Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 12

12. Jack – 2.W.Okt 2045 – Freitag – Der Fluch

Es klopfte an der Tür während er über Chemiehausaugaben brütete. Man, kann man denn seinen Freitagabend in Ruhe nicht genießen. Er hasste Chemie, auch wenn er verdammt gut darin war. Komische Mischung. Das Klopfen wiederholte sich Es klang wie eine Klinge auf Holz, da erlaubte sich jemand einen Spaß mit ihm. Aber er zuckte nur mit den Schultern. 
„Ja komm rein.“
Es war ausgerechnet Karl. Was war das denn? Der Waran schob ihm eine Postkarte über den Boden hin. Er hob die Karte auf und tätschelte den Waran, der sich wieder verzog.
   Nachdenklich betrachtete er die Karte. Eine traditionelle Metzgerei in Spanien. Warum so ein Motiv? Er drehte die Karte um und entdeckte den Blocktext in Laras Alphabet. Kein Absender oder Adressat. Die Chemie Sachen wanderten in die nächstbeste Schublade und er holte Zettel und Stift hervor. Wolfgang übte mit ihnen seit Wochen schon verschiedene Codes wie Laras Alphabet.
Der heutige Code war knifflig und er brauchte lange bis er es geknackt hatte. Es war so blamabel dass der dämliche Waran das einfach so lesen konnte, während er selbst so unfassbar langsam war.
Huh, da Stand. Keller 3-VII, 11pm, Schweigen ist Gold. Warum so geheimnistuerisch? Sie waren doch alle Geister. Oder war das nur ein Test?
Sein Prism zirpte, es gab Abendessen. Sie hatten einen großen Familienchat, Kaz hatte das so eingerichtet. Er versteckte die Karte so, dass man sie nicht so schnell finden würde und ging nach unten zu den anderen. Lecker vegetarische Lasagne und danach Pana Cotta.
   Amber wollte mit ihm schmusen aber er warf nur einen unauffälligen Blick auf die Uhr. Kurz vor zehn.
„Sorry, ich hab noch eine Chemie Sache für die Schule die weg muss.“
„Dann lass mich dir helfen, ich bin gut in Chemie, Akira auch.“
„Nein, ich bin ja nicht schlecht, es ist nur schwer und ich will es alleine machen.“
„Du bist komisch, naja dann gucke ich einen Film im Kino. Du Langweiler.“
Amber war verstimmt, aber er hatte seine Ruhe.
Er brütete tatsächlich über Chemie, las aber nebenbei in dem Buch zu Codes. Wolf hatte ihm chemische Rätsel und Codes als Hausaufgabe gegeben, aber das musste Amber ja nicht wissen.
Um zehn vor elf schlich er sich raus und fuhr in den Keller. Liz Keller benutzte kaum einer und der war schalldicht und wie eine Festung. Genau richtig für ein geheimes Meeting.
   Er öffnete die Kellertür und Kaz und Wolf erwarteten ihn.
„Du bist sogar pünktlich und hast den Code geknackt. Wunderbar. Dann können wir anfangen.
Wir drei haben eine Mission bekommen, die Clowns aus Russland zurückzuverfolgen. Deren Spur verliert sich in Ostpolen, nahe der weißrussischen Grenze. Nein ich hab eine Sache vergessen, Anna begleitet uns auch, aber erst in der Nähe von Russland. Sie fährt morgen los, angeblich aus geschäftlichen Gründen, das übliche. Sie ist aber nur unser Support. Trotzdem sollen wir Sachen für sie mitbringen, sie hat eine Liste gemacht. Das P-Wort ist leider mit dabei. Aufspüren, Informationen sammeln und vollstrecken. Und kein Wort zu den anderen.“
„Was ist mit unserem fahrbaren Untersatz, wir werden im Herbst ein paar Wochen campen.“
„Ein paar Wochen? Und was ist mit Schule?“
„Du bist freigestellt. Im Angesicht der Krise wirst du das Jahr wohl wiederholen müssen. Sorry Kleiner.“
„Ich schlage vor wie nehmen den X5. Gepanzert, weiß sich zu wehren und es passt viel rein.“
„Genau wie spüren die Clowns in einem zehn Tonnen Panzer auf, von dem sich ein einziges Exemplar in nicht militärischer Hand befindet. Dann können wir auch gleich Yusufs Schrotthaufen verwenden. Der ist nur einen Tick weniger auffällig, der und der Avenger X8 von Xen. Wann benutzt du eigentlich das Ding zwischen deinen Ohren?“
„Wir können doch meinen Defender verwenden, fällt zumindest weniger auf und wir passen da zu viert mit viel Gepäck gut rein. Dazu haben wir das Dach, den Kofferraum und den dicken Anhänger.“
„Ich wünschte wir könnten etwas völlig unauffälliges wie meinen alten Passat nehmen, aber ich nehme lieber den Defender als den Avenger. Gut den nehmen wir. Gepackt wird heute Nacht. Wir haben alles hier unten in den Kellerräumen. Auf geht’s. Den Plan erklär ich euch, wenn wir auf dem Weg sind. Die anderen sollen nichts erfahren. Die sind noch nicht bereit für eine Einsatz-Mission.“
Sie packten seinen Defender voll bis oben hin und klapperten Annas Wunschliste ab. Die Waffen würden sie bei Hals Fabrik aufsammeln. Und alles was sie nachbestellen mussten. Wie Klamotten und Rationenpakete für kaltes Wetter von Nox.
   Um vier hängte er den Anhänger ab und er stieg hinten ein, Wolf fuhr und Kaz studierte die Karte auf dem Beifahrersitz. Nach dem Schlafentzug machte Jack ein Nickerchen. Sein Prism war auf Stumm geschaltet und er konnte sich den Strom der Chatnachrichten denken, wenn die anderen ihr Verschwinden bemerkten, Amber würde bestimmt weinen, er fühlte sich schlecht.

*

„Fuck. Wir müssen zurück. Annas Zafira ist auf halber Strecke abgeraucht, wir holen sie bei Danzig ab. Guck mal auf der Karte welche Ausfahrt ich nehmen muss.“
Jack spähte nach vorne während Kaz nach einer entsprechenden Karte fischte.
„In drei müssen wir raus. Dann … ach nimm doch dein Navi.“
„Das gab‘s nicht zu meiner Jugend zu Banause. Ok schieb‘ rein, ich bin Karten auch leid.
Jack tippte etwas auf seinem Prism und schob es in den Schlitz am Armaturenbrett. Sofort flammten die Symbole des HUD innen auf der Frontscheibe auf.
„Ah, fabelhaft. Ja kenn ich gut. Und wir müssen bald wieder tanken.“
„Der Tank ist halbvoll und wir haben einen Reservetank auf dem Hänger.“
„Du weißt nie was noch kommen kann. Du zahlst übrigens.“
„Ich weiß alter Mann.“
Sie tankten und Kaz kaufte einen Sack mit Süßigkeiten die sie drei mampften während sie Mama auflesen würden. Stunden später waren sie da und eine aufgelöst wirkende Anna, mit Rucksack und zwei großen Reisetaschen näherte sich ihnen.
„Oh es ist mir so schrecklich peinlich. Dass ich die Mission so kompromittiere. Passt mein Zeugs irgendwo noch rein. Das sind nur Kleinigkeiten.“
Irgendwie stopften sie den Krempel in den Anhänger und Anna stieg hinten ein und nahm die dicke Wollmütze ab. Sie umarmte ihn, was ungünstig war, da der Platz zwischen ihnen voll beladen war.
„Was hast du alles dabei? Sag nicht Schuhe.“
„Mein Zelt, Schlafsack, Schuhe, Makeup, meine zerlegte Ausrüstung und die AWM. Ein paar dicke Sachen, Bücher und Snacks. Ich hab sogar ein paar Spiele dabei.“
Wolf seufzte resigniert und Kaz verdrehte die Augen.
„Jedes Mal ist es dasselbe mit euch beiden. Anna nimmt jeden Schnarch mit und Kaz will das dicke Auto. Das waren tolle Zeiten, als ihr im Ruhestand wart. Verbockt es nicht wieder.“
„Wie meinst du das?“
„Erzähl ich dir vielleicht irgendwann später Jack. Jetzt hat die Mission Vorrang.“

*

Eigentlich dachte Jack er würde sich über das Abenteuer freuen, aber das tat er nicht. Während der gesamten Zeit fühlte er sich wie das fünfte Rad am Wagen. Aus den Gesprächen zwischen den Erwachsenen hörte er heraus, dass sie vor rund zwanzig Jahren ein eingespieltes Team waren, sich blind verstanden und unzählige Missionen zu dritt absolviert hatten. Da bekam er auch deutlich zu spüren. Er war kein Ass im Rätsel- und Codeknacken, um ehrlich zu sein konnte ein verdammter Waran das besser. Er war kein kaltblütiger Killer wie Kaz oder Wolf, er war einfach nur ein Junge der mal den Traum gehabt hatte zum Militär zu gehen.
   Er schaltete nach ein paar Tagen ab und konzentrierte sich auf die schöne Landschaft. Krampfhaft dachte er daran, bloß nicht an seine Freundin Amber zu denken, die ihn bestimmt schon schmerzlich vermisste. Seine Beobachtungen der drei brachte ihn auch nicht so richtig weiter und bei den Besprechungen bekam er nicht mal die Hälfte mit, bzw. wurde nicht schlau aus dem was die anderen ihm mitteilen zu versuchten, so viele Codes und Abkürzungen und komische Bezeichnungen für die man bestimmt ein ganz spezielles Wörterbuch brauchte.
   Sein Interesse flammte erst wieder auf, als sie eine heiße Spur in Norwegen witterten, eine Spur die laut ihren Informationen zu einem verfallenen Bergwerk führt.

*

Jack blieb hinter Kaz. Sie lugten um eine Ecke und sahen eine Wache. Kaz wirkte ganz aufgeregt.
„Komm, ich schalte ihn aus du folgst mir in dreißig Sekunden.“
Kaz zischte los und er vernahm ein kurzes Gerangel. Dann folgte er ihm. Sein Mentor kniete neben der bewusstlosen Wache. Er wartete auf Jack und zeigte auf die Wache.
„Jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn du ein echter Solomon sein willst musst du dich beweisen. Deinem Namen gerecht werden. Unsere Namen bestimmen unsere Leben. Das hier mache ich am liebsten wenn sie bei Bewusstsein und voller Leben und Angst sind. Aber das macht den Unterricht schwerer. Das Dessert für mich ist immer die Zunge. Die ist nicht so leicht zu entfernen wie die Augen, aber ich mag es wenn die Schreie verenden und zu einem Gurgeln werden. Und angebraten und mit einem feinen Wein mag ich den Geschmack und die Konsistenz sehr. Komm her, heute Abend gibt es Zunge.“
Was schwafelte dieser Typ da für abstoßend ekelhafte Sachen? Kaz winkte ihn zu sich. Mit makabrer Faszination sah er Kaz zu wie er den Mund der Wache öffnete und das schwere Messer reinschob. Die Faszination wandelte sich zu Ekel und zu einem Brechreiz, als das Messer tiefer fuhr und Blut aus dem Schnitt sprudelte. Hektisch schob er sein Visier hoch und kotzte in die Ecke. Seinen gesamten Mageninhalt. Aber es fühlte sich so an als könnte er immer wieder kotzen.
„Sie mal, ist das nicht ein Prachtexemplar?“
Jacks Augen wurden groß als er die abgetrennte blutige Zunge auf Kaz Handteller sah. Er stolperte zurück auf sein Gesäß und Panik erfüllte ihn als Kaz sein Visier hochschob und auf der Zunge herumkaute als wäre es ein Kaubonbon. Blut lief seine Mundwinkel herunter und er schmatzte genüsslich.
„Willst du auch was? Sehr lecker und frisch.“
Jack rappelte sich mühsam auf und rannte von Kaz weg. Dieses ekelhafte Monster war sein Onkel und sein großes Vorbild? Er wollte nur weg, Land gewinnen. Entfernung zwischen ihn und dieses Ding bringen! Er achtete nicht wo er hinrannte und als er in jemanden hineinrannte, war es ihm egal ob es ein Clown war, er wollte nur weg von hier.
„Jack großer, was ist passiert?“
„Dieses Monster, Onkel Kaz hat eine Zunge herausgeschnitten und gegessen!“
„Oh verdammt, ok lass uns zurück zum Camp gehen und uns aufwärmen.“
Wolf umarmte ihn fest und führte ihn aus der Mine heraus und sie wanderten drei Kilometer zu ihrem Lager im Schnee. Sie gingen in das große Tipi Zelt und Wolf entfachte ein Feuer in der Mitte Anna wartete schon auf sie und sie wirkte besorgt.
Jack schälte sich aus dem Anzug und schlang Annas Pelzdecke um seine und Mamas Schultern. Das Gefühl des Pelzes erinnerte ihn an Amber und Lucy und er vermisste beide ganz schrecklich. Wolf setzte sich neben ihn und bot ihm eine Cola an.
„Ich würde dir ja etwas zu essen geben, aber ich glaube deinem Magen geht es nicht so gut. Du bist über Kaz Geheimnis gestolpert. Über den Teil eures Familienfluches. Dein Großvater Herbert hat viel über seine Familie Recherchiert und ich hab ihm dabei geholfen. Weißt du deine Familie hat ein Problem mit bestimmten Sachen. Kannibalismus ist nur eine davon. Weißt du warum dein Ururgroßvater Werner nach dem Ende des zweiten Weltkrieges Vegetarier war und sich erhängt hat als sein Sohn etwa zwanzig war? Er war ein Geist wie wir alle und sein Deckname war Tooth also der Zahn. Er war während des Krieges an der Ostfront stationiert. Die Russen nannten ihn den Wolf und er hat seine Gegner gefressen. Die Russen haben ihn gefangen genommen und in einem Labor in Sibirien untersucht. Tooth konnte entkommen und hat sich eine blutige Schneise zurück nach Deutschland geschlagen. Er hat als Vegetarier gelebt konnte dem Hunger aber nie entkommen. Er hat geheiratet und einen Sohn bekommen – Ben. Als er den Hunger nicht mehr ertragen konnte hat er angefangen zu morden und seine Opfer aufzufressen. Die Schuld hat ihn in den Selbstmord getrieben. Dann kam sein Sohn Ben, er wurde früh rekrutiert und ging zum Geheimdienst. In der DDR und der Sowjetunion hat er sein Unheil getrieben und wurde aufgrund seiner extrem brutalen Verhörmissionen entlassen, hat aber unter dem Decknahmen Nomad die Welt bereist und Attentate gegen unsere Gegner vollbracht. Er ist mit vierzig im Himalaya beim Klettern verunglückt, sein Expeditionspartner und bester Freund Abubakr, dem jetzigen Präsidenten des BIT hat ihn wochenlang gesucht und nicht gefunden. Wir wissen nicht ob er ein Kannibale war, aber Herbert hat seinen Vater verloren als er zwanzig war. Nicht in jeder Generation gibt es Kannibalen, aber es ist extrem häufig. Das Merkwürdige an den Solomons ist deren unbrechbare Wille und deren krankhafter Ehrgeiz. Ihr wollt alle die besten werden und einige gehen dafür über Leichen. Ausnahmelos alle Solomons waren Workaholics und es gibt eigentlich nur zwei Todesursachen. Selbstmord und Krebs. Herbert hatte Krebs als er nach Deutschland zurückgekommen ist und hat es keinem erzählt. Aber er wusste dass er Deutschland lebend nicht mehr verlassen würde. Und Emma hatte Brustkrebs zum Zeitpunkt ihres Todes. Weißt du deine Familie bringt Kinder hervor, die ihre Eltern nie sehen und sich schwören es bei ihren Kindern ganz anders zu machen. Und dann verfallt ihr dem Rausch und lasst eure Kinder im Stich. Johnny hat Akira im Stich gelassen, Emma dich und Ryan und Kaz seinen Sohn Markus. Diesen blutigen Rausch konnten wir bei Kaz das erste Mal mit moderner Technik studieren. Für dich sieht es so aus, als wäre er vielleicht zwei Personen. Auf der einen Seite ein liebevoller liebender Mensch der für seine Familie da ist, und auf der anderen Seite ein Monster das Menschen Körperteile abschneidet und sie mit einer Selbstverständlichkeit aufisst, wie wenn er ein Stück Kuchen verspeist. In seiner Gestalt als Dagger ist er ein sadistischer Massenmörder. Er mordet, foltert und zerstückelt. Er ist das widerwärtigste Stück menschlichen Abschaums das dir begegnen kann. Er foltert Kinder vor ihren Eltern um an Informationen zu kommen. Einmal hatte er mir gesagt dass das gebratene Herz eines Kindes köstlich sei. Und er bereut seine Taten nicht. Weil er nicht realisiert, dass er Menschen getötet hat. Er ist als Dagger vollkommen empathielos, das Brechen eines Genicks ist für ihn wie das abbrechen eines Zweiges von einem Busch. Für ihn sind seine Opfer keine Menschen, nichts. Für ihn sind sie Beutetiere, wie ein Löwe ein Zebra sieht. Futter. Und das sadistische? Stell dir vor die Smartphones und Laptops, die Akira in ihren Reviews zerlegt, hätten Gefühle. So etwa muss das für Kaz sein. Er ist sehr neugierig und hat schon immer gerne getüftelt und Sachen zerlegt. Weißt du, Kaz wurde rekrutiert als er zehn war und man hat ihm eine sehr schwere Aufgabe gegeben, er musste den Versager spielen. Eine Maßnahme, die notwendig war um ihm ein Umfeld zu generieren, das sich nicht über lange Fehlzeiten wundert. Aber für seine Familie hat er damit völlig an Wert verloren, gerade für seine beiden sehr strengen Eltern. Gerade seine Mutter, die den Haushalt führte war sehr streng zu ihm und seine Vorzeige Geschwister wurden belohnt und geliebt. Man hat ihn mir als Schüler an die Hand gegeben. Damals war ich selber nicht sehr alt, Anfang dreißig. Und bekomme diesen armen Jungen an die Hand. Ich habe schnell erkannt, dass er der geborene Killer war und ihn so ausgebildet. Und ich habe versucht ihm die Wärme zu geben die er von seinen leiblichen Eltern bekam. Über die Jahre hab ich das Gefühl bekommen er ist mehr mein Sohn, als meine leiblichen Kinder, zumindest bis Mara geboren wurde. Wir haben zusammen eine Menge krummer Dinger gedreht und wir hatten zu zweit eine Menge gemeinsame verdeckte Missionen rund um die Welt gemacht. Er hat seinen Ersten Menschen mit elf Jahren getötet. Ich hab über die Jahre aufgegeben zu zählen wie viele Menschen durch seine Hand das Ende gefunden haben. Und all die Zeit hat er es geschafft seine Tarnidentität zu wahren. Dann kam der Tag in Afghanistan. Er und Anna neben dir. Eine simple Mission, das Anwesen eines Warlords infiltrieren und ihn ausschalten. Und dann schaltete er den Funk ab und lief Amok. Anna hat Alarm geschlagen und wir sind zu Hilfe gekommen. Kaz dieses kranke Schwein hat in dieser Nacht das komplette Dorf abgeschlachtet. Zweihundertsiebzehn verdammte Seelen haben ihr Ende gefunden, in einer Nacht! Er hat sämtliche Beweise vernichtet und nie gesagt, was passiert war. Nach dieser Katastrophe wurde er in den vorläufigen Ruhestand geschickt. Anna auch, obwohl sie unbeteiligt war. Sie war ein Kollateralschaden so gesehen. Zu dem Zeitpunkt war Anna bereits schwanger und ein paar Monate später gebar sie einen gesunden Jungen. Kaz hatte Angst seine Identität zu verlieren und er hatte Angst vor dem Fluch. Annas und sein Weg trennten sich fürs Erste und er führte sein kleines bescheidenes Leben fort. Und dann stolperte er über eine junge Frau und er verliebte sich in sie, Liz. Das Auge gewährte ihm die Existenz des Versagers aufzugeben und er war nach einer sehr langen Zeit sehr glücklich. Aber die Vergangenheit holte ihn ein. Erst der plötzliche Tod seines Sohnes und dann das völlige Zerwürfnis mit seinen Eltern, bei der alles rauskam. Dann hat er sich ein neues einfaches Leben aufgebaut und hat Erfolg als Autor gehabt. Und dann hat ihn die Vergangenheit eingeholt. Er hat dieses blutüberströmte Mädchen gesehen und alles an was er denken konnte war der Gedanke an seinen toten Sohn Markus und er hat alles daran gesetzt sie zu adoptieren. Und jetzt ist Kaz, alias das Monster Dagger wieder aktiv.“
Jack drängte sich eng an seine Mutter, die ihn fest drückte. Ein Scheit knackte und er dachte über Kaz tragisches Leben nach und daran, dass er vielleicht auch so werden könnte. Tränen liefen ihm über das Gesicht.

Wo wenig ist, kommt Dankbarkeit

Schon komisch, ein Freitag, wieder eine Woche ist vorbeigegangen. Für die Neuzugezogenen: meine letzte Ausbildung lief katastrophal und ich hab sie auch abgebrochen, also suche ich mir gerade eine neue Ausbildung. Aber dieses Mal will ich es richtig machen. Also mit Praktika vorher prüfen, ob der Job überhaupt etwas für mich ist.

In der Zwischenzeit hänge ich zwischen den Stühlen, warte auf die langsam mahlenenden Müllen von Ämtern und hab oft nicht viel zu tun. Dementsprechend sind nach Abbruch der Ausbildung bestimmte Sachen eben knapper geworden und ich bin umso dankbarer für meine liebevollen Eltern, die mich in dieser etwas ungewissen Zeit so toll unterstützen.

Das Leben ist sehr lebenswert, nur eben momentan minimalistisch und bescheidener. Beispielsweise ist die Anzahl der Kinobesuche und LEGO-Käufe ziemlich eingebrochen, was auch daran liegt, dass nicht viel im Kino läuft und LEGO nicht mehr das ist, was es mal war. Aber bei drei Streamingdiensten kommt genug Guckbares zusammen, dass man abends was gucken kann. Die Lebensmitteleinkäufe sind nicht mehr so reichhaltig, aber ich muss eh abspecken. Bio Schokolade und teures Eis werden sowieso überbewertet. Es ist nicht die Zeit sich andauernd was zu gönnen. Ich hab doch schon so viel, allein 26 ungelesene Mangas im Regal über mir (das Zeug, das mein Bruder sonst nur weggeschmissen hätte). Von Büchern fangen wir erst gar nicht an. Und ich sag besser nichts zu den gut 100 ungespielten Spielen auf Steam allein.

Wichtig ist Dankbarkeit und Demut zu zeigen. Ich habe eine Unterkunft, ich muss nicht frieren, habe ein bequemes Bett, Strom, fließendes Wasser und das Luxusgut Internet. Und ich habe genug um nicht hungern zu müssen. Ich besuche ab und zu meinen Freund und Nachbarn, der von seinen Reisen um die Welt erzählt und von den Menschen, den er dabei begegnet. Viele hatten kein Strom und kein fließendes Wasser, waren aber trotzdem irgendwie glücklich.
Und ich bin dankbar, dass ich gesund bin und es mir an nichts fehlt. Ich habe Eltern die mich lieben und Freunde, die mich schätzen.

Meine Reise ins Leben ist voll im Gange, auch wenn die letzten vier Jahre meines Lebens eher so mittelgeil waren und durch viele Krisen geprägt wurden. Die Zeit hat jedoch gezeigt, dass ich ein Stehauf-Männchen bin. Egal wie hart die Zeiten oder wie gewaltig die Katastrophe, ich rappel mich wieder auf und mache weiter. Nicht schnell, aber besonnen. Und die Zeichen für 2022 sehen bisher ganz gut und hoffnungsvoll aus.

Ich habe eine Menge Zeit, aber auch die Verantwortung, sie gut zu nutzen und nicht zu verschwenden. Wo keine Aufgaben von außen kommen, muss der Impuls von Innen kommen. Daher schreibe ich momentan auch so viel und engagiert. In Anbetracht meiner vielen Hobbies hätte ich wohl nicht mehr so viel Zeit für’s Bloggen, wenn ich eine 40h Stelle hätte, also genieße ich den Moment und erfreue mich über Besucherzahlen und Kommentare. Nebenbei gucke ich mir Berufe an, die vielleich etwas für mich sein könnten.

Ich suche ja nicht nach viel. Ich möchte lediglich einen Beruf erlernen, der mir liegt und in den ich reinwachsen kann. Kinder habe ich nicht und will sie momentan auch gar nicht und beim Blick auf den aktuellen Datingmarkt bleibe ich lieber Single. Ich wäre momentan auch gar keine gute Partie, denke ich.
Erst muss ich mich selbst in Form bringen und ein richtig gutes Fundament aufbauen, einen Job finden, den ich mit Leidenschaft ausführen kann, also einer Sache, die mich morgens förmlich aus dem Bett katapultiert und mit Begeisterungsströmen durchflutet. Dazu Freunde, die mich aufbauen und erfüllende Hobbies, womöglich sogar eine Katze (pechschwarz und Lucy oder Lucifer).

Ich finde, wenn man wenig hat, wird man sich erst richtig bewusst, wie viel man dann eigentlich doch hat und lernt es zu schätzen. Gerade mit mir als Messy. Es lebt sich gut und die Möglichkeiten, die sich einem plötzlich bieten, werden so offensichtlich. Ich kann zum Beispiel um eine Uhrzeit schwimmen, in der das Schwimmbad ziemlich leer ist. Ich kann stundenlang durch die Gegend radeln. Ich kann mir beim kochen Zeit nehmen. Lange aufgeschobene Dinge endlich tun. in Ruhe Hörbücher hören und stundenlang Geschichten schreiben.

Manchmal hat man natürlich ein Stimmungstief, dann ist alles doof und man will am liebsten den Tag verschlafen. Aber wenn man dann etwas macht, was man gerne tut, dann wendet sich das Blatt. Und manchmal ist auch ein bisschen Langeweile gut so. Es muss ja nicht jeden Tag Aktion sein, mal kann es auch einfach ein wenig ruhiger zugehen.

Ich mag mein bescheidenes Leben momentan sehr. Denn es wird mir tiefe Dankbarkeit bringen, wenn es spätestens im September zum Ausbildungsbeginn aufwärts geht. Und wenn man wenig hat, lernt man auch dass man gut mit wenig auskommen kann.

Habt ein schönes Wochenende.

Joschis Abenteuer – 1-2 – Der Überfall

Ein angenehmer Geruch waberte um seine Nase herum. Bacon! Er öffnete die Augen und setzte sich leicht verwirrt auf. Er saß wie gehabt auf dem Sofa, Lucy musste eine Decke über ihn geworfen haben, jedenfalls erinnerte er sich nicht daran, sich zugedeckt zu haben.
„Hey Schlafmütze, es ist eins!“
Sagte Lucy mit verstellter Stimme, während sie mit der Alligator-Handpuppe Bob den Mund bewegte. Acht Stunden? Allerhand, früher vor Lucy hatte er am Wochenende spielend zwölf Stunden geschlafen, aber seit seine Tochter auf der Welt war, war ihm das nur noch selten vergönnt geblieben. Acht Stunden waren gut und er fühlte sich einigermaßen erholt.
„Hast du Zähne geputzt?“
Quäkte das Krokodil. Verdammt, er wusste, dass er etwas vergessen hatte. Resigniert schüttelte er den Kopf.
„Buh, ganz schlechtes Vorbild!“
Lucy gab ihm mit dem Krokodil spielerisch eine Kopfnuss.
„Es gibt Frühstück! Und danach musst du Zähne putzen.“
Joschi nickte und schlug die Wolldecke zurück. Er warf einen Blick auf die andere Seite vom angenehm geräumigen Wohnzimmer, wo der ausladende und riesige, reichlich mit aus LEGO Elementen gebautem Dekor geschmückte Tannenbaum auf einer stoffverhangenen Kiste thronte und darauf wartete, dass man endlich die Geschenke darunter platzierte. Er war schon gespannt, was seine Tochter ihm dieses Jahr schenken würde. Und er war auch schon sehr gespannt, was sie zu den Sachen sagen würde, die er für sie ersonnen hatte.
Er tappte leicht schläfrig in die Küche und staunte. Frisch gepresster Orangensaft, ein Korb mit noch warmen Brötchen, Wurstteller und ihm fremd wirkende Marmeladen (war seine Tochter etwa einkaufen gewesen?!), ein großer Teller mit süßen Backwaren, Bacon und Lucy schlug gerade Eier für Rührei in eine Schüssel. Lucifer lag träge auf der Eckbank und fiel neben den ganzen Stofftieren gar nicht groß auf.
„Hab ich mich im Haushalt vertan?“
Lucy strahlte ihn an und grinste.
„Darf ich nicht auch mal was für meinen Papa machen? Aber Kaffee musst du dir holen.“
„Ist gut Mausbär.“
Sie warf ihm einen kurzen bösen Blick zu und wandte sich wieder zum Herd. Er nahm sich einen Becher aus dem Schrank und tippte auf dem Touchscreen des Kaffeeautomaten herum und goss Milch in den vorgesehenen Container, kurz darauf sprudelte heißer Milchkaffee in den Becher.
   Er setzte sich auf seinen Platz und nahm einen Schluck, dann besah er sich das Angebot an Gebäckstücken und griff sich eine Nussschnecke. Sie war so köstlich wie sie aussah. Ein paar Minuten später, tat seine Tochter ihm und ihr selbst Rührei auf, dann setzte sie sich neben Lucifer auf die Eckbank. Sie wirkte auf einmal verblüffender Weise ängstlich, er runzelte die Stirn und biss von der Nussschnecke ab.
„Wo drückt der Schuh Lucy?“
Fragte er mit unhöflich vollem Mund.
„Ich brauche irgendwie deine Zustimmung bei so einer Sache.“
„Ja?“
Er spülte mit Kaffee durch. Jetzt kommts.
„Nein, anders, ich muss dir was beichten!“
„Haha, du bist lesbisch, ich wusste es.“
Sie sah ihn verblüfft und völlig irritiert an.
„Ähm … Nein?!“
„Bi?“
„NEIN!“
„Queer?“
„What?“
„Trans?“
„Papa du bist doof … NEIN!“
„Was dann?“
„Ich bin ein ganz normales gebräuchliches fünfzehnjähriges Mädchen.“
„Das meine ich nicht … ok, ist gut so wie du bist, aber was dann?“
„Was?“
„Was willst du mir beichten?“
„Achso, ähm …“
Sie schwieg und schob sich stattdessen eine Gabel Rührei in den Mund.
„Ja?“
„Ich will eine Mama haben!“
Er verschluckte sich halb an seinem Kaffee.
„Aber die hast du doch.“
„Nein, ich meine ja, ich meine … nein hab ich nicht! Ich hab doch nur dich und das ist doof.“
„Ein Waisenleben wäre doch was feines, dann wäre ich dich endlich los.“
Er grinste und machte sofort ein ernstes Gesicht als sie unglücklich schniefte.
„Nein ich will eine Mama, mit der ich über alles reden kann … Frauensachen und Schminken und so … und Kerle. Und jemand der mir abends vorliest und mir die Haare ganz toll flechtet. Mach was du doofer alter Mann!“
„ich kann doch nicht einfach so zaubern!“
„weiß ich doch, deshalb zaubere ich.“
Er legte die Nussschnecke weg.
„Was hast du gemacht, mir ein Profil auf einer Dating-App eingerichtet?“
„Quatsch, so einer wie du findet da sowieso keine.“
„Sehr ermutigend, wie du das sagst, das baut deinen alten Vater so richtig auf …“
Sie biss sich auf die Lippen.
„Ich dachte wenn ich dir ein traumhaftes Frühstück mache, bist du empfänglicher für meinen Vorschlag!“
Sie klang trotzig vorwurfsvoll – wie immer wenn es nicht sofort nach ihrem Willen geht.
„Spucks aus.“
Wenn sie in dem Modus war half ohnehin keine Diskussion. Seine kleine Brillenschlange ging durch Wände, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte. Hatte sie von ihrem Onkel, anscheinend war da ein drittes nerviges Töchterlein ihm heimlich untergeschoben worden.
   Lucy strahlte plötzlich, das verhieß nichts Gutes, tat es meistens nie.
„Du hast ein Date mit Frau Hofgärtner!“
Es war blöd in dem Moment Kaffee zu trinken … er verschluckte sich und fing an zu husten.
„Ich hab was?“
Er musste sich verhört haben.
„Hab ich doch gesagt, du hast ein Date mit Frau Hofgärtner!“
Sie grinste über das ganze Gesicht.
„Deine Lehrerin für Schauspielerei und Physik? Bist du bescheuert?“
Fuhr er sie an, aber sie sah ihn nur trotzig an.
„Sie kommt morgen zu Besuch, um sechs. Keine Bange, ich übernachte bei einer Freundin.“
Toll, jetzt vermittelte ihm seine eigene Tochter auch noch Dates weil sie sich in den Kopf gesetzt hatte, eine Mutter haben zu wollen.
„Und sei bitte nett zu ihr, ich will eine gute Note in Schauspielerei.“
Sie zwinkerte ihm zu.
„Das kannst du mir nicht antun, ich hatte noch nie ein Date, ich weiß doch gar nicht wie das funktioniert!“
„Da ich nicht aus einem Reagenzglas komme, musst du in dieser Hinsicht gelogen haben.“
„Das zählt nicht … das ist wenigstens siebzehn Jahre her!“
„So wie du aussiehst wundert mich das nicht.“
„Werd nicht frech!“
Sie streckte ihm die Zunge raus.
„Aber ich kenn sie doch gar nicht.“
„Gelogen, du wusstest sofort was mit ihren Namen anzufangen.“
„Weil du ab und zu von ihr redest, ja. Und von den vielen Elterngesprächen zu deinen beschissenen Noten in Physik.“
Er sah auf den toll gedeckten Tisch, seiner Tochter schien es sehr ernst zu sein.
„Muss ich ein Hemd tragen? Ich hasse Hemden!“
„Nein, T-Shirt reicht, dazu eine frische Jeans und schneid dir gefälligst die Fußnägel!“
„Das kriege ich noch hin. Tipps? Wie ist sie so?“
„Sag ich dir nicht.“
„Du machst es mir extra schwer eine Mutter für dich zu finden?“
„Sie mag Games und Cosplay.“
Er runzelte die Stirn.
„Wie alt ist sie nochmal?“
Diese Hobbies assoziierte er nicht mit Frauen in seinem Alter.
„45. Zwei Jahre jünger als du.“
kam es wie aus der Pistole geschossen.
„Und sie ist blond.“
Er machte eine Grimasse, er stand nicht auf Blond, so gar nicht.
„Pff, womit habe ich dich verdient?“
„Dazu sage ich jetzt mal nichts.“
Lucy grinste schelmisch und zwinkerte ihm zu. Er seufzte tief und widmete sich seinem Frühstück.

Freitagsfüller #1

Bei Corly hab ich es gesehen dass sie bei der Aktion Freitagsfüller teilnimmt, da mach ich doch mal mit, dachte ich mir so.

1.  Gestern bemerkte ich,  dass ich ganz schön viele Bilder auf Google Fotos habe und dringend den Speicher upgraden muss, Bilder löschen ist keine Option.

2. Wie verflucht naiv ich noch v0r 10 Jahren war, darüber lache ich oft.

3. Diskussionen gewisser Leute über die hochgehypten Gefahren der Impfstoffe gehen mir mittlerweile ziemlich auf den Sack.

4. überschüssige Pfunde und eklig nass-kaltes Wetter auf Wiedersehen!

5. Irgendwann vielleicht kann ich meinen betagten, dieses Jahr neun Jahre alt werdenden Rechner in Rente schicken und mir ein neues Gaming-Biest anschaffen (sowas in der Art).

6.  Auf Chips habe ich zurzeit öfter Heißhunger.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Civilisation spielen und The Expanse 7 hören , morgen habe ich geplant, rauszugehen und mal wieder beim Spielzeugladen um die Ecke nach günstigen LEGO Neuheiten zu stöbern  und Sonntag möchte ich chillen, Filme gucken und Chips mampfen!