen konnte. Aber es ekelte sie an dass er Zwiebeln und Zwiebelschmalz pur aß. Er löffelte das Zeug mit Genuss wie sie Eiscreme verputzte.
   Und er traute sich nicht so recht durch den Alltag. Die Armaturen im Bad hatten Anzeigen für die Wassertemperatur. Das war wichtig, denn wenn er das Wasser für angenehm empfand, hätte er auch mit dem Wasser gleich noch Nudeln kochen können.
   Kochen. Tja, er hielt sich streng nach Rezept und schmeckte nicht ab und hoffte, dass es keinem Auffiel, seiner Zunge war nicht mehr zu trauen. Ab und zu ging er komplett baden, aber oft genug lobte seine Freundin ihn für das tolle Essen. Und glücklicherweise kochte Amber besser als er und sie hatten Merlin im Haus, an den kam nichts heran. Aber der kochte auch für Akira und Sahid, also mussten sie sich absprechen oder zusammen essen. Meist aßen sie zu viert an der großen Tafel und ließen sich vom Meister bekochen. Zu zweit in ihrer großen Küche zu essen war etwas einsam, das machten sie eigentlich nur dann wenn die anderen nicht da waren oder Merlin frei hatte, aber selbst da kochten sie lieber gemeinsam. Das war wohl eine ziemliche Fehlplanung, aber das Sprach für das Konzept der Lounge. Dort verbrachten sie erstaunlich viel Zeit. Und Sahid hatte sein kleines Testpublikum für seine Witze. Er spielte gerade sein zweites Bühnenprogramm und war solide erfolgreich. Aber er trug damit nicht den Haushalt. Was Akira allein an Makeup verschleuderte …
So viel zu bescheiden und klein.
   Und Amber bekam er von den Pelzen nicht los, mittlerweile trug sie auch dicke Mäntel wenn es nicht kalt war. Sie war jetzt groß, war gewachsen und er musste sich nicht mehr bücken wenn er sie küssen wollte. Ihre Zwillinge waren beides Jungs und sie hatten ausgemacht dass jeder sich einen Namen aussuchen dürfte. Jacks Idee war es seinen Urgroßvater Nomad zu ehren und nannte den einen Sohn Ben und Amber wollte den anderen Artur nennen. Merlin hatte sich sehr gefreut.
Akira und Sahid waren sich noch nicht einig, aber bei ihnen waren es auch zwei Jungs. Akira würde den einen nach dem Protagonisten aus ihrer Lieblingsspieleserie Uncharted benennen: Nathan. Sahid brütete noch über arabischen Vornahmen. 
   Es läutete an der Tür und sie sahen sich an. Wer war denn das wieder. Er und Kaz gingen zur Tür.
Ein Mann um die sechzig in einer Butler Uniform und eine junge Frau in einem sehr altmodischen Kleid.
„ja bitte. Was möchten sie?“
„Oh entschuldigen sie bitte die Störung Sir, aber wir möchten uns vorstellen. Mein Name ist Albert Falkenstein und das ist meine bezaubernde Frau Lara Falkenstein. Ganz zu ihren Diensten die Herrschaften“
Der alte Sack war doch mal spielend dreißig Jahre älter als die Frau, dass sowas überhaupt erlaubt war. Er fühlte wie sich in Kaz etwas regte.
„Hal, Lara, seid ihr das? Wie ist das möglich?“
„Das wissen wir nicht genau, aber es ist wie Magie“

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 18

18. Kaz – Januar 2047 – Besuch bei Freunden

Die Clowns waren wieder da! Aber nicht so offensichtlich und man machte es ihnen schwer. Aber sie verübten Anschläge auf die Zivilbevölkerung. In Berlin Solomon war es hingegen relativ sicher.
Die Winter wurden wieder sehr kalt, auch wenn ihm das nichts ausmachte. Allerdings sah es komisch aus wenn er bei minus fünfzehn Grad in T-Shirt und Shorts herumlief und seine Frau Anna in dicke Jacken oder Pelze eingepackt war. Stattdessen trug er einen dicken Wollmantel und hatte sich bei ihr eingehakt. Sie besuchten die Kinder. Trotz all ihrer Mühen und Flehen und Betteln waren sie vor wenigen Wochen in das tolle neue Haus eingezogen, dass Jack hatte bauen lassen. Das war irre schnell fertig geworden. Und eine vierköpfige Bande sehr junger Erwachsener in einer Renaissance Festung wie es schien. Jetzt war es zuhause sehr leer in der Riesenwohnung. Nur noch Er seine Frau Anna, seine Freundin Emily, Yusuf und Nadja und Wolf. Klara und Ralf waren ein Paar und sie waren ausgezogen in das Haus, das Jack für sie hatte bauen lassen und es war auch groß Genug für Wolf und Karl. Ralf durfte die Rolle des weinerlichen Waschlappens ablegen und er war sehr dankbar. Er machte einen exzellenten Job als Vize Chef.
   Seine drei lieben Mädchen sahen nach dem Mimik Vorfall sehr unheimlich aus und Emily hatte es ein bisschen zu ihrem Image gemacht. Seit drei Monaten war sie der neue CEO von Horizon und Änderungen erlassen, die die Sicherheit des Unternehmens betrafen. Und Horizon Brandenburg wurde noch mehr zu einer Festung umgebaut. Zumindest war das der Plan. Noch warteten sie auf die Freigaben der Bundesregierung.
   Anna war ganz in weiß und rot. Eine rote Wollmütze und Schal, ein schneeweißer Pelz mit Kapuze. Weiße Stiefel und rote Handschuhe. Er liebte sie sehr und ihre Hochzeit im Oktober war völlig schneeweiß gewesen. An ihre künstlichen Beine hatte sie sich gewöhnt, eigentlich konnte sie Barfuß gehen, aber sie mochte es nicht sehr und die Menschen guckten dann nur. Aber bei roten Augen starrte jeder sie entgeistert oder neugierig an. Emily und Amber traf das gleiche Schicksal. Zusammen mit der auffälligen Gesichtstätowierung in schwarz und rot. Die war Gott sei Dank nicht so heftig wie bei Liz als Cyborg. Emily hatte eine Hassliebe mit ihrem Körper. Sie hasste es daran erinnert zu werden, wer sie malträtiert hatte und auf der anderen Seite liebte sie es in ihren Lieblingsfarben weiß und rot herumzulaufen und sie fand nach anfänglichen Schrecken die vollen weißen Haare toll.
„Da, wir sind gleich da!“
Er entdeckte ein paar Kilometer entfernt den gemauerten Wachturm des Anwesens. Jack hatte erzählt dass Sahid das als Arbeitszimmer verwendete. Weit ab vom Rest und der Ausblick über die Stadt war ein Quell der Inspiration. Jack spürte er gerade in einem Atelier wo er mit Öl eine tolle Burg malte, die ihm bekannt vorkam. Er drehte sich um. Hinter ihnen lief Emily mit Lucy an der Leine. Selbst die Großkatze fröstelte bei der Kälte. Emilys Outfit passte zu Anna. Im Schnee waren sie kaum zu unterscheiden. Nur trug Emily weder Handschuhe noch Stiefel, die brauchte sie nicht.
Nach einer Dreiviertelstunde waren sie da und Kaz läutete unten am Tor. Ihnen wurde geöffnet und sie schlenderten staunend über das große Grundstück. Das war eine Echte kleine Burg. Mit drei Ringen und Verteidigungspositionen gegen Angreifer. Im Schnee sah das alles so friedlich aus.
Im ersten Ring traten sie durch die schwere Pforte und landeten sie im Innenhof. Die Zufahrtswege und der Platz waren schneefrei. Kaz kniete sich hin. Der Boden war ja richtig warm. Ein Platz mit einer Fußbodenheizung, was es nicht alles gab. An der Tür erwartete sie eine etwas bibbernde Amber, die sie hereinbat und die große Leopardin begrüßte.
„Oh man toll das ihr endlich da seid. Kommt rein. Wir haben schon alles vorbereitet und ihr seid pünktlich für das Kaffeetrinken und Gebäck. Wir haben viel zu viele Plätzchen in der Weihnachtszeit gebacken. In der tollen neuen Küche die Jack eigenständig gezimmert hat. Ich bin so stolz auf ihn, alles funktioniert gut und ich mag die Formen und Farben. Nun kommt schon, da ist die Garderobe.“
Sie entledigten sich der dicken Sachen und gingen in eine Wohnung? Wohnzimmer, Speisebereich und Küche mit Bar in einem. Das füllte das Erdgeschoss.
„Willkommen in der Lounge. Hier treffen wir uns, wenn wir gemeinsam etwas machen. Kochen, Essen, Spielen und entspannen und so weiter. Oben sind unsere Wohnungen, die sind nicht beengt, aber nicht für so viele Personen gedacht. Kommt nehmt Platz ich serviere euch die Getränke, was darf es denn sein?“
wenig Später balancierte Amber ein Tablet mit drei Bechern Milchkaffee und einem Teller mit Plätzchen und Keksen. Emilys und seine Hand trafen sich über den Shortbreadfingers. Er ließ ihr den Vortritt. Emily trug eins der tollen Kleider, die er für sie entworfen hatte. Es stand ihr ausgesprochen gut. Die beiden Frauen ärgerten ihn seit Monaten mit dem exakt gleichen Haarschnitt. Beide hatten einen kurzen Bob in schneeweiß. Stand ihnen gut auch wenn er gerade Annas tolle türkisfarbene Augen vermisste. Amber hatte kurze gegelte Haare. Sie hatte es aufgegeben mit ihrer langen Zottelmähne.
   Und sie wollte nicht mehr färben. Jetzt sah sie aus wie kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland vor fast zwei Jahren. Siebzehn Jahre war sie jetzt alt. Und sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Darüber war sie sehr stolz.
„Für dich nichts?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Das mache ich, wenn die anderen hier eintreffen. Jack ist noch beschäftigt und Akira hat Therapie. Tut mir leid, das war schlecht von uns getimed. Macht‘s euch bequem. Wir haben im Schrank hinten Pelz- und Wolldecken, wenn ihr es euch bequem machen wollt.“
Emily, die Pelzliebhaberin schlechthin, lehnte erstaunlicherweise dankend ab. Anna hingegen wünschte sich eine flauschige Decke, die sie prompt bekam.
„Ich freu mich so über euren Besuch. Das ist das erste Familientreffen im neuen Haus. Ah da kommt Jack.“
Ein paar Minuten später erschien ihr Freund mit legerer Kleidung und setzte sich neben Amber aufs Sofa und küsste sie sanft.
„Papa, Mama, Tante. Ich werde die Schule abbrechen und ein Lehre zur Tierpflegerin starten. Mit dem Praktikum im Zoo konnte ich sie total überzeugen und sie nehmen mich für die Stelle mit Handkuss. Ich kann‘s halt mit Tieren stimmt‘s Lucy?“
Die riesige Schmusekatze legte sich schnurrend vor Amber auf den Boden. Kaz war total baff.
„Aber liebes, Schule ist doch auch wichtig, was ist wenn du später etwas anderes machen willst und keinen Schulabschluss haben möchtest.“
„Erstens hast du mir achtzig Millionen vererbt und Jack hat fast zweihundert Millionen. Und zweitens will ich das machen und zwar jetzt. Irgendwer muss sich schließlich um die Katze kümmern. Vielleicht sogar Katzen, Klar regelt da so ‘ne Sache über die ich gar nicht sprechen darf. Aber ich freu mich.“
„Aber ich bitte dich, wir …“
Jack hob die Hand.
„Vergiss es, ich hab mit ihr oft genug gesprochen, keine Chance. Da ist übrigens Akira.“
Sie drehten sich um und Akira schoss mit ihrem Rollstuhl in den Raum und parkte geschickt in den Raum. Sie trug eine Wollmütze, Pulli und Leggins.
„Ist das schon die Haut?“
„Ne die ist unten drunter seit ein paar Monaten. Leiden musste ich trotzdem, aber es wirkt echt. Guckt mal!“
Sie wackelte mit den Zehen. Jubel brach aus. Dann war die viertel Milliarde ja zumindest nicht ganz für die Katz gewesen. Indirekt landete es bei Horizon und ihr würde in einigen Jahren der ganze Megakonzern gehören, also war das nicht so schlimm.
   Sie gab sich trotzdem recht bescheiden und ruhte sich nicht auf ihrem Erbe aus. Und sie arbeite hart an den Reviews und sie Streamte erfolgreich. Mittlerweile rentierte es sich für sie durchaus. Und sie bettelte nicht um Geld, schaltete keine Werbung und die Sponsorengelder und andere Einnahmen spendete sie für gemeinnützige Zwecke. Damit machte sie sich ganz gut beliebt.
Leben tat sie von den Zinsen ihres wachsenden Vermögens. Sie hatte ihm versprochen, das Gaunerleben sein zu lassen. Aber er würde sie mit Yusuf auf Schatzsuche gehen lassen, wenn sie vollständig genesen sollte. Darauf freute sie sich. Ein Meisterdieb und seine Schülerin.
   Und er und Ripper, den er schon ein bisschen wie einen Sohn sah. Er kam ganz nach ihm und er war stolz wie man stolz sein konnte. Nach der Blamage im Herbst 2045 hatte sich der kleine fein gemacht und war zu einem echten Solomon geworden. Ganz wie Tooth und Nomad. Und wie er.
„So die Getränke.“
Merlin war aus der Küche gekommen und servierte Getränke für den Rest und noch mehr Kekse.
„Jack ich habe gehörst du malst jetzt mit Öl? Wirst du deine Sachen verkaufen?“
„Uh, ich hab mal ein paar Fotografiert und Galerien gefragt ob die sowas ausstellen wollen. Das Kulturstadion in Solomon zeigt sich interessiert. Mal gucken ob das was wird. Ich mal halt Gebäude und so impressionistisch in verschiedenen Baustilen.“
„Darf ich mir das nach dem Essen mal angucken?“ Kam es von Emily.
„Sehr wohl, ich hab eine eigene kleine Galerie und mein Atelier, ich führ dich nachher hin.“
„Was gibt es denn?“
„Merlin hat einen tollen Sauerbraten in der Röhre. Dazu selbstgemachte Klöße, Rotkohl und Soße und Weißbier für alle.“
Anna frohlockte und schmiegte sich eng an ihn. Emily auf der anderen Seit ebenso.
„Wisst ihr, ihr drei seid so süß und das passt so gut. Auch wenn mir Papa ab und zu etwas leidtut. Ich finde ihr solltet es probieren nochmal Kinder zu haben, mit moderner Medizin heutzutage sollte das noch möglich sein. Wenn ich die Ausbildung fertig habe ich einen dringenden Kinderwunsch und den hat Akira sowieso, aber ihr Körper braucht Zeit zum heilen. Und ich glaube Lucy ist traurig, dass sie ganz allein ist.“
„Halt Moment, ich will nicht mit Mitte Vierzig noch Opa werden, das geht mir zu schnell und ich hab Emily eine Weltreise versprochen, die will ich nicht machen wenn ich sechzig und kraftlos bin.“
„Du mit deinem Superkörper wirst niemals Kraftlos. Ich hatte zwar Schmerzen, aber ich hab in Sibirien alles gesehen. Du hast drei Cyborgs nackt mit einem Messer besiegt, wo man euch vorher völlig demoliert hatte, mit Waffen und Kampfanzügen. Erzähl mir doch nichts Superman.“
„Ich kann keine Laser mit meinen Augen verschießen und fliegen kann ich auch nicht.“
„Aber für unsere Welt seid ihr einfach nur unnatürlich stark, schnell und sterbt nicht. Dir hat man ins Herz gestochen und Jack wurde von Kugeln durchsiebt und ihr lebt beide ohne einen Kratzer. Das ist doch absurd.“
„Wäre es euch lieber, wenn wir nicht gekommen wären?“
Kam es von Jack.
„Nein das will ich gar nicht sagen, ich finde es nur so komisch. Es passt nicht in diese Welt?“
„Wie bitte? KIs die Konzerne leiten und wie Menschen sein wollen, Raumschiffe, Weltraumfahrstühle, Kolonien auf dem Mond und dem Mars, Augmentierungen, Cyborgs, Schlachten zwischen Mechs und Panzern, Tote die wiederauferstehen. Soll ich weitermachen?“
Amber biss sich verlegen auf die Unterlippe.
„Nein alles gut Schatz, das war dumm von mir. Ich bin froh dass die echte Mara und die echte Liz wieder da sind. Und das ich mit Tieren reden kann … irgendwie. Ich weiß es nicht. Und das ihr drei euch so viel zu verdanken. Wo ist eigentlich Wolf?“
„Der spielt mit Karl, der Waran kann jetzt sprechen und lernt hacken.“
„Wie ist denn das zu verstehen.“
„Karl hat ja einen Link und Ich bin auf die Idee gekommen ein Prism mit Karls Link zu koppeln, was ein bisschen kompliziert war. Und ich habe eine Stimme für ihn ausgesucht und jetzt kann er über sein Prism sprechen. Da läuft ein Lara Klon drauf, also kann der Waran mit etwas Geschick sich damit in Netzwerke und Computer einklinken. Wir haben ihm ein Geschirr mit Smartphone, Lautsprechern Sensoren und einer Powerbank gebastelt. Wusstet ihr, wie scheißviele Messwerte man über einen Link bekommt? Das ist völlig absurd. Er hat das Prism 13 mit nochmal mehr Power und er fühlt sich gut. Er freut sich, dass er ohne seinen Code und ohne Sandtisch sprechen kann. Und Wolf hat Freude daran mit Karl verschiedene Sachen zu testen und zu filmen. Er hat sogar einen Youtube Kanal und jedes Video hat Millionen von Klicks. Das ist bizarr.“
„Kann Lucy das auch bekommen? Büdde büdde!“
„Das ist nicht immer so lustig wie es sich anhört. Wir testen es erstmal in Ruhe mit Karl bevor wir Lucy irgendetwas bauen, außerdem frag doch Akira, die bastelt auch gerne.“
Akira rollte mit den Augen, als Amber sie flehend ansah.
„Wie wäre es mit nein, Sis!“
Jack tröstete Amber und sie tranken schweigend ihre Getränke.
Beim Essen unterhielt sich Jack ausgelassen mit den anderen über das Haus, seine Zukunftspläne und das Malen. Merlin war nach wie vor ein erstklassiger Koch und das Essen hervorragend.
Die Stimmung war angenehm und alle aßen herzhaft und tranken prickelnd kühles Bier. Anna war begeistert, sie liebte die Küche ihrer Heimat Bayern.
Er fürchtete dass die Kindersache nicht überstanden war.
Sollten sie es wagen?

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 17

17. Emily-Jack – Juni 2046 – Das Haus

Die Sonne weckte Emily und sie rollte sich auf den Rücken. Eigentlich wollte sie gar nicht raus. Nein eigentlich wollte sie sich wieder unter die Decken verkriechen und ihr hässliches Antlitz für immer vor der Welt verstecken. Jetzt waren sie alle ganz merkwürdig.
   Sie streckte die Arme in die Höhe. Nicht nur zwei künstliche Beine sondern jetzt auch noch zwei künstliche Arme. Und der Mist, den man ihr eingeflößt und dauerhaften Schaden hinterlassen hatte nicht zu vergessen.
   Sie erhob sich und ging ins Bad, sie musste mal. Im Badezimmerspiegel strich sie missmutig über die kurzen, dicken, schneeweißen Haare, die wuchsen jetzt auch schneller. Dazu kalkweiße Haut und blutrote Augen. Und das ging nicht mehr weg hatte sie sich von Ärzten sagen lassen, aber immerhin war sie noch kerngesund. Also noch mindestens sechzig Jahre Leben als Vampir. Interessanterweise war sie nicht empfindlich gegenüber der Sonne.
   Ach ja, Anna und Amber hatten dasselbe Schicksal erlitten. Jetzt waren sie eine Albino Familie. Und Kaz war sehr merkwürdig. Nicht nur das er noch größer als vorher war, sein Verhalten war sehr sonderbar. Wenn er duschte, war das Badezimmer danach die reinste Dampfsauna. Er aß komische Sachen und schlief praktisch nicht mehr. Einmal hatte sie ihn erwischt wie er in eine Zwiebel biss, wie andere in einen Apfel. Und Kartoffelschalen waren seine neuen Chips. Und noch tausend andere Sachen.
   Die Welt hatte sich ein bisschen von dem Mimik Angriff erholt und Russland war immer noch ziemlich im Arsch und wurde von Europa und der USA aufgepäppelt. Mimik war ausradiert und in Sibirien gab es jetzt ein paar sehr große Krater. Die Russen hatte es nicht gestört.
   Unten erwartete sie Lien, die sich von den Verletzungen ihrer Hände erholt hatte und sie bereitete ihr eine Mahlzeit. Es war Juni, es war sonnig und warm und alle waren draußen, außer Emily und Amber und Anna. Letztere bastelte an ihren Brettspielen mit Benj. Sie hatte sich von den schweren Wunden gut erholt. Und Amber spielte natürlich mit Lucy.
   Die mittlerweile recht große junge Leopardin knabberte an Ambers künstlichen Arm.
Jetzt waren sie alle drei Krüppel und Augmentierte. Horizon hatte alles großzügig gesponsert.
Sie knaberte an ihrer Unterlippe. Die Tür öffnete sich und Kaz trat ein.
„Nah, was grübelst du?“
„Naja, ich sehe jetzt fast so aus wie die alte Liz und passe Farblich ganz wunderbar zu Horizon. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, den Konzern wieder zu leiten, mit einem fitten Ralf an meiner Seite natürlich. Ich weiß ja noch wie das geht, ich stand lange genug da oben an der Spitze. Nur dieses Mal ohne den Mist mit der Glatze. Aber ich lass das bisschen Gesichtstätowierung da. Kannst du mir was schickes designen was nicht nach Gesichtsloser aus deinem Buch aussieht?“
„Das lässt sich machen. Das heißt aber, dass du wieder keine Freizeit hast.“
„Weißt du ich glaube es scheint mein Schicksal zu sein irgendetwas zu leiten. Und dieses Mal bin ich fit und gesund, von den Amputationen und der Farbgebung mal abgesehen. Ich würde mir nur von euch, meiner tollen Familie wünschen, dass ihr mich vielleicht ein bisschen entlastet.“
„Wir werden dich von vorne bis hinten verwöhnen.“
„Nicht zu sehr, mit geht der ganze Luxus auf den Keks. Ganz ohne geht leider nicht, aber du hast mir noch eine tolle Weltreise versprochen. Die können wir Etappenweise machen. Und ich will endlich mal mit euch Zelten gehen oder euch auf eure Abenteuerurlaube begleiten. Oder naja, wann bekommt Akira die Haut, diesen Nanoanzug?“
„Ende August. Und dann trägt sie die praktisch für immer bis sie weggeht, so ganz hab ich das nicht geschnallt. Und ist ordentlich teuer. Wir haben alle zusammengelegt und die Summe von 260 Millionen Euro berafft. Akira ist schon ganz aufgeregt. Ihre Gesundheit ist ihr wichtiger als Geld und ich finde das ist die richtige Einstellung. Ich bin gespannt auf wie viele Kinder sie sich mit Sahid einigen wird. Jedenfalls will sie ganz anders als Johnny sein und sie hat schon alles durchgeplant und macht es so, dass sie ganz viel Zeit mit ihren Kindern verbringen kann. Jack hat mir da schon so eine Kleinigkeit gezeigt. Er hat ja dieses Wahnsinnsgrundstück an der Havel geerbt. Der Junge kommt ganz nach seiner Mutti und seinem Großvater. Der wird ein toller Architekt, da bin ich mir sicher.“

*

Auf was hatte er sich da eingelassen? Jack radelte durch Berlin Solomon auf dem Weg zum Würfel. So hieß das exakt würfelförmige Gebäude mit dreißig Meter Seitenlänge, wo das Architekturbüro lag, dass sein Großvater Herbert vor etwas vierzig Jahren gegründet hatte. Naja Büro nicht, eher Konzern.
Solomon Industries. Siebzehn internationale Büros weltweit und eine Baufirma im eigenen Haus. Die machten alles. Von der ersten Skizze, über Fundamente gießen, Fliesen legen, IT einrichten und so weiter.
   Und die Akademie. Ein Mix aus Berufsschule und Universität. Die ähnelte einem dieser DDR Schulbauten, nur locker zehnmal so groß. Und am nördlichen Ende von Berlin Solomon befand sich das ganze Gelände. Er war gespannt.
   Hatte er erwähnt, dass ihm sein Opa alles vermacht hatte? Sein Lebenswerk in seine achtzehnjährigen Hände. Er wusste es zu schätzen. Bisher hatte er das Riesengelände nur aus der Luft oder auf Bildern betrachtet. Hoffentlich fand er jemanden, der sich seiner annahm. Er hatte sich bestens vorbereitet, hoffte er.
   Da kam endlich der verglaste Würfel in Sicht. Dazu zahllose Anbauten, Die Akademie und dahinter der Eingang zum Bauhof wo unter anderem eine lange Reihe Liebherr und Volvo Bagger parkten.
Vor dem Eingang des Konzerns machte er sein Rad an einer Laterne fest und prüfte den Sitz des Schlosses. Das Schloss hatte mehr gekostet als das schrottige Fahrrad. Eigentlich würde das auch ohne Schloss keiner klauen wollen, aber in diesen Zeiten wollte er nicht sinnlos durch die Gegend rennen. Ehrfürchtig öffnete er die Tür des Portals und trat ein. Eine Halle, nein ein Lichthof der den Würfel durch schnitt. Interessiert achtete er auch die architektonischen Details. Sehr cool.
In der Mitte stand eine überlebensgroße Statue, die Herbert und Emma Solomon zeigte. Er schluckte bei dem so realistischen Antlitz seiner toten Mutter. Bald waren sie und Johnny und seine Großeltern ein Jahr tot. Zeit vergeht schnell. Und was sie nach den Anschlägen alles zusammen erlebt hatten würde Bücher füllen.
   An einer Seite war eine Sicherheitsschranke und auf der anderen Seite eine Anmeldung, wo eine gestrenge Dame ihn misstrauisch beäugte. Er trat näher.
„Nanu junger Mann, müsstest du nicht in der Schule sein? Du siehst für einen Studenten zu jung aus.“
„Ich möchte ein Haus bauen, an wen muss ich mich wenden?“
Die Dame lachte herzhaft.
„Dann nimm doch Bausteine. Veralber mich doch nicht. Wie sind ein ernstes Unternehmen, wir gehen nicht auf Spielereien von Kindern ein.“
Sie klopfte mit einem Aluminiumkugelschreiber auf dem Tisch herum. Sie löste ein Kreuzworträtsel in der Zeit. Über den Alpha Link bekam er Wolf mit, der auf dem Klo versunken das gleiche Rätsel löste. Und er fühlte das Gefühl von Emilys roten Lippen auf seinen, als Kaz sie knutschte. Karl saß hinter Emily und guckte unter ihren Rock und frohlockte während Lucy an Ambers Bein knabberte.
Dieser Link war doch dämlich, er bekam alles mit was die anderen Idioten und diese dämlichen Haustiere anstellten. Die ersten Wochen hatte ihn das wahnsinnig aus der Fassung gebracht, jetzt geht es einigermaßen.
„Junger Mann, hörst du schlecht? Geh und treib deinen Schabernack woanders.“
Das Geklopfe dieses Stiftes ging ihm echt auf den Sack. Vielleicht sollte er ihn in ihrem Auge versenken, vielleicht hielt sie dann den Rand. Aber das war hinderlich bei seinem Vorhaben.
„Es ist mir ernst, ich will ein Haus bauen. Ich hab die CAD Pläne und ein paar Skizzen bei mir.“
„Ich bitte dich, geh bitte, sonst muss ich leider den Wachdienst verständigen.“
„Noch ein Wort und ich lasse sie feuern.“
„Na wie redest du denn mit mir. Wie ist dein Name, ich verständige jetzt sofort dein Eltern.“
„Na schön, dann eben auf die harte Tour. Jack Solomon, Sohn von Emma Solomon und Enkel von Herbert Solomon, dem Gründer von Solomon Industries. Der hat mit diesen Saftladen auch vermacht. Würden sie mir bitte ihren Namen und die Nummer der Personalstelle mitteilen?“
Die Dame erblasste und griff nach dem Telefonhörer. Sie nuschelte den Namen Simon in den Hörer, das sollte er natürlich eigentlich nicht mitgehört haben. Er hatte recherchiert. Simon war Herberts Partner seit Beginn des Unternehmens. Endlich jemand mit Fachkompetenz.
   Ein paar Minuten später erschien ein untersetzter grauhaariger Mann mit Halbglatze um die sechzig im Foyer und trat auf ihn zu. Jack wurde mit einem kräftigen Händeschlag begrüßt.
„Gestatten Simon Hirschweg. Ich bin hier der temporäre Leiter bis … naja bis du die Leitung hier übernimmst. Ich habe gehört du willst ein Haus bauen und hast die Pläne gleich mit. Komm mit wir gehen in einen der großen Säle. Dort haben wir auch die Möglichkeiten für einen VR Rundgang.“
„Super ich hab alles mit. CAD Dateien, VR Rundgang und Skizzen.“
„Und du bist achtzehn? Und der Sohn von Emma, ich bin gespannt.“
Jetzt war Jack ein ganzes Stück aufgeregt. Auf den Tag hatte er seit Wochen gewartet. Nach den endlosen Gesprächen mit Sahid, Akira und Amber hatte er ein bisschen gezaubert.
Sie betraten einen großen Raum, wie einen Hörsaal mit einem laufenden Beamer. Sie setzten sich auf einen der Ränge nebeneinander und Jack schloss seinen Laptop an den Beamer. Er machte ein paar Einstellungen und öffnete die Präsentation mit seinen Skizzen und Bildern, die er vorbereitet hatte.
Erst die Ganzsicht des Grundstückes aus verschiedenen Perspektiven und dann Detailbilder. Er hatte mehrere Tage und Nächte am Grafiktablet gesessen. Jetzt war er gespannt.
„Mhm, interessant. Renaissance, das ist natürlich das komplette Gegenteil von Emma und Herbert. Großes Grundstück, alle Achtung. Ich weiß noch die Diskussion mit Herbert als deine Mutter es unbedingt haben wollte, sie hat gewonnen. Die Zeichnungen sind wirklich gut, besser als die die von Emma und Herbert, wenn du weiter übst kommst du noch an Sebastian oder Jonathan heran. Mh, also abgetrennte Bereiche für Sport, Entspannung, Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Darf ich erfahren wer die Bewohner sind?“
„Gerne. Also ich mache Architektur und Malerei. Amber ist meine Freundin und sie möchte Tierpflegerin werden, dann meine Schw … Cousine Akira, sie ist hauptberufliche Youtubestar und Streamerin und ihr Freund Sahid, der macht Comedy und schreibt Bücher. Dann noch Gästewohnungen und Apartments für das Personal. Und das große Gehege für Lucys Leopardin, wir haben da eine Sondergenehmigung.“
„Sehr interessant und ich nehme an, die beiden jungen Paare wollen eine Familie gründen. Mh, äußerlich sehr interessant. Das wirkt ein bisschen wie eine Festung, aber ohne abweisend zu sein. Ich freue mich auf die Pläne. Sehr viel Platz und Möglichkeiten, wenn auch schwierig, weil es so nah am Wasser wird. Aber das ist nichts Neues für uns, immerhin haben wir einen Stadtteil hochgezogen.“
Jack freute sich über das Feedback und öffnete die CAD Pläne. Dutzende CAD Pläne der Etagen der verschiedenen Gebäude. Sein Sitznachbar musterte sie aufmerksam und kommentierte hin und wieder etwas oder stellte eine Frage.
„Achtzehn Jahre, gehst noch zur Schule und zeigst mir solche Pläne, die sind auf sehr hohem Niveau, alle Achtung. Ich kann dir jetzt schon sagen, dass ich dir einen Platz auf der Solomon Akademie reservieren werde, ganz gleich deines schulischen Abschlusses. Einverstanden?“
„Abgemacht.“
„Und jetzt bin brennend auf die VR Simulation gespannt. Stöpsele mal deinen Laptop aus und komm mit.“
Jack folgte Simon in einen anderen Raum mit mehreren omni-direktionalen Laufbändern und einer Mördermaschine von PC. Er schob seine Festplatte in eins der Laufwerke und auf dem Bildschirm lud die Simulation. Sie stiegen mit Handschuhen und Brillen bewaffnet auf die Laufbänder und betraten die Simulation.
   Jack stand vor einer Einfahrt mit einem geschmiedeten Tor. Neben ihm stand Simon. Neben der Einfahrt befand sich ein Eingang zu einem weitläufigen Grundstück. Er öffnete die Pforte und stand auf einem gepflasterten breiten Weg der an einer geteerten Straße entlangführte. Sie befanden sich im äußeren von drei Ringen. Links befand sich ein Haus mit einem Fitnessstudio im Inneren. Und einem kleinen Schwimmbad mit zwei fünfundzwanzig Meter Bahnen. im Tiefgeschoss.
Die Decke über dem Schwimmbad war nach außen hin verglast und draußen war eine ausladende Terrasse mit Sitzmöglichkeiten. Außen Renaissance innen Modern eingerichtet, aber mit verschnörkelten Zierelementen und Möbeln. Am Wasser war ein kleiner Pier mit einer vertäuten Jacht und einem Bootshaus und Gartenschuppen. Nicht zu vergessen das großzügig bemessene Raubtiergehege wo Lucy mit einem Panther spielte. Die KI der simulierten Katzen reagierte auf ihr Kommen und Lucy trat neugierig ganz nah an sie heran und musterte sie. Dann betraten sie durch die Einfahrt mit dem gemauerten Bogen den zweiten Ring. Links der Eingang zum Indoor Gehege der Katzen für schlechtes Wetter und Schuppen. Rechts ging es zu den Garagen, Werkstätten, Gewächshäusern und dem Landplatz für einen Helikopter oder Lambda Swordfish. 
Im ersten Ring in der Mitte waren das große Wohnhaus, das Gästehaus, Die Angestelltenquartiere und Wohnräume für Akira in Bodennähe. Rings um einen schön gestalteten Innenhof.
Sie sahen sich auch Innen alles an und gingen auch tief in den Keller.
Als sie wieder aus der Simulation ausstiegen wirkte Simon sehr zufrieden.
„Fabelhaft. Wirklich großartige Arbeit. Das ist erstklassig. Ich sag dir was. Wir gucken und deinen Entwurf nochmal bis ins kleinste Detail an und machen unsere Berechnungen. Ich würde ein paar Änderungen vorschlagen. Zum Beispiel kannst du so nah am Wasser viel davon mit in den Bau mit einfließen lassen und ich empfehle dir ein nukleares Gen 5 Kleinstkraftwerk, dann hast du viel Power und kannst Wasserstoff herstellen, als Brennstoff für Generatoren und Motoren. Ich habe gehört Horizon verwendet ein neuartiges Material namens Blaustoff um leistungsstarke wasserstoffbasierte Treibstoffe herzustellen. Und ein Reaktor dieses Typs ist Pannenfrei und die Brennstoffstäbe halten etwa vier Jahre und können grün recycelt werden. Fusion wäre theoretisch sicherer aber das liegt nicht in deinem Budget fürchte ich.“
Bei der Erwähnung von Blaustoff zuckte er unmerklich zusammen, aber das mit dem Kraftwerk fand er klasse. Simon schnallte um was es ihm ging. Unabhängigkeit und bereit sein. Und er wollte nicht in einem grauen Betonklotz alt werden.
„Wunderbar, ich sag dir Bescheid, wenn wir mit unserem Gegenentwurf fertig sind. Wenn du dann einverstanden bist, beginnen wir mit dem Bau und ihr könntet vor Weihnachten einziehen. Wir sind sehr fix.“
„Abgemacht, vielen Dank für ihre Hilfe.“
„Ich bitte dich es wird geduzt. Kein Problem, und bitte denk über die Akademie nach. Schlaue Köpfe wie dich werden immer gesucht. Ich führ dich raus.“
Im Foyer verabschiedete er sich von Simon und ging in die strahlende Sonne hinaus und radelte nach Hause.

Joschis Abenteuer – 1-3 – Beichte

Sonntag, der große Tag. Er hatte ein Date, dass er sich nicht ausgesucht hatte. Er mochte Dates nicht, die waren immer komisch, zumal er ja gar nicht nach einer Partnerin suchte. Ok, schon ein bisschen, aber die meisten Frauen in seiner Altersklasse wollten keinen kindischen Nerd als Freund und Partner haben Single-Papas schon gar nicht. Tja und er weigerte sich seit dreißig Jahren standhaft endlich erwachsen zu werden. Aber mit Lucy hatte es dennoch irgendwie geklappt, er hatte bis heute nicht so richtig verstanden wie ihm das gelungen war. Und jetzt hatte er eine dickköpfige Tochter, die ihrem alten Papa Dates auftrieb. Er seufzte.
„Ich bin dann mal weg, bitte sei brav!“
Er fühlte sich als wäre er zwölf, so von seiner fünfzehnjährigen Tochter angesprochen zu werden. Sie stand im Flur mit ihrem pinken (seine Mutter ihm und er seiner Tochter durchgeerbten) Wanderrucksack auf dem Rücken und winkte ihm zu. Dann nahm sie ihren Schlüssel vom Haken und verließ die Wohnung.
   Und jetzt? Er hatte den jetzigen und gestrigen Tag genutzt um die Wohnung penibel aufzuräumen, Bäder zu putzen, zu staubsaugen, Staub zu jagen und alle Böden nass zu wischen. Die Stofftiere hatte er vorsichtshalber alle in Lucys Zimmer verfrachtet, was seine Tochter gar nicht gut befunden hatte. Sie meinte nur, mit Anfang Ende Vierzig, sollte er zu seinen Hobbies stehen. Also hatte er alles wieder zurückgeräumt, womöglich war Frau Hofgärtner furchtbar und tonnenweise Stofftiere überall wären der effektivste Schritt jemanden loszuwerden, hoffte er. Dann war er im Keller und hatte vorsichthalber eine Packung Kondome aus der für Lucy bestimmte „Ich will nicht mit 50 Opa werden“-Schublade geglaubt und unauffällig in der Wohnung versteckt. Er hatte zwar gerade absolut keinen Bock auf Sex, aber man wusste nie was passieren konnte. Bei der Gelegenheit hatte er ein paar Flaschen Wein, die ihm seine Eltern empfohlen hatten, mit hochgeholt und im Kühlschrank Platz geschaffen um den weißen Wein kaltzustellen.
   Er war geduscht, zur Sicherheit gleich dreimal ausgiebig. Zweimal Zähne geputzt, zur Sicherheit mit Zahnseide und Elmex Gelee (technisch betrachtet war Sonntag, nur eben nicht Abend). Finger- und Zehennägel geschnitten, Brille gründlich geputzt, Deo aufgelegt, in irgendwelchen Ecken des Badezimmerschranks noch nach passenden Herrendüften gesucht, diesen aufgetragen und leger angezogen. Ein frisches schwarzes T-Shirt mit dem Logo seines Blogs auf der Brust, eine fast frische Jeans (eine Maschine mit drei von seinen Jeans lief gerade noch, das hatte er gestern vergessen) und schwarze lochfreie Socken. Jetzt war er fertig und es war gerade erst drei, also noch drei lange Stunden zum Date. Er war natürlich wie immer zu früh fertig. Das war wie eine dieser blöden Situationen wenn mittags sein ICE fuhr und er schon um halb zehn nichts mehr mit sich anzufangen wusste.
   Er war schrecklich nervös, mit solchen Situationen konnte er nicht umgehen, mit Lucys Mutter war das immer so unkompliziert gewesen. Er war gespannt wie die Dame so drauf war, besser er bangte. Das war wie Zahnarzt, man wusste bei einer Kontrolle nie, ob was Schlimmes war und wenn ja saß man tief in der Scheiße – oh er hasste Zahnarzt und drückte sich regelmäßig vor den halbjährlichen Kontrollterminen, während er sein Tochter jeden Abend zum Zähneputzen verdonnerte und danach auch noch kontrollierte. Sehr zum Verdruss seiner Tochter, aber er wusste es aus eigener Erfahrung besser. Gott sei Dank hatte sie keine Zahnfehlstellung(en) gehabt, anders als bei ihm, und Karies war nie ein großes Thema gewesen – überlegte er leise fluchend.
   Was nun? Ratlos überprüfte er den Sauberkeitsgrad der Wohnung, kontrollierte ob er die Kaffeemaschine gereinigt und mit frischen Kaffeebohnen bestückt hatte, checkte die Temperatur des Weißweins, guckte was er mit den Zutaten in der Küche spontan kochen konnte, schob den Katalogstapel auf dem Klo um ein paar Zentimeter gerade, räumte die Spülmaschine aus und hing die Wäsche in Lucys Zimmer auf (eigentlich machte er das im Wohnzimmer, aber seine Tochter war gerade nicht da und ihr Zimmer war größer als die Besenkammer, die man sein Schlafzimmer zu nennen pflegte). Dann sortierte er sinnlos irgendwelche Sachen, dekorierte die große Obstschale um und aß nervös zwei Bananen, spielte mit Stofftieren, untersuchte den LEGO Mindstorms Fütterungsautomaten in der Küche, wechselte das Wasser für Lucifer, drapierte Sofakissen, bezog ein paar der Kissen mit weniger nerdigen Bezügen und dachte über tausend Dinge nach, die er lieber machen würde, als den Abend mit einer womöglich sehr attraktiven Frau zu verbringen, die – schlimmer noch – womöglich auch noch etwas von ihm wollte.
   Er dachte nach. Samstag hatte er in seiner Werkstatt im Keller eine kleine Geschenkschatulle zusammengebastelt und ein paar geschmacklich nicht zu verstörende Edel Leckereien aus seinem Süßkramschrank geholt.
   Und jetzt? Er sah sich in der Wohnung um, dann tappte er ins Klo, kramte den Manufactum Katalog ganz unten hervor und zerstörte den eben penibel gerade gerückten Stapel und setzte sich damit in die Küche. Es war halb sechs. Schnell noch einen Kaffee. Er machte sich einen doppelten Espresso und leerte ihn auf ex. Etwas motivierter tappte er in die Rumpelkammer, rückte eine große Leinwand zur Seite (das vorletzte Weihnachtsgeschenk seines Bruders und er hatte einfach keine freien Wände mehr übrig, immerhin war das brüderliche Verhältnis nicht mehr so frostig wie früher. Er schenkte seinem Bruder meistens Whisky und Trockenfrüchte – bei der Brut schien er dankbar darüber zu sein) und öffnete den mittelgroßen, zwar nicht geheimen, aber semi-versteckten Kühlschrank und untersuchte das Arsenal an Energydrinks und Bier. Nach reichlicher Überlegung, merkte er sich die große Dose Red Bull Heidelbeere für später und schloss die Tür wieder. In der Küche blätterte er lustlos in dem Katalog, praktisch im Sekundentakt schoss sein Blick zur Küchenuhr. Um zehn vor sechs sprang er auf und lief rastlos in der Wohnung umher. Drei Minuten vor sechs … zwei … eine. Er stand vor der Wohnungstür und spähte mit einem Auge durch den Spion und mit dem anderen schielte er auf den Sekundenzeiger seiner teuren Sinn Taucheruhr.
   Sechs. Sie war nicht da. Zufall? Er verharrte reglos an der Tür und zählte die Sekunden. Bei fünf Minuten nach sechs ging er in die Küche, öffnete erst den einen Kühlschrank, dann den anderen. Er warf einen Blick auf den aufgeschlagenen Katalog und tappte ins Wohnzimmer. Draußen schneite es wie verrückt, die Straße und Gehwege waren halbherzig geräumt. Vielleicht war sie im Schnee stecken geblieben? Ob sie einen Autounfall hatte? Es war sieben nach sechs – möglich wärs. Er ging sein Smartphone suchen und checkte einen Livefeed für den Potsdamer Verkehr, nichts Ungewöhnliches. Nachdenklich legte er das Telefon weg und ging in der großen Wohnung umher. Er rückte ein paar Bilder gerade, musterte ein paar davon, tat so als hätte er sie noch nie zuvor gesehen und fing an schief zu summen. Sollte er Musik anmachen? Aber dann überhörte er womöglich die Türglocke und das wollte wohl keiner (doch!). Film gucken, vielleicht hatte sie sich ja verfahren. Ob sie überhaupt Auto fuhr? Wo wohnte sie überhaupt? Er sortierte die Stofftiere erst nach Farbe – was bei einem Haufen Krokodilen, Drachen und Waranen unerwartet schnell ging – dann nach Größe.
   Ein lautes Ringen schreckte ihn aus seinen Gedanken und er erstarrte vor Schreck, als hätte ihn jemand mit runtergelassenen Hosen auf dem Klo erwischt. Das war die Tür – oder war das die Tür? Auf Zehenspitzen eilte er zur Tür, hielt die Luft an und spähte durch den Spion. Eine Frau in einem modischen Wollmantel stand vor der Tür, sie war voller Schnee, den sie sich zaghaft abklopfte. Er atmete tief ein und aus – er hätte meditieren sollen – was nun? Er konnte sie schlecht im Regen … ähm … Schnee stehenlassen. Er wartete eine knappe halbe Minute um den Mut aufzubauen diese Tür zu öffnen. Dann griff er schrecklich nervös nach der Klinke und öffnete die Tür.
„Ähm … hallo, Äh … kommen Sie doch herein.“
Nuschelte er, warum versaute er das Opening immer? Zu seiner Erleichterung wirkte sie auch recht nervös und verlegen. Sie klopfte sich die eleganten Winterstiefel auf der „You shall not pass“ Fußmatte ab und trat ein. Sollte er ihr aus dem Mantel helfen – wie machte man sowas? Während er nachdachte was zu tun sei, trat sie an die Garderobe und streifte die schicke Wollmütze und den tollen Mantel ab, befreite sich von einem hinreißend roten Schal und hängte die Sachen auf. Sie trug einen Pullover aus ganz feiner roter Wolle und dazu dunkle Jeans und eine Halskette. Ihre blonden Haare waren kurz und ganz fein, ihre Augen waren intensiv grün. Von ihren Ohren baumelten opulente Ohrringe und sie war gekonnt geschminkt. In der Hand hielt sie einen Karton, der einer Weinkiste ähnelte. Sie sah ihn aufmerksam, wenngleich etwas unsicher an.
„Wohin?“
Ihre Stimme war angenehm voll, wenngleich ein bisschen kratzig – vielleicht war sie Raucherin.
„Küche oder Wohnzimmer?“
„Was ist besser?“
„Küche ist näher an den Snacks.“
Sie schmunzelte.
„Küche klingt gut. Das ist übrigens für dich.“
Sie reichte ihm die Weinkiste und er stellte sie in der Küche neben die Spüle auf die Arbeitsfläche. Ein frühes Weihnachtsgeschenk? Dachte er nachdenklich.
   Sie setzte sich auf die Eckbank, Lucys und Lucifers Lieblingsplatz. Unschlüssig stand er in der Gegend hin.
„Möchten S …“
Er brach ab, da Ihm auffiel, dass sie ihn eben geduzt hatte. Sie sah ihn fragend an.
„Möchtest du etwas trinken?“
Sie nickte.
„Darf ich einen Cappuccino haben, ich sehe da deine Wahnsinnsmaschine … bitte natürlich.“
Er nickte. Jetzt wo er in der Küche stand, fiel im siedend heiß ein, dass er keine Snacks vorbereitet hatte – Depp! Er machte ihr einen Cappuccino und für sich einen normalen Milchkaffee. Sie nahm ihn dankend entgegen und nahm einen Schluck, derweil nahm er auf dem Platz ihr gegenüber Platz. Sie sah ziemlich gut aus, aber er wusste nur zu genau, dass Makeup sehr viel ausmachte. Eigentlich sah sie so zu gut für ihn aus, fand er.
   Jetzt saßen sie sich gegenüber und tranken schweigend Kaffee, während die Stimmung Minute für Minute immer unangenehmer wurde. Nach zehn schweigsamen Minuten brach er das Eis mit einer blöden Frage.
„Was machst du so beruflich?“
Sie sah ihn aufmerksam an, schien aber erleichtert darüber, dass er was gesagt hatte.
„Ich bin Lehrerin für Schauspielerei und Physik an dem Gymnasium, auf das auch deine Tochter geht.“
Das wusste er sowieso, also warum fragte er so einen Quark?  
„Und du?“
Er trank einen Schluck Kaffee.
„Ich bin Hauptberuflich eigenständiger Buchhalter und nebenberuflich Autor und Blogger.“
Sie sah so aus, als ob sie das auch schon längst wusste … sie schwiegen sich wieder an. Der Kaffee war alle, die unangenehme Stille kam zurück.
„Hast du Hobbies?“
Fragte er, einen zaghaften Versuch wagend, Konversation zu betreiben. Es schien zu helfen.
„Mh, viele. Und viele die ich an der Schule nicht groß herausposaune. Mh, ich mache seit Teenager-Jahren Cosplay, Ich spiele Videospiele und gucke Filme und Anime, ich lese am liebsten Manga und Thriller. Kurzum ich bin sehr nerdig, spiele aber die stilvolle ernste Lehrerin im Berufsalltag.“
„Ich wollte immer schon mal Cosplay machen, aber es hat entweder am Geld oder am passenden Körper gemangelt.“
Sie runzelte die Stirn.
„Du siehst doch ganz gut aus, wie kommt‘s?“
„Ich wollte immer schon den Captain Amerika machen, weil das meine Lieblings Marvel Figur ist, aber mit der Figur eines Kartoffelsacks hab ich mich das nie getraut.“
Sie schmunzelte.
„Ach so ist das, aber du siehst doch recht schlank und muskulös aus, mach‘s doch jetzt.“
„ich weiß nicht, ich bin fast fünfzig …“
Druckste er herum.
„Zählt nicht, in den Filmen ist Cap theoretisch neunzig … ich könnte dazu ein Black Widow Cosplay machen, würdest du dich dann trauen?“
Er sah sie überrascht an.
„Ernstgemeintes Angebot.“
Betonte sie.
„Echt?“
„Echt!“
„Hm, das überlege ich mir mal.“
Mit einer Mittvierzigerin Cosplay machen, Lucy würde ihm den Kopf abreißen.
„Meine Tochter wird aber nicht begeistert sein, wenn man sie noch mehr mit ihrem komischen Vater in Verbindung gebracht wird, wenn ich jetzt auch noch Cosplay mache …“
„Ich denke Lucy ist tough.“
Er hatte seine Tochter eher als Heulsuse und emotionalen Waschlappen in Erinnerung, gerade wenn sie ihren Willen nicht durchgesetzt bekam, fing sie schnell an zu flennen.
„Einspruch.“
„Fair, du bist der Papa. Übrigens finde ich Nerds sexy.“
Sie zwinkerte ihm aufmunternd zu.
„Das hat mir noch keine Frau gesagt.“
„Ich habs auch zu spät gemerkt.“
Ihre Miene verfinsterte sich und er wurde neugierig.
„Wie das?“
„Ach, naja. Zuerst einmal ich lese deinen Blog seit ein paar Jahren und habe alle deine Beiträge zur Manosphere und den Problemen mit der Damenwelt gelesen, zahlreiche Videos zu dem Thema gesehen und auch ein paar empfohlene Bücher gelesen. Und ich bin eben genau in meinen Zwanzigern so ein dummes oberflächliches Huhn gewesen, vor dem dort immer wieder gewarnt wird. Immer auf der Jagd nach einem echten Bad Boy und blind für die sympathischen Nerds dieser Welt. Wie soll man sagen, aus Fehlern wird man klug. Ich landete einen Treffer bei einem bösen Jungen und wurde bei einem One Night Stand unerwartet schwanger und prompt sitzengelassen. Da hatte ich dann die Schnauze voll von Männern, hab sie die ersten Jahre alle verteufelt und zu Unrecht in einen Topf geworfen und hatte alle Hände voll zu tun Job und Kind in den Griff zu bekommen. Das ist mir eher schlecht als recht gelungen und ich war froh über tolle Unterstützung meiner Eltern, die Gott sei Dank nah dran in Berlin wohnen. Und so bin ich Single geblieben, obwohl ich ganz genau weiß dass Kinder idealerweise beide Elternteile brauchen um sich optimal zu entfalten. Ich kenne auch zum Beispiel die Statistiken nach denen Kriminelle überproportional aus Haushalten ohne starke Vaterfigur kommen. Und meine Tochter Lena hängt mir schon seit Jahren in den Ohren, dass ich mir einen gescheiten Kerl suchen sollte, der Papa spielen kann. Und jetzt sitz ich hier.“
Er schmunzelte.
„Das kommt mir bekannt vor, gestern hat mir meine Tochter gebeichtet, dass ich ihr doch ganz dringend eine Mama finden soll und jetzt sitz ich hier.“
„Ich weiß, Lenas beste Freundin ist Lucy.“
„Echt?“
Er war sichtlich erstaunt.
„Lucy hat noch nie etwas von einer Lena erzählt.“
Sie runzelte die Stirn.
„Komisch, mir hat Lena alles über ihre beste Freundin und deren coolen Papa erzählt, sie ist eigentlich auch öfters bei Lucy – also dir.“
Er ging gedanklich die Namen von Lucys Freundinnen durch und wer in letzter Zeit öfter bei ihr war, wobei er tagsüber oft bis weit in den Abend hinein bei geschlossener Tür in seinem Büro hockte, so viel bekam er da eh nicht mit.
„Mh … Anna ist öfters mal hier und sie ist blond, also könnte es theoretisch passen.“
„Ja genau, meine Tochter heißt Anna-Lena, aber ich nenn sie nur Lena.“
„Das klingt schrecklich normal.“
„Ich weiß, ist mir auch peinlich, dass ich mir keinen coolen Namen ausgesucht habe, so wie Amber Lucy.“
Er schnaubte, die Namen seiner Tochter waren beide doof, aber dann grinste er.
„Ich wollte sie eigentlich Akira nennen.“
Sie schmunzelte.
„Akira?“
„Japp, ich finde den Namen cool.“
„Weil es der Name von Kaz Nichte ist – deinem Alter Ego aus deinen Büchern? Ich glaub für das arme Ding ist schon schlimm genug Amber zu heißen.“
„Das war der Wunsch ihrer Mutter, sie mochte schon immer meine obskuren Bücher. Ich hab mir Lucy für sie ausgesucht.“
„Ein schweres Erbe finde ich.“
Sie sah sich um, er sah ihren Blick.
„Snacks?“
„Mh, ja. Hast du vielleicht ein Bier – gerne dunkel?“
„Zufällig ja.“
Aus der Rumpelkammer holte er ein rundes Kilo Snacks und zwei kalte Flaschen Budweiser dunkel. In der Küche holte er ein paar Schälchen hervor.
„Soll ich dir helfen?“
Fragte sie etwas unsicher.
„Nene, ist gleich fertig.“
Ein paar Minuten später stellte er das Snack-Arsenal auf den Tisch und reichte ihr ein kaltes Budweiser.
„Danke sehr. Das sieht aber gut aus. Extra für mich gekauft?“
Er wollte fast schon ja sagen, dann biss er sich auf die Lippen und rückte mit der Wahrheit heraus.
„Ne, an Wochenenden und in den Ferien mache ich mit meiner Tochter Film- und Serienmarathons oder spiele nächtelang CoOp Games mit ihr, da snacken wir immer ziemlich viel. Und da jetzt zwei Wochen Ferien sind, habe ich extra großzügig eingekauft.“
„Wird man von solchen Mengen nicht fett?“
„Naja, die Sachen sind da, aber wenn man sie dort lagert, wo man sie nicht sieht und nicht so leicht rankommt, geht es eigentlich. Muss ja auch eine Weile halten. Da hilft nur eiserne Selbstdisziplin und ganz viel Bewegung. Ich gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio und ein- bis zweimal die Woche zwei Kilometer schwimmen, dazu noch alle zwei Wochen im Wald mit einem guten Freund Bogenschießen, das geht dann schon irgendwie mit dem Dauergenasche. Aber es hat gefühlt Jahrzehnte gedauert bis ich mich dazu überreden konnte, regelmäßig Sport zu machen.“
Sie nickte.
„Das klingt beeindruckend. Ich komme durch Arbeit und Tochter viel zu selten zum Sport und wenn dann eher Calisthenics oder Joggen. Glücklicherweise bin ich mit einem tollen Körper gesegnet, mit dem ich einfach nicht fett werde. Allerdings ist meine Schwäche Eis, das mache ich mittlerweile auch selbst und so eine Packung überlebt den Abend dann oft nicht. Meine Tochter kommt zwar optisch nach mir, aber sie hat es geschafft ein kleines Pummelchen zu werden, obwohl ich eigentlich aufpasse nicht zu deftig zu kochen und auch nicht so viel Süßkram kaufe. Das nagt sehr an mir und sie will auch um verrecken nicht einsehen, dass sie sich mehr bewegen muss.“
„Das ist natürlich sehr ärgerlich. Lucy war auch mal etwas dicker, aber dann hab ich alle Süßigkeiten weggeschlossen und wochenlang nur noch gesund und vegetarisch gekocht, zack war sie wieder normalgewichtig. Seitdem ist sie etwas achtsamer geworden und nach viel Überredung konnte ich sie beim Schwimmen anmelden. Mittlerweile ist sie sogar in der Schulmannschaft der Schwimmer und nimmt an Wettbewerben teil, auch wenn es ihr peinlich ist, wenn ich sie anfeuere. Das macht mich sehr stolz, weil ich sowas als Kind nicht gemacht habe. Gut ich hab einmal bei einem LEGO Wettbewerb teilgenommen, aber da war ich vielleicht elf oder so. Danach nie wieder. Erst mit Ende zwanzig habe ich mich getraut, bei Schreibwettbewerben mitzumachen, mit wechselnden Erfolg, aber darüber habe ich später einen Buchvertrag ans Land gezogen, der mir meine frühen Dreißiger nicht ganz so miserabel gemacht haben.“
Sie sah ihn aufmerksam an und legte den Kopf etwas schief.
„Was ist eigentlich mit Lucys Mutter?“
Er schluckte und betrachte resigniert die Bierflasche in seinen Händen, dann sah er ihr fest in die Augen und räusperte sich.
„Sie ist tot.“
Ihre Augen wurden riesig groß und sie schlug sich eine Hand vor den Mund.
„Oh, Gott, das ist ja furchtbar!“
Er nickte unmerklich und nahm einen tiefen Schluck.
„Wie lange ist das her?“
Fragte sie zaghaft.
„Sie ist zwei Tage nach Lucys Geburt gestorben, in meinen Armen. Das ist jetzt bald sechzehn Jahre her.“
„Oh nein, wie furchtbar, wart ihr lange in einer Beziehung?“
Er zögerte, die Geschichte die ihm auf der Zunge lag, hatte er nicht einmal seiner Tochter erzählt. Sie würde ihn bestimmt hassen, wenn er das erzählte – seine Tochter auch. Er atmete tief ein und schluckte.
„Wir waren nicht in einer Beziehung, wir waren einfach nur Freunde. Sie hieß Meggie und ich kannte sie etwa ein Jahr. Wir haben uns bei einem Selbsthilfegruppe-Treffen kennengelernt, zu denen ich damals sehr sporadisch gegangen bin. Ich fand sie sympathisch und weil ich nicht wusste, ob sie öfter dabei sein würde, hab ich eine Stunde lang Mut angesammelt und sie dann sehr schüchtern und stammelnd gefragt, ob ich sie auf einen Kaffee einladen könnte. Sie hat mich nur verdutzt angeguckt und ich dachte „Toll, hast dich mal wieder bei einem hübschen Mädel zum Affen gemacht.“ Aber dann hat sie warmherzig gelächelt und eingewilligt und sie ist den ganzen langen weiten Weg zu mir in die WG gekommen und wir haben Kaffee getrunken, Chips gemampft und uns die halbe Nacht über Filme und Spiele unterhalten. Wir haben Nummern getauscht und uns dann regelmäßig getroffen und was zusammen gemacht. Wir … ähm … sie war meine erste im Bett, aber wir haben daraus nichts Ernstes gemacht, wollten wir beide nicht. Naja ich schon, aber ich hab mir das einfach nicht zugetraut und nie den Vorstoß gewagt. Dann hat sie mich ein gutes Jahr später zum Geburtstag überrascht und wir haben nach Torte, Steaks, Eis und zu viel Alkohol miteinander geschlafen.“
Er brach ab und seufzte schwer, die Erinnerung lastete schwer auf ihm.
„Zwei Wochen später hat sie mir gebeichtet, dass sie schwanger ist und dann trotzig gesagt, dass sie das Kind behalten wird und mit mir großziehen möchte.“
Er schniefte und wischte sich eine einzelne Träne weg.
„Ich war überrumpelt und panisch und stand unter Schock. Damals war mein Leben nicht so einfach, hab mit mir selbst und die ganze Zeit meinem Schweinehund gekämpft und ich hatte dauernd kein Geld und dann will sie einfach ohne Vorwarnung eine Familie gründen. Ich war ein richtig übler Arsch und hab sie zurückgewiesen, ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen und versucht sie aus meinem Leben zu verbannen. Ich bin vor der Verantwortung, mein Leben in den Griff zu bekommen davongelaufen und dachte ich könnte das überstehen, indem ich den Kopf in den Sand stecke und so tue, als bekomme ich nichts mit. Meggie hat immer wieder versucht mich zu kontaktieren, zweimal hat sie sogar einen Brief geschrieben. Ihre Freunde haben auf mich eingeredet, aber ich blieb stur, leichtsinnig und uneinsichtig. Wie so oft hab ich meinen Eltern verschwiegen, dass ich Mist gebaut habe, aber ich hab mich nicht getraut, das war dumm von mir, nach 47 Jahren weiß ich, dass sie hundertprozentig hinter mir stehen, egal in was für Schwierigkeiten ich stecke. Nein ich hab es unter den Teppich gekehrt und so getan als wäre nichts passiert. Ich wollte nie Kinder, sie haben mich lange Zeit regelrecht angewidert, muss ich einräumen. Die Monate verstrichen und ich hab versucht mein beschissenes Leben zu führen und mich auf meinen Abschluss konzentriert und danach darauf gut die Probezeit im neuen Job zu überstehen. Daneben hab ich irgendwie weiter gelebt, aber die Schuldgefühle haben mich von innen heraus aufgefressen. Ich hatte Alpträume und Angst-Attacken. Konnte nicht mehr richtig schlafen und hab nur daran gedacht, dass ich den beschissen größten Fehler meines Lebens begehe. Dann kurz vor Weihnachten, ich hatte gerade meinen Rucksack gepackt um wie jedes Jahr meine Eltern zu besuchen, kam der Anruf. Unbekannte Nummer, aber ich hab zum Glück abgehoben. Es war ihre Stimme, aber sie klang so entsetzlich schwach, sie hat geweint und mich angefleht jetzt bei ihr zu sein. Bei dem Tonfall in ihrer Stimme sind meine Schutzmauern, die ich mir in den letzten neun Monaten gegen sie aufgebaut habe, einfach weggebrochen und ich bin sofort ins Krankenhaus und hab mich angespannt zu ihr durchgefragt. Es war ein Schock sie zu sehen. Ich kannte sie nur energetisch und voller Leben. Sie war kugelrund, schwanger mit einem Mädchen. Kurz darauf setzten die Wehen ein. Die Geburt war furchtbar und hat sich ewig hingezogen. Dann war alles vorbei, Weihnachtsabend um sechzehn Uhr, also pünktlich zur Bescherung kam Amber Lucy zur Welt. Meggie war zu schwach um den Säugling zu halten, sie war völlig ausgelaugt. Zwei Tage später ist sie an Entkräftigung gestorben. Sie hatte immer schon so eine Erbkrankheit und das plus die anstrengende Geburt hat sie nicht gepackt. Und ich war plötzlich Papa und in dem Moment ganz allein. Es war für mich als wären ich und Lucy die einzigen Menschen auf dieser Welt.“
Er beendete seine Geschichte und leerte die Bierflasche in einem Zug. Er sah ihr nicht in die Augen sondern studierte krampfhaft das Etikett der Flasche, aber die Buchstaben verschwammen vor seinen Augen als ihm Tränen über die Wangen strömten. Nach einer guten Minute Schweigen sah er auf. Sie weinte ebenfalls. Unbeholfen stand er auf und ging zur Spüle, griff nach der Rolle mit Küchenpapier und reichte sie ihr. Dankbar nahm tupfte sie sich die Augen. Er schnäuzte Rotz und Tränen in ein Papier und knüllte es zusammen. Sie saßen ein paar stumme Minuten einfach so da.
„Ähm“
Sie zögerte.
„Wie ist es danach weitergegangen?“
Er war ein bisschen erleichtert, dass sie nicht aufgesprungen und einfach gegangen war.
„Ich war so allein, einsam und allein im Krankenhaus. Ich war auf die Situation nicht vorbereitet, ich hab mich gefühlt wie ein Fahranfänger, den man in eine Formel-1 Kiste gesetzt hat und erwartete er solle jetzt das Rennen gewinnen. Lucy war ziemlich schwach und die Ärzte waren davon überzeugt, dass sie es nicht schaffen würde. Da lag sie rosa und so entsetzlich zerbrechlich in einem Bettchen. Ich hatte so Angst um sie, denn sie war das einzige, das mir von Meggie blieb. Ich wusste, dass ich meinen Eltern irgendwann Bescheid geben musste, die waren ohnehin schon ganz außer Sorge, weil ich nicht wie abgemacht gekommen bin. Mein Vater hat mich jeden Tag angerufen was denn los sei und ich hab ihn jedes Mal mit einer noch krampfhafteren Ausrede abgewimmelt und so getan als wäre alles ganz wunderbar. Dabei hätte ich am liebsten geheult und alles sofort gebeichtet, aber ich … ich weiß nicht … es war dumm ihnen nicht zu vertrauen. Das hätte ich nicht tun dürfen. Lucy hat zum Glück den Willen von ihrer Mutter, von mir hat sie den nicht, und hat sich durchgekämpft. Dann hab ich den ganzen Tag Mut aufgebaut und meinen Vater angerufen. Ich hab gesagt, dass etwas passiert ist und ich dringend seine Hilfe und die meiner Mutter brauche. Ich wusste, dass in seinem Kopf die Alarmsirenen geheult haben musste und er fragte mich erstaunlich ruhig, was denn passiert sei. Ich konnte nichts sagen, ich hab einfach nur dagestanden und angefangen zu flennen. Nach einer Minute hab ich dann gestammelt, dass ich jetzt Papa bin und nicht weiß was ich machen soll. Mein Vater war unerwartet gelassen und hat gesagt, dass alles gut sei und er sich gleich ins Auto setzen würde und zu mir kommt. Ich war perplex, ich hatte erwartet, dass er mich anbrüllt, aber er blieb ganz ruhig, wie ein normaler rationaler Mensch, der mit einem unerwarteten, aber lösbaren Problem konfrontiert hat. Am Abend desselben Tages war mein Vater mit einem Babytragekorb, weiß nicht wie man die nennt, unter dem Arm, einer Reisetasche über dem Rücken und dem verblüffend strahlenden Lächeln, von jemanden der gerade Opa geworden ist. Wir haben gepackt, uns bei einem Imbiss gestärkt und haben die kalte Klinik verlassen. In der WG hat mir Papa die Basics im Umgang mit Babys gezeigt und hat sich ein Hotel in der Nähe gesucht. Meggie wurde eine Woche später auf dem städtischen Friedhof begraben und nach der Trauerfeier bin ich mit Papa und Lucy zu ihnen nach Hause gefahren, sie wohnen ein paar hundert Kilometer von Potsdam entfernt. Fakt war, dass ich ein Kind nicht in einem winzigen WG Zimmer einer Zweck-WG aufziehen konnte. Also bin ich temporär bei meinen Eltern gezogen, die ein … ein großes Haus ganz für sich allein hatten, nachdem die Brut ausgezogen war – ich, meine Sis und mein kleiner Bruder. Meine Mutter war vorwurfsvoll und meine Eltern haben übel geschimpft, weil ich mal wieder eine große Sache verschwiegen hatte, aber als ich am Ende heulend vor ihnen saß, haben sie geschwiegen und mich tröstend in den Arm genommen. Papa fand den Namen Lucy ganz lustig, aber meine Eltern waren einstimmig der Meinung, dass der Name Amber eine blöde Entscheidung gewesen war. Ich hab bei meinem alten Job gekündigt und mir bei meinen Eltern in der Nähe einen neuen Job gesucht. Derweil ging in der Verwandtschaft die frohe Botschaft um und alle wollten die Kleine sehen und mithelfen. Zu Lucys zweiten Geburtstag habe ich verkündet, dass ich mich selbstständig machen und mir eine größere Wohnung in Potsdam suchen würde, die ich schon seit Monaten ausgekundschaftet und eigentlich auch schon hatte. Alle meine Freunde haben beim Umzug geholfen und auch wenn ich in den ersten beiden Jahre kaum schwarze Zahlen geschrieben habe, war die Entscheidung zur Selbstständigkeit die richtige Entscheidung. Als Lucy vier wurde lief es schon viel besser und ich habe mir eine Sinn Taucheruhr gegönnt und einen alten Opel Mokka angeschafft. Zurück zum Papa sein. Es ist die Pest. So schlimm wie ich befürchtet hatte und schlimmer als ich es mir je erträumen konnte. Mein Vater war in den ersten Jahren immer genervt, weil er als einziger Lucys nächtliches Geschrei gehört und um seinen kostbaren Schlaf gebracht wurde. Und Mama fand es nicht so toll, dass ich mich vorm Windeln wechseln gedrückt habe. Ich hab festgestellt, dass Kinder haben heißt, dass Freizeit eigentlich nicht mehr existiert. Ich wurde in die mir völlig fremdartige Welt von Babynahrung, Windeln und Dauergeschrei geworfen. Und Lucy war und ist die Pest. Ich liebe meine Tochter über alles, versteh mich bloß nicht falsch, aber es gibt Situationen wo sie echt das allerletzte ist. Gerade jetzt als Teenager – nur bockige Sturheit, Tränen und Drama. Netterweise hat mein lieber Bruder ähnliche Erfahrungen mit seinen Töchtern gemacht, so haben wir uns wieder irgendwie zusammengerauft.“

Ende Teil 3

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 16

16.  Kaz – 2.W.April 2046 – Tod einer Königin

„Dieser Leberfleck gefällt mir nicht, hier ist nur Reinheit gedulded. Haltet sie fest.“
Panik erfüllte Emily als die Mimik Soldaten sie auf die Liege pressten und Liz sie mit einer Knochensäge in der Hand taxierte. Sie weinte und wollte nach Liz schlagen aber womit? Mit ihrem rechten Arm, den ihr diese Irre schon knapp unterhalb des Schultergelenks abgesäbelt hatte?
Die Verrückte setzte die Säge an und schnitt genüsslich langsam.
„Bald bist du wie ich.“ Säuselte sie.
Das war eine entsetzliche Vorstellung. Aber es war was dran. Sie dachte an damals an die Mittel für Hautbleichung, die ihr Johnny empfohlen hatte. Jetzt war sie nackt, haarlos und kalkweiß mit blutroten Augen und ersten Tätowierungen am Kopf. Amber genauso, auch wenn sie zum Glück noch ihre Arme hatte. Beine … naja die waren schon nicht mehr da.
   Dann endete der brennende Schmerz ein bisschen und Liz versorgte die Amputation fachmännisch.
„Amber Schatz, bist du auch bereit für deine Schönheit ein bisschen zu leiden?“
Mit erhobener Säge ging sie auf das gefesselte Mädchen zu, das wie wild strampelte und unter dem Knebel zu schreien versuchte.
   All die Folter der letzten Monate … gab es denn gar kein bisschen Hoffnungen in Welt mehr? Anna neben ihr würde sterben, wenn sie keine Heilung bekam, für die Rivalin gab es keinen Platz hier meinte Liz. Emily hatte Angst davor was ihr Schicksal sein würde.

*

Kaz schlüpfte von hinten in den mächtigen Berserker Mark 3 und Jack verschloss seinen Anzug. Sein HUD kalibrierte und er prüfte die Waffensysteme. Die Unterarmklingen fuhren mit einem satten Schnappen aus. Er grinste zufrieden. Nach und nach verstaute er die restlichen Waffen. Das schwere MG mit angebautem Miniraketenwerfer. Die Kettenklinge, wie frisch aus Warhammer 40.000 und der schwere Raketenwerfer. Er sah Jack in seiner Cyber Ninjakluft zu wie er seine Klinge aufwärmte und die Klingen des Anzugs überprüfte. Reaper lud sein Gewehr und nickte ihm zu. Reaper passte besser als Alpha. Sie machten sich bereit für den Absprung in feindlichem Territorium. Ohne Rationen, ohne Backup. Nur sie drei gegen eine ganze Armee.
„Jungs, Armeeverbände der Nato machen sich bereit die Armee der Spinnenkönigin daran zu hindern Polen zu überrennen. Aber das reicht nicht. Ihr müsst die Basis infiltrieren und zerlegen und das Abwehrsystem deaktivieren, damit wir die Gefangenen und euch bergen und die Basis dem Erdboden gleichmachen können. Superwale und ein Alphawal halten sich dazu im Erdorbit bereit und die Railguns auf dem Mond und Mars sind schussbereit. Macht eure Nation stolz Geister, wir zählen auf euch.“
Die Heckklappe öffnete sich und er warf einen abfälligen Blick auf das Regal mit den Fallschirmen.
Heute nicht. Der Tod ist auf unserer Seite und wir sind seine Boten.
   Sie nahmen Anlauf und sprangen aus Tarn Beluga in die Tiefe unter sich. Er genoss die Geschwindigkeit und sie manövrierten sich in die richtige Position.
„Wir bleiben zusammen, erst nehmen wir das Abwehrsystem in Angriff. Rechnet damit, dass sie uns schnell orten werden. Wir machen es so wie wir monatelang trainiert haben. Wir spielen doch alle Videospiele. Ich bin der Tank, Reaper macht Support und Ripper ist der schleichende Kehlenschlitzer. In der Basis kontaktieren wir uns nur über den Alpha Link. Over und out.“
Wie ein Meteor stürzte er auf den Erdboden zu und Betonsplitter spritzten in die Höhe als der Boden und der seinen Füßen aufbrach und er in einem kleinen Krater in einer Explosion aus Trümmern und Staub zum Halt kam. Er schmunzelte, er schon aus höheren Distanzen ohne Schirm gesprungen. Er wischte sich ein bisschen Schutt von seinem Anzug und zückte sein MG.
   In Chameleontarnung rückten sie vorwärts. Die Tür war biometrisch gesichert. Ripper zog ein künstliches Auge aus einer Tasche und knackte damit die Tür. Sie waren drin. 
Die Lautsprecher knackten. Ah Fuck. Liz Stimme ertönte.
„Schönen Abend meine Lieben, die ihr gerade diese Tür geknackt habt. Ihr seid zu dritt. Ein zahnloser Wolf, ein treuloser Wichser und eine Teenie Göre. Solltet ihr nicht zu dritt gegen zahllose tausende antreten biete ich einen Deal an. Ihr gebt uns eine zweite Runde in unserem Kampf und ihr dürft leben und vielleicht auch hier wieder raus. Und Hände hoch ihr seid umstellt. Achja kleiner Anreiz gefällig zu gehorchen?“
Kaz der bis jetzt völlig gelassen im Ansicht der 68 Soldaten gewesen war wurde von heißer Wut gepackt, als Ambers furchtbare Schmerzensschreie durch die Gänge hallten. Du verdammte Kuh, dafür reiß ich dir den Kopf ab und spiel damit Fußball.
   Sie ließen sich von den überlegen grinsenden Soldaten von Mimik durch ein endloses Gewirr von Gängen führen. Trappelnde Schritte begleitet von dem schweren Stampfen seines Anzugs. Er überragte alle um einen guten Kopf. Größtenteils durch den Anzug. Und Jack war ein Mann geworden. Reaper war alles nur kein zahnloser Wolf mehr.
   Ihr Marsch wurde von den Schmerzensschreien seiner Tochter begleitet. Er kochte vor Wut. Und er wusste über den Link, dass Jack ebenfalls vor Wut schäumte. Die Soldaten pfiffen fröhliche Lieder. Ja würde ich bestimmt auch machen. Jack hatte sich die Gesichter gemerkt und würde genüsslich deren Unterkiefer herausreißen. Kaz war richtig stolz auf seinen Großen.
„Ähem, natürlich müsst ihr eure Waffen und Anzüge zurücklassen, aber Boxershorts sind erlaubt. Und, ach ein kleines Messer dürft ihr auch mitnehmen, es soll ja schließlich fair sein. Also zackig. Ausziehen, eins zwei drei, eins zwei drei.“
Liz lachte gackernd in Mikro. Bei dir sind aber auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, dachte er sich.
Jack öffnete Kaz Anzug und half ihm heraus. Und dann raus aus der Pelle. Das Problem war nur, dass sie im Anzug gar keine Unterwäsche trugen, nur den engen Unter Anzug und den großen gepanzerten Anzug drüber.
   Die Soldaten lachten sie aus, als sie nackt durch den Gang geführt wurden. Lacht ihr nur, guckt wie weit ihr damit kommt. Sie wurden vor eine hermetische Schleuse geführt.
„Immer einer hübsch nach dem anderen, wir wollen es ja nicht zu einfach machen. Kaz darf als erster. Buhu, komm rette dein kleines Mädchen. Ich hab sie schöner gemacht.“
Liz lachte wieder schallend und Kaz überlegte sich eine gerechte Strafe für sie und trat ein.
Nackt betrat er einen hohen Saal mit Glasdach und hoher Galerie. Über dem Spinnenthron hing das Spinnenbanner von Mimik. Und die Sofas an den Rändern waren verschwenderisch mit weißen und schwarzen Pelzen bedeckt. Vor dem Thron aus dem Marmorboden waren Liegen mit drei Körpern ausgebreitet. Am kleinsten der drei fuhrwerkte Liz in ihrer Horrorgestalt und pfiff ein fröhliches Lied.
Im Nuh war er an Liegen. Konnte man kochende Wut steigern? Ein roter Schleier legte sich über sein Blickfeld als er seine drei Liebsten betrachtete. Emily, Anna und Amber. Wie nach Liz Antlitz.
Nackt, schneeweiße Haut und blutrote Augen, völlig haarlos und tätowiert. Annas Beine waren überhalb der Knie amputiert und ihr linker Unterarm fehlte. Emilys Arme waren nur noch Stümpfe und Amber? Ihr fehlten die Beine … und ihr linker Arm. Er schloss für einen Moment die Augen, während der pure Hass ihn überspülte.
„Sind sie nicht schön geworden? Ich will dass du Anna fickst, damit sie ganz viele wundervolle Babys bekommt, die wir als schöne große Familie großziehen. Aber sie ist alt und ich war beim Spielen zu rabiat, die ist bald tot. Sie stört ja eh nur. Und Jack fickt seine Freundin Amber. Schöne große Kinder, die die Welt regieren werden. Und wir sind alle gleich und ich bin die Reinheit und sie waren ganz schmutzig. Du hast sie nicht richtig geputzt. Ich habe sie nach mir geformt, nach ihrer Königin, also mir. Ach ja, wo du gerade nackt bist, ich will dass du mit mir schläfst, das hab ich sehr vermisst. Ich …“
„Nein.“
Ihre Augen wurden groß und sie wirkte empört.
„Wie bitte? Erneut betrittst du mein Haus ohne eingeladen zu sein und benimmst dich wie ein Barbar. Ich habe meinen lieben besten Freund etwas gebeten. Ich erwarte dass du mir gehorchst.“
Er lachte abfällig und wiederholte sich.
„NEIN!“
„Das ist ein sehr unschönes Verhalten, warum kannst du deiner Königin nicht gehorchen. Dann werde ich Amber wieder wehtun, den anderen Arm braucht sie ja auch nicht.“
„Du kennst doch dieses Spiel, wo der Protagonist einem Dämon einen Arm ausreißt und ihn damit zu Tode prügelt. Rühr meine Tochter an und ich mach das mit dir du durchgeknallte Schlampe“
Liz lachte abfällig und pfiff laut. Mara und Ryan tauchten auf und stellten sich vor ihn.
„Der Tanz beginnt?“
Die beiden nickten. Er grinste breit.
   Weniger als eine Minute später riss er Liz die Säge aus der Hand und zerquetschte ihre Hand.
Sie starrte ihn verblüfft an.
„Ryan Schatz, Mara Liebes. Warum lasst ihr das zu?“
„Sie sind nicht tot, aber ohne Arme kann man schlecht kämpfen. Und jetzt du.“
Sie kniff die Augen zusammen und fuhr ihre Unterarmklingen aus. Sie rammte ihm die rechte in den Bauch. Er zuckte nicht einmal zusammen. Unsicher zog sie die Klinge heraus an der rotes Blut klebte.
Sie rammte ihm beide Klingen ins Herz.
„Ouch. Der hat gesessen.“
Er spuckte ihr einen Batzen Blut ins Gesicht.
„Passt zu deinen Augen“
spottete er, während sie ungläubig und dann verängstigt die Klingen zurückzog. Er rieb sich über den Einstich auf Brusthöhe, die Wunden schlossen sich wieder.
„Das ist völlig unmöglich, sowas gibt es nur in der Fiktion.“
„Und du solltest eigentlich maustot sein, stattdessen folterst du meine Freunde und meine Familie.“
„Aber ich foltere sie doch gar nicht, ich mache sie hübsch, so wie mich.“
„Du hast meine Familie angegriffen, du hast Daggers Akte gelesen, du weißt was das heißt!“
Angstvoll wich sie zurück und versuchte zu fliehen. Sie wimmerte wie ein kleines Mädchen als er ihren Arm ausriss und damit solange auf ihren Kopf einschlug, bis ihre hässliche Visage nur noch zu erahnen war. Und er trennte ihr mit seinem Spezialmesser Beine und Arme ab. Er umfasste ihren Schädel und zerrte daran. Sie wimmerte seinen Namen. Seine Muskeln schwollen an und er riss ihren Kopf von den Schultern. Jetzt schwieg sie endlich. Er betrachtete den Kopf in seinen Händen, eine weiße Flüssigkeit lief aus dem Stumpf und über seine Hände, sie war warm und dickflüssig. Er zielte auf eine Marmorskulptur einer Spinne und kickte den Kopf wie einen Fußball dagegen. Das abstoßende Kunstwerk zersprang in tausend Splitter. Der Fall der Spinne.
   Jetzt mussten sie die anderen befreien. Er öffnete die Schleuse von innen und Ripper grinste ihn breit an und kickte ihm einen kieferlosen Kopf entgegen. Ripper hatte einen guten Job gemacht. 68 Tote Soldaten säumten den Gang, er watete in Blut und die Wände waren bis zur Decke mit Blut vollgespritzt. Ripper selbst war über und über mit Blut bespritzt und der leckte sich genüsslich das Blut von den Fingern.
„Reaper kümmert sich um den Abwehrschirm. Der dicke Fisch landet sobald die Flugabwehr außer Gefecht gesetzt ist. Ich weiß zwar nicht wie es mit dir steht, aber ich will nicht hier sein, wenn man Gesteinsbrocken von der Größe von Mehrfamilienhäusern vom Orbit auf diese Basis schmeißt.“
„Wir müssen davon ausgehen, dass die meisten unserer Lieben gefoltert und verstümmelt sind.“
„Ich weiß, ich hab Amber durch deine Augen gesehen. Schlimm. Danke dass du Ryan plattgemacht hast und Reaper ist happy über das Ende der falschen Mara. Also gut retten wir unser Lieben und dann Raus hier ASAP.“
Sie schlüpften wieder in ihre Kampfanzüge und transportierten alle vermissten aus dem Saal und aus ihren Zellen und transportierten sie zu ihrem Schiff.
   Mit Mann und Maus hoben sie ab und gewannen schnell an Höhe und an Land. Reaper und Ripper steuerten währen er die Verletzten versorgte und für ein bisschen nach Nahrung suchte.
Auf einem Display im Cockpit beobachtete er einen riesigen Schwarm Meteoriten mit Ziel auf die Basis niederstürzten. Der Alphawal hatte tausende Tonnen Weltraumgestein über der Erde abgeworfen. Größtenteils Metallversetzt. Jetzt galt es einen Krieg zu gewinnen und Mimik aus Europa zurückzudrängen. Aber das war nicht ihre Mission. Die war jetzt nämlich das Leben ihrer Familie zu retten.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 15

15. Kaz – 23.Dez. 2045 – Eine Rettungsmission

Heute war es soweit, auf diesen Tag hatte er sich seit zwei Wochen intensiv vorbereitet. Horizon war durch den Anschlag immer noch geschwächt und viele waren über Weihnachten im Urlaub. Ein guter Zeitpunkt für einen Angriff. Lara würde ihm helfen, die Barrieren zu knacken. Und er war schwer bewaffnet.
   Er rannte zum Aufzug. Unter einer fadenscheinigen Erklärung hatte er die schwere Sporttasche und den großen vollbepackten Wanderrucksack durch den Einlass zur Untergrundbahn zu Horizon gemogelt. Er trug seinen John Wick Anzug mit einer ballistischen AR-Brille und kugelsicheren Halstuch und schwerer Mütze von Nox.
   Jetzt geht’s los. Lara würde den Scanner knacken und ihn mitsamt seinem Gepäck vorbeilassen.
Oben sprang die Aufzugtür auf und er trat ihn den Flur. Er erstarrte als er den ersten Wachmann tot auffand. Zwei Kugeln in die Brust, eine in den Kopf. Das Blut floß noch langsam aus den Wunden und der Körper war noch warm. Jemand war vor ihm mit einer ganz anderen Mission gekommen.
Er rannte zur Schranke mit dem Scanner. Der war ausgeschaltet und noch mehr Tote. Ruckzuck zückte er seine Five-Seven, prüfte das Magazin, entsicherte und schob den Schlitten zurück. Zügigen Schrittes eilte er die Gänge und Treppen entlang zum Forschungszentrum.
   Mehr Tote und Panik unter den Angestellten. Er kontaktierte Emily über den Link per Telefon und sie wirkte gefasst, sie würde ihn mit ihrer Schwester vor dem Büro ihres Chefs treffen. Dann war er vor Ralfs Büro und Emily umarmte ihn kurz. Sandra die Sekretärin war nicht da. Er trat die verschlossene Tür zum Büro ein und fand einen dösenden Möchtegern CEO vor. Beim Lärm schreckte er hoch und sah die drei mit rot werdendem Kopf an.
„Was um Himmels Willen soll das werden? Du bist viel zu früh. Und wie siehst du überhaupt aus?“
„Das ist ein Überfall um dir und den beiden Damen den Arsch zu retten. Zieh dich aus, bis auf die Unterwäsche.“
Ralf starrte ihn verständnislos an.
„SOFORT wenn du leben willst.“
Raunzte ihn Kaz an. Der Angesprochene reagierte sofort und schlüpfte fahrig aus seinen Sachen. Kaz bemerkte die Tätowierungen, eine war dieser Maulwurf, das Maskottchen wenn die deutsche Bahn irgendetwas baute oder reparierte. Merkwürdig.
„Ihr beiden tragt Nox?“
Die beiden Frauen nickten.
„Zieht zur Sicherheit einen Kapuzenpulli und Halstuch an. Ist alles in der großen Sporttasche. Und ich hab dir Emily praktischere Schuhe mitgebracht.“
Emily zog ihren Blazer aus und zog sich einen schweren sackigen Pulli über, warf ihre Highheels weg und schlüpfte in bequeme Schuhe mit profilierter Sohle. Klara folgte ihrem Beispiel. Und nach fünf Minuten war auch Ralf in einer kugelsicheren Freizeitkluft von Nox eingepackt.
„Zieht die kugelsicheren AR-Brillen über, damit habt ihr einen besseren Überblick und wir Filmen gleichzeitig alles. Und vergesst die Ohrstöpsel nicht. Das wird ein ziemliches PR-Desaster für Horizon.“
Er verteilte drei Brillen. Ralf stank weniger und man erkannte ihn nicht mehr so leicht.
„Nun zum Spaß, wer will die Shotgun?“
„Ich“ kam es von Klara.
Ralf starrte ihn entgeistert an, als er den Verschluss seines riesigen Rucksacks öffnete und Klara eine Shotgun mitsamt Munitionsgurt in die erfreuten Hände drückte.
„Emily, klein oder groß“
„Handlich, wie wäre es damit?“
Und ein HK MR223 samt mit einem Geschirr an Ersatzmagazinen wanderten in ihre Hände. Bewundernd beobachtete er seine Freundin beim routinierten Laden des Gewehrs, sie wusste damit umzugehen. Und er reichte den Frauen jeweils eine Five-Seven und Reservemagazine. Ralf verlor langsam die Nerven und zitterte wie verrückt, als Kaz ihm auch eine Five-Seven in die Hand drücken wollte.
„Ich bin Pazifist, ich verabscheue Waffen!“
Sagte er fahrig.
„Das bringt dir aber nichts gegen böse Jungs mit Waffen, du Flasche.“
Für sich selbst zog er sein HK MR308  aus dem Rucksack, prüfte die Waffe und schulterte den Rucksack wieder. Sie horchten auf als sie einen Schrei hörten. Geduckt und mit feuerbereiten Waffen verließen sie das Büro. Sandra rannte vom Ende des Ganges sie zu. Sie rief Ralfs Namen.
„Ralf, Ralf, RALF. Das ist ein Überfall. Wir sitzen in der Falle!“
Ihr Schrei verebte und wich einem Gurgeln, als ihr Körper vom Einschlag der Kugeln durchgeschüttelt wurde und sie zu Boden stürzte und in einer sich schnell ausbreiteten Blutlache lag.
Hinter der Frau ein Mann in einem Horizon Kampfanzug mit schwarzem Visier. Kaz erschoss ihn mit drei Schüssen. Kampfanzug hin oder her, aber gegen panzerbrechende 7,62mm Geschosse hielt herkömmliche Körperpanzerung wenig stand wenn man wusste wo man hinschoss. Aber keine Details wenn es gerade zur Sache ging.
   Mit den Mädels war er ein überraschend eingespieltes Team, der wimmernde Ralf hingegen war eine Belastung und hielt immer wieder an und sah sich panisch und wimmernd um.
„Wir gehen zum Flugdeck am Rande des Forschungszentrums. Den Bergfried haben sie vermutlich schon abgeriegelt.“
Die Frauen nickte.
„Hey du Flasche, wenn du Leben willst solltest du dich exakt an das halten, was wir dir sagen und machst keine Schwierigkeiten. Halt dich an Klara, sie ist die Nachhut.“
Klara nickte etwas resigniert und sie eilten los.
„Wenn sie Zugang zu den Rüstungen des Sicherheitsdienstes haben, müssen wir leider jeden von ihnen als möglichen Gegner beachten. Diejenigen, die nicht sofort auf uns schießen müssen wir kampfuntauglich machen!“
Emily nickte. Ein Gegner mit erhobenem Gewehr schoss auf sie zu und eröffnete das Feuer auf ihn. Emily schoss ihm in Brust und Kopf mit drei Schüssen.
   Sie rannten enge Gänge entlang und Treppenhäuser hinab. Immer wieder wurden sie in kurze Feuergefechte verwickelt, die zum Glück schnell vorüber waren. Keiner von ihnen wurde verletzt.
Vor einer Stahltür am Ende eines langen Flures machten sie halt, die war verschlossen. Aber nicht verzagen, Kaz fragen. Er legte eine Sprengladung an der Tür an und sie rannten den Flur entlang um die Ecke. Und da Mund auf und Hände auf die Ohren pressen als die Ladung hochging. Sie waren zwar weit von der Ladung entfernt aber die Druckwelle war immens als sie über sie hinwegrollte. Kaz spähte um die Ecke. Die Tür hing lose in den Angeln.
„Los geht’s Freunde.“
Und sie sprangen auf. Klara zog Ralf auf die Füße. Kaz zog sich das Halstuch bis unter die Nase und die anderen folgten seinem Beispiel.
   Jetzt war es nur noch ein kurzes Stück. Er sprengte sich durch noch eine Tür und sie waren auf dem Rollfeld, wo ein paar Swordfish standen, er rannte zur dritten, dessen Heckklappe sich gerade öffnete. Kugeln pfiffen über ihre Köpfe. Abwechselnd er und Emily gaben Feuerschutz.
„Rein in den Swordfish da, das ist unsere einzige Hoffnung hier lebend rauszukommen.“
Und schon waren sie im gepanzerten Bauch der Maschine, seinem getarnten Swordfish Escort.
„Und jetzt rein in die Fallschirme. Die sind alle gut gepackt, Frank hat sich darum gekümmert, er macht Wingsuit Basejumping, der kann das.“
„Wie bitte? Erst reißen sie mich von einen Feuergefecht ins nächste und jetzt soll ich aus einem Flugzeug springen? Sowas hab ich noch nie gemacht.“
„Das nicht, aber wir müssen die Fallschirme nehmen, falls unser Flugzeug in Schwierigkeiten kommt.“
„Jungs, ich muss von Horizon weg, die schießen mich sonst ab. Also Plan B“
„Das ist Suzi meine Pilotin. Wir sind in besten Händen.“
Sagte er und das Flugzeug erbebte heftig.
„Verdammte scheiße, die haben Abfangjäger in der Luft, den entkommen wir nie in einem Swordfish.“
„Hal ist in Bewegung, noch einen Kilometer bis zum Treffpunkt. Suzi schalte auf Autopilot und zieh dir einen Fallschirm an, wir springen zu fünft. Dein Leben ist mir wichtiger als der Flieger.“
„Danke Chef, das vergesse ich Ihnen nie.“
Suzi kam nach hinten und schlüpfte schnell in einen Fallschirm. Routiniert checkten sie das Equipment der anderen und die Klappe öffnete sich. Abendluft sauste ihnen um die Ohren. Sie schnallten die Waffen fest.
„Hört zu, die Fallschirme öffnen sofort wenn ihr an der Reißleine rechts zieht, mit den Steuerschnüren könnt ihr navigieren. Wir sind nicht sehr hoch, also öffnet sofort nach ein paar Sekunden. Ich springe zuerst, danach kommt Ralf, Klara, Emily und Suzy.“
Das grüne Licht blinkte und er sprang aus dem Flieger. Sie waren nur wenige hundert Meter über dem Boden und er zog die Reißleine. Ralf war in Panik und öffnete viel zu spät, unsanft prallte er auf und er schrie jämmerlich, aber er lebte noch. Klara und Emily sprangen mit ungewohnt routinierten Bewegungen und Suzi hatte das schon tausendmal gemacht.
   In einiger Entfernung explodierte der Swordfish in einem großen Feuerball, nachdem er von mehreren Raketen getroffen wurde. gut dass du da nicht drin saßt Suzi. Sie landeten alle sicher und Klara rannte auf Ralf zu um nach ihm zu sehen, interessant.
„Sein Bein ist gebrochen!“
„Ok, ich stütze ihn. Hal ist in zwanzig Sekunden da. Aber wir können ihn hier nicht verarzten.
Suzi, du und Ralf nach hinten und Emily nach vorne.“
Und da war Hal mit dem Avenger X5 da und hielt in einer Dreckwolke. Die Türen öffneten sich, er half Ralf in den Wagen und er und der Rest stiegen ein. Die Türen knallten zu und er drückte voll aufs Gas. Hinten heulte Ralf Rotz und Wasser. Alles ging gut bis links und rechts vom Wagen Explosionen wie von Raketen zündeten und Dreck und Steine gegen den Wagen warf.
„Hal Radarsysteme auf Maximum, zeig uns den Gegner.“
Wie als würde sich Emily mit dem Avenger bestens auskennen, zog sie aus dem Schlitz über dem Handschuhfach den Kontrollbildschirm und sah das Radarbild. drei Punkte näherten sich.
„Schick zwei Hawks hoch um Bilder von unseren Gegnern zu machen.“
Jetzt tauchten zwei Nachtsichtkamerabilder auf. drei Helikopter Gunships näherten sich ihnen. Was waren das denn für welche, die sahen sehr nach Stealth und Panzerung aus.
„Hey Ralf, weißt du was das für zwei sind?“
„Oh Gott wir werden alle sterben. WIR WERDEN STERBEN!“
„Man du Flasche, reiß dich zusammen. Weißt du was oder nicht?“
Ralf schniefte und riss sich tatsächlich zusammen.
„Das sind Mimik Bruiser, das beste Stealth Gunship der Welt. Mimik ist ein russischer Hersteller von Waffen, Flugzeugen, Panzern und Dronen. Die Bruiser sind kugelsicher frontal, der einzige Schwachpunkt sind die Lufteinlässe für die Turbinen, aber die sind mit einer Panzerplatte gesichert.“
„Hal welche Kadenz hat die die Railgun?“
„Sir, auf normaler Stärke etwa fünfzehn Schuss pro Minute, voll aufgeladen etwa sechs Schüsse pro Minute. Ich würde 75% vorschlagen, damit können wir beide Fliegen mit einer Klappe schlagen.“
Kugeln schlugen ins Heck des Wagens und durchbrachen die Panzerung. Scheiße!
Ohne Vorwarnung machte er eine Handbremsen Drehung und fuhr Rückwärts über die Felder. Leider rückwärts wesentlich langsamer als vorwärts, so saßen sie auf dem Präsentierteller.
„Hal, mach die Kalibrierung für die Railgun und lad zur Sicherheit vier Panzerbrechende Sprenggranaten ins Magazin. Maximale Leistung. Sag mir Bescheid wenn wir bereit sind.“
In der Abenddämmerung sahen sie die drei Silhuetten der Helikopter am Himmel.
„Wir werden sterben wir werden sterben!“
Kann dem nicht einer das Maul stopfen? Ralf verfiel der Panik und schluchzte unkontrolliert. Emily knallte ihm volle Kanne eine und er sah sie erschrocken an und hielt dann endlich die Klappe.
„Sir, bereit und kalibriert.“
In dem Moment wo er den Schuss abfeuern wollte fuhr er durch eine Mulde und der Schuss verriss.
„Scheiße nachladen und neu kalibrieren!“
Die Front des Wagens erzitterte unter schweren Kugeleinschlägen aber kein Treffer ging durch. Er atmete erleichtert auf. Mit bangem Blick sah er auf den Reload Timer.
„Feuer!“
Die Railgun schoss und erwischte den ersten Mimik Bruiser volle Möhre. Sie sahen wie ein Feuerball aus dem Lufteinlass schoss und der Helikopter verlor rasch an Höhe. Der zweite Helikopter startete Ausweichmanöver, doch Hal konnte mit den Systemen des Wagens berechnen wo sich das Ziel in der Zukunft befinden würde. Der zweite Bruiser explodierte in einem herrlichen Feuerball bevor das brennende Wrack auf der Erde zerschellte. Bruiser Nummer drei blieb etwas zurück.
Kaz sah das Aufblitzen einer Kanone und etwas krachte mit Wucht in den Motor. Sie wurden langsamer.
„Sir, die Motoreinheit wurde beschädigt, ich kalibriere den Schuss.“
Dieses Mal explodierte die Sprenggranate Wirkungslos an der Panzerung des Bruisers.
„Nachladen!“
Wieder ein Blitz und ihre Railgun und ein Teil des hinteren Dachs wurden abgerissen.
„Fuck, verdammter Mist. Jetzt haben wie ein Problem. Mach den Raketenwerfer bereit.“
„Sir diese Raketen eignen sich nicht gegen schwer gepanzerte Helikopter!“
„Das ist alles was wir noch haben und unsere Panzerung ist völlig wirkungslos.“
„Ok Sir, Ziel ist eingespeichert.“
Kaz atmete tief durch und betete dass es klappen würde. In schneller Frequenz zischten sechs kleine zielsuchende Raketen in den Nachthimmel. Der dritte Bruiser versuchte auszuweichen und schickte Flares los, aber das waren intelligente Raketen. Sie durchschlugen die seitliche Panzerung und explodierten im Inneren. Der dicke Helikopter taumelte und taumelte in Richtung Boden und zerschellte am Boden. Alle fünf jubelten. Doch zu früh.
   Eine schwere Detonation unter ihnen und der Avenger wurde in die Luft gehoben und krachte aufs Dach. Schreie hallten durch den Innenraum.
„Sir, wir sitzen fest. Die drei waren nur die Vorhut. Es nähert sich und eine Flotte aus sechs Bruiser in Dreierteams, dazu drei Transporter und zwei Abfangjäger.“
„Danke Hal, die Art hoffnungsvoller Nachricht habe ich gebraucht.“
Konterte er sarkastisch.
„Leute seit ihr verletzt?“
„Nichts gebrochen zumindest, Ralf hat ne Platzwunde und er heult wieder.“
Kam es von Klara.
„Wir steigen aus und verwenden den Wagen als Deckung, hier kommen wir nicht raus.“
Er öffnete den Gurt und stemmte die Tür auf, Emily folgte seinem Beispiel. Sie bargen die anderen aus dem Wagen und prüften ihre Munition. Es war klar das die Hoffnung hier lebend rauszukommen denkbar gering war. Sie hörten schon das Flappen von Hubschraubern in einiger Entfernung.
Die Arschlöcher waren nicht in friedlicher Absicht gekommen.
   Emily neben ihm realisierte das auch und brach in Tränen aus. So eine starke Frau so schwach und hilflos. Er legte das Gewehr weg und umarmte sie.
„Da! Seht mal, da zwischen den Wolken.“
Er sah auf und spähte in die Ferne. Die Wolken zogen sich zur Seite und zeigten zwei große Siluetten, die eine war bestimmt fünf Kilometer entfernt und einen hoch mitten in den Wolken, die andere war kleiner und es sah so aus als würde sie sich ihnen nähern. Auf dem größen Flieger flammte etwas auf. Wie ein Raketenschwarm oder so etwas und schoss auf sie zu. Verdammt.
Sie zielten auf sie. Was immer das auch war, aber es war nicht ihr Freund.
Er drehte sich wieder zu Emily und küsste sie auf den Mund, wenn schon Tod dann wenigstens verschlungen mit seiner Freundin. Ralf heulte lautstark. Klara fand eine sehr ungewöhnliche Methode um den Jammerlappen abzuwürgen, sie küsste ihn sanft auf den Mund. Die Heulsuse verstummte augenblicklich und gab sich voll dem Moment hin. Ihrem letzten.
   Die Raketen heulten heran und wurden immer lauter und lauter und dann war es vorbei …
Kaz verschluckte sich, die Raketen donnerten über sie hinweg. Er robbte zur Kante des Wagens und spähte auf die Flotte ihrer Angreifer. In den raschen Explosionen flammten die neun Helikopter auf. Die Jäger drehten ab und wurden beide fast sofort von Raketen zerfetzt.
   Jetzt erkannte er auch, was sich ihnen näherte. Das war ein Lambda Beluga, der ging in den Landemodus und landete zwanzig Meter von ihnen entfernt auf dem Feld. Das Fronttor öffnete sich und eine Rampe fuhr herab. Nadja und Merlin rannten auf sie zu, gefolgt von Xen der einen stählernen Anker an einem Stahlseil hinter sich her schleppte. Kaz half seinem Freund dabei das Kabel am Abschlepphaken des Avengers zu befestigten und sie bargen den schwer beschädigten Wagen. Nadja half dabei den verletzten Ralf ins Innere zu bugsieren und sah nach ihm.
   Nachdem der Avenger sicher befestigt war hoben sie ab. Und er hatte ein Idee.
„Verdammt Leute, das war eine Rettungsmission, wir wären fast Hops gegangen.“
„Ohne den Swortfish Escort und den Avenger wären wir das schon längst.“
„Scheiße, der Typ hat weder Bruch noch Verstauchung, das ist ein Fake!“
Kaz trat zu dem aufgelösten Ralf und riss ihn hoch und schubste ihn nach hinten. Alle sahen ihn verwundert und erschrocken an.
„Oh mein Gott was wollen sie denn von mir? Sehen sie nicht das ich verletzt bin?“
„Schluss mit dem Spielchen. Ich hab deinen nutzlosen Arsch lange genug durch die Gegend getragen. Ich habe das Gefühl dass du ein Spion bist. Und ich mag keine Spione.“
Er griff an und deckte den Jammerlappen mit leichten teilweise nur angetäuschten Schlägen ein.
Ralf winselte und jammerte und schrie auf, aber es klang falsch.
   Er wechselte die Kampfart und seine Angriffe wurden härter und aggressiver. In Ralfs Augen sah er etwas auflodern. Es war Wut. Jetzt drehte er das Spiel um. Ralf schlug ihm mit erstaunlicher Kraft in Bauch und Gesicht und er ließ es zu. Er wolle wissen was noch dahinter steckte. Er fing an sich mehr aber zuerst nur schwach zu verteidigen. Ralf kämpfte wie jemand der wusste was er machte.
Kaz hatte ein Repertoire an verschiedenen Kampfsporttechniken erlernt und mischten den Kampf auf, Ralf konterte jeden Angriff. Kaz schmunzelte und ließ sich darauf ein. Ein intensiver Tanz entwickelte sich und wurde mit jeder Sekunde intensiver und härter. Sie schlugen schwer zu und steckten beide ordentlich ein. Er kam zu dem Schluss dass sie im Waffenlosen Nahkampf auf Augenhöhe waren. Aber es fehlt die Würze.
   Er stieß Ralf zurück und zückte sein schweres Kampfmesser. Ralf blieb nahezu gelassen. Er wich allen von Kaz Stichen und Hieben aus und ihm gelang es ihn zu entwaffnen. Kaz nahm Ralf in den Würgegriff, dieser befreite sich und würgte im Gegenzug ihn.
   Als sein Blickfeld langsam verschwamm ließ Ralf los. Kaz rappelte sich benommen auf, als Emily mit ihrem MR223 auf Ralf zielte. Ralf war vieles, aber die wehrlose Memme spielte er nur.
Sie fesselten Ralf fest und schoben ihn die Treppe hoch nach oben. Sie versammelten sich im Konferenzraum.
„Wer bist du?“
„Ralf Horrowitz, Chef der deutschen Horizon Abteilung für Luft- und Raumfahrt.“
„Und in Wirklichkeit?“
Kaz schlug Ralf ins Gesicht und dessen Oberlippe platzte auf.
„Ein schwuler Waschlappen, der den Chef gefickt hat um nach oben zu kommen.“
Ralf lachte höhnisch während ihm Blut über das Gesicht lief.
„Sollen wir dich diesmal ohne Fallschirm aus dem Flugzeug werfen?“
Ralf sah aufmerksam und nachdenklich in die Gesichter der Umstehenden. Er seufzte.
„Mole, Infiltrator und Spionageabwehr. Im Dienst seit zwanzig Jahren. Ich bin ein Geist.“
Sie sahen sich verblüfft an, Kaz hob eine Braue.
„Und das sollen wir dir glauben?“
„Infiltratoren haben einen implantierten Peilsender, Gecko genauso. Und ich hab einen Link, man kann die kleinen Narben noch ganz leicht sehen. Oder fragt Gecko doch einfach.“
„Ladies and Gentlemen, es gibt eine Situation, sie sollten alle zum Platz der Nationen zurückkehren. Polizei bereit sich darauf das Gebäude zu umstellen und zu stürmen! Ihre Familien brauchen sie.“
Kam es über die Lautsprecher des Belugas.
„Wir haben gerade keinen Swordfisch huckepack, Glücklicherweise haben wir genug Platz zum Manövrieren allerdings nicht zum Landen, dafür sind wir einfach zu schwer, das wird fummlig. Ich lasse die Heckklappe runter und ihr springt von da aufs Helipad des Hangarturms. Wir halten uns dann an den dicken Fisch und verschwinden mit dem, bis sich die Situation beruhigt.“
Kam es von der Pilotin Bobby aus dem Cockpit.
„Der dicke Fisch?“
„Na klar wir lassen dich doch nicht einfach so im Stich. Walhaie sind Raketenkreuzer der neusten Generation. Das war eine Salve Nachtschwärmer Zielsuchraketen, die sich praktisch nicht abwehren lassen. Der dicke Fisch hat einige Tausend von denen.“
Nach quälend langer Zeit gingen sie in den Landemodus und wurden langsamer. Sie sprangen alle von der Rampe etwa einen anderthalb Meter auf die Landefläche und fuhren mit dem Fahrstuhl nach und nach unten in den zweiten Stock und sie eilten durch das Haus zur Wohnung.
   In der Wohnung legten sie den gefesselten Ralf auf ein Sofa. Der Rest begrüßte sie überschwänglich. Anna begrüßte ihn.
„Glück gehabt Großer. Wir weniger, deine Rettungsmission ist jetzt ein Geiseldrama mit Komplizen in Form der Schwestern und vielen Toten und tja, Polizei und das GSG9 sind auch dem Weg.“
„Papa, Papa, Papa.“
Amber und Jack schossen auf ihn zu und umarmten ihn. Amber weinte.
Wolf las Zeitung als würde gar nichts passieren. Yusuf kam angerannt, er lachte gackernd und umarmte Ralf herzlich.
   Kaz schreckte auf.
„Yusuf, was machst du da? Woher kennst du den?“
„Von der Akademie, er ist ein Geist. Ein Infiltrator so wie ich.“
Ralf gab auf.
„Es tut mir Leid, aber ich musste meine Rolle spielen solange ich mir nicht sicher sein konnte, dass ich unter Freunden bin. Aber mit Yusuf hier kann ich mir sicher sein. Und bitte nehmt mir die Fesseln ab. Ich bin auf eurer Seite.“
„Und was ist mit deinem verdammten Bein?“ Klara kochte.
„Ich weiß wie man Fallschirmspringt und habe mir etwas in der Art gedacht, also hab ich mein Bein mit einer speziellen Schminke präpariert, die bei einem harten Aufprall ihre Farbe wechselt.
Ich hab‘s schlecht getimed, also ist es nur angestaucht, aber nicht gebrochen.“
„Ich hab deinen Lügenarsch durch die Gegend geschleppt du lügender Drecksack.“
Kaz war bei dem Arsch und schlug ihm volle Kanne mit der Faust und auf die zwölf. Die lächerliche Brille sprang von der Nase und Blut schoss aus der Nase.
„Hey lass das! Du hast ihn schon genug zu Brei geschlagen.“
Klara schlüpfte aus ihrem T-Shirt und stoppte damit die Blutung. Ralf war jetzt ganz ruhig und nichts erinnerte mehr an den weinerlichen Saftsack. Er schob Klara mit gefesselten Händen sanft zur Seite.
„Ich wusste, das nach dem Anschlag im August auch Nummer zwei, also ich, dran war. Ich war der Köder, um einen gefährlichen Gegner aus dem Schatten zu locken. Die können es sich nicht leisten wenn ich die Konzernführung nach Johnny und Liz übernehme.“
„Und wer soll das sein?“
„Die Spinnenkönigin, die Herrscherin von Mimik, Liz.“
„Das ist doch völlig Absurd, Sie ist tot.“
„Ganz im Gegenteil, sie und Mara Bluhm gibt es gewissermaßen zweimal. Einmal durch den Link, das war Johnnys geniale Idee und die zweite durch eine Erfindung namens Blue Matter oder Blaustoff. Letzteres wurde entwickelt um Menschen empfänglicher für schwere Augmentiereungen zu machen, aber eigentlich ist es ein Mittel, mit dem man Treibstoff auf Wasserstoffbasis herstellt. Es wandelt Nervenzellen in einen Stoff um, der mit Cyborg-Körpern sehr gut kommuniziert, das hat man zufällig bei einem Unfall mit Blaustoff entdeckt. Projekt MSB und FSB. Steht für Male oder Female Security Body. Mara Bluhm war die erste deutsche Empfängerin von Blaustoff, danach kam Ryan Solomon und als dritte Liz Engström. Eine schwere und extrem schmerzvolle Prozedur, die in vielen Fällen zu katastrophalen Charakterveränderungen führt. Deshalb wurde das Projekt von uns aus eingestellt, aber Horizon in Russland verwendet es weiter. Hat es weiter verwendet. Unsere russische Zweigstelle wurde ausradiert, von der Karte gestrichen, mit nuklearen Sprengköpfen. achttausend Menschenleben einfach so ausgerottet. Von Mimik.“
„Du willst mir also erzählen, dass die Toten gar nicht tot sind, sondern uns einfach nur terrorisieren wollen? Und was ist mit Johnny, Helena, Emma und meinen Eltern. Leben die auch noch?“
„Sorry, darüber darf ich dir keine Auskunft geben“
„Er hat recht,“ mischte sich Wolf ein „Projekt Eden ist streng geheim.“
„Was ist das denn bitte wieder?“
„Damit sind wir wieder lebendig geworden, glaube ich“ meldete sich Emily.
„Ganz recht, allerdings wird man nicht in die gleiche Gestalt wiedergeboren, bis auf einige seltsame Ausnahmen wie es mir scheint. Ich weiß nicht was Johnny damit bezweckt.“
„Das heißt mein Bruder lebt und zieht weiterhin die Fäden?“
„Kann ich mir gut vorstellen.“
„Und du, wer oder was bist du?“
Kam es von Anna.
„Ich bin Ralf, man nennt mich Mole und ich bin ein Infiltrator und in der Spionageabwehr tätig. Dazu Johnny rechte Hand und Experte in CQC. Den schwulen weinerlichen Waschlappen musste ich spielen, ich hasse diese Rolle zutiefst.“
„Warum weinerlich?“
„Weil ich aus irgendeinem Grund meine Tränendrüsen steuern kann. Schaut her.“
Plötzlich strömten Tränen über Ralfs Wange und er wimmerte äußerst überzeugend.
„Stehst du auf Frauen?“
Klara wollte es wissen.
„Ich bin bisexuell also ja. Komm doch her, schöne Frau.“
Klara rückte auf dem Sofa näher an ihn heran und Kaz und Emily verdrehten genervt die Augen. Er hatte nicht so wirklich Lust darauf, Klara und Ralf knutschen zu sehen, während das GSG9 ihnen aufgrund einer falschen Fährte auf den Fersen war. Am Fenster warf er einen Blick nach draußen.
Mittlerweile alles voller Polizei und oben kreisten Nachrichtenhubschrauber und ein Paar der Polizei. Na toll. Mehrfacher Mord, Entführung und was man ihm noch anhing. Das war mehr als einmal Lebenslänglich.
   Im Kino liefen die Nachrichten. Klara hatte die Fesseln durchgeschnitten und knöpfte gerade Ralfs Hemd auf, Wolf las Zeitung. Akira las in einem Sessel ein Comic, Amber spielte mit Lucy fangen, Jack stand mit einer Cola auf der Galerie und beobachtete das Treiben, Karl lag vor der Küche und schlaberte Pfirsiche weg und der Rest guckte Nachrichten.
   Interessante Geiselsitutation. Tamara und Xen waren wieder bei ihren Kindern in der Wohnung.
Er ging an dem Sofa mit Yusuf und Nadja vorbei, die schmusten und sich sanft küssten und nach oben in Richtung Kino. Emily saß versteinert auf einem der Sessel und starrte mit Wut auf die Leinwand. Helikopterbilder von der Landung ihres Belugas. Dann wurde er in einem sehr unvorteilhaften Bild gezeigt und dazu die Entführungsopfer.
„Die Republik ist geschockt von einer der dreistesten Entführungen seit langem. Der durchgeknallte Psychopat Sebastian Solomon hat schwer bewaffnet das Konzerngelände von Horizon betreten und sich eine blutige Schneise bis zu seinen Opfern gebahnt. Die Schwestern Emily und Klara Strauss und der angehende CEO Ralf Horrowitz. Mit seinen Opfern und einem Komplizen gelang ihm die Flucht in einem Lambda Beluga und ist vor wenigen Minuten in seiner Wohnung eingetroffen, wo ihn seine Komplizen erwarten. Wir erwarten, dass die Polizeistreitkräfte mit diesem Verbrecher kurzes Spiel machen werden …“
Er mutete den Ton. Er setzte sich neben seine beste Freundin, die zu weinen angefangen hatte und umarmte sie.
„Das waren doch alles nur Lügen. Ohne dich wären wir jetzt alle drei tot. Und die haben eiskalt ein Double von dir da durchgejagt. Und zeigen natürlich nur die Szenen dir ihre Narrative bestärken. Das wussten die, da ist einer rein der so aussah wie du und hat alle plattgemacht, Hal hat mir deine Aufnahmen der AR-Brille geschickt und die zeigen ein ganz anderes Bild. Aber woher wusstest du von dem Angriff?“
„Ralfs merkwürdige Einladung und die Umstände, ich hatte da so ein ganz mieses Bauchgefühl.“
„Zum Glück, ich will nicht schon wieder Hops gehen, nicht so schnell. Und Ralf ist ein Blödmann, dass er uns so verarscht hat. Man, ich weiß nicht wie Klara den gut finden kann. Meinst du wir sind hier sicher?“
„Guck dir Berlin Solomon an und du weißt die Antwort. Ich wette das alles hier ist ein einziger Bunker. Nur das Problem der schwarzen Geister ist, dass sie sich verraten, wenn sie jetzt zu früh eingreifen. Ich weiß nicht was uns blüht. Jedenfalls halten die Geister zusammen. Ich mach mal wieder an. Soll ich dir deine Lieblingsdecke holen und ein paar Snacks?“
„Oh bitte, bitte. Nein warte ich komme mit hoch, da haben wir einen Fernseher nur für uns.“
„Wie du möchtest. Der Wachdienst hat mir mitgeteilt, dass sämtliche Eingänge und Einfahrten verriegelt sind. Und ich hab beide Türen fest abgeschlossen. Ich möchte sehen wie die da durchkommen wollen. Die Eingesperrten im Center unten freuen sich über die kostenlosen Snacks der Cafés und Restaurants. Über Studio und Schwimmbad kommt da keiner rein.“
Zusammen gingen sie hoch in das Schlafzimmer, wo Anna schon spärlich bekleidet Nachrichten sah und Chips mampfte. Sie schlüpften aus den schweren Sachen und gesellten sich dazu.
„Guck mal, die haben Hauptkommissarin Andrea Wolf vor Ort.“
„Frau Wolf, wie gedenken sie vorzugehen?“
„In erster Linie nicht die Taktik nicht im Fernsehen verraten. Aber so viel. Wie haben alles großzügig abgesperrt, wir haben Scharfschützen postiert und der Luftraum ist jetzt abgesichert. Wir überlassen es dem GSG9 mit der Geiselbefreiung fortzuführen, die sind in wenigen Minuten da. Dann geht alles ganz schnell.“
Es knackte plötzlich laut, wie wenn jemand der auf ein Mikrofon klopfte.
„Sehr geehrte Polizei, liebe Freunde der GSG9. Dreht ab und zieht euch zurück. Ihr betretet militärisches Sperrgebiet. Das ist eine Warnung, wenn ihr nicht hört, werden wir Warnschüsse abfeuern. Ende.“
Die köperlose Stimme verebte. Die Reporterin wirkte verunsichert.
„Kein Grund zu Sorge, leere Drohungen um uns abzuschrecken.“
Kaz setzte sich auf und öffnete die Blendung der Fenster. Jetzt war er doch selbst gespannt.
„Soll dich die Welt ernsthaft in Boxershorts mit zwei Weibern im Bett sehen?“
„Zieh dir halt was an meine liebe Emily.“
Er zog sich eine Jogginghose und ein T-Shirt über und kramte in seiner Schublade nach dem Nachtsichtgerät und einem Fernglas. Die Polizisten unten schienen zu tuscheln. Dann ging schrittweise das Licht aus. Der Strom war aber hier drinnen noch da.
„Was hat das zu bedeuten, Frau Wolf.“
„Ich beende das Interview. Ich muss nach dem Rechten sehen.“
„Eilmeldung, an den Zufahrtsstraßen zum Platz der Nationen, schieben sich schwere Stahlschranken aus dem Boden. Wir kommen weder raus noch andere rein, wir sind von der Außenwelt abgeschnitten! Und hört ihr das? Da kommen endlich die Helikopter der Polizeispezialkräfte.“
Kaz sah nach draußen. Plötzlich wurden unzählige Nebelgranaten in die Menge der Polizisten gefeuert. Unter den Polizisten brach Unruhe aus. Noch war aber kein Gegner zu sehen.
Er suchte die Dächer ab und machte ein paar Polizeischarfschützen aus, er winkte ihnen zu. Und er machte noch etwas anderes aus. Die Siluette eines nachtschwarzen Orcas ohne Lichter der sich schnell ihrer Position näherte. Zwanzig Meter über dem Hochhaus verharrte er in der Luft.
Das war nicht das GSG9. Die in den Nachrichten checkten das auch. Die gingen mit der Kamera aus der Luft nahe an die Orcas ran. Schwer gepanzerte Gunships vor Waffen und Raketen starrend.
„Das ist keine Übung, ihr stört eine militärische Übung. Unsere Scharfschützen haben eure im Visier, ergebt euch, heute Nacht muss keiner Sterben. Und dreht ab GSG9, das sind Orcas kein Spielzeug.“
Die Polizistin dachten gar nicht ans Aufgeben, auch nicht im Angesicht von vier Orcas.
Schüsse knallten durch die Nacht als Die Scharfschützen auf die Orcas Feuer eröffneten. Völlige Verzweiflungshandlung. GSG9 Kräfte seilten sich über dem ihrem Haus von Helikoptern ab.
Acht schwarze Swordfish tauchten aus dem Nichts auf. Sie flankierten die schweren Orcas. Dann seilten sich schwarze Geister aus allen zwölf Flugzeugen ab und überwältigten und fesselten die Polizeischarfschützen. Dann verschwanden sie mit ihren Opfern in den Gebäuden. Noch mehr Geiseln, so wird das auch nichts. Angriff eines Polizisten war schon so eine Sache.
GSG9 Polizisten versuchten vergeblich sich zu Zugang zu verschaffen. Er grinste, tja so eine Festung ist schon doof Jungs.
   Dann flackerten die Aufnahmen und das Bild wackelte enorm. Er wusste auch warum, die Orcas schossen Warnschüsse mit Leuchtspurmunition ganz nahe an den Nachrichtenhelikoptern vorbei.
In der dichten Nebelsuppe am Grund konnte man nichts erkennen. Die Sendewagen sendeten nicht mehr. Die Helikopter der Nachrichtensender drehten ab. Die der Polizei blieben auch nach den Warnschüssen.
   Er probierte etwas und schaltete auf den kleinen Sender des BIT um. Jemand filmte von einem der Balkone hier am Platz der Einheit. Nein mehrere Filmteams und Kamera-Dronen. Einer der GSG9 Hubschrauber erzitterte heftig unter Einschlägen von großkalibrigen Waffen. Angeschlagen drehte er ab und verschwand in die Nacht. Fünf blieben zurück, drei von der Polizei und zwei vom GSG9.
„Das war die letzte Warnung. Dreht ab oder wir wenden tödliche Gewalt an.“
Die Stimme klang absolut humorlos. Nach ein paar Minuten drehten die fünf Helikopter geschlagen ab und suchten ihr Heil in der Flucht. Was bitte sollte das? Das machte doch alles nur noch schlimmer!
   Dronen mit Nebelwurfbechern deckten das Dach ein und das GSG9 versank in dichtem Nebel.
Er wusste schon was man sehen würde, wenn der Nebel verschwand und drehte sich um. Anna und Emily küssten sich und bemerkten ihn gar nicht. Haben alle nur das eine im Kopf?
   Er ging runter, Nadja und Yusuf gingen hoch. Klara und Ralf waren nicht da. Akira saß einsam in ihrem Sessel und sah Amber beim Spielen zu. Auf halbem Weg warf ihm Jack etwas zu, eine kalte Cola Dose. Hieß das, dass er ihm nach der Sache im Herbst verziehen hatte? Er hoffte es sehr.
Sie hatten schon alles geschmückt. Eine vier Meter hohe Tanne mit traditionellem Baumschmuck. Morgen wollten sie in die Kirche gehen, das fiel wohl ins Wasser. Traurig.
Plötzlich hämmerte jemand an die Tür. Das war Benj in seinem Kampfanzug. Er hatte eine gefesselte Person mit einem schwarzen Sack über dem Kopf dabei.
   Kaz machte auf und ihm wurde die Person regelrecht in die Arme geschubst. Dem Schrei nach war es eine Frau. Bitte nicht Hauptkommissarin Wolf. Er zog den Sack von dem Kopf, doch es war sie.
Ihre Augen weiteten sich, als sie ihn erkannte. Sie war äußerst zornig, trotzdem löste er den Knebel.
„Was fällt dir Drecksack ein, diese Show abzuziehen und jetzt auch noch die Polizei mit in die Sache zu ziehen und das GSG9? Du bist mir eine Erklärung schuldig!“
Jetzt endlich faltete Wolf die Zeitung zusammen und näherte sich ihnen.
„Guten Abend Frau Wolf. Merkwürdiger Zeitpunkt für einen Besuch.“ Witzelte er.
Andreas Augen loderten hasserfüllt.
„Ich glaube Hal und Lara sollten ihr den Film zeigen.“ Kaz guckte verständnislos.
„Welchen Film denn bitte?“
„Na Lara hat sich doch in das Netzwerk eingeklinkt und alle relevanten Kameraaufnahmen gesichert. Dazu den Live-Feed eurer Headsets.“
„Wann wolltet ihr mir das sagen?“
„Der Film wurde vor 130 Sekunden fertig gerendert. Er startet in zehn Minuten im Kino“
Kaz nickte wissend. Andrea starrte ihn nur verständnislos an. Wolf führte sie schon mal hin, während Kaz den Rest seiner merkwürdigen Familie einsammelte. Akira trug er und die drei Liebespärchen sammelte er auch ein. Alles Lustmolche und zwei Pärchen erwischte er im Akt als er klopfte.
Ihr nehmt es euch echt zu einfach in dieser Krise.
Dann saßen sie endlich mit Softdrinks und Popcorn im Kino und starrten auf den Counter. Bei Null tauchte ein Datum auf. Stimmen unterhielten sich auf Russisch.
„Unsere Rache startet heute. Diese Diebin will ich leiden sehen, nehmt ihr das was ihr am meisten bedeutet, ihre Beweglichkeit. Ryan du machst deinen Bruder kalt, ich kümmere mich um das Hauptgericht, diesen lügnerischen Bastard, der diese falsche Schlampe fickt. Amber bleibt für den Schluss, sie ist mein.“
Bilder wurden dazu eingeblendet. Die Spinnenkönigin alias Liz, Vera alias Mara und Ryan.
Dann die Bilder von dem Attentat auf Akira, diese schluchzte heftig auf. Die Prügelei mit Jack, Ryan hielt seine Schläge sichtbar zurück und er wirkte als ob er litt.
   Die Bilder mit Liz persönlich waren intensiv. Kamera Blickwinkel von Straßenkameras zeigten Kaz Erlebnis aus mehreren Perspektiven. Die Schusswechsel waren heftig. Schwärze. Erneut ein Gespräch auf Russisch.
„Ryan hör auf dich zurückzuhalten, er ist nicht mehr dein Bruder, er ist dein Gegner! Mara, für dich gilt dasselbe. Kaz hat die Warnung bekommen, jetzt kommt unsere nächste Phase.“
Ein Mann, der sich als er verkleidet hatte erschoss unzählige Wachen. Andere Männer zogen Unformen des Horizon Wachschutzes an und schwärmten mit schweren Waffen aus. Und dann seine Perspektive, die Rettung und die Flucht. Der dicke Fisch wurde aus der Sache herausgelassen. Und dann den Interventionsversuch der Polizei und des GSG9. Am Ende flackerte das Symbol der Geister über den Bildschirm.
   Packend und intensiv inszeniert, dass würde gut einschlagen.
„SIR, Die Einsatzleitung ruft sie, Ripper und Wolf. Mimik hat erneut zugeschlagen.“
Unauffällig schoben die drei sich aus dem Kino und folgten Wolf aus der Wohnung zum Fahrstuhl.
„Mimik, Liz, wie auch immer, sie haben uns angegriffen, dieses Mal direkt. Adam will uns sehen, er leitet diesen Einsatz. Eigentlich seit ihr noch nicht bereit, aber folgt mir in meinen Bau.“ Wolf.
Damit hielt er seinen Transponder hoch und machte an der Wand einen … Retina Scan.
Der Aufzug schoss in die Tiefe. Sehr weit hinab in die Tiefe. Dann öffneten sich die Fahrstuhltüren und Wolf rannte durch ein Gewirr von breiten weißgestrichenen Gängen, ihnen liefen aufgeregt wirkende Menschen in weißen Uniformen entgegen. An einer großen Tür blieben sie stehen und bewaffnete schwarze Geister machten ihnen auf. Sie standen in einer Kommandozentrale, die locker fünfmal so groß wie die in Hals Fabrik war. In der Mitte war ein riesiger Tisch über dem ein Hologram schwebte. In Rängen saßen dutzende von Leuten, wenn nicht hunderte. Er kam sich vor wie in Star Wars. Und die Stimmung schien ernst zu sein. Sie nahmen Platz. In einer goldenen Uniform stand Adam in der Mitte und redete.
„… Sigma will sich nicht mehr einmischen, nachdem sich ein Schiff von der Größe eines Superwals aus dem Orbit auf Berlin Solomon abgesenkt hat. Es ist ein Stealth Schiff von Mimik, und die vermutete Jacht der Spinnenkönigin. Das würde erklären, warum alle Transporter von Mimik plötzlich von dem Radar verschwunden sind. Momentan sind sie zwei Kilometer über dem Grund über unseren Köpfen und warten. Trotz des Trubels von vorhin, dürfte man ihre Anwesenheit schnell bemerken, auch wenn die Luftwaffe nichts in ihrem Arsenal hat, was diesem Schiff etwas anhaben kann. Ich mag keine Referenzen, aber was macht man gegen ein Raumschiff von der Größe eines Sternzerstörers? Und über Berlin darf dieser Koloss auf gar keinen Fall abschmieren, viele Millionen unschuldige Leben sind in Gefahr. Mimik hat eine Russlandoffensive gestartet und attakiert von Osten her. Eine Armee aus Kampfläufern unterstützt von Sabres und Bruisers. Die Russen reagieren panisch. Und rufen verzweifelt um Unterstützung. Deutschland wird definitiv eingreifen. Diese Armee darf auf gar keinen Fall in Europa einmarschieren. Ich …“
Kaz starrte entsetzt auf das Holgramm, ein Landeschiff oder sowas näherte sich dem Platz der Nationen eins. Das Die Polizei hier nicht reinkam war eine Sache, aber Mimik und die durchgeknallte Liz war etwas ganz anderes. Fuck, seine Familie und Freunde waren alle hier.
Alarmsirenen schrillten. Die Personen auf den Rängen sprangen auf und rannten aus dem Saal. Sie wollten auch aufspringen, aber Adam hielt sie zurück. Verdammt, der war ja bleich wie ein Gespenst.
„Vor den anderen wollte ich es nicht sagen, aber vor euch schon. Der Kampf ist persönlich. Sahid und mein Vater wurden von der Bande entführt. Und ich komme hier nicht weg. Bitte befreit die beiden. Wir schicken euch einen Lambda Hammerhead hoch, die sind kaum zu orten. Wir wissen nicht, wie lang dieses Schiff dort oben bleibt. Im Orbit kommen wir nicht mehr an sie heran und die Mimik Zentrale ist nicht zu knacken. Jedenfalls jetzt noch nicht. Springt da rauf und geht rein und versucht die Kontrolle zu bekommen. Die Mission ist nicht offiziell, wenn sie schief geht, dann geht das auf meine Kappe. Und jetzt … was ist das denn?“
Kaz war vor einen Bildschirm getreten und sein Herz krampfte sich zusammen. Mimik war eingedrungen und entführten ihre Familie und ihre Freunde. Er ballte die Hände zusammen.
„WO sind die Anzüge?“
Brüllte Wolf. Adam rannte los und sie hinterher. Hier war doch alles viel zu groß. Sie rannten dem Araber hinterher und in einen Raum, wo ein eingespieltes Team ihnen neue Anzüge anlegte. Er hatte einen Berserker Anzug für Nahkampf. Die Unterarmklingen ließen sich mit einem Schnappen ausfahren. Sie schnappten sich schwere Waffen und rannten zum nächsten Aufzug in den zweiten Stock. Die Wohnung war regelrecht verwüstet. Er fand Akiras blutbespritzte Regenbogenperücke. Nur Lucy und Karl waren bei bester Gesundheit und hatten sich versteckt. Vom Rest fehlte jede Spur. Auch die Angestellten Wohnungen waren leer. Xen, Tamara und ihre vier Kinder … weg. Alle waren weg! Verdammte Scheiße! Er schlug wiederholt gegen die Wand, der Putz platzte unter der Wucht der Schläge ab.
   Das waren mehr als zehn Geister in der Gefangenschaft dieser Bastarde und alles was ihm lieb und teuer war. Die falsche Liz würde dafür bezahlen.
   Dann rannten sie voller Wut zum Flugdeck und sprangen in den startenden Hammerhead.
Durch die Visiere waren ihre Gesichter nicht zu sehen, aber sie drei zitterten vor Wut und vor Angst.
„Jack, keine Gefangenen. Was machst du wenn dir die Munition ausgeht?“
„Ich stech das Schwein ab bis es in einer Blutlache daliegt.“
Wolf hatte keinen Einwurf gehabt und schwieg. Sie stiegen schnell. Adam sah alles durch ihre Helmkameras.
„Absprung in einer Minute. Ich flieg niedrig rüber und verpiss mich dann. Euer Zeitfenster für euren Absprung ist verdammt klein.“
Sie nickten und checkten ihr Equipment und prüften den Kugelstand ihrer Waffen.
Jetzt konnten sie es mit einer kleinen Armee aufnehmen, was ihnen auch bevorstand.
Die grüne Lampe ging an und sie sprangen. Auf dem Metalldeck sah es aus wie auf dem Flugdeck eines Flugzeugträgers. Gemischt mit der schweren Bewaffnung wie auf dem dicken Fisch. Der Tag nahm auch kein Ende.
   Jetzt ging es um Schnelligkeit und es schien hoffnungslos. Drei gegen zig Tausende. Hoffentlich kickte der Rausch ordentlich. Und Jack musste sich jetzt beweisen.
   Was er tat indem er die ersten acht Gegner erschoss und dem neunten sein Messer in die Kehle rammte. Guter Junge, aus dir wird doch noch ein echter Solomon.
   Mit gewohnter Präzision metzelten sie sich durch das Schiff. Der alte Wolf teilte auch gut aus.
dreiundachtzig Tote später trat er eine schwere Tür ein und sie betraten einen regelrechten Saal mit einer Galerie. Er rannte durch den Raum, all ihre Freunde waren hier, gerettet!
„Was gedenkst du da zu tun, Dagger?“
Liz Stimme ließ ihn nach oben sehen. Sie trug ein stark durchscheinendes weißes Kleid und hielt ein Glas Rotwein in der rechten augmentierten Hand du sah ihn amüsiert an.
„Meine Freunde retten.“
„Ein Mörder hat Freunde. Schwer zu glauben, aber hier bist du. Hat dich Liebe geführt oder Loyalität.
Zu mir warst du nicht loyal, das wird deine liebe Anna bezahlen. Du hast eine letzte Chance. Schließ dich mir an und an meiner Seite wirst du großes vollbringen.“
„Dir Spinnenfotze das Maul stopfen vielleicht.“
Etwas verärgert nippte sie an ihrem Wein.
„Macht die anderen beiden kalt, Dagger gehört mir.“
Sie warf das Glas weg und sprang behände über das Gelände. Sie wog doch höchstens halb so viel wie er. Aus den Blickwinkeln sah er wie Wolf von Mara und Jack von Ryan beharkt wurde.
Sein erster Schlag war mit voller Wucht und sie wich einfach aus. Ihr Tanz begann. Egal was er machte und wie er angriff, sie blockte oder wich seinen Angriffen einfach aus. Und sie traf ihn hart mit jedem Schlag. Er steckte trotz Anzug hart ein. Wie konnte jemand so kleines und zartes so hart zuschlagen? War das alles nur dank ihres Cyborgkörpers? Egal er fuhr die Klingen aus und sie fuhr zurück.
Aber nur kurz. Er beobachtete wie aus ihren augmentierten Unterarmen Klinken ausfuhren mit denen sie ihn schnell und brutal attackiert. Er musste in die Defensive gehen und versuchte ihre Angriffe zu blocken. Als sie ihm die Klinge durch die linke Schulter rammte grunzte er schmerzerfüllt.
Danach hatte sie ihn schnell und beinahe tödlich. Sie kniete auf seiner Brust und riss ihm die Maske vom Gesicht. Sie gab ihn einen Kuss und legte die Klinge an seine Kehlte.
„Jetzt könnte ich dich einfach so vernichtend schlagen. Aber stattdessen lasse ich dich … euch leben und eure Familie und Freunde bezahlen den Preis. Ihr werdet sie nie wieder sehen. Und Emily und Amber mache ich zu Meinesgleichen. Darauf freue ich mich schon. Sag tschüss, du Wichser.“
Und die Klinge fuhr zurück und sie schlug ihn eigenhändig K.O.

*
„Hey wacht auf, ich friere mir die Eier ab.“
Wolfs Stimme weckte ihn auf. Er blutete aus mehreren Wunden. Verdammt sie waren aneinander gefesselt. Und sie waren nackt, im Dezember. Großartig.
„Wir wurden heftig gedemütigt und sind verletzt, ich könnte einen Arzt vertragen, also hoch die Ärsche und es wird marschiert. Ich vorwärts ihr seitwärts.“
Mühsam rappelten sie sich auf. Jack wirkte benommen und resigniert.
Verdammt, ihm tat jetzt schon alles weh und seine Wunden schmerzten in der Kälte.
„Auf geht’s, eins zwei, eins zwei, eins zwei.“
Mehr schlecht als recht bewegten sie sich über den verschneiten Acker irgendwo im Niemandsland.
Aber sie sahen Lichter in etwa zwei Kilometer Abstand. Ein kleines Dorf.
„Habt ihr auch so aufs Fressbrett bekommen?“
„Ja, meine liebe Tochter scheint mich echt zu hassen.“
„Ryan hat mich gar nicht erkannt glaube ich. Aber jeder Schlag war wie ein Sack Ziegel. Wir haben immer zusammen trainiert, er weiß wie ich kämpfe und er hat es gegen mich ausgenutzt.“
„Liz hat mich einfach nur gedemütigt. Ich hab so Angst um alle. Ich will nicht wissen was sie mit ihnen vorhat. Und Amber, sie …“
„Halt die Fresse und konzentrier dich aufs rennen. Ich will gar nicht wissen was die Schlampe mit meiner Freundin anstellt und erst mit Mama und Emily.“
Schweigsam rannten sie gefesselt und nackt durch die Kälte während ihnen alles abfror.
„Hilfe ist auf dem Weg.“
„Wie denn das bitte?“
„Der Hochrangige Geister und Infiltratoren bekommen einen Peilsender implantiert. Hör mal in die Nacht, das ist ein Swordfish.“
„Und warum machen wir uns zum Affen und rennen durch die Kälte.“
„Um uns in Bewegung zu halten, ganz wichtig bei Kälte.“
„Das hast du dir ausgedacht.“
„Weiß ich nicht mehr, ich werde auch langsam senil.“
„Könntet ihr alten Säcke dir Klappe halten? Ich spüre meine Zehen nicht mehr.“
„Solange du deine Eier noch spürst ist alles ok Jungchen.“
„Halt doch die Klappe Wolf. Mir ist gar nicht zum Lachen.“
Das Flugzeug flog niedrig über sie hinweg und landete fünfzig Meter vor ihnen auf dem Acker. Sie rannten und erreichten die Laderampe hoch ins warme Innere. Schwarze Geister reichten ihnen Unterwäsche dicke Wollsocken, Ein Sanitäter flickte sie notdürftig und sie schlangen dicke Wolldecken um ihre Schultern.
   Der Swordfisch landete auf dem Helipad des Berlin Solomon Krankenhauses und sie wurden fachmännisch geflickt und in Dreibettzimmer verfrachtet.
Nach einer Stunde tauchte Adam schwer geknickt bei ihnen auf.
„Alles war umsonst. Ihr wurdet besiegt und schwer gedemütigt, die Mission schlug fehl und das Schiff von Mimik ist auf dem Weg nach Sibirien. Und geliebte Menschen … ach ich will gar nicht weitersprechen. Die Niederlage können wir Geister nicht so stehenlassen. Die Leben tapferer Geister und Unterstützer in den Händen der Spinnenkönigin stehen auf dem Spiel. Es gibt da eine Sache. Aber das ist ein Ticket ohne Wiederkehr. Und es wird einmal Hölle und zurück. Aber damit haben wir vielleicht eine Chance. Es nennt sich das Osiris Projekt.“
Der ägyptische Gott der Toten. Das klang doch wunderbar. Er wechselte Blicke mit Jack und Wolf und die beiden nickten.
„Wir sind dabei.“
Hölle hin oder her, wenn eine Chance bestand ihre Liebsten zu retten, dann ab ins Gefecht.