Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 5

5. Jack – 4.W.Aug 2045– Montagmittag.

Einmal nichts tun war auch nicht schlecht. Die letzten Tag hatten sie wie ihre geschuftet, den Krempel von der einen in die andere Wohnung zur schleppen, zumindest das was ging. Er wusste gar nicht dass sie so viel Zeugs hatten. Und dann die Auflösung ihrer alten Zimmer. Er hatte lange auf den großen Blutfleck im Wohnzimmer gestarrt. Seine leibliche Mutter war tot.
   Aber Anna hatte ihm in den paar Tagen so viel mütterliche Wärme gegeben, dass er sie automatisch nur noch Mama nannte, was sie sehr zu freuen schien. Sein neues eigenes Zimmer mit dem riesigen Bett und einem Schreibtisch mit einer Dockingstation für sein Spectre Gaming 12.
Und erst oben die Zimmer mit dem Streamingequipment. Was allein die Rechner kosteten. Für Akira total genial, die gleich begonnen hatte alles zu testen und einzustellen und zu Streamen, natürlich mit ihrer regenbogenfarbenen Langhaarperücke auf dem Kopf. Die Streamingräume und das Studio waren schallgedämmt und man hörte tatsächlich nichts. Und es gab Lampen außen, die einem sofort sagten ob gerade aufgenommen wurde oder nicht – sehr praktisch.
   Ob er das auch mal probieren sollte? Naja wirklich gut war er leider nicht. Akira sah ja leider nicht nur richtig gut aus, sondern spielte auch auf erstklassigem Niveau.
   Aber der Knüller war der kleine Kinosaal mit vierundzwanzig Plätzen mit einer riesigen Videothek. Und der Automat für Softdrinks und der andere für Popcorn. Unfassbar, schade, dass Kaz nicht da war.
   Amber hatte natürlich nur Augen für die junge Leopardin Lucy und ignorierte ihn fast. Lucy und Amber kuschelten trotz der Hitze, die man drinnen nicht spürte, auf Pelz und er schlief allein in seinem zu großen Bett.
   Dafür kam es gut an, dass er jetzt einen coolen aufgemotzten Defender fuhr. So war das Platz Problem mit dem Avenger X5 geklärt. Aber er hatte noch einem erzählt was für coole Extras die Kiste hatte. Die war nämlich auch autonom unterwegs. Und das war ein fetter vierhundert PS Dieselmotor unter der Haube. Er hatte sich die Anleitung dazu durchgesehen und die Erklärungsvideos geguckt und alles angesehen. Das war zwar kein Panzer wie der Avenger. Aber der Defender würde ihn aus der einen oder anderen brenzligen Lage retten. Er rieb sich schon die Hände bei dem Gedanken, den mal so richtig zu Testen.
„Magst du dein Eis nicht?“
Amber riss ihn aus seinen Gedanken. Sie hatte Lucy auf dem Schoß und warf einen begierigen Blick aus seinen Tropenbecher. Sie saßen auf der Dachterrasse des Haus der Welt. Am Tisch neben ihnen saßen Sahid und Akira, die mal wieder schmusten und dahinter eine etwas einsame Anna, die in einem Buch las. Warum hatte sie eigentlich eine Brille auf, wenn sie keine brauchte? Yusuf flirtete mit der Kellnerin die ihm gerade einen Eiskaffee gebracht hatte und sah sehr selbstzufrieden aus. Durfte er auch sein, denn er hieß jetzt Yusuf Solomon und war offiziell Teil der Familie.
Der Link war so seltsam. Er konnte mit dem Defender und mit seinem Assistent sprechen ohne den Mund zu öffnen. Das war sehr praktisch.
„Nein das ist meins. Bestell dir und diesem verfressenen Vieh noch einen, wenn du so scharf drauf bist!“
Seine Stimmung war durch Ambers Verhalten mit dieser ‚Katze‘ nicht sehr rosig. Amber war eingeschnappt und sprang auf um mit Lucy spazieren zu gehen.
   Man hatte ihnen mitgeteilten, dass sie die Sondererlaubnis für die Aufzucht dieser Leopardin hatten und sie angeschirrt draußen herum laufen durfte, aber als Großkatze nur noch mit Maulkorb. Unter dem Tisch stieß im Karl gegen das Bein und zischte.
„Ja sorry, aber sie geht zu weit mit ihrem Gehabe. Stimmt doch? Sie hat kaum mehr Zeit für mich.“
Der Waran sah ihn an und machte eine Bewegung als würde er mit den Schultern zucken. Mittlerweile gewöhnte er sich daran, dass dieser Waran abnormal schlau war und ihn verstand.
Er schob sich einen Löffel mit Mango Eis in den Mund und schmatzte zufrieden. Da vernahm er aus der Ferne plötzlich gigantisch donnernde Turboprop Triebwerke und ein viel mächtigeres noch tieferes Grollen. Er blickte auf und sah das wahrscheinlich größte Flugzeug der Welt. Ein gigantisches Monster neben dem die vier Lambda Belugas ziemlich klein aussahen. In einem Kilometer Höhe donnerte es über sie hinweg. Und dahinter kam eins allein ohne Geleitschutz mit einem winzig wirkenden Swordfish unter dem Bauch. Hoffentlich durfte er irgendwann mal in dieses gewaltige Monster reingucken.
   Er runzelte die Stirn. Die Luftfahrtmesse war doch schon gewesen, was machte diese Kiste also in Berlin? Der Swordfish landete gerade auf dem Flugdeck und er sah Kaz aussteigen. Es war so krass dass er so gut sehen konnte nach dem Cocktail vor ein paar Tagen. Er winkte Kaz zu und der winkte zurück und trabte die Strecke vom gelandeten Flieger zu ihnen hin. Auf dem Weg begrüßte er Amber und Lucy.
„Na, habt ihr mich schon alle vermisst?“
„Onkel Kaz, du hast diesen irren Flieger verpasst.“
Kaz grinste nur und küsste seine Verlobte, dann wandte er sich wieder zu ihnen.
„Nennt mich größenwahnsinnig, aber das ist UNSERE Wahnsinnsmaschine. Ich war völlig geplättet als Lambda mit den geschenkt hat. Johnnys letzter großer Spaß. Dagegen sehen die amerikanischen Flugzeugträger winzig klein aus. Die Wal Haie kommen mit einer sehr kleinen Mannschaft aus weil Wartung und Instandhaltung von unzählbaren Mengen von Naniten organisiert wird. Dann gibt es für jeden nervigen Job einen dedizierten Roboter, der den Job macht. Dazu wird das ganze Schiff von einer KI gesteuert. Das ist der helle Wahnsinn. Es fühlt sich an wie ein Traum, wie wenn du Star Citizen spielst und eins der großen Schiffe steuerst. Das ist der helle Wahnsinn und innen drin verirrt man sich andauernd und es sieht aus wie in einem Raumschiff. Es ist unbeschreiblich. Wir müssen unbedingt mal eine Tour machen. Der dicke Fisch, so hab ich den Hai genannt, hat einen eigenen Hangar, eine Werft, schleppt ein U-Boot mit sich herum und hat eine riesige Garage ausgerüstet mit allem was Omega zu bieten hat, darunter auch einen Shockwave und Skorpion Radpanzer, das sind irre Dinger. Man würde eine Crew von zehntausend Leuten erwarten, aber die Minimalbesatzung liegt bei zehn Leuten. Aber wir haben Platz für etwa zweitausend Besatzungsmitglieder. Die Barracken für die Familie sind in etwa so groß wie die Doppelzimmer auf dem BIT Internat.
Bis wir die offizielle Freigabe bekommen, wird das Teil auf dem Militärflughafen vor Berlin intensiv geprüft. Aber ich glaube nicht, dass sie uns den wegnehmen werden. Das war Johnnys Plan, er hat fünf Wal Haie und zwanzig Belugas für einen Spottpreis an Deutschland verkauft, wenn wir unseren eigenen Wal Hai bekommen würden. Schade, dass er es nicht mehr selbst erlebt hat. Ich hab auf dem Weg zurück schon die News gecheckt und man ist völlig außer sich, dass Deutschland jetzt die stärkste Luftflotte Europas hat, nur die Amis haben natürlich mehr Wal Haie. Ich find’s gut, dass Deutschland jetzt in der Lage ist sich zu wehren.“
Das war ziemlich krank, wenn man darüber nachdachte. Der musste ein Vermögen gekostet haben. Und länger als ein Nimitz Klasse Flugzeugträger. Auf einmal kamen ihm seine eigenen Neuigkeiten mit dem Wagen gar nicht mehr so toll vor.
„Wir haben in der Zwischenzeit die Wohnung umgeräumt und uns ein bisschen eingelebt.“
„Wunderbar, das ist hervorragend. Ihr habt schon alle den Link und den Cocktail bekommen?
Am besten packen wir jetzt zusammen, befüllen die Wagen und düsen zur Fabrik. Tut mir Leid, dass ich sie dir wieder entreißen muss Sahid. Wirst du abgeholt?“
Sahid machte ein resigniertes Gesicht und nickte nur. Die Fabrik? Juhu und gleich Heute, das war ja fabelhaft, endlich passierte was. Ihm war diese korrupte Drecksstadt Leid, auch wenn die Bewohner von Berlin Solomon feierten wie Blöde. Schnell aß er sein Eis auf und ging mit Karl nach unten.
Akira drückte ihrem Freund einen intensiven Abschiedsschmatzer auf den Mund und folgte ihnen. In Windeseile hatten sie gepackt und saßen in den Wagen. Er und Amber im Defender und der Rest im Omega. Der Dicke würde die Führung übernehmen und sie hinterher.
   Die Tiere blieben zuhause, Lucy hatte Traurig gewirkt. Der Waran und die Katze. Wenn es eine Tigerin wäre, würde es besser passen. Wie in dem Buch gewissermaßen.
„Ich hab uns einen Snackkorb gemacht und hinten steht eine Kühlbox.“
Amber hatte es ihm offenbar verziehen, dass er sie vorhin so angeraunzt hatte. Er drehte sich zu ihr und drückte ihr einen Kuss auf den Mund.
„Du bist eine tolle junge Frau. Ich eine Decke für dich eingepackt, du weißt schon was.“
Sie strahlte und reichte ihm eine kalte Coladose. Sie düsten auf die Autobahn und folgten dem Omega in etwas Abstand. Der Defender fuhr autonom, während er ein tolles von Amber selbstgemachtes Sandwich mampfte. Sie würde eine tolle Hausfrau abgeben dachte er sich. Wer wohl zuhause bleibt, wenn wir Kinder haben?
„Hast du schon mal an Kinder gedacht?“
Fragte er sie.
„Ich weiß nicht, ich denke wenn ich mit der Schule fertig bin und vielleicht studiert habe. Aber ich will definitiv Kinder haben, mit dir natürlich. Und wenn du die Babys übernimmst, vielleicht auch schon früher. Schon mal darüber nachgedacht Hausmann zu spielen oder von zuhause zu arbeiten?“
„Immer locker meine Gute, erstmal möchte ich meine neue Familie erleben, bevor ich eine selbst gründe. Aber mindestens zwei Kinder, abgemacht?“
„Abgemacht, Ripper. Gefährlicher Name. Jack the Ripper.“
„Ganz anders als du Spot.“
Er zwinkerte ihr zu und sie tat so als würde sie schmollen.
„Hast du gehört, dass eine neue Regierung gewählt werden soll. Wilhelm Bluhms die neue Mitte, die praktisch über Nacht gegründet wurde, steht wohl hoch im Kurs.“
„Wäre definitiv interessant einen ehemaligen KSK Befehlshaber in der Regierung zu haben. Der hat wenigstens Erfahrung und ist keine hohle Flasche.“
„Die Partei soll hohe Sachkompetenz haben und gut durchmischt sein. Und patriotisch.“
„Genau die richtige Mischung für die Nation würde ich mal schätzen. Übrigens dein Sandwich ist erste Sahne. Du bist gut in sowas. Weißt du schon deine Tarnidentität?“
„Keinen Schimmer und du?“
„Ich glaube ich studiere Architektur mit nem Einschlag von Bauingenieurskram. Dann lerne ich die Schwachstellen von Gebäuden und Strukturen.“
„Aber du wolltest doch zum KSK!“
„Ja schon, aber als Geist kann ich auch als Architekt Soldat sein. Außerdem bin ich das Emma irgendwie schuldig. Ich schätze sie vermacht mir Solomon Industries, das muss ich auch irgendwie zu würdigen wissen. Auch wenn ich nicht weiß ob ich dazu was tauge. Ich habe meine Zeichensachen wieder ausgegraben und geübt und mir eine CAD Version für Gebäude besorgt. Daran werde ich arbeiten, wenn wir wieder zurück sind.“
„Das finde ich toll, auch wenn ich nicht glaube, dass das etwas für mich sein könnte.“
„Muss es ja nicht. Du hast ja noch fast drei Jahre Zeit um dir was zu überlegen. Ich mache nächstes Jahr Abitur. Falls die Schule wieder öffnet.“
„Das wird sie ganz bestimmt, auch wenn ich es sehr cool finde, dass wir erstmal freigestellt sind. Für Training und so, da vorne musst du übrigens links.“
„Ich weiß, auch wenn ich die Strecke zum ersten Mal selbst fahre. Mal gucken ob die Russen und Chinesen wirklich weg sind.“
Sie fuhren die Straße durch den dichten Wald und erreichten nach einer Weile die Fabrik. Alles war Menschenleer. Er stellte den Wagen neben dem Omega ab und stieg aus.
   Kaz rief sie alle zu sich.
„Wir sind jetzt alle sechs bereit für den Ernstfall. Sechs Geister, wie haben alle die Mischung in uns. Jetzt trainieren wir richtig. Die Bundeswehr hat mir eine Sondergenehmigung für dieses Gelände ausgestellt. Wir üben erstmal nur zu sechst. Bis wir uns blind auf den anderen verlassen können. Für größere Operation helfen und die anderen aus, aber das ist momentan nicht so wichtig.
Wir üben verschiedene Einsatzmuster. In erster Linie infiltration, direkten Kampf und Feuerschutz. In der Hinsicht sind wir ziemlich gut aufgestellt. Und ihr habt alle einen brandneuen Anzug, der auf eure Rolle zugeschnitten ist. Wir haben doch ein paar Stunden Sonne. Wir gehen ein Stück in den Wald rein und errichten unser Camp. Wir werden fürs erste Kochen. Wir Großen sind Rationen ja schon gewohnt und ihr habt im April eine Kostprobe bekommen. Ich weiß noch nicht wie lange wir trainieren werden, aber haltet euch auf Abruf. Wir müssen jederzeit alles zusammenpacken und weiterfahren können müssen. Morgen früh startet der Testparcours um zu testen ob der Cocktail schon Wirkung zeigt. Also dann los geht’s.“
Schnell packten sie das ab, was sie brauchen würden und gingen in den Wald. Zwei Zweimanzelte, ein Einerzelt und eine Hängematte. Er ließ die Decke in der Tasche auf dem Hänger. Fürs schmusen war später Zeit. Oder doch? Er ging zurück und holte die Decke. Für dich Amber.
   Über einem Lagerfeuer kochte Anna einen gut riechenden Eintopf, der gut schmeckte und noch für einen großen Nachschlag für jeden reichte. Später im Zelt frohlockte Amber und kuschelte sich eng an ihn.
„Sag nicht du kuschelst mit Lucy lieber als mit mir.“
Amber lachte.
„Das nicht, aber Lucy hat so ein schönes Fell und du nicht.“
„Bist du aber gemein, komm her.“
Er küsste sie sanft auf den Mund und schlang die Decke um sie beide. Schade, dass sie erst sechzehn war. Ob sie nicht doch die Regel brechen sollte. Amber schien dasselbe zu denken.
„Das machen wir zuhause, versprochen?“
„Versprochen.“
Dann schliefen sie eng zusammen gedrängt ein in einen geruhsamen Schlaf.

Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 4

4. Kaz – 3.W.Aug. 2045 – Sonntag – der dicke Fisch

Ah war das schön wieder von der Sonne aufgeweckt zu werden. Er drehte sich auf die Seite und schlummerte noch ein paar Minuten. Kasimir weckte ihn erneut als er auf das Bett kletterte und sich neben ihn legte. Er drehte sich auf die andere Seite und streichelte den Alligator an der Schnauze, der schloss die Lider und schien es zu genießen.
„Du hast mich bestimmt vermisst Großer, nicht wahr? Keine Sorge ich nehme dich mit nach Deutschland, im Zoo wirst du bestimmt ganz viele neue Freunde finden.“
Wach und gut gelaunt stand er auf. Es tat so gut wieder in diesem verschlafenen Nest am Rande der Welt zu sein, hier passierte selten was, außer er und Toni, der auf dem Anwesen nebenan wohnte, machten Radau. Sein Freund mit italienischen Wurzeln war genauso ein Waffennarr wie er und hatte die letzten Monate auf seinen geschuppten Freund aufgepasst.
   Er tappte ins Bad und stellte sich vor die Dusche, mit eine spotzenden Geräusch plätscherte ein Rinnsal lauwarmen Wassers aus dem rostigen Duschkopf. Besser als nichts. Neben der Dusche lag ein zerknülltes muffiges Handtuch und ein abgenutztes Stück Seife. Er duschte sich geduldig und trocknete ab. Zumindest funktionierte das alte Klo wie ne eins, auch wenn es nicht sehr sauber war und etwas miefte. Toni hatte auch die Hühner und die Milchkuh Rita gefüttert und er holte sich fünfzehn frische Eier für eine schöne Portion Rührei. Dazu ein paar Scheiben Brot, das er gestern frisch gebacken hatte und über dem alten Gasherd machte er sich eine Pfanne voll Bacon. Im Kühlschrank fand er etwas Butter und in der Vorratskammer stand ein Kasten mit Orangensaftflaschen, gute alte Amber. Die hatte natürlich bemängelt dass immer zu wenig Orangensaft da war. Er deckte den etwas wackligen Tisch auf der Veranda und sah den Hügel hinab auf das Dorf in der Ferne. Vögel zwitscherten im Licht der aufgehenden Sonne. Es war zwar Sommer, aber morgens war es trotzdem ziemlich frisch und er hatte einen Pulli übergezogen. Kasimir kroch die Treppe runter und tappte in Richtung Teich. Der war wahrscheinlich wärmer als die kühle Morgenluft jetzt gerade.
   Er nahm einen Schluck des Milchkaffees mit frischer Kuhmilch und schüttete noch etwas selbstgemachten Honig hinein. Er hatte sich in den letzten Jahren so sehr auf das bäuerliche Leben mitten im Nirgendwo gewöhnt, dass die Stadt der totale Schock gewesen war. Vielleicht sollte er Amber von Anna großziehen lassen und wieder in seine Bruchbude einziehen, die er erst mit Xen, dann alleine und bis zuletzt mit Liz bewohnt hatte. Die hatte er nie ausgeräumt und bezahlte das bisschen Miete nebenher. In die USA war er mit ein paar Unterhosen und seinem Laptop ausgewandert, und natürlich dem Krempel den er in den Taschen hatte. Die Security hatte ihn wie blöde angeguckt als er sich bis auf die Unterhose ausgezogen hatte und seine hochmodifizierte Hose aufs Band gelegt hatte, zusammen mit dem Eimer an Werkzeug und Gadgets. Er lachte bei dem Gedanken und schob sich einen großen Bissen Rührei in den Mund. Kasim aß keine Hühner und hatte auch seine Milchkuh Rita nie angerührt, und Rührei von glücklichen Hühnern schmeckte immer noch am besten.
   Als Prepper war es immer ein Traum gewesen, sich unabhängig zu machen. Hinter sich waren die Gemüsebeete, Obstbäume und ein kleines Feld mit Weizen und Mais. Er hatte sein Brot immer selbst gemacht. Das Getreide stand hoch. In einem Schuppen hatte er sich ein kleines Dampfkraftwerk gebaut und befeuerte die Feuerkammer mit Holz, und mit dem Filter am Schornstein war die Sache auch nicht so schmutzig. Immer noch sauberer als der Schiffsdiesel, der im Keller rumstand. Seine Vorratskammer war voll mit Getreide und Reis und er hatte einen Riesentank Trinkwasser.
Er seufzte, am liebsten würde er seine Lieben einpacken und hier wohnen, den ganzen Konflikt vergessen und wieder sein kleines Leben führen. Fanpost war zwar immer ein Problem, aber in dieses Kaff verirrte sich selten jemand, der ein Autogramm von ihm wollte. Er liebte diesen Ort über alles und er mochte, dass es einfach so normal und so schrottig war. Vom Bunker unter seinem Hof einmal abgesehen, den hatte er alleine ausgehoben und gebaut. War ganz schön aufwendig und anstrengend gewesen, aber es hatte sich in seinen Augen gelohnt. Die Waffenkammer war aufwendig geschützt, auch wenn es hier eigentlich keine Diebe gab, aber sicher war sicher.  
   Das Vibrieren seines Handys riss ihn aus den Gedanken. Er zuckte zurück. Dass war Johnny!
„Ja? Das ist doch völlig unmöglich das du lebst.“
„Ist es auch Bruder, ich bin ein Abbild deines Bruders. Eine KI sozusagen. Ich habe einen letzten großen Spaß vorbereitet. Dazu solltest du dich zu den Lambda Werken in Utah begeben, ich schick dir die Koordinaten. Lass dir Zeit mit deinem Frühstück alter Freund, das Rührei sieht lecker aus.“
Die Verbindung endete und er starrte entgeistert auf sein Handy. Wehe jemand spielte einen miesen Streich. Er aß sein Frühstück auf, spülte ab und sortierte das trockene Geschirr wieder sorgfältig ein. Wer weiß wann er wieder hier sein würde. Da wollte er nicht schimmliges Geschirr vorfinden müssen. Er würde Toni Bescheid geben, dass das Obst, Gemüse und Getreide ernten und behalten solle. Er würde es ja eh nicht schaffen und sein Freund kümmerte sich ja schon um die Tiere und Kasimir. Das schwere Flappen des Orca näherte sich. Sein Alligator ließ sich anschirren und sträubte sich auch nicht gegen den Maulkorb. Der Orca Travel landete auf dem Hinterhof und er und sein Haustier betraten den Flieger durch die Heckklappe.
„Sir wir haben schon eine Route zu dem Lambda Werken festgelegt und mit den Behörden abgeklärt. Willkommen wieder an Bord. Wir hoffen ihr Ausflug war Ihnen genehm.“
Er winkte nur ab, machte Kasimirs Leine im Laderaum fest wo das große Reptil die Augen schloss und döste, und er ging in Liz Kabine. Der Orca Travel hob ab und er betrachtete wie sich sein altes Leben immer weiter von ihm entfernte, er seufzte tief und legte sich dösend ins Bett und schlang die nach Liz riechende Pelzdecke um sich. Es würde eine lange Reise fast quer durch die Staaten werden.
Nach einigen Stunden wurde er etwas unsanft geweckt.
„Sir sehen sie aus dem Fenster, das müssen sie sehen!“
Grummelnd stand er auf und stapfte zum Fenster. Ihm fiel die Kinnlade herunter. War das ein Flugzeug? Oder ein Flugschiff? Oder einfach nur ein gottverdammtes Raumschiff.
Es sah aus wie das Raumschiff aus einem Computerspiel. Ein langer bulliger Rumpf, Im vorderen Drittel waren an zwei Dicken Stummeln mächtige Triebwerke angebracht. Die Mitte war breit und Fett und zum Heck hin waren auf jeder Seite zwei Flügel mit irrsinnig riesigen Triebwerken befestigt. Die Oberseite war wie das Deck eines Flugzeugträgers und am Heck ragte eine Konstruktion wie eine Brücke auf beiden Seiten des Flugdecks auf. Und das Ding starrte vor Waffen. Es flog eine Weile neben ihnen her und nahm dann schnell an Geschwindigkeit auf. Irre, sie selbst flogen an die sechshundert Km/h schnell und der Riese hängte sie ab wie ein Porsche einen Traktor. Er zwickte sich in den Arm und es tat weh, also war das kein Traum.
„Sarah wie lange bis zur Ankunft?“
„Etwas über eine Stunde noch. Möchten Sie etwas zu essen?“
„Nur einen herzhaften Snack.“
„Kommt sofort Sir.“
Er hängte das Bordtelefon wieder auf die Gabel und warf die Decke wieder aufs Bett. Im Sessel machte er es sich bequem und lief über Spotify etwas Musik laufen. Besser gesagt eine Folge die drei Fragezeichen. Er legte Todesflug ein, dass erschien im passend nach der Begegnung von eben.
Sarah servierte ihm ein lecker aussehendes Sandwich und natürlich eine eisgekühlte Cola.
„Danke Sarah, du bist ein Schatz.“
Die relativ junge Frau lächelte verlegen und schloss die Tür hinter sich. Als Bob mit dem Spaceshuttle wieder auf der Erde landete sah er nach wieder draußen. Sie flogen über Utah und mit einem Fernglas sah er schon den Salzsee vor Salt Lake City. Bald waren sie da.
„Sir, Lambda hat uns kontaktiert und sie schicken zwei Bullsharks als Eskorte.“
„Wie erfreulich, na dann immer den Haien hinterher.“
Er staunte von hier oben auf das gigantische Gelände von Lambda, hier wurden deren VTOLs entworfen, gebaut und getestet. Fertigungshallen von der Größe derer in denen man die größten U-Boote der Welt in Russland und davor die größten Zeppeline der Welt in Europa gebaut hatte. Dicht an dicht säumten diese Megahallen hunderte Meter Breite und viele Kilometer lange Rollbahnen. Hallen, Gebäude und Gelände bis zum Horizont. Abertausende von Menschen waren da zugange. Man munkelte dass Lambda mit Sigma an deren neuen Flaggschiff arbeiten würde und dass andere dicke Fische wie Omega, Theta und Horizon mit von der Partie waren. Er dachte an dieses Monster von vorhin. Das war ja riesig gewesen. Viel größer als das bisher größte Flugzeug den Lambda Beluga mit über hundertsiebzig Metern Länge. Was war das nur?
   Und da waren schon die Bullenhaie. Der größte Abfangjäger der Welt. So groß wie eine Transall C-160 und flog Mach 3. Kaum vorstellbar, dass das möglich sein konnte. Man sprach in den Foren davon, dass die Besatzung vor dem Flug mit einem Chemikalien Cocktail vollgepumpt wurden um die die riesigen Beschleunigungskräfte zu bewältigen. Er dachte an seine Lieblings Sci-Fi Serie The Expanse. Da gab es „The Juice“, ein Cocktail der dasselbe machen sollte. Nur waren die Bullenhaie wesentlich realer und tödlich mit den besten Waffensystemen die man für Geld kaufen konnte. Die Amis waren am Überlegen eine 130mm Glattrohrkanone mit Autoloader auf die Orca Plattform zu heben um die mittlerweile stark veralteten A-10 Thunderbolt II aka „BRRRRRRT“ zu ersetzen. Er nahm noch einen Schluck Cola als sein Orca langsam in den Landeflug ging.
„Sir wir landen in fünf Minuten machen sie sich bereit, sie werden abgeholt.“
Der Orca wackelte ein bisschen als die dicken Reifen mit dem Boden Kontakt machten. Er stand auf öffnete die Tür der großen Kabine und suchte sich seinen Weg durch den Orca Travel nach draußen. Er wurde von derselben Frau begrüßt, die ihm auch den Orca Expedition verkauft hatte. War das ein Verkaufsgespräch? Aber er brauchte doch gar nichts. Er dachte an Johnnys Stimme. Seinen letzten großen Spaß. Erst diese Monsterwohnung und dann was genau? Ihm graute es davor es herauszufinden.
„Guten Tag Mr. Solomon, es freut mich sehr dass sie es einrichten konnten. Wir zeigen Ihnen um was es geht, aber erst nur Ihnen, Ihr Personal kann sich später in Ruhe alles ansehen.“
„Moment mal um was geht es eigentlich.“
Sie hob eine Braue.
„Das hat man Ihnen etwa nicht gesagt?“
„Sie dürfen das Flaggschiff, unseren neuen Whale Shark besichtigen. Die Flotte wird morgen aufbrechen, mit dem Ziel Deutschland.“
„Moment mal, welche Flotte denn bitte?“
„Lambda hat einen Vertrag mit der Bundesregierung unterzeichnet. Die Bundeswehr bekommt fünf voll ausgerüstete Whale Sharks und zwanzig Beluga Gunships als Geleitflotte. Ein Rüstungsauftrag im mehrstelligen Milliardenbereich.“
Kaz schluckte. Das war eine verdammt große Luftflotte. Fast so als würde sich da jemand für den Krieg wappnen.
„Dort kommen schon die Wagen, zu Fuß braucht man leider zu lange um auf unserem Gelände von A nach B zu kommen.“
Zwei Omega Hounds, große SUVs düsten mit ihren Elektromotoren heran. Kaz stieg im Fond ein und machte es sich auf dem bequemen Ledersitz bequem. Der Wagen beschleunigte stark und sie näherten sich einer der gigantischen Hallen etwa zwei Kilometer entfernt. Dort stieg er aus und die Frau mit den gewagten Absätzen führte sie zu der Halle, dessen gigantisches Rolltor sich öffnete. Er war völlig von den Socken wie gigantisch dieses Monster war. Sie fuhren einen Aufzug hoch und dann einen langen verglasten Korridor mit Sicht auf dieses Ungetüm. Menschen liefen auf dem Flugdeck herum und ein Swordfish wurde gerade verladen. Moment, der Swordfisch war etwas größer als ne V-22 Osprey. Der Fisch war 23 Meter lang. Er überschlug die Größen und verdammte Scheiße, das Ding war wesentlich größer als ein amerikanischer Flugzeugträger der Nimitz Klasse. Und wesentlich fetter mit sechs gigantischen Triebwerken, vier hinten und zwei Vorne. Das war dieses Monster, das sie vor ein paar Stunden überholt hatte.
„Dieses Schmuckstück hat noch keinen eigenen Namen, den müssen sie sich ausdenken.“
„Moment mal, soll das heißen, dass Sie mir dieses Monster … ähm … verkaufen wollen?“
„Verkaufen? Nein, die Rechnung hat ihr Bruder schon großzügig bezahlt, es ist ihr Schiff, das kann ihnen keiner mehr wegnehmen.“
Eine plötzliche Panikattacke erwischte ihn als er realisierte was das bedeutete. Sein verdammter Bruder hatte ihm ein Flugzeug von der Größe eines Flugzeugträgers vermacht. Er hyperventilierte und ihm drohte schwarz vor Augen zu werden, er stolperte zurück und ließ sich an der Wand des Korridors hinabrutschen. Mit dem Arsch auf dem Metallboden versuchte er seine Atmung und das Zittern unter Kontrolle zu bekommen. Die Frau sah ihn wenig mitleidig an und wartete ab, bis er sich wieder gefangen hatte.
„Ich bitte Sie, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Kann jemand Robbie rufen, ich habe gleich einen wichtigen Termin. Auf Wiedersehen Herr Solomon, viel Spaß mit ihrem Wal Hai.“
Und sie ließ ihn einfach hier auf den Boden sitzen und stolzierte in ihren hochhackigen Schuhen  flankiert von zwei Angestellten mit sattem Hüftschwung davon. Er rappelte sich hoch und trat an die Glasscheibe. Das war doch einfach nur das absurdeste, was er jemals gehört hatte.
„Hey Mann brauchst du was zu trinken?“
Ihm hatte sich eine junge Frau mit blasser Haut und leuchtend türkisen Haaren und Augen genähert. Sie trug eine Uniform und reichte ihm ein Flasche Cola. Dankbar ergriff er sie, öffnete den Verschluss und nahm ein paar Schlucke.
„Mein Name ist Roberta, aber nennen sie mich bitte Robbie. Ich gehöre zur Crew ihres Wal Hais. Soll ich sie mitnehmen? Die anderen sind schon sehr gespannt Sie endlich kennenlernen zu dürfen.“
Sie führte ihn den Korridor entlang zu einem Aufzug nach unten und dann in die Halle selbst zu einer Schleuse in der Seite des Riesen. Er bemerkte, dass das Ding auf einem gewaltigen ausfahrbaren Fahrwerk ruhte. Was bitte waren das denn für Reifen, dass die diese Kräfte aushielten. Das Innere des Riesen war nüchtern gestaltet. Ein verästeltes Netz aus Gängen und Fahrstühlen zog sich durch das ganze … ähm … Schiff. Er beschloss den Wal Hai als Luftschiff zu betrachten. Flugzeug machte keinen Sinn mehr, dafür war dieses Ding zu groß. Und er rätselte wie er das Ungetüm nennen sollte. Bloß nicht Moby Dick beschloss er.
„Hier vor uns liegt die Brücke. Die ist sicher im Herz des Schiffs.“
Er folgte Robbie aus dem Fahrstuhl und betrat einen Raum, den man in der Art sonst nur aus Filmen, Serien und Spielen kannte. Vor ihm ein elliptischer Raum mit einer holografischen Weltkugel in der Mitte über einem Tisch. An den Wänden waren die Stationen für die anderen Crewmitglieder auf der Brücke untergebracht, hinten führte eine Treppe hoch zu einer Art Galerie. Ob da der Kapitän saß?
„Der Rest wartet im Konferenzraum auf uns, folgen Sie mir.“
Sie gingen um den Fahrstuhl herum auf die andere Seite, dann durch einen Gang und in einen hell beleuchteten Raum, der gute fünf Meter hoch war. sieben Menschen erwarteten sie.
„Willkommen Herr Solomon.“
Erklang eine körperlose Stimme,
„ich bin Avia und die Schiffsintelligenz. Zur Not kann ich das Schiff alleine Steuern, aber nur mit der Erlaubnis von Ihnen oder vom Kapitän. Darf ich die Crew vorstellen? Robbie neben Ihnen ist unsere Pilotin. Dann wollen wir mal sehen von links nach rechts.“
Kapitän Nemo, mit weißem Vollbart und Kapitänsmontur. Marvin der Waffenoffizier, ein dünner Mann mit einem mächtigen Schnauzer. Paul, der Schiffsmechaniker, er war ein beleibter Bär von einem Mann. Daniel, ein schwarzer Koch mit Rasta Locken. Barbara die Kommunikationsoffizierin mit Großer Brille und kurzen silbernen Haaren. Heinrich, der Steuermann mit einer mächtigen ePfeife in den Mundwinkeln und Dora die Schiffsärztin, eine freundlich wirkende Frau mit roten Locken.
Er seufzte, noch mehr Mäuler, die er stopfen musste. Er ließ sich den restlichen Tag alles zeigen. Die Crewquartiere, Quartiere für ihn und gefühlt tausende andere Leute. Aufenthaltsräume, Das Schwimmbad, Fitnessräume, die Küchen und den Speisesaal. Das Arsenal, den Hangar, Die Werkstatt und die Laderäume. Dazu noch die ganzen Ställe und Gewächshäuser, hier war man für sehr lange Reisen gewappnet. Er war einfach nur überwältigt.
   Dann wurde der Wal Hai aus dem Hangar gezogen und startbereit gemacht. Zusammen mit den anderen fünf Fliegern für die Deutschen. Die zwanzig Belugas warteten schon in der Luft über ihnen.
Belugas die selbst einen Hangar für Jäger hatten. Er betrachtete das alles von der Aussichtsposition hinten am Heck in einem Raum, der in einer Steampunkwelt bestimmt die Brücke gewesen sein könnte. Sein Orca Travel wurde verladen und Benj, Suzi und Sarah bekamen die Tour auch.
Und dann waren sie alle vier hier oben und warteten auf das Startsignal. Sechs Wal Haie in einer Reihe. Sie waren ganz rechts und von der ganz links nach rechts zu ihnen hob ein Hai nach dem anderen ab, alle mit der Deutschland Flagge versehen. Und dann hielt er sich sicherheitshalber am Geländer fest, aber sein verdammter Flieger hob ab ohne zu wackeln.
   Später zum Abendessen im Essenssaal saßen sie alle an einem Tisch zusammen. Auch der Koch.
„Auf Mr. Solomon. Wir stoßen an auf ein neues Abenteuer.“
Kapitän Nemo hob sein Glas und die anderen folgten ihm.
„Wir Acht haben schon so einige Abenteuer hinter uns gebracht. Uns ist zu Ohren gekommen dass sie eine große Familie und viel Personal haben. Darauf sind wir bestens eingestellt. Ihr Personal wird eingewiesen sobald wir in Deutschland sind. Sagen Sie doch, wie wollen Sie dieses ehrenwerte Schiff nennen?“
„Wal Haie sind doch Fische oder?“
„Das sind sie, Sir.“
„Dann nenne ich ihn den dicken Fisch.“
„Dicker Fisch. Sehr wohl.“
„Auf den dicken Fisch.“
Alle stießen an.

Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 3

3.  Jack – 3.W.Aug. 2045 – Samstagvormittag.

„Where it began“
Jack wusste genau was damit gemeint war. Und ihm graute ein bisschen was ihn erwarten würde. Nur wie würde er da ohne Auto hinkommen.
„Mama, wo kann man hier Fahrräder ausleihen?“
Anna sah in überrascht an, er hatte sie gerade zum ersten Mal Mama genannt.
„Unten vor dem Haus ist ein Fahrradschuppen mit Trekkingrädern von Nox und im Keller sind Fahrräder vom Haus. Ihr wurdet übrigens schon umgemeldet.“
Jack holte seine Brieftasche aus der rechten Gesäßtasche und betrachtete den digitalen Ausweis. Stimmt, das war die Adresse dieses Wohnhauses, Platz der Nationen Nummer eins.
„Danke Mama, ich mach mich dann mal auf die Socken.“
„Warte einen Moment.“
Sie stand auf und umarmte ihn fest. Das tat gut. Dann schnappte er sich seinen Rucksack, stopfte eine Wasserflasche rein und schoss nach unten. Die Räder vom Haus hatten definitiv Peilsender. Er wusste nicht was ihn erwartete.
   Es dauerte eine Weile bis er die richtige Seite des Hauses gefunden hatte. Er bezahlte am Automaten und ein Fach öffnete sich, dem er einen nummerierten Schlüsselbund für zwei Fahrradschlösser entnahm. Im Verschlag öffnete er die Schlösser von Rad Nummer acht und schob es nach draußen. Es war ein ganz normales hochwertiges Treckingrad. Er stellte es an seine Körpergröße ein und radelte los. Auf der Straße stutzte er und hielt auf dem Gehweg. Eine Gruppe Polizisten gingen lachend die Straße entlang gefolgt von einem merkwürdigen Tross. Ein Schwarzer schwenkte eine große Deutschlandflagge und ihm folgte eine große Gruppe multikultureller Gestalten in authentischen Kriegeroutfits durch die Jahrhunderte. Nationalitäten und Kostüme waren querbeet durchgemischt. Dahinter Weiße mit „Black Lives Matter“ Schildern und Schwarze mit „White Lives Matter“ Schildern. Einer trug ein Schild mit „Traps are gay“ und er schmunzelte. Araber schoben einen Wagen mit einem Clown auf einem Scheiterhaufen. Dahinter kam eine große Gruppe der Animals in Tierkostümen und mit Tiermasken. Der komplette Zug schmetterte die Deutschlandhymne aus vollen Kehlen. Die Leute die den Zug begleiteten hatten gute Laune und schwenkten Deutschlandfahnen.
   Erst jetzt schnallte er das überall von den Balkonen ringsum Flaggen flatterten. Tausende von Flaggen in Solidarität gehisst. Seltsame Zeiten. Die Polizisten wirkten gelassen und happy.
Jack wartete bis der Zug vorüber zog und schwang sich wieder auf seinen Drahtesel. Nach der Nacht der Anschläge waren alle entweder in Schock oder sehr patriotisch drauf. Der Verkehr war praktisch nicht vorhanden. Er passierte ein paar aufgebrochene Straßensperren der Polizei. Am Ende von Berlin Solomon parkte ein Leopard 2A9 bequem auf einem zerquetschten Mannschaftswagen der Polizei und Soldaten standen herum und bewachten eine SEK Truppe, die man an ein paar Straßenlaternen gefesselt hatte. Das habt ihr davon wenn ihr Clowns beschützt.
   Ein paar Soldaten winkten ihm zu und er winkte zurück. Kannten die ihn etwa? Der Verkehr der für gewöhnlich total zum kotzen war, existierte heute praktisch nicht. Er kam gut und problemlos voran. Auch wenn es mit dem Fahrrad gefüllt Ewigkeiten dauerte bis er den Wald erreichte. Im Sommer war die Stelle kaum wiederzuerkennen. Er bog auf den Waldparkplatz ab und lehnte sein Rad an einen Baum. Er sah einen mächtig aufgemotzten Defender in beige. Das alte Modell mit Portalachsen, Schnorchel und vielen Anbauten. Das sah richtig geil aus. Er hörte einen Pfiff und drehte sich um und sah eine Joggerin, die nicht wirklich viel anhatte, auf ihn zukommen. Sie war vom Rennen klatschnass. Sie warf ihm etwas zu und er fing es auf. Es war ein Autoschlüssel. Sie blieb stehen und deutete auf das Fahrrad. Ah er verstand und er warf ihr den Fahrradschlüssel zu. Sie fing und fuhr mit dem Fahrrad davon. Hoffentlich brachte sie es zurück. Er starrte auf den Schlüssel und öffnete den fetten Defender. Das Glas der Scheibe war locker daumendick. Also ein Omega? Er setzte sich auf Fahrersitz und umgriff das Lederlenkrad. Der gesamte Innenraum war ähnlich gestaltet wie der Omega Avenger. Außen etwas schrottig, innen edel.
   Aber alles war analog. Drehknöpfe, Kippschalter, kein Bordcomputer. Er liebte die Karre jetzt schon. Im Handschuhfach fand er die Fahrzeugpapiere. Er sah sich um. Warum hatte seine Fußmatte eigentlich ne kleine belgische Flagge an einer Ecke? Die auf der Beifahrerseite hatte eine amerikanische Flagge. Neugierig ob er die Matte hoch und der Boden darunter sah aus wie eine gerollte Abdeckung oder so ähnlich. In ein Schloss steckte er den Autoschlüssel und die Bodenabdeckung fuhr zurück.
   Holla die Waldfee. Eine modifizierte FN P90 SMG und eine FN Five-Seven Pistole mit Schalldämpfern, Ersatzmagazinen und Visieren. Er staunte nicht schlecht und schob die Abdeckung wieder rüber.
   Auf der amerikanischen Seite war es eine Kriss Vector und eine Colt M1911, wieder mit Zeugs. Das würde ordentlich knallen, dachte er. Die Kiste hatte bestimmt noch mehr Verstecke. Er öffnete den Sonnenschutz runter und fand ein Kärtchen mit einer Adresse. War das Kassettenlaufwerk nicht viel zu groß für ne normale Kassette? Er startete den mächtigen Motor und schob sein Prism 12 in den Schlitz. Haha, er wusste es. Die Karre hatte auch ein HUD. Also doch ein Bordcomputer. Nachdem er die Adresse eingetippt hatte manövrierte er vom Parkplatz herunter und fuhr los. War eigentlich gar nicht mal so schrecklich weit. Er hatte ein eigenes Auto!

*

Er blieb an der Ecke stehen und beugte misstrauisch die Adresse. Ein alter Werkstoffhof. Das Rolltor war offen. Die Geister werden es schon wissen, hoffte er und fuhr auf den Hof. So dass er im Worstcase schnell wieder abhauen konnte. Zwei Männer traten aus einem der Schuppen und winkten ihm zu. Ein Weißer und ein Araber. Er stieg aus und trat vor. Die beiden Männer geboten ihm, ihnen nach drinnen zu folgen. Drinnen war es schwach beleuchtet und der weiße machte das Tor zu. Der Araber sprach mit ihm in aktzentfreiem Deutsch.
„Hallo Ripper. Hier bekommen dein Arsenal und dein Körper ein kleines Upgrade. Du bekommst den Cocktail und den Link und deinen Ripper Anzug. Also komm mal mit.“
Er folgte dem Araber eine rostige Treppe in den Keller und einen Gang entlang zu einem klinisch weißen Raum.
„Mach mal deinen Oberkörper frei und leg dich mit dem Bauch auf die Liege. Der Link ist völlig Schmerzfrei, auch wenn dir danach schwindelig sein wird.“
Der Araber klang total professionell und er folgte den Anweisungen. Er hörte den Mann einen Koffer öffnen und mit etwas hantieren. Dann fühlte er ein kühles Desinfektionsmittel auf seinem Nacken. Die vier Stiche entlang seiner Wirbelsäule waren schnell und taten kaum weh. Dann eine vermutlich große Spritze und es war vorbei. Er sollte noch ein paar Minuten liegenbleiben und dann langsam aufstehen. Ihm war tatsächlich etwas schwindelig und musste sich auf einen Stuhl setzen. Der Araber brachte ihm ein Glas mit einer milchigen Flüssigkeit die er mit leichtem Ekel herunterstürzte. Aber es half gegen die Übelkeit.
„Geht’s dir besser? Jetzt der Cocktail. Bist du auch so ein Marvel-Fan wie dein Onkel? Es ist ein bisschen wie das Superserum in Captain Amerika, aber nicht so dramatisch wie im Film. Du wirst schneller und stärker. Kannst weiter und höher springen. Deine Reflexe sind schneller. Du wirst ein Stück intelligenter und kannst zum Beispiel codierte Nachrichten viel schneller knacken. Und ein paar andere Sachen. Den bekommen nur die Agenten, zu denen du jetzt auch gehörst.Mach uns stolz Ripper, viele Menschen zählen darauf. Komm ins nächste Zimmer. Der Cocktail ist nicht ganz ohne und du wirst ordentlich Schmerzen haben. wir müssen dich also zu deiner eigenen Sicherheit fixieren. Der Raum ist gedämmt, wenn du also schreien willst, mach es. Das hilft tatsächlich.“
Oje das klang gar nicht gut. Aber wenn es ihn besser machte, dann immer her damit.
   Er ließ sich auf einer Liege fixieren und prüfte die Fesseln. Dann legte man ihm einen Katheter an und hängte ihn an einen Tropf mit einem Sack einer türkisenen Flüssigkeit. Er schluckte schwer als die Flüssigkeit nach unten ran und in seinen Blutkreislauf. Nachdem der Sack zu einem Drittel leer war begannen die Schmerzen. Erst gering, dann immer stärker und dann kaum zu ertragen. Am Ende brüllte er die Schmerzen aus dem Leib der sich anfühlte als hätte man ihn angezündet. Es wollte kein Ende nehmen. Und dann stoppte es einfach so.
   Der Araber löste die Fixierung und stützte ihn. Er führte ihn zu einer Duschkabine und legte ihm ein Handtuch und ein paar Sachen hin.
„Dusch dich in Ruhe ab, dann bekommst du einen Snack und dann legst du dich hin, damit das Mittel wirken kann. Sechs Stunden reichen im Durchschnitt. Und lass dir Zeit beim Duschen.“
Sein Körper brannte und er duschte so kalt wie es ging, auch wenn er nach Luft schnappte. Aber es tat so gut und er ließ es laufen bis ihm wirklich kalt war. In einfachen Sachen verließ er die Dusche und folgte dem Araber in einen Raum wo es schon gut roch.
   Ein saftiger Burger mit einer Portion Pommes und einer eisgekühlten Cola wartete auf ihn und seinen brummenden Magen. Genau darauf hatte er jetzt Kohldampf und er mampfte mit purem Appetit.
   Danach legte er sich auf eine bequeme Liege mit einer Wolldecke und schlief sofort ein. Er wachte nach sieben Stunden wieder auf und sah sich um.
„Wir haben einen Anhänger mit mehr Spielzeug für dich an deinen Defender angehängt. Der hat übrigens auch einen Transponder für dein Haus. Dagger holt gerade sein Spielzeug aus den USA und den Alligator. Die Mädels haben ihren Cocktail auch gut überstanden und sind jetzt im Tiefschlaf. Dein neuer Anzug wartet in einer Kiste im Kofferraum deines Wagens. Du wirst ihn testen, aber nicht hier. Wir werden uns wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, also wünsche ich dir und deiner neuen Familie alles Gute. Dein Training beginnt Ripper, mach uns stolz.“
Er umarmte den überraschten Araber und wurde nach oben geführt, wo ein großer Anhänger ähnlich dem vom Omega an seinem neuen Defender wartete. Der Weiße schüttelte seine Hand und Jack stieg ein und zog seinen neuen Fang ins Trockene, die anderen würden Augen machen.

Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 2

2. Kaz – 3.W.Aug. 2045 – Samstagvormittag.

Es läutete. Kaz horchte auf. Er wechselte erstaunte Blicke mit den anderen und ging runter um aufzumachen. Vor der Tür war niemand.
   Aber da lag ein kleines Päckchen neben dem Briefkasten auf der Ablage. Er nahm es mit rein und studierte es interessiert. Ein Versandbrief mit seiner Adresse ohne Absender. Wog nicht schwer.
Merkwürdig. Er nahm es mit hoch zu den anderen die ihn neugierig ansahen.
„War keiner da, nur dieses Päckchen.“
„Dann mach es doch nicht so spannend. Auf damit!“
Er riss die Lasche auf und zog eine daumendicke Schachtel heraus. Kein Schlüsselloch oder irgendwas, nur ein kleines mattes ovales Feld. Probeweise hielt er seinen Daumen dran und es schnappte auf.
„Woher haben die denn deinen Fingerabdruck?“
Kaz zuckte die Schulter und hob den Deckel ab. Sechs schwarzweiß bedruckte Plastikkärtchen in einem Futter aus Schaumstoff. Er sah das Symbol des Geckos von Yusuf, Annas Fadenkreuz, sein Dolch und die Diamantschlange on Akira. Dann waren da noch ein stilisiertes Fernglas und zwei überkreuzte Messer. Er dachte an das Training mit den dreien im April. Amber würde er das Fernglas geben, passte am besten.
„Das sind unsere Symbole, ich glaube die sollten wir uns nehmen. Ich tippe wir sollen was mit den Karten machen.“
Jeder nahm seine Karte und er gab Amber und Jack die beiden Übrigen. Er drehte sein Karte um, auf der eine Zahl stand. 2111. Mehr nicht. Sehr kryptisch.
„Das sind Rätsel oder Aufträge, die Geister machen das immer so.“
Kam es von Anna. Sie diskutierten die Ziele. Yusuf sollte zu einer bestimmten Koordinate, Anna und die Mädchen sollten etwas machen, Er hatte diese Zahl und Jack einen Satz bei dem dessen Augen aufleuchteten.
   Sie frühstückten zu ende, räumten ab und machten sich dann bereit. Er sah ihnen nach und drehte die Karte nachdenklich in den Händen.
   2111. War das ein Datum? Die Zukunft brachte ihm nichts. Eine Kombination? Könnte für alles stehen und die Safes in Liz Keller hatten sechs bis acht Ziffern. Ein Code? Er betrachtete die Zahl ganz nah und bemerkte seinen Fehler. Das waren keine Einsen, das waren große Is. Eine Zwei und drei Is. Also römisch drei vielleicht? 2-III. Moment mal! Diese Wohnung hier hatte Zahl 3-VII auf der Tür stehen. Das war es, eine Türnummer!
Er schlüpfte in ein paar Schuhe und verließ die Wohnung. Vor der Tür 2-III blieb er stehen. Das war ja ein Mordsgerät von Tür, wie ein Banktresor. Er hielt sein Master-Armband vor den Türsensor und es tat sich nichts. Er warf einen Blick auf die Karte. Bist du eine Schlüsselkarte? Er hielt sie gegen die Tür und sie schwang auf.
   Sesam öffne dich, dachte er grinsend. Er untersuchte die Löcher für die Riegel im Boden. In die Löcher für die Riegel bekam er locker seine Faust durch und er hatte echt keine kleinen Hände. Den Schlossknacker wollte er sehen, der da hindurch kam. Er ging rein und die Tür verriegelte hinter ihm, verdammt. Und von innen funktionierte die Karte nicht. Scheiße.
Er sah sich um. Er dachte schon Liz Wohnung war riesig. Deren Wohnung passte vermutlich bequem in dieses Wohnzimmer. Purer Exzess. Hier war ja alles noch größer. In der Garderobe rechts fand er zum Glück nichts, alles Leer. Dahinter kam eine Kammer mit Werkzeug. Schlagbohrmaschine, Akkuschrauber, Schleifmaschinen und richtig gutes Werkzeug. In einer Nische fand er zwei Vorwerk Kobold 121 Staubsauger, aus welchem Museum habt ihr die denn bitte geklaut? Danach ein Raum mit Survivalausrüstung und wieder Rationen. Er seufzte schwer.
   Die Küche war riesig, seine erste Wohnung hätte hier dreimal reingepasst . Alles vom feinsten mit zwei riesigen freistehenden Arbeitstischen mit großen Arbeitsflächen und Kochfeldern. Nebst des richtigen Luxus Herdes natürlich. Alles gab es hier mehrfach.  In der Küche standen drei riesige Kühlschränke von NOX. Er öffnete einen. Alles frisch und von bester Qualität. Verhungern würde er schon mal nicht. Eins verwunderte ihn sehr. Zwei Automaten von Nox, die einen gigantischen Kaffeevollautomaten flankierten. Links war ein Getränkeautomat. Probeweise suchte er sich ein paar Gläser und hielt sie davor. Der Vanilleshake war hervorragend, die Limos auch und die gekühlte originale Cola natürlich erst recht. Und rechts war ein Popkornautomat. Nicht so riesig wie im Kino aber groß genug. Wofür denn das bitte? Salz, Zucker und Karamell, lecker.
   Die Speisekammer hinter der Küche war prall gefüllt. Hohe Weinregale, Gemüsekisten, Berge an Obst. Und noch zwei Kühlschränke und zwei große Eistruhen. Eine war voller gefrorene Fleischstücke. Angus, las er auf einem Etikett. Da würd ich doch glatt schon mal eine Pfanne warmmachen. Das war hier alles Absurd. Er starrte auf die Regale, die sich unter Suppen und Eintöpfen von Nox zu biegen schienen. Endlose Reihen Einmachgläser und Konserven. Er zählte vierundzwanzig Dosen mit eingelegten Pfirsichen, ein Paradies für Karl. Er holte sich noch ein Glas Cola und trank es aus bevor er die Küche verließ. Er bemerkte ein riesiges sechs Meter hohes Innengehege mit dreieckiger Grundfläche. Die Nachbildung eines tropischen Regenwaldes mit einem Baumriesen mit vielen Ästen. Überall dicke Seile und Netze und sogar eine Hängematte. Waren hier Affen drin?
   Von der Bestückung der Näpfe und der Abwesenheit von Affen tippte er auf ne große Katze. Wer hielt sich denn sowas in der Wohnung? Er dachte an Karl und verstummte. Das Innengehege hatte eine Tür aus dickem Stahl und das Glas war auch ordentlich dick.
   Vor dem Gehege standen zwei Leder Sofa Sitzgruppen mit Tischen – eine zum Fenster und eine zum Glaskasten.
   Eh hörte ein Miaunzen und drehte sich um. Auf einem riesigen gepolsterten Katzenkorb vor dem absurd dicken Fenster lag eine Katze. Er kraulte sie hinter den Ohren während er in Unglauben verfiel. Das war keine Katze. Das war ein junger Leopard. Eine Leopardin besser gesagt. Neben ihr lag ein Namenskärtchen: Lucy. So hätte er eine Katze sowieso genannt.
„Wenn du dich an den Ledersofas wetzt, bist du Steak! Verstanden?“
Das Leopardenjunges sah ihn wachsam mit großen Augen an. Verdammt, eine Leopardin, aber genau sowas hatte Amber doch gewollt. Die waren doch schweinegefährlich! Nicht auszudenken wenn einer von einer ausgewachsenen Leopardin angefallen wird! Das wären sehr schwere Wunden. Er warf einen Blick nach oben als er in die erste Etage ging. Von hier hatte man einen guten Blick auf das Wohnzimmer und in das Gehege. Da sperre ich dich gleich rein du dämliche Katze.
Er lief an den leeren Bücher- und Filmregalen vorbei zum Essbereich. Die Tafel aller Tafeln mit bequemen gepolsterten Stühlen versehen. Die Tischplatte war ganz gut Dick und aus Glas? Hm, er setzte sich einen Moment hin und legte aus Gewohnheit sein Smartphone auf die gläserne Tischplatte. Der Tisch leuchtete auf und wurde zu einer Art Computeroberfläche. Davon hatte er gelesen, aber noch nie einen gesehen, die waren ordentlich teuer.
   Da wo bei seiner … Liz Wohnung Ambers Zimmer war, befand sich hier eine edel eingerichtete Bar. Sehr schick. Heute Abend würde er definitiv Cocktails für alle machen, falls er hier rauskam. Über der Garderobe war ein großzügig großes Bad.
   Einen Raum hatte er vergessen und er erstarrte im inneren. Ein eigenes Kino. Gerade lief ein Film, Inception im Finale. Der Sound war schön wuchtig. Drei Reihen mit acht Sitzen pro Reihe und ordentlich Fußraum. Oben fand er den Projektor und in Regale eingelassene Spielkonsolen, dazu einen Superrechner mit einem Laufwerk, der war wahrscheinlich an den Projektor angeschlossen.
Er holte sich eine Schüssel Karamell Popcorn und ein großes Glas Cola und sah sich den Film an. Und den Film danach auch, einen seiner Lieblings Marvel Filme.
   Nach der Szene nach dem Abspann wurde das Licht hell und er räumte das Geschirr in die Küche. Die Sessel waren zum Einschlafen bequem und voll aus Leder, mit einer Ablage für Snacks und Getränke. Und man konnte die Lehne zurückstellen. Alles von NOX.
   Zufrieden ging er in den zweiten Stock. Hier waren Schlafzimmer und ein noch größeres Bad. Er fand große Zimmer für die Kids und eins für Yusuf mit einer Hängematte. Überall lagen auf den Schreibtischen und Betten Goodies und kleine Geschenke. Dann ein paar Gästequartiere mit Etagenbetten und einen großen Raum mit Umkleidekabinen, der wohl als Ankleideraum diente um die Kleiderschränke in den Zimmern zu entschlacken. In seinem Schlafzimmer schmunzelte er. Ein riesiges Bett, gut drei mal drei Meter. Mit einem breiten Regal am Fußende. Auf seiner Seite saß ein großer Plüschwaran und auf Annas eine dicke zusammengefaltete dunkle Edel-Pelzdecke. Ganz ohne geht also doch nicht. Auf ihren Nachttischen lagen Körbchen mit Snacks. Er trat an seine Seite und öffnete den Bettkasten der gut und gerne zwei Meter breit und sehr tief war.
   Seine Lieblingssnacks. Ein Minikühlschrank mit gekühlten Cola Dosen. Ein Laptop mit einem VR Headset. Bettzeug und großes Fach mit dem Logo der Geister und seinem Dolch. Er nahm an es enthielt einen neuen Anzug und ein paar Waffen.
   Selbiges auf Annas Seite nur mit ihren Lieblingssnacks. Auf ihrem Nachttisch stand eine handbemalte Skulptur ihrer Lieblingsfigur aus Metal Gear Solid V Phantom Pain: Quiet natürlich. Auch wenn Anna im Gegensatz zu Quiet ‘ne echte Labertasche war und für gewöhnlich etwas mehr anhatte.
   Er schmunzelte, da würde sie sich bestimmt sehr freuen. Bei ihm stand der Doom Marine. Hier oben war übrigens auch ‘ne Tür, die ähnlich fett war wie unten. Interessiert ging er nach oben in die vierte Etage.
   Arbeitsräume. Ein Sekretariat, das in einen Konferenzsaal mit einem großen rechteckigen Tisch mündete und dann zwei Türen für Arbeitszimmer. Er fand ein Aufnahmestudio mit Kameras und Scheinwerfern. Eine Tonkammer, Schneidezimmer, Einen gekühlten Serverraum mit den neuesten und besten Servern die man für Geld kaufen konnte. Und drei Aufnahmestudios für Streaming. Interessante Sache. Es war an alles gedacht. In seinem Arbeitszimmer fand er etwas auf dem Schreibtisch. Ein Brief auf schwerem Papier, handgeschrieben mit blauer Tinte. Er setzte sich in den Bequemen Stuhl und fing an zu lesen.
„Sei gegrüßt großer Bruder, wenn du diese Zeilen liest bin ich tot und ein neues Kapitel für euch sechs startet. Ich, das heißt wir wussten, dass wir sterben würden und wie und wann. Das Auge hat alles gewusst und wir hatten Zeit uns darauf vorzubereiten. Das Auge, da staunst du, nicht?
Wir sind keine Geister aber wir waren Helfer und tief eingeweiht.
Kein Wunder also, dass unsere Familie Berlin Solomon gebaut hat und Horizon binnen dreiundzwanzig Jahren zu einem der größten Megakonzerne der Welt geworden ist. Wir sind alles Helfer auch wenn wir ein schweres Erbe hinterlassen. Wo wir geschäftlich Erfolg haben, haben wir familiär versagt. Ich und Emma haben versagt unseren Kindern Nähe und Fürsorge zu geben. Wir haben nicht bemerkt, wie aus unseren Kindern gerissene Diebe und beinahe sogar Killer wurden. Du hast das. Du hast sie nicht unter Geschenken begraben sondern sie wie junge Erwachsene gefordert und sie gut behandelt. Ihre glücklichen Mienen nach eurem kleinen Ausflug im Mai, unbezahlbar. Und wir konnten dir die Chance geben, aus dem Ruhestand zurückzukehren.
Wir wissen jetzt, warum du weg bist, welcher Schmerz dich in den Ruhestand geschickt hat. Aber das ist eine neue Welt und wir brauchen eine neue Generation Geister unter deiner Anleitung, dass ist deine Rolle und vielleicht sogar deine Bestimmung. Gerade stehst oder sitzt du in dem Ergebnis von fast fünfundzwanzig Jahren Planung. Diese Wohnung war von Anfang immer für dich, für euch bestimmt. Und mach dem Auge kein Vorwurf zu unserem Tod. Wenn nicht gestern dann irgendwann in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren. Aber er wäre unausweichlich gewesen. Keine Angst wir haben ein Mittel genommen, mit dem wir keinen Schmerz spüren, sodass unsere grausamen Tode für uns wenigstens erträglicher sind. Es ist gar nicht mal so schlimm, wenn dir jemand in den Kopf schießt. Wir haben alle zusammengelegt um dir das zu ermöglichen. Das ist deins nun, alles. Genieß es. Pass auf Lucy auf. Sie und Karl sind aus einem Projekt der Intelligenz Steigerung von Tieren. Natürlich weiß kein normaler Waran der Welt was ein Seitenschneider ist. Aber Karl ist kein normaler Waran. Er ist ein Mitglied einer neuen ganz besonderen Spezies. Lucy ist lieb und sanft und wird euch nie etwas tun. Sie hört auf Befehle und versteht eure Sprache. Das war zutiefst gemein mit dem Steak vorhin. Und auf Befehl kann sie eine böse Katze sein. Warum schreibe ich, als wüsste ich die Zukunft und was du machst? Das ist eine Geschichte für ein andermal. Vielleicht sehen wir uns im nächsten Leben wieder. Lebe wohl Bruder. Pass mir gut auf meine Tochter und „Jack the Ripper“ auf. Deine Mission erwartet dich. Johnny Solomon.“
Nachdenklich und etwas verstört faltete er den Brief zusammen und legte ihn in eine Schublade. Dieser ganze Wahnsinn war alles seins. Er rief Anna an.
„Ja. Was gibt’s?“
„Wir ziehen um.“
„Warum das denn?“
„Johnny hat mir eine gut und gern tausend Quadratmeter Wohnung vermacht. Und Amber hat eine Leopardin bekommen.“
„Du verarscht mich doch!“
„Ich wünschte ich täte es, aber das fühlt sich alles sehr real an. Wohnung 2-III am Platz der Nationen Eins. Das ist so real wie es klingt.“
„Das ist absurd, aber ich glaube dir mal großer.“
„Wo seid ihr?“
„Akira hat ihr Bein richtig geflickt bekommen kann jetzt wieder trainieren. Die beiden haben den Link bekommen und wir den Cocktail. Ich weiß dass es früh für Amber ist, aber du warst fünfzehn damals, als du deinen bekommen hast. Und die beiden sind bereit für den Kampf. Die Russen und Chinesen von Hals Fabrik wurden mittlerweile umgesiedelt. Ich denke wir sollen hinfahren und Trainieren. Wir sechs. Es wird Zeit. Wir müssen die drei testen. Es macht mir Sorge, dass man Jack den Codenamen Ripper bekommen hat. Ich fürchte er könnte nach dir kommen.“
„Also haben wir zwei Infiltratoren, einen Killer, Zwei Scharfschützen und Amber hat den Überblick. Das klingt interessant. Wir müssen testen, wie sich das alles am besten realisieren lässt und wir brauchen das Go vom Auge, sonst funktioniert das nicht.“
„Das klingt doch gut. Ich bin damals immer nur alleine unterwegs gewesen.“
„Ich doch meistens auch. Sechs Geister. Nein neun Geister auf einem Haufen, das ist ungehört.“
„Für sechs wird der Avenger x5 zu eng, der hat nur fünf Sitze.“
„Ich glaube das kriegen wir hin. Ich muss jetzt weiter. Tschüss Schatz.“
Er legte auf und steckte das Handy in die Hose. Am Bildschirm klebte eine Karte mit seinem Zeichen. Er drehte sie um. Ein Orca. Aber zuvor guckte er sich noch den Rest an. Zur Wohnung gehörten acht Angestelltenapartments, bei tausend Quadratmetern bestimmt gut. Alle etwas geräumiger als die Quartiere für seine alte Wohnung.
In der Tiefgarage erwarteten ihn acht Stellplätze. Auf einem stand schon der knallrote Lamborghini Sián von Liz geerbt und der Avenger samt Anhänger parkten gerade um. fünf waren noch übrig. Also Platz für ne Familienkutsche und den Defender, der gerade von Omega umgebaut wurde. Und für noch drei Vehikel. Und er seufzte über drei große Kellerräume, die er erstmal ignorierte. Das würde ein Spaß werden, den ganzen Rotz umzuziehen. Auf dem Weg zum Flugdeck sah er sich um. Er sah hier echt nie jemanden. Das stimmte er nicht, er sah Schwärme von Angestellten, aber nie einen der Bewohner, mussten die überhaupt noch raus, wenn denen alles abgenommen wurde?
   Der Hangar war ein bisschen wie ein Ringlokschuppen aufgebaut bemerkte er. Auf Ebene 2-III sah er sich staunend um. Zwei Orcas und ein Swordfish. Dann war der Orca Expedition also schon fertig. Und die anderen drei Stellplätze, war das alles für ihn?
   Er wurde schon erwartet. Vor dem Orca Travel erwarteten ihn Lien, Suzi, Benj, Sarah und ein Mann den er noch nicht kannte. Lien trat vor.
„Unsere Reihen wurden ein bisschen ergänzt. Das ist Frank Baumann und er wird ihr Assistent und Sekretär sein. Ich und Frank werden bleiben, der Rest begleitet sie auf ihrer Reise.“
Er nickte. Alles Geister und alle tarnten sich als sein Personal.
   Er stieg ein und sah sich neugierig um, das war Liz Reich auf ihren Reisen gewesen. Alles war in den Firmenfarben von Horizon gehalten und sehr edel eingerichtet. Das war ein fliegendes Haus. Auf dem Bett in Liz Suite lag eine große Pelzdecke, er seufzte. Dazu gab es genug kleinere Quartiere um seine ganze Familie und vier Angestellte zu transportieren und zu versorgen.
   Er sah sich neugierig um, es war nicht mehr neu, aber alles war für seinen Geschmack viel zu edel eingerichtet. Seine Mission war komisch, er sollte einfach nur auf der Ranch nach dem Rechten sehen und Kasimir abholen, der Zoo in Berlin Solomon wollte die berühmte Echse unbedingt haben.
   Er sah auf die Uhr. Es war etwa halb zwei. Also stand ein langer Flug bevor.
In Liz Suite setzte er sich in einen sehr bequemen weißen Ledersessel neben einem Fenster.
Er sagte Anna Bescheid während der Orca zum Aufzug geschleppt wurde. Er sah aus dem Fenster wie die mächtigen Triebwerke starteten und sich die schweren Rotorblätter drehten. Hier drinnen war von dem Lärm der Triebwerke praktisch nichts mitzubekommen, fast wie wenn er im Omega saß.
Der Orca hüpfte etwas als sie abhoben und gewann schnell an Höhe. Irgendwie ging ihm das alles etwas zu schnell. Johnnys Körper war noch gar nicht richtig kalt und sein toter Bruder sprach mit ihm. Das war unheimlich. Und diese gigantische Wohnung erst.
Rechts sah wie eine Staffel Eurofighter an ihm in Tiefflug vorbeidonnerte und links eine Staffel Bullsharks. Und über seinen Köpfen flogen riesige militärische Transportmaschinen. Von hier oben sah er aus der Ferne auf die Trümmer des Horizon Geländes. Die Feuerwehr war im Einsatz, löschte Feuer und barg Verschüttete. Eine verdammte Tragödie.
   Und nicht die einzige Trümmerstelle in Berlin. Der Bundestag hatte einiges abbekommen, Der Hauptbahnhof war nur noch Schutt und reichlich Gebäude, die ihm von hier oben nichts sagten. Die Rotoren kippten und sie wurden spürbar schneller. Er legte die Füße hoch und betrachte die Welt unter sich. Die Welt war in Schock.
„Sir möchten Sie etwas Kühles zu trinken?“
Er betrachtete Sarah in ihrer schicken roten Stewardess Uniform.
„Ein Glas Cola bitte.“
„Kommt sofort Sir.“
Wie ihn alle nur noch mit Sir anredeten was so merkwürdig, aber er mochte es irgendwie. Nur bei Hal nervte es ihn ein Stück, aber der mochte eben die Rolle des vornehmen Butlers.
Sofort stellte ihm Sarah ein Glas mit gekühlter Cola hin.
„Wann möchten Sie speisen?“
„Gegen drei, das Überraschungsmenü.“
Er zwinkerte ihr zu und sie lächelte etwas verlegen.
   Da unten war ja ein echt großes Areal, mehrere Quadratkilometer, wo er Flaggen von Omega, Spectre und Theta entdeckte. Ob die da bauen wollten? Brandenburg würde es freuen. Horizon war deren Topunternehmen. Gewesen zumindest. Ein Lambda Bullshark der Amis flog eine Weile neben ihnen und drehte dann ab. Verrückte neue Welt dachte er sich und nippte an der Cola.

Das Osiris Projekt – Halbzeit geschafft

Die, die meinen Blog folgen, hat bestimmt die Flut von neuen Kapiteln in der letzten Woche erreicht und womöglich überrascht. Für die anderen: da ich nie Testleser gefunden habe, veröffentliche ich die zweite Fassung meines Buches auf meinem Blog.

Sonntag, also gestern, habe ich das letzte Kapitel des ersten Teils des Buches hochgeladen und für die nächsten Wochen ist geplant, jeden Tag ein Kapitel des zweiten Teils hochzuladen.

Für Interessierte geht es HIER zur Einleitung zum Buch, HIER zum ersten Kapitel und HIER findet ihr die Kapitelübersicht mit allen bisher veröffentlichten Kapiteln als Web-Read oder als PDF.

Und das erste Kapitel des zweiten Teils ist HIER schon lesbar.

Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 1

1. Jack – 3.W.Aug. 2045 – Samstagmorgen.

Jack war eng verschlungen mit Amber auf und küsste sie auf den Mund. Sie erwachte schnell, ihre Augen trafen sich und sie lächelte. Und küsste ihn zurück. Akira gab stieß ihn in den Rücken.
„Müsst ihr das andauernd machen während ich dabei bin.“
„Du machst dasselbe doch die ganze Zeit mit Sahid, auch wenn wir dabei sind.“
„Das ist was anderes, das kann man nicht vergleichen.“
„Kann man nicht? Wie findet er es eigentlich, dass du dir praktisch den Kopf rasiert hast?“
„Er mag es überhaupt nicht“
Sagte Akira traurig.
„Ich auch nicht, wenn ich ehrlich bin.“
Jack lachte trocken auf.
„Hey Idiot, man darf auch mal einen Fehler machen ok? Ich lasse sie wieder wachsen und bis sie lang sind trage ich eine Perücke wie du Amber. Nur eben in bunt wenn wir nicht in der Schule sind.“
„Ich mag dich so wie du bist.“
Kam es von Amber.
„Danke sehr, das ist lieb. Wo ist eigentlich der Rest?“
Sie schoben die schwere Decke zurück und standen auf. Im Wohnzimmer saß Benj auf dem Sofa und las in einer Zeitschrift. Als er sie bemerkte sah er auf und winkte ihnen zu.
„Sie sind gerade einkaufen und gleich wieder da. Lien bereitet schon Frühstück vor.“
Jack bemerkte, dass das Fenster wieder klar war und Licht in den Raum flutete und er trat ans Fenster. Ganz schön viel los, der Park war total voll und überall waren Leute. Die Stimmung schien nicht schlecht zu sein. Er bemerkte die bemerkenswerte Anzahl von Flaggen, gerade Deutschlandflaggen. So viel Patrioten. Was würden nur Reporter sagen?
   Apropos. Er sah kleine Gruppen von Studenten mit Kameras und Mikros, welche die Parkbesuchter zu interviewen schienen. Cool, aber keine Aasgeier. Warum die alle so gut drauf waren.
„Benj, stört es dich wenn ich den Fernseher anmache?“
„Nicht die Bohne, mach ruhig.“
Benj, Ape. Was der wohl konnte? Egal er knipste den Fernseher an. Die Trümmer des Horizon Turms in Berlin war in aller Munde. Aber auch andere deutsche Großstädte waren schwer getroffen worden. Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, München, Leipzig. Die Zahl der Toten war noch unklar, aber man schätze die Zahl vorläufig auf über vierzehntausend. Allein in Deutschland. Das war einfach nur krank.
   Es wurde zu der Clownfestung geschaltet, die nur noch aus einem Krater und Schutt bestand. Man munkelte von einer konventionellen zwei Tonnen Freifallbombe. Derweil war der Flugverkehr in Europa unterbrochen und in den USA auch und in Notfällen streng restriktiert. Die Clowns hatten es trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen geschafft Zugang zu den Cockpits von Passagiermaschinen gelangen und diese unter ihre Kontrolle zu bringen. Wie damals beim elften September 2001 vor über vierzig Jahren. Anschläge Europaweit und in den USA. USA lag momentan bei achttausend Toten, Frankreich bei sieben und Großbrittanien bei viertausend Toten.
Das würde Konsequenzen haben. Hatte es auch, Das europäische und amerikanische Militär war seit Tagen auf den Beinen und koordinierte den größten Gegenschlag seit dem zweiten Weltkrieg.
„Hey mach‘ mal den Fernseher auf stumm und hilf uns mal auspacken!“
Kaz und Anna waren wieder da. Schwer behangen mit schweren Tüten und Anna hatte eine Riesenpapiertüte vom Bäcker unten dabei.
„Trag die Sachen vom Bäcker schon mal hoch und deck oben den Tisch für sechs. Yusuf wird in wenigen Minuten hier eintreffen.“
Stimmt wo war der eigentlich? War er nicht mit ihnen gekommen? Amber nahm die schwere Tüte und sie und Akira gingen nach oben. Akira sah nicht so aus als würde sie Krücken brauchen.
Jack trat nochmal ans Fenster und sah den Araber den breiten Weg entlangradeln. Yusuf lehnte das Rad an eine Laterne, ließ es ungesichert stehen und drückte die Zigarette ganz ordnungsgemäß in einem Aschenbecher aus. Dann ging er mit einem schweren Rucksack ins Haus. Zeit sich zumindest eine Hose anzuziehen. Die Mädchen meckerten schon wieder, dass er nicht half als er ein paar Minuten auftauchte und den Tisch fertig gedeckt vorfand.
„Sorry. Hab nach einer Hose gesucht.“
Die Mädchen noch in T-Shirts und Unterwäsche sahen ihn verständnislos und dann stürzten sie die Treppe herunter. Zehn Minuten waren sie wieder oben, beide angezogen. Amber mit einer dunkelbraunen und Akira mit einer Regenbogenlanghaarperücke. Derweil deckte Jack fleißig den Tisch mit Joghurt und Obstsalat und frischen Brötchen und Gebäckstücken vom Bäcker. Es gab Bratkartoffeln und eine Schüssel mit Rührei und einen großen Teller mit gebratenem Bacon. Duftender Kaffee und eine große Karaffe Saft. Sah einfach nur Lecker aus. Yusuf öffnete die Tür und stellte den riesen Rucksack ab und umarmte Kaz bzw. Dagger.
„Hah, ihr lebt ja noch alle, Allah sei gepriesen. Ich hab ein Geschenk für die Mädchen.“
Amber und Akira wurden hellhörig und grinsten.
„Dann kommt mal runter ihr drei“
Sie folgten der Bitte.
„Da sind ja die fabelhaften jungen Damen. Sechzehn und neunzehn Jahre alt. Mein aufrichtiges Beileid meine beiden und du auch Jack. Es ist eine verdammte Schande. Hoffentlich hat die Ära der Clowns endlich ein Ende!“
„Ja das hoffen wir ehrlich auch. Komm lass uns essen.“
„Einen Moment noch, ich hätte eine Kleinigkeit.“
Yusuf trat zu seinem Rucksack und holte zwei kleine Schachteln hervor und reichte jeweils eine Akira und Amber. Jack trat hinter seine Freundin und umfasste ihre Hüften. In der Schachtel war ein großer tropfenförmiger Anhänger aus Bernstein an einer fein gearbeiteten Kette. Amber, Bernstein, dass passte total.
   Akira bekam einen Anhänger aus Silber mit einer fein gearbeiteten Schlange die sich um einen Diamanten aus Silber schlang, die Augen der Schlangen bestanden aus winzigen Diamanten.     
   Diamond Snake.
   Er dachte daran, dass Amber das Tattoo der Geister auf der Schulter hatte und Dagger auf der Brust, und dieser trug eine Dolchtätowierung auf dem Rücken. So offensichtlich, dass es niemand merkte. Faszinierend. Die Mädchen trugen den Schmuck zum Frühstück. Die Anschläge waren das Thema der Stunde.
„Weltweit über dreißigtausend Tote. Da ist Nine Eleven nichts dagegen, dass ist einfach nur krank. Und das an unser aller Augen und Ohren vorbeizuplanen und es alles genau zu timen. Die Clowns sind die beste ausgebildete Terrororganisation schlechthin. Und ihr Ziel ist doch wohl eindeutig. Die Zerstörung des Westens. Wie immer. Etwas anderes haben diese islamistischen Doofsäcke und ihre Sympathisanten nicht im Schädel. Nichts gegen dich Yusuf.“
„Nein, du hast ja Recht. Der militante extreme Islam ist ein verdammt großes Problem. Und dieses Mal waren sie clever und haben erst die Cops und Politiker und Presse geschmiert bevor sie Jahre später zu ihrem Magnum Opus ausholen. Wer nur die Hintermänner sein mögen?
Zum Glück gibt es das tapfere Militär und die Geister, wer weiß was sonst noch passiert wäre. Tausende tote Clowns in Europa, In Asien und den USA. Das trifft die hoffentlich hart. Und auf dem Weg hierher hab ich vom Uni-Radio die Meldung gehört, dass eine gewisse Andrea Wolf im Präsidium hart aufräumt. Die ist tough.“
Jack hörte hoch. Andrea Wolf hatte doch in ihrem Fall ermittelt, als er, Ryan und die Bluhm Töchter von den Clowns überfallen worden waren. Er fand sie nett und sehr kompetent.
„Ja sie ist ausgesprochen aufgeweckt und ich hab ihr ein Prism Rogue in die Hand gedrückt, als sie mich bis nach Polen verfolgt habe, wo ich den Avenger abgeholt habe.“
„Wurde das BIT getroffen?“
„Es wurde versucht, aber das Ding ist eine Festung und hat ein extrem gutes Sicherheitssystem. Sie haben fünf Raketen abgeschossen, die das BIT treffen sollten.“
„Das BIT hat Waffen?“
„Du hast doch deine Klassenlehrerin und Igor gesehen. Klar haben wir Waffen. Ich nicht, weil das gegen mein Credo verstößt, aber das BIT hat fast schon Militär.“
„Aber man kann wohl davon ausgehen, dass das die vermutlich sicherste Schule der Welt ist. Und dann gibt es diesen Kasten hier. Und erst der Berlin Solomon Bahnhof, und die Stadtwerke und das Bezirksrathaus. Hatte ich die Polizeistation erwähnt? Das sind alles Festungen die wahnsinnig tief unterkellert sind. Würde mich nicht wundern, wenn ganz Berlin Solomon ein einziger getarnter Bunker ist. Auf meinen Erkundungen hab ich so manche Sachen entdeckt. Die Fabrik am Ufer ist totaler Fake, darunter ist ein Generation fünf Atomreaktor. Direkt an der Havel für Kühlwasser. Und das ist bestimmt nicht der einzige Reaktor hier. Das Bit forscht an Reaktortechnik und hat einen kleinen gut funktionierenden Fusionsreaktor für Testversuche. Und zwei nukleare Testreaktoren. Deshalb ist das BIT auch extrem gut bewacht und gesichert. Wenn einer der Reaktoren in die Luft gesprengt wird, könnte das sehr böse enden. Und diese Drecksschweine haben russische und chinesische bunkerbrechende Cruise-Missiles verwendet.“
„Russisch und chinesisch? Ist das sicher?“
Anna wirkte plötzlich nervös.
„Nicht eindeutig, aber ziemlich sicher, die Bundeswehr hat die Abschussrampen gefunden und die sind russisch. Und in den Verstecken wurden haufenweise AKs und die chinesischen Kopien gefunden.“
„Stimmt schon, die Junior Clowns haben mich mit AK-103 Gewehren angegriffen. Glücklicherweise konnten sie nicht zielen und der Anzug ist sofort in den Panzerungsmodus gegangen. Mal was anderes, warum der Rucksack?“
„Anweisung von oben, dein Antrag für die Rekrutierung der drei wurde auf der Stelle genehmigt und ich soll die drei Trainieren, die sind erstmal von der Schule freigestellt, bis sich die Situation beruhigt hat, hast du irgendein Zimmerchen?“
„Leider ist kein Angestellten Quartier mehr frei. Ich verfüge über vier. Von daher müsstest du dir hier in der Wohnung eine ruhige Ecke suchen und du bekommst einen elektronischen Schlüssel mit dem du hier im Haus bezahlen kannst und Studio und Schwimmbad sind kostenlos, ich hoffe du hast deine Badehose dabei, Gecko. Und halt dich zurück die Bewohner des Hauses und die Geschäfte auszurauben.“
Yusuf machte ein gespielt empörtes Gesicht, grinste aber dann sofort breit.
„Das klingt doch wunderbar. Ich hab mir schon ein Trainingsprogramm ausgedacht. Für dich und Quiet auch. Euer Ruhestand ist vorbei, das Auge will euch wieder im aktiven Dienst sehen. Und der alte Wolf lässt ausrichten, dass er sich im April dein Zeichen ausgeborgt hat um seine Tochter zu rächen.“
Dagger seufzte und sah Quiet lange an, die auch etwas unglücklich wirkte.
„Gegen einen Befehl vom Auge kann man wohl nichts sagen. Das wird verdammt eng hier.“
„Dafür gibt es bestimmt eine Lösung.“
Zeit Clowns zu jagen.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 30

30. Jack – 3.W. Aug 2045 – Freitagabend

Was hatte sie eigentlich geritten, kurz vor Ambers und Akiras Geburtstagsparty nochmal diese scheißhohe Wand hochzuklettern? Über hundert Meter. Aber Yusuf führte sie und sie kamen gut voran. Und dann plötzlich ging alles schief. Yusufs Funkgerät schrillte und der Araber hielt an. Dabei lehnte er sich in das Geschirr und sah sich zu beiden Seiten um. Wie als ob er etwas suchen würde und er wirkte sehr angespannt.
„Fuck, Fuck, Fuck. FUCK!“
Das letzte Wort brüllte er in die Nacht.
„Kids, seilt euch ab ASAP! Los los los.“
Verunsichert ging es den Fels runter so schnell es ging. Auf halber Strecke hörten sie eine dumpfe gewaltige Explosion, die sie von hier aus nicht sehen konnten. Dann weitere Explosionen. Die vierte war noch mächtiger als die erste. Jetzt bekamen sie es echt mit der Angst zu tun und beeilten sich so schnell wie möglich von hier runterzukommen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sie endlich festen Boden erreicht hatten.
„Vertraut ihr mir?“
Sie nickten
„Dann kommt mit!“
Sie ließen einen unordentlichen Haufen mit Klettergeschirr hinter sich liegen und rannten Yusuf hinterher. Zu seinem Truck. Was sollte das denn, damit sitzen wir wie auf einem Präsentierteller!
Yusuf verschwand für einen Moment im Inneren dann warf er Jack etwas zu. Ein AR-15 Gewehr, geladen! Und Pistolen für die Mädchen. Und dann drei kugelsichere Westen und Geschirre und ein paar Magazine. Und kurz darauf erschien Yusuf in einem schwarzen Tarnanzug mit einem Helm unterm Arm.
„Die Waffen sind für den Notfall. Jack du willst Soldat werden, also zögere nicht wenn du einen Clown siehst. Knall ihn ab! Wir bekommen in sechzig Sekunden Verstärkung. Ich bringe euch in Sicherheit, das habe ich eurem Vater versprochen.“
Sie zogen sich schnell an und stopften die Magazine in die Geschirre. Drei schwarze Geländewagen hielten mit quietschenden Reifen vor ihnen und die hinteren Türen des mittleren Wagens sprangen auf. Da stiegen sie ein und Yusuf winkte ihnen nach. Türen zu und los ging es. Sie preschten aus der schweren Pforte. Zu ihrer linken sahen sie in der Ferne dicke Rauchschwaden und Flammen. Sie fuhren ein paar Minuten. Dann passierte alles ganz schnell. Der Wagen vor ihnen wurde von einer Explosion zerfetzt und regelrecht in die Luft geschleudert. Ihr Fahrer ihres Wagens stoppte und wollte den Rückwärtsgang einlegen, da explodierte der Wagen hinter ihnen und ihr Wagen wurde von schräg rechts von Kugeln zersiebt. Jack stieß die Tür auf und zog die Mädchen aus dem Wagen. Verdammte scheiße, Akiras rechtes Bein blutete stark. Amber gab Feuerschutz und Jack schnallte sich die Waffe um und zog Akira hinter eine Häuserwand. Er untersuchte das Bein und vom Einschlagswinkel her sollten die Arterien und der Knochen unverletzt sein. Amber zitterte und wirkte gefasst. Akira weinte. Jack zeriss ihre Hose und legte ihr einen notdürftigen Druckverband an. Dann Half er ihr hoch und stützte sie, während er ihre Pistole nahm. Jetzt machte sich das Training mit Kaz bemerkbar. Sie humpelten zu einem nahen Wohnhaus und klingelten Sturm. Keiner regte sich. Amber verstand sofort und zischte davon. Keine fünf Minuten hörten sie ein Klicken und die Tür öffnete sich von innen. Sie schleppten Akira ins Wohnzimmer und aufs Sofa. Sie verlor viel Blut. Sie brauchte dringend Hilfe. Jack sah sich händeringend um. Das Licht war ausgeschaltet.
„Amber such‘ nach einem Erstehilfekasten. Schnell!“
Er legte die Pistole neben Akira und entsicherte das Gewehr. Er schlich in die Küche, schnappte sich ein Messer und verriegelte die Tür. Clowns näherten sich dem Haus. Er schoss aus dem Fenster und erwischte zwei von ihnen. Der Rest suchte Deckung hinter den parkenden Autos, sie schossen auf ihn und die Kugeln prasselten gegen die Wand. Ein paar Kugeln zischten durchs Fenster, aber die Wände – hoffentlich Beton – hielten stand. Einer der Clowns versteckte sich auf Höhe der Seitenfahrertür. Er hatte den besseren Winkel und schoss eine Salve ab. Die Scheibe auf der Fahrerseite zersprang und die panzerbrechenden Kugeln durchlöcherten die Beifahrertür. Er hörte einen erstickten Schrei gefolgt von einem Gurgeln. Getroffen Schweinehund. Fuck, er hatte gerade drei Menschenleben ausgelöscht!
   Er warf einen Blick ins Wohnzimmer wo Amber mit einem Erstehilfekasten über Akira kniete und ihr Bein verband.
„Die Kugel ist durchgegangen. Sie braucht einen Arzt!“
Wir brauchen nicht nur das. Er spähte aus dem Fenster und sprang zur Seite aus der Küche raus und er zog Amber und Akira vom und hinter das Sofa. Kurz darauf hörten sie ein Donnern als das RPG Geschoss durch das Küchenfenster geschossen kam und in die Betonwand krachte. Betonbrocken und Splitter schossen durch die Gegend und die Druckwelle zerstörte die Küche.
Er sah sich panisch um. Da, die Tür zur Terrasse. Nein sie saßen in der Falle, aber von der anderen Seite kamen die Clowns. Er hörte ihr Geschrei. Akira ich hoffe du kannst auch unter starken Schmerzen klettern. Er sah den Heizöltank im Garten. Und er hatte in der Küche ein Zippo gefunden.
Hoffentlich gingen keine Unschuldigen bei der Aktion Hops.
   Akira stand auf biss die Zähne zusammen und sprang unter Schmerzensschreien die Wand hoch und erreichte die Kante. Sie blieb oben sitzen und half Amber und ihm. Oben schoss er eine Salve in den Tank und warf das lodernde Feuerzeug in die sich schnell ausbreitende Lache aus Heizöl. Der entzündete sich fauchend und versperrte den Clowns den Weg. Er ließ sich über die andere Seite fallen.
   Akira heulte vor Schmerzen aber sie humpelte so schnell sie konnte, von ihm gestützt. Plötzlich quietschten Reifen hinter ihnen und schwere Geschosse donnerten hinter ihnen in den Gehweg. Sie warfen sich hinter die parkenden Autos. Das Wummern kam näher. Dann hörte er das Donnern eines schweren Diesels. Es krachte gewaltig und das schwere MG stoppte abrupt. Jack spähte hinter dem Auto hervor. Yusufs fahrender Schrotthaufen hatte den Wagen der Clowns mit seinem 50 Tonnen Kampfgewicht einfach überrollt. Der Truck hielt auf ihrer Höhe quietschend an und die Tür zum Wohnteil sprang auf und Yusuf eilte heraus und half ihnen Akira ins Innere zu heben. Sie fuhren los. Moment Mal, der Araber war doch bei Ihnen, war die Kiste auch autonom? Yusuf las seinen Blick und schüttelte nur den Kopf.
„Vorne sitzen Nadja und Igor in Kampfanzügen, wir bringen euch in Sicherheit.“
In dieser Rostlaube? Sie hörten wie irgendwas von unten gegen den Unterboden knallte, aber nichts passierte. Kugeln schlugen um sie ein, aber sie drangen nichts ins Innere. Das Innere!
Das war nicht der Innenraum des Trucks den er kannte. Alles war weiß und schwarz und die Wände waren voller Fächer und Schubladen. Der Araber besah sich das Bein und nickte zufrieden. Aus einem Fach zog er eine Blutkonserve und hängte Akira an den Tropf. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und sie schluchzte heftig.
„Tapferes Mädchen. Die Wunde wird schon wieder und es wird höchstwahrscheinlich keine Schäden geben.“
„Wie sieht es mit euch aus? Seid ihr verletzt?“
Die Stimme war von Nadja und kam durch den Kriechgang über dem Motorraum.
Amber und er tasteten alles ab, aber nein kein Blut, keine Schrappnelle.
„Nein, wir sind in Ordnung.“
„Wunderbar, nicht dass ich gleich meine erste Klasse verliere.“
„Nicht so laut. Noch haben wir es nicht geschafft. Und diese Mühle ist lahm wie Sau.“
„Aber das ist ein Theta, die brauchen schon was Größeres als ein RPG um hier reinzukommen! Wie geht es Akira. Als wir die Explosion hörten, haben wir gleich den Truck fertig gemacht, den hätten wir gleich nehmen sollen. Dem macht eine IED nichts. Verdammt, hoffentlich saß da niemand drin den ich kannte. Verdammte scheiße. Diese Schweine haben eine A380 mit Passagieren in den Horizon Tower auf der anderen Seite vom Fluss gejagt. Da sind hunderte bei gestorben, vielleicht sogar tausende. Aber die haben schnell geschaltet und die Brücken hochgezogen und alles dicht gemacht. Und ihre Flotte an Gunships in die Luft geschickt.“
Verdammt warum redete die immer so viel. Er hielt Akiras eine Hand, Amber ihre Andere. Auf einem Bildschirm sahen sie das Gelände von Horizon. Das Krankenhaus und der Turm im oberen Drittel standen in Flammen.
„Wurde die Schule angegriffen?“
„Anzunehmen, aber wir sind gut vorbereitet. Wir haben ein Verteidigungssystem gegen Raketen und die Außenwände sind Meterdick und durch die Schleusen kommt keiner rein.“
„Warum sind wir nicht geblieben?“
„Weil es bei eurem Onkel noch sicherer ist. Das ist eine echte Festung und gut bewacht.“
„Wissen wir. Was wisst ihr über die Festung.“
„Sorry, das liegt über meiner Gehaltsgrenze. Das kann ich dir nicht beantworten.“
„Wo müssen wir hin?“
„Lieferanteneingang und dann links.“
„Geht klar. Für einen fetten Mülleimer ist die Kiste ganz schön fix. Ich bin bei 75 km/h. Kids wir sind in kürze da. Bitte halt durch Akira.“
Akira hatte die Augen geschlossen und stöhnte. Jack drückte ihre Hand fest.
„Nadja, du warst doch Sanitäterin, kannst du sie flicken?“
„ja na klar, Moment.“
keine Minute später kniete sie über Beinwunde und begutachtete sie.
„Du hast verdammt viel Glück gehabt Mädchen. Ich kümmere mich um dein Bein also sei bitte ganz Tapfer.“
Es war kurz und schmerzhaft und Akira schluchzte vor Schmerzen. Dann saß der Verband ganz fest und Nadja beugte sich vor um Akira sanft an der Schulter zu schütteln.
„Du hast es überstanden. Du solltest aber nochmal geröntgt werden, wenn der Trubel hier vorbei ist. Du hast dich gut geschlagen. Bei meiner ersten Schusswunde habe ich stärker geheult als du.“
Nadja zwinkerte ihnen zu, Dann setzte sie wieder den Helm auf und kroch ins Führerhaus.
„Shit, siehst du den Leopard 2, was will der den.“
„Er nickt mit dem Kanonenrohr, ich denke das heißt wir können weiterfahren.“
„Hoffen wir es.“
Ein Leopard 2 Panzer? Die waren doch gar nicht mehr im Dienst. Er sah durch den Kriechgang nach vorne und nach draußen. Stimmt. Leopard 2 A6. Nicht mehr wirklich taufrisch. Pechschwarz und das Symbol der Geister prangte seitlich am Turm, oha.
   Sie passierten den Kampfpanzer und näherten sich dem Haus. Alles war Dunkel und kein Licht brannte. Der Truck fuhr in den Liefereingang hinab und nach links durch ein schweres Rolltor. In der dunklen Halle blieben sie stehen und alle stiegen aus. Yusuf klappte eine Trage aus und sie betteten Akira da drauf und brachten sie durch ein Gewirr von schlecht beleuchteten Gängen zu einem Fahrstuhl und fuhren in den dritten Stock. Woher kannten sich Nadja und Igor hier eigentlich so gut aus? Hier waren nirgends sichtbare Schilder und sie hatten sich nicht einmal verlaufen.
Vor der Haustür erwarten sie das Personal, Lien und Suzi mit Kampfmessern und Pistolen und Benj mit einer Shotgun. Alle hatten Schutzsichere Westen um. Ihre Eskorte verließ sie und Sie wurden reingelassen. Die Fenster waren Schwarz und Blickdicht und es brannte Licht. Zitternd ließen sich die drei auf dem Sofa nieder, beziehungsweise Akira lag auf einem, und sie legten die Waffen nieder. Yusuf tigerte unruhig umher. Amber schaltete den Fernseher ein und einer der großen Sender brachte eine Eimeldung.
„Uns erreichen Berichte nach denen Adrian Drosser und Miranda Klee, die Tochter des Oberbürgermeisters brutal von dem Mörder hingerichtet wurde, der die Republik zuletzt im April in Angst und Schrecken versetzt hat. Man nennt ihn Dagger …“
Amber schaltete um, und schaltete und schaltete, aber kein Sender berichtete auch nur im Entferntesten von den massiven Explosionen bei Horizon. Dann blieb sie wieder beim ersten Sender hängen.
„ … ein großes Drama für unsere Stadt, nach dem versuchten Mord an Adrian Drosser durch Ryan Solomon und … heh, wir sind auf Sendung das dürfen sie nicht!“
Die beiden Nachrichtensprecher wichen zurück als zwei vermummte Männer in schwarzen Kampfanzügen mit HK416 Sturmgewehren die beiden Nachrichtensprecher zurückscheuchten. Gefolgt von einem Mann über sechzig der Ähnlichkeiten mit Manfred Bluhm hatte. Dieser Legte einen Stapel mit Papieren und einem Laptop auf den Tisch und winkte in die Kamera.
„Test test? Haha, es funktioniert. Entschuldigen sie das dramatische Eingreifen, aber wie soll man euch sonst daran hindern diese Grütze zu senden. Und wenn ihr auf die Polizei wartet … die haben gerade besseres zu tun. Aber kurz zu mir. Die wenigsten dürften mich kennen, ich bin Wilhelm Bluhm. Ehemaliger KSK Befehlshaber und Gründer und Anführer der KSK Gruppe „die schwarzen Wölfe“, einer der besten Militärspezialeinheiten der Welt. Bis zu meiner Verletzung. Seitdem führe ich einen gut laufenden Sicherheitsdienst hier in Berlin und mein kleiner Bruder führt die Wölfe seither. Aber genug Geschwätz. Wir wollen euch ein paar Fakten nennen. Soeben haben unsere Junior Clowns versucht die Familie Solomon auszulöschen. Ist ihnen nicht ganz gelungen und die Überlebenden sind in Sicherheit und ich werde ihre Positionen ganz sicher nicht verlauten solange diese Clown Psychopaten und korrupten Cops draußen herumlaufen. Und jetzt schalten wir mehr oder weniger Live zu den Angriffen der Clown, während ich meine Brille suche.“
Fuck, meinte er damit dass Mama tot war? Ihm wurde kalt. Akira neben ihm auf dem anderen Sofa brach in Tränen aus. Amber drückte fest seine Hand. Und wo zum Geier waren Kaz und Anna hin? Hoffentlich ging es ihnen gut.
   Sein Herz verkrampfte sich als er die Fernsehbilder sah. Das war das Gelände von Horizon.
Irgendwas war in den riesigen Turm gekracht und Feuer loderte aus einem riesigen Loch gefolgten von dicken schwarzen Rauchwolken, wie bei Nine-Eleven vor fast fünfzig Jahren. Das Krankenhaus war schwer getroffen worden und brannte Lichterloh. Auf Dem Vorplatz tummelten sich eine Menge Gestalten die zu jubeln schienen. Dazu eine Menge Trucks.
   Das Pförtnerhaus war nur noch Asche. Und dann diese grausamen Bilder. Ein riesiger Airbus A380 im Tiefflug flog auf den Horizon Turm zu und krachte in das untere Drittel und Explodierte in einer heftigen Explosion. Die Clowns unten am Tor jubelten und zogen ab als, der Turm krachte und sich langsam neigte. Wie verdammt viele Menschen sind dabei umgekommen. Es war erst früher Abend an einem Freitag, das waren bestimmt viele noch ihren Büros. Und die Flieger waren sicherlich auch nicht gerade leer.
   Der Turm stürzte und eine gewaltige Staubwolke türmte sich auf. Die Qualmwolken türmten sich hoch in die Nacht hinein und überall loderten Brandherde.
„Seht ihr das verdammt nochmal? Das Werk der Clowns. Wollte ihr diese Bastarde immer noch decken. Ihr Clowns da draußen, wir haben da mal was vorbereitet für euch.“
Ein Countdown mit zehn Minuten lief über das Bild, als sich die Tür hier bei ihnen öffnete und zwei Gestalten in Anzügen hereinstolperten. Der eine war definitiv Kaz und die andere Gestalt war eine Frau, dass musste Anna sein. Lien nahm das Scharfschützengewehr in die Arme und legte es zur Seite während die Frau den Helm abnahm. Genau es war Anna und ihr liefen Tränen über das Gesicht. Kaz war über und über mit Blut besudelt. Er nahm den Helm ab und auch er stand unter Schock und weinte.
„DAD, MUM!“
Amber sprang auf und umarmte die beiden.
„Papa ist das dein Blut?“
„Nein, das von Papa und das der 10 Clowns und von Adrian Drosser.“
Wie Kaz das so einfach sagte. Moment Mal, tote Clowns und die Nachrichten sprachen von dem Mörder Dagger. Seine Augen weiteten sich vor Angst. Kaz war Dagger? Dieser kranke psychopatische Massenmörder der seine Opfer sadistisch quälte. Er griff nach einer Pistole und zielte mit heftig zitternder Hand auf Dagger.
„Jack was machst du da, ich bin‘s Kaz, dein Onkel. Nimm die Waffe runter!“
„Du bist ein sadistischer Mörder und du bist ein Geist.“
Kaz wirkte sehr resigniert.
„Ich gebe zu dass das stimmt. Aber ich töte keine Unschuldigen. Meine Opfer haben den grausamen Tod durch und durch verdient.“
Akira war kalkweiß geworden und griff auch nach einer Pistole. Amber wich angstvoll vor ihrem Vater zurück, während sich Anna schützend vor Kaz stellte. Benj, Suzi und Lien standen da und wirkten fast gelassen. Was war hier los?
„Kinder, das ist die Stunde der Geister. Das ist unser Moment. Und es ist pure Tragik, dass meine Eltern und dein Vater und deine Mutter zu den Opfern der Clowns gehört haben mussten.
Mein Vater ist in meinen Armen gestorben. Ich war zu spät verdammt nochmal. Wir … ich war nachlässig und die vier mussten mit dem Tod bezahlen. Die Welt ist verdammt grausam.
Es tut mir so leid, aber bitte nehmt die Waffen runter.“
„Und das Training im April? Du willst uns zu kaltblütigen Killern machen!“
„Wollt ihr das nicht? Gerechtigkeit in die eigene Hand nehmen? Die Toten rächen? Die Clowns dafür büßen lassen, was sie euch angetan haben. Sagt nicht, ihr hättet nicht davon geträumt grausame Rache an den Clowns zu nehmen.“
Amber und Akira wirkten beschämt. Verdammt es stimmte leider was Dagger da sagte. Die Welt war scheiße und ungerecht. Und er wollte Clowns und andere böse Jungs töten. Und es hatte sich verdammt gut angefühlt diese Clowns zu erschießen. Aber er war kein Sadist.
„Du bist ein Sadist!“
„Man kann sich leider nicht alles aussuchen was man ist. Ich habe meine Vorlieben gut unter Kontrolle und finde Ventile dafür. Dagegen gibt’s leider keine Pillen.“
Dagger lachte trocken.
„Und die drei da, wer sind die?“
„Wir sind Geister, sie sind Geister, bald seid ihr Geister. Teil der Familie. Die Geister sind um euch herum wohin ihr auch seht.“
Das war echt unheimlich. Aber leider klang es auch cool.
„Wie viele von euch gibt es?“
„Ich bin inaktiv, ich kann dir keine genaue Zahl sagen. Aber wir sind keine sehr große Organisation, weil nur die besten der besten uns beitreten.“
Die besten der besten, huh. Dazu gehörten sie drei doch gar nicht.
„Wir sind alles was von der Familie Solomon übrig geblieben ist. Wir gehören jetzt zusammen, wir fünf. Wir sind wie ein Rudel Wölfe. Das ist übrigens Mama Wolf.“
Dagger stupste Anna an, die verlegen lächelte und sich die Tränen wegwischte.
„Bekommen wir dann alle Codenamen wenn wir bei den Geistern sind.“
„Japp und wo wir schon dabei sind: Ich bin Dagger, Anna ist Quiet, Benj ist Ape, Suzi ist Dash und Lien ist Needle. Und Alpha ist Maras Vater.“
Allein .. zu dritt unter Geistern. Und Wolfgang war ein Geist, dann waren die schwarzen Wölfe bestimmt auch alle Geister. Oh man.
„Wer ist der Anführer?“
„Wir kennen seinen Codenamen, aber wir wissen nicht wer er ist: Das Auge. Er sieht alles und er weiß alles. Zumindest ab und zu.“
„Wenn er alles sieht, wie konnte er das alles nicht vorhersehen.“
„Weißt du, die Welt ist unfassbar komplex und es gibt unvorstellbar viele Varianten für jedes Ereignis. Da kann man nicht alles Wissen, aber Wolf wusste, dass heute etwas Großes passieren würde. Auch wenn ich nicht mit diesem Ausmaß gerechnet habe, aber ich war nicht eingeweiht. Ich hab versucht meine Familie zu retten aber trotz meiner Mittel habe ich versagt. Es tut mir so leid verdammt nochmal.“
Jetzt kamen Jack wieder die Tränen und er legte die Pistole auf dem Tisch ab. Akira folgte ihm und sie umarmten Kaz und Anna, Amber schloss sich ihnen an. Jetzt waren sie nur noch zu fünft. Aber sie waren nicht so wehrlos wie seine alte Familie. Er würde ein Geist werden. Sie lösten sich wieder und Die Angestellten nickten ihnen freundlich zu. Lien verschwand in die Küche während Kaz oder Dagger und Anna ins Schlafzimmer gingen, um sich umzuziehen. Kurz darauf erschienen sie wieder in bequemen Sachen. Zu fünft quetschten sie sich auf das Sofa und sie schlangen trotz der Wärme Decken um sich.
„Du bist ja verletzt Akira! Hat es dich schlimm erwischt?“
„Nein geht schon, auch wenn es ganz gut wehtut.“
„Du armes Mädchen, ich hoffe es tut nicht zu weh, wenn wir hier sitzen?“
„Nein ich bin ok.“
Der Timer auf dem Fernseher erreichte Null und er verschwand. Dafür flackerte der weiße Schädel der Geister über den Bildschirm und Verschwand wieder.
„Deutschland“
Videoschnipsel von Clownangriffen flackerten über den Bildschirm. Ein paar erkannte Jack wieder und bei ein paar musste er ins Bad rennen um sich zu übergeben. Seine und Ryans Prügelei mit den Clowns, Das Massaker auf Mara und Helena. Die Hinrichtung ihrer Eltern und Großeltern. Dann andere Bilder. Autobomben, Molotows in Kinderwägen oder auf Personen, Messerstechereien, IEDs, Schießereien, Autounfälle. Die Szenen verliefen jetzt Parallel in kleinen Kästchen und eine Zahl zählte rasend schnell hoch und stoppte bei 3785 Toten. In Deutschland allein. Durch die Clowns.
Einfach nur Krank. Das wusste er nicht, dass es so viele waren.
„Ihr habt nichts gemacht. Ihr habt sie gedeckt. Heute ist Zahltag.“
Ein Video ohne Ton wurde eingeblendet. Ein Militärbriefing. An der Wand hing die amerikanische Flagge und die Flagge der Geister. Dann weitere Einblendungen. Die Situation war dieselbe. Briefings von Militärs in verschiedenen Umgebungen. In Zelten, In Schiffen, In Gebäuden. Aber alle teilten die gleiche Botschaft. Die Clowns waren zu weit gegangen. Er sah mehr Landesflaggen als er kannte. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Schweiz, Österreich, Polen, Russland, China, Japan, Indien, Israel, Afghanistan, Iran, Ägypten und so weiter.
   Ein Schnitt zu einer Reihe von Schnipseln, der Vorbereitung. Panzer wurden bemannt, Soldaten checkten ihr Equipment, Soldaten in schwarzen Uniformen rannten zu startenden Transportflugzeugen und Helikoptern, Cockpitsichten aus Kampfjets auf Flugplätzen und auf dem Deck von Flugzeugträgern. Und dann ging es los. Schwärme von Helikoptern donnerten durch die Luft, er sah Staffeln Blackhawks und Ospreys mit Geleitschutz von russischen Mil Mi-43 Gunships.
Staffeln von Jets und strategischen Bombern. Bodenkampfflugzeuge. Kolonnen von Panzern und Schützenpanzern mit langen Ketten von LKWs und gepanzerten Fahrzeugen hinter sich her.
Dann Schwärze.
„Heute werdet ihr bezahlen! We make you pay tonight!“
Und ein Ziel ploppte auf. Es sah aus wie die Hochburg der Clowns. Eine alte umgebaute Fabrik alleinstehend in einer weiten Fläche. Drohnen zeigten Nahaufnahmen. Massenweise Clowns mit Waffen. Werkstätten wo Fahrzeuge mit Waffen bestückt wurden, laute Musik dröhnte aus Boxen und er sah ein paar Clowns Feiern. Dann Schwärze.
   Jack kochte vor Wut, ihr verdammten Schweine. Jetzt waren Drohnenbilder zu sehen. War das Konserve oder Live? Die Hochburg aus ein paar Kilometern Entfernung. Die Musik war immer noch vernehmbar. Dann schoss etwas über den Himmel auf die Burg zu und ein Lichtblitz blendete sie alle und ging in eine gewaltige Explosion über, welche die Festung der Clowns völlig zerfetzte. Das Donnern der Explosion war unglaublich laut.
   Es wurde wieder ins Studio geschnitten, wo Wilhelm mit einer Lesebrille halb auf der Nase eine Pfeife schmauchte.
„Da habt ihr es, ihr Clowns, ihr habt euch mit den falschen angelegt. Ihr wollt das Militär zermürben. Aber das sind harte Kerle und Frauen. Wir geben nicht locker und es hat uns gereicht, dass unsere Verwandten von euch abgeschlachtet werden. Wir befinden uns in der wahrscheinlich größten internationalen Militär Aktion überhaupt. Wir werden zentrale Knoten besetzen und korrupte Schweine davon abhalten, uns stoppen zu wollen. Heute Nacht bezahlen die Clowns für ihren Terror. Ihr hört von uns. Zumindest wenn die Flaschen sich trauen, wieder auf Sendung zu gehen. Wir machen uns jetzt vom Acker bevor die GSG9 hier auftaucht. Ich wünsche euch noch eine angenehme Nacht.“
Der Bildschirm wurde dunkel und sie blieben angespannt sitzen.
„Wie fühlt ihr euch? Ihr drei?“
„Ungewöhnlich gut für jemanden, die gerade ihren Vater verloren hat. Du Jack?“
„Ich glaube nach Ryan ist mein Sensor für Verlust im Arsch.“
„Sorry für euch beiden, aber ich vermisse meine Großeltern.“
Dagger nahm Amber sanft in den Arm und drückte sie. Mörder hin oder her, er war irgendwie auch empathisch und wirkte jetzt total normal. Hieß das er war kein Psychopat oder spielte er seine Rolle nur so gut? Anna stand auf.
„Habt ihr Hunger? Wir haben Kuchen, Kaffee und Kakao in der Küche. Lien bereitet gerade alles vor. Es ist mit dem Verlust zwar nicht so schön, aber wir haben zwei Geburtstagskinder. Herzlichen Glückwunsch nachträglich ihr beiden tollen Mädchen.“
Kuchen wenn die Welt untergeht? Er war dabei. Er sah in die Runde und sah zustimmende Gesichter.
Minuten später hatten sie sich auf die drei Sofas verteilt und aßen eine richtig leckere Torte und tranken tollen Kakao.
„Für dich Akira hab ich etwas ganz besonderes. Es wurde heute früh geliefert. Dein neuer Spezialanzug und du bist jetzt offiziell im Training bei den Geistern. Dein Name ist Diamond Snake.
Das Paket steht sicher im Keller, das hole ich morgen hoch. Auch wenn du es erst richtig testen kannst, wenn dein Bein verheilt ist. Und Liz hat dir ein Riesenpaket geschnürt und ich fürchte wir alle wissen, was da drin ist.“
Er holte ein nicht kleines Paket und drückte es Akira in die Hand die es sogleich aufriss.
„Verdammt das sind alles Perücken. Das ist aber mehr als die eine, die sie mir im April versprochen hatte.“
Akira stellte das Paket vor sich auf den Boden und nahm eine der Schachteln heraus und verschwand damit kurz humpelnd im Bad. Kurz darauf kam sie mit einer tollen langen Haarmähne in ihren typischen Regenbogenfarben heraus.
„Das ist ja der Wahnsinn. Auf Liz.“
Sie hob ihren Becher und tranken.
„Für dich Amber haben wir lange überlegt, aber weil du so tierlieb bist, möchten wir dir eine Katze schenken.“
„Einen Panther?“
Amber strahlte und Dagger und Anna sahen sich an.
„Puh, das wird knifflig, aber wir probieren es.“
Amber sprang auf ohne etwas umzuwerfen und umarmte ihre neuen Eltern überschwänglich.
„Ok, ich würde vorschlagen wie schlafen alle in dem großen Bett dort, dann sind wir bei euch, wenn ihr Albträume habt. Habt ihr was dagegen.“
Sie schüttelten den Kopf. Dann aßen die Torte auf und tranken aus und dann der Reihe nach ab ins Bad. Yusuf hatte sie schweigend beobachtet und zog sich aus der Wohnung zurück. Ein Bad war doch echt doof zu fünft. Sie kuschelten sich zu fünft in ihren Schlafoutfits ins Bett und Anna warf die riesige Pelzdecke über sie. Von links nach rechts Kaz, Amber, er, Akira und Anna.
Dick eingemummelt schliefen sie trotz des harten Verlusts schnell ein und schliefen seltsam traumlos und gut und tief.

ENDE Teil 1

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 29

29. Kaz – 20. August 2045 – Freitagabend – Die Stunde der Geister

„Großer wir sind schon spät, zieh dich mal an sonst verpassen wir die Feier!“
Schlagartig wurde er wach. Er war mit einem Katalog auf der Brust eingenickt. Mit diesen Katalogen konnte er mittlerweile Türme bauen. Er warf die Wolldecke zur Seite und rappelte sich auf. Anna wartete schon mit ihrem hinreißenden türkisfarbenen Kleid. Er stützte sich auf der Brüstung ab.
Heute feierten sie Ambers 16. und Akiras 19. Geburtstag nach.
   Er würde seiner Tochter eine Katze schenken, zumindest einen Gutschein für eine Katze. Nach ihrem Ausflug ihm Zoo und ihrer Begeisterung für Großkatzen, war das irgendwie die einzig logische Schlussfolgerung gewesen. Karl würde das schon verstehen hoffte er. Er spielte schon oft genug mit dem Waran oder ging mit ihm spazieren.
   Das war immer der Brüller und er machte sich zum Affen. Aber das hatte er sich immer schon einmal erträumt. Und Karl war freundlich und sanft und ließ sich streicheln. Kasimir war immer etwas wild drauf und zog die Leine samt Herrchen hinter sich her, wenn er etwas Spannendes sah.
Zweiter Monat mit Anna in einem Haushalt war gut überstanden und sie kamen gut miteinander klar. Sie hatten noch nie richtig zusammen gewohnt, und das war ihr erstes Mal. Amber kam gut mit ihr klar, auch wenn sie sie nicht Mama rief sondern beim Vornamen nannte. Aber sie akzeptiere, dass Anna in nicht allzu langer Zeit per Gesetz ihre Mutter werden würde, oder Stiefmutter, er hatte die Terminologie nicht so drauf.
„SIR, SIR! AUFWACHEN!“
Hal klang hellauf alarmiert.
„Ein Konvoi mit Vans der Clowns nähert sich in hohem Tempo ihrem Elternhaus!“
Verdammte Scheiße, warum konnten wir nicht hier feiern wo alles sicher ist. Aber dort. Alle verbliebenen Solomons auf einem Haufen. Der CEO eines Megakonzerns mit seiner Tochter, Eine schwer erfolgreiche Architektin mit ihrem Sohn, Ein erfolgreicher Autor mit seiner Tochter, und ein älterer Star Architekt mit seiner Frau. Auf dem Präsentierteller für die Clowns. Fuck, darauf haben die es wohl abgezielt. Uns erst in Sicherheit wiegen und dann zuschlagen wenn wir am schwächsten sind.
„ANNA! Raus aus dem Kleid, rein in deinen Anzug, ich brauche Feuerschutz. Die AWM ist im Schuppen.“
Anna ließ alles stehen und liegen, warf ihre High Heels zur Seite und schoss ins Schlafzimmer, er folgte ihr auf dem Fuß. Hal übermittelte ihm dass der Omega Avenger schon los preschte und Suzi den Lambda Swordfisch startklar machte, dessen Chamäleonhaut jetzt pechschwarz wurde.
Jetzt hatte sich das viele Üben bewährt gemacht. In Windeseile waren sie fertig und Kaz stopfte drei Reservemagazine in das Geschirr, das sich über den Anzug spannte. Er zog den Schlitten der schwarzen HK MR308 zurück und schnallte sie sich auf den Rücken und Anna schnappte sich ihre AI AWM und sie sprinteten zum Fahrstuhl. Und schossen zum Dach. Die Menschen oben drehten sich erschrocken zu ihnen um, als sie an ihnen vorbeirannten. Die Turboprop Triebwerke des Swordfish drehten schon auf allen Touren und sie sprangen durch die Heckklappe an Bord. Sie verständigten sich über eingebauten Funk. Die Klappe blieb offen und der Swordfish hob ab und gewann schnell an Höhe. Sie donnerten niedrig über die Stadt hinweg.
„Ich geh über das Dach rein und Suzi setzt dich in einiger Entfernung ab. Mein Anzug absorbiert Stürze bis dreißig Meter und deiner?“
„knapp vierzig.“
„Suzi gehört?“
„Klar und deutlich. Achtung ich kippe die Rotoren und geh ein bisschen auf Höhe. Nehmt Fallschirme, dann seid ihr gut mit dabei. Hab leider kein Equipment für einen HALO Sprung an Bord. Hal hat schon eine gute Position für den Sniper Overwatch ermittelt. ETA ist in fünf Minuten. Ich sag euch Bescheid wenn es Zeit für den Absprung ist, erstes Licht für Kaz, zweites für Sie Madam.“
er schnallte sein Gewehr vor die Brust und sie stiegen in die Fallschirme. Es waren schnell öffnende Schirme für Basejumping. Sie prüften gegenseitig ihr Equipment.
   Kaz Herz pochte. Über sein HUD sah er eine Videoeinblendung und sah dass die Clowns das Haus erreicht hatten und die Security überwältigten oder einfach erschossen. Die Polizei riegelte den Bezirk ab. Dreckiger korrupter Abschaum. Heute Nacht würde es sehr persönlich werden.
   Die Zeit verging wie im Fluge und das Grüne Lämpchen sprang an. Er sprang in den Nachthimmel hinaus und drehte sich in eine stabile Position. Er war nicht sehr hoch und zog fast sofort an der Leine. Als er etwa zwanzig Meter über dem Dach war, schnitt er den Fallschirm los und fiel wie ein Stein nach unten. Er kam schnell näher und krachte durch das alte morsche Dach. Es schepperte ordentlich als er auf dem Boden des Dachbodens landete und Ziegeltrümmer auf den Dielenboden regneten.
   Klopf Klopf Schweinehunde. Er prüfte schnell seine Waffe, entsicherte und trat die Tür zum Treppenhaus aus den Angeln. Ein paar Clowns rannten die Treppe hoch und er erschoss sie ohne zu zögern. Immer zwei Schüsse in die Brust und einer in den Kopf. Die toten Körper sackten zusammen und er rannte an ihnen vorbei an ihnen vorbei. Sein HUD zeigte ihm den Kugelstand. Die Clowns fielen wie die Fliegen und er bemerkte ihre Bewaffnung. Russische und chinesische Sturmgewehre. Überraschte ihn nicht. Er prüfte zuerst die Gästewohnung seiner Eltern. Leer. Dann die Wohnung seiner Schwester. Er fand sie auf dem Wohnzimmerboden in einer riesigen Blutlache und regelrecht mit einer Kettensäge zerstückelt.
   Sein Kiefer krampfte und er zitterte vor Wut. Die Kameras in der Wohnung seines Bruders zeigten sieben Clowns und Adrian Drosser in seinem lächerlichen bunten Joker Anzug. Er kochte vor Wut und warf das Gewehr zur Seite. Kugeln waren eindeutig zu schnell. Er zückte sein schweres Kampfmesser und sprang im Treppenhaus nach unten. Ein Clown sah ihn und rüttelte an seinem Gewehr herum, das offensichtlich klemmte. Kaz nahm Anlauf und trat dem Clown mit Anlauf in den Schritt. Der krachte gegen die Haustür und Blut strömte zwischen den Beinen hervor und er wimmerte vor Schmerz. Nicht für lange. Links klappte eine Klinge aus der Unterarmpanzerung und er rammte sie dem Clown durch die Augenhöhle in den Schädel. Er schlüpfte in die Wohnung und machte die Clowns platt, die gerade dabei die große Torte und den schön gedeckten Esstisch zu demolieren. Einem rammte er die versteckte Klinge von unten durch den Kiefer in den Kopf, einem anderen Schnitt er die Kehle durch und dem letzten riss er den Kiefer ab. Wie als würde der Anzug wissen, in welcher Rage er sich befand, wurde er schneller und die Attacken stärker.
   Zwei Clowns mit russischen AK-103 Sturmgewehren stürmten in den Raum und ballerten auf alles und trafen praktisch nichts und die wenigen Kugeln die Kaz trafen, prallten wirkungslos an seiner Panzerung ab. Dem rechten durchschnitt er die Beinarterien und rammte ihm die Klinge in den Schritt, dessen Schmerzensschrei hallte durch die Nacht. Dem linken stach er zuerst die Augen aus und rammte ihm ein Messer tief in den Rachen. Jetzt waren es nur noch zwei Clowns und Adrian. Einer der Clowns wollte durch das Fenster fliehen. Kaz war sofort bei ihm und rammte seinen Kopf gegen und durch das Fenster und zog sein Gesicht durch die Scherben. Der Clown war eine Frau und sie wimmerte vor Schmerzen.
   Adrian fuchtelte Panisch mit einer Pistole vor ihm herum. Er hatte sich die Haare Grün gefärbt und trug Clown Schminke. Falsches Universum du Flasche. Er brach ihm den Arm und ein trat ihm mit  voller Wucht von vorne so gegen das Knie, dass das Bein nach hinten wegbrach. Du bist ein miserabler Joker. Er warf einen Blick auf das Alkoholregal und ihm kam eine Idee für den letzten Clown. Dem brach er Arme und Beine und goss eine Flasche mit siebzigprozentigem Rum über Oberkörper und Gesicht. Ihr Clowns habt es doch so gerne mit dem Feuer. Hier ist deins Arschloch. Flammen loderten und es stank schnell nach verbrannten Haaren und Fleisch. Die Schreie des Clowns waren wie Musik in seinen Ohren.
   jetzt das Dessert. Er zerrte den wimmernden Adrian auf eine freie Fläche und riss den Anzug auf.
Genüsslich ritzte er die fünf Linien in die Brust.
Daggers Dolchsymbol.
SEIN Symbol.
   Er zückte seine M1911 und schoss Adrian in die Brust. Und dann aus Spaß zweimal in den Eier. Adrian bäumte sich auf und öffnete den Mund, gurgelte aber nur Blut hervor. Der König der Junior Clowns am Boden.
   Hatte er wen vergessen? Achja, die Fotze mit dem zerschnittenen Gesicht.
Das Extra Dessert. Er Riss ihr den Kiefer ab und zerstach ihr die Augen. Das letzte Bild, das du jemals sehen wirst ist mein Messer.
   Er seufzte tief und steckte das Messer und die Pistole weg. Er fühlte sich großartig.
Im Wohnzimmer fand er seine Familie. Alle grausam hingerichtet.
„Kaz beweg deinen Arsch. Polizei rückt mit zwei SEK Trupps an.“
Meldete Anna über Funk. Wilder Eifer kam in ihn hoch und sein Herz pumpte wie wild Blut durch seine Adern. Euch dreckigen Abschaum nehme ich mir auch noch vor. Das Messer ist durstig. Es hat schon lange kein Blut kosten dürfen.
„Wer bist du? Bist du der Tod?“
Er zuckte zusammen. Papa!
Sein Vater lag auf dem Boden und Blut strömte aus einer Wunde am Hals. Eine tödliche Wunde. Kaz kniete sich hin und schob das Visier seines Helmes hoch. Ein warmes Lächeln breitete sich auf Papas Gesicht aus.
„Kaz, die SEK ist da und kurz darauf, dass Haus zu stürmen. Raus da verdammt.“
Kam es von Anna. Aber das war ihm egal. Sein Vater lebte noch, wenn auch nur noch für einen Moment. Er hielt den schwächer werdenden Körper seines Vaters in den Armen und Tränen rollten ihm über die Wangen.
„Jetzt bist du das Oberhaupt. Ich bin stolz auf dich. Lebe wohl.“
Als der Blick seines Vaters brach, schluchzte er unkontrolliert. Und das Licht ging aus.
Von draußen hörte er Gemurmel, dann Schreie, vereinzelte Schüsse und dann nur noch Stille.
„Kaz Großer, das ist Alphas Rudel!“
Annas Stimme klang panisch. Er legte den Körper seines Vaters sanft zu Boden und erhob sich langsam.
   Er wusste schon, dass Alpha hinter ihm stand und er drehte sich langsam um.
Alpha in seinem Nachtschwarzen Kampfanzug stand hinter ihm.
„Willst du mich töten?“
Alpha schüttelte den Kopf.
„Ich und mein Pack haben versagt die unseren zu schützen. Familie ist etwas sehr heiliges. Es tut mir Leid verdammt nochmal.“
Fuck, diese Stimme! Das war Wolfgang Bluhm, KSK Offizier und Maras Vater. Und sein Freund und Mentor.
   Wolfgang klappte sein Visier hoch und trat auf ihn zu, Tränen liefen ihm über das Gesicht und tränkten seinen weißen Vollbart.
„Komm her Kleiner.“
Wolfgang umarmte ihn fest.
„Erst konnte ich meine Mara nicht schützen und jetzt nicht deine Familie. Ich habe auf ganzer Linie versagt.“
Ein Schock lief durch Kaz. Verdammt, was war mit Amber, Akira und Jack?
„Was ist mit den Kids?“
Wolfgang löste sich von ihm und sah ihn lange traurig an. Kaz Herz krampfte sich zusammen.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 28

28. Jack – 3.W. Juni 2045 – Samstagnacht.

Jack schluckte, seine Kehle fühlte sich trocken an. Was war denn nur passiert. Er hatte beobachtet wie Akira in eine der Wohnungen eingestiegen war, dann war überall das Licht ausgegangen und ihm war schwarz vor Augen geworden. Er machte die Augen auf. Neben ihm saß Karl und züngelte ihn an. Er bemerkte, dass er an Händen und Füßen mit Kabelbindern gefesselt war. Verdammter Mist. Rechts neben ihm lag Amber, die noch bewusstlos war. Er setzte sich auf und starrte Kaz in einer merkwürdigen Kluft an. Ihn hatte man doppelt und dreifach gefesselt. Neben ihnen lagen noch Akira und Anna, Kaz Verlobte. Die Mädchen schliefen alle. Kaz sah ihn an und sagte etwas Merkwürdiges.
„Karl, weißt du was ein Seitenschneider ist? Im Schuppen ist einer. Roter Schrank, dritte Schublade von unten. Holst du mir den bitte?“
Was war denn das bitte? Das war eine doofe Echse, was sollte die schon ausrichten können. Aber Karl schoss in den Schuppen und sie hörten ein Klappern und ein Scheppern. Fünf Minuten später kam das Viech wieder. Mit einem gottverdammten Seitenschneider im Maul. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wo das möglich ist?
„Guter Junge, kannst du mir die geben. Gleich bekommst du ein paar schöne Pfirsiche.“
Karl drückte Kaz den Seitenschneider in die Hand und sah ihn erwartungsvoll an. Es dauerte ein bisschen aber dann waren Kaz Hände frei, und dann die Füße. Sein Onkel befreite erst ihn und dann die beiden Mädchen und Anna. Jack schoss in die Küche um sich den ekelhaften Geschmack im Mund auszuspülen. Als er zurückkam rappelten sich die beiden Mädchen auf und Kaz war gerade dabei Anna wach zu schütteln. Trug Kaz seinen Kampfanzug unter den schlabbrigen Klamotten? Warum war er eigentlich gefesselt?
„Sorry Jack, ich hab dir Unrecht getan und du hattest einen echt guten Riecher und ich hab einfach nur gepennt. Wie ich sehe seid ihr drei ein gutes Team. Es tut mir Leid und trotz des Zwischenfalls mit Suzi bekommst du deinen Schlüssel wieder. Aber ich werde die Kombination der Waffensafes ändern und Annas AWM wegschließen.“
Wie bitte? Das Scharfschützengewehr gehörte dieser schlanken schönen Russin?
„Oh man, warum bekomme ich eigentlich auf den Deckel wenn ihr irgendwas Doofes macht. Weiht mich doch auch ein. Was war denn los?“
Kam es von Anna. Kaz war jetzt ganz ernst.
„Das war eine Warnung der Geister uns nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen. Ich glaube nicht dass Alpha beim nächsten Mal Gnade walten lässt.“
Akira und Amber starrten Kaz verständnislos an, Anna wirkte nervös und Jack war ratlos. Alpha war einer der Geister, so wie Dagger.
„Was habt ihr denn entdeckt?“
Fragte Kaz.
„Nicht viel, nur dass diese Wohnungen perfekte Aussicht und Überblick bieten. Und du?“
„Die Verbindungswände zwischen den Türmen werden als Lagerräume verwenden. Der Gang wo ich war für Waffen und Ausrüstung. In anderen vermute ich Lebensmittel, Sanitärartikel und medizinisches Equipment. Der Mittlere ist ein kompletter Bunker und ich in einen Aussichtspunkt eines Snipers gestolpert. Unter dem Sofa war ein M82A1 versteckt. Ich tippe, dass sich dort ein Duo eingenistet hat. Wahrscheinlich die größte Bunkeranlage der Welt, als Wohnhäuser getarnt und mit genug Leben gefüllt, sodass niemand Verdacht schöpft. Ich wette mit dir, dass es unter unseren Füßen verdammt tief unter die Erde geht, wahrscheinlich gibt es hier auch eine geheime U-Bahnstation oder ein separates Gleis für die Versorgung. Die Pläne sind gefaked, die zeigen nicht mal die realen Wandstärken. Und es ist recht international alles, Waffen und Equipment. Mein Gedanke war, dass nach dem Bau, viele Soldaten mit ihren Familien hier eingezogen sind.“
„Das ist doch total absurd.“
„Das weiß ich verdammt. Aber alles passt. Ich denke wir sind da in eine Sache reingestolpert die ein paar Nummern zu groß für uns ist. Und Alpha weiß, was wir wissen. Und wir sollten fürs erste auch Stillschweigen bewahren. Und absurd? Mein Omega hält A-10 Thunderbolts Frontal stand. Nimm dir dessen Scheibe und vergleich die mit der hinter dir. Und die Wände, Decken und Böden sind irrsinnig dick. Allein das Dach dürfte an die zwei oder drei Meter messen. Das ist ein Bunker verdammt nochmal. Und jetzt muss ich Karl füttern, ich hab ihm Pfirsiche versprochen und die bekommt er auch. Ohne ihn wären wir total am Arsch. Lien kommt erst in fünf Stunden.“
Jack wechselte Blicke mit Amber und Akira. Wenn jemand wie Kaz mit der Situation nicht fertig wurde sollten sie definitiv einen Gang runterschrauben. Das war ne Nummer zu heiß. Aber es machte ihn total neugierig. Und dieses Echsenvieh … das war doch nur absurd. Mussten sie nicht längst schon wieder im Internat sein? Internat war auf die Dauer auch irgendwie doof, aber sein Zimmer würde er nicht wirklich vermissen. Das war ein aufregender Tag gewesen.
   Sie beobachteten wie Karl sich über die Pfirsiche hermachte. Was für ein komisches Tier.
„Kinder ich muss euch leider ins Internat zurückbringen. Anna Liebes, lass dir doch ein Bad bei Kerzenschein ein, wenn es noch warm ist hüpfe ich auch noch mit rein wenn ich wieder da bin.“
Amber verdrehte die Augen und Akira und er bissen sich auf die Lippen. Tja, das ist deine neue Mama Amber, gewöhn dich an solche Sprüche, dachte er feixend.
   Sie zogen sich um und begleiteten Kaz nach draußen. Sie gingen durch den Park. Wer auch immer die Leute waren, die das hier gebaut hatten, sie schienen nicht feindlich zu sein. Zumindestens nicht feindlich gegen sie. Wie viele Augen sie wohl jetzt in diesem Moment beobachteten? Sie stiegen in den Avenger und düsten los. Beim BIT ließ er sie raus.
„Eine Sache noch Onkel, wie bist du überhaupt reingekommen?“
„Lara hat sich reingehackt, sie ist Hands off die beste Hackerin der Welt und sie ist Hals Geliebte.“
Kaz zwinkerte ihm zu, bevor Jack ausstieg und der Avenger davon düste.
   Hals Geliebte, also war sie eine KI. Interessant. Was hatte Hal auf der Party gesagt, dass es 16 ausgewachsene menschähnliche KIs gab? Nox, Prism, HALOS, Spectre, Theta. Alle von KIs entwickelt.
Das war eine merkwürdige Welt.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 27

27. Kaz – 3.W. Juni 2045 – Samstagabend.

Er war zu hart zu dem Jungen gewesen oder nicht? Oder? Er wusste es. Die Nachforschungen des Kleinen nagten an ihm. Das stimmte nämlich alles. Das war ihm auch merkwürdig erschienen. Er hatte die Pläne von diesem Viertel studiert, aber die zeigten nicht alles. Bei seinen Gängen hier hatte er schon vor so vielen Türen und Toren gestanden, die einfach nicht da sein dürften.
Außerdem waren auf den Plänen keine Räume für Notstromgeneratoren und die Komplexe Lüftungsanlage aufgezeichnet. Für Haustechnik bisweilen auch nicht. Nicht zu vergessen die Türen mit acht gut fünf Zentimeter starken Riegeln aus schwerem Stahl und den tiefen Löchern dafür im Türrahmen.
   Jetzt war das Abendessen vorbei, Anna war zum Lesen ins Dachcafé verschwunden und seine Angestellten hatten Feierabend. Und die Sache mit Jack tat ihm leid. Eigentlich hatte er gehofft, dass er das Armband einfach behalten würde, das war doof von ihm. Aber er war zu weit gegangen. Und Liz war einfach zu leichtsinnig mit ihren Waffen. Jeder Idiot, der sie näher kannte, konnte sich die Kombination des Schlosses der Waffensafes denken.
   Zumindest waren Amber und Akira geblieben und hatten den Jungen getröstet. Auch wenn sie ihm danach etwas zu glücklich gewirkt hatten. Merkwürdig. Er sah aus dem Fenster.
   Na dann würde er auch ein bisschen schnüffeln gehen. Er hatte jetzt einen Link und Hal fuhr den Wagen zu einer unauffälligen Position vor, stellte den Anhänger ab und fuhr eine Straße weiter und blieb dort stehen. Ein Mostquitoschwarm würde losfliegen und die Gegend erkunden.
„Lara, kannst du mich hören?“
„Klar und deutlich, was gibt’s?“
„Warst du am Bau dieser Gebäude beteiligt?“
„Nö, die anderen haben mich und Hal nicht gelassen, weil wir Hacker und Cracker sind. Willst du rein? Ich weiß wie.“
„Das wäre meine Frage.“
„Dazu müsstest du ein Spectre mit einem Prism koppeln, und nimm ein paar Akkus mit. Hast du sowas? Und ich brauche Zugang für beide“
„Ich hab genau sowas, warte mal.“
Das leistungsstarke Spectre, das er fürs Zocken verwendete, lag in einer Schublade. Er holte es und klappte es auf und loggte sich ein. Er folgte Lara Instruktionen und nach ein paar Minuten war sie drin, das wiederholte er mit seinem Prism. Dann holte er seinen Kampfanzug und schlüpfte hinein, darüber zog er eine weite Arbeitshose mit Hosenträgern und einen sackigen Kapuzenpullover, dazu Arbeitshandschuhe. Den Helm ließ er hier, hoffentlich schoss ihm keiner in den Kopf. Und er trug ein kugelsicheres Halstuch. Dann die aufgeladene VR Brille, den Stealth Rucksack, eine Tranquilizer Pistole und Laptop mit Prism und Spectre. Zu guter Letzt steckte er sich ein Fernglas … Moment mal, da fehlten ein paar. Amber, was habt ihr nur vor? Und sein Nachtsichtgerät nahm er mit. Anna war nicht in Form, er würde ihr gerade nichts sagen.
   Er schloss die Tür hinter sich und fuhr aufs Dach. Er entdeckte Anna mit einem Buch und einer Brille auf der Nase im Café und nippte an einem bunten Cocktail. Sie trug die neuen Sachen und den Kapuzenpulli. Die Frisur stand ihr echt gut auch wenn er ihre lange blonde Mähne vermisste.
   Völlig egal. Er schlenderte über das Dach und erkannte Jack sofort. Betont unauffällig in seiner Kaz-Verkleidung, dieses Mal nur mit einer AR Brille auf der Nase und blickte auf ein Smartphone.
Er schickte die Hawks los und suchte nach Amber und Akira. fünf Minuten später fand er sie auf dem Dach, zumindest Amber, die oben stand, während sich Akira im Schutz der Dunkelheit an der Fassade abseilte. Oh man, so jung und schon so gerissen. Aber vielleicht nicht gerade subtil. Zumindest hatten sie die Dunkelheit auf ihrer Seite. Er verließ das Dach und das Gebäude.
Zwei Polizisten liefen an ihm vorbei, einer nickte ihm zu. Kaz sah ihm nachdenklich hinterher. Jack hatte schon recht mit dem Symbol. Der rechte hatte das Symbol auf seiner rechten Gesäßtasche eingestickt. Der Gesichtsscan hatte ergeben, dass es saubere Cops waren. In Berlin Solomon gab es erstaunlicherweise keine korrupten Cops, jedenfalls hatte er noch keine gesehen. Gut zu wissen.
Er dachte an Andrea Wolf, ob sie bei ihrer Jagd erfolgreich war, er wünschte es ihr. Eine fähige Kripo Beamtin auf seiner Seite zu haben wäre schon nützlich. An der T-Kreuzung blieb er stehen und musterte die Umgebung so wie Jack es wohl vorher gemacht haben musste.
   War der Gullideckel dort schon immer so groß gewesen? Er trat näher heran und kniete sich über den Metalldeckel. Da ganz versteckt, war das Symbol eingekratzt. Merkwürdig. Er schickte die Silent Blades los um ein Luftbild zu machen.
   Da der dreißig Meter hohe Klotz in der Mitte, wo seine beziehungsweise Liz Wohnung lag. Mit dem Glasturm für das Haus der Welt und dem fetten Helikopter Turm. Drum herum in alle vier Seiten vierhundert Meter Park. Durchbrochen von den öffentlichen Eingängen für Schwimmbad und Fitnessstudio und dem unterirdischen Liefereingang mit dem ominös großen Rolltor und auf der anderen Seite die Zufahrt zur Tiefgarage. Wie mit dem Lineal geschnitten die Straße mit den Parkplätzen zu beiden Seiten, die einmal um den Klotz führte.
   Und dann ging der Park nochmal gute zweihundert Meter weiter und wie eine Mauer führten fette Festungsähnliche Gebäude herum aus denen in regelmäßigen Abständen ziemlich hohe Wohntürme hervorragten, die von mit Dicken Wänden aus Stahlbeton und Glas verbunden waren. Festung oder Burg war schon sehr treffend. Es waren auf zwei Seiten sieben Wohntürme in Reihe, auf den anderen Seiten neun und immer der mittlere war viel fetter als die anderen. Da würde er reingehen. Er schob sich das Totenkopfhalstuch bis unter die Augen, blendete die Brille ab und zog sich die Kapuze tief in die Stirn. Er suchte sich eine Siebenergruppe aus und nahm das zweite Gebäude aus. Er ging an den Ladengeschäfften im Erdgeschoss vorbei.
   Vor der Tür zum Wohntrakt berührte er das elektronische Schloss mit seinem Prism und nach zehn Sekunden war es offen. Lara war ein Genie. Im inneren besah er sich das Treppenhaus. 56 Stockwerke, ne die Treppe nahm er nicht. Es gab drei Aufzüge. Mit dem leeren Fahrstuhl fuhr er bis in den dreißigsten Stock und stieg aus. Unpersönlich konnte man das nicht nennen. Die Türen waren mit Aufklebern, Bildern und Postern beklebt. An ein paar hingen Flaggen. Er sah zwei deutsche, eine indische und eine amerikanische Flagge. Er ging einmal auf der Etage herum. Auf beiden Seiten wo die Verbindungswände waren, war jeweils eine breite Tür auf der Wartung stand.
   Lara knackte das elektronische Schloss in ein paar Minuten und die schwere massive Tür öffnete sich. Wartungstür von wegen, das ist wie eine gepanzerte Tresortür. Ein breiter weiß beleuchteter Gang, gut sechzig Meter lang und beidseitig von Deckenhohen Glasfenstern unterbrochen. Die Wände waren mit Fächern und Schubladen gespickt, alles Elektronisch gesichert. Er knackte eine breite Schublade und zog sie auf. Holla, zwei HK416 mit Schalldämpfern. In anderen Fächern fand er Magazine, Munitionskisten, Granatwerfer und so weiter. Alles Amerikanische und Europäische Hersteller. Chinesische oder Russische Sachen gar nicht. In einem Schrank waren schwarze Uniformen mit dem Symbol der schwarzen Geister auf dem rechten Oberarm. Dazu Kevlar Panzerungen und Geschirre für Munition und Ausrüstung.
   Er hatte das Waffenlager einer ganzen Armee gefunden. Überall war das Symbol, das seine Bücher zierte, dass wiederum das gespiegelte Symbol der Geister war, nur deren Symbol war weiß.
Ob das auf allen Etagen so aussah?
   Er ging den Gang weiter und knackte die noch fettere Tür. Laras Skills waren Gold wert. Er würde sie definitiv unterstützen wenn sie eine Spectre Fabrik in Deutschland bauen sollte. Was allein die ganzen Goldbarren in Liz Keller wert waren …
   Hier starrte er auf eine dicke Betonwand. Zu beiden Seiten waren in der Außenwand Wohnungstüren in den Beton eingelassen. Vor einer mit einer amerikanischen Flagge blieb er stehen und öffnete das Schloss. Die Wohnung winzig zu bezeichnen war eine Untertreibung. Direkt neben ihm war ein winziges Bad, daneben eine winzige Kochnische, die einzige weitere Tür führte in einen Raum mit Sofa, Fernseher, ein paar Regalen, einem Tisch. und einer großen Flagge an der Wand. Sieht irgendwie zu merkwürdig aus. Das Sofa hatte einen Kasten den er aufzuziehen versuche. Ging nicht. Er entdeckte ein Schloss und knackte es. Dann ließ sich der Kasten herausziehen. Bingo, ein Barrett M82A1, ein schweres Scharfschützengewehr in .50 BMG. Das war doch alles Fake. Er trat auf den Balkon. Perfekte Sicht auf das Viertel. Ein Scharfschützennest. Gerade leer, aber definitiv bewohnt.
   Fuck, er bemerkte erst jetzt dass der Fernseher lief, Spielkarten auf dem Tisch lagen neben zwei halbleeren Bierflaschen. Die waren noch kalt gewesen. Damn it.
   Plötzlich ging das Licht aus und Dunkelheit umgab ihn. Er wollte wieder reingehen als er ein ungutes Gefühl hatte, er zückte die Taschenlampe und machte sie an.
   Alpha! Er stand im Türrahmen zum Flur und sah ihn stockstarr an. Ein wahrhaftiger Geist.
„Bist du hier um mich zu töten?“
Der Geist schüttelte mit dem Kopf.
„Aber ich darf nicht mehr weiterschnüffeln?“
Der Geist nickte.
„Wer seid ihr?“
Aber nichts passierte, außer dass seine Taschenlampe erlosch und ihm schwarz vor Augen wurde.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 26

26. Jack – 3.W. Juni 2045 – Samstagnachmittag.

Sie hatten sich Räder von der Uni ausgeliehen. Heute trafen sie sich mit Kaz, er meinte er wollte ihnen jemanden vorstellen. Na dann, er war gespannt. Amber war etwas traurig, dass es kein Tandem gegeben hatte. Sie war echt süß. Seit wann waren sie zusammen? Seit knapp zwei Monaten und ihm kam es schon wie eine halbe Ewigkeit vor. Aber sie hatten sich darauf geeinigt dass es Sex erst geben würde, wenn sie volljährig wäre. Also noch zwei lange Jahre. Vielleicht würden sie einfach schummeln, unter Dieben und so. Schwer zu glauben, dass ihr netter wenn auch ein bisschen durchgeknallter Klassenlehrer auch noch ein Meisterdieb sein sollte, aber zuzutrauen war‘s ihm bestimmt. Der Verrückte radelte mit einem Schrotthaufen von einem Fahrrad  voraus und drehte sich im Fahren eine Zigarette. Sie drei radelten hinterher. Akira war etwas schweigsam. Ihre Haare waren mittlerweile noch kürzer und sie brauchte nicht mal mehr Gel. Warum machte sie das? Er verstand das nicht. Und mögen tat er es auch nicht. Amber trug mittlerweile immer, außer zu Sport eine lange dunkelbraune Perücke, die ihr Vater ihr aus Liz Sammelsurium gegeben hatte.
Damit war sie richtig heiß, auch wenn sie bei dem Wetter unter dem Ding bestimmt ganz schön schwitzen musste. Der Juni war knallhart heiß und heute sollte es über dreißig Grad heiß werden. Zum Glück war ihr Zimmer auf dem Internat temperiert und Sergej mochte es auch eher kühl.
Das mit den Aussetzen der Clownattacken war ihm suspekt und zu gerne hätte er mit den Animals ein paar Clowns verdroschen, aber Amber wollte das nicht. Sie wollte so viel Zeit mit ihm verbringen wie möglich. Akira verdrehte immer genervt die Augen wenn sie sich küssten oder Händchen hielten, tat aber immer ganz unschuldig wenn Jack darauf hinwies, dass sie dasselbe mit Sahid machte und zwar auch die ganze Zeit und gar nicht nervtötend. Trotzdem waren wir drei mittlerweile ein echt gutes Team. Und wir haben alle die gleichen Sonderkurse, fast. Akira hatte ein paar zu Elektrotechnik und Robotik. Mit Informatik konnte er nicht so richtig was anfangen, aber ein bisschen Programmieren konnte er schon. Amber radelte neben ihm und es war ein gewisser Balance-Akt beim Fahren zu küssen ohne runterzufallen oder irgendwo gegenzuknallen. Akira seufzte nur genervt, dann versuchte sie dasselbe mit Sahid. Yusuf drehte sich zu Ihnen um und lachte gackernd während er sich die Zigarette mit einem Zippo anmachte.
   Die Straßen waren ruhig und überall waren Leute, die auf den Straßen Fußball spielten, joggten, spazieren gingen und sich in Biergärten, Lokalen oder Cafes trafen. Yusuf war hier mittlerweile ein Star und unzählige Leute grüßten sie auf der Vorbeifahrt. Amber hatte erzählt, dass ihr Vater mittlerweile das Haus nur noch mit einem dicken Stapel Autogrammkarten verließ und dass die aktuelle Auflage seiner Bücher restlos ausverkauft war, Die Druckerei kam kaum noch hinterher. Jetzt kam der Erfolg doch noch zu diesem mittelmäßig erfolgreichen Autor? Nicht, dass er auf das Geld angewiesen war. Sie hatten mitbekommen, wie ein Lambda Orca auf dem Heli-Turm des Hauses gelandet war. Der war auch nicht gerade billig. Und Amber war ganz perplex, dass ihr Liz, die sie eigentlich gar nicht wirklich gekannt hatte, 80 Millionen Euro vermacht hatte. Aber erst wenn sie achtzehn werden würde.
   Damit wären sie ganz schön reich, wenn er sie in ein paar Jahren heiraten würde. Auch wenn er sich schlecht fühlen würde, denn auf seinem Konto waren vielleicht ein paar hundert Euro. Das nagte an ihm. Und Amber würde irgendwann den Krempel von Kaz erben.
   Mit Pech auch die große Terrorechse, nein BEIDE große Terrorechsen. Einen verdammten Waran UND einen Alligator. Man ey. Und dieser Waran sollte gruselig schlau sein und konnte Türen öffnen und so weiter, das war doch nicht normal.
   Da kamen die riesen Türme in Sicht. Dort wohnte dann die Mittelschicht, nahm er an. Und die waren auch von einem Park umgeben. So war der riesige Luxuskasten wie der Bergfried in einer Burg. Zentral und von allen Seiten gut geschützt. Ne Mama hat das definitiv nicht gebaut, die hat von Taktik null Plan. So gesehen stach dieses Viertel völlig aus dem Stadtteil heraus, ebenso wie das BIT, das ebenfalls wie eine komplette Festung gebaut war. Gerne hätte er ein bisschen Detektiv gespielt, aber dort war auch alles voller Kameras und elektronischer Sicherheitsschlösser und ein Einbrecher wie Akira war er nicht und wollte er eigentlich auch nicht sein. Er war einfach nur neugierig. Getarnte Festungen fand er immer schon spannend, genauso wie Mythen und so Zeugs. Emma hatte immer lachend gemeint er käme damit genau nach Kaz, der auch von Mythen und Legenden besessen war. Die Verbindung fand er echt cool. Und hier vermutete er ein Geheimnis, irgendwas war hier faul. Hätte er nur auch so eine irre KI, die ihm beim Knacken von Schlössern half. Moment mal, er hatte doch ein Prism 12. Kaz hatte ihnen doch einen Hal Klon aufgespielt, der den Sprachassistent ersetzte und er hatte ihn Steve genannt. Könnte er nicht zum Beispiel sein Prism 12 mit dem Spectre koppeln und mit einem Akkupack in seinen Rucksack packen?
   Das würde er heute oder morgen ausprobieren. Nach Hause marschieren, seine Tarnung anziehen, dieses Mal mit einer AR Brille und einem Headset und dann würde er Detektiv spielen. Mittlerweile hatten sie alle elektronische Schlüssel für das Haus. Vielleicht könnte er die anderen beiden davon überzeugen mitzumachen, schließlich waren sie ein gutes Team und eine kleine Kampfeinheit. Infiltration mit Feuerschutz so gesehen. Nur wo würden sie Waffen herbekommen? Seine Beretta und den Sack Muniton hatte Kaz beschlagnahmt, was er mega uncool fand. Dafür war das Keramikmesser klasse gewesen, was er außerhalb von der Schule immer bei sich trug, so wie jetzt auch.
„Hey Träumer, wir sind fast da!“
Bei Ambers Worten war er schlagartig wach. Nein, erstmal würde er sich alleine umsehen, beschloss er, vielleicht ergab sich was auch wenn Kaz mittlerweile eine Haushälterin und einen Bodyguard und er war ein siebzehnjähriger Junge. Nicht zu vergessen der gruselige Waran. Ne Planänderung, Die Haushälterin war gerade nicht da und Kaz wartete auf sie und hatte hoffentlich die Echse, die ominöse Person und seinen Leibwächter mit sich. Perfekte Gelegenheit.
„Amber Liebling, ich habe ein coole Idee, ich komme gleich nach! Versprochen.“
Es tat ihm etwas weh seine Freundin anzulügen, aber sonst würde es merkwürdig aussehen.
Amber sah ihn mit großen Augen an und nickte dann nur. Er scherte nach links aus und fuhr zu einem anderen Hauseingang. Am Parkeingang schloss er sein Fahrrad an und sah sich um. Irgendwas war hier falsch und es sprang ihm nahezu in die Augen, er wusste nur nicht was. Er verharrte aufmerksam um Schatten eines hohen Baumes und musterte die Passanten neugierig. Ein paar schnatternde Mädchen viel ihm auf, Eine hatte das Symbol der schwarzen Geister auf die Schulter tätowiert. Er zuckte zusammen, Amber hatte sich das gleiche Symbol stechen lassen, vor zwei Wochen, hatte Kaz aber noch nichts gesagt.
   Das Symbol! Er hatte die Auflagen von Kaz Büchern geprüft, vielleicht hunderttausend weltweit. Warum war dann überall das Symbol seiner Bücher zu finden. Tätowierungen, Aufkleber, T-Shirts, überall, aber irgendwie nur da, wo es keine Clowns gab.
   Und seine Kreationen wurden Wirklichkeit, sowie Swordfish und der Orca von Lambda.  Es konnte Zufall sein, aber es kam ihm komisch vor. Die Laterne ein paar Meter entfernt trug ebenfalls das Symbol. Was war das eigentlich daneben auf dem Boden? Er trat neugierig näher. Ein Symbol, schon etwas ausgewaschen aber gut zu erkennen. Ihm wurde kalt. Der Dolch aus fünf Strichen, Das Symbol des Geistes Dagger. Hoffentlich reiner Zufall.
   Er joggte durch den Park. Er sah Jungs mit Rucksäcken mit Aufnähern die das Symbol trugen. Aufkleber auf Laptops, noch mehr Tätowierungen. An der Buchhandlung blieb er stehen und sah überrascht hinein. Ein großer Aufsteller mit Kaz Büchern, groß Beworben. Und daneben ein Regal mit Merchandise. Aufklebern, Aufnähern, Postkarten, T-Shirts, Beuteln und Postern. Das schrie nach Johnny. Die Schlange war auch gut lang. Er überlegte sich ein paar Sticker mitzunehmen, aber nicht bei der Schlange. Er fuhr erleichtert in den Keller und zu Kellerraum 3-VII. Der war riesig und Kaz hatte einiges an Pelzen hier runter verfrachtet. Überall Prepper Krempel und einige Tresors. Auf dem Arbeitstisch war etwas mit einem Tuch abgedeckt. Er zog es herunter und zuckte zusammen.
Eine schwer modifizierte Accuracy International AWM mit Schalldämpfer und einem krank aussehenden Fernrohr, aufgebockt auf einem Zweibein. So viel zum Thema Waffen. Nur wem gehörte die denn bitte?
   Hm, keine Munition. Er musterte die drei Waffentresore, alle mit einem Zahlenschloss. Dann wollen wir mal sehen. Vielleicht wie bei Kaz. Er probierte Pi, Zweierpotenzen und Fibonacci, nichts. Liz Geburtstag war es auch nicht. Und Kaz Geburtstag? Haha, es klickte und die schwere Tür schwang auf. Ein Arsch voll Pistolen. Er nahm sich eine Beretta, mit der hatte er geübt. In dem anderen waren Munition und ein paar gefüllte Magazine. Er suchte sich das passende zu seiner Pistole und schob sie in den Schacht. Er zog den Schlitten zurück und sicherte die Waffe. Dann schob er sie sich unauffällig in den Hosenbund. Im dritten Schrank waren Gewehre. Er musterte das MR308 lange und schloss dann die Tresore und verließ den Keller. In Kaz Wohnung inspizierte er alles. Zu seinem Ärger folgte ihm der Waran umher und er sperrte ihn ins Bad. In der Garderobe ganz weit am Ende fand er einen großen Sicherheitskasten den er öffnete. Was zum Geier suchte er eigentlich. Das war zwar kein Einbruch, aber er brach Kaz Vertrauen verdammt nochmal. Er fand nichts. Als er zuklappen wollte fiel ihm etwas auf. Auf der Innenseite der Tür hatte man dieses verdammte Symbol eingeritzt, ins Metall. Und zwar bestimmt nicht erst gestern.
„Hey Kiddo, was machst du denn da?“
Er zuckte heftig zusammen wer war das denn. Er drehte sich um und sah eine Schwarze mit feuerroten Haaren die ein Hauch von Nichts trug und sich ein Handtuch um den Hals geschlungen hatte. Er trat aus der Kammer raus. Die Tür zum Bad war offen, verdammt, die Echse war ausgebüchst. Vorsichtig sah er sich um. Das war nicht Adrian Drosser, sondern eine Person die bestimmt gut kämpfen konnte. Er entfernte sich ein Stück von ihr und zog dann Blitzschnell die Pistole. Was zum Henker machte er denn da? Er machte alles nur noch Schlimmer. Die Frau zuckte nicht mal. Sie zog sich das Handtuch vom Hals und sah ihn unverwandt an.
   Plötzlich war sich jemand von links gegen seine Beine, dieser dämliche Waran und die Frau schoss vor. Sie schlug ihm die Waffe aus der Hand und trat ihm gehörig in den Schritt. Fast schon gelähmt vor Schmerz steckte er eine Reihe harte Schläge Tritte ein und er landete auf dem Boden. Ein Harter Kick gegen den Kopf schickte ins Land der Träume.

*

Er wachte auf als ihm jemand ein Glas Wasser ins Gesicht schüttete. Blinzelnd öffnete er die Augen und sah sich um. Ihm wurde schlecht. Alle waren da. Und saßen auf den Sofas. Kaz kniete mit dem Wasserglas vor ihm und sah ihn mit einem gequälten Gesichts Ausdruck an. Amber liefen Tränen über das Gesicht, Akira und Sahid sahen ihn enttäuscht an.
   Eine Frau mit einem kurzen blonden Bob und Yusuf sahen ihn mit einer gewissen Neugierde an. Dahinter standen ein massiger Schwarzer, eine Asiatin und die Frau, die ihn überwältigt hatte.
„Man Großer, was machst du denn? Wir waren schon alle ganz besorgt als du nicht mehr auftauchst. Amber hat vor Angst geweint. Und dann bekomme ich die Meldung von Suzi, dass sie einen bewaffneten Einbrecher überwältigt hat. Du hattest eine Waffe, du hättest Suzi umbringen können, du bist zu jung für den Scheiß. Ich weiß nicht was ich machen soll. Nur dass du mir dieses Band da an deinem Handgelenk zurückgeben solltest. Das musst du dir jetzt hart verdienen! Was hast du nur gesucht?“
„Die Wahrheit!“
Kam es trotzig über seine trockenen Lippen.
„Welche Wahrheit denn bitte.“
„Warum sind überall deine Symbole zu finden, überall. Auch da wo sie nicht hingehören. So bekannt sind deine Bücher nicht, ein totales Nischenprodukt.“
Kaz sah ihn verwundert an.
„Das ist doch totaler Quark, die Bücher verkaufen sich weltweit millionenfach, werden versoftet und sollen verfilmt werden. Ich kann mich vor Fanpost kaum retten und namhafte Studios fragen bei mir an ob sie sich die Markenrechte sichern können. Vor dir liegt ein Muster Katalog mit Merch und Spielzeug und selbst LEGO hat angefragt. Also nach Nischenprodukt klingt das nicht.“
Jack wurde kalt. Wie kam er mit seiner Suche auf knapp hunderttausend verkaufte Bücher?
„Shit, tut mir leid.“
„Ich weiß nicht ob das genug ist Großer. Du hast eine Waffe von mir geklaut und meine Angestellte bedroht. Ohne Karls beherztes Eingreifen hätte etwas Furchtbares passieren können.
Das kann man nicht so einfach verzeihen.“
„Und warum ist das alles hier wie eine Festung aufgebaut? Meterdicke Betonwände, Decken und Böden, ultradickes Glas, alles über Klimaanlage und keine öffnenbare Fenster. Alles nur elektronisch, Türen aus Panzerstahl. Dann die Lage. Mitten im Park und flankiert von hohen Wohntürmen.
Die beiden Straßen die durch das Viertel gehen sind gut im Blick und können abgeriegelt werden. Das hier ist eine verdammte Festung mit nur vier Zugängen!“
„Hier wohnen eben ein paar verdammt reiche Leute. Das kann doch nicht dein Motiv dazu sein hier einzubrechen. Du siehst Gespenster.“
„Genau, Gespenster! Überall ist dein Symbol, auch da wo es nicht sein sollte. Und draußen war das Symbol war von Dagger, auf einem Gehweg.“
Kaz musterte ihn eindringlich und schüttelte den Kopf.
„Ich kann dir Hausverbot erteilen und dich von meiner Tochter trennen lassen, aber das mache ich nicht. Ich gebe dir noch eine Chance, aber verbock es nicht! Und jetzt hoch mit dir, dusch dich und zieh dir was Trockenes an.“
Kaz klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter und erhob sich. Jack saß einfach nur da und starrte ins Leere. Er hatte versagt. Auf ganzer Linie. Er war ein nutzloser Versager. Amber setzte sich neben in und lehnte den Kopf an seine Schulter.
„So, wer hat Lust auf ein Eis? Ich lade euch ein.“
Alle außer ihm, Amber und Akira standen auf und folgten Kaz aus der Wohnung. Er schien ihm zumindest so weit zu vertrauen, dass er ihn allein mit den zwei ließ. Er zog sich das Armband ab und legte es auf den Tisch.
„Hey Jack, warum machst du solche Alleingänge? Wir sind ein Team, wir halten zusammen und wenn wir was Doofes machen, stürzen wir uns zusammen rein!“
Akira nahm ihn in Schutz? Sie war doch enttäuscht gewesen.
„Sorry, Schauspielern und Lügen gehört zu dem Job dazu. Und Sahid ist nicht eingeweiht und wird es auch nie sein, wenn es nach mir geht. Ich musste irgendwas spielen. Und ja, es klingt einleuchtend was du da sagst. Rein zufällig hab ich mir eine Sache ausgetüftelt wie man elektronische Schlösser knackt. Hal wird uns dabei helfen. Und wir müssen uns andere Namen ausdenken. Unsere Hals sind Klone die mit Kaz Hal nichts zu tun haben.“
„Ich dachte an eine Kombi aus AR Headset, Prism und Spectre für Bruteforce.“
„Sorry, für reine Bruteforce sind wir hier im falschen Gebäude, hab ich alles schon versucht.“
„Hier nicht, aber bei den anderen. Wir könnten eine Stealth Drohne hochschicken, die sucht nach einem offenen Fenster und betätigt den Summer für die Tür unten, dann sind wir drin. Die elektronischen Schlösser sind ja nur außen, von Innen ist es meist nur eine normale Türklinke oder ein Bewegungssensor.“
„Das klingt besser. So eine Drohne haben wir an der Schule. Gut ich schnappe mir meine Ausrüstung und ihr besorgt euch Nachtsichtgeräte, Ferngläser, Dietriche, schwarze Klamotten und Sachen mit denen wir unsere Entdeckungen festhalten können.“
„Vielleicht sollte einer hier oben auf dem Dach Posten beziehen und beobachten, vielleicht nach leeren Wohnungen Ausschau halten wo zumindest einer von uns rein kann. Dann machen wir den Drohnen Trick und gehen rein und hoch aufs Dach, dann kannst du dich abseilen.“
„Das klingt besser, Jack du machst den Beobachter und steuerst die Drohne. Ich seil mich ab und Amber du improvisierst.“
„Und ich klau mir die Ausrüstung hier und im Keller, wir treffen uns um zehn auf dem Dach. Wie ist die Kombination?“
„Kaz Geburtstag.“
„Ja super, hätte ich mir auch selbst denken können. Und jetzt den anderen hinterher bevor einer misstrauisch wird. Auf geht’s.“
Sie drückte ihm einen Schmatzer auf die Wange und zog ihn hoch. Hätte er die beiden doch nur von Anfang an eingeweiht.

Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 25

25. Kaz – 3.W. Juni 2045 – Mittwochnachmittag – Anna

Kaz lag faul auf dem Sofa und hörte Liz neues und letztes Album in Dauerschleife über Spotify. Das Album war erstaunlicherweise ganz fix die Charts hochgeklettert, nicht nur in Deutschland. Aber es war einfach so gut. Und alle waren hin und weg dass die Chefin eines Megakonzerns doch ein heimlicher Rockstar war. Auf dem Sofa ihm gegenüber hatte sich Karl unter einer Kuscheldecke verkrochen und nur noch die Schnauze mit der züngelnden Zunge guckte hervor – er mochte keine laute Musik und er mochte es behaglich.
   Dieser Waran war ein seltsames Geschöpf. Sanft, Sehr darauf bedacht nichts zu zerkratzen und benutze ein großes Katzenklo, das im Bad stand. Er aß angebratenes Fleisch. Aber sein Lieblingssnack waren Dosenpfirsiche. Und er war sehr neugierig. Kurzum, er war das Perfekte Haustier für Kaz.
In der Woche nach dem Abschied war er sprichwörtlich umgekippt, als er mit Amber beim Notar war. Liz hatte ihm tatsächlich alles vermacht, was sie besaß und das war noch mehr als er gewusst hatte. Sie besaß eine riesen Motorjacht und eine Segeljacht, drei Luxus Motorräder und einen echten Lamborgini Sián. Und sie verfügte über ein paar Bankschließfächer und mehrere Lagerräume, in dem er noch mehr Pelze vermutete. Dazu fünfzehn Prozent Firmenanteile an Horizon, was er für absurd viel erachtete.
   Und das ganze Geld. Erst war Amber umgekippt, nachdem Liz ihr testamentarisch achtzig Millionen Euro vermachte und als sie wieder wach war, hatte der grinsende Notar eröffnet, dass Liz ihm zweihundertneunzig Millionen vermachte und ihn hatte es aus den Latschen gehauen. Danach waren sie beide sehr wacklig aus dem Gebäude und Hal musste sie nach Hause fahren.
Wenn sie nicht alles verprassten würden sie in ihrem Leben de facto nicht mehr arbeiten müssen. Er fühlte sich an das Geld damals erinnert, das er und Hal zusammen ergaunert hatten. Das hatte praktisch ewig gehalten, und da waren das Startkapital für Horizon und Omega mit drin gewesen.
Und jetzt? Was zum Geier sollte er mit dem Supercar und warum hatte Liz sowas?
   Einer Eingebung folgend hatte er dann die Prospekte von Lambda und Omega aus dem Handschuhfach geholt und oben in der Wohnung sorgfältig studiert. Die waren schon toll. Was die wohl kosten würden? Auf der letzten Seite hatte er gesehen, dass persönliche Beratungstermine auch über VR verfügbar waren. Das fand er spannend, also hatte er sich Hals Vision Paket geschnappt, war in die Handschuhe geschlüpft und hatte sich die Brille aufgesetzt. Dann wieder hochgeschoben und die Sofas an die Wand geschoben und Karl im Bad eingesperrt, damit er über nichts stolperte. Dann hatte er angewählt und war auf einer weißen Ebene gelandet, mit der Sonne über ihm. Wie ein Salzsee. Eine Frau in einem schicken Kostüm hatte sich ihm von hintern genähert und ihn in ein Haus geführt. Wie gut dass er in der Umgebung teleportieren konnte, andernfalls wäre er in eine Wand gekracht oder über Karl gestolpert, dem es in der Zwischenzeit gelungen war sich aus dem Bad zu befreien.
   In dem großen Raum hatte sie ihn mit einer rauchigen Stimme bei Lambda begrüßt und hatte gefragt welche Modelle er sich denn gerne angucken möchte, worauf er Orca meinte. Sie hatte ihn auf einem Art Präsentator ein Hologram des Flugzeugs gezeigt, mit Innenraum und alles. Wie bei Iron Man. Sie hatte ihn nach seinen Wünschen und Vorstellungen gefragt.
   Als er gefragt hatte ob es den Orca auch in Gelb gibt, hatte sie herzhaft gelacht und die Frage bejaht. Er hatte sich stundenlang verschiedene Konfigurationen angeguckt. Dann waren sie raus gegangen und hatten sich ein paar Flieger in Echt angesehen. Die Simulation war so real, dass er in die Maschinen reingehen konnte und Schubladen aufziehen und Hebel betätigen konnte.
Er entschied sich einen Orca Expedition. Den Swordfish Escort und Orca Travel hatte er von Liz geerbt. Den Orca Expedition mit leichter verborgener Bewaffnung. Bei dem Kostenvoranschlag wurde ihm schlecht. So viel zum Thema das Geld nicht auf den Kopf hauen. Aber wie Omega hatte auch Lambda ein Rundum-Sorglos Servicepaket.
   Und wenn er so darüber nachdachte, ihr erste Klasse Flug nach Deutschland hatte um die zehntausend Euro gekostet – zu zweit. Da würde sich der Orca Travel definitiv rentieren, wenn Sprit und Proviant nichts kosteten oder stark rabattiert waren.
   Und er bekam Rabatt, dafür dass er sich die Flieger ausgedacht hatte, darauf bestand der Chefingenieur, der zudem am BIT studiert hatte. Seine Pilotin Suzi und Stewardess Sarah waren geschult im Umgang mit den Lambdas. Damit war er einverstanden. Damit hatte er sich verabschiedet, die Brille abgesetzt und war prompt über Karl gestolpert, dämliches Vieh.
   Zudem hatte er einen Fahrer und Bodyguard engagiert. Einen muskelbepackten hünenhaften Schwarzafrikaner namens Benj. Jetzt war sein Dienstpersonal sehr schön durchmischt. Eine chinesische Haushälterin, eine weiße Stewardess und zwei Schwarze Angestellte – sehr Progressiv. Aber nein so lief dieses Spiel nicht, er war weiß, also war er problematisch, weil seine Angestellten Farbige waren und er weiß. Warum auch immer, diese schwachsinnige Logik hatte er noch nie verstanden. Das ging auch groß durch die Presse, dass er ein hinterhältiger Millionenerbe und ein Rassist sei. Man, habt ihr nichts Besseres zu tun?
   Einmal war er draußen beim Falafelladen und wurde prompt von einer Schar von ausnahmelos Weißen Harpien und Spinnern umringt die ihn beschimpften und anpöbelten. Er hatte nur belustigt dagestanden und seinen Falafel gegessen und beobachtet wie eine sehr diverse Schar junger muskulöser Männer der Animals aufgetaucht war und gefragt hatte, was denn los sei. Auf die Bemerkung Kaz sein ein bösartiger Rassist hatten die Jungs nur gelacht und die Gruppe mit den Schildern als Heuchler beschimpft. Was die gar nicht gar nicht lustig fanden. Es gab ein kurzes Gerangel und die Heuchler suchten ihr Heil in der Flucht. Darauf spendierte Kaz Falafel für alle und schüttelte jedem die Hand. Die waren echt happy gewesen und hatten ihn bejubelt.
   Er füllte sich in Berlin Solomon mittlerweile echt wohl. Berlin konnte ein echtes Drecksloch sein, aber das hier war eine gemischt liberale und konservative Enklave. Und wahrscheinlich der einzige Ort wo Multi-Kulti wirklich funktionierte, hatte er das Gefühl. Er war jeden Tag draußen um sich den Stadtteil anzusehen oder sich nach Schulschluss mit den Kids zu treffen, mittlerweile hatte er freien Zugang für das Gelände. Und er sah bei der Wärme so viele kulturell durchmischte Grüppchen die abhingen, sich unterhielten, Spiele oder Fußball auf dem Rasen spielten, kletterten.
   Er wusste jetzt, dass es hier eine regelrechte Parcour Scene gab, dass hätte er nicht gedacht. In einem Straßencafé unweit vom BIT im Süden hatte er mit einem aufgeschlossenen Juden Schach gespielt, während ein Araber, eine Inderin und ein schwarzer Christ neben ihm saßen und sie von einer asiatischen Kellnerin bedient wurden. Und ein Araber hatte ihm gesteckt, dass Solomon die Herkunft der Animals war, alles Sportler und eine Gegenbewegung zu den Clowns, die sich mit denen öfter prügelten. Und versuchten die Clowns in ihren Taten zu stoppen. Zahlreiche Attentate konnten so schon verhindert werden. Gerade die Junior Clowns waren ziemliche Stümper.
   Die Clowns. Die waren nicht mehr aufgetaucht, überall auf der Welt nicht. Das war zu schön um wahr zu sein, aber er hatte ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.
   Sein Lieblingsplatz war der Spielplatz, wo nach Yusufs auftauchen ziemlich viele Leute Parcour und Akrobatik übten. Ab und an traf er sich abends mit dem Araber auf ein Tee. Nicht selten schleppte der die Kids mit sich. Amber machte sich gut und sie war von Akira einfach nicht zu trennen. Die beiden waren wie Schwestern.
   Er stopfte sich noch eine Handvoll Chips in den Mund, dann war die Tüte alle und er rappelte sich missmutig hoch. Und ging ins Schlafzimmer. Er hatte Liz Süßigkeiten Vorrat entdeckt, in der vorderen Bettschublade. Er hatte ein bisschen aufgeräumt und einiges von dem Krempel in den Schuppen, so nannte er die lange Kammer neben dem Eingang, oder den Keller geräumt. Die große Pelzdecke hatte er behalten, sie roch noch nach Liz und erinnerte ihn an sie. Dafür hatte er im Bettkasten auf seiner Seite seinen Kampfanzug versteckt. Und er übte regelmäßig so schnell wie möglich da rein zu kommen. Er hatte absolut keine Idee was er mit den Bergen von Pelzen anstellen sollte. Akira war etwas ängstlich was das anging und Amber war zu klein, wörtlich.
   Er öffnete die Schublade und griff nach einer Tüte Paprikachips. Lien fand es nicht gut, dass er so viel Cola in sich reinschüttete und Chips mampfte. Sie meinte er würde noch fett werden. Das stimmte auch. Er war zwar durchtrainiert, aber er hatte ein kleines Bäuchlein und er wog mittlerweile über hundert Kilogramm. Benj hingegen wog hundertdreißig oder sowas in der Art, aber er war auch bärenstark.
   Benj wohnte schon seit zwei Wochen in seinem Apartment und genoss die Privilegien des Hauses. Er liebte knifflige Rätsel und schwere Spiele und trug immer ein Dark Souls T-Shirt.
   Lien war um die fünfzig oder etwas älter und absolut loyal. Sie machte Essen, sie kochte, Sie putzte, sie kaufte ein und kümmerte sich zusammen mit Sarah um seinen Papierkram. Kurz um er war völlig aufgeschmissen ohne sie. Er gab ihr regelmäßig abends frei und an den Wochenenden kümmerte er sich selbst um alles … außer den Papierkram, den hatte er als Selbstständiger immer schon gehasst. Und am Wochenende merkte sie es nicht, wenn er Cola, Chips und Süßigkeiten kaufte. Er war begeistert mit Suzi. Er hatte ihr Flieger-Showcase gesehen und sie war ein echtes Ass im Pilotensessel. Nach Liz Fortgehen hatte er sich ja ein bisschen in Europa und der Welt umgesehen und Suzi und Sarah waren immer mit von der Partie gewesen.
   Sein Handy klingelte, es war Anna und sein Herz schlug schneller. Er machte die Musik aus und Karl kam hervor und rieb seinen Kopf an seinem Bein. War das ein Waran oder eine Katze?
„Ja, Anna, schön dich zu hören Liebes.“
„Hey großer, sorry dass es mit der Sache im Mai nicht geklappt hat. Es ist mir wirklich ganz unangenehm, aber ich könnte dringend deine Hilfe gebrauchen. Mir kam das so merkwürdig vor mit dem plötzlichen Verschwinden der Clown Attacken, also hab ich meine Zelte gepackt, meine Kostbarkeiten in mein kleines Auto gestopft und bin nach Deutschland zu dir aufgebrochen. Und ich dumme Nuss hab vergessen zu tanken und hänge jetzt mit einem leeren Tank auf einer praktisch leeren Rastplatz fest. Praktisch die letzte Ausfahrt vor der deutschen Grenze, ich bin so doof. Und Ich will niemanden holen. Ich hab meine AI AWM und meinen Anzug hinten drin und Lara schlummert dick eingemummelt auf dem Beifahrersitz und unter meinem Sitz liegt eine Beretta.
Ich kann mich doch schlecht aus der Situation rausballern und ich will mein Zeugs nicht zurücklassen. Kannst du mir bitte, bitte helfen? Ich flehe dich an.“
„Oh man, ok was für ein Auto fährst du denn, der Lada?“
„Häh, du weißt doch, dass ich mein Leben noch nichts anderes als Opel gefahren bin, gerade sitze ich in meinem alten Zafira aber der macht‘s auch nicht mehr lange. Warum fragst du?“
„Um zu sehen, ob ich den Anhänger mitnehmen muss, kannst du mir die GPS Position schicken?“
„Kann mein Handy nicht, ich kann dir die Ausfahrt und die Autobahn nennen.“
„Hast du kein PRISM?“
„Als ob ich mir als Spieleentwicklerin, die auf Kickstarter angewiesen ist, ein viertausend Euro Handy leisten kann.“
„Mensch Mädchen, du hast einen Pelzmantel …“
„… den ich mir gekauft habe, als ich als Topmodel satt verdient habe. Ersparnisse halten auch nicht ewig. Bitte hilf mir.“
„Ok, ich zieh mir kurz was an und dann düse ich los.“
„Vielen Dank Großer, du bist ein Schatz.“
Oh man. Das war so typisch für sie. Die vermutlich beste Scharfschützin der Welt vergaß zu tanken. Er zog sich ein paar Bequeme zweckmäßige Sachen an. Draußen am Lichthof las Benj in einem Buch über Kryptografie. Er sah auf als Kaz den Fahrstuhl erreichte.
„Brauchen sie Hilfe Sir?“
„Nein, ich geh nur eine alte Freundin abholen, ich gebe dir den Nachmittag frei.“
„Vielen Dank Sir. Bis morgen.“ Und er ging durch die Tür zu seinem Apartment während Kaz in den Keller fuhr. Der Avenger wartete schon auf ihn und hatte sich schon seinen Anhänger geschnappt. Anna steckte auf einem Rastplatz fest, der nah an der deutsch-polnischen Grenze lag. Hal berechnete die schnellste Route und Kaz fuhr aus der Tiefgarage und drückte aufs Gas. Leider war der Avenger recht auffällig und erregte immer viel Aufmerksamkeit. Egal. Konnte man auch nicht ändern. Liz schwarzer Defender war auch nicht besser und aus Pappe und schluckte wie ein Loch. Und in den Hound passte nicht so viel Zeug rein, der war ja zur Luxus Limousine umgebaut worden und hatte praktisch keinen Kofferraum.
   Abends war er da und bog auf einen Rastplatz ab, wo eine nervös aussehende blonde Frau in seinem Alter an einen abgenutzten und schwer mit Aufklebern beklebten silbernen Opel Zafira lehnte. Ein  Modell das noch nicht mal vor zwanzig Jahren neu gewesen wäre. Er parkte vor ihr und stieg aus. Die Frau bemerkte ihn, trat die Zigarette aus umarmte ihn stürmisch.
„Vielen Dank dass du gekommen bist. Willst du wirklich alles umladen?“
Kaz nickte.
„Das ist sicherer so. Ich besorg dir einen Kombi von Omega wenn du willst.“
„Ich bitte dich, eigentlich brauche ich den nicht. Ein neues Fahrrad wäre mir lieber. Ok, es sieht nach viel aus und ist es leider auch, ich kann mich eben einfach nicht von den Sachen trennen.“
Kaz verdrehte die Augen und öffnete die Heckklappe des Anhängers. Der Krempel würde hier locker reinpassen.
„Dass du so viel Geld hast dir diesen Panzer zu kaufen ist schon echt krass.“
„Du wärst eine erstklassige Diebin.“
„Das ist mir aber zu unfair, außerdem möchte ich ehrlich leben. Ok jetzt los, bevor irgendwer was schnallt.“
In Windeseile packten sie den Zafira aus und luden den Krempel um. Anna hatte einen Spectre One Tower PC in eine dicke Pelzdecke eingewickelt und vorne angeschnallt. Die hatte sie auch nicht mehr alle. Nach einer halben Stunde war alles erledigt und der Zafira war komplett blank.
   Ängstlich strich Anna über den Spectre und stieg dann auf der Beifahrerseite ein. Kaz klappte zu und nahm auf dem Fahrersitz Platz.
„Mensch das sieht ja noch besser aus als in einem Supercar! Hat wahrscheinlich auch mehr gekostet oder. Ich muss dir noch was beichten. Ich hab es viel zu spät geschnallt. Lara hat ihre Werke in Russland und China geschlossen und alles Equipment und Personal mitsamt Familien nach Deutschland geschafft. Heimlich natürlich. Mulan hat dasselbe mit den Theta Werken in China gemacht. Russland und China sind momentan echte Pulverfässer und ich bin lieber in Deutschland als in Russland wenn die Welt untergeht. Aller Mühen zum Trotz ist Russland immer noch ein korruptes Drecksloch. Und China ist nur auf dem Papier eine Demokratie. Wir haben die Leute auf Hals Gelände untergebracht und sie werden von Sir Henry von NOX mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgt.“
„Stimmt das Hal? HAL??“
„Jawohl Sir, stimmt alles, der Rat hält es sicherer wenn wir für die Dauer der bevorstehenden Krise zusammenbleiben. Auf dem Gelände sind oberirdisch momentan etwa 783 Menschen untergebracht und in den beiden Dörfen haben 195 Menschen Stellung bezogen.“
„Das sind eine Menge illegaler Einwanderer.“
„Die bestens ausgebildet sind und bereit sind Deutsch zu lernen und sich an die Kultur anzupassen. Sie halten sich momentan sehr bedeckt. Glücklicherweise ist das Wetter fürs Campen sehr Ideal. Die Bundeswehr ist informiert und steuert Zelte, Kleidung und Nahrungsmittel bei und hat ein paar Einheiten dort stationiert um es in der Not wie eine Truppenübung aussehen zu lassen. Etwas zusammengeschustert ich weiß. Die Armee wurde durch die Clownangriffe schwer getroffen, die werden den Teufel tun und irgendwas an irgendwen verraten. Ok wann sind wir da? Ich hab einen Bärenhunger, ich hatte heute noch gar nichts außer ein paar Schokoriegeln!“
„Im Fach unter der Armlehne links neben dir sind Snacks und gekühlte Cola. Hal, sag Lien Bescheid dass sie ein deftiges Abendessen für zwei Personen zubereiten soll, wir sind in etwas drei Stunden da. Danke dir.“
„Wow du hast jetzt Personal? Ich hab gehört, du sollst der totale Rassist sein, weil du zwei Schwarze und eine Asiatin angestellt hast. Soll ich mir da als halbe Russin und deine Verlobte Sorgen machen?“
Sie zwinkerte ihm zu und schnappte sich dann eine Cola.
„Alles nur Geschwätz“
Winkte er ab. Der Berliner Stadtverkehr war mal wieder zum Kotzen und sie parkten mit einer Stunde Verspätung in der Tiefgarage.
„Kannst du Lara nehmen? Bitte Bitte! Ich nehme meine Tasche.“
Kaz schnappte sich das Paket aus Pelzdecke und Rechner und stapfte mit Anna in Richtung Aufzug. Wenige Minuten später waren sie in der Wohnung, wo Anna sich alles mit riesigen Augen ansah und er Lara oben unter dem Schreibtisch einstöpselte. Sie brauchte ja nur Strom und ein Netzwerkkabel. Die Decke warf er auf den Sessel zu der anderen. Anna kam hoch und Drückte ihn fest, dann küsste sie ihn auf den Mund, ihr Atem roch nach Pfefferminz. Sie wusste genau, dass er sie nicht küssen wollte, wenn sie nach Zigaretten roch. Anna war größer als Liz, etwa einen halben Kopf. So musste er sich nicht übermäßig bücken, wenn er sie umarmte. Sie waren wieder zusammen, nach einem knappen Jahrzehnt. Es war einfach nicht zu glauben. Liz würde ihn bestimmt hassen. Wie würde Amber darauf reagieren? Schließlich würde er Anna heiraten und sie wäre dann Ambers Stiefmutter auf dem Papier. Hoffentlich ging das gut, aber Anna war auch eine tolle Mutter und eine tolle Frau.
„Essen steht bereit Sir und Madam. Wenn Sie mir bitte folgen würden“
Lien stand hinter ihnen und verbeugte sich vor ihnen. Sie folgten ihr zur reich gedeckten Tafel, wo sie sich gegenüber hinsetzten. Dann servierte Lien die Speisen und tat ihnen auf. Es gab einen fantastisch duftenden Sauerbraten mit Klößen, Rotkohl und Bratensoße. Dazu gekühltes Weißbier. Anna sah überwältigt auf ihren Teller und schnitt ein Stück Braten und schob es sich etwas zaghaft in den Mund.
„Oh mein Gott. Das ist gut. Besser noch als das alte Familienrezept von meinem Vater. Bitte Lien, woher weißt du, dass ich in Bayern aufgewachsen bin?“
Lien lächelte.
„Hal hat es mir verraten.“
Sie zwinkerte ihnen zu.
„Ich werde mich nun von Ihnen verabschieden, ich wünsche den Herrschaften noch einen schönen Abend.“
Anna und Kaz sahen der mittelgroßen etwas molligen Asiatin nach, dann prosteten sie sich zu und machten sich ans Essen.
„Ich dachte du verarschst mich, als du meintest deine Haushälterin wäre eine erstklassige Köchin wäre. Aber das Essen ist fantastisch. Ich fürchte das macht mich total verdorben wenn die jeden Tag so gut kocht. Aber du bist ja auch nicht schlecht. Kommst du eigentlich noch um Kochen?“
„Ich koche an den Wochenende und wenn sie frei hat. Übrigens ist dein bayrischer Akzent sehr süß.“
„Oh nein, hab ich deutsch gesprochen? Ach verdammt, ich werde diesen dämlichen Akzent einfach nicht los und der ist nicht süß, der ist schrecklich. Aber immerhin ist es nicht sächsisch. Und man hört ihn nicht sofort wenn ich Englisch oder Russisch rede. Wehe du sagst du findest den Akzent sexy!“
Kaz grinste nur breit, das wollte er gerade sagen.
„Du bist schlimm. Du kannst froh sein dass ich tierlieb bin ansonsten wüsste ich nicht was ich zu diesem Vieh sagen sollte. Der … äh … Das Viech ist einfach nur riesig und unheimlich.“
„Ich bin der zweite Besitzer. Die Art wird verdammt alt, der bleibt also eine Weile und er kann Türen öffnen was mir gar nicht gefällt. Er hat die Klinke runtergedrückt als ich ihn im Bad eingesperrt habe und ich bin VR Brille auf der Nase über ihn gestolpert, er heißt übrigens Karl.“
Anna prustete los und lachte sich schlapp.
„Ahaha, das kann ich mir bildlich vorstellen. Ok, dann schließe ich immer ab wenn ich im Bad in der Badewanne liege oder schlafe. Ist die Decke auf dem Bett eigentlich echt?“
„Ja, Liz hatte einen Tick was Pelze angeht. Ich bin ratlos was ich mit dem Krempel anstellen soll. Ich hoffe dir macht es nichts aus Pelze zu tragen.“
„Ne, tut es nicht. Wo sind die denn?“
„Halt erst wird schön aufgegessen!“
„Ach ja, sorry.“
Als ihre Teller leer waren stand Kaz satt und zufrieden auf und sie wuschen sich die Hände mit Seife im Bad. Dann zeigte er ihr die Garderobe im Schuppen.
„Oh verdammt. Wer braucht denn so viele Schuhe? Ich hab vielleicht fünf oder sechs Paar für alle Jahreszeiten. Das sind locker dreißig.“
„Warte bis du die Mäntel siehst.“
Und er öffnete die Schiebetür zur Garderobe. Anna hielt sich die Hände vor den Mund und sog hörbar die Luft ein.
„Oh mein Gott, das sind ja dutzende! Moment, 26 Stück und alle sehr edel. Das ist doch völlig absurd. Soll ich meinen dazu hängen? Die sind ja großartig, ja die trag ich alle, versprochen.“
„Im Keller sind noch 15 weitere, also sind es 41. Bei den Temperaturen in Deutschland die nächsten Jahren wir es etwas eng mit dem tragen. Es sei denn du trägst sie, wenn du nackt bist.“
Er zwinkerte ihr zu.
„Mensch wenn ich nicht so vollgefressen wäre würde ich dich glatt fragen, ob du Lust auf Sex hast. Aber ich muss dich ein bisschen vertrösten. Hast du eine Zahnbürste? Ich hab jetzt grad keinen Bock um in den Keller zu gehen und den Krempel zu holen, lass uns das morgen machen.“
Anna gähnte herzhaft und ging ins Bad. Er suchte ihr einen Kopf für die elektrische Zahnbürste heraus und sie putzte drauf los. Fünf Minuten später kroch sie auf seiner Bettseite ins Bett und kuschelte sich ein, ein paar Minuten später schlummerte sie friedlich. Er zog sich zurück und schloss die Tür zu, gerade rechtzeitig. Der Waren blieb vor der Tür sitzen und sah neugierig zu ihm hoch. Dieses Viech war sehr merkwürdig. Mehr als einmal hatte er die Echse dabei erwischt aufs Bett zu kriechen um sich neben ihn zu legen. Er verriegelte die Tür. Hoffentlich stand Anna nicht in der nächsten Stunde auf und musste aufs Klo, was bei dem Liter Bier den sie getrunken hatte durchaus der Fall sein konnte.
„Karl, stör sie bitte nicht, sie hatte einen langen Tag hinter sich.“
Der Waran guckte ihn an und trottete dann davon, Warane waren zwar recht schlau, aber hier war was faul. Er öffnete den Riegel wieder und seufzte.
   Dann nutzte er die Gelegenheit der Nacht und packte das Auto aus. Alleine dauerte das etwas mehr als eine Stunde, aber dann war alles oben und er seufzte. Er hatte sich Mühe gegeben keinen Laut zu machen. Karl sah aus dem Fenster und schlug etwas unruhig mit dem Schwanz. Kaz trat neben ihn. Moment, wo waren denn die Lichter hin? Alles war pechschwarz. Er schlich in den Schuppen und holte ein Nachtsichtgerät hervor, dann machte er die Lichter der Wohnung aus und trat ans Fenster. Er starrte aus dem Fenster, während sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten.
   Im schwachen Schein des Mondes sah er eine Gestalt draußen auf dem Weg. Er klappte das Nachtsichtgerät herunter und sah nach draußen. Die Gestalt trug einen Kampfanzug und ihr Blick schien sich trotz des Helms zu treffen. Der Behelmte nickte ihm zu und hob ein Stück weiße Kreide hoch. Kaz erkannte das Emblem auf dem Brustpanzer und er zuckte zurück. Alpha. Er blinzelte und die Gestalt war weg. Eine Minute später gingen auch wieder die Straßenlaternen an. Dort wo die Gestalt gestanden hatte, war etwas aufgemalt worden. Er tauschte das Nachtsichtgerät gegen ein Fernglas. Das Symbol eines Dolches, Daggers Symbol.
   Kaz kannte sich ein bisschen mit der Legende der Geister aus. Dagger war unter eingeweihten in aller Munde, weil er immer sein Zeichen hinterlies und verdammt grausam war, ein sadistischer Drecksack, der seine Opfer zerstückelte. Alpha war eine Legende und war angeblich einer der ältesten und besten Kämpfer der Geister, aber keiner hatte ihn je gesehen. Er war ein Schatten unter vielen Schatten. Bis jetzt dachte sich Kaz grimmig.
   Warum hatte er ihm zugenickt? Ein Gruß, eine Warnung? Und warum hinterließ er das Symbol von Dagger und nicht seines? Fragen über Fragen. Und warum hatte der Waran ihn gespürt? Seit wann konnten Warane sowas?
   Er ging in den Schuppen und suchte nach einer Dose Pfirsiche. Die füllte er in der Küche in einen Napf um und stellte sie Karl hin der sie mit Appetit verspeiste. Kaiserwarane. Er hatte die Färbung ähnlich eines Bindenwarans, war aber viel massiger, so wie ein Komodo, schien aber nicht giftig zu sein. Und er war von Schnauze zur Schwanzspitze knapp 3,5 Meter. Das war sehr sonderbar, hoffentlich wurde der nicht noch größer. Schlafen konnte er nach der seltsamen Begegnung nicht mehr. Er machte es sich auf dem Sofa bequem und klickte sich durch das Programm. Er hörte über Bluetooth Kopfhörer.
   Liz hatte so ziemlich alles im Programm. Bei einer etwas reißerischen Doku zur Legende des Riesenkraken blieb er hängen. Sven Engström wurde im Vorspann genannt, das war einer von Liz‘ großen Brüdern. Der war Meeresbiologe. Spannend gemacht und im letzten Drittel zuckte er zusammen. Diesen Engström Spinnern war es gelungen einen leibhaftigen Riesenkalmar in der Tiefsee zu Filmen. Das eklige Ding war über zwanzig Meter lang.
   Tja da ging sie dahin seine Lust mit den Kids tauchen zu gehen. Er hasste tiefes Wasser und seine lebhafte Fantasie trieb ihn in den Wahnsinn wenn er in einem Gewässer schwamm, wo er den Boden nicht sehen konnte.
   Zur Entspannung holte er sich noch eine Cola aus dem Kühlschrank und startete einen spontanen Filmmarathon aller Marvel Filme bis Endgame. Mal gucken wie weit er kam bis Anna aufwachte und aufs Klo musste.
   Er schaffte einen halben ersten Iron Man bis sich die Schlafzimmertür öffnete Anna in einem Slip herauskam und ihn fragend anstarrte während sie auf dem Klo verschwand. Er drückte auf Pause und legte die Kopfhörer zur Seite und wartete auf seine Verlobte.
„Was machst du denn Großer? Ich dachte du kuschelst mit mir. Danke fürs auspacken. Bekomme ich auch ne Cola? Wenn du nicht schläfst, mag ich auch nicht schlafen, außerdem guckst du meinen Lieblings Marvel Film! Warte einen Moment.“
Kaz machte das Soundsystem an und legte die Kopfhörer wieder in die Ladestation. Anna kam mit ihrer Pelzdecke zurück und kuschelte es sich damit auf dem Sofa ein. Eng zusammen gedrängt guckten sie weiter. Als sie Captain Amerika guckten, öffnete sich die Tür und Lien sah sie etwas überrascht an. Sie schüttelte nur den Kopf und verschwand in der Küche. Wunderbar, Frühstück auf dem Sofa mit seiner Liebsten. Auf dem Tisch stand mittlerweile ein ganzer Stapel leerer Cola Dosen.
„Wann gibst du mir den Ring?“
Fragte sie Plötzlich.
„Wenn wir es ein halbes Jahr ohne weltendenden Krach zusammen unter einem Dach überstanden haben. Das ist eine Challenge für dich.“
Sie lachte.
„Hast du mich als so schlimm in Erinnerung? Ok, Challenge Angenommen. Und wenn ich gewinne bestimme ich, wie und wo wir feiern ok?“
Hohes Risiko sich selbst volle Möhre ins Knie zu schießen.
„Abgemacht.“
Sie sahen sich weiter den Film an und Lien servierte einen stark gesüßten doppelten Espresso und verkündigte die Pläne für das Mittagessen. Fränkisch. Deftige Bratwürstchen mit Sauerkraut.
Das klang gut. Eine Stunde später kam das Frühstück. Eine große Platte Schnittchen auf Baguette. Dazu ein frischer Obstsalat und halbierte hartgekochte Eier mit einer leckeren Creme. Frisch gepressten Orangensaft und zwei Milchkaffee mit ordentlich Zucker. Danach verabschiedete sich Lien zum Einkaufen.
„Ist das jetzt jeden Tag so?“
Anna wirkte überwältigt.
„Solange Lien hier arbeitet ja, und am Wochenende verführe ich dich meine Liebe.“
„Das ist echt peinlich, dass ich nicht kochen kann und du so verdammt gut. Aber ich freue mich, ich hoffe die Kids essen auch so gut.“
„Mach dir mal keine Sorgen, Was die Internat nennen, nennen normale Menschen Fünf Sterne Wellness Hotel. Und Amber und Jack knutschen die ganze Zeit wie Akira säuerlich bemerken lässt.“
„Oh ich bin so gespannt die Kleine endlich mal kennenzulernen. Und es tut mir so unglaublich Leid dass ich dich so selten in den letzten Jahren besucht habe. Was meinst du, bin ich bereit dazu wieder in die Rolle einer Mutter zu schlüpfen? Ich hab doch beim ersten Mal total versagt.“
„Ach Quatsch. Du bist die liebenswerteste Frau die ich kenne und du warst eine tolle Mutter. Amber wird dich lieben.“
„Ach ich weiß nicht, ich fühle mich nicht bereit dazu wieder in diese Rolle zu schlüpfen. Ich versage bestimmt total. Und sie ist fast sechzehn, ich weiß doch gar nicht was ein Teenager braucht und was Mädchen in dem Alter brauchen und wollen!“
„Denkst du ich wusste auf was ich mich da eingelassen habe? Nein! Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und es hat irgendwie funktioniert. Hab ich dir eigentlich erzählt dass sie wie die junge Lara Croft aussieht?“
„Ja und du hast auch erzählt, dass sie sich die Haare abgeschnitten hat.“
„Genau und dann hat sie sich total in Jack verknallt, der sie mit langen Haaren attraktiver findet und sie lässt sie wieder lang wachsen. Oder sie trägt eine Perücke, was sie an Wochenenden öfter mal macht.“
„Oh je die habe ich auch gesehen. Das ist einfach nur der Wahnsinn. Und der ganze Krempel gehört dir. Oh man das muss doch so mies aussehen. Sie hat dich geliebt und dir alles vermacht und dann komm ich und wir heiraten hoffentlich bald und ich schnappe mir alles. Ich glaube ich darf keine Zeitung mehr lesen oder Nachrichten gucken.“
„Von wegen schnappen. Du richtest die Feier aus und ich mache den Ehevertrag.“
„Vertraust du mir nicht?“
Sie schmollte ein bisschen, aber er wusste dass sie nur spielte.
„Ich bin nur gut vorbereitet. Wie wäre es denn damit, wir starten damit, dass du verarmte Deutsch-Russin jeden Monat ein großzügiges Taschengeld bekommt.“
„Mh, immer noch besser als nichts schätze ich. Was erwartest du denn von mir, im Gegensatz zu Liz bin ich die Bescheidenheit in Person. Ok bis auf den Krempel den ich mir als Model gekauft habe. Da stimme ich dir zu. Ich möchte aber in weiß Feiern!“
„Erstmal feiern wir Ambers und Akiras Geburtstag, die haben in derselben Woche Geburtstag und zwar im August. Da feiern wir alle in meinem Elternhaus, obwohl das extrem unsicher ist. Das Ding ist aus Pappe. Hast du eine Idee was ich Amber schenken könnte? Ich kenne sie erst seit einem dreiviertel Jahr und ich weiß nicht ob ich sie einschätzen kann.“
„wie wäre es mit einem Haustier? Einem Hund oder einer Katze?“
„Die Idee ist gar nicht so schlecht. Hoffentlich wird der Welpe oder das Kätzchen nicht von der Terrorechse gefressen.“
Anna lachte.
„Du hast zwei Terrorechsen. Da muss ein kuschliges kleines Kätzchen auch mal mit rein. Und Karl macht mir einen klugen Eindruck. Guck, er hört zumindest auf seinen Namen.“
Karl hatte den Kopf gehoben, als der seinen Namen hörte und starrte neugierig Anna an.
„Ich möchte wissen warum der so klug ist. Das ist doch absurd. Aber mal was anderes …“
Sie fuhr sich nachdenklich durch die langen offenen Haare.
„Soll ich mir die auch kurz machen?“
„Warum denn das?“
„Du stehst doch auf sowas.“
„Stimmt schon, aber deine lange Mähne ist doch einfach nur toll, ich möchte nicht, dass du dir die kurz schneiden lässt!“
„Aber es würde dir gefallen, stimmt’s?“
Kaz nickte resigniert.
„Dann probiere ich es auch mal. Ich hab gesehen dass dort drüben eine lange Echthaarperücke mit meiner Haarfarbe ist, die trage ich zur Hochzeit. Ach komm nicht schmollen. Kurze Haare hatte ich zuletzt vielleicht in der zehnten Klasse. Gibt’s hier einen guten Frisör in der Nähe?“
„Bitte mach es nicht, dass dauert ewig und drei Tage bis die wieder lang sind. Aber gut, im Center unten im Haus ist ein ziemlich guter. Die beraten dich auch gut.“
Sie strich ihm durch die kurzen Haare und gab ihm einen intensiven Kuss.
„Wenn du mich das lassen machen lässt höre ich auch mit dem Rauchen auf, versprochen. Aber erst möchte ich die beiden Mädchen und Jack sehen und diesen verrückten Araber von dem du immer sprichst.“
„Lass uns das am Wochenende machen, wenn die drei rausdürfen. Und ok, mach was du für richtig hältst. Solange sie nicht ganz ab sind, bin ich happy. Liz hat das zwar knallhart durchgezogen, aber die hatte auch den Mumm und das richtige Auftreten dazu. Und sie hätte Musikerin werden sollen, ihre CD verkauft sich wie Teufel. Hast du schon mal gesungen?“
„Ein bisschen, aber ich würde mich nicht wirklich trauen, das so richtig vor Publikum zu machen. Ich mag es eigentlich gar nicht im Rampenlicht zu stehen, ich guck mir lieber alles aus der Distanz an. Von daher wird die Hochzeit ein gewisser Albtraum für mich.“
„Stell dich nicht so an, du hast gemodelt und standest die ganze Zeit im Rampenlicht.“
„Frag dich mal warum ich aufgehört habe! Das war einfach nur schlimm. Ich habe es gehasst. Als Fotografin sieht man nur meine Werke, nicht aber mich und als Spielentwicklerin auch nicht.“
„Ist die Kamera die Kompensation für deine AWM?“
„Ja so fühlt es sich an. Auch wenn es fast schon schmerzhaft ist, nicht den satten Rückstoß zu verspüren, wenn ich ein Foto mache. Vorläufiger Ruhestand ist etwas Komisches nicht war.“
„Ja ich weiß, man vermisst das alte Leben sehr.“
„Bist du noch aktiv?“
„Ich bin nicht völlig inaktiv, aber ich lass andere zum Zug kommen.“
„Was denkst du über Dagger?“
„Ein bisschen durchgeknallt und ein großer Fan von Alpha, wird aber nie in seine Fußstapfen treten. Ein bisschen wie Nate und Noah aus meinem Buch. Der junge und der Alte, die nicht auf Augenhöhe sind oder sein können. Die Morde im April passen nicht in sein Schema. Aber so tief bin ich nicht in der Materie drin.“
„Nicht tief in der Materie? Du bist regelrecht besessen von den Geistern.“
„Das stimmt nicht, außerdem sind sie bis auf Ausnahmen ein moderner Mythos.“
„Du stehst doch total auf Legenden und Mythen und Mysteriöse Vorkommnisse aller Art. Du hast in der Schule ständig versucht mich mit deinem Wissen über Obskures Zeugs zu beeindrucken“
„Hab ich nicht, außerdem hast du mir zugehört.“
„Weil du sonst nie Ruhe gegeben hättest“
„Und der Kuss in der 10. Klasse?“
„Um dich abzuwürgen. Aber sei doch froh, so hab ich mich in dich verliebt. Du warst schon immer ein guter Küsser. Und du hast das Herz am rechten Fleck, das ist das wichtigste. Und sieh was aus uns geworden ist. Ein verlobtes Paar, das gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa schmusend frühstückt und Filme guckt. Eigentlich könnten wir das auch im Bett machen, aber hier ist auch sehr gemütlich. Der Orangensaft ist echt lecker und der Rest auch. Schnittchen machen kann ich gerade so. Alles was mit Kochen zutun hat kann ich einfach nicht, die letzten Jahre hab ich mich fast nur von Tiefkühlpizzen, Tiefkühlpfannengerichten, Fastfood und fünf-Minuten-Terrinen ernährt. Nur dank meines Körpers bin ich nicht total fett geworden. Würdest du mich eigentlich noch lieben wenn ich fett werden sollte?“
„Klar, aber nur wenn du mich mit Fettbauch auch liebst.“
Sie tätschelte seinen Bauch.
„Du wirst doch schon fett und ich liebe dich trotzdem Dickerchen. Du wiegst doch bestimmt über hundert Kilo. Solange du nicht so fett wie Xen wirst ist alles ok. Ich frage wie Tamara das aushält, gerade beim Sex.“
„Willst du quatschen oder schön den Film weiter gucken?“
„Ich würde gerne in Ruhe frühstücken und mir ein bisschen das Viertel angucken solange es das Koffein noch wirkt und bevor es Essen gibt. Ok?“
„Ok wird gemacht“
Sie aßen in Ruhe, tranken Saft und Kaffee und lauschten Liz toller Stimme aus den Boxen.
„Wie viele Klamotten hast du dabei?“
„Ups, meine Waschmaschine ist kaputt und ich hab nur einen müffelnden Sack Dreckwäsche mit, Die Sachen die ich anhatte waren die letzten Frischen Sachen die ich habe.“
„Dann sollten wir wohl dringend einkaufen während sich Lien um die Wäsche kümmert. Trägst du eher Hosen oder Röcke. Oder ein Kleid vielleicht?“
„Eine Jeans, ein paar Socken und ein T-Shirt wäre gut. Deine T-Shirts sind für mich leider etwas zeltartig.“
„Quatsch, so fett bin ich auch nicht. Ok, für die paar Sachen wird es schon reichen. Im Center unten ist ein großer Klamottenladen. Da sollten wir bestimmt was finden. Und ich spendiere dir ein Sommerkleid, falls du eins siehst, dass dir gefällt.“
Sie nickte zustimmend und trank einen Schluck Kaffee. Eine Stunde später waren sie fertig und frisch geduscht und verließen die Wohnung, es war gerade neun. Mal gucken ob der Laden überhaupt schon offen hatte. Er warf auf einen Blick auf den Briefkasten. Wann hatte er den eigentlich zuletzt geöffnet. Er warf einen Blick hinein. Shit, der war ja randvoll mit Briefen. Oh, Gott. Er atmete durch. Darum würde er sich kümmern, wenn er zurück war. Anna sah ihn schon erwartungsvoll an.
„Warum hast du eigentlich eine Arbeits-Latzhose an?“
„Das wirst du merken wenn wir draußen sind.“
Er zwinkerte ihr zu. Sie zuckte nur mit den Schultern und sie fuhren nach unten, fürs Einkaufen im Haus brauchte er Benj zwar eigentlich nicht, der Schwarze kam aber trotzdem mit. Im Erdgeschoss setzte sich Benj vor dem Klamottenladen auf eine Bank und kramte einen Sudoku Block und einen Bleistift hervor. Anna starrte den Schwarzen mit großer Neugierde an. Kaz schob sie sanft durch die Tür in den Laden.
   Er freute sich fast schon, Shoppen mit Anna war schon immer unproblematisch gewesen. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung was sie wollte und was ihr stand und probierte nur, wenn sie allein einkaufen ging. Und sie probierte nicht tausend Sachen an und kaufte dann nichts.
   Sie kauften eine fast schwarze Jeans, ein paar T-Shirts, Unterwäsche und einen dünnen Hoodie. Und ein türkises Kleid, dass gut zu ihren tollen Augen passte. Alles in allem ging es schnell und unkompliziert über die Bühne, nur die Verkäuferin fragte verlegen ob sie ein Autogramm von ihm haben könnte.
„Deshalb trage ich diese Hose.“
Er zückte einen schwarzen Marker und zog eine Postkartengroße Karte mit einem Artwork aus seiner Buchwelt aus der Cargotasche und unterschrieb und schob sie der glücklichen Verkäuferin zu. Anna starrte ihn nur verblüfft an.
   Es war Johnnys Idee gewesen, die Werbetrommel nochmal so richtig zu rühren und Merchandise in den Markt zu bringen. Man kleiner Bruder, was hast du da wieder angerichtet. Im März noch hatte ihn kaum einer angesprochen, jetzt war es ihm fast schon lieb das Benj ihn immer draußen begleitete. Bevor sie rausgingen forderte er beim Sicherheitsbüro an, dass Anna einen Transponder bekommen sollte. Und sie machten oben einen Frisörtermin für Montagvormittag. Es war noch früh am Tag und Frisch draußen. Die Kinder waren noch in der Schule. Bald waren aber Sommerferien. Er sah die kulturell gemischte Schachgruppe auf dem Weg zu ihrem Stammcafé und paar Junge Erwachsene trainierten Parcour. Mütter rollten Kinderwägen über den breiten Gehweg. Leute gingen ihren Hunden und ein alter Kauz mit seiner Savannah Katze spazieren.
   Eine Savannah bekam Amber nicht, die waren schweineteuer und die reinrassigen brauchten einen Zwinger. Sie blieben stehen als sie ein mächtiges Flappen hörten, kurz darauf flog eine Lamba Swordfish im Landeanflug auf das Haus zu und landete auf dem Dach des Hangarturms. Er zeigte Anna das Viertel und unterschrieb mindestens achtzehn Autogrammkarten. Die Leute grüßten sich wie in einem Dorf oder einer Kleinstadt. Es herrschte ausgelassene Stimmung und er sah Flaggen aller Länder und die von Deutschland von Balkonbrüstungen wehen. Ein Inder mit Turban radelte an ihnen vorbei und die Deutschlandflagge wehte an einer kleinen Fahnenstange hinter ihm her. Anna sah sich interessiert um und blieb häufig stehen um sich etwas genauer anzusehen. Bis zum BIT schafften sie es leider nicht. Außerdem hatten die Kids Unterricht – Sport mit ihrer Klassenlehrerin Nadja, wenn er den Stundenplan richtig in Erinnerung hatte. Sie machten eine Schleife und gingen zurück. Anna wirkte überwältigend. Das war ein anderes Berlin als sie als Teenager kennengelernt hatte.
   Sie waren pünktlich um eins zuhause. Kaz holte eine Klappkiste aus dem Schuppen und leerte dort hinein den Inhalt des Briefkastens. Hoffentlich waren es keine Mahnungen. Ob er sich einen Sekretär besorgen sollte?
   Er würde Hal darauf ansetzen, aber erst wenn er sich die ganzen Sachen angesehen hatte. Oben wartete schon das Essen auf sie und Lien hatte sich Annas müffelnder Kleidung angenommen. Sie stellte die Tüten mit den neuen Sachen neben den Fernseher und sie stiegen die Treppe nach oben. Eine große Platte mit einem Haufen deftiger Nürnberger Bratwürstchen erwartete sie, dazu Sauerkraut und ein Korb mit Graubrot. Es gab Töpfchen mit Senf und Meerrettich und zu trinken schönes Kräftiges Weißbier. Für die bayrisch aufgewachsene Anna ein Traum. Kaz selbst hatte das auch ewig nicht mehr gegessen.
   Sie aßen in Ruhe, tranken Bier und räumten dann den Tisch ab. Sie waren beide etwas geschafft und fielen eng zusammengekuschelt ins Bett und schliefen schnell ein. Kaz träumte glücklicherweise nicht von Geistern oder Kalmaren sondern von einem tonnenschweren Monsterwaran, der ihn jagte.
Er wachte auf. Karl lag schwer auf seiner Brust und sah ihn neugierig an. Etwas unsanft befreite er sich von der Echse. Anna wachte auf und fiel beim Anblick der Echse vor Schreck aus dem Bett. Der Waran hingegen rollte sich ein und schlummerte.
   Zumindest waren sie jetzt wach und es war sechs. Lien hatte ihnen einen kräftigen weißen Tee und zwei Stück Kuchen und etwas frisches Obst serviert. Kaz fragte Anna ob sie nach dem Mittagessen noch übermäßig Hunger hatte und sie verneinte. Also sagte er das Abendessen ab und schickte die Chinesin in den Feierabend. Diese bedankte sich und schloss die schwere Tür hinter sich.
Anna fuhr sich nachdenklich durch die Haare.
„Und wenn ich einfach jetzt mache?“
„Redest du schon wieder davon? Dann mach doch, wenn du dich nicht gedulden kannst!“
„Hey, nicht so patzig. Tee noch und Kuchen und dann guck ich mal ob die unten noch was frei haben. Ich finde lang etwas langweilig.“
„Tu was du nicht lassen kannst. Schlüssel hast du ja mittlerweile.“
Er verdrehte nur die Augen und nippte an dem Tee, er war etwas verstimmt. Auch wenn sie ihm vielleicht eine Freude zu machen versuchte. Stimmte schon dass sie das letzte Mal als Teenager super kurze Haare gehabt hatte. Ein paar Monate zuvor hatte sie sich als Protest gegen ihre spießigen Eltern den Kopf rasiert, was er mega dämlich fand. Aber auch ein bisschen heiß. Ihr Vater war aus beruflichen Gründen von einer Kleinstadt in Bayern nach Berlin gezogen und hatte die Familie mitgeschleift, da war Anna etwa 14 gewesen und sie kam in seine Klasse. Seitdem hatte er sie nie mehr mit kurzen Haaren gesehen. Sie hatten sich irgendwann angefreundet und ständig Filme zusammen geguckt. Er erinnerte sich noch an den Film Anna von Luc Besson, der war nicht so pralle gewesen und die echte Anna hatte sich die ganze Zeit unwohl gefühlt. Auch wenn sie die Idee irgendwie cool fand als Agentin oder Attentäterin zu arbeiten und eine Tarnidentität zu führen. Er schätzte, das war hängen geblieben. Bei ihm war das ja schon ein bisschen der Fall gewesen, da er damals schon fleißig an Hal herumbaute, während er den Idioten im Unterricht mimte.
„Ok Schatz bis gleich, du kannst mein Stück haben.“
Kaz zuckte ein bisschen zusammen und sah auf das halb aufgegessene Kuchenstück von Anna. Er sah ihr nach und dachte ein bisschen weiter nach, während er den köstlichen Kuchen aß. Danach schleppte er die Kiste mit der Post nach oben zum großen Tisch und schüttete sie aus.
Eine Menge Rechnungen für Zeugs, was ihm Liz vererbt hatte. Ein Sack Fanpost, die er mit einem Schmunzeln las. Angebote von Waffenherstellern um ihr Zeugs zu reviewen – Tja würde ich ja gerne aber das ist Deutschland, da sind die Waffengesetze echt absurd strikt.
   Ein paar Angebote von Merchandise Herstellern, um nicht zu sagen ganze Kataloge. Ah darauf freute er sich, sowas was immer gute Lektüre und er hatte dicke Kataloge immer schon geliebt. Als er klein gewesen war hatte er immer dicke Globetrotter oder Manufaktum Kataloge gelesen, wenn er nachts nicht schlafen konnte. Apropos Manufaktum. Er brauchte Seife und vielleicht ein paar dicke Wolldecken um Anna und Amber von Pelz wegzubewegen. Gab es den Laden am Ernst-Reuter-Platz eigentlich noch? Dann würde er mal mit der Bahn hinfahren. Das war neben der Charité, wo Ryan an seiner Verletzung gestorben war, arme Socke. Siebzehn Jahre und dann so eine Scheiße.
   Er studierte die Kataloge und nippte an einer Cola als sich die Tür wieder öffnete.
„Hey Schatz, tut mir Leid dass ich dich so lange warten hab lasse, aber ich musste eine halbe Stunde warten, komm mal her. Und Karl geh‘ woanders spielen!“
Kaz erhob sich, schon eine Rechnung als Lesezeichen in den Katalog und trat ans Geländer.
„Ich bin hier oben.“
Ihr Anblick war ein gewisser Schock. Ein sehr kurzer, schicker Bob. Da war sie dahin ihre lange blonde Mähne. Er sprang über das Geländer und rollte sich ab. Sie war etwas erschrocken, ließ sich aber nur zu gerne von ihm küssen.
„Ich muss einräumen, dass das verdammt gut aussieht.“
„Ich hab mich auch lange beraten lassen. Aber es ist jetzt so viel leichter. Und ich finde es total schick. So, ich könnte eine Kleinigkeit vertragen und dann will ich weiter gucken! Und heute machen wir nicht durch, ich will morgen trainieren, damit ich von dem ganzen guten Essen nicht fett werde.“
„Unten ist ein sehr großes top eingerichtetes Studio mit einer riesen Kletterwand. Und auf der anderen Seite ist ein großes unterirdisches Schwimmbad. Frag mich bloß nicht, wie die das mit der Statik gelöst haben, das ist einfach nur der Wahnsinn. Aber es ist klasse und da du mit mir hier jetzt wohnst, darfst du die beiden Sachen völlig kostenlos benutzen. Und du bekommst Rabatt in den Läden unten.“
„Hab ich schon gemerkt, dass ist der totale Knaller. Liz war irgendwie etwas komisch drauf. Die Pelze, die Perücken und der ganze Prepper Krempel in der Kammer da.“
„Da musst du mal den Keller sehen. Ich fürchte ich hab sie damals infiziert. Und da stehen drei Waffentresore rum. Randvoll mit Gewehren und Pistolen und Munition fürs Sportschießen.“
„Oh Gott, warum hat man sowas? … fragt eine mit einer AWM und einer Beretta.“
Anna lachte unsicher.
„Und die anderen Tresore nicht zu vergessen. Einer ist voller Geldbündel, einer voll mit Wertpapieren und Schmuck, und in einem stapeln sich Barren aus Silber und Gold. Liz muss in den paar Jahren unglaubliche Reichtümer angehäuft haben. Mir graut schon davor was man in Johnnys Keller finden wird. Ich schätze wir sollten für Akira eine Trage mitnehmen, wenn sie vor mir aus den Latschen kippt. Liz hat mir ja schon absur … Aua, das war ein Scherz.“
„Man sowas macht man nicht, deine beste Freundin ist höchst wahrscheinlich tot und du hast frisch deine Schwägerin und deinen Neffen verloren. Dein Humor war schon immer völlig fehl am Platze!“
„Ja Entschuldigung. Wie soll man sonst der Situation begegnen wenn nicht mit Humor. Nach dem Tod von Ryan und Helena hab ich mir die Kids geschnappt und bin zur Fabrik gefahren. Dort haben wir hart trainiert und ich den dreien Schießen beigebracht. Jack und Amber sind ein gutes Team an der AWM und AX50.“
„Bitte WAS? Leute sterben und du zeigst KINDERN wie man Leute abknallt. Geht’s noch?“
„Schrei mich nicht an, ich bitte dich, du hattest deinen ersten Abschuss bevor du achtzehn warst. Also stell dich nicht so an. Den Bürgern in diesem Drecksland wird es unfassbar schwer gemacht sich selbst zu verteidigen. Einbrecher darfst du nicht mal mehr überwältigen, sondern du musst auf die korrupte Polizei warten, die die Clowns übrigens deckt und mit Waffen versorgt. Die Politiker machen nichts außer die Sache für die Opfer so schwer wie möglich zu machen und die Presse übertüncht die Wahrheit. In so einer Scheißwelt ist es mir egal ob mir jemand sagt was ich zu tun und zu lassen habe. Die Kids lernen sich zu wehren und das ist mir verdammt noch mal wichtig. Denk doch nur mal an unseren Sohn Markus. Oh nein, nicht weinen.“
Anna war in Tränen ausgebrochen und er nahm sie sanft in den Arm. So knallhart wie er war sie vielleicht doch nicht.
„Oh man du bist immer noch so sanft und sensibel wie ein verdammter Panzer! Ich hab dich trotzdem lieb. Können wir jetzt vielleicht weitergucken, Büdde?“
„Ja klar, ich räume nur das Geschirr ab. Willst du noch einen Kaffee oder einen Tee?“
„Ich mag noch eine Cola, wenn noch welche da ist.“
„Ach klar im Keller steht eine Europalette von dem Zeug. Kommt sofort.“
„Du verarscht mich doch!“
„Nein die Palette erscheint mir realer als der Schrank mit den Gelscheinen. Warte ich hol dir eine kühle Dose. Dann gibt’s morgen aber satt Sport vor dem Frühstück!“
„Klar, nicht dass wir beide noch fett werden. Und schön Zähneputzen, wir sind zu jung für die Dritten.“
„Ich hab gelesen mittlerweile werden bei Horizon Nanomaschinen getestet die für dich putzen, Zahnstein entfernen und Löcher stopfen.“
„Du spinnst doch. Wir haben zwar 2045, aber das nehme ich dir nicht ab.“
„Komm das ist nicht weniger absurd als Augmentierungen. Mittlerweile gibt es sehr gut funktionierende künstliche Augen. Damit kann Blinden enorm geholfen werden. Die gibt’s auch mit Nachtsicht und Zoom.“
„Na dann hol dir doch eins!“
„Quatsch, ich bin Purist was sowas angeht, ich hab nur einen Haufen Tattoos.“
„Ja voll der Nazi und so. Alles voller Totenschädeln, Waranen und die Deutschlandflagge, um nur ein paar zu nennen. Oh man, die Presse hat dich mit einer Drohne abgelichtet als du mit freiem Oberkörper rumgelaufen bist. Für die im Viertel bist du ein Patriot, für die Leser der Klatschpresse ein Neonazi. Ich will gar nicht wissen was die in nächster Zeit über mich schreiben.“
„Wahrscheinlich als geldgierige Schlampe, die sich nach dem Tot von Liz an mich heranmacht um an die Kohle ranzukommen. Egal, die werden auf jeden Fall alles ausgraben, was man zu dir finden kann, also bete, dass deine Tarnidentität absolut wasserdicht ist. Und ignorier den Scheiß einfach.“
„Kann ich nicht, in hab nicht so ein dickes Fell wie du. Ich bin ein zartes Blümchen.“
„Mit einem Scharfschützengewehr im Schrank, ja ne ist klar.“
Anna grinste nur und ließ sich aufs Sofa fallen und klopfte mit ihren manikürten Fingern auf den Platz neben ihr. Kaz schüttelte den Kopf, räumte ab und die Maschine ein und nahm sich zwei kalte Cola Dosen mit ins Wohnzimmer. Das würde ein knalliges halbes Jahr mit Anna werden. Er war schon gespannt wie die Kids reagieren würden.