ABC-Etüden – 5.22

Heute hat Christiane zur Extraetüdenwoche eingeladen

Die Regeln sind 5 von 6 Begriffen aus dem Januar in maximal 500 Worte gepackt.

Zur Auswahl stehen diesmal:
Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen, Wackelpudding, unverdrossen und knistern.

Ich hab mir etwas ausgedacht, das in meinem Science-Fantasy Universum von Das Osiris Projekt spielt, ohne etwas groß mit dem Buch zu tun zu haben. Der Protagonist ist ein übellauniger Waran namens Nathan, der große Bruder von Ted dem Dieb, meinem Alias hier auf dem Blog. Das ist übrigens Nathan:

Nathan in Hochform

Ankunft

Nathan sah aus dem Fenster, als der kleine alte Bus die kurvige Straße entlang an Steilhängen und Nadelwäldern fuhr. Er warf einen Blick auf die Kartenapp seines Handys, noch etwa drei Stunden bis zum Ziel. Er lehnte sich zurück, genoss den Ausblick und summte unverdrossen die ersten Takte seines Lieblingslieds.
Er musste weggenickt sein, der Bus hielt abrupt und er war hellwach. Sie hatten irgendein kleines Kaff in den Bergen erreicht. Ein fetter Clown und zwei Helfer hatten mit Waffengewalt den Bus angehalten. Diese miesen Terroristen. Er sammelte sich und wartete ruhig, als der fette Clown den Bus bestieg und sich die wenigen Mitfahrer ansah. Auf seiner Höhe hielt er inne.
„Du, du scheiß Echse, ihr scheiß Tiere seid hier nicht erwünscht. Kriech wieder in das Loch, in das du gekommen bist!“
Er stampfte mit dem Fuß auf und sein Wanst, der unter dem Shirt hervorquoll wabbelte auf und ab wie Wackelpudding, Nathan verzog angewidert die Mundwinkel und züngelte. Der Schweißgestank des Clowns war unerträglich. Echte Gastfreundschaft hier in Montana.
„Raus mit dir, du läufst nach Hause, du Abschaum.“
Diplomatie, Nathan, Diplomatie. Du bist Undercover, du kannst nicht wahllos Clowns abschlachten weil dich jemand beschimpft!
Er nahm seine Sachen und verließ den Bus, das Laub knisterte unter seinen schweren Stiefeln als er aus dem Bus sprang, die Stimmung war angespannt. Der dicke Clown schnaufte zu ihm und wedelte mit einer Pistole vor seiner Nase herum, ein kurzer Blick genügte um zu sehen, dass sie nicht entsichert war – die Clowns waren eben echte Profis.
Er wurde von einem großen Clown mit einem Vorschlaghammer und einer schlaksigen Bohnenstange, der er nicht zutraute, den Baseballschläger in ihren Händen schwingen.
„Taschenkontrolle! Alles ausleeren.“
Der dicke Clown klang, als würde er unter der Clownsmaske höhnisch grinsen. Er seufzte und öffnete seinen großen schweren Wanderrucksack. Sorgfältig und akkurat breitete er den Inhalt seines Rucksacks auf der leeren Straße.
„Was das?“
Der Fettwanst deutete auf seine Kameraausrüstung.
„Meine Kamera.“
„Pff, beschlagnahmt.“
„Hey Moment, das geht nicht, ich bin Naturfotograf, die brauche ich für meine Arbeit.“
„Als ob das Tierpack arbeiten würde, ihr seid doch alles nur Schmarotzer. Gib her.“
Er fuchtelte wieder mit der Spielzeugpistole vor seiner Nase. Jämmerlicher Zwerg, Nathan war zwei Köpfe größer. Aber er musste seine Tarnung aufrechterhalten. Er malte mit dem Kiefer und gab ihm die Kamera. Zu seinem Entsetzen warf der Clown die teure Kamera einfach den steilen Hang hinab.
Er zwang sich zur Ruhe, während er von den drei Clowns schikaniert und nach und nach seine Ausrüstung malträtiert wurde, am Ende pisste der Fette über seine Klamotten. Dann waren sie durch und ein Hoffnungsschimmer glomm in ihm auf. Aber er kochte innerlich, es war einfach unverzeihlich wie man ihn behandelte.
„So, kannst gehen Schuppenfresse. Aber in die andere Richtung.“
Der Fettwanst stopfte sich gerade knapp achthundert Dollar in die Tasche, die Nathan für die Reise eingesteckt hatte. Jetzt konnte er wirklich nur noch laufen. Warts nur ab Fettqualle, Warane sind heimliche Jäger. Heute Nacht komme ich für euch drei.

ENDE?

Die Legende der schwarzen Geister – Kapitel 2

Lama Merten schreckte auf. Er war in tiefster Meditation versunken gewesen als ihn eine große unheilvolle Vision erreicht hatte. Er und seine Schülerin Luma schwebten in größter Gefahr. Gefährliche Mächte waren hinter ihnen her. Unheimlich und stark überlegen. Aber in seiner Vision hatte es auch Hoffnung gegeben. Jemand hatte ihn gerufen. Eine formlose Gestalt, ein Geist mit einer schillernden Aura. Er hatte ein Gebäude mit gigantischen Ausmaßen gesehen, mit einer riesigen kreisrunden Kuppel, irgendwo im Süden. Das Gebäude hatte wie ein sicherer Hafen gewirkt.
Vielleicht würde er dort diesen Geist finden.
   Er musste Luma finden, sie mussten sofort aufbrechen. Die Vision hatte sich grauenvoll real angefühlt.
   Lama Merten erhob sich und sah sich im Tempel um. Er hoffte inbrünstig er würde wieder hierher zurückkommen, denn die Bewohner des Dorfes brauchten ihn. Er war ihr Wächter für die letzten fünfundzwanzig Jahre gewesen. Er seufzte und strich fast schon wehmütig mit der Hand über einen der verzierten hölzernen Stützpfeiler.
   Er berührte den Anhänger an seinem Hals, einen der zylindrischen Gegenstände mit grüner abgerundeter Spitze den er vor gut zwei Jahrzehnten in einem magischen Würfel gefunden hatte. Er hatte den Mönchen und den Bewohnern der nahe gelegenen Dörfer und Klöster gezeigt, aber niemand hatte etwas damit anzufangen gewusst. Also hatte er ein Lederband daran befestigt und sich das merkwürdige Objekt um den Hals gehängt.
   Er bewegte sich etwas. Nach dem langen Sitzen war er etwas steif. Ja so langsam spürte er das Alter in seinen Knochen. In nicht allzu ferner Zukunft würde er ein alter Greis sein. Was dann wohl aus seiner Schülerin werden würde?
   Sie war viel zu schnell erwachsen geworden. Und jetzt würde sie ihn bald verlassen wollen, er spürte es. Er hoffte er hatte sie über die Jahre gut auf ihre Lebensreise vorbereitet.
Heute schenkte er dem Altar mit den Geschenken aus dem Dorf keine Beachtung. Sie hatten noch mehr als genug Vorräte als sie auf ihre Reise mitnehmen würden können.
   Er wusste nicht wohin die Reise gehen würde, aber er kannte die Richtung: Süden.
Vom Tempel war es nicht weit zur Höhle, die er mit seiner Schülerin zusammen bewohnte.
Der Stein mit der Inschrift, hatte sich in der ganzen Zeit kein Stück verändert. Luma hatte einmal versucht, die Inschrift zu entziffern, aber recht schnell aufgegeben. Hartnäckigkeit und Geduld waren nicht gerade ihre Tugenden. Eine ziemliche Hürde, wenn man den Lehren des Dalalonischen Buddhismus folgen wollte. Aber in den bisherigen Jahren hatte sie sich gut geschlagen.
Allerdings missfiel es ihm, dass sie sich mit übermäßigem Eifer in die Erlernung des waffenlosen Kampfes stürzte, aber ihre anderen Aufgaben weniger konzentriert erledigte.
Er dachte an diesen Emmet, von dem seine Schülerin seit nun etwa fünf Jahren andauernd sprach. Er war etwas älter als sie und ihren Schilderungen zufolge ein echter Abenteurer und Draufgänger.
Lama Merten war diesem Emmet noch nie begegnet, aber schon von den Erzählungen her konnte er ihn nicht ausstehen. Ein Abenteurer war seiner Schülerin unwürdig, fand er.
   Er zwängte sich durch den Spalt in die Höhle. Alter hin oder her, dünner war er zumindest nicht geworden. Die Höhle war leer. Lumas Schlafstätte mit dem großen Tigerfell und der Wolldecke sah benutzt aus. Sie war also schon wach. Neben dem Feuer standen benutzte Töpfe und Essgeschirr. Missbilligend schüttelte er mit dem Kopf. Ordnung war nicht gerade ihre Stärke.
Er lehnte seinen Stab an die Höhlenwand und ging mit dem dreckigen Geschirr nach draußen. Wenn seine Schülerin sich nicht darum kümmerte würde er es halt machen.
   Er hörte das Wasserrauschen bevor er den kleinen Wasserfall sah, als er den Weg bergauf entlang ging. Der Wasserfall rauschte etwa dreißig Fuß in die Tiefe in einen kleinen See klaren eiskalten Wassers. Und dort war Luma. Seine Schülerin kniete am Ufer des Sees und rührte mit einem seltsam geformten Pinsel in einer kleinen Schüssel. Dann schmierte sie ihren Kopf mit einem feinen weißen Schaum ein. Er erreichte sie in dem Moment als sie das scharfe Messer aus der Scheide nahm.
„Was machst du da ehrenwerte Schülerin?“
Sie sah nicht auf und begrüßte ihn auch nicht.
„Ich führe das Reinigungsritual durch, was sonst.“
„Was ist dieses Zeugs mit dem du dich eingeschmiert hast“
„Rasierseife“
„Warum das?“
„Das macht den Prozess um einiges angenehmer. Ihr solltet es auch probieren ehrenwerter Meister.“
„Das Reinigungsritual soll dich lehren deinen Körper zu spüren. Es soll kein angenehmer Prozess sein!“
„Auf Hautirritationen und andere Unannehmlichkeiten habe ich aber langsam keine Lust mehr!“
Lama Merten war fassungslos und wusste nicht was er erwidern sollte.
„Woher hast du diese Seife?“
Fragte er stattdessen.
„Emmet hat sie mir aus der Stadt mitgebracht. Dort ist es Gang und Gebe, dass man Seife zum Rasieren verwendet. Keine Ahnung warum die Mönche es immer so umständlich machen müssen.“
Wieder diese elende Emmet. Aber was sollte er mit diesem bockigen Mädchen machen. Zumindest war er froh, dass sie das Reinigungsritual überhaupt noch durchführte. Auch auf die Gefahr hin, dass sie Aufsehen erregte, wenn sie auf Reisen ging. Mönche waren überall gesehen, aber ein Mädchen ohne Haare war eine Rarität.
   Mädchen dieser Region in ihrem Alter trugen die Haare lang und parfümiert, Luma hingegen lief stolzen Hauptes umher und schien sich an dem Umstand ihrer mangelnden Haarpracht nicht zu stören. Ob es daran lag dass er sie schon in allerfrühster Kindheit an das regelmäßige Reinigungsritual gewöhnt hatte?
„Was gibt’s“
Fragte sie.
„Wie bitte?“
„Warum bist du hier?“
„Um dir mal wieder hinterher zu räumen.“
Er deutete auf das Geschirr in seinen Händen.
„Ups. Das wollte ich später noch machen. Konnte ja nicht ahnen, dass du so früh wieder zurück bist.“
„Man sollte immer sofort nach dem Essen abspülen.“
„Ich hatte aber heute keine Lust darauf!“
Er stellte das Geschirr auf dem Boden ab und verschränkte die Hände. Ihr bockiges Verhalten nagte an ihm. Was hat er denn nur falsch gemacht?
„Dann mach es wenn das Ritual abgeschlossen ist.“
„Och Manno, warum könnt ihr es nicht schnell machen, wenn ihr schon mal hier seid ehrenwerter Meister?“
„Keine Widerrede. Und komm dann zurück zur Höhle, wir müssen packen.“
Bei den Worten hielt sie wie erstarrt in der Bewegung inne und blickte zu ihm hoch.
„Warum ehrenwerter Meister?“
„Weil ich kürzlich eine Vision hatte, die von einer großen Gefahr gewarnt hat.“
„Und weil Ihr eine Vision habt müssen wir sofort alles stehen und liegen lassen und auf irgendeine Reise gehen. Wohin überhaupt?“
„Nach Süden.“
„Prima. Absolut nicht unpräzise wie Sau.“
Er riss erschrocken die Augen auf. Sie fluchte! Das tat sie eigentlich nie.
„Und was soll im SÜDEN sein?“
„Ein großes Gebäude mit einer hohen Kuppel. Da müssen wir hin.“
„Toll und genauer ging es nicht? Außerhalb von Dalalonien trifft das im Süden doch auf gefühlt jedes zweite Gebäude zu.“
Resigniert seufzte er und beschrieb ihr die ganze Vision.
„Böse Mächte die hinter uns her sind. Toll. Kann es nicht mal was erfreuliches sein? Zum Beispiel meine Hochzeit?“
Beim letzten Satz war ihm, als er hätte er sich verschluckt. Heiraten? Wen denn, etwa diesen Emmet?
Luma hatte sein Gesicht gesehen und lachte auf.
„Aber Meister, das war doch nur ein Spaß. Bevor ich heirate will ich erst die Welt sehen!“
Aber ihre Aussage schloss nicht aus, dass sie diesen Emmet heiraten würde. Ihm schauderte.
„Aber wie können Geister Auren haben? Die sieht man doch eigentlich gar nicht.“
Er zuckte nur mit den Schultern. Vielleicht war das mit den Geistern anders zu interpretieren gemeint.
„Es gibt viele merkwürdige Dinge und Geschehnisse, die man nicht in Worte fassen kann. Nicht alles in dieser Welt kann man begreifen.“
„So wie Vögel die brennend aus dem Himmel fallen?“
Er starrte sie irritiert an.
„Ihr redet im Schlaf ehrenwerter Meister. Was hat es mit diesem brennenden Vogel eigentlich auf sich? Und warum ist das Ganze so wichtig?“
Er war wie erstarrt und suchte nach Worten. Dass war weder der richtige Ort noch der Zeitpunkt um zu erzählen wie er sie gefunden hatte.
   Da wurde er plötzlich erlöst. Ein heller Pfiff ertönte.
Wie auf Kommando ruckten sie beide mit den Köpfen und spähten in dir Richtung aus der Pfiff gekommen war.
   Dahinten sprang eine Gestalt über ein paar Felsbrocken und eilte über Steine springend auf sie zu. Jetzt konnte sie Lama Merten besser erkennen.
   Eine Echse. Eine ziemlich große Echse um genau zu sein. Von der Kopfform her war es ein Waran. Fast schwarz mit beigen Flecken und Streifen. Das war einer von den großen Waranen die sich in den letzten Jahrzehnten in Dalalonien stark verbreitet hatten aber eher in den wärmeren Talregionen lebten. Hier in den Bergen waren sie ein seltener Anblick.
   Der Waran trug eine kurze Hose, keine Schuhe und eine Pistole steckte im Wadenholster. Kletterausrüstung, Kompass, und ein magisches Licht waren am Gürtel eingehängt. Graues kurzärmliches Oberteil mit einem Brustgurt, in dem ein Messer steckte. Dazu ein großer prall gefüllter Wanderrucksack.
   Der Waran schien noch ziemlich jung zu sein, etwa in Lumas Alter. Wer zum Henker war das denn?
„Emmet!“ rief Luma freudestrahlend.
Lama Merten war als stünde er unter Schock. Dieser Waran war also dieser Emmet, von dem Luma immer berichtete und den sie anscheinend heiraten wollte. Resigniert zuckte er mit den Schultern. Wenn das mit den beiden schon so lange ging konnte er wohl nichts dagegen tun.
Emmet erreichte sie und Luma warf sich ihm in die Arme.
Luma war für eine Frau recht groß, aber Emmet war trotzdem noch etwa einen Kopf größer.
Sie lösten die Umarmung und Luma stellte sich neben Emmet und lächelte etwas verlegen.
„Ehrenwerter Meister, das ist mein Freund Emmet von dem ich euch so viel erzählt habe.“
Lama Merten nickte grimmig.
„Warum ist er hier?“
„Weil ihr in größter Gefahr seid!“
Luma verdrehte die Augen.
„Nicht du auch noch. Was ist es denn diesmal?“
Emmet sah sie überrascht an, mit dieser Reaktion schien er nicht gerechnet zu haben. Aber er fasste sich schnell wieder.
„Meine Mutter hat mich kontaktiert. Sie hat mir von einer Gruppe von neun schwer bewaffneten Männern, größtenteils große Warane und einer Frau …“
Er zögerte.
„ … aus Metall berichtet, die sie zum Kloster Nehab gebracht hat. Von dem was meine ehrenwerte Mutter mitbekommen hat sucht die Gruppe einen Mönch, der in Begleitung es kleinen Mädchen ist. Die Gruppe führt nichts Gutes im Schilde.“
Lama Mertens Inneres verkrampfte sich. Er war im Kloster Nehab aufgewachsen und hatte dort viele Jahre verbracht. Es war bestimmt kein Zufall, dass man dort mit der Suche angefangen hat.
„Wenn wir jetzt sofort aufbrechen können wir uns einen guten Vorsprung erarbeiten und untertauchen. Bis sie eure Spur aufgenommen haben, wird hoffentlich noch viel Zeit vergehen.“
„Nein. Wir müssen nach Süden!“
Lama Merten war strickt. Die Vision war vorrangig vor allem anderen.
„Warum das ehrenwerter Lama?“
„Ich hatte eine Vision, die mir gezeigt hat, dass wir schnellstens nach Süden aufbrechen müssen.“
„Bitte erzählt mir von eurer Vision ehrenwerter Lama.“
Zufrieden, dass wenigstens eine Person an seiner Vision interessiert war, erzählte er von seiner Vision.
„Die Beschreibung sagt mir was aber ich weiß nicht mehr an was mich das erinnert. Ich werde sofort meinen Vater um Rat fragen, er weiß viele Sachen.“
Eine Frage stand plötzlich im Raum.
„Wie hat dich deine ehrenwerte Mutter überhaupt kontaktieren können? Kloster Nehab ist hunderte Meilen von hier entfernt!“
Misstrauisch beäugte er den jungen Waran. Der warf einen irritierten Blick zu Luma, die nur genervt mit den Augen rollte, und wandte sich dann an ihn.
„Hier, damit.“ Damit stellte er den Rucksack ab, griff in ein Fach und förderte ein seltsames schwarzes Objekt zutage. Ein kleines recht flaches rechteckiges Ding mit einem Tastenfeld und einem dicken Stab am oberen Ende. Lama Merten hatte keine Ahnung was das sein sollte, er hatte es nicht so mit technischen Apparaturen.
„Ein Satellitentelefon. In diesen Regionen mit kaum Funktürmen höchst praktisch.“
„Ein was bitte?“
Lama Merten starrte das schwarze Ding in Emmets Händen ungläubig an. Das sollte ein Telefon sein? Er wusste was ein Telefon war. Unten im Dorf gab es eins, aber das war riesig und klobig und befand sich in der Poststation. Er hatte es ein paar Mal benutzt um Rat in einem anderen Dorf oder Kloster zu fragen. Aber wie konnte ein Telefon tragbar und so winzig klein sein? Er verstand die Welt nicht doch nicht mehr so richtig.
„Ein Satellitentelefon.“
Wiederholte Emmet unsicher.
„Ok, ich rufe kurz meinen Vater an.“
Und damit tippte er auf dem Telefon herum und entfernte sich ein paar Schritte.
„Und wir beide gehen runter und packen“ sagte Lama Merten in entschiedenen Ton.
„Nein. Ich werde das Ritual durchführen und mich dann ums dreckige Geschirr kümmern.“
Trotzig sah sie ihn an.
   Er seufzte und warf einen Blick auf Emmet. Dann zuckte er erneut ratlos mit den Schultern und ging zurück zur Höhle um mit dem Packen anzufangen.
   In der Höhle angekommen sah er sich ratlos um. Diese Höhle war sein Zuhause für fünfundzwanzig Jahre gewesen und es kostete ihn Überwindung sie nun aufgeben zu müssen. Seine Vision war in dieser Hinsicht zwar vage gewesen, aber tief in ihm drin wusste er, dass er nie an diesen Ort zurückkehren würde.
   Er nahm sich seinen Rucksack und füllte ihn mit den Sachen, die ihm nützlich erschienen. Die Kletterausrüstung würde er wahrscheinlich nicht gebrauchen, aber er nahm sie trotzdem mit. Die Decke, die ihm seit Urzeiten gute Dienste bereitete, würde natürlich mitkommen. Ebenso wie das Essgeschirr, was Luma vermutlich gerade abwusch.
   Und sein Stab durfte natürlich nicht fehlen, was war nur eine Reise ohne Wanderstab.
Er merkte nicht wie die Zeit verstrich, denn plötzlich vernahm er Schritte und Luma, das saubere Geschirr in den Händen, und Emmet, der sich staunend umsah, kamen herein.
„Ich habe meinen Vater erreicht. Er weiß um welches Gebäude es sich handelt. Es ist das größte Theater der bekannten Welt und befindet sich südlich von uns, wenn auch sehr weit weg. Dort soll in etwa drei Wochen eine Weltversammlung aller Könige, Regenten und Staatsoberhäupter stattfinden.
Mein Vater meinte wir können es in dieser Zeit dort hin schaffen. Was meint ihr ehrenwerter Lama, war in eurer Vision von einer Versammlung die Rede?“
Lama Merten dachte angestrengt nach.
„Ich kann es nicht genau sagen, aber ich würde es nicht abstreiten wollen.“
Emmet strahlte.
„Super. Dann sollten wir sofort aufbrechen. Mein Vater erwartet uns in seinem Laden in der Stadt.“
Lama Merten strahlte nun ebenfalls. Luma war überstimmt. Seine Schülerin warf einen resignierten Blick auf ihre Schlafstätte.
„Das Tigerfell werde ich wohl hierlassen müssen, oder?“
„Ja Luma, aber wir finden bestimmt Ersatz wenn wir eine neue Bleibe gefunden haben.“
Tröstete sie Emmet.
Luma schniefte etwa, riss sich dann aber zusammen und fing an zu packen. Nach einer halben Stunde waren sie fertig und Aufbruch bereit. Sie gingen aus der Hölle und warfen einen Blick auf das Tal unter ihnen. Jetzt würde es kein Zurück mehr geben. Luma warf einen Blick zurück und lief dann los. Emmet übernahm die Führung und Lama Merten bildete den Schluss.

Die Legende der schwarzen Geister – Kapitel 1

Sie spürte die warme Berührung der Sonnenstrahlen auf ihrer Wange und blinzelte. Sie war noch nicht richtig wach und nicht ganz bei der Sache. Aber Moment mal, jetzt dämmerte es ihr, wenn die Sonne schon so hoch stand um in ihr Zimmer zu scheinen hatte sie ganz schrecklich verschlafen!
Schlagartig war sie wach und saß aufrecht im Bett. Auf der Wanduhr las sie die Zeit ab. Es war schon elf! Oh nein, dabei hatte sie sich doch fest vorgenommen im Morgengrauen aufzustehen und mit Tacitus die Pflanzen zu gießen und im taufrischen Gras zu meditieren.
   Sie war wütend auf sich selbst und darauf, dass sie sich keinen Wecker gestellt hatte, aber den brauchte sie ja sonst auch nicht.
   Sie beruhigte sich und verlangsamte ihre Atmung. Tacitus hatte ihr gelehrt, dass Aufregung verschwendete Energie war und in der konzentrierten Ruhe die Kraft lag. Ruhig atmete sie ein und aus und schloss dabei die Augen. Nach ein paar Minuten öffnete sie wieder die Augen und nahm achtsam ihre Umgebung war. Da bemerkte sie den angenehmen Geruch von reifen Mangos und Orchideen im Raum. Dort auf dem flachen Tisch stand eine kleine Schale mit Mango Stücken, daneben ein Schälchen Joghurt und ein Teller mit gerösteten Fladenbroten.
   Jetzt knurrte auch ihr Magen. Tacitus musste ihr diese kleine Mahlzeit zubereitet haben. Sie lächelte, ihr Lehrer war sehr zuvorkommend. Normalerweise wäre sie nach dem Aufstehen in die Küche gegangen um selbst eine Mahlzeit zuzubereiten, immer für sie beide, denn nur an sich selbst zu denken war ein ungutes Zeichen. Tacitus war aber nicht nur ihr Lehrer sondern auch ein guter Koch und es war ihm eine Freude jeden Tag aufs Neue köstliche Herrlichkeiten zu backen und zu kochen.
   Mit Genuss dachte sie an die köstlichen Nester aus feinem Teig, mit Nüssen und süßem Honig. Die hatten sie gestern gebacken und zum Nachmittagstee serviert. Aber es waren noch viele übrig und warteten in einem Korb in der Küche.
   Sie erhob sich von dem prächtigen goldgelben Tigerfell und schlüpfte in ein leichtes Kleid aus feiner Seide. Dann setzte sie sich an den flachen Tisch, betete kurz und verbeugte sich vor dem Tablet mit der einfachen Speise. Sie aß mit den Fingern. Dazu trank sie klares kühles Wasser.
   Sie stellte sich vor wie wundervoll das Wasser, das frisch aus einer Quelle sprudelte wohl schmecken mochte. Tacitus hatte erzählt, dass die reinsten Wasser aus den hohen Bergen stammten, von denen einige so hoch waren, dass sie den Himmel berührten.
   Wie gern hätte sie einmal die großen Berge gesehen, bisher hatte sie nur davon gelesen. Ihr Lehrer musste die ganze Welt bereist haben. Er erzählte ihr so viele Geschichten von seinen Reisen, Expeditionen und Abenteuern.
   Die Mangos waren schön süß und das Fladenbrot pikant gewürzt. Der Joghurt war schön kalt, frisch und lecker, den bereiteten sie selbst zu. Im Kühlschrank unten in der Küche standen noch etliche Gläser damit. Den verwendeten sie auch für erfrischende Getränke und leckere Speisen.
Und dann war das letzte Streifen Fladenbrot und das letzte Stück Mango verschwunden und sie sah sehnsüchtig in die Ferne.
   Sie dachte an die leckeren Fleischbällchen, die sie gestern Abend gegessen hatten. Was es wohl heute zu Essen geben würde?
   Das Tablett in den Händen stand sie auf und ging die Wendeltreppe hinunter in die Küche. Dort stellte sie das Geschirr in das Spülbecken und wusch ab. Das tropfnasse Geschirr legte sie zum Trocknen auf ein Gestell aus Metalldraht.
   Sie sah aus dem Fenster nach draußen. Der Garten war sehr schön geworden. Große Hochbeete wechselten sich mit Reihen von kleinen Bäumen und verschlungenen Beeten mit tropischen Zierpflanzen und Orchideen ab. Der eine Teil des Gartens diente der Ruhe und der Meditation, der andere um nutzbare Pflanzen anzubauen.
   Den Mittelpunkt des Gartens stellte einen mittelgroßer, heiliger Baum dar. Feine goldene Adern durchzogen die Rinde des Baums und schienen schwach zu pulsieren. Tacitus hatte gesagt es sei ein Götterbaum, der nur in den tiefsten Teilen des undurchdringlichen Regenwaldes wuchs und von den Indianern dort verehrt wurde.
   Der Götterbaum war ihr Meditationsort an dem sie morgens und abends meditierten.
Sie trat nach draußen die kurze Steintreppe, deren Stufen von der Sonne aufgeheizt waren, und lief über den gepflasterten Hof in den Garten. Die Pflanzen waren schon längst gewässert und strahlten im warmen Sommerlicht.
   Jetzt war es noch nicht so warm in der Sonne, nachmittags würde es in der prallen Sonne nicht mehr auszuhalten sein. Sie lief mit leichten Schritten über die gepflasterten Wege zwischen den Beeten hin zu der Stelle wo Tacitus unter dem Baum saß. Ganz leise näherte sie sich ihm und setzte sich neben ihn ins gestern frischgemähte Gras. Sie wollte ihn auf keinen Fall bei seiner Meditation stören, sie wollte nur ein bisschen in seiner Nähe sein.
   Sie machte sich Sorgen. Ihr Lehrer war alt geworden, die Schuppen waren verbleicht, die Augen getrübt und er hatte in den letzten Jahren stark abgenommen, lose Hautfalten hingen an ihm herab und die Arme und Beine waren sehnig geworden.
Er war über achtzig Jahre alt, was für einen Kaiman sehr beachtlich war. Dennoch hatte ihm das Alter nichts von seiner Würde und seiner Kraft genommen. Er bewegte sich langsam und bedächtig, konnte aber immer noch flink und reaktionsschnell im meditativen Tanz sein.
Sie lauschte dem ruhigen tiefen Atemzügen ihres Lehrers und schloss die Augen, sie synchronisierte ihren eigenen Atem mit dem seinem und glitt geistig dahin. Sie liebte die Meditation, die damit eigehende Ruhe und Konzentration und die Verbundenheit mit den kosmischen Strömen der Welt die man dadurch erreichte.
   Nach einer Weile schlug sie die Augen wieder auf und blinzelte, ihr Lehrer war verschwunden. Sie musste grinsen, er machte zwar einen gebrechlichen Eindruck aber bewegte sich lautlos und geschmeidig wie eine Katze wenn er es darauf anlegte.
   Sie hatte eine ziemlich genaue Ahnung wo er sich jetzt aufhielt.
Der Meditative Garten war größer als der Nutzgarten und in der Mitte befand sich ein großer Teich den eine schmale Brücke überspannte und an dessen einen Ende stand ein kleiner Tempel mit geschwungenem Dach. In dem Tempel hatte ihr Lehrer einen kleinen Altar erreichtet auf den er ein gerahmtes Bild mit dem Bildnis seines Sohnes gestellt hatte. Er betete jeden Tag für ihn und seine Familie.
   Wie es wohl sein musste von seiner Familie getrennt zu sein? Das betraf sie auch, denn sie hatte keine leibliche Familie. Keinen Vater, keine Mutter und keine Geschwister. Sie war ganz allein.
Hier waren nur die Wachen, die Diener und die Weißkittel.
   Tacitus nicht zu vergessen, er war das einzige bisschen Familie dass sie besaß!
Leise trat sie ins Zwielicht des Tempels und gewöhnte ihre Augen an die Dunkelheit.
Vor dem Altar saß ihr Lehrer im Schneidersitz und mit geschlossenen Augen. Er summte eine langsame traurig klingende Melodie.
   Er schien sie nicht zu bemerken und sie hatte nicht vor das zu ändern.
Sie setzte sich unten an den Teich in den Schatten eines Kirschbaumes und beobachtete die Fische im Teich.
   Sie wusste nicht wie lang sie da nun schon saß aber auf einmal spürte sie wie er hinter ihr stand. Er bewege sich wirklich lautlos. Er setze sich neben sie ans Ufer und streckte die Spitze seines langen Schwanzes ins seichte Wasser.
„Der Tag fängt mit einem sonderbaren Ereignis an“
Die tiefe volle Stimme formte die Worte langsam und bedächtig.
Sie furchte die Stirn, was das wohl zu bedeuten hatte?
„Auf meiner meditativen Reise hatte ich einen erfüllenden Traum. Ich sah eine Ankunft und einen Abschied.“
Sie erstarrte. Das Wort ‚Abschied‘ ließ sie heftig zusammenfahren.
„Ehrenwerter Lehrer, meint ihr euch wenn ihr von Abschied sprecht?“
Für ein paar Minuten herrschte Stille.
„Sowohl als auch. Ein Abschied kann auch die Vorboten eines Aufbruchs und einer nahenden Ankunft verkörpern.“
Ihr wurde kalt und es fühlte sich an würde sich tief in ihr etwas zusammenkrampfen. Tacitus durfte nicht gehen! Er war ihr Lehrer und ihr Freund. Sie kannte ihn schon ihr halbes Leben.
„Ihr dürft noch nicht gehen, ihr habt mir doch noch so viel zu zeigen und zu erzählen!“
Tacitus lachte leise und sah sie mit fröhlichen Augen an.
„Ich bin alt geworden, meine Liebe, und die Zeit verrinnt mir zwischen den Fingern. Ich habe dich nicht alles gelehrt was ich weiß, aber ich habe ein Fundament geschaffen, auf dem du aufbauen kannst. Andere werden kommen und gehen und dich in deinem Leben begleiten und dir Dinge beibringen, die ich dich nicht lehren konnte. Meine Zeit ist nun gekommen und eine letzte Reise gilt es anzutreten.“
Es brach ihr das Herz, das er so offen über seinen bevorstehenden Tod sprach.
„Man spürt die Bewegung, die in deiner Seele vorgeht. Du hast Angst vor dem was kommt und kannst dich nicht von dem Lösen was ist und was war. Keine Angst, mein Kind, du wirst lernen damit umzugehen und dich auf das Ungewisse vor dir zu freuen.“
„Wann wirst du gehen?“
Hoffentlich nicht zu früh, damit sie noch ein paar schöne letzte Tage mit ihrem Freund und Lehrer verbringen konnte.
„Im Morgengrauen. Morgen“
Das war zu viel für sie. Sie schniefte und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Wie es überhaupt nicht seine Art war drehte sich Tacitus zur Seite und nahm sie in den Arm. Seine Umarmung war fest aber sanft und er wiegte leicht mit dem Körper während sie heftig schluchzte.
„Seit tapfer meine Liebe. Du bist sehr stark geworden und gut vorbereitet auf das, was noch vor dir liegt.“
Damit löste er die Umarmung und erhob sich langsam.
„Lass uns durch den Garten und zum Haus gehen. Uns stehen heute viele Aufgaben bevor, dieser letzte Tag soll ein langer und fröhlicher werden“
Er zwinkerte ihr zu und ging langsam los, einen Schritt vor den anderen setzend und den Schwanz über den Boden schleifend.
   Sie wischte sich die Tränen weg und lief ihm nach. Es war nicht schwer ihn einzuholen, so langsam und bedächtig wie er den Weg entlang der Brücke entgegen schritt.
„Ehrenwerter Lehrer wohin werdet ihr Reisen?“
„Ich werde mich auf eine lange Reise begehen und einen alten Freund von mir besuchen“
Antwortete ihr Tacitus ohne Hast.
„Könnt ihr mir von ihm erzählen?“
„Sicher mein Kind, aber später, nun lass uns etwas beeilen, wir haben heute noch viel vorzubereiten“
Ihr behagte es nicht, dass er sie auf später vertröstete, aber sie hörte auf ihn mit Fragen zu bohren und trottete ihm traurig nach.
   Gedankenverloren spiele sie mit ihrem Anhänger, den sie an einem Lederband um den Hals trug. Es war ein Zahn, er war Tacitus vor einigen Jahren ausgefallen. Er hatte mit feiner Schrift das Wort ‚Glück‘ in verschiedenen Sprachen darauf eingeritzt und ihn ihr als Glücksbringer geschenkt.
Sie hatte sich außerordentlich über das Geschenk gefreut und legte den Anhänger niemals ab, auch nicht zum Waschen.
„Hast du dich heute eigentlich schon einer gründlichen Reinigung unterzogen, meine Schülerin?“
Ups. Nein hatte sie nicht, sie war nach dem Frühstück gleich hinunter in den Garten gelaufen.
„Nein ehrenwerter Lehrer, ich werde es sogleich nachholen“
„Lass dir dabei Zeit, der Tag ist noch lang und wir haben keine Eile“
Doch, dachte sie verkniffen. Es war der letzte Tag. Jede Sekunde, die sie nicht an der Seite ihres Freundes und Lehrers verbringen konnte, war Zeitverschwendung. Aber Tacitus war stur also eilte sie an ihm vorbei ins Haus um sich frisch zu machen.
   Die Dusche war eine tolle Erfindung und bei der Hitze draußen genoss sie wie das lauwarme Wasser auf sie niederprasselte. Sie wusch Haut und Haare mit einer feinen Seife, spülte die Seife aus und drehte den Wasserhahn wieder zu. Eilig trocknete sie sich ab und schlüpfte in ihre Sachen.
Als sie zu Tacitus stieß war er gerade dabei Zutaten vorzubereiten. Der Herd war schon vorgeheizt.
Auf einem Tablet in einer schattigen Nische waren die Sachen für den Nachmittagstee vorbereitet und in einer Deckelschale vermutete sie die übrigen Gebäckstücke vom Vortag.
„Heute Abend wird es zum Abschied ein großes Festmahl geben. Mit mehreren Gängen. Hauptgericht, Vorspeise, Nachspeise und Beilagen. Die Zutaten sind bereits eingekauft worden und warten auf uns.“
Er lächelte weise und winkte sie zu sich heran.
„Du, mein Kind, fängst mit den Früchteküchlein an, das geht schnell und ist eine gute Übung um warm zu werden.“
Sie verdrehte die Augen, ihre zugewiesene Aufgabe war total einfach und wenig anspruchsvoll.
Ihr Lehrer würde sich bestimmt um die komplizierten Gerichte kümmern während sie mit dem Kleinkram festsaß.
„Deine Gedanken verraten dich meine Liebe. Ich nahm an eine einfache Speise ist ein guter Anfang und du hast den Kopf frei um meinen Worten zu lauschen. Eine lange Erzählung liegt vor uns.“
Er zwinkerte ihr zu und sie spürte wie ihre Ohren rot wurden.
Sie wusste einfach nicht wie er das machte. Als sie ihn gefragt hatte, ob er ihre Gedanken lesen könnte hatte er verneint und nur gemeint, dass das Lesen von Strömungen etwas komplizierter als das sei. Daraus war sie nicht schlau geworden, denn er hatte zwar eigentlich verneint aber irgendwie schon gesagt dass er sie lesen konnte. Aber er hatte ihr nie gezeigt wie man Ströme las. Er hatte sie auf später vertröstet. Tja, jetzt würde er es ihr nie beibringen. Resigniert zuckte sie mit den Schultern und suchte nach den Zutaten für die Küchlein.
   Tacitus hob die Stimme und sie horchte auf.
„Ich glaube es ist an der Zeit dir eine letzte Geschichte zu erzählen. Die von meinem besten Freund und unseren gefährlichen Abenteuern“
Sie frohlockte, sie liebte Tacitus Berichte seiner Abenteuer. Wo es wohl heute hingehen mochte?
„Die Umstände unserer ersten Begegnung sind nicht näher zu nennen, wir sind uns mehr oder weniger gegenseitig in die Arme gestolpert. Er war auf der Flucht vor einigen Ganoven und ich bin ihm, einem mir völlig Fremden, zu Hilfe geeilt. Zusammen haben wir die Ganoven überwältigt und abgehängt. Er hat mir gedankt und mich gefragt ob ich ihm bei einer Sache unterstützen würde. Ich als junger Mann, durstig nach Abenteuern und Gefahr, habe ihm sofort zugesagt.“
Tacitus lachte leise und lächelte.
„Damals war ich noch sehr ungestüm und habe vor einer Entscheidung nicht lange nachgedacht und mich immer wieder in waghalsige Unternehmungen gestürzt ohne an die Folgen zu denken. Ich habe das Gefühl mein jüngeres ich und du, immer sehnsüchtig nach Abenteuern suchend, hättet euch gut verstanden.“
Er zwinkerte ihr wohlwollend zu und sie errötete erneut, zu viel Wahrheit lag in seinen Worten.
„Fahren wir fort. Mein neuer Freund nannte sich Jonah, ich nehme an das war nicht sein richtiger Name, und er war ein Abenteurer wie er im Buche stand. Immer auf der Suche nach dem nächsten großen Abenteuer, intelligent, verwegen und gerissen. Und er hatte eine sehr seltene Gabe. Er ging mit den Schatten.“
Sie starrte ihn verständnislos an, was sollte das den jetzt wieder sein?
„Ah ich sehe du bist aufmerksam. Mit den Schatten zu gehen ist schwierig in Worte zu fassen. Man nennt diese Begabten auch Leerenwanderer oder schwarze Geister und sie können in eine andere Ebene der Realität eintreten. Ein dieser Ebene können sie sich schneller bewegen als in der Realität, schneller laufen, höher und weiter springen. Und sie können durch Wände gehen. Einem Leerenwanderer entkommt man nicht und er wird immer dann attackieren wenn du am wenigsten mit ihm rechnest.“
Ihr lief ein Schauer über den Rücken. Gleichzeitig wünschte sie sich diese Fähigkeit herbei, dann könnte sie über den Wassergraben springen und durch die hohe Wand hindurchschreiten.
„Ich weiß was du gerade denkst und man kann es dir nicht übelnehmen. In meinem Traum habe ich gesehen, dass du in deinem Leben einmal einem Leerenwanderer begegnen wirst. Allerdings werdet ihr euch erst treffen, wenn er sich dir zeigen will.“
Sie kannte diese Träume ihres Lehrers, oft gingen sie in Erfüllung, aber nicht immer und sie hatte keine Hoffnung jemals aus ihrem Gefängnis auszubrechen.
„Oh, wenn du dies alles hier als Gefängnis betrachtest, hast du noch nie ein echtes Gefängnis von innen gesehen. In den meisten darfst du dich glücklich schätzen wenn du einen Eimer für deine Notdurft hast.“
Er gluckste während sie sich angewidert schüttelte.
„Es mag stimmen dass du hier für den Moment hier festsitzt, aber du bist noch sehr jung und in einer nicht allzu fernen Zukunft könnte sich dies vielleicht ändern. Träume sind nie sehr genau, aber mein Gespür sagt mir, dass noch vor Winteranfang große Dinge geschehen werden.“
Fast ein Jahr also noch. Sie seufzte resigniert. Es war gerade Mal frühester Frühling. Außerdem: wie sollte sie eine so lange Zeit ohne ihren Freund und Lehrer überstehen?
„Ich weiß deine Sorgen zu schätzen, aber der Zeitpunkt unseres Abschieds war vorherbestimmt und auch wenn es mich schmerzt, dich verlassen zu müssen, muss ich gehen. Mit der Zeit werden andere kommen um meinen Platz einzunehmen. Außerdem bin ich im Geiste immer bei dir wenn du im Schatten eines Götterbaums meditierst. Ich habe gesehen, dass du auf deinen Reisen Bäumen dieser Art begegnen wirst.“
Es war zum aus der Haut fahren. Ihr Lehrer sprach immer von ihren zukünftigen Reisen, aber nie davon wann und in welcher Realität das denn der Fall sein sollte.
„Meine ehrenwerte Schülerin ist noch sehr jung und unerfahren, aber du wirst es mit der Zeit verstehen und dich gut darauf vorbereiten können.“
„Aber ich bin doch gar nicht mehr jung! Ich werde im Herbst fünfunddreißig!“
„Und das ist für eine Angehörige des Elfenvolkes mit ihrer langwährenden Jugend nicht sehr viel! Du wirst erst mit fünfzig oder sechzig Jahren erwachsen werden. Dir ist ein großes Privileg wiederfahren, dass du in diese Spezies geboren wurdest. Nur wenigen ist es vergönnt ein so langes Leben führen zu dürfen.“
Sie machte sich klein, ihre unüberlegten Worte hatten Tacitus verärgert und er war sonst die Ruhe in Person und stand wie ein Fels in der Brandung.
„Entschuldige meine Worte ehrenwerter Lehrer, ich habe unklug gehandelt.“
Sie verschlang die Hände vor der Brust und verbeugte sich. Ihr Lehrer lachte.
„Schon gut mein Kind. Ich weiß, dass du mit deiner Jugend immer noch ein sehr ungestümes Naturell hast. Fahren wir fort. Jonah hat mir erzählt er sei auf der Suche nach den Wassern des Lebens und das er nicht der einzige auf dieser Suche sei. Er hatte einen Widersacher, einen alten Mann, der sein ganzes Leben schon nach diesem Wasser gesucht hat. Jonah schärfte mir ein sich vor ihm in Acht zu nehmen. Man nannte den alten Mann den Inquisitor und er hatte in seinem Leben eine lange Spur aus Tod und Verderben hinter sich hinterlassen. Ihm folgte eine große und schwerbewaffnete Schar von Anhängern. Und sie waren gut ausgerüstet, sie hatten Luftschiffe und Panzer. Sie waren schwer in der Überzahl und besser ausgerüstet, wir hatten nur unsere Pistolen und ein paar Messer. Was wir nicht an Kampfkraft aufbieten konnten hatten wir dafür aber unsere Schläue und so waren wir auf der Jagd nach der Quelle immer einen Schritt, so klein er auch war, voraus. Jonah hatte Hinweise auf die Quelle in einem alten Archiv gefunden. Hach, ich kann gar nicht sagen wie lang unsere Jagd andauerte, zweifellos viele Wochen. Unsere Reise führte uns von dicht besiedelten Metropolen durch gefährliche Sümpfe, undurchdringliche Regenwälder und hoch in die höchsten Gebirge der bekannten Welt.“
„Entschuldigung wenn ich dich unterbreche ehrenwerter Lehrer, aber warum sprecht ihr von der bekannten Welt.“
Tacitus schmunzelte und schien einen Moment nachzudenken.
„Wir sitzen auf einem kaum in Worte fassbar großem Planeten im All. Um uns kreisen mehrere Monde und wir haben einen eigenen Asteroidengürtel. Aber im Grunde genommen kennen wir die Welt über uns besser als die in der wir leben. Auf den Karten die wir haben ist nur die nördliche Hemisphäre verzeichnet, über die südliche Hemisphäre sind noch nicht einmal Gerüchte und Mythen bekannt. Die beiden Hemisphären sind durch den ‚Gürtel‘ abgetrennt. Einem über tausend Kilometer breitem Streifen unberührtem Regenwald. Man spricht von gigantischen Bäumen, einer absolut tödlichen Fauna und Flora, seltsamen Ruinen und vergessenen Völkern. Viele Abenteurer und Expeditionen sind in den Gürtel aufgebrochen, von keiner hat man je wieder etwas gehört.
Man sagt es ist der Ursprungsort des Glaubens der Metall Sekte und anderer obskurer Glaubensrichtungen.“
Sie hörte nur mit einem Ohr zu und schwelgte in Gedanken. Sie versuchte sich eine so lebensfeindliche Welt vor ihrem inneren Auge vorzustellen.
„Ich sehe du hörst nicht zu. Hör auf in fernen Gedanken zu schwelgen, sondern wach durchs Leben zu gehen. Vielleicht wirst du auf deinen Reisen irgendwann auch dem Gürtel einen Besuch abstatten.“
Sie schluckte, auf eine Reise ohne Wiederkehr hatte sie eigentlich nicht so große Lust.
„Darf ich jetzt weiter von meinem Abenteuer berichten meine Liebe?“
Sie nickte eifrig.
„Wir haben die Gipfel der höchsten Berge erklommen, besuchten alte vergessene Tempelanlagen auf der Suche nach dem nächsten Hinweis. Irgendwann gerieten wir in große Schwierigkeiten, Jonah stürzte beim Klettern ab und beim Versuch ihn zu bergen scheiterte ich und wir wurden verschüttet. Da kamen uns wie durch ein Wunder Menschen eines abgelegenen Dorfes zu Hilfe und bargen mich und meinen Freund. Sie erwiesen große Gastfreundschaft uns gegenüber und pflegten uns wieder gesund. Allerdings dauerte unsere Genesung eine Weile und in dieser Zeit konnte unser Gegenspieler aufholen. Als wir den Dorfbewohnern erzählten wir seien auf der Suche nach den Wassern des Lebens und müssten vor unserem Widersacher dort ankommen, waren unsere Retter erschüttert und voller Angst. Sie sagten, dass niemand diesen verfluchten Ort aufsuchen dürfe. Die Wächter seien unerbittlich und würden den Tod nicht fürchten. Sie beschrieben uns die Wächter und wir malten sie uns als grauenvolle abstoßende Monster vor,“
er lachte leise,
„wir waren noch jung und unsere Köpfe voller Fantasie. Dann waren wir an der Reihe zu erzählen und wir berichteten von dem Inquisitor und von dem Leid dass er verursachte wohin er auch ging. Dieser Mann würde vor nichts zurückschrecken um sich zu holen was er wollte. Er würde die Wächter einfach beseitigen und sich das Wasser an sich reißen um dadurch unvorstellbare Macht zu erreichen. Die einfachen Dorfbewohner waren zutiefst erschüttert und erzählten uns von einem geheimen Zugang unter dem Berg mit dem wir als erste in die namenlose Stadt kommen würden. Du musst wissen dass diese Dorfbewohner schon seit vielen Jahrhunderten eine Art Bündnis mit den Wächtern der Quelle haben. Der erste Sohn einer jeden Familie dieses Dorfes und anderer Dörfer der Region würde als Schüler in die namenlose Stadt geschickt um die Reihen der Wächter zu verstärken. Was auch immer diese Wächter sein mochten sie waren einst Brüder und Söhne und Enkel der Dorfbewohner gewesen und diese waren nun in großer Sorge um ihre Angehörigen.
Wir haben uns also ausgerüstet und sind den geheimen Pfad entlang geeilt. Es war eine verwunschene Reise durch die Tunnel, Höhlen und Grotten hindurchzugehen, aber wir hatten keine Zeit um zu verweilen und um uns einige der Wunder die wir entdeckten näher anzusehen, schließlich galt es einen bösen Mann aufzuhalten. Wir erreichten die Stadt bei Morgengrauen. Die Stadt liegt in einem Talkessel, der ringsherum von hohen unerklimmbaren Bergen umgeben war. Wir waren völlig erstaunt eine tropische Flora und Fauna vorzufinden. Selbst kleinere Tiger sahen wir, als wir ins Innere der Stadt vordrangen. Die Tempelstadt war unfassbar alt und in einer Bauweise erbaut, die es in dieser Region eigentlich nicht geben dürfte. Erstaunlicherweise war alles noch gut erhalten und wirkte stellenweise sogar bewohnt. Nur nirgendswo waren die Bewohner der Stadt zu sehen. Es wirkte als hätte man uns erwartet und alles planmäßig verlassen, denn nach einer Hast sah das nicht aus, dafür war alles viel zu ordentlich und zu sauber. Wir erreichten unerwartet schnell das Zentrum der Stadt, aber wir spürten dass wir nicht allein waren, aus dem Dunkel spürten wir ihre Blicke wie spitze Stacheln. Als die zentrale Tempelburg in Sicht kam hörten wir es. Donnernde Motoren. Der Inquisitor mit seinen mächtigen Flugschiffen hatte uns eingeholt. Uns war klar, dass wir hoffnungslos unterlegen waren und wir beschlossen uns in die Burg zu schleichen und abzuwarten.
Der Inquisitor landete mit seinem Flaggschiff unweit der Burg und er kam mit seiner handverlesenen Elite heraus. Gegen die hatten wir in der direkten Konfrontation nicht den Hauch einer Chance.
Die anderen Flugschiffe landeten um die Soldaten, die Panzer und die Ausrüstung abzusetzen, dann zogen sie sich wieder in luftige Höhen zurück und suchten mit ihren mächtigen Bordwaffen Himmel und Boden ab. Wir waren uns im Klaren, dass wir hier wahrscheinlich nicht lebend rauskommen würden. Also haben wir alles auf eine Karte gesetzt und sind dem Inquisitor und seinen loyalsten Soldaten in den Tempelgarten gefolgt. In der Mitte des Parks ist ein großer Götterbaum, der größte und älteste, den ich je in meinem Leben gesehen habe und sehen würde und vor ihm ein kleiner See. 
Der Inquisitor hatte sich gerade an der Quelle der Wasser des Lebens, die am Fuße des Götterbaumes entsprang, hingekniet um daraus zu schöpfen, da erschienen sie: die Wächter der Quelle. Sie waren ganz und gar anders als wir es uns in unseren kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Es waren Mönche hohen Wuchses in langen bunten Gewändern und mit kahlgeschorenen Köpfen, einige hatten lange Stäbe in den Händen. Sie hatten uns umzingelt. Dutzende wenn nicht hunderte von Mönchen, die in den Schatten standen und uns beobachteten. Der Inquisitor rief etwas und seine Garde eröffnete das Feuer, aber die Kugeln schienen die Wächter gar nicht zu treffen. Wir nutzten die Gelegenheit und eröffneten das Feuer auf die Gardisten, die einer nach dem anderen unter unserem Kugelhagel fielen. Dann war nur noch ihr Anführer übrig, er lachte uns aus und schrie uns ins Gesicht, dass wir zu spät gekommen wären, er hätte die Quelle zuerst erreicht von ihr getrunken. Da waren die Wächter um uns und überwältigten uns. Wir sahen nur noch wie zwei Wächter den Inquisitor packten und in den Wassern des Lebens ertränkten. Was für eine Ironie, im Wasser des Lebens zu ertrinken. Wir wachten nach einer Weile auf, aber nicht in der Tempelstadt sondern in einem Kloster. Die Mönche dort erzählten wir seien gerade noch mit dem Leben davon gekommen. Wächter der Wasser hatten uns hergebracht, sie hielten uns für würdig. Von dem Inquisitor und seiner kleinen Armee fehlte jede Spur. Sie hatten wohl in der Tempelstadt ihr Ende gefunden. Die Mönche im Kloster waren sehr zuvorkommend und haben uns aufgenommen. Der Winter hatte inzwischen eingesetzt und an einen Abstieg war nicht zu denken, erst im Frühjahr mit der Schneeschmelze wäre der Weg wieder frei. Ich und mein inzwischen guter Freund Jonah haben im Kloster die Lehren des dalalonischen Buddhismus erlernt. Am Ende blieben wir über den Frühling hinaus und mehrere Jahre in dem Kloster bei den Mönchen. Dann kam die Zeit des Abschieds, wir ließen das Kloster und seine Bewohner hinter uns und beschlossen Dalalonien zu bereisen. Viele Jahre später hatte ich eine Vision die mir aufwies, dass sich unsere Wege trennen und wir jeder für sich die Welt bereisen würden. Der Abschied fiel uns beiden sehr schwer, aber wir versprachen uns in unseren Träumen zu besuchen.“
„Wie kann man sich in einem Traum besuchen?“
„Das kann man wenn man die höheren Bewusstseinsebenen erreicht und seinen Geist von seinem Körper trennen kann, so kann man ungeheuer weite Entfernungen zurücklegen. Manchen gelingt es sogar in diesem Zustand die Umgebung um sie herum, andere die bloße Zeit zu manipulieren.“
Sie staunte mit offenem Mund.
„Ehrenwerter Lehrer, werde auch ich irgendwann diese Stufe der Meditation erreichen?“
„Ich habe keinen Zweifel daran. Allerdings werde ich auf diesem Abschnitt deiner Reise nicht mehr dein Lehrer sein. Ein anderer wird meinen Platz einnehmen und dich das lehren, was ich nicht konnte.“
„Ich will aber keinen anderen Lehrer außer euch“
rief sie bockig. Geduldig und abschätzend betrachtete Tacitus sie.
„Es gibt viel zu lehren, was ich euch zu lehren nicht im Stande bin. In meinen Träumen sah ich einen Leerenwanderer, der dir vieles beibringen wird. Und einen weisen Mönch aus dem fernen Dalalonien.“
„Aber Ihr sprecht immer wieder zu von euren Träumen und den großen Reisen, die ich in meinem zukünftigen Leben bestreiten werde. Ich komme hier doch niemals raus, ich habe alles schon probiert!“
„Es gibt Wege, die dir noch nicht sichtbar sind, aber mit der Zeit wirst du lernen sie zu sehen. Besinn dich auf deine Ausbildung in der dalalonischen Meditation und du wirst den richtigen Weg finden. Glaube an dich selbst mein Kind.“
Sie sackte in sich zusammen und schniefte.
„Wie lang werde ich hier warten müssen? Ihr sagtet bis zum Ende des Jahres, das ist doch noch so viel Zeit und alles ohne euch an meiner Seite.“
„Die Welt dreht sich nicht so schnell wie du dir vielleicht wünschen würdest, aber sie bewegt sich nichts desto trotz. Dinge müssen erst in Gang gesetzt werden bevor du deren Auswirkungen spüren kannst. Ich spüre, dass die Welt im Umbruch ist. Große Nationen und mächtige Königreiche treffen aufeinander und rasseln mit den Säbeln.“
„Welchen Platz habe ich in all dem?“
„Du wirst schon sehen. Eine lange und gefährliche Reise steht vor dir und an ihrem Ende steht Freiheit und Freundschaft.“
Sie nickte resigniert.
„Was passierte, nachdem ihr euch von eurem Freund getrennt hattet?“
Tacitus hielt inne und sah sie an als wüsste er nicht von was sie das sprach.
„Ah, die Geschichte. Ich reiste in den Süden und besuchte das Königreich der Kaimane, meine Heimat. Ich erzählte den Kaimanen dort von meinen Abenteuern, aber traf nur auf taube Ohren. Nur eine hörte mir zu. Sie war jung und lechzte nach Abenteuern so wie ich einst. Wir reisten ein paar Jahre durch die Welt und begeisterten uns für fremde Länder, deren Bewohner und Kulturen.
Dann wurde sie im tiefen Dschungel von einem Tiger schwer verletzt und wir konnten nicht mehr reisen. Wir ließen uns nieder. In einer Stadt nahe eines großen Handelskontors. Einem Knotenpunkt für Güter und Personen. Dort gab es einen sehr großen Lufthafen. Die großen grauen Warane leben sehr zurückgezogen in ihrem Land und sind abweisend gegenüber Fremden. Niemand darf sie besuchen. Aber sie wiederum sind Touristen und Eroberer der Welt. Mit ihren Flugzeugen, Hornets genannt wenn ich mich recht erinnere, sind sie die Herren der Lüfte. Viele von ihnen sind böse und grausam. Nehmen von anderen ohne zu geben. Zerstören, ohne für die Schäden zu bezahlen. Sie sind nicht sehr gerne gesehen, aber jeder will was sie an Waren verkaufen. Fortschritt und Wohlstand.
Ihre Hornets finden Abnehmer überall auf der Welt. Und ihre Allianz mit den Salamandern in den großen Vulkanen versorgt sie mit ungeheuren Mengen an Rohstoffen und Metallen.
Sie sind ein feiges Volk. Kämpfen nicht mit Ehre sondern lassen ihre überlegenen Waffen für sich sprechen. Die Kaimane tun gut daran sich nicht auf den Handel mit den großen Grauen einzulassen.“
Sie war verblüfft, niemals hatte sie ihren Meister mit einer derartigen Verbitterung in der Stimme erzählen gehört.
„In diesem Hafen landeten Hornets ebenso wie die Luftschiffe und Flugzeuge der anderen Nationen und Länder. Die Luft auf dem Kontor schien immer zu knistern und Schlägereien zwischen den Mannschaften waren an der Tagesordnung. Der Handel und die Politik waren nie so ganz zu trennen.
Aber es war schön dort. Die Atmosphäre in den Wohnquartieren war angenehm, jeder kannte sich und war auf du miteinander, die Siedlung war mitten im Grünen mit viel Wasser drum herum.
Dort ließen wir uns nieder. Ich suchte mir eine Stelle, die Suche war schwierig aber schließlich heuerte ich als Lagerarbeiter an. Das brachte Geld ins Haus und meine Gefährtin konnte sich in Ruhe von ihren Wunden erholen. Nach einer Weile probierten wir Nachwuchs zu zeugen. Die erste Geburt schlug fehl und stürzte uns in ein Tal der Hoffnungslosigkeit. Ich besann mich auf meine Lehren und wir überstanden die Krise gemeinsam und gingen daraus gestärkt hervor. Beim zweiten Anlauf ging alles gut und sie gebar einen Jungen. Wir nannten ihn Argos. Für eine Weile lief alles gut, Meine Gefährtin kümmerte sich um Argos Erziehung und ich arbeitete im Hafen. Dann bekam ich eine Anstellungen auf einem der großen Frachter. Die Bezahlung war um ein Vielfaches besser, aber ich musste meine Familie im Stich lassen. Nach langer Diskussion waren wir uns einig, ich würde die Stelle nehmen, denn sie würde Argos Schule finanzieren. Die Jahre vergingen und nur die regelmäßigen Briefe und die Traumwanderungen waren mein Kontakt zur Heimat zu meinem Sohn und meiner Gefährtin. Nur selten konnte ich meine Familie zuhause sehen. Auf einmal ging alles schief. Der Frachter wurde eines Tages von Piraten attackiert und wir mussten schwer beschädigt notlanden. Nur wenige Besatzungsmitglieder, mich eingeschlossen, überlebten den Absturz. Wir kämpften uns mehrere Wochen lang durch den Dschungel. Als ich nach Hause kam fand ich einen wütenden Argos vor. Meine Gefährtin war urplötzlich schwer krank geworden und vor wenigen Tagen verstorben. Mein Sohn warf mir vor meine Gefährtin im Stich gelassen zu haben und dass mich die Familie und er gar nicht interessieren würde. Argos war damals schon ein junger Mann und kurz vor Beendigung der Schulausbildung. Wir verbrannten den Leichnam meiner Gefährtin, das halbe Dorf kam um sich von ihr zu verabschieden. Ihre Asche wurde in den Tiefen des Dschungels zu Füßen eines Götterbaums vergraben. Viele Seelen werden auf diese Art bestattet. Man sagt die Toten verbinden sich mit den Wurzeln des Götterbaumes und das man mit den Toten sprechen kann wenn man im Schatten eines Götterbaumes meditiert.“
Jetzt dämmerte ihr etwas.
„Ehrenwerter Lehrer, meditiert ihr deshalb jeden Morgen unter dem Götterbaum in unserem Park? Um mit eurer ehrenwerten Gefährten zu kommunizieren?“
Tacitus lächelte geheimnisvoll.
„Man mag wohl sagen, dass es möglich sei mit den Wesen anderer Sphären zu reden. Mit meiner ehrenwerten Gefährtin habe ich ein paar Mal gesprochen, sie hat mir immer noch nicht verziehen sie im Stich gelassen zu haben. Aber wo waren wir. Argos und ich hatten ein schwieriges Verhältnis, ich war der Vater, den er nie kennen gelernt hatte und nur aus Briefen und Erzählungen kannte.
Mit der Zeit kamen wir ganz gut zurecht. Dann war er mit der Schule fertig und ich habe der feierlichen Ehrenzeremonie beigewohnt, mein Sohn war einer der besten seines Jahrgangs.
Dann kam er eines Tages freudestrahlend nach Hause gelaufen. Er habe ein Stipendium für die Akademie erhalten. Es würde bedeuten, dass er von zuhause weggehen und mich zurücklassen würde. Es brach mir das Herz meinen Sohn, den ich nur so kurze Zeit gekannt habe, fortgehen zu lassen. Aber ich ließ ihn ziehen. Argos wollte Pilot werden und genau das wurde er. Er hat Zeit seines Lebens Hornets geflogen. Eines Tages erhielt ich die Nachricht, dass Argos Hornet in den hohen Bergen zerschellt aufgefunden worden war, von meinem Sohn keine Spur. Ich gab alles auf und floh in den Wald um unter dem Götterbaum zu meditieren. Ich habe auf meinen spirituellen Reisen überall nach ihm gesucht aber nirgends finden können.“
Tacitus hielt inne und eine einzelne Träne rollte seine Wange hinab.
„Ich hielt keine Trauer ab sondern besuchte meinen Freund. Nicht nur spirituell sondern auch real. Ich reiste mehrere Wochen durch den tiefen Dschungel bis ich ihn wieder traf. Wir waren beide alt geworden. Er hatte viel meditiert und die Wälder und ihre Bewohner studiert. Er sagte er sei sich und seiner Umgebung klarer geworden. Jonah berichtete von seinen Abenteuern. Er habe fünf andere Leerenwanderer gefunden und mit ihnen für die großen Grauen gekämpft. Aber das war nur von kurzer Dauer gewesen und mittlerweile seien sie in alle Winde zerstreut. Sein ‚Bruder‘ würde eine mächtige Organisation leiten und seine ‚Kinder‘ erlebten große Abenteuer. Er hatte keine leiblichen Kinder, da besonders begabte Lebenswesen wie die Leerenwanderer unfruchtbar sind. Aber er kümmerte sich um die Kinder der Eingeborenen. Wir meditierten gemeinsam in Gedanken nach meinem verschollenen Sohn  Argos. Gemeinsam erreichten wir die letzten Winkel der Welt. Und wir fanden ihn. Wie einst wir beide war er von Mönchen gefunden und in einem nahen Kloster gesundgepflegt. Dieser Gedanke beruhigte mich zutiefst aber ich beschloss meinen Sohn sein eigenes Leben führen zu lassen und ihn nicht zu besuchen. Ich lebte viele Jahre mit meinem Freund in den Wäldern. Wir unternahmen einige gemeinsame Reisen und erkundeten die Reste einer alten Zivilisation, aber wir spürten langsam das Alter unseren Knochen und die Reisen waren nicht mehr so wild wie früher. Eines Tages waren wir auf einer Reise ins Herz des Waldes um einen der ältesten Götterbäume der bekannten Welt zu besuchen. Wir erreichten den Baum, der in einem Hain aus jüngeren Götterbäumen stand, und meditierten am Fuße seines Stammes. Da hatte ich eine Vision von einem kleinen Mädchen auf der anderen Seite der Welt. Sie war ohne Freund und Lehrer und driftete ziellos umher. Und man hielt sie gefangen um sie zu beobachten, sie hatte etwas Sonderbares an sich, als wäre sie nicht ganz von dieser Welt. Es hatte sich ein neuer Weg für mich eröffnet, eine neue Bestimmung für einen alten Mann wie mich. Ich erzählte meinem Freund davon und er überzeugte mich davon sofort aufzubrechen und keine Zeit zu verlieren. Er gab mir ein außerordentlich wertvolles Geschenk mit, den Samen eines Götterbaumes. Ich reiste viele Monate bis ich dich hier in deinem Garten erreichte. Zu meiner Überraschung ließ man mich gewähren und bat mich herein. Das war meine letzte Reise. Den Rest meiner Geschichte kennst du nur zu gut, denn wir sind diesen Weg gemeinsam gegangen.“
Und nun war die letzte große Geschichte zu ende. Sie schniefte etwas.
„Und nun lass uns den Tisch draußen vorbereiten, das Essen ist fertig.“
Sie fuhr zusammen. War wirklich schon so viel Zeit vergangen? Ja draußen dämmerte es schon. Tacitus hatte den großen Teil des Tages erzählt während er emsig feine Speisen zubereitet hatte. Sie selbst hatte gar nicht richtig bemerkt wie die Zeit an ihnen vorbeigeflogen war, so sehr hatte sie sich aufs backen und zuhören konzentriert.
   Sie stand auf, wusch sich die Hände und ging nach draußen in die kühle Frühlingsluft und deckte den großen flachen Tisch. Tacitus brachte ein großes Tablett mit der Vorspeise. Frisches Obst und Gemüse, feine Fruchtsoßen, Joghurtspeisen und pikant gewürztes Brot.
   Vor dem Essen meditierten sie still und beteten gemeinsam. Sie sprachen während des Essens nicht. Sie musste sich am Riemen reißen um das Essen nicht in sich reinzuschlingen. Aber das Essen war so gut und sie würde nie mehr die Kochkünste ihres Lehrers genießen können. Sie hatte sich zwar ein zwei Sachen abgeguckt, aber richtig gut kochen konnte sie noch nicht. Sie blieb er bei den einfachen Speisen.
   Die Teller und Platten für die Vorspeise wurden abgeräumt und sie deckten die Hauptspeise auf. Bergeweise Reis, angebratenes Gemüse und verschiedene heiße Soßen, mal vegetarisch mal fleischhaltig. Dazu gab es fluffige Fladenbrote mit feinen Sößchen.
Sie nahm sich herzhaft von allem erkannte aber bald, dass sie niemals alles schaffen würde. Aber da war ja auch noch Tacitus. Normalerweise war ihr Lehrer bei seinen Mahlzeiten sehr bescheiden, nun aber aß er mit ungewohnter Inbrunst und sichtlichem Appetit.
Zum Essen tranken sie klares Wasser und eine spritzige Limonade aus Zitronen, Orangen und Wasser mit Kohlensäure.
   Tacitus hatte sich ein Glas feinen Reisschnapses eingeschenkt. Er hatte ihr auch davon angeboten, aber nachdem sie nur an dem Glas roch wurde ihr schon schummrig. Sie lehnte dankend ab und er steckte die Flasche leise lachend wieder ein.
„Dieser Schnaps ist nichts für eine ehrenwerte junge Dame wie meine Schülerin. Aber ich lasse ihn dir da. Ebenso wie meine übrigen Sachen.“
„Warte ehrenwerter Lehrer, ihr reist ohne euer Gepäck?“
„Dahin wo ich zu reisen pflege brauche ich keine weltlichen Besitztümer.“
„Lasst ihr auch eure Flöte da?“
Sie liebte das Flötenspiel ihres Lehrers, sie hatte nie gedacht welche göttlichen Melodien man einem Stück geschnitzten Holz entlocken konnte und sie würde es definitiv vermissen.
„Oh meine Flöte, das hätte ich beinahe vergessen. Warte hier mein Kind, ich werde sie holen und darauf spielen. Auf ein Abschiedskonzert muss ich bestehen.“
Er erhob sich bedächtig, sein Bauch wirkte schon gut gefüllt, und schritt mit bedächtigen Schritten in die Dunkelheit. Er würde eine Weile weg sein, die Flöte war oben im Turm verstaut und Tacitus war im Alter nicht mehr so der große Freund des Treppensteigens.
Sie nutzte die Gelegenheit und tat sich noch eine Portion auf auch wenn sie das Gefühl hatte gleich platzen zu müssen. Hoffentlich würde es eine Pause zwischen dem Hauptgang und dem Nachtisch geben. Sie wollte den Nachtisch entsprechend zu würdigen wissen, aber das ging nicht mit vollem Bauch. Das Beste war aber noch das fluffige Fladenbrot mit den Soßen. Sie trank einen Schluck Limonade und vertrat sich kurz die Beine. Nicht dass sie das lange Sitzen durch das viele Meditieren nicht gewöhnt wäre, aber sie war unruhig geworden. Es war schon dunkel geworden und in Tacitus Abwesenheit zündete sie die Lampen rings um die Terrasse an.
   Als sie sich wieder hinsetzte näherte sich Tacitus gerade mit seiner langen Flöte mit dem gebogenen Mundstück. Er stellte die Flöte vorsichtig auf den Boden und ließ sich langsam nieder, dann trank er einen großen Schluck klares Wasser bevor er sich räusperte.
„Entschuldigung meine Liebe, mir war entfallen wo sich das wehrte Objekt befand und musste etwas suchen. Aber jetzt bin ich hier. Ich würde vorschlagen, dass meine ehrenwerte Schülerin ihren Teller in Ruhe aufisst und sich dann konzentriert mit geschlossenen Augen hinsetzt. Lass dich auf die Klänge der Flöte ein, lass dich fallen, dich werden die Melodien durch deine Träume leiten.“
Entgegen seiner Bitte verschlang sie das Essen uns setzte sich dann mit verschränkten Beinen hin und schloss die Augen.
   Tacitus sprach nicht sondern setzte die Flöte zum Spielen an und blies ins Mundstück.
Die Laute, die aus der Flöte drangen, waren nicht von dieser Welt. Sie ließ sich in Gedankten treiben und löste sich langsam Schritt für Schritt von der realen Welt. Erst sah sie nichts, dann weißen Nebel und aus diesem Nebel formten sich Bilder.
   Sie war über den Wolken, um sie herum donnerte es und Holzsplitter regneten auf sie herab. Gestalten bewegten sich um sie herum, sie wusste nicht ob Feind oder Freund. Gestänge stützten Arme Brust und Beine und sie waren schwarz von Kopf bis Fuß.
   Schnee! Schnee soweit das Auge reichte. Sie verlor den Halt unter den Füßen und stürzte, hinab in das weiße Nichts.
   Dann wachte sie auf und starrte in das Antlitz einer stolzen starken Tigerin die sie wie im Tanz umkreiste. Sie brüllte ihr ins Gesicht, fast wie aus Furcht.
   Sie sah einen Schatten. Groß schlank und schwarz wie die Nacht, ein Leerenwanderer. Er lächelte ihr zu und seine Silhouette löste sich vor ihren Augen in schwarze Rauchschwaden auf.
Sie war umgeben von Dschungel und vor ihr trat ein junger Kaiman aus einem rauchspeienden Ungetüm. Tacitus! Sie rief nach ihm aber er drehte sich nicht um sondern ging weiter bis in der weiße Dampf verschlang.
   Schlagartig öffnete sie die Augen und hatte das Gefühl wie aus großer Tiefe aufzutauchen.
Tacitus beobachtete sie interessiert und setzte die Flöte ab.
„Was hast du gesehen mein Kind?“
„Dinge die ich kaum beschreiben kann weil ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe. Ich war über den Wolken, im Schnee und im Dschungel. Sag, ehrenwerter Lehrer, habe ich meine Zukunft gesehen?“
„Deine Vision mag vieles bedeutet haben. Ob es deine Zukunft gezeigt hat wird nur die Zeit zeigen. Aber es ist außerordentlich erstaunlich mit welcher Leichtigkeit du in die höheren Bewusstseinsebenen gelangt bist, begleitet von der Musik. Nur die Wenigsten lernen so schnell.
Bald wirst du die höchste Ebene erreichen und deinen Geist von deinem Körper trennen können.
Dann wirst du die Welt im Geiste bereisen können. Aber das ist nach meiner Zeit.“
„Ich habe einen schwarzen Geist gesehen, er hat mir zugelächelt und ist dann verschwunden. Was hat das zu bedeuten? Außer das ich vielleicht einmal einem Geist begegnen werde.“
„Die Deutung von Visionen ist eine schwierige und nicht sehr akkurate Kunst, es gibt zu viele Eventualitäten um die Zukunft in ihrem Ganzen zu beobachten.“
Er betrachtete das Instrument in seinen Händen.
„Vielleicht wirst du irgendwann lernen dieses Instrument zu spielen.“
Zärtlich strich er über die Oberfläche des Instruments und legte es mit großer Sorgfalt neben sich auf den Boden.
„Der Korpus der Flöte ist aus einem Ast eines Götterbaumes geschnitzt. Ich fürchte das Instrument ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Dankeswerter Weise haben die Elfen hier in dieser Region keinen Blick dafür und haben sich die Flöte nicht nochmal genauer angesehen. Nun lass uns das Gedeck abtragen und die Reste versorgen, du wirst noch genug Essen für die nächsten Tage haben, wenn ich nicht mehr für dich kochen kann. Aber du bist ein schlaues Mädchen und hast dir bestimmt abgeguckt, wie man das ein oder andere Rezept kocht.“
Er schmunzelte und räumte die Schalen und Teller auf ein großes Tablet. Mit geröteten Ohren kam sie seinem Vorbild nach und räumte Sachen in die Küche.
   Nach den Aufräumarbeiten fegte sie den Tisch ab und sie deckten den letzten Gang. Früchte, Nüsse, Früchteküchlein, süße Quarkspeisen und Gebäck mit Nüssen und Honig. Dazu gab es heißen Tee und klares kaltes Wasser.
Als sie sich wieder gesetzt hatten räusperte sich Tacitus.
„Wir hat dir meine Geschichte von vorhin gefallen?“
Sie zuckte etwas in sich zusammen, mit der Frage hatte sie ehrlich gesagt nicht gerechnet.
„Uh, ich liebe die Schilderungen eurer Abenteuer und es hat mich gefreut euren Freund kennengelernt zu haben. Ich fand es faszinierend, dass der Inquisitor trotz seiner Macht und seiner Mittel am Ende trotzdem gescheitert ist. Ich würde so gerne reisen und andere Kulturen und Länder kennenlernen, so wie ihr ehrenwerter Lehrer.“
„Die Gier führt wie so oft ins Verderben. So viele andere Schatzjäger und Abenteurer sind gescheitert wo wir Erfolg hatten. Uns war die Reise und das Abenteuer immer mehr wert als der vermeintliche Schatz am Ende. Ich bin mir sicher du wirst auf den Reisen auch immer wieder vor die Wahl gestellt werden, was eine gute und was eine schlechte Entscheidung  ist. Wem du vertrauen kannst und vor wem du dich in Acht nehmen musst.“
„Aber eure eigene Geschichte hat auch ihre traurigen Seiten. Der Verlust eurer ehrenwerten Gefährtin und dass ihr euren Sohn nie richtig kanntet, das tut mir sehr leid für euch.“
Tacitus lachte schallend.
„Das muss dir nicht leid tun mein Kind, ein jeder Weg hat Höhen und Tiefen. Auch wenn ich sagen muss den Verlust meines Sohnes nie richtig verwunden zu haben.“
„Aber euer Sohn ist doch am Leben?“
„Nein, er ist letzten Herbst verstorben, ich habe es gespürt. Mit Verlust meine ich meinen Sohn niemals richtig gekannt zu haben und ihn in seiner Kindheit und Jugend nicht richtig zu begleitet zu haben.“
„Oh das tut mir Leid. Wisst ihr woran er gestorben ist.“
„An einer Krankheit für das es kein Gegenmittel gibt. Ich bete er hat am Ende nicht gelitten.“
Ihr graute vor einer solchen Krankheit, was wenn man sich daran in jungen Jahren bevor man das Leben richtig gelebt hat damit infiziert? Ihr lief ein Schauer über den Rücken.
„Keine Sorge mein Kind, es ist höchst unwahrscheinlich, dass ihr daran erkrankt. Elfen werden davon nicht befallen, Kaimane leider schon eher. Nun lass uns den Tee genießen solange er noch frisch und heiß ist. Deine Früchteküchlein sind ganz ausgezeichnet. Mit ein bisschen Übung wirst du eine großartige Köchin abgeben“
Sie lächelte verlegen, so selten wurde sie von ihrem Lehrer so groß gelobt.
„Und zweifle nicht an dir, du hast in der Arena bewiesen, dass du Mut, Geschick und Konzentration aufweisen kannst. Du bewegst dich geschmeidig wie eine Tigerin.“
Woher kam er auf die Arena-Kämpfe? Es war ihr unangenehm darüber zu reden.
Die Vögel in den Bäumen um sie herum zwitscherten vergnüglich während sie schweigend aßen und den Tee genossen. Dann, sie wusste nicht wie lange sie da schon in der Stille saßen, verschränkte er die Hände und verbeugte sich vor ihr.
„Ich danke dir, mein Kind, für dieses wunderbare letzte Mahl. Ich werde mich nun für die Nacht zurückziehen. Aber eins noch, das hier wirst du heute Abend eher brauchen als ich“
Und er schob ihr eine kleine Metallschatulle über den Tisch zu.
Wie das war das Ende? Sie hätten doch noch die ganze Nacht über Reden und musizieren können!
„Ihr geht schon zu Bett ehrenwerter Lehrer?“
„Ja mein Kind, meine Knochen sind alt und sehnen sich nach dem Schlaf. Ich sehe allerdings, dass du nicht so erpicht auf Schlaf bist wie ich. Das ist in Ordnung und kommt in der Jugend häufig vor. Ich wünsche dir einen genehmen Aufstieg.“
Tacitus und seine hellseherischen Fähigkeiten erstaunten sie jedes Mal aufs Neue.
Sie beobachtete wie ihr Freund und Lehrer langsam zu der kleinen Hütte am Ende des Gartens zuging. Sie hatte ihm vor Jahren angeboten oben im Turm zu schlafen, aber er hatte dankend abgelehnt und sich stattdessen diese kleine Hütte gebaut. Sie hatte, so gut sie es damals konnte, beim Bau mitgeholfen.
Sie würde heute Nacht sicher nicht schlafen. Am Ende verschlief sie wieder so wie heute und würde Tacitus Abschied verpassen. Nein, heute bestimmt nicht!
   Sie räumte den Tisch ab, versorgte die übrigen Speisen und Küchlein. Vieles davon wanderte in den riesenhaften Kühlschrank um für die nächsten Tage frisch zu bleiben. Sie ließ das Wasser in der Spüle ein und ließ nacheinander Berge von Tellern und Schüsseln durch ihre Spülhände wandern.
   Sie ließ sich dabei Zeit und übereilte nichts, die Nacht war noch jung.
Die Laternen würde sie brennen lassen, die würden ganz von alleine ausgehen, wenn der Treibstoff zur Neige ging. Sie nahm sich ein einem Beutel einige der Reste mit. Küchlein, Früchte und eine Schale mit Reis und kalter Soße. Dazu kam noch eine Flasche klaren Wassers. Damit in den Händen eilte sie lange Wendeltreppe in ihr Schlafgemach hoch. Nachts würde es frisch werden und in der Höhe wehte immer ein kalter Wind. Sie entnahm dem Stapel Fellen ein besonders großes und weiches und rollte es zusammen, das Bündel verschnürte sie mit einem Lederband und warf es sich über den Rücken.
   Sie nahm auch noch einen Block und ein paar Stifte, sie wollte ihre Traumlandschaft skizzieren.
Voll bepackt trat sie mit nackten Füßen auf dem Sims des Fensters und schwang sich heraus. Sie war ihr halbes Leben auf Bäumen und auf dem Turm herumgeklettert und die Höhe machte ihr nichts aus. Sie kletterte schnell und behände nach oben. Der Aufstieg ging leicht, weil überall Vorsprünge und Steine aus der Wand ragten.
   Nach einer kurzen Kletterpartie war sie oben und schwang sich über die niedrige Brüstung. Der Turm hatte ein Flachdach. Sie entrollte das Fell und legte es mittig auf den Boden, daneben stellte sie die stibitzten Speisen und die Flasche Wasser. Die kleine Schatulle  von Tacitus hatte sie auch eingepackt, aber sie hatte noch nicht reingeguckt. Block und Stifte kamen auf die andere Seite. Sie legte sich mittig auf dem Fell auf den Rücken und sah in den Himmel.
   Die Sterne waren schon aufgegangen und tausende kleiner Punkte leuchteten am Firmament. Sie konnte einige der Sterne und Sternzeichen benennen, viele aber auch nicht. Tacitus hielt die Kunst der Sterndeutung für nicht so wichtig und hatte sie ihr nie gelehrt. Aber sie vermutete, dass ihr Lehrer diese Kunst einfach nicht beherrschte.
   Auf jeden Fall hatte er ihr die Sterne gezeigt, die man zur Navigation unbedingt brauchte. Nicht dass sie dieses Wissen anwenden konnte, aber vielleicht würde es sich irgendwann als nützlich erweisen.
   Ein kühler Wind streifte sie und ließ ihr Seidenkleid aufbauschen, sie lächelte und fühlte sich lebendig. Das war ihr Lieblingsplatz und sie lag oft hier oben und stellte sich vor wie sie auf dem Deck eines Luftschiffs lag, das durch die Wolken pflügte, auf dem Weg ins nächste Abenteuer.
Von hier oben sah sie auch die bewaffneten Soldaten auf ihren Wachtürmen rings um ihren Garten und den kleinen Wald. Aber über die undurchdringlich hohe Mauer mit dem Stacheldraht-Kranz an der Spitze konnte sie nicht herübersehen. Sie wusste gar nicht was dahinter lag. Wiesen, Wälder, Schluchten oder etwas völlig anderes? Sie konnte nur hohe Baumkronen sehen, das war alles.
Auf einer Seite des Gartens war das Tor zur Arena und südlich davon das Tor nach draußen, wie Tacitus ihr erzählt hatte. Letzteres wurde immer von zwei grimmigen Kaimanen bewacht, die nie redeten und einen mit ihren Blicken niederzustrecken versuchten.
   Sie knabberte an den Küchlein und dachte an ihre Vision. Sie hatte nicht häufig Visionen, eigentlich nie und auch nie in solchen klaren und bestimmten Formen. Meist hatte sie nur wirre Träume, die nach dem Erwachen nie Sinn machen wollten.
   Aber das hier war etwas anderes gewesen. Es war als wäre sie dort gewesen. Der Leerenwanderer und der junge Tacitus waren ihr zum Greifen nahe gewesen. Und auch der Schnee sah so echt aus. Und der Dschungel erst. Nur wann das alles passieren würde oder, wie ihr Lehrer ausdrückte, passieren könnte war ihr nicht klar. Bitte bitte lass es passieren. Ohne Tacitus würde sie hier vor Langeweile umkommen. Wobei er ihr ja zwischen den Zeilen eine Aufgabe mit auf den Weg gegeben hatte. Ihre Meditativen Lehren vertieften. Aber es würde schwerer werden ohne seine leitende Hand wenn sie in die höheren Ebenen vorstoßen wollte.
   Sie stand am Rand der Plattform, einen Fuß auf der Brüstung und sah hinab. Ganz schön hoch oder? Eigentlich nicht, es waren vielleicht fünfzehn Meter. Sie stellte sich die Baumriesen im Regenwald vor. Tacitus hatte gesagt die höchsten werden fast zweihundert Meter hoch. Aber selbst ein fünfzig Meter hoher Baum wäre riesig im Vergleich zu ihrem Turm.
   Hatte ihr Lehrer nicht von Eingeborenenvölkern berichtet, die ihr ganzes Leben in den Bäumen lebten ohne jemals einen Fuß auf den Boden zu setzen?
   Sie stellte sich vor wie das wohl war, auf den Bäumen geboren zu werden, aufzuwachsen, zu leben, zu jagen, Freunde finden, einen Gefährten finden, Kinder zu haben und in den Kronen zu sterben.
Ob sie außer Tacitus jemals Freunde haben würde? Sie wusste nicht so recht. 
   Ihrer beiden Reise war zu Beginn auch recht holprig gewesen, als sie noch nicht wusste ob sie dem alten Kaiman trauen konnte. Sie schmunzelte, damals war sie noch sehr klein und ungestüm gewesen. Aber der unerschütterlichen Ruhe Tacitus‘ hatte sie nichts anhaben können, weder als kleines Kind noch jetzt. Bis auf den einen Ausbruch heute, der hatte sie stark verunsichert.
Sie trat wieder zurück, es war frisch geworden. Sie kuschelte sich wieder in das Fell und sah in die Ferne. Dann griff sie nach Papier und Stift und skizzierte das was sie in ihrer Vision gesehen hatte. Die Zeichnungen wurden gut, sie war talentiert und eine geübte Beobachterin. Aus der Erinnerung zeichnete sie auch ein Bild von ihrem ehrenwerten Lehrer. Er war alt geworden, sie fürchtete dass er sterben würde bevor er das Ende seiner Reise erreichte.
   Ach was, sie schüttelte ihre trüben Gedanken ab, ihr Lehrer würde nicht sterben, weder bald noch irgendwann. Ihr Aufbäumen hatte etwas Trotziges.
   Sie trank einen Schluck Wasser aus der Flasche und öffnete das metallene Kästchen das Tacitus ihr vorhin gegeben hatte. Im inneren waren runde dunkelbraune Bonbons. Sie nahm eins in den Mund, es schmeckte völlig anders als alles was sie jemals geschmeckt hatte. Kräftig, etwas zitronig und ziemlich süß. Kurz darauf verspürte sie wie Energie ihren Körper durchflutete und sie wieder hellwach war. Als Wachmacher hatten es die kleinen Bonbons echt in sich. So würde sie ohne Probleme die Nacht überstehen. Sie setzte sich hin um zu meditieren und klärte ihren Geist von allen weltlichen Fesseln. Noch konnte sie sich von ihrem Körper nicht lösen, aber sie spürte, dass sie kurz davor war. Wie ihr Geist sich in ihrem Körper bewegte aber nicht daraus herausstoßen konnte.
Sie öffnete die Augen als es dämmerte. Sie sprang auf und guckte von oben zu Tacitus Hütte.
Der Stoff in der Tür bewegte sich und Tacitus trat unbekleidet heraus mit seinem Gewand über dem Arm. Jetzt würde er ein morgendliches Bad nehmen und sich ankleiden.
Ohne ihre Sachen zusammenzupacken kletterte sie den Turm herab und landete auf dem Dach der Küche. Daran hinab ließ sie sich auf den steil aufragenden Schindeln hinabgleiten, sprang auf den Boden der Terrasse und rollte sich über die Schulter ab. Sie richtete ihr Kleid und wartete auf ihren Lehrer. Tacitus erschien angekleidet ein paar Minuten später und trat langsam auf sie zu.
„Ich sehe du hattest eine aufregende Nacht hinter dich. Hast du mein Geschenk zu würdigen gewusst?“
Sie nickte eifrig.
„Gut, lass uns nun gehen, der Weg ist weit“
Ihr Herz krampfte sich zusammen als sie an den Abschied dachte. Ihr Lehrer ging mit langsamen bedächtigen Schritten auf das Südtor zu. Mittelgroße Bäume säumten ihren Weg und der Himmel war stellenweise vollständig verdeckt.
   Da kam das Tor in Sicht. Zwei miesmutig blickende Kaimane standen davor. Der linke trug ein Gewehr, das ein starkes Betäubungsmittel verschoss – sie hatte die Wirkung schon am eigenen Leib erfahren müssen. Der rechte trug ein echtes Gewehr, vor dem hatte sie echt Angst.
   Der linke Kaiman bemerkte sie zuerst und er stieß seinen Kumpel an. Dann kniete er sich und zielte auf sie. Der rechte Kaiman hob nun ebenfalls sein Gewehr.
   Moment, sie hatte angenommen Tacitus könnte einfach passieren. Warum zielten die Beiden auf sie?
„Hey, keinen Schritt näher!“
Brüllte der rechte Kaiman. Wie aus Reflex blieb sie stehen, aber Tacitus ging seelenruhig weiter.
Was machte der alte Kaiman da?
„Stopp! Anhalten, keinen Schritt näher oder wir eröffnen das Feuer!“
Eine gewisse Unsicherheit schwang in der Stimme des Kaimans mit, als wüsste er nicht was zu tun sei. Tacitus hatte die Hälfte des Weges zum Tor zurückgelegt als der rechte Kaiman mit dem Gewehr in die Luft schoss.
„Wir wollen dir nichts tun, aber zu zwingst uns Gewalt anzuwenden!“
Damit zielte er nun auf Tacitus Körper. Aber er schoss nicht, auch nicht als Tacitus näher kam. Dafür fingen seine Hände an zu zittern. Da hatte Tacitus ihn erreicht und rang ihm mit sanfter Gewalt die Waffe aus der Hand. Mit einer Handbewegung berührte Tacitus den jungen Kaiman an der Brust und dieser sackte in sich zusammen und blieb reglos liegen. Sein Kumpel mit dem Betäubungsgewehr löste Alarm aus.
   Nun stieg echte Panik in ihr auf. Tacitus würde da niemals heil rauskommen.
Und da dämmerte es ihr und ihr wurde kalt. Panik stieg in ihr auf und sie wollte schreien, aber ihr Schrei blieb ihr im Hals stecken.
   Tacitus drehte sich zu ihr um und zwinkerte.
„Wir sehen uns im nächsten Leben wieder meine ehrenwerte Schülerin.“
Damit hob er das Gewehr, schob den Lauf unter sein Kinn und drückte den Abzug.
Ein Knall wie Donner entstieg der Waffe und Tacitus brach tot zusammen.
Ein heller gellender Schrei zerriss die eintretende Stille.

Die Legende der schwarzen Geister – Prolog

Ein heller Blitz durchzuckte den Himmel, gefolgt von einem mächtigen Donnern und grelles Licht erhellte die stockdunkle Nacht. Das Licht verschwand und erst tauchte schwarzer dann grüner Rauch auf.
   Lama Merten schreckte auf. Das war eine höchst sonderbare Vision gewesen. Er schlug die Augen auf und blinzelte gegen die grelle Mittagssonne an. Er saß in Meditationshaltung auf einem Felsen und versuchte sich an die Einzelheiten der Vision zu erinnern. Er stand auf und griff nach einem Schlauch mit feinstem Quellwasser, daraus trank er ein paar tiefe Schlucke und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er war riesig, die Bewohner des nahen Dorfes nannten ihn Bärenmann und bei dem Namen schmunzelte er. Natürlich gab es auch richtige Bärenmänner, aber in seinen 35 Lebensjahren war er noch auf keinen gestoßen. Wohl aber war er auf seinen Reisen den Katzenmenschen begegnet, Nomaden, die sonderbare Waren feilboten und als Diebe beschimpft wurden.
   Er streckte seine Glieder aus, trotz stundenlanger Meditation fühlte er sich frisch und ausgeruht. Allerdings verspürte er einen stechenden Hunger. Zeit spielte für ihn nur eine untergeordnete Rolle, dennoch wusste er, dass er seine letzte Mahlzeit bei Sonnenuntergang eingenommen hatte.
Er warf sich den Wasserschlauch um und machte sich auf den Weg zu seiner ehrenwerten Behausung, einer großen geräumigen Höhle. Rund eine Stunde lief und sprang er über Felsen und Steine den schmalen kaum sichtbaren Pfad entlang bis er den etwa Eingang der Höhle erreichte. Den Eingang zur Höhle markierte ein großer freistehender Stein in dessen glatte Oberfläche in einer verloren gegangenen Sprache die Worte eines heiligen Mannes geschrieben standen. Der Eingang war etwa doppelt so hoch wie Lama Merten, aber nicht sehr breit, er musste sich also schmal machen um hindurch zu passen. Durch den Eingang fiel nicht viel Licht dennoch war die Hölle im inneren hell und luftig, möglich machte das eine große annährend kreisrunde Öffnung in der Höhlendecke.
   Wie man es von einem Mönch erwarten würde lebte er recht bescheiden. In einer Ecke lagen einige Yakfelle und eine sorgsam zusammengelegte Decke aus dicker Wolle. Ein Kopfkissen brauchte er zum Schlafen nicht. Kochgeschirr, Werkzeug, Seile und Haken und einige Kisten und Säcke mit Vorräten lagerten am anderen Ende der Höhle. Ein Bogen mit Pfeilen lag auf dem Boden neben einem großen Rucksack. Daneben lehnte an der Wand ein langer Holzstab, der mit verwundenen Mustern verziert war. Der Stab war sein treuer Wegbegleiter und hatte ihn schon auf unzähligen Reisen begleitet. Er diente nicht nur als Stütze sondern auch als Waffe, gegen Banditen oder kleinere Raubtiere, gegen die großen Tiger half hingegen nur die Flucht. Nur ein törichter Mann würde die stolzen Könige der Berge angreifen. Was viele nicht davon abbrachte es dennoch zu versuchen. Es galt als große Ehre einen der Tiger in der Jagd zu erlegen, aber Lama Merten hatte keine wohlwollenden Worte dafür übrig. Auf seinen Reisen war er einmal einem Tigerjungen begegnet, das in eine Felsspalte gestürzt war und nach seiner Mutter schrie, die hilflos zusehen musste wie ihrem Kind die Kräfte schwanden. Er hatte das Jungtier geborgen und seiner Mutter wiedergegeben, die Lama Merten mit vorsichtigen Blicken bedachte und dann mit ihrem Jungen zusammen davongetrottet war. Seitdem hatte ihn nie wieder ein Tiger auf seinen Reisen gestört.
   Er war der Wächter des heiligen Tempels, der, einen kurzen Fußmarsch von hier entfernt, schon seit vielen Jahrhunderten Wind und Wetter trotze und den Bewohnern des kleinen Dorfes ein paar Meilen entfernt traditionell sehr wichtig war. Dort wurden die Geister des Tals befragt, Bestattungen und Hochzeiten abgehalten und der ein oder andere suchte Rat beim heiligen Wächter, ihm – Lama Merten. Er pflegte den Tempel, führte kleine Instandsetzungsarbeiten durch, entzündete Duftstäbchen und Kerzen und hielt Rituale und Zeremonien ab. Die Dorfbewohner bedankten sich dafür mit kleinen Geschenken. Reis, Gemüse, Obst, Gewürze und Tee, aber auch Schriftrollen mit Gebeten und Sprüchen großer Heiliger und schutzbringende Talismane.
Er hatte erst am Vortag die Geschenke in Empfang genommen und mit zu seiner Höhle genommen, also würde er erst morgen dem Tempel wieder einen Besuch abstatten. Außerdem ging ihm die Vision nicht aus dem Kopf. Visionen waren immer sehr vage, da war diese in ihren Ausführungen sehr deutlich gewesen. Ein Blitz, eine Sternschnuppe vielleicht? Der Knall und das Licht, vielleicht der Einschlag eines Objekts. Auf seinen Reisen hatte er in den heiligen Bibliotheken der Klöster von Augenzeugenberichten gelesen, die von der ungeheuren Kraft von Felsbrocken aus dem Himmel zeugten. Leider waren diese Berichte entweder nur sehr vage oder unglaubwürdig ausgeschmückt. Die Vorstellung, dass Felsen groß wie Häuser aus dem Himmel stürzen könnten behagte ihm ganz und gar nicht. Dennoch war das der Fall, einmal war er auf seinen Reisen an einem Krater vorbeigekommen, in dem ein kleiner See lag. Der Krater war von immenser Größe gewesen, gut eine Meile oder mehr im Durchmesser.
   Die Sache mit dem Rauch, der die Farbe wechselte, hatte ihn zutiefst irritiert. Schwarzer Rauch war Gang und Gebe, aber grüner Rauch? Davon hatte er hier noch nie gehört. Er würde sich bei den ehrenwerten Mönchen der umliegenden Klöster umhören müssen.
   In Gedanken versunken entzündete er einen kleinen Haufen Holzscheite in seiner Feuergrube. Nach wenigen Minuten prasselte ein lebendiges Feuer. Über der Feuerstelle stand ein Gestell aus geschmiedeten Eisen mit zwei Platten. Auf die eine Platte stellte er eine Kanne Wasser für Tee auf den anderen einen flachen Topf mit Wasser, Reis und frischem Gemüse.
Geduldig bereitete er den Essplatz unter dem Himmelsloch vor. Den Tee, den er aufgoss, hatte er von einem Reisenden geschenkt bekommen, der aus dem Westen kam. Der Geschmack war kräftig, hatte aber eine liebliche Note. Der Tee war Qualitativ viel besser als das meiste, das er bisher in seinem Leben in diesen Regionen getrunken hatte.
   Das gekochte Mahl war einfach, sättigte aber sehr. Zu dem Reis dazu as er Streifen geräucherten Fleisches. Die meisten Mönche ernährten sich vegetarisch, er hingegen nicht. Eine Vision hatte es ihm geraten und seitdem ergänzte er seinen Speiseplan mit meist getrocknetem oder geräuchertem Fleisch.
   Er genoss den wohltuenden Geschmack des Tees im Mund und das wohlige Gefühl im Magen, dass die Mahlzeit hinterließ. Dann stand er auf klaubte das Geschirr zusammen und machte sich auf den Weg nach draußen um es am nahe gelegenen Fluss abzuwaschen.
   Ein paar Minuten entfernt entsprang ein kleiner Wasserfall aus den Bergen und stürzte sich tief in einen kleinen See eiskalten Wassers. Der See war ziemlich Flach und man konnte einige Züge darin schwimmen, wenn einen die Kälte nicht störte.
   In Ruhe spülte er sein Geschirr ab als ihn ein helles Pfeifen aus seinen Gedanken riss. Er richtete sich auf und beobachtete den Himmel über ihm. Dort! Einige Meilen entfernt schoss ein kleines Objekt über den Himmel, genau wie in seiner Vision. Das Objekt zog einen feurigen Schweif hinter sich her und bewegte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit dahin. Es raste steil dem Erdboden entgegen und würde mit ihm kollidieren, wenn es nicht die Flugbahn änderte.
   Er sah den Blitz, lange bevor er den Donner hörte. Ein Feuerball aus lodernden roten Flammen wölbte sich in den Himmel und formte dicke schwarze Rauchwolken. Lama Marten starrte angestrengt in die Ferne. Das Ding musste hinter einer Felskuppe oder einem Grat niedergegangen sein. Wenn er doch nur sein Fernrohr dabei hätte, aber das lag noch in der Höhle. Da, auf einmal strömte eine dünne Säule grünen Rauchs in die Höhe, in einiger Entfernung zu der Absturzstelle, die er von hier aus nicht sehen konnte. Alarmiert sprang er aus dem Wasser, raffte seine Sachen zusammen und rannte zurück zu seiner Höhle. Normalerweise war er kein Mann der Eile, aber die Dinge lagen nun anders. Die Vision war ein Zeichen. Das vom Himmel gefallene Objekt musste etwas Wichtiges bedeuten. Er schnappte sich den Rucksack und füllte ihn mit dem Geschirr, Kletterausrüstung und Vorräten für ein paar Tage. Die Wolldecke zurrte er zusammen und befestigte sie an seinem Rucksack, zusammen mit dem Bogen und dem Köcher. Diesmal durfte auch der Wanderstab nicht fehlen. Er sah sich noch einmal um und verließ dann eiligen Schrittes die Höhle.
Von dem Plateau auf dem seine Höhle lag konnte man die schwarze Rauchfahne gerade noch sehen und die grüne höchstens erahnen. Er konnte Entfernungen schlecht schätzen, aber würde sagen, dass es mindestens zehn Meilen waren. Dort gab es weder Straßen noch Wege und dort lungerten Gefahren in Form von Banditen und wilden Tieren.
   Ohne zu zögern marschierte er mit schnellen Schritten los, in Richtung des schwarzen Rauchs.

*

Nathan stand fröstelnd auf einer Laderampe und wartete, bis es an ihm war den Laderaum der großen Transportmaschine zu betreten und sich einen Sitzplatz zu ergattern. Neben ihn stand ein mittelgroßes Mädchen mit honigfarbener Haut und smaragdgrünen Augen, Ihr Haar war schulterlang und tiefschwarz, war aber von sonderbaren Strähnen in Grün und Hellbraun durchzogen. Sie nannte sich Meg und er hatte sie vor ein paar Tagen gerettet, nachdem sie ihm vor fünfzehn Jahren als Säugling geraubt worden war. Meg fror noch mehr als er, denn sie war die tropische Hitze gewohnt aber wohl nicht diese Eiseskälte. Meg trug all ihre Habe am Leib und das war nicht viel, ein Amulett, ein paar kunstvoll geschnitzte Ringe und ein paar einfache luftige Kleider, keine Schuhe.
Er hatte eine dicke Wolldecke um ihre Schultern geschlungen, zum einen um sie gegen die Kälte zum anderen vor unzüchtigen Blicken zu schützen. Das hatte ein kleines Mädchen nicht verdient.
Ihm hingegen hatte man seine übliche Kleidung genommen und ihm einfache Sachen aus groben Leinen gegeben. Sein Gewehr, seine Pistole, alles weg. Nur das Messer hatten sie ihm gelassen. Er wollte sie hätten es ihm auch genommen. Die Klinge war scharf und sauber, aber dennoch spürte er, wie in Gedanken das Blut dickflüssig von der Klinge hinab seine Wade hinab ran.
   Er blickte auf seine Hände. Ihm wurde schummrig und er meinte zu sehen, wie das Blut die Handinnenseiten herablief und zu Boden tropfte. Meg streckte eine Hand aus und zog ihm am Arm.
„Da Papa, es geht weiter“
Dass sie ihn Papa nannte versetzte ihm einen heftigen Stoß. Das hat er nicht verdient, niemand sollte ein so grausames und niederträchtiges Monster zum Vater haben.
   Man musste kein Genie sein um zu erkennen, dass ein Baumlanger schwarzer Waran und ein kleines Elfenmädchen nicht miteinander verwandt waren, aber Meg nannte ihn trotzdem Papa.
Die Schlange setzte sich in Bewegung und nun stand er in dem schummrigen rot beleuchtetem Frachtraum und sah sich nach zwei Plätzen um. Er hätte einfach drängeln und die anderen Passagiere zur Seite stoßen können, aber diesen Weg wollte er nicht mehr gehen und ihm fielen seine blutbefleckten Hände wieder ein.
„Papa komm.“
Selbstbewusst ging Meg durch den Laderaum, an dessen Seiten und in der Mitte Sitze angebracht waren, und steuerte auf zwei freie Sitzplätze am Ende des Laderaums zu.
   Sie sprang auf den Sitz und er zog die Gurte an und machte sie fest. Der Sitz war für einen Erwachsenen ausgelegt, nicht für ein Kind, aber nach etwas schieben und ziehen ging es dann doch sie sicher festzumachen.
   Er setzte sich nicht sofort sondern sah sich einen Moment um. Nicht sehr vertrauenserweckende Gestalten nahmen um sie herum ihre Plätze an und warfen ihm und Meg scheele Blicke zu.
Ein zerlumpter schlecht rasierter Mann trat an Nathan heran und raunte ihm ins Ohr
„Wie viel willst du für die Kleine?“
Nathan wusste nicht so recht was dann geschah, nur dass der Mann nun wimmernd auf dem Boden lag und Meg im Hintergrund laut lachte.
„Hey, weg da! Lass den Mann in Ruhe und setz dich gefälligst hin!“
Zwei große Warane in Kampfmontur stießen ihn zur Seite und kümmerten sich um den am Boden liegenden Mann.
   Irritiert wich Nathan zurück und setzte sich neben der freudestrahlenden Meg auf den freien Sitz.
„Dem hast du es aber ordentlich gegeben, Papa“ lachte sie und grinste ihn warmherzig an.
Da schmolz er dahin und ihm rollte eine Träne aus dem Augenwinkel, dann nahm er sie fest ihn den Arm.
„Ich hab dich auch sehr gern … Tochter“
Nach einer Weile kämpfte sich Meg aus der Umarmung und lehnte sich zurück. Nathan sah nachdenklich am Strom der Gestalten, die ins Flugzeug wollten, vorbei und nach draußen. Sein Blick wanderte an den Türmen, Plattformen und Blocks aus Stahl vorbei. Die schwimmenden Inseln waren nicht sehr schön, aber sie waren sein Zuhause, hier hatte er viele Jahre seines Lebens verbracht.
Niemand würde ihm zum Abschied winken, dachte er resigniert. Dafür hatte er sich zu viele Feinde gemacht und Freundschaften entzweit.
   Als alle Plätze belegt und sich alle angeschnallt hatten, erzitterte die Maschine und mit großem Dröhnen liefen die riesigen Triebwerke an. Meg neben ihm zitterte und hielt sich die Ohren zu. Er legte schützend einen Arm um sie und sah weiter nach draußen.
   Aus den Schatten war eine Gestalt getreten und winkte ihm zu. Die Frachtraumtüren schlossen sich, aber er konnte gerade noch das hämische Grinsen des Diebes erkennen. Seines kleinen Bruders.
Dann waren die Türen zu und verriegelt und mit immer lauter werdenden Turbinen bewegte sich das Flugzeug, sie hoben ab. Nathan und Meg wurden in die Sitze gepresst als sich der metallene Vogel ruckartig in die Höhe schwang. Nun flogen sie dahin, ihrer neuen Zukunft entgegen.

*

Konzentriert stand Lama Merten breitbeinig da, in der rechten Hand schwang er einen Wurfhaken. Vor ihm war ein tiefer Abgrund, wo bei einem Erdbeben der Hang weggebrochen sein musste.
Er zielte, mit den Augen wie mit dem Geiste und ließ den Haken los. Der zischte durch die Luft und verhakte sich in einer Felsspalte. Er zog fest daran und nickte dann zufrieden. Er schulterte wieder den Rucksack, warf den Wanderstab über den Spalt und umfasste das Seil mit festen Händen. Dann schwang er sich über den Abgrund.
   Er hatte voll auf sich und den Haken vertraut, dennoch war er erleichtert, als er wieder festen Grund unter den Füßen hatte. Er löste den Haken und rollte das Seil, an dem er befestigt war, wieder auf und griff nach seinem Stab.
   Er war nun schon den dritten Tag unterwegs. Das Feuer des Absturzes brannte immer noch, aber nicht mehr so stark. Der grüne Rauch hingegen war deutlich zu sehen. Er musste sich dennoch beeilen, er hatte die Hälfte seiner Vorräte aufgebraucht und es war unklar ob er hier Essbares finden würde. Die Landschaft war unwegsam und zerklüftet, er kam nur mühsam voran. Auch glaube er sich in der Entfernung verschätzt zu haben, die Strecke kam ihm viel weiter vor, als er es in Erinnerung hatte. Er trank einen Schluck kalten Wassers und ging dann weiter. Es wurde kalt, aber er lief trotzdem weiterhin barfuß. Im Rucksack trug er zwar ein Paar Yakfellstiefel mit sich herum, aber seinen Füßen ging es gut und er hatte immer das Gefühl er würde Behaglichkeit gegen sicheren Tritt tauschen, wenn er die Stiefel anzog.
   Jetzt musste es nicht mehr weit sein, der Rauch war ganz nah, aber er würde sich beeilen müssen, es dämmerte schon.
   Ein paar Minuten später hatte er die die Kuppe des Berges erreicht und später hinüber.
Er zückte sein Fernrohr und beobachtete die Vorgänge in dem kleinen Tal unter sich.
Am linken Ende des Tals brannten die Reste eines großen Metallvogels, der am Fels zerschellt war und eine Spur aus Trümmern hinter sich hergezogen hatte. Seltsam geformte Behältnisse aus Metall lagen überall zerstreut zwischen den Frackteilen. Der grüne Rauch stammte von einem großen Container etwas abseits, der anders als die anderen leuchtend grün angemalt war.
Was ihn aber am meisten beunruhigte waren die kleinen Gestalten die zwischen den Trümmern entlanggingen und mit magischen Lichtern die Umgebung absuchte. Von der Bekleidung her waren es Banditen, die hier in diesem Landstrich ihr Unwesen trieben. Zwei von den Gestalten hatten Gewehre, das bereitete ihm Kopfzerbrechen. Er hatte einen Bogen und einen Stab, seine Gegenspieler allerdings zwei Gewehre und es waren mindestens fünf Banditen.
Aber die Box mit dem grünen Rauch musste sehr wichtig sein. Sie durfte auf keinen Fall in die falschen Hände geraten.
   Er würde meditieren und Kräfte sammeln. Gesagt getan entledigte er sich seines Rucksackes und legte alle nicht so wichtigen Dinge ab. Er trank noch einen Schluck, und aß einige Bissen getrocknetes Fleisch. Dann setzte er sich im Schneidersitz hin und machte seinen Geist frei von allen störenden Einflüssen. Er hatte viele Jahre in verschiedenen Klöstern dieses Landes gelernt seinen Geist frei von allen weltlichen Einflüssen loszulösen um auf die höheren Ebenen des Bewusstseins vorzudringen.
Er löste seinen Geist von seinem Körper und in dieser Form bewegte sich schnell und geschmeidig wie eine Katze den Hang hinab ins Tal. Die Banditen waren in der Tat zu fünft, zwei von Ihnen hatten Gewehre, zwei alte Krummsäbel und einer, vermutlich der Anführer, eine Pistole. Sie hielten Stäbe mit magischem Licht und suchten nach etwas, der grünen Kiste allerdings nicht schien es, an der waren sie schon vorbeigelaufen.
   Er rief seinen Geist zurück in die materielle Welt und stand auf. Bewaffnet mit seinem Stab und seinem Bogen schlich er sich ins Tal. Er hatte die schnell näher rückende Dunkelheit auf seiner Seite.
In einem früheren Leben musste er ein Dieb oder ein Akrobat gewesen sein, so lautlos und behände glitt er ins Tal hinab, von Deckung zu Deckung.
   Sirrend schoss ein Pfeil durch die Nacht, durchschlug mühelos die rechte Schulter eines der Gewehrträger und nagelten ihn an ein Trümmerteil. Sein gellender Schrei durchschnitt die Nacht.
Panisch und alarmiert rannten die Banditen umher, die magischen Lichter hektisch mal hier mal dorthin umherzuckend.
   Der zweite Gewehrträger sah sein Schicksal nicht kommen, von hinten schlich sich Lama Merten an ihn heran und drückte zwei Punkte seitlich des Halses, wie ein gefällter Baum sackte der Mann zusammen. Er schleifte den bewusstlosen Körper weg und versteckte ihn hinter einem Felsen.
Jetzt war nur noch der mit der Pistole gefährlich, mit den beiden anderen würde er spielend fertigwerden.
   Die übrigen drei hatten zusammengerückt und standen Rücken an Rücken in einem kleinen Kreis. Lama Merten ließ einen leisen Fluch über die Lippen. Er musste den mit der Pistole ablenken und unschädlich machen.  Grübelnd hob er ein kleines Steinchen auf und warf es blitzschnell durch die Luft. Es traf einen der Säbelträger an der Schläfe und dieser fluchte lautstark in die Nacht.
Das war nichts. Wie ein Schatten umrundete er die Gruppe und versuchte es von der anderen Seite, dieses Mal war der Stein etwas größer und der Getroffene schrie schmerzvoll auf. Wieder war das Ergebnis das gleiche. Wenn er doch nur eine Schlinge für eine Steinschleuder hätte, dann sähe die Sache vermutlich ganz anders aus.
   Er spannte sich an, jetzt kam Bewegung in die Sache. Einer der Säbelträger löste sich von der Gruppe und wagte sich allein in die Dunkelheit. Wenige Schritte und er war hinter ihm, ein Druck am Hals und er fiel. Lama Merten fing den Körper auf und ließ ihn beinahe sanft zu Boden gleiten.
Jetzt waren es nur noch zwei. Der andere Säbelträger rief in die Dunkelheit hinein, Lama Merten verstand nicht um was es ging, aber es könnte ein Name sein.
   Die Pistole fuchtelte durch die Luft und rief nun ebenfalls. Lama Merten war nicht mit der Gabe für Sprache gesegnet und verstand ihn nicht. Jetzt konnten die beiden aber zumindest nicht mehr auf jeder Seite aufpassen. Er nahm lautlos Anlauf, sprang und rammte den Körper des Pistolenträgers gegen einen Felsen. Die Pistole flieg durch die Luft und schlug irgendwo in der Dunkelheit auf.
Der Mann sackte zusammen und regte sich nicht mehr.
   Der letzte verbliebene Bandit fuchtelte mit seinem Säbel in der Luft und schrie fast schon schrill. Vermutlich hatte er nicht damit gerechnet, von einem riesenhaften Mönch, der sich lautlos wie eine Katze durch die Nacht bewegte, angegriffen zu werden.
   Lama Merten wirbelte mit dem Stab, als wäre Teil seines Körpers, dann schlug er blitzschnell zu. Unter dem ersten mächtigen Schlag brach das Kniegelenk und der zweite traf den Bandit am Kopf und fällte ihn abrupt.
   Nun waren alle Banditen ausgeschaltet und er konnte sich die grüne Kiste in Ruhe aus der Nähe ansehen. Er borgte sich ein magisches Licht von einem der Banditen und leuchtete die grüne Kiste von allen Seiten aus an. Sie war ganz aus Metall und grün angemalt. Auf einer  Seite war ein kleines Feld mit quadratischen kleinen Knöpfen mit Zahlen von null bis neun. Er besah es sich ratlos. Über dem Feld war ein kleines Kästchen, in dem in einem grünen Licht vier Nullen eingraviert waren. Wofür mag diese Apparatur gut sein. Ein kaum merklicher Spalt war in die Wand eingelassen und formte ein Quadrat. Er kniete sich hin und meditierte.
   Auch in der höheren Ebene fand er keine Hinweise, die ihn hätten weiterbringen können.
Am Ende seiner Ideen angekommen, tippte er viermal auf den Knopf mit der Null. Jedes drücken wurde von einem sonderbaren Piepen, wie von einem Vogel, begleitet.
   Er erwartete dass genau nichts passierte und umso erstaunter war er, dass von der Apparatur ein „Pling“ ausging und das Quadrat wie eine Tür nach außen aufschwang. Feiner Dunst entwich der Kiste und er beäugte das schwarze Loch misstrauisch. Schlagartig wurde es innen hell und er zog den Kopf wieder ein.
   Nach ein paar Minuten traute er sich wieder hoch und spähte in das lichtdurchflutete Ding. Es war ein kleiner annährend quadratischer Raum, etwa acht Fuß hoch und ebenso lang und breit und er war schief. Er lehnte seinen Stab an die Außenwand des Kastens und kletterte hinein.
Wo kam nur das ganze Licht her? Er sah sich um, am Boden, der Decke und den Seiten waren schmale milchige Klötze angebracht aus der das Licht drang. Er sah sich um. Auf jeder der drei Seiten (minus die Tür) waren Schränke aus Metall dessen Türen weiß lackiert waren.
   Probeweise öffnete er den Schrank links von sich. Er staunte. Da lehnten in einer Reihe aufgestellt einige lange metallene Objekte an der Wand, er nahm eins heraus und betrachtete es. Mit viel Fantasie könnte man es als Gewehr bezeichnen, aber es sah so viel anderweltlicher und sonderbarer als die Gewehre der Banditen aus, dass es bestimmt irgendetwas anderes war. Ratlos stellte er es wieder zurück. Darunter befanden sich kleinere Kisten aus Metall. Eine war aufgeplatzt und hatte ihren Inhalt auf dem Boden verbreitet. Zylindrische Objekte mit einer Art Kragen und abgerundeter Spitze. Mit gerunzelter Stirn kniete er sich hin und nahm einen der Zylinder in die Hand, so etwas hatte er noch nie gesehen. Das Ding war etwa so lang wie sein kleiner Finger, aber bei seinen riesigen Pranken war das nicht gerade klein. Das Material war Metall, aber es waren verschiedene Metalle. Komisch, die Spitze war grün angemalt, was das wohl zu bedeuten hatte? Er nahm sich vor einige der Objekte mitzunehmen und den Bewohnern im Dorf und den Mönchen der umliegenden Klöster zu zeigen. Er richtete sich auf und besah sich den Schrank rechts von sich. Dieser enthielt rote quadratische Päckchen, etwa so groß wie zwei große Ziegelsteine übereinander. Sie waren mit einem Zeichen bemalt, ein weißes Kreuz auf rotem Grund in einem weißen Kreis. Der Stoff war seltsam, so etwas hatte er noch nie gefühlt. Unglaublich fein und doch immens stabil. Die Päckchen waren nicht sehr schwer aber prall gefüllt. Auf der Hälfte war ein schmaler Besatz aus verzahnten metallenen Dreiecken die zu einem ovalen Plättchen mit einer Art Haken führte. Probeweise zog er an dem Haken und das ovale Plättchen glitt sanft wie eine Feder an dem Besatz entlang und öffnete einen Spalt. Verwundert zog er einige Male an dem Haken und führte das Plättchen vor und zurück. Dann öffnete er es ganz und das Päckchen zerteilte es in zwei Hälften. Im inneren befanden sich weitere transparente zylindrische Körper und Behältnisse aus einem seltsam glatten Material. Er nahm sich vor ebenfalls ein solches rotes Päckchen mitzunehmen, vielleicht konnte man den Inhalt noch gebrauchen.
   Nun aber der letzte Schrank. Der klemmte und nur mit all seiner Stärke konnte er ihn aufreißen. Die Türen knallten an die Seite und Lama Merten erstarrte. Mit offenem Mund starrte er in das Innere des Schrankes und konnte nicht begreifen, was er da gerade sah.
   Ein Behältnis lag darin. Eingebettet in einen Rahmen aus einem merkwürdigem schaumigen schwarzen Zeug. Das Behältnis war quadratisch, mit abgerundeten Ecken, aus einem weißen schimmernden Material. Die untere Hälfte verzierten flache Zylinder, Scheiben und Schläuche die allesamt zu leuchten schienen und in einer fremdartigen Sprache beschriftet waren. Die obere Hälfte war durchsichtig und darin befand sich eine zähflüssige bernsteinfarbene Flüssigkeit und darin schwamm etwas, was er nicht begreifen konnte. Ein kleines menschliches Baby. Ein Mädchen.

*

Liz schreckte aus dem Schlaf. Sie tastete im Halbschlaf nach der Lampe die sie neben sich abgestellt hatte und schaltete sie an. Die kleine Licht der Lampe war warm und golden. Sie war mit dem Buch auf der Brust eingeschlafen. Sie schüttelte sich. Wie spät es wohl sein mochte? Bestimmt war es tiefste Nacht. Nach einem Diener zu klingeln war vermutlich zwecklos. Sie schlug das dicke Fell zur Seite und streckte die nackten Beine in die Luft. Wie sie gelernt hatte befanden sie sich zwar in einer subtropischen Klimazone, aber um die Jahreszeit wurde es nachts trotzdem empfindlich kühl. Fröstelnd tastete sie nach dem Morgenmantel und schwang sich, die Lampe in der Hand, aus dem gigantischen Bett. Ihr Schlafgemach war riesig und die Lampe erhellte nur einen winzig kleinen Teil davon. Sie trat an eins der Fenster, stellte die Lampe vorsichtig aufs Fensterbrett und sah hinaus. Von hier oben sah man die Anfänge eines parkähnlichen Gartens, den sie mit dem alten Kaiman Tacitus erst kürzlich angelegt hatte. Tacitus war nett, weise und brachte ihr viele Sachen bei. Er wusste Erstaunliches und erzählte ihr oft Geschichten von seinen Reisen aus jüngeren Jahren. Sie mochte besonders die Geschichten in den Tropen. Am meisten faszinierte sie da die Unberührtheit der tropischen Regenwälder, deren größten Baumriesen fast zweihundert Meter in den Himmel ragten, und die exotische Fauna und Flora. Tacitus meinte immer scherzhaft dies sei kein Ort für ein ehrenwertes Fräulein wie sie.
   Ihr Blick wanderte weiter und hing an der hohen Wand mit der Krone aus Stacheldraht fest, die in regelmäßigen Abständen von hohen Wachtürmen gesäumt wurde.
Was gäbe sie doch um nur einmal einen Blick darüber werfen zu dürfen.

*

Der Dieb hörte auf zu Winken und steckte die Hand wieder in die Hosentasche. Es war kalt hier draußen. Aus sicherer Entfernung beobachtete er wie die riesigen Rotorblätter der Big-Hornet anfingen sich zu drehen und immer schneller wurden, dazu das begleitende Aufheulen und laute Dröhnen der gewaltigen Triebwerke. Vier Stück waren es, vorne zwei und hinten zwei an den Enden kurzer Flügel befestigt. Langsam lösten sich die Räder vom Boden und die Hornet hob vorsichtig ab. Dann ging die Sache ziemlich schnell. Die Hornet gewann schnell und zielsicher an Höhe und entfernte sich von der Plattform. In ausreichender Höhe kippten die vier Rotoren langsam in die Horizontale und das riesige Flugzeug wurde schneller und entfernte sich mit zunehmender Geschwindigkeit.
   Mit der Hornet verschwand auch sein Bruder. Endlich hatte er freie Bahn.
Er dachte an Meg, das kleine Mädchen aus dem Dschungel. Er hatte kurz ungestört mit ihr reden können und sie hatte ihm ein Geheimnis anvertraut, über den Sinn des Gesagten zerbrach er sich den Kopf und er würde noch nicht handeln können, denn die Sache brauchte viel Zeit und Planung.
Eine fröhliche Melodie pfeifend ging er wieder rein und die langen hell erleuchteten Gänge entlang. Alle, die ihm hier begegneten, schienen es ziemlich eilig zu haben. Sein Onkel Atakar hatte ihm durch einen Boten eine Nachricht zukommen lassen: er solle sich auf Flugdeck sieben begeben.
Und dahin war er unterwegs. Er kannte die knappen präzisen Anweisungen von Atakar nur zu gut.
Draußen schlug ihm wieder kalte Meerluft entgegen und er fröstelte, er hatte natürlich keinen Thermoanzug an, sondern nur seine übliche Kluft: kurze Hosen und ein kurzärmliches Oberteil aus Baumwolle.
   Flugdeck sieben war eines der kleineren Decks und er war gespannt was ihn erwartete. Er ging die letzten Stufen zum Deck hoch und hielt inne. Vor ihm stand, mit Sturmankern festgezurrt, eine zweimotorige Hornet. Eins von den kleineren Modellen, aber er konnte es nicht zuordnen. Sie ähnelte am ehesten den älteren Modellen, so wie der Sea-Hornet, aber sie war bauchiger, bulliger und eine Spur größer als die modernen Hornets. Ziemlich viel Stauraum, ging es ihm durch den Kopf. In eine normale Hornet passten zwei Piloten und etwa zwanzig voll ausgerüstete Soldaten. Diese war aber breiter und höher als eine normale Hornet und bestimmt kein reiner Transporter. Von denen waren hier so viele zu finden, dass die Reserveflieger in den Hangars Staub und Rost ansetzten.
Vor der Hornet auf dem Boden stand allerlei Ladegut. Fässer mit Treibstoff und Wasser, Holzkisten und Säcke mit Vorräten und große schwarze Plastikboxen, deren Inhalt er nur schwer erraten konnte.
Auf einer der Holzkisten saß ein junger Salamander, etwa in seinem Alter, in einem ölverschmierten Overall und studierte mit konzentriertem Blick die Inhaltsangabe auf einer Dose Ravioli.
Als der Salamander ihn bemerkte winkte er ihm zu.
„Bist du der Spezialist?“ rief er ihm zu.
Der Spezialist lächelte zufrieden, es kam viel zu selten vor dass man ihn einmal nicht mit Dieb anredete.
„Japp und du musst wohl der Koch sein“ antwortete er.
Der Salamander lachte, erhob sich von der Kiste und näherte sich dem Spezialisten.
„So nennte man mich wohl, aber ich bin noch viel mehr als das. In erster Linie fliege ich dieses Schätzchen hier“, er deutete auf die Hornet.
„Komm mit ich zeig dir alles.“
Und er drehte sich um und ging um auf das geöffnete Heck der Hornet zu.
„Vor dir steht eine prachtvolle Curvy-Hornet, schon etwas älter, die werden schon lange nicht mehr produziert. Früher gab es noch den Bedarf an einer Zwischengröße zwischen den kleinen Sea-Hornets und den größeren Fat-Hornets. Aber mittlerweile bauen sie die normalen Hornets einfach größer und haben die Curvy-Hornets damit obsolet gemacht. Das Schätzen hier habe ich auf einem Schrottplatz gefunden und wieder instandgesetzt, ich hab sie den gelben Albatros getauft, weil ich über die Jahre ziemlich viele Langstreckenflüge absolviert habe. So da wären wir“
Der Redeschwalle endete abrupt und er wies auf das schwach beleuchtete Innere der Hornet.
„Ladies first“
Er grinste.
   Der Spezialist betrat den Innenraum und staunte. Der Raum war unterteilt in verschiedene Parzellen und überall waren Schränke und Fächer für Stauraum eingebaut. drei Schlafkojen, eine schmale Küchenzeile mit Kochfeldern und Spüle. Sogar ein kleines Bad mit Toilette und Dusche. Funkgeräte, Kartenmaterial, Ausrüstung für alle die Gebiete aller Klimazonen. Auch ein großer Schrank mit Waffen, hauptsächlich Präzisionsgewehre, war vorhanden.
„Und gefällt’s dir?“
Der Salamander stand plötzlich neben ihm und strahlte ihn an.
„Sehr, ich hätte nicht gedacht, dass man so viel auf so wenig Platz unterbringen kann.“
„Genau und du hast längst nicht alles gesehen“
Sie gingen wieder raus und einmal um die Hornet herum.
„Die Triebwerke und Rotoren sind ziemlich neu, die haben viel Dampf und sind ziemlich effizient was den Treibstoff angeht. Die Außenhülle ist an den wichtigen Stellen gepanzert und kugelsicher gegen kleinkalibrige Geschosse. Cockpit ist kugelsicher, auch gegen größere Sachen. Treibstofftanks sind selbstabdichtend. Täuschkörper als Schutz gegen hitzesuchende Raketen, eine Speziallackierung gegen Radar und bewaffnet sind wir auch. Eine 30 mm Kanone im Turm unterm Cockpit und zwei schwere 12,5 mm Maschinengewehre starr nach vorn. Hinten oben zwischen den ‚Schulterblättern‘ ein versenkbarer Turm mit einer 20 mm Autokanone. An den Tragflächen sind Haltepunkte für Raketen und Treibstofftanks. Das wär’s glaube ich“
Der Salamander hielt inne und sah den Spezialist an.
„Ist das gut genug?“
Er grinste.
   Der Spezialist nickte, mehr als gut genug. Eine mobile Einsatzbasis hätte er sich niemals erträumt.
„Gut, dann würde ich vorschlagen, dass du nun dein Zeugs holst und ich den restlichen Krams hier einlade. Wir treffen uns hier in sagen wir einer halben Stunde. Komm aber nicht zu spät“
Der Spezialist nickte und verließ das Flugdeck um sein Gepäck aus seiner Kabine zu holen. Viel war es eh nicht: seine Thermoausrüstung, ein paar Kleider, ein paar alte Bücher und Aufzeichnungen. Er hatte nicht sehr viele Habseligkeiten. Fünfundzwanzig Minuten später stand er wieder auf Flugdeck sieben. Der gelbe Albatros war startbereit und die Leinen waren gelöst. Ein Hauch von Kerosin lag in der Luft.
   Der Salamander war gerade dabei die letzte Kiste Ravioli in den Laderaum zu tragen. Er nickte ihm zu.
   Der Spezialist verstaute seine Habe und kletterte nach vorne ins geräumige Cockpit durch wo er auf dem Sitz des Copiloten Platz nahm. Kurze Zeit später gesellte sich der Salamander zu sich und nahm ebenfalls Platz, auf dem Pilotensitz.
„Bevor wir starten müssen wir noch eine wichtige Sache klären: wie ist dein Name? Dieb oder Spezialist sind ja eher Codenamen, aber so will ich dich nicht ansprechen, sonst komme ich mir vor wie in einem billigen Spionage-Roman. Also, nenn mich Xen, das ist die Abkürzung für irgendwas ganz schrecklich Kompliziertes.“
Der Spezialist grinste, er ahnte dass er sich mit Xen ziemlich gut verstehen würde.
„Ich heiße Ted, mit vollem Namen Tadeus, aber so nennt mich keiner.“
„Gut zu wissen Ted. Jetzt gilt nur noch zu klären wo es hingeht. Man sagt du beschaffst … Dinge“
„Das ist korrekt“
„Und was beschaffst du als nächstes?“
Ted grinste und zog ein altes zusammengerolltes Pergament aus einer Tasche und hielt es Xen ausgerollt hin. Dessen Augen fingen an zu leuchten.
„Hehe, das ist vielversprechend. Schnall dich an und halt dich fest Ted, es geht los.“
Und damit dröhnten die Motoren los und der Albatros fing an zu vibrieren.
Ted lehnte sich voller Vorfreude zurück. Er spürte es, sie würden in ein Abenteuer fliegen.

*