ABC-Etüden – 6-7.22 – Nr.1 – Jagd

Heute gehen die Schreibetüden in die nächste Runde, wieder gewohnt drei Begriffe in 300 Wörtern verpacken.

Dieses Mal kommt die Wortspende von Kain Schreiber mit seinem Blog Gedankenflut, sie lautet:

Zwerg, quer, fühlen

Und bei mir geht es mal wieder zu Nathan, der letzte Woche ein bisschen Ärger mit ein paar Clowns hatte und das nicht so stecken lassen kann. Dabei sei angemerkt, dass Nathan ein Waran Tiermensch ist und die Clowns Terroristen sind, die große Teile der Welt unter ihrer Kontrolle haben, auch im lauschigen Montana in den Staaten. Die erste Episode von Nathans Abenteuern findet ihr hier.

Triggerwarnung: bissl blutig

Jagd

Nathan beobachtete das Dorf von einem Ausguck. Zum Glück hatte er sich seine Ausrüstung per Cargodrohne hier in die Berge schicken lassen. Jetzt beobachtete er jede Einzelheit durch sein Spektiv und notierte sich Sachen in sein Notizbuch. Gegen Abend gönnte er sich einen Snack, Wackelpudding mit Vanillesoße, Mjam. Dann gingen die Beobachtungen weiter. Es war ein kleines Kaff mit ein paar wenigen Läden, etwa ein halbes Dutzend Clowns lungerten in einem unbefestigten Lager Hangabwärts. Der Zwerg, der ihn so schikaniert hatte, war wohl deren Boss und führte lange Rundgänge durch das Dorf. Tiermenschen wie ihn selbst entdeckte er nicht.
In Einbruch der Dämmerung bereitete er sich vor. Dank dem Almanach, einem uralten Artefakt der Vá konnte er Objekte in einer Zwischendimension ablegen und so materialisierte sich ein Compound Bogen mit rasiermesserscharfen Breitkopfpfeilen, dazu ein Magazin für sechs Pfeile, dass sich ein verrückter Deutscher ausgedacht hatte.
Zeit zu Jagen. Lautlos stieg er hinab zum Dorf. Durch seine Pechschwarze Haut war er in der mondlosen Dunkelheit kaum auszumachen und er bewegte sich lautlos. Er jagte schon seit Jahrzehnten und wusste wie man sich geräuschlos anpirschte.
Sein Geruchssinn täuschte nicht, der Zwerg war ganz in der Nähe. Er pirschte sich durch den Wald an, den Bogen halb erhoben und den Handrelease schon eingehängt.
Da, der zwergenhafte Clown lief ein paar Meter an ihm vorbei ohne ihn zu bemerken, sonst war keiner seiner Kumpane in der Nähe. Er wartete kurz ab, dann spannte er blitzschnell den Bogen, zielte durch das Reflexvisier und ließ die Sehne los. Mit einem leisen „Twang“ schoss der Pfeil los und ging dem Clown quer durch den Hals. Mit einem blutigen Gurgeln ging der Clown zu Boden. Nathan war sofort da und steckte den blutbesudelten Pfeil ein. Er fühlte tiefe Genugtuung, als er die 800 Dollar wieder an sich nahm.

Ende Episode 2

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 20

20. Jack – September 2051 – Das Buch

„Weißt du was das tolle an eurem Haus ist? Ihr habt einen tollen großen Garten. Du glaubst nicht wie Laut Kinder schreien können. Hier ist es entspannt, auch wenn man die Großkatzen riecht. Aber tausend Quadratmeter Wohnung und kein Garten, wie doof ist das denn?“
„Soll ich dir sagen wie schweinelaut vier Babys sind, wenn sie zeitgleich ein Schreikonzert geben. Ich bin froh über die subtilen Ohrstöpsel, auch wenn mich Amber oft genug hasst weil sie nachts nach den Kleinen sehen muss, weil ich den Lärm nicht höre und weiterschlafe. Aber mein weniger Schlaf ist mir hoch und heilig. Ich hab übrigens Snacks mitgebracht.“
Er stellte das große Tablet ab. Für jede Nase, also ihn, Kaz und Wolf gab es einen saftigen großen Burger. Eine Riesenschüssel Pommes für alle und kühle Getränke. Bier für den alten Mann und Cola für den Rest. Sie langten herzhaft zu.
„Meint ihr die Unbeteiligten haben war mitbekommen?“
„Hoffentlich nicht, ich hab eine Menge Scheiße ausgeplaudert.“
„Wir werden es erfahren. Linda ist eine liebe Seele, ich möchte nicht dass sie mitbekommt wie ich meine Brötchen verdiene. Sie liebt mich tatsächlich und sie völlig fasziniert vom schlausten Waran der Welt, der mitdiskutierten kann wenn es um Kryptografie geht. Vielleicht heiraten wir nochmal. Aber so viele Enkel, das finde ich toll. Eine neue Generation. Auch wenn ihr in der Babypause seid, heißt das nicht, dass die Welt aufhört sich zu drehen. Die Clowns werden lästig. Meine Freunde leiden. Ich denke, wir sollten wieder mal eine Operation starrten, wir drei. Das hat beim letzten Mal toll geklappt. Mimik wird Nachahmer finden. Nur wissen jetzt alle dass ein offensichtlicher Krieg nicht weit kommt. Mimik wurde regelrecht von der Landkarte gestrichen. Der nächste Konflikt wird ein Schattenkrieg. Dafür müssen wir bereit sein. Wir alle. Tja der Solomon Fluch ist jetzt ein Problem. Ihr dürft eure Kinder nicht im Stich lassen, sonst wiederholt sich alles wieder. Und wir müssen sie auf den Krieg vorbereiten. Kaz du kennst die Routine und Jack du mittlerweile auch. Wisst ihr, ich fühle mich alt. Als ich zur Bundeswehr gegangen bin, gab es noch keine Smartphones und jetzt über vierzig Jahre später haben wir künstliche Intelligenzen und Raumschiffe und noch mehr Zeugs und die Toten stehen wieder auf. Kaz, deine totgeglaubten Geschwister werden Probleme machen und die KIs auch. Das ist eine Entwicklung, die mir ganz und gar nicht gefällt.“
„Ich stimme dir zum Teil zu. Aber Hal und Lara gehen in Ordnung. Sie wohnen hier auf dem Grundstück in Angestellten Wohnungen, helfen Jack und genießen ein ganz normales Menschen als Menschen, so wie sie es sich schon immer gewünscht haben. Ganz unauffällig. Ich treffe mich mit den beiden öfter mal auf einen Kaffee. Ich dachte daran ein Buch über das ganze Schlamassel zu schreiben.“
„Ist das nicht gewagt, glaubst du die Welt ist bereit dafür?“
„Ich weiß nicht, ich würde es aus meiner, Jacks und Liz Perspektive schreiben.“
„Wie soll das denn gehen?“
„Durch den Link habe ich Zugriff auf deine Sicht der Ereignisse und es ist nicht so schwer sich in Liz herein zu versetzten, ich kenne sie schon mein halbes Leben. Natürlich muss ich es aus dramaturgischen Gründen anders aufbauen und die Namen ändern. Vielleicht wird das ja was.
Ich will einfach mal was Neues ausprobieren, wisst ihr?“
„Guck mich nicht an, ich hab da nichts dagegen Dagger. Mach ruhig. Wie heißt es denn?“
„Das weiß ich noch nicht. Vielleicht etwas mit Todesgöttern. Also uns.“
„Das Osiris Projekt“
„Riskant den echten Namen für das Projekt zu nehmen, aber für Eingeweihte hat es durchaus etwas Griffiges. Also dann, lasst und anstoßen. Auf das Osiris Projekt.“
Sie hoben ihre Flaschen und klirrten sie zum Anstoßen zusammen.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 19

19. Jack – 20.08. 2051 – Es ist wie Magie

Behutsam verfrachtete er die kugelrunde Amber in seinen Omega Defender auf dem Beifahrersitz. Und Sahid machte gleiches mit Akira, die nicht weniger rund war. Nach ein paar Minuten saßen sie zu viert im Wagen.
„Wessen Idee war es das ihr genau gleichzeitig schwanger werdet? Und dann auch noch ausgerechnet mit Zwillingen?!“
Amber und Akira waren verlegen und Sahid sah unglücklich aus dem Fenster.
Versehen oder Schicksal, in wenigen Wochen würden vier lärmende Säuglinge das ganze Haus zusammenschreien, er und Sahid hatten bereits Vorratsladungen an Ohrstöpseln besorgt.
Er hatte sich mit dem Araber eng angefreundet. Eigentlich waren sie vier eine große Familie und kamen sehr gut zurecht. Und dann gab es noch die größere Familie zu der sie jetzt fuhren.
Es hatte etwas Komisches. Jetzt plötzlich waren alle schwanger oder mit Kleinkindern unterwegs.
Klara hatte einen zweijährigen Sohn mit Ralf, der Gott sei Dank keine Memme mehr spielte. Mittels Kaiserschnitt war ein gesunder Junge geboren worden. Er hieß Kasper.
Emily hatte es probiert aber bei ihr waren alle Versuche einer künstlichen Befruchtung fehlgeschlagen. Yusuf hatte eine Tochter mit Nadja, sie hieß Yara und war ein Jahr alt.
Bei seiner Mutter Anna war es kompliziert gewesen, aber jetzt hatten sie auch eine Lösung für Emilys Problem, ein völlig neues medizinisch Verfahren und Anna trug den Embryo, der genetisch zwei Mütter und einen Vater haben würde.
   Ach ja, er selbst fühlte sich sehr unwohl, dass er seine Freundin mit seinem komischen Körper geschwängert hatte, er …
„Wie lange sollen wir denn noch in der Einfahrt stehen, sag nicht du hast deinen Schlüssel vergessen! Mir ist warm, mach den Mülleimer an!“
Amber war hochschwanger immer wieder liebreizend. Es war aber auch wirklich warm heute.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss und der fette Motor dröhnte satt. Er ließ den Motor ein bisschen laufen und schaltete die Klimaanlage ein. Der Motor schluckte auf hundert Kilometer satte zwanzig Liter, Diesel pur, den bekam man mittlerweile hinterhergeschmissen. Allerdings produzierte er auch Wasserstoff und satt Strom, Atomreaktor im Keller sei Dank.
   Und er hatte die Strahlenwerte gemessen. Wenn er den Geigerzähler auf den Reaktor stellte hatte er weniger Strahlung als bei einem normalen Flug über den Atlantik. Schon krass. Trotzdem waren die Wände dick und strahlengesichert.
   Dann fuhr er langsam vom Grundstück. Und fuhr die Straße entlang zum Platz der Nationen eins.
Bedächtig fuhr er die Tiefgarage herunter und parkte neben dem fetten Omega Avenger von Kaz. Einen X8 für maximalen Exzess. Und daneben ein X5 für den Alltag. Und die beiden fetten Anhänger.
Neben dem im Gegensatz zu den anderen beiden Monstern echt günstigen roten Lamborgini Sián hielt er an und half seiner Freundin aus dem Wagen.
„Wehe einer von euch platzt etwas wenn wir nach oben düsen!“
Die Fahrstuhlfahrt verlief zum Glück ohne Probleme. Und oben wurden sie schon erwartet.
Karl begrüßte sie vor Freude wie wild züngelnd, er war anscheinend noch größer geworden. Und er führte sie ins Innere der Wohnung.
   Alle waren da und erwarteten die beiden hochschwangeren Geburtstagskinder.
Wolfgang mit seiner neuen Freundin Linda, Kaz neben einer müde wirkenden Emily und einer runden strahlenden Anna. Klara mit Ralf und Kasper, Yusuf mit Nadja und Yara, Xen und Tamara und ihre vier Kinder, die nach Alter sortiert höflich auf einem Sofa saßen.
   Sie nahmen auf den vielen Sofas Platz und der junge Panther Max, den Amber ihrem Vater geschenkt hatte strich um ihre Beine, er war ganz lieb und noch ganz schön klein. Trotzdem hatten die Kinder einen Mordsrespekt vor dem Vieh und vor Karl, der locker dreieinhalb Meter lang war.
„Es freut mich so sehr dass ihr alle heute an diesem Tag wieder hergefunden habt. An diesem Tag haben wir alles verloren, aber uns auch wieder gesammelt als Familie gefunden und das hat uns stark gemacht. Und bald werde ich tatsächlich sowohl Opa als auch Vater, mit Mitte Vierzig, der Familienfluch hat mich getroffen wie es mir scheint. Herbert wäre jetzt Uropa. Wir sollten auf den Alten anstoßen und sein großes schweres Erbe. Auf Herbert Solomon.“
Sie stießen mit ihren Gläsern an. Und Lien und Merlin servierten Kuchen und besonders die Kinder freuten sich. Sie mampften den tollen Kuchen und Amber strich bedächtig über ihren Bauch.
Vater mit Anfang zwanzig, schon ziemlich krass, aber sie hatten sich abgesprochen und schon Personal eingestellt um die Kleinen so gut es geht begleiten zu können. Sie hatten sogar einen tollen Spielplatz und eine eigene Badestelle direkt am Wasser. Vom unterirdischen Schwimmbad und den Kletterwänden gar nicht zu sprechen. An denen übte Akira wieder klettern wenn sie nicht gerade kugelrund war. Amber hatte ihre Ausbildung mit Bestnoten bestanden und hatte ein Rudel Großkatzen im Zoo in ihren Bann geschlagen. Das Mädchen war die Sensation des Zoos. Wie Tiger und Löwen mit ihr herumtollten und spielten war unglaublich. Er dachte daran dass Wolf sie als geborene Führerin bezeichnet hatte, vielleicht ja für wilde Raubkatzen. Zuhause hatte sie immerhin noch Lucy und Panther Moritz, für ein Zuchtprogramm. Genehmigungen waren alle da und das Gehege war artgerecht und ziemlich groß. Sie würde aber fürs erste einmal Mutter spielen.
Und er ging Arbeiten. Nicht dass er Geld brauchte, aber was sollte er denn sonst mit seinem Leben machen wenn er nicht mehr als drei Stunden schlief und alles super schnell und effizient abarbeitete?
   Er war im dritten Jahr an der Akademie, die einen sehr hohen Praxisanteil hatte. Die Ausbildung ging im Regelfall fünf Jahre, aber dann hätte er den Master der Architektur und Simon war sein Mentor geworden und er lernte so viel von dem alten Herrn. Für den Master hatte er geschummelt und sich das Umbauprojekt für den Horizon Konzern zurechtgelegt. Emily war hin und weg von seinen Entwürfen gewesen und hatte das so durchgeschubst. Jetzt sah alles aus wie eine moderne Neuinterpretation einer riesenhaften mittelalterlichen Burg mit Cyber-Anleihungen. Außen Backstein mit Türmen, Wehrgängen und Zinnen innen Hightech vom Feinsten. Passte auch hervorragend zur Bruder- und Schwesternschaft.
   Er war sich sicher dass er das Zeug dazu haben würde in Emmas Fußstapfen zu treten, auch wenn dahin noch ein langer Weg führte. Mit Mitte zwanzig wollte er keinen Konzern leiten. Er übte aber schon mal den richtigen Rhythmus und hatte mit Simon abgemacht, dass er zu etwas unüblichen Stunden und viel von zuhause arbeiten würde.
   Und er malte mit großer Begeisterung. Er probierte sich aus, aber digital, Airbrush und Öl waren seine Favoriten. Seine Ölschinken gingen weg wie warme Semmeln und die Drucke seiner digitalen Sachen brachten ihm ein gutes Sümmchen ein. Für Das Kilo sündhaft teurer Schokolade, dass er wöchentlich mampfte reichte es allemal. Amber beneidete ihn darum, dass er alles essen konnte. Aber es ekelte sie an dass er Zwiebeln und Zwiebelschmalz pur aß. Er löffelte das Zeug mit Genuss wie sie Eiscreme verputzte.
   Und er traute sich nicht so recht durch den Alltag. Die Armaturen im Bad hatten Anzeigen für die Wassertemperatur. Das war wichtig, denn wenn er das Wasser für angenehm empfand, hätte er auch mit dem Wasser gleich noch Nudeln kochen können.
   Kochen. Tja, er hielt sich streng nach Rezept und schmeckte nicht ab und hoffte, dass es keinem Auffiel, seiner Zunge war nicht mehr zu trauen. Ab und zu ging er komplett baden, aber oft genug lobte seine Freundin ihn für das tolle Essen. Und glücklicherweise kochte Amber besser als er und sie hatten Merlin im Haus, an den kam nichts heran. Aber der kochte auch für Akira und Sahid, also mussten sie sich absprechen oder zusammen essen. Meist aßen sie zu viert an der großen Tafel und ließen sich vom Meister bekochen. Zu zweit in ihrer großen Küche zu essen war etwas einsam, das machten sie eigentlich nur dann wenn die anderen nicht da waren oder Merlin frei hatte, aber selbst da kochten sie lieber gemeinsam. Das war wohl eine ziemliche Fehlplanung, aber das Sprach für das Konzept der Lounge. Dort verbrachten sie erstaunlich viel Zeit. Und Sahid hatte sein kleines Testpublikum für seine Witze. Er spielte gerade sein zweites Bühnenprogramm und war solide erfolgreich. Aber er trug damit nicht den Haushalt. Was Akira allein an Makeup verschleuderte …
So viel zu bescheiden und klein.
   Und Amber bekam er von den Pelzen nicht los, mittlerweile trug sie auch dicke Mäntel wenn es nicht kalt war. Sie war jetzt groß, war gewachsen und er musste sich nicht mehr bücken wenn er sie küssen wollte. Ihre Zwillinge waren beides Jungs und sie hatten ausgemacht dass jeder sich einen Namen aussuchen dürfte. Jacks Idee war es seinen Urgroßvater Nomad zu ehren und nannte den einen Sohn Ben und Amber wollte den anderen Artur nennen. Merlin hatte sich sehr gefreut.
Akira und Sahid waren sich noch nicht einig, aber bei ihnen waren es auch zwei Jungs. Akira würde den einen nach dem Protagonisten aus ihrer Lieblingsspieleserie Uncharted benennen: Nathan. Sahid brütete noch über arabischen Vornahmen. 
   Es läutete an der Tür und sie sahen sich an. Wer war denn das wieder. Er und Kaz gingen zur Tür.
Ein Mann um die sechzig in einer Butler Uniform und eine junge Frau in einem sehr altmodischen Kleid.
„ja bitte. Was möchten sie?“
„Oh entschuldigen sie bitte die Störung Sir, aber wir möchten uns vorstellen. Mein Name ist Albert Falkenstein und das ist meine bezaubernde Frau Lara Falkenstein. Ganz zu ihren Diensten die Herrschaften“
Der alte Sack war doch mal spielend dreißig Jahre älter als die Frau, dass sowas überhaupt erlaubt war. Er fühlte wie sich in Kaz etwas regte.
„Hal, Lara, seid ihr das? Wie ist das möglich?“
„Das wissen wir nicht genau, aber es ist wie Magie“

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 18

18. Kaz – Januar 2047 – Besuch bei Freunden

Die Clowns waren wieder da! Aber nicht so offensichtlich und man machte es ihnen schwer. Aber sie verübten Anschläge auf die Zivilbevölkerung. In Berlin Solomon war es hingegen relativ sicher.
Die Winter wurden wieder sehr kalt, auch wenn ihm das nichts ausmachte. Allerdings sah es komisch aus wenn er bei minus fünfzehn Grad in T-Shirt und Shorts herumlief und seine Frau Anna in dicke Jacken oder Pelze eingepackt war. Stattdessen trug er einen dicken Wollmantel und hatte sich bei ihr eingehakt. Sie besuchten die Kinder. Trotz all ihrer Mühen und Flehen und Betteln waren sie vor wenigen Wochen in das tolle neue Haus eingezogen, dass Jack hatte bauen lassen. Das war irre schnell fertig geworden. Und eine vierköpfige Bande sehr junger Erwachsener in einer Renaissance Festung wie es schien. Jetzt war es zuhause sehr leer in der Riesenwohnung. Nur noch Er seine Frau Anna, seine Freundin Emily, Yusuf und Nadja und Wolf. Klara und Ralf waren ein Paar und sie waren ausgezogen in das Haus, das Jack für sie hatte bauen lassen und es war auch groß Genug für Wolf und Karl. Ralf durfte die Rolle des weinerlichen Waschlappens ablegen und er war sehr dankbar. Er machte einen exzellenten Job als Vize Chef.
   Seine drei lieben Mädchen sahen nach dem Mimik Vorfall sehr unheimlich aus und Emily hatte es ein bisschen zu ihrem Image gemacht. Seit drei Monaten war sie der neue CEO von Horizon und Änderungen erlassen, die die Sicherheit des Unternehmens betrafen. Und Horizon Brandenburg wurde noch mehr zu einer Festung umgebaut. Zumindest war das der Plan. Noch warteten sie auf die Freigaben der Bundesregierung.
   Anna war ganz in weiß und rot. Eine rote Wollmütze und Schal, ein schneeweißer Pelz mit Kapuze. Weiße Stiefel und rote Handschuhe. Er liebte sie sehr und ihre Hochzeit im Oktober war völlig schneeweiß gewesen. An ihre künstlichen Beine hatte sie sich gewöhnt, eigentlich konnte sie Barfuß gehen, aber sie mochte es nicht sehr und die Menschen guckten dann nur. Aber bei roten Augen starrte jeder sie entgeistert oder neugierig an. Emily und Amber traf das gleiche Schicksal. Zusammen mit der auffälligen Gesichtstätowierung in schwarz und rot. Die war Gott sei Dank nicht so heftig wie bei Liz als Cyborg. Emily hatte eine Hassliebe mit ihrem Körper. Sie hasste es daran erinnert zu werden, wer sie malträtiert hatte und auf der anderen Seite liebte sie es in ihren Lieblingsfarben weiß und rot herumzulaufen und sie fand nach anfänglichen Schrecken die vollen weißen Haare toll.
„Da, wir sind gleich da!“
Er entdeckte ein paar Kilometer entfernt den gemauerten Wachturm des Anwesens. Jack hatte erzählt dass Sahid das als Arbeitszimmer verwendete. Weit ab vom Rest und der Ausblick über die Stadt war ein Quell der Inspiration. Jack spürte er gerade in einem Atelier wo er mit Öl eine tolle Burg malte, die ihm bekannt vorkam. Er drehte sich um. Hinter ihnen lief Emily mit Lucy an der Leine. Selbst die Großkatze fröstelte bei der Kälte. Emilys Outfit passte zu Anna. Im Schnee waren sie kaum zu unterscheiden. Nur trug Emily weder Handschuhe noch Stiefel, die brauchte sie nicht.
Nach einer Dreiviertelstunde waren sie da und Kaz läutete unten am Tor. Ihnen wurde geöffnet und sie schlenderten staunend über das große Grundstück. Das war eine Echte kleine Burg. Mit drei Ringen und Verteidigungspositionen gegen Angreifer. Im Schnee sah das alles so friedlich aus.
Im ersten Ring traten sie durch die schwere Pforte und landeten sie im Innenhof. Die Zufahrtswege und der Platz waren schneefrei. Kaz kniete sich hin. Der Boden war ja richtig warm. Ein Platz mit einer Fußbodenheizung, was es nicht alles gab. An der Tür erwartete sie eine etwas bibbernde Amber, die sie hereinbat und die große Leopardin begrüßte.
„Oh man toll das ihr endlich da seid. Kommt rein. Wir haben schon alles vorbereitet und ihr seid pünktlich für das Kaffeetrinken und Gebäck. Wir haben viel zu viele Plätzchen in der Weihnachtszeit gebacken. In der tollen neuen Küche die Jack eigenständig gezimmert hat. Ich bin so stolz auf ihn, alles funktioniert gut und ich mag die Formen und Farben. Nun kommt schon, da ist die Garderobe.“
Sie entledigten sich der dicken Sachen und gingen in eine Wohnung? Wohnzimmer, Speisebereich und Küche mit Bar in einem. Das füllte das Erdgeschoss.
„Willkommen in der Lounge. Hier treffen wir uns, wenn wir gemeinsam etwas machen. Kochen, Essen, Spielen und entspannen und so weiter. Oben sind unsere Wohnungen, die sind nicht beengt, aber nicht für so viele Personen gedacht. Kommt nehmt Platz ich serviere euch die Getränke, was darf es denn sein?“
wenig Später balancierte Amber ein Tablet mit drei Bechern Milchkaffee und einem Teller mit Plätzchen und Keksen. Emilys und seine Hand trafen sich über den Shortbreadfingers. Er ließ ihr den Vortritt. Emily trug eins der tollen Kleider, die er für sie entworfen hatte. Es stand ihr ausgesprochen gut. Die beiden Frauen ärgerten ihn seit Monaten mit dem exakt gleichen Haarschnitt. Beide hatten einen kurzen Bob in schneeweiß. Stand ihnen gut auch wenn er gerade Annas tolle türkisfarbene Augen vermisste. Amber hatte kurze gegelte Haare. Sie hatte es aufgegeben mit ihrer langen Zottelmähne.
   Und sie wollte nicht mehr färben. Jetzt sah sie aus wie kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland vor fast zwei Jahren. Siebzehn Jahre war sie jetzt alt. Und sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Darüber war sie sehr stolz.
„Für dich nichts?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Das mache ich, wenn die anderen hier eintreffen. Jack ist noch beschäftigt und Akira hat Therapie. Tut mir leid, das war schlecht von uns getimed. Macht‘s euch bequem. Wir haben im Schrank hinten Pelz- und Wolldecken, wenn ihr es euch bequem machen wollt.“
Emily, die Pelzliebhaberin schlechthin, lehnte erstaunlicherweise dankend ab. Anna hingegen wünschte sich eine flauschige Decke, die sie prompt bekam.
„Ich freu mich so über euren Besuch. Das ist das erste Familientreffen im neuen Haus. Ah da kommt Jack.“
Ein paar Minuten später erschien ihr Freund mit legerer Kleidung und setzte sich neben Amber aufs Sofa und küsste sie sanft.
„Papa, Mama, Tante. Ich werde die Schule abbrechen und ein Lehre zur Tierpflegerin starten. Mit dem Praktikum im Zoo konnte ich sie total überzeugen und sie nehmen mich für die Stelle mit Handkuss. Ich kann‘s halt mit Tieren stimmt‘s Lucy?“
Die riesige Schmusekatze legte sich schnurrend vor Amber auf den Boden. Kaz war total baff.
„Aber liebes, Schule ist doch auch wichtig, was ist wenn du später etwas anderes machen willst und keinen Schulabschluss haben möchtest.“
„Erstens hast du mir achtzig Millionen vererbt und Jack hat fast zweihundert Millionen. Und zweitens will ich das machen und zwar jetzt. Irgendwer muss sich schließlich um die Katze kümmern. Vielleicht sogar Katzen, Klar regelt da so ‘ne Sache über die ich gar nicht sprechen darf. Aber ich freu mich.“
„Aber ich bitte dich, wir …“
Jack hob die Hand.
„Vergiss es, ich hab mit ihr oft genug gesprochen, keine Chance. Da ist übrigens Akira.“
Sie drehten sich um und Akira schoss mit ihrem Rollstuhl in den Raum und parkte geschickt in den Raum. Sie trug eine Wollmütze, Pulli und Leggins.
„Ist das schon die Haut?“
„Ne die ist unten drunter seit ein paar Monaten. Leiden musste ich trotzdem, aber es wirkt echt. Guckt mal!“
Sie wackelte mit den Zehen. Jubel brach aus. Dann war die viertel Milliarde ja zumindest nicht ganz für die Katz gewesen. Indirekt landete es bei Horizon und ihr würde in einigen Jahren der ganze Megakonzern gehören, also war das nicht so schlimm.
   Sie gab sich trotzdem recht bescheiden und ruhte sich nicht auf ihrem Erbe aus. Und sie arbeite hart an den Reviews und sie Streamte erfolgreich. Mittlerweile rentierte es sich für sie durchaus. Und sie bettelte nicht um Geld, schaltete keine Werbung und die Sponsorengelder und andere Einnahmen spendete sie für gemeinnützige Zwecke. Damit machte sie sich ganz gut beliebt.
Leben tat sie von den Zinsen ihres wachsenden Vermögens. Sie hatte ihm versprochen, das Gaunerleben sein zu lassen. Aber er würde sie mit Yusuf auf Schatzsuche gehen lassen, wenn sie vollständig genesen sollte. Darauf freute sie sich. Ein Meisterdieb und seine Schülerin.
   Und er und Ripper, den er schon ein bisschen wie einen Sohn sah. Er kam ganz nach ihm und er war stolz wie man stolz sein konnte. Nach der Blamage im Herbst 2045 hatte sich der kleine fein gemacht und war zu einem echten Solomon geworden. Ganz wie Tooth und Nomad. Und wie er.
„So die Getränke.“
Merlin war aus der Küche gekommen und servierte Getränke für den Rest und noch mehr Kekse.
„Jack ich habe gehörst du malst jetzt mit Öl? Wirst du deine Sachen verkaufen?“
„Uh, ich hab mal ein paar Fotografiert und Galerien gefragt ob die sowas ausstellen wollen. Das Kulturstadion in Solomon zeigt sich interessiert. Mal gucken ob das was wird. Ich mal halt Gebäude und so impressionistisch in verschiedenen Baustilen.“
„Darf ich mir das nach dem Essen mal angucken?“ Kam es von Emily.
„Sehr wohl, ich hab eine eigene kleine Galerie und mein Atelier, ich führ dich nachher hin.“
„Was gibt es denn?“
„Merlin hat einen tollen Sauerbraten in der Röhre. Dazu selbstgemachte Klöße, Rotkohl und Soße und Weißbier für alle.“
Anna frohlockte und schmiegte sich eng an ihn. Emily auf der anderen Seit ebenso.
„Wisst ihr, ihr drei seid so süß und das passt so gut. Auch wenn mir Papa ab und zu etwas leidtut. Ich finde ihr solltet es probieren nochmal Kinder zu haben, mit moderner Medizin heutzutage sollte das noch möglich sein. Wenn ich die Ausbildung fertig habe ich einen dringenden Kinderwunsch und den hat Akira sowieso, aber ihr Körper braucht Zeit zum heilen. Und ich glaube Lucy ist traurig, dass sie ganz allein ist.“
„Halt Moment, ich will nicht mit Mitte Vierzig noch Opa werden, das geht mir zu schnell und ich hab Emily eine Weltreise versprochen, die will ich nicht machen wenn ich sechzig und kraftlos bin.“
„Du mit deinem Superkörper wirst niemals Kraftlos. Ich hatte zwar Schmerzen, aber ich hab in Sibirien alles gesehen. Du hast drei Cyborgs nackt mit einem Messer besiegt, wo man euch vorher völlig demoliert hatte, mit Waffen und Kampfanzügen. Erzähl mir doch nichts Superman.“
„Ich kann keine Laser mit meinen Augen verschießen und fliegen kann ich auch nicht.“
„Aber für unsere Welt seid ihr einfach nur unnatürlich stark, schnell und sterbt nicht. Dir hat man ins Herz gestochen und Jack wurde von Kugeln durchsiebt und ihr lebt beide ohne einen Kratzer. Das ist doch absurd.“
„Wäre es euch lieber, wenn wir nicht gekommen wären?“
Kam es von Jack.
„Nein das will ich gar nicht sagen, ich finde es nur so komisch. Es passt nicht in diese Welt?“
„Wie bitte? KIs die Konzerne leiten und wie Menschen sein wollen, Raumschiffe, Weltraumfahrstühle, Kolonien auf dem Mond und dem Mars, Augmentierungen, Cyborgs, Schlachten zwischen Mechs und Panzern, Tote die wiederauferstehen. Soll ich weitermachen?“
Amber biss sich verlegen auf die Unterlippe.
„Nein alles gut Schatz, das war dumm von mir. Ich bin froh dass die echte Mara und die echte Liz wieder da sind. Und das ich mit Tieren reden kann … irgendwie. Ich weiß es nicht. Und das ihr drei euch so viel zu verdanken. Wo ist eigentlich Wolf?“
„Der spielt mit Karl, der Waran kann jetzt sprechen und lernt hacken.“
„Wie ist denn das zu verstehen.“
„Karl hat ja einen Link und Ich bin auf die Idee gekommen ein Prism mit Karls Link zu koppeln, was ein bisschen kompliziert war. Und ich habe eine Stimme für ihn ausgesucht und jetzt kann er über sein Prism sprechen. Da läuft ein Lara Klon drauf, also kann der Waran mit etwas Geschick sich damit in Netzwerke und Computer einklinken. Wir haben ihm ein Geschirr mit Smartphone, Lautsprechern Sensoren und einer Powerbank gebastelt. Wusstet ihr, wie scheißviele Messwerte man über einen Link bekommt? Das ist völlig absurd. Er hat das Prism 13 mit nochmal mehr Power und er fühlt sich gut. Er freut sich, dass er ohne seinen Code und ohne Sandtisch sprechen kann. Und Wolf hat Freude daran mit Karl verschiedene Sachen zu testen und zu filmen. Er hat sogar einen Youtube Kanal und jedes Video hat Millionen von Klicks. Das ist bizarr.“
„Kann Lucy das auch bekommen? Büdde büdde!“
„Das ist nicht immer so lustig wie es sich anhört. Wir testen es erstmal in Ruhe mit Karl bevor wir Lucy irgendetwas bauen, außerdem frag doch Akira, die bastelt auch gerne.“
Akira rollte mit den Augen, als Amber sie flehend ansah.
„Wie wäre es mit nein, Sis!“
Jack tröstete Amber und sie tranken schweigend ihre Getränke.
Beim Essen unterhielt sich Jack ausgelassen mit den anderen über das Haus, seine Zukunftspläne und das Malen. Merlin war nach wie vor ein erstklassiger Koch und das Essen hervorragend.
Die Stimmung war angenehm und alle aßen herzhaft und tranken prickelnd kühles Bier. Anna war begeistert, sie liebte die Küche ihrer Heimat Bayern.
Er fürchtete dass die Kindersache nicht überstanden war.
Sollten sie es wagen?

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 17

17. Emily-Jack – Juni 2046 – Das Haus

Die Sonne weckte Emily und sie rollte sich auf den Rücken. Eigentlich wollte sie gar nicht raus. Nein eigentlich wollte sie sich wieder unter die Decken verkriechen und ihr hässliches Antlitz für immer vor der Welt verstecken. Jetzt waren sie alle ganz merkwürdig.
   Sie streckte die Arme in die Höhe. Nicht nur zwei künstliche Beine sondern jetzt auch noch zwei künstliche Arme. Und der Mist, den man ihr eingeflößt und dauerhaften Schaden hinterlassen hatte nicht zu vergessen.
   Sie erhob sich und ging ins Bad, sie musste mal. Im Badezimmerspiegel strich sie missmutig über die kurzen, dicken, schneeweißen Haare, die wuchsen jetzt auch schneller. Dazu kalkweiße Haut und blutrote Augen. Und das ging nicht mehr weg hatte sie sich von Ärzten sagen lassen, aber immerhin war sie noch kerngesund. Also noch mindestens sechzig Jahre Leben als Vampir. Interessanterweise war sie nicht empfindlich gegenüber der Sonne.
   Ach ja, Anna und Amber hatten dasselbe Schicksal erlitten. Jetzt waren sie eine Albino Familie. Und Kaz war sehr merkwürdig. Nicht nur das er noch größer als vorher war, sein Verhalten war sehr sonderbar. Wenn er duschte, war das Badezimmer danach die reinste Dampfsauna. Er aß komische Sachen und schlief praktisch nicht mehr. Einmal hatte sie ihn erwischt wie er in eine Zwiebel biss, wie andere in einen Apfel. Und Kartoffelschalen waren seine neuen Chips. Und noch tausend andere Sachen.
   Die Welt hatte sich ein bisschen von dem Mimik Angriff erholt und Russland war immer noch ziemlich im Arsch und wurde von Europa und der USA aufgepäppelt. Mimik war ausradiert und in Sibirien gab es jetzt ein paar sehr große Krater. Die Russen hatte es nicht gestört.
   Unten erwartete sie Lien, die sich von den Verletzungen ihrer Hände erholt hatte und sie bereitete ihr eine Mahlzeit. Es war Juni, es war sonnig und warm und alle waren draußen, außer Emily und Amber und Anna. Letztere bastelte an ihren Brettspielen mit Benj. Sie hatte sich von den schweren Wunden gut erholt. Und Amber spielte natürlich mit Lucy.
   Die mittlerweile recht große junge Leopardin knabberte an Ambers künstlichen Arm.
Jetzt waren sie alle drei Krüppel und Augmentierte. Horizon hatte alles großzügig gesponsert.
Sie knaberte an ihrer Unterlippe. Die Tür öffnete sich und Kaz trat ein.
„Nah, was grübelst du?“
„Naja, ich sehe jetzt fast so aus wie die alte Liz und passe Farblich ganz wunderbar zu Horizon. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, den Konzern wieder zu leiten, mit einem fitten Ralf an meiner Seite natürlich. Ich weiß ja noch wie das geht, ich stand lange genug da oben an der Spitze. Nur dieses Mal ohne den Mist mit der Glatze. Aber ich lass das bisschen Gesichtstätowierung da. Kannst du mir was schickes designen was nicht nach Gesichtsloser aus deinem Buch aussieht?“
„Das lässt sich machen. Das heißt aber, dass du wieder keine Freizeit hast.“
„Weißt du ich glaube es scheint mein Schicksal zu sein irgendetwas zu leiten. Und dieses Mal bin ich fit und gesund, von den Amputationen und der Farbgebung mal abgesehen. Ich würde mir nur von euch, meiner tollen Familie wünschen, dass ihr mich vielleicht ein bisschen entlastet.“
„Wir werden dich von vorne bis hinten verwöhnen.“
„Nicht zu sehr, mit geht der ganze Luxus auf den Keks. Ganz ohne geht leider nicht, aber du hast mir noch eine tolle Weltreise versprochen. Die können wir Etappenweise machen. Und ich will endlich mal mit euch Zelten gehen oder euch auf eure Abenteuerurlaube begleiten. Oder naja, wann bekommt Akira die Haut, diesen Nanoanzug?“
„Ende August. Und dann trägt sie die praktisch für immer bis sie weggeht, so ganz hab ich das nicht geschnallt. Und ist ordentlich teuer. Wir haben alle zusammengelegt und die Summe von 260 Millionen Euro berafft. Akira ist schon ganz aufgeregt. Ihre Gesundheit ist ihr wichtiger als Geld und ich finde das ist die richtige Einstellung. Ich bin gespannt auf wie viele Kinder sie sich mit Sahid einigen wird. Jedenfalls will sie ganz anders als Johnny sein und sie hat schon alles durchgeplant und macht es so, dass sie ganz viel Zeit mit ihren Kindern verbringen kann. Jack hat mir da schon so eine Kleinigkeit gezeigt. Er hat ja dieses Wahnsinnsgrundstück an der Havel geerbt. Der Junge kommt ganz nach seiner Mutti und seinem Großvater. Der wird ein toller Architekt, da bin ich mir sicher.“

*

Auf was hatte er sich da eingelassen? Jack radelte durch Berlin Solomon auf dem Weg zum Würfel. So hieß das exakt würfelförmige Gebäude mit dreißig Meter Seitenlänge, wo das Architekturbüro lag, dass sein Großvater Herbert vor etwas vierzig Jahren gegründet hatte. Naja Büro nicht, eher Konzern.
Solomon Industries. Siebzehn internationale Büros weltweit und eine Baufirma im eigenen Haus. Die machten alles. Von der ersten Skizze, über Fundamente gießen, Fliesen legen, IT einrichten und so weiter.
   Und die Akademie. Ein Mix aus Berufsschule und Universität. Die ähnelte einem dieser DDR Schulbauten, nur locker zehnmal so groß. Und am nördlichen Ende von Berlin Solomon befand sich das ganze Gelände. Er war gespannt.
   Hatte er erwähnt, dass ihm sein Opa alles vermacht hatte? Sein Lebenswerk in seine achtzehnjährigen Hände. Er wusste es zu schätzen. Bisher hatte er das Riesengelände nur aus der Luft oder auf Bildern betrachtet. Hoffentlich fand er jemanden, der sich seiner annahm. Er hatte sich bestens vorbereitet, hoffte er.
   Da kam endlich der verglaste Würfel in Sicht. Dazu zahllose Anbauten, Die Akademie und dahinter der Eingang zum Bauhof wo unter anderem eine lange Reihe Liebherr und Volvo Bagger parkten.
Vor dem Eingang des Konzerns machte er sein Rad an einer Laterne fest und prüfte den Sitz des Schlosses. Das Schloss hatte mehr gekostet als das schrottige Fahrrad. Eigentlich würde das auch ohne Schloss keiner klauen wollen, aber in diesen Zeiten wollte er nicht sinnlos durch die Gegend rennen. Ehrfürchtig öffnete er die Tür des Portals und trat ein. Eine Halle, nein ein Lichthof der den Würfel durch schnitt. Interessiert achtete er auch die architektonischen Details. Sehr cool.
In der Mitte stand eine überlebensgroße Statue, die Herbert und Emma Solomon zeigte. Er schluckte bei dem so realistischen Antlitz seiner toten Mutter. Bald waren sie und Johnny und seine Großeltern ein Jahr tot. Zeit vergeht schnell. Und was sie nach den Anschlägen alles zusammen erlebt hatten würde Bücher füllen.
   An einer Seite war eine Sicherheitsschranke und auf der anderen Seite eine Anmeldung, wo eine gestrenge Dame ihn misstrauisch beäugte. Er trat näher.
„Nanu junger Mann, müsstest du nicht in der Schule sein? Du siehst für einen Studenten zu jung aus.“
„Ich möchte ein Haus bauen, an wen muss ich mich wenden?“
Die Dame lachte herzhaft.
„Dann nimm doch Bausteine. Veralber mich doch nicht. Wie sind ein ernstes Unternehmen, wir gehen nicht auf Spielereien von Kindern ein.“
Sie klopfte mit einem Aluminiumkugelschreiber auf dem Tisch herum. Sie löste ein Kreuzworträtsel in der Zeit. Über den Alpha Link bekam er Wolf mit, der auf dem Klo versunken das gleiche Rätsel löste. Und er fühlte das Gefühl von Emilys roten Lippen auf seinen, als Kaz sie knutschte. Karl saß hinter Emily und guckte unter ihren Rock und frohlockte während Lucy an Ambers Bein knabberte.
Dieser Link war doch dämlich, er bekam alles mit was die anderen Idioten und diese dämlichen Haustiere anstellten. Die ersten Wochen hatte ihn das wahnsinnig aus der Fassung gebracht, jetzt geht es einigermaßen.
„Junger Mann, hörst du schlecht? Geh und treib deinen Schabernack woanders.“
Das Geklopfe dieses Stiftes ging ihm echt auf den Sack. Vielleicht sollte er ihn in ihrem Auge versenken, vielleicht hielt sie dann den Rand. Aber das war hinderlich bei seinem Vorhaben.
„Es ist mir ernst, ich will ein Haus bauen. Ich hab die CAD Pläne und ein paar Skizzen bei mir.“
„Ich bitte dich, geh bitte, sonst muss ich leider den Wachdienst verständigen.“
„Noch ein Wort und ich lasse sie feuern.“
„Na wie redest du denn mit mir. Wie ist dein Name, ich verständige jetzt sofort dein Eltern.“
„Na schön, dann eben auf die harte Tour. Jack Solomon, Sohn von Emma Solomon und Enkel von Herbert Solomon, dem Gründer von Solomon Industries. Der hat mit diesen Saftladen auch vermacht. Würden sie mir bitte ihren Namen und die Nummer der Personalstelle mitteilen?“
Die Dame erblasste und griff nach dem Telefonhörer. Sie nuschelte den Namen Simon in den Hörer, das sollte er natürlich eigentlich nicht mitgehört haben. Er hatte recherchiert. Simon war Herberts Partner seit Beginn des Unternehmens. Endlich jemand mit Fachkompetenz.
   Ein paar Minuten später erschien ein untersetzter grauhaariger Mann mit Halbglatze um die sechzig im Foyer und trat auf ihn zu. Jack wurde mit einem kräftigen Händeschlag begrüßt.
„Gestatten Simon Hirschweg. Ich bin hier der temporäre Leiter bis … naja bis du die Leitung hier übernimmst. Ich habe gehört du willst ein Haus bauen und hast die Pläne gleich mit. Komm mit wir gehen in einen der großen Säle. Dort haben wir auch die Möglichkeiten für einen VR Rundgang.“
„Super ich hab alles mit. CAD Dateien, VR Rundgang und Skizzen.“
„Und du bist achtzehn? Und der Sohn von Emma, ich bin gespannt.“
Jetzt war Jack ein ganzes Stück aufgeregt. Auf den Tag hatte er seit Wochen gewartet. Nach den endlosen Gesprächen mit Sahid, Akira und Amber hatte er ein bisschen gezaubert.
Sie betraten einen großen Raum, wie einen Hörsaal mit einem laufenden Beamer. Sie setzten sich auf einen der Ränge nebeneinander und Jack schloss seinen Laptop an den Beamer. Er machte ein paar Einstellungen und öffnete die Präsentation mit seinen Skizzen und Bildern, die er vorbereitet hatte.
Erst die Ganzsicht des Grundstückes aus verschiedenen Perspektiven und dann Detailbilder. Er hatte mehrere Tage und Nächte am Grafiktablet gesessen. Jetzt war er gespannt.
„Mhm, interessant. Renaissance, das ist natürlich das komplette Gegenteil von Emma und Herbert. Großes Grundstück, alle Achtung. Ich weiß noch die Diskussion mit Herbert als deine Mutter es unbedingt haben wollte, sie hat gewonnen. Die Zeichnungen sind wirklich gut, besser als die die von Emma und Herbert, wenn du weiter übst kommst du noch an Sebastian oder Jonathan heran. Mh, also abgetrennte Bereiche für Sport, Entspannung, Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Darf ich erfahren wer die Bewohner sind?“
„Gerne. Also ich mache Architektur und Malerei. Amber ist meine Freundin und sie möchte Tierpflegerin werden, dann meine Schw … Cousine Akira, sie ist hauptberufliche Youtubestar und Streamerin und ihr Freund Sahid, der macht Comedy und schreibt Bücher. Dann noch Gästewohnungen und Apartments für das Personal. Und das große Gehege für Lucys Leopardin, wir haben da eine Sondergenehmigung.“
„Sehr interessant und ich nehme an, die beiden jungen Paare wollen eine Familie gründen. Mh, äußerlich sehr interessant. Das wirkt ein bisschen wie eine Festung, aber ohne abweisend zu sein. Ich freue mich auf die Pläne. Sehr viel Platz und Möglichkeiten, wenn auch schwierig, weil es so nah am Wasser wird. Aber das ist nichts Neues für uns, immerhin haben wir einen Stadtteil hochgezogen.“
Jack freute sich über das Feedback und öffnete die CAD Pläne. Dutzende CAD Pläne der Etagen der verschiedenen Gebäude. Sein Sitznachbar musterte sie aufmerksam und kommentierte hin und wieder etwas oder stellte eine Frage.
„Achtzehn Jahre, gehst noch zur Schule und zeigst mir solche Pläne, die sind auf sehr hohem Niveau, alle Achtung. Ich kann dir jetzt schon sagen, dass ich dir einen Platz auf der Solomon Akademie reservieren werde, ganz gleich deines schulischen Abschlusses. Einverstanden?“
„Abgemacht.“
„Und jetzt bin brennend auf die VR Simulation gespannt. Stöpsele mal deinen Laptop aus und komm mit.“
Jack folgte Simon in einen anderen Raum mit mehreren omni-direktionalen Laufbändern und einer Mördermaschine von PC. Er schob seine Festplatte in eins der Laufwerke und auf dem Bildschirm lud die Simulation. Sie stiegen mit Handschuhen und Brillen bewaffnet auf die Laufbänder und betraten die Simulation.
   Jack stand vor einer Einfahrt mit einem geschmiedeten Tor. Neben ihm stand Simon. Neben der Einfahrt befand sich ein Eingang zu einem weitläufigen Grundstück. Er öffnete die Pforte und stand auf einem gepflasterten breiten Weg der an einer geteerten Straße entlangführte. Sie befanden sich im äußeren von drei Ringen. Links befand sich ein Haus mit einem Fitnessstudio im Inneren. Und einem kleinen Schwimmbad mit zwei fünfundzwanzig Meter Bahnen. im Tiefgeschoss.
Die Decke über dem Schwimmbad war nach außen hin verglast und draußen war eine ausladende Terrasse mit Sitzmöglichkeiten. Außen Renaissance innen Modern eingerichtet, aber mit verschnörkelten Zierelementen und Möbeln. Am Wasser war ein kleiner Pier mit einer vertäuten Jacht und einem Bootshaus und Gartenschuppen. Nicht zu vergessen das großzügig bemessene Raubtiergehege wo Lucy mit einem Panther spielte. Die KI der simulierten Katzen reagierte auf ihr Kommen und Lucy trat neugierig ganz nah an sie heran und musterte sie. Dann betraten sie durch die Einfahrt mit dem gemauerten Bogen den zweiten Ring. Links der Eingang zum Indoor Gehege der Katzen für schlechtes Wetter und Schuppen. Rechts ging es zu den Garagen, Werkstätten, Gewächshäusern und dem Landplatz für einen Helikopter oder Lambda Swordfish. 
Im ersten Ring in der Mitte waren das große Wohnhaus, das Gästehaus, Die Angestelltenquartiere und Wohnräume für Akira in Bodennähe. Rings um einen schön gestalteten Innenhof.
Sie sahen sich auch Innen alles an und gingen auch tief in den Keller.
Als sie wieder aus der Simulation ausstiegen wirkte Simon sehr zufrieden.
„Fabelhaft. Wirklich großartige Arbeit. Das ist erstklassig. Ich sag dir was. Wir gucken und deinen Entwurf nochmal bis ins kleinste Detail an und machen unsere Berechnungen. Ich würde ein paar Änderungen vorschlagen. Zum Beispiel kannst du so nah am Wasser viel davon mit in den Bau mit einfließen lassen und ich empfehle dir ein nukleares Gen 5 Kleinstkraftwerk, dann hast du viel Power und kannst Wasserstoff herstellen, als Brennstoff für Generatoren und Motoren. Ich habe gehört Horizon verwendet ein neuartiges Material namens Blaustoff um leistungsstarke wasserstoffbasierte Treibstoffe herzustellen. Und ein Reaktor dieses Typs ist Pannenfrei und die Brennstoffstäbe halten etwa vier Jahre und können grün recycelt werden. Fusion wäre theoretisch sicherer aber das liegt nicht in deinem Budget fürchte ich.“
Bei der Erwähnung von Blaustoff zuckte er unmerklich zusammen, aber das mit dem Kraftwerk fand er klasse. Simon schnallte um was es ihm ging. Unabhängigkeit und bereit sein. Und er wollte nicht in einem grauen Betonklotz alt werden.
„Wunderbar, ich sag dir Bescheid, wenn wir mit unserem Gegenentwurf fertig sind. Wenn du dann einverstanden bist, beginnen wir mit dem Bau und ihr könntet vor Weihnachten einziehen. Wir sind sehr fix.“
„Abgemacht, vielen Dank für ihre Hilfe.“
„Ich bitte dich es wird geduzt. Kein Problem, und bitte denk über die Akademie nach. Schlaue Köpfe wie dich werden immer gesucht. Ich führ dich raus.“
Im Foyer verabschiedete er sich von Simon und ging in die strahlende Sonne hinaus und radelte nach Hause.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 16

16.  Kaz – 2.W.April 2046 – Tod einer Königin

„Dieser Leberfleck gefällt mir nicht, hier ist nur Reinheit gedulded. Haltet sie fest.“
Panik erfüllte Emily als die Mimik Soldaten sie auf die Liege pressten und Liz sie mit einer Knochensäge in der Hand taxierte. Sie weinte und wollte nach Liz schlagen aber womit? Mit ihrem rechten Arm, den ihr diese Irre schon knapp unterhalb des Schultergelenks abgesäbelt hatte?
Die Verrückte setzte die Säge an und schnitt genüsslich langsam.
„Bald bist du wie ich.“ Säuselte sie.
Das war eine entsetzliche Vorstellung. Aber es war was dran. Sie dachte an damals an die Mittel für Hautbleichung, die ihr Johnny empfohlen hatte. Jetzt war sie nackt, haarlos und kalkweiß mit blutroten Augen und ersten Tätowierungen am Kopf. Amber genauso, auch wenn sie zum Glück noch ihre Arme hatte. Beine … naja die waren schon nicht mehr da.
   Dann endete der brennende Schmerz ein bisschen und Liz versorgte die Amputation fachmännisch.
„Amber Schatz, bist du auch bereit für deine Schönheit ein bisschen zu leiden?“
Mit erhobener Säge ging sie auf das gefesselte Mädchen zu, das wie wild strampelte und unter dem Knebel zu schreien versuchte.
   All die Folter der letzten Monate … gab es denn gar kein bisschen Hoffnungen in Welt mehr? Anna neben ihr würde sterben, wenn sie keine Heilung bekam, für die Rivalin gab es keinen Platz hier meinte Liz. Emily hatte Angst davor was ihr Schicksal sein würde.

*

Kaz schlüpfte von hinten in den mächtigen Berserker Mark 3 und Jack verschloss seinen Anzug. Sein HUD kalibrierte und er prüfte die Waffensysteme. Die Unterarmklingen fuhren mit einem satten Schnappen aus. Er grinste zufrieden. Nach und nach verstaute er die restlichen Waffen. Das schwere MG mit angebautem Miniraketenwerfer. Die Kettenklinge, wie frisch aus Warhammer 40.000 und der schwere Raketenwerfer. Er sah Jack in seiner Cyber Ninjakluft zu wie er seine Klinge aufwärmte und die Klingen des Anzugs überprüfte. Reaper lud sein Gewehr und nickte ihm zu. Reaper passte besser als Alpha. Sie machten sich bereit für den Absprung in feindlichem Territorium. Ohne Rationen, ohne Backup. Nur sie drei gegen eine ganze Armee.
„Jungs, Armeeverbände der Nato machen sich bereit die Armee der Spinnenkönigin daran zu hindern Polen zu überrennen. Aber das reicht nicht. Ihr müsst die Basis infiltrieren und zerlegen und das Abwehrsystem deaktivieren, damit wir die Gefangenen und euch bergen und die Basis dem Erdboden gleichmachen können. Superwale und ein Alphawal halten sich dazu im Erdorbit bereit und die Railguns auf dem Mond und Mars sind schussbereit. Macht eure Nation stolz Geister, wir zählen auf euch.“
Die Heckklappe öffnete sich und er warf einen abfälligen Blick auf das Regal mit den Fallschirmen.
Heute nicht. Der Tod ist auf unserer Seite und wir sind seine Boten.
   Sie nahmen Anlauf und sprangen aus Tarn Beluga in die Tiefe unter sich. Er genoss die Geschwindigkeit und sie manövrierten sich in die richtige Position.
„Wir bleiben zusammen, erst nehmen wir das Abwehrsystem in Angriff. Rechnet damit, dass sie uns schnell orten werden. Wir machen es so wie wir monatelang trainiert haben. Wir spielen doch alle Videospiele. Ich bin der Tank, Reaper macht Support und Ripper ist der schleichende Kehlenschlitzer. In der Basis kontaktieren wir uns nur über den Alpha Link. Over und out.“
Wie ein Meteor stürzte er auf den Erdboden zu und Betonsplitter spritzten in die Höhe als der Boden und der seinen Füßen aufbrach und er in einem kleinen Krater in einer Explosion aus Trümmern und Staub zum Halt kam. Er schmunzelte, er schon aus höheren Distanzen ohne Schirm gesprungen. Er wischte sich ein bisschen Schutt von seinem Anzug und zückte sein MG.
   In Chameleontarnung rückten sie vorwärts. Die Tür war biometrisch gesichert. Ripper zog ein künstliches Auge aus einer Tasche und knackte damit die Tür. Sie waren drin. 
Die Lautsprecher knackten. Ah Fuck. Liz Stimme ertönte.
„Schönen Abend meine Lieben, die ihr gerade diese Tür geknackt habt. Ihr seid zu dritt. Ein zahnloser Wolf, ein treuloser Wichser und eine Teenie Göre. Solltet ihr nicht zu dritt gegen zahllose tausende antreten biete ich einen Deal an. Ihr gebt uns eine zweite Runde in unserem Kampf und ihr dürft leben und vielleicht auch hier wieder raus. Und Hände hoch ihr seid umstellt. Achja kleiner Anreiz gefällig zu gehorchen?“
Kaz der bis jetzt völlig gelassen im Ansicht der 68 Soldaten gewesen war wurde von heißer Wut gepackt, als Ambers furchtbare Schmerzensschreie durch die Gänge hallten. Du verdammte Kuh, dafür reiß ich dir den Kopf ab und spiel damit Fußball.
   Sie ließen sich von den überlegen grinsenden Soldaten von Mimik durch ein endloses Gewirr von Gängen führen. Trappelnde Schritte begleitet von dem schweren Stampfen seines Anzugs. Er überragte alle um einen guten Kopf. Größtenteils durch den Anzug. Und Jack war ein Mann geworden. Reaper war alles nur kein zahnloser Wolf mehr.
   Ihr Marsch wurde von den Schmerzensschreien seiner Tochter begleitet. Er kochte vor Wut. Und er wusste über den Link, dass Jack ebenfalls vor Wut schäumte. Die Soldaten pfiffen fröhliche Lieder. Ja würde ich bestimmt auch machen. Jack hatte sich die Gesichter gemerkt und würde genüsslich deren Unterkiefer herausreißen. Kaz war richtig stolz auf seinen Großen.
„Ähem, natürlich müsst ihr eure Waffen und Anzüge zurücklassen, aber Boxershorts sind erlaubt. Und, ach ein kleines Messer dürft ihr auch mitnehmen, es soll ja schließlich fair sein. Also zackig. Ausziehen, eins zwei drei, eins zwei drei.“
Liz lachte gackernd in Mikro. Bei dir sind aber auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, dachte er sich.
Jack öffnete Kaz Anzug und half ihm heraus. Und dann raus aus der Pelle. Das Problem war nur, dass sie im Anzug gar keine Unterwäsche trugen, nur den engen Unter Anzug und den großen gepanzerten Anzug drüber.
   Die Soldaten lachten sie aus, als sie nackt durch den Gang geführt wurden. Lacht ihr nur, guckt wie weit ihr damit kommt. Sie wurden vor eine hermetische Schleuse geführt.
„Immer einer hübsch nach dem anderen, wir wollen es ja nicht zu einfach machen. Kaz darf als erster. Buhu, komm rette dein kleines Mädchen. Ich hab sie schöner gemacht.“
Liz lachte wieder schallend und Kaz überlegte sich eine gerechte Strafe für sie und trat ein.
Nackt betrat er einen hohen Saal mit Glasdach und hoher Galerie. Über dem Spinnenthron hing das Spinnenbanner von Mimik. Und die Sofas an den Rändern waren verschwenderisch mit weißen und schwarzen Pelzen bedeckt. Vor dem Thron aus dem Marmorboden waren Liegen mit drei Körpern ausgebreitet. Am kleinsten der drei fuhrwerkte Liz in ihrer Horrorgestalt und pfiff ein fröhliches Lied.
Im Nuh war er an Liegen. Konnte man kochende Wut steigern? Ein roter Schleier legte sich über sein Blickfeld als er seine drei Liebsten betrachtete. Emily, Anna und Amber. Wie nach Liz Antlitz.
Nackt, schneeweiße Haut und blutrote Augen, völlig haarlos und tätowiert. Annas Beine waren überhalb der Knie amputiert und ihr linker Unterarm fehlte. Emilys Arme waren nur noch Stümpfe und Amber? Ihr fehlten die Beine … und ihr linker Arm. Er schloss für einen Moment die Augen, während der pure Hass ihn überspülte.
„Sind sie nicht schön geworden? Ich will dass du Anna fickst, damit sie ganz viele wundervolle Babys bekommt, die wir als schöne große Familie großziehen. Aber sie ist alt und ich war beim Spielen zu rabiat, die ist bald tot. Sie stört ja eh nur. Und Jack fickt seine Freundin Amber. Schöne große Kinder, die die Welt regieren werden. Und wir sind alle gleich und ich bin die Reinheit und sie waren ganz schmutzig. Du hast sie nicht richtig geputzt. Ich habe sie nach mir geformt, nach ihrer Königin, also mir. Ach ja, wo du gerade nackt bist, ich will dass du mit mir schläfst, das hab ich sehr vermisst. Ich …“
„Nein.“
Ihre Augen wurden groß und sie wirkte empört.
„Wie bitte? Erneut betrittst du mein Haus ohne eingeladen zu sein und benimmst dich wie ein Barbar. Ich habe meinen lieben besten Freund etwas gebeten. Ich erwarte dass du mir gehorchst.“
Er lachte abfällig und wiederholte sich.
„NEIN!“
„Das ist ein sehr unschönes Verhalten, warum kannst du deiner Königin nicht gehorchen. Dann werde ich Amber wieder wehtun, den anderen Arm braucht sie ja auch nicht.“
„Du kennst doch dieses Spiel, wo der Protagonist einem Dämon einen Arm ausreißt und ihn damit zu Tode prügelt. Rühr meine Tochter an und ich mach das mit dir du durchgeknallte Schlampe“
Liz lachte abfällig und pfiff laut. Mara und Ryan tauchten auf und stellten sich vor ihn.
„Der Tanz beginnt?“
Die beiden nickten. Er grinste breit.
   Weniger als eine Minute später riss er Liz die Säge aus der Hand und zerquetschte ihre Hand.
Sie starrte ihn verblüfft an.
„Ryan Schatz, Mara Liebes. Warum lasst ihr das zu?“
„Sie sind nicht tot, aber ohne Arme kann man schlecht kämpfen. Und jetzt du.“
Sie kniff die Augen zusammen und fuhr ihre Unterarmklingen aus. Sie rammte ihm die rechte in den Bauch. Er zuckte nicht einmal zusammen. Unsicher zog sie die Klinge heraus an der rotes Blut klebte.
Sie rammte ihm beide Klingen ins Herz.
„Ouch. Der hat gesessen.“
Er spuckte ihr einen Batzen Blut ins Gesicht.
„Passt zu deinen Augen“
spottete er, während sie ungläubig und dann verängstigt die Klingen zurückzog. Er rieb sich über den Einstich auf Brusthöhe, die Wunden schlossen sich wieder.
„Das ist völlig unmöglich, sowas gibt es nur in der Fiktion.“
„Und du solltest eigentlich maustot sein, stattdessen folterst du meine Freunde und meine Familie.“
„Aber ich foltere sie doch gar nicht, ich mache sie hübsch, so wie mich.“
„Du hast meine Familie angegriffen, du hast Daggers Akte gelesen, du weißt was das heißt!“
Angstvoll wich sie zurück und versuchte zu fliehen. Sie wimmerte wie ein kleines Mädchen als er ihren Arm ausriss und damit solange auf ihren Kopf einschlug, bis ihre hässliche Visage nur noch zu erahnen war. Und er trennte ihr mit seinem Spezialmesser Beine und Arme ab. Er umfasste ihren Schädel und zerrte daran. Sie wimmerte seinen Namen. Seine Muskeln schwollen an und er riss ihren Kopf von den Schultern. Jetzt schwieg sie endlich. Er betrachtete den Kopf in seinen Händen, eine weiße Flüssigkeit lief aus dem Stumpf und über seine Hände, sie war warm und dickflüssig. Er zielte auf eine Marmorskulptur einer Spinne und kickte den Kopf wie einen Fußball dagegen. Das abstoßende Kunstwerk zersprang in tausend Splitter. Der Fall der Spinne.
   Jetzt mussten sie die anderen befreien. Er öffnete die Schleuse von innen und Ripper grinste ihn breit an und kickte ihm einen kieferlosen Kopf entgegen. Ripper hatte einen guten Job gemacht. 68 Tote Soldaten säumten den Gang, er watete in Blut und die Wände waren bis zur Decke mit Blut vollgespritzt. Ripper selbst war über und über mit Blut bespritzt und der leckte sich genüsslich das Blut von den Fingern.
„Reaper kümmert sich um den Abwehrschirm. Der dicke Fisch landet sobald die Flugabwehr außer Gefecht gesetzt ist. Ich weiß zwar nicht wie es mit dir steht, aber ich will nicht hier sein, wenn man Gesteinsbrocken von der Größe von Mehrfamilienhäusern vom Orbit auf diese Basis schmeißt.“
„Wir müssen davon ausgehen, dass die meisten unserer Lieben gefoltert und verstümmelt sind.“
„Ich weiß, ich hab Amber durch deine Augen gesehen. Schlimm. Danke dass du Ryan plattgemacht hast und Reaper ist happy über das Ende der falschen Mara. Also gut retten wir unser Lieben und dann Raus hier ASAP.“
Sie schlüpften wieder in ihre Kampfanzüge und transportierten alle vermissten aus dem Saal und aus ihren Zellen und transportierten sie zu ihrem Schiff.
   Mit Mann und Maus hoben sie ab und gewannen schnell an Höhe und an Land. Reaper und Ripper steuerten währen er die Verletzten versorgte und für ein bisschen nach Nahrung suchte.
Auf einem Display im Cockpit beobachtete er einen riesigen Schwarm Meteoriten mit Ziel auf die Basis niederstürzten. Der Alphawal hatte tausende Tonnen Weltraumgestein über der Erde abgeworfen. Größtenteils Metallversetzt. Jetzt galt es einen Krieg zu gewinnen und Mimik aus Europa zurückzudrängen. Aber das war nicht ihre Mission. Die war jetzt nämlich das Leben ihrer Familie zu retten.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 15

15. Kaz – 23.Dez. 2045 – Eine Rettungsmission

Heute war es soweit, auf diesen Tag hatte er sich seit zwei Wochen intensiv vorbereitet. Horizon war durch den Anschlag immer noch geschwächt und viele waren über Weihnachten im Urlaub. Ein guter Zeitpunkt für einen Angriff. Lara würde ihm helfen, die Barrieren zu knacken. Und er war schwer bewaffnet.
   Er rannte zum Aufzug. Unter einer fadenscheinigen Erklärung hatte er die schwere Sporttasche und den großen vollbepackten Wanderrucksack durch den Einlass zur Untergrundbahn zu Horizon gemogelt. Er trug seinen John Wick Anzug mit einer ballistischen AR-Brille und kugelsicheren Halstuch und schwerer Mütze von Nox.
   Jetzt geht’s los. Lara würde den Scanner knacken und ihn mitsamt seinem Gepäck vorbeilassen.
Oben sprang die Aufzugtür auf und er trat ihn den Flur. Er erstarrte als er den ersten Wachmann tot auffand. Zwei Kugeln in die Brust, eine in den Kopf. Das Blut floß noch langsam aus den Wunden und der Körper war noch warm. Jemand war vor ihm mit einer ganz anderen Mission gekommen.
Er rannte zur Schranke mit dem Scanner. Der war ausgeschaltet und noch mehr Tote. Ruckzuck zückte er seine Five-Seven, prüfte das Magazin, entsicherte und schob den Schlitten zurück. Zügigen Schrittes eilte er die Gänge und Treppen entlang zum Forschungszentrum.
   Mehr Tote und Panik unter den Angestellten. Er kontaktierte Emily über den Link per Telefon und sie wirkte gefasst, sie würde ihn mit ihrer Schwester vor dem Büro ihres Chefs treffen. Dann war er vor Ralfs Büro und Emily umarmte ihn kurz. Sandra die Sekretärin war nicht da. Er trat die verschlossene Tür zum Büro ein und fand einen dösenden Möchtegern CEO vor. Beim Lärm schreckte er hoch und sah die drei mit rot werdendem Kopf an.
„Was um Himmels Willen soll das werden? Du bist viel zu früh. Und wie siehst du überhaupt aus?“
„Das ist ein Überfall um dir und den beiden Damen den Arsch zu retten. Zieh dich aus, bis auf die Unterwäsche.“
Ralf starrte ihn verständnislos an.
„SOFORT wenn du leben willst.“
Raunzte ihn Kaz an. Der Angesprochene reagierte sofort und schlüpfte fahrig aus seinen Sachen. Kaz bemerkte die Tätowierungen, eine war dieser Maulwurf, das Maskottchen wenn die deutsche Bahn irgendetwas baute oder reparierte. Merkwürdig.
„Ihr beiden tragt Nox?“
Die beiden Frauen nickten.
„Zieht zur Sicherheit einen Kapuzenpulli und Halstuch an. Ist alles in der großen Sporttasche. Und ich hab dir Emily praktischere Schuhe mitgebracht.“
Emily zog ihren Blazer aus und zog sich einen schweren sackigen Pulli über, warf ihre Highheels weg und schlüpfte in bequeme Schuhe mit profilierter Sohle. Klara folgte ihrem Beispiel. Und nach fünf Minuten war auch Ralf in einer kugelsicheren Freizeitkluft von Nox eingepackt.
„Zieht die kugelsicheren AR-Brillen über, damit habt ihr einen besseren Überblick und wir Filmen gleichzeitig alles. Und vergesst die Ohrstöpsel nicht. Das wird ein ziemliches PR-Desaster für Horizon.“
Er verteilte drei Brillen. Ralf stank weniger und man erkannte ihn nicht mehr so leicht.
„Nun zum Spaß, wer will die Shotgun?“
„Ich“ kam es von Klara.
Ralf starrte ihn entgeistert an, als er den Verschluss seines riesigen Rucksacks öffnete und Klara eine Shotgun mitsamt Munitionsgurt in die erfreuten Hände drückte.
„Emily, klein oder groß“
„Handlich, wie wäre es damit?“
Und ein HK MR223 samt mit einem Geschirr an Ersatzmagazinen wanderten in ihre Hände. Bewundernd beobachtete er seine Freundin beim routinierten Laden des Gewehrs, sie wusste damit umzugehen. Und er reichte den Frauen jeweils eine Five-Seven und Reservemagazine. Ralf verlor langsam die Nerven und zitterte wie verrückt, als Kaz ihm auch eine Five-Seven in die Hand drücken wollte.
„Ich bin Pazifist, ich verabscheue Waffen!“
Sagte er fahrig.
„Das bringt dir aber nichts gegen böse Jungs mit Waffen, du Flasche.“
Für sich selbst zog er sein HK MR308  aus dem Rucksack, prüfte die Waffe und schulterte den Rucksack wieder. Sie horchten auf als sie einen Schrei hörten. Geduckt und mit feuerbereiten Waffen verließen sie das Büro. Sandra rannte vom Ende des Ganges sie zu. Sie rief Ralfs Namen.
„Ralf, Ralf, RALF. Das ist ein Überfall. Wir sitzen in der Falle!“
Ihr Schrei verebte und wich einem Gurgeln, als ihr Körper vom Einschlag der Kugeln durchgeschüttelt wurde und sie zu Boden stürzte und in einer sich schnell ausbreiteten Blutlache lag.
Hinter der Frau ein Mann in einem Horizon Kampfanzug mit schwarzem Visier. Kaz erschoss ihn mit drei Schüssen. Kampfanzug hin oder her, aber gegen panzerbrechende 7,62mm Geschosse hielt herkömmliche Körperpanzerung wenig stand wenn man wusste wo man hinschoss. Aber keine Details wenn es gerade zur Sache ging.
   Mit den Mädels war er ein überraschend eingespieltes Team, der wimmernde Ralf hingegen war eine Belastung und hielt immer wieder an und sah sich panisch und wimmernd um.
„Wir gehen zum Flugdeck am Rande des Forschungszentrums. Den Bergfried haben sie vermutlich schon abgeriegelt.“
Die Frauen nickte.
„Hey du Flasche, wenn du Leben willst solltest du dich exakt an das halten, was wir dir sagen und machst keine Schwierigkeiten. Halt dich an Klara, sie ist die Nachhut.“
Klara nickte etwas resigniert und sie eilten los.
„Wenn sie Zugang zu den Rüstungen des Sicherheitsdienstes haben, müssen wir leider jeden von ihnen als möglichen Gegner beachten. Diejenigen, die nicht sofort auf uns schießen müssen wir kampfuntauglich machen!“
Emily nickte. Ein Gegner mit erhobenem Gewehr schoss auf sie zu und eröffnete das Feuer auf ihn. Emily schoss ihm in Brust und Kopf mit drei Schüssen.
   Sie rannten enge Gänge entlang und Treppenhäuser hinab. Immer wieder wurden sie in kurze Feuergefechte verwickelt, die zum Glück schnell vorüber waren. Keiner von ihnen wurde verletzt.
Vor einer Stahltür am Ende eines langen Flures machten sie halt, die war verschlossen. Aber nicht verzagen, Kaz fragen. Er legte eine Sprengladung an der Tür an und sie rannten den Flur entlang um die Ecke. Und da Mund auf und Hände auf die Ohren pressen als die Ladung hochging. Sie waren zwar weit von der Ladung entfernt aber die Druckwelle war immens als sie über sie hinwegrollte. Kaz spähte um die Ecke. Die Tür hing lose in den Angeln.
„Los geht’s Freunde.“
Und sie sprangen auf. Klara zog Ralf auf die Füße. Kaz zog sich das Halstuch bis unter die Nase und die anderen folgten seinem Beispiel.
   Jetzt war es nur noch ein kurzes Stück. Er sprengte sich durch noch eine Tür und sie waren auf dem Rollfeld, wo ein paar Swordfish standen, er rannte zur dritten, dessen Heckklappe sich gerade öffnete. Kugeln pfiffen über ihre Köpfe. Abwechselnd er und Emily gaben Feuerschutz.
„Rein in den Swordfish da, das ist unsere einzige Hoffnung hier lebend rauszukommen.“
Und schon waren sie im gepanzerten Bauch der Maschine, seinem getarnten Swordfish Escort.
„Und jetzt rein in die Fallschirme. Die sind alle gut gepackt, Frank hat sich darum gekümmert, er macht Wingsuit Basejumping, der kann das.“
„Wie bitte? Erst reißen sie mich von einen Feuergefecht ins nächste und jetzt soll ich aus einem Flugzeug springen? Sowas hab ich noch nie gemacht.“
„Das nicht, aber wir müssen die Fallschirme nehmen, falls unser Flugzeug in Schwierigkeiten kommt.“
„Jungs, ich muss von Horizon weg, die schießen mich sonst ab. Also Plan B“
„Das ist Suzi meine Pilotin. Wir sind in besten Händen.“
Sagte er und das Flugzeug erbebte heftig.
„Verdammte scheiße, die haben Abfangjäger in der Luft, den entkommen wir nie in einem Swordfish.“
„Hal ist in Bewegung, noch einen Kilometer bis zum Treffpunkt. Suzi schalte auf Autopilot und zieh dir einen Fallschirm an, wir springen zu fünft. Dein Leben ist mir wichtiger als der Flieger.“
„Danke Chef, das vergesse ich Ihnen nie.“
Suzi kam nach hinten und schlüpfte schnell in einen Fallschirm. Routiniert checkten sie das Equipment der anderen und die Klappe öffnete sich. Abendluft sauste ihnen um die Ohren. Sie schnallten die Waffen fest.
„Hört zu, die Fallschirme öffnen sofort wenn ihr an der Reißleine rechts zieht, mit den Steuerschnüren könnt ihr navigieren. Wir sind nicht sehr hoch, also öffnet sofort nach ein paar Sekunden. Ich springe zuerst, danach kommt Ralf, Klara, Emily und Suzy.“
Das grüne Licht blinkte und er sprang aus dem Flieger. Sie waren nur wenige hundert Meter über dem Boden und er zog die Reißleine. Ralf war in Panik und öffnete viel zu spät, unsanft prallte er auf und er schrie jämmerlich, aber er lebte noch. Klara und Emily sprangen mit ungewohnt routinierten Bewegungen und Suzi hatte das schon tausendmal gemacht.
   In einiger Entfernung explodierte der Swordfish in einem großen Feuerball, nachdem er von mehreren Raketen getroffen wurde. gut dass du da nicht drin saßt Suzi. Sie landeten alle sicher und Klara rannte auf Ralf zu um nach ihm zu sehen, interessant.
„Sein Bein ist gebrochen!“
„Ok, ich stütze ihn. Hal ist in zwanzig Sekunden da. Aber wir können ihn hier nicht verarzten.
Suzi, du und Ralf nach hinten und Emily nach vorne.“
Und da war Hal mit dem Avenger X5 da und hielt in einer Dreckwolke. Die Türen öffneten sich, er half Ralf in den Wagen und er und der Rest stiegen ein. Die Türen knallten zu und er drückte voll aufs Gas. Hinten heulte Ralf Rotz und Wasser. Alles ging gut bis links und rechts vom Wagen Explosionen wie von Raketen zündeten und Dreck und Steine gegen den Wagen warf.
„Hal Radarsysteme auf Maximum, zeig uns den Gegner.“
Wie als würde sich Emily mit dem Avenger bestens auskennen, zog sie aus dem Schlitz über dem Handschuhfach den Kontrollbildschirm und sah das Radarbild. drei Punkte näherten sich.
„Schick zwei Hawks hoch um Bilder von unseren Gegnern zu machen.“
Jetzt tauchten zwei Nachtsichtkamerabilder auf. drei Helikopter Gunships näherten sich ihnen. Was waren das denn für welche, die sahen sehr nach Stealth und Panzerung aus.
„Hey Ralf, weißt du was das für zwei sind?“
„Oh Gott wir werden alle sterben. WIR WERDEN STERBEN!“
„Man du Flasche, reiß dich zusammen. Weißt du was oder nicht?“
Ralf schniefte und riss sich tatsächlich zusammen.
„Das sind Mimik Bruiser, das beste Stealth Gunship der Welt. Mimik ist ein russischer Hersteller von Waffen, Flugzeugen, Panzern und Dronen. Die Bruiser sind kugelsicher frontal, der einzige Schwachpunkt sind die Lufteinlässe für die Turbinen, aber die sind mit einer Panzerplatte gesichert.“
„Hal welche Kadenz hat die die Railgun?“
„Sir, auf normaler Stärke etwa fünfzehn Schuss pro Minute, voll aufgeladen etwa sechs Schüsse pro Minute. Ich würde 75% vorschlagen, damit können wir beide Fliegen mit einer Klappe schlagen.“
Kugeln schlugen ins Heck des Wagens und durchbrachen die Panzerung. Scheiße!
Ohne Vorwarnung machte er eine Handbremsen Drehung und fuhr Rückwärts über die Felder. Leider rückwärts wesentlich langsamer als vorwärts, so saßen sie auf dem Präsentierteller.
„Hal, mach die Kalibrierung für die Railgun und lad zur Sicherheit vier Panzerbrechende Sprenggranaten ins Magazin. Maximale Leistung. Sag mir Bescheid wenn wir bereit sind.“
In der Abenddämmerung sahen sie die drei Silhuetten der Helikopter am Himmel.
„Wir werden sterben wir werden sterben!“
Kann dem nicht einer das Maul stopfen? Ralf verfiel der Panik und schluchzte unkontrolliert. Emily knallte ihm volle Kanne eine und er sah sie erschrocken an und hielt dann endlich die Klappe.
„Sir, bereit und kalibriert.“
In dem Moment wo er den Schuss abfeuern wollte fuhr er durch eine Mulde und der Schuss verriss.
„Scheiße nachladen und neu kalibrieren!“
Die Front des Wagens erzitterte unter schweren Kugeleinschlägen aber kein Treffer ging durch. Er atmete erleichtert auf. Mit bangem Blick sah er auf den Reload Timer.
„Feuer!“
Die Railgun schoss und erwischte den ersten Mimik Bruiser volle Möhre. Sie sahen wie ein Feuerball aus dem Lufteinlass schoss und der Helikopter verlor rasch an Höhe. Der zweite Helikopter startete Ausweichmanöver, doch Hal konnte mit den Systemen des Wagens berechnen wo sich das Ziel in der Zukunft befinden würde. Der zweite Bruiser explodierte in einem herrlichen Feuerball bevor das brennende Wrack auf der Erde zerschellte. Bruiser Nummer drei blieb etwas zurück.
Kaz sah das Aufblitzen einer Kanone und etwas krachte mit Wucht in den Motor. Sie wurden langsamer.
„Sir, die Motoreinheit wurde beschädigt, ich kalibriere den Schuss.“
Dieses Mal explodierte die Sprenggranate Wirkungslos an der Panzerung des Bruisers.
„Nachladen!“
Wieder ein Blitz und ihre Railgun und ein Teil des hinteren Dachs wurden abgerissen.
„Fuck, verdammter Mist. Jetzt haben wie ein Problem. Mach den Raketenwerfer bereit.“
„Sir diese Raketen eignen sich nicht gegen schwer gepanzerte Helikopter!“
„Das ist alles was wir noch haben und unsere Panzerung ist völlig wirkungslos.“
„Ok Sir, Ziel ist eingespeichert.“
Kaz atmete tief durch und betete dass es klappen würde. In schneller Frequenz zischten sechs kleine zielsuchende Raketen in den Nachthimmel. Der dritte Bruiser versuchte auszuweichen und schickte Flares los, aber das waren intelligente Raketen. Sie durchschlugen die seitliche Panzerung und explodierten im Inneren. Der dicke Helikopter taumelte und taumelte in Richtung Boden und zerschellte am Boden. Alle fünf jubelten. Doch zu früh.
   Eine schwere Detonation unter ihnen und der Avenger wurde in die Luft gehoben und krachte aufs Dach. Schreie hallten durch den Innenraum.
„Sir, wir sitzen fest. Die drei waren nur die Vorhut. Es nähert sich und eine Flotte aus sechs Bruiser in Dreierteams, dazu drei Transporter und zwei Abfangjäger.“
„Danke Hal, die Art hoffnungsvoller Nachricht habe ich gebraucht.“
Konterte er sarkastisch.
„Leute seit ihr verletzt?“
„Nichts gebrochen zumindest, Ralf hat ne Platzwunde und er heult wieder.“
Kam es von Klara.
„Wir steigen aus und verwenden den Wagen als Deckung, hier kommen wir nicht raus.“
Er öffnete den Gurt und stemmte die Tür auf, Emily folgte seinem Beispiel. Sie bargen die anderen aus dem Wagen und prüften ihre Munition. Es war klar das die Hoffnung hier lebend rauszukommen denkbar gering war. Sie hörten schon das Flappen von Hubschraubern in einiger Entfernung.
Die Arschlöcher waren nicht in friedlicher Absicht gekommen.
   Emily neben ihm realisierte das auch und brach in Tränen aus. So eine starke Frau so schwach und hilflos. Er legte das Gewehr weg und umarmte sie.
„Da! Seht mal, da zwischen den Wolken.“
Er sah auf und spähte in die Ferne. Die Wolken zogen sich zur Seite und zeigten zwei große Siluetten, die eine war bestimmt fünf Kilometer entfernt und einen hoch mitten in den Wolken, die andere war kleiner und es sah so aus als würde sie sich ihnen nähern. Auf dem größen Flieger flammte etwas auf. Wie ein Raketenschwarm oder so etwas und schoss auf sie zu. Verdammt.
Sie zielten auf sie. Was immer das auch war, aber es war nicht ihr Freund.
Er drehte sich wieder zu Emily und küsste sie auf den Mund, wenn schon Tod dann wenigstens verschlungen mit seiner Freundin. Ralf heulte lautstark. Klara fand eine sehr ungewöhnliche Methode um den Jammerlappen abzuwürgen, sie küsste ihn sanft auf den Mund. Die Heulsuse verstummte augenblicklich und gab sich voll dem Moment hin. Ihrem letzten.
   Die Raketen heulten heran und wurden immer lauter und lauter und dann war es vorbei …
Kaz verschluckte sich, die Raketen donnerten über sie hinweg. Er robbte zur Kante des Wagens und spähte auf die Flotte ihrer Angreifer. In den raschen Explosionen flammten die neun Helikopter auf. Die Jäger drehten ab und wurden beide fast sofort von Raketen zerfetzt.
   Jetzt erkannte er auch, was sich ihnen näherte. Das war ein Lambda Beluga, der ging in den Landemodus und landete zwanzig Meter von ihnen entfernt auf dem Feld. Das Fronttor öffnete sich und eine Rampe fuhr herab. Nadja und Merlin rannten auf sie zu, gefolgt von Xen der einen stählernen Anker an einem Stahlseil hinter sich her schleppte. Kaz half seinem Freund dabei das Kabel am Abschlepphaken des Avengers zu befestigten und sie bargen den schwer beschädigten Wagen. Nadja half dabei den verletzten Ralf ins Innere zu bugsieren und sah nach ihm.
   Nachdem der Avenger sicher befestigt war hoben sie ab. Und er hatte ein Idee.
„Verdammt Leute, das war eine Rettungsmission, wir wären fast Hops gegangen.“
„Ohne den Swortfish Escort und den Avenger wären wir das schon längst.“
„Scheiße, der Typ hat weder Bruch noch Verstauchung, das ist ein Fake!“
Kaz trat zu dem aufgelösten Ralf und riss ihn hoch und schubste ihn nach hinten. Alle sahen ihn verwundert und erschrocken an.
„Oh mein Gott was wollen sie denn von mir? Sehen sie nicht das ich verletzt bin?“
„Schluss mit dem Spielchen. Ich hab deinen nutzlosen Arsch lange genug durch die Gegend getragen. Ich habe das Gefühl dass du ein Spion bist. Und ich mag keine Spione.“
Er griff an und deckte den Jammerlappen mit leichten teilweise nur angetäuschten Schlägen ein.
Ralf winselte und jammerte und schrie auf, aber es klang falsch.
   Er wechselte die Kampfart und seine Angriffe wurden härter und aggressiver. In Ralfs Augen sah er etwas auflodern. Es war Wut. Jetzt drehte er das Spiel um. Ralf schlug ihm mit erstaunlicher Kraft in Bauch und Gesicht und er ließ es zu. Er wolle wissen was noch dahinter steckte. Er fing an sich mehr aber zuerst nur schwach zu verteidigen. Ralf kämpfte wie jemand der wusste was er machte.
Kaz hatte ein Repertoire an verschiedenen Kampfsporttechniken erlernt und mischten den Kampf auf, Ralf konterte jeden Angriff. Kaz schmunzelte und ließ sich darauf ein. Ein intensiver Tanz entwickelte sich und wurde mit jeder Sekunde intensiver und härter. Sie schlugen schwer zu und steckten beide ordentlich ein. Er kam zu dem Schluss dass sie im Waffenlosen Nahkampf auf Augenhöhe waren. Aber es fehlt die Würze.
   Er stieß Ralf zurück und zückte sein schweres Kampfmesser. Ralf blieb nahezu gelassen. Er wich allen von Kaz Stichen und Hieben aus und ihm gelang es ihn zu entwaffnen. Kaz nahm Ralf in den Würgegriff, dieser befreite sich und würgte im Gegenzug ihn.
   Als sein Blickfeld langsam verschwamm ließ Ralf los. Kaz rappelte sich benommen auf, als Emily mit ihrem MR223 auf Ralf zielte. Ralf war vieles, aber die wehrlose Memme spielte er nur.
Sie fesselten Ralf fest und schoben ihn die Treppe hoch nach oben. Sie versammelten sich im Konferenzraum.
„Wer bist du?“
„Ralf Horrowitz, Chef der deutschen Horizon Abteilung für Luft- und Raumfahrt.“
„Und in Wirklichkeit?“
Kaz schlug Ralf ins Gesicht und dessen Oberlippe platzte auf.
„Ein schwuler Waschlappen, der den Chef gefickt hat um nach oben zu kommen.“
Ralf lachte höhnisch während ihm Blut über das Gesicht lief.
„Sollen wir dich diesmal ohne Fallschirm aus dem Flugzeug werfen?“
Ralf sah aufmerksam und nachdenklich in die Gesichter der Umstehenden. Er seufzte.
„Mole, Infiltrator und Spionageabwehr. Im Dienst seit zwanzig Jahren. Ich bin ein Geist.“
Sie sahen sich verblüfft an, Kaz hob eine Braue.
„Und das sollen wir dir glauben?“
„Infiltratoren haben einen implantierten Peilsender, Gecko genauso. Und ich hab einen Link, man kann die kleinen Narben noch ganz leicht sehen. Oder fragt Gecko doch einfach.“
„Ladies and Gentlemen, es gibt eine Situation, sie sollten alle zum Platz der Nationen zurückkehren. Polizei bereit sich darauf das Gebäude zu umstellen und zu stürmen! Ihre Familien brauchen sie.“
Kam es über die Lautsprecher des Belugas.
„Wir haben gerade keinen Swordfisch huckepack, Glücklicherweise haben wir genug Platz zum Manövrieren allerdings nicht zum Landen, dafür sind wir einfach zu schwer, das wird fummlig. Ich lasse die Heckklappe runter und ihr springt von da aufs Helipad des Hangarturms. Wir halten uns dann an den dicken Fisch und verschwinden mit dem, bis sich die Situation beruhigt.“
Kam es von der Pilotin Bobby aus dem Cockpit.
„Der dicke Fisch?“
„Na klar wir lassen dich doch nicht einfach so im Stich. Walhaie sind Raketenkreuzer der neusten Generation. Das war eine Salve Nachtschwärmer Zielsuchraketen, die sich praktisch nicht abwehren lassen. Der dicke Fisch hat einige Tausend von denen.“
Nach quälend langer Zeit gingen sie in den Landemodus und wurden langsamer. Sie sprangen alle von der Rampe etwa einen anderthalb Meter auf die Landefläche und fuhren mit dem Fahrstuhl nach und nach unten in den zweiten Stock und sie eilten durch das Haus zur Wohnung.
   In der Wohnung legten sie den gefesselten Ralf auf ein Sofa. Der Rest begrüßte sie überschwänglich. Anna begrüßte ihn.
„Glück gehabt Großer. Wir weniger, deine Rettungsmission ist jetzt ein Geiseldrama mit Komplizen in Form der Schwestern und vielen Toten und tja, Polizei und das GSG9 sind auch dem Weg.“
„Papa, Papa, Papa.“
Amber und Jack schossen auf ihn zu und umarmten ihn. Amber weinte.
Wolf las Zeitung als würde gar nichts passieren. Yusuf kam angerannt, er lachte gackernd und umarmte Ralf herzlich.
   Kaz schreckte auf.
„Yusuf, was machst du da? Woher kennst du den?“
„Von der Akademie, er ist ein Geist. Ein Infiltrator so wie ich.“
Ralf gab auf.
„Es tut mir Leid, aber ich musste meine Rolle spielen solange ich mir nicht sicher sein konnte, dass ich unter Freunden bin. Aber mit Yusuf hier kann ich mir sicher sein. Und bitte nehmt mir die Fesseln ab. Ich bin auf eurer Seite.“
„Und was ist mit deinem verdammten Bein?“ Klara kochte.
„Ich weiß wie man Fallschirmspringt und habe mir etwas in der Art gedacht, also hab ich mein Bein mit einer speziellen Schminke präpariert, die bei einem harten Aufprall ihre Farbe wechselt.
Ich hab‘s schlecht getimed, also ist es nur angestaucht, aber nicht gebrochen.“
„Ich hab deinen Lügenarsch durch die Gegend geschleppt du lügender Drecksack.“
Kaz war bei dem Arsch und schlug ihm volle Kanne mit der Faust und auf die zwölf. Die lächerliche Brille sprang von der Nase und Blut schoss aus der Nase.
„Hey lass das! Du hast ihn schon genug zu Brei geschlagen.“
Klara schlüpfte aus ihrem T-Shirt und stoppte damit die Blutung. Ralf war jetzt ganz ruhig und nichts erinnerte mehr an den weinerlichen Saftsack. Er schob Klara mit gefesselten Händen sanft zur Seite.
„Ich wusste, das nach dem Anschlag im August auch Nummer zwei, also ich, dran war. Ich war der Köder, um einen gefährlichen Gegner aus dem Schatten zu locken. Die können es sich nicht leisten wenn ich die Konzernführung nach Johnny und Liz übernehme.“
„Und wer soll das sein?“
„Die Spinnenkönigin, die Herrscherin von Mimik, Liz.“
„Das ist doch völlig Absurd, Sie ist tot.“
„Ganz im Gegenteil, sie und Mara Bluhm gibt es gewissermaßen zweimal. Einmal durch den Link, das war Johnnys geniale Idee und die zweite durch eine Erfindung namens Blue Matter oder Blaustoff. Letzteres wurde entwickelt um Menschen empfänglicher für schwere Augmentiereungen zu machen, aber eigentlich ist es ein Mittel, mit dem man Treibstoff auf Wasserstoffbasis herstellt. Es wandelt Nervenzellen in einen Stoff um, der mit Cyborg-Körpern sehr gut kommuniziert, das hat man zufällig bei einem Unfall mit Blaustoff entdeckt. Projekt MSB und FSB. Steht für Male oder Female Security Body. Mara Bluhm war die erste deutsche Empfängerin von Blaustoff, danach kam Ryan Solomon und als dritte Liz Engström. Eine schwere und extrem schmerzvolle Prozedur, die in vielen Fällen zu katastrophalen Charakterveränderungen führt. Deshalb wurde das Projekt von uns aus eingestellt, aber Horizon in Russland verwendet es weiter. Hat es weiter verwendet. Unsere russische Zweigstelle wurde ausradiert, von der Karte gestrichen, mit nuklearen Sprengköpfen. achttausend Menschenleben einfach so ausgerottet. Von Mimik.“
„Du willst mir also erzählen, dass die Toten gar nicht tot sind, sondern uns einfach nur terrorisieren wollen? Und was ist mit Johnny, Helena, Emma und meinen Eltern. Leben die auch noch?“
„Sorry, darüber darf ich dir keine Auskunft geben“
„Er hat recht,“ mischte sich Wolf ein „Projekt Eden ist streng geheim.“
„Was ist das denn bitte wieder?“
„Damit sind wir wieder lebendig geworden, glaube ich“ meldete sich Emily.
„Ganz recht, allerdings wird man nicht in die gleiche Gestalt wiedergeboren, bis auf einige seltsame Ausnahmen wie es mir scheint. Ich weiß nicht was Johnny damit bezweckt.“
„Das heißt mein Bruder lebt und zieht weiterhin die Fäden?“
„Kann ich mir gut vorstellen.“
„Und du, wer oder was bist du?“
Kam es von Anna.
„Ich bin Ralf, man nennt mich Mole und ich bin ein Infiltrator und in der Spionageabwehr tätig. Dazu Johnny rechte Hand und Experte in CQC. Den schwulen weinerlichen Waschlappen musste ich spielen, ich hasse diese Rolle zutiefst.“
„Warum weinerlich?“
„Weil ich aus irgendeinem Grund meine Tränendrüsen steuern kann. Schaut her.“
Plötzlich strömten Tränen über Ralfs Wange und er wimmerte äußerst überzeugend.
„Stehst du auf Frauen?“
Klara wollte es wissen.
„Ich bin bisexuell also ja. Komm doch her, schöne Frau.“
Klara rückte auf dem Sofa näher an ihn heran und Kaz und Emily verdrehten genervt die Augen. Er hatte nicht so wirklich Lust darauf, Klara und Ralf knutschen zu sehen, während das GSG9 ihnen aufgrund einer falschen Fährte auf den Fersen war. Am Fenster warf er einen Blick nach draußen.
Mittlerweile alles voller Polizei und oben kreisten Nachrichtenhubschrauber und ein Paar der Polizei. Na toll. Mehrfacher Mord, Entführung und was man ihm noch anhing. Das war mehr als einmal Lebenslänglich.
   Im Kino liefen die Nachrichten. Klara hatte die Fesseln durchgeschnitten und knöpfte gerade Ralfs Hemd auf, Wolf las Zeitung. Akira las in einem Sessel ein Comic, Amber spielte mit Lucy fangen, Jack stand mit einer Cola auf der Galerie und beobachtete das Treiben, Karl lag vor der Küche und schlaberte Pfirsiche weg und der Rest guckte Nachrichten.
   Interessante Geiselsitutation. Tamara und Xen waren wieder bei ihren Kindern in der Wohnung.
Er ging an dem Sofa mit Yusuf und Nadja vorbei, die schmusten und sich sanft küssten und nach oben in Richtung Kino. Emily saß versteinert auf einem der Sessel und starrte mit Wut auf die Leinwand. Helikopterbilder von der Landung ihres Belugas. Dann wurde er in einem sehr unvorteilhaften Bild gezeigt und dazu die Entführungsopfer.
„Die Republik ist geschockt von einer der dreistesten Entführungen seit langem. Der durchgeknallte Psychopat Sebastian Solomon hat schwer bewaffnet das Konzerngelände von Horizon betreten und sich eine blutige Schneise bis zu seinen Opfern gebahnt. Die Schwestern Emily und Klara Strauss und der angehende CEO Ralf Horrowitz. Mit seinen Opfern und einem Komplizen gelang ihm die Flucht in einem Lambda Beluga und ist vor wenigen Minuten in seiner Wohnung eingetroffen, wo ihn seine Komplizen erwarten. Wir erwarten, dass die Polizeistreitkräfte mit diesem Verbrecher kurzes Spiel machen werden …“
Er mutete den Ton. Er setzte sich neben seine beste Freundin, die zu weinen angefangen hatte und umarmte sie.
„Das waren doch alles nur Lügen. Ohne dich wären wir jetzt alle drei tot. Und die haben eiskalt ein Double von dir da durchgejagt. Und zeigen natürlich nur die Szenen dir ihre Narrative bestärken. Das wussten die, da ist einer rein der so aussah wie du und hat alle plattgemacht, Hal hat mir deine Aufnahmen der AR-Brille geschickt und die zeigen ein ganz anderes Bild. Aber woher wusstest du von dem Angriff?“
„Ralfs merkwürdige Einladung und die Umstände, ich hatte da so ein ganz mieses Bauchgefühl.“
„Zum Glück, ich will nicht schon wieder Hops gehen, nicht so schnell. Und Ralf ist ein Blödmann, dass er uns so verarscht hat. Man, ich weiß nicht wie Klara den gut finden kann. Meinst du wir sind hier sicher?“
„Guck dir Berlin Solomon an und du weißt die Antwort. Ich wette das alles hier ist ein einziger Bunker. Nur das Problem der schwarzen Geister ist, dass sie sich verraten, wenn sie jetzt zu früh eingreifen. Ich weiß nicht was uns blüht. Jedenfalls halten die Geister zusammen. Ich mach mal wieder an. Soll ich dir deine Lieblingsdecke holen und ein paar Snacks?“
„Oh bitte, bitte. Nein warte ich komme mit hoch, da haben wir einen Fernseher nur für uns.“
„Wie du möchtest. Der Wachdienst hat mir mitgeteilt, dass sämtliche Eingänge und Einfahrten verriegelt sind. Und ich hab beide Türen fest abgeschlossen. Ich möchte sehen wie die da durchkommen wollen. Die Eingesperrten im Center unten freuen sich über die kostenlosen Snacks der Cafés und Restaurants. Über Studio und Schwimmbad kommt da keiner rein.“
Zusammen gingen sie hoch in das Schlafzimmer, wo Anna schon spärlich bekleidet Nachrichten sah und Chips mampfte. Sie schlüpften aus den schweren Sachen und gesellten sich dazu.
„Guck mal, die haben Hauptkommissarin Andrea Wolf vor Ort.“
„Frau Wolf, wie gedenken sie vorzugehen?“
„In erster Linie nicht die Taktik nicht im Fernsehen verraten. Aber so viel. Wie haben alles großzügig abgesperrt, wir haben Scharfschützen postiert und der Luftraum ist jetzt abgesichert. Wir überlassen es dem GSG9 mit der Geiselbefreiung fortzuführen, die sind in wenigen Minuten da. Dann geht alles ganz schnell.“
Es knackte plötzlich laut, wie wenn jemand der auf ein Mikrofon klopfte.
„Sehr geehrte Polizei, liebe Freunde der GSG9. Dreht ab und zieht euch zurück. Ihr betretet militärisches Sperrgebiet. Das ist eine Warnung, wenn ihr nicht hört, werden wir Warnschüsse abfeuern. Ende.“
Die köperlose Stimme verebte. Die Reporterin wirkte verunsichert.
„Kein Grund zu Sorge, leere Drohungen um uns abzuschrecken.“
Kaz setzte sich auf und öffnete die Blendung der Fenster. Jetzt war er doch selbst gespannt.
„Soll dich die Welt ernsthaft in Boxershorts mit zwei Weibern im Bett sehen?“
„Zieh dir halt was an meine liebe Emily.“
Er zog sich eine Jogginghose und ein T-Shirt über und kramte in seiner Schublade nach dem Nachtsichtgerät und einem Fernglas. Die Polizisten unten schienen zu tuscheln. Dann ging schrittweise das Licht aus. Der Strom war aber hier drinnen noch da.
„Was hat das zu bedeuten, Frau Wolf.“
„Ich beende das Interview. Ich muss nach dem Rechten sehen.“
„Eilmeldung, an den Zufahrtsstraßen zum Platz der Nationen, schieben sich schwere Stahlschranken aus dem Boden. Wir kommen weder raus noch andere rein, wir sind von der Außenwelt abgeschnitten! Und hört ihr das? Da kommen endlich die Helikopter der Polizeispezialkräfte.“
Kaz sah nach draußen. Plötzlich wurden unzählige Nebelgranaten in die Menge der Polizisten gefeuert. Unter den Polizisten brach Unruhe aus. Noch war aber kein Gegner zu sehen.
Er suchte die Dächer ab und machte ein paar Polizeischarfschützen aus, er winkte ihnen zu. Und er machte noch etwas anderes aus. Die Siluette eines nachtschwarzen Orcas ohne Lichter der sich schnell ihrer Position näherte. Zwanzig Meter über dem Hochhaus verharrte er in der Luft.
Das war nicht das GSG9. Die in den Nachrichten checkten das auch. Die gingen mit der Kamera aus der Luft nahe an die Orcas ran. Schwer gepanzerte Gunships vor Waffen und Raketen starrend.
„Das ist keine Übung, ihr stört eine militärische Übung. Unsere Scharfschützen haben eure im Visier, ergebt euch, heute Nacht muss keiner Sterben. Und dreht ab GSG9, das sind Orcas kein Spielzeug.“
Die Polizistin dachten gar nicht ans Aufgeben, auch nicht im Angesicht von vier Orcas.
Schüsse knallten durch die Nacht als Die Scharfschützen auf die Orcas Feuer eröffneten. Völlige Verzweiflungshandlung. GSG9 Kräfte seilten sich über dem ihrem Haus von Helikoptern ab.
Acht schwarze Swordfish tauchten aus dem Nichts auf. Sie flankierten die schweren Orcas. Dann seilten sich schwarze Geister aus allen zwölf Flugzeugen ab und überwältigten und fesselten die Polizeischarfschützen. Dann verschwanden sie mit ihren Opfern in den Gebäuden. Noch mehr Geiseln, so wird das auch nichts. Angriff eines Polizisten war schon so eine Sache.
GSG9 Polizisten versuchten vergeblich sich zu Zugang zu verschaffen. Er grinste, tja so eine Festung ist schon doof Jungs.
   Dann flackerten die Aufnahmen und das Bild wackelte enorm. Er wusste auch warum, die Orcas schossen Warnschüsse mit Leuchtspurmunition ganz nahe an den Nachrichtenhelikoptern vorbei.
In der dichten Nebelsuppe am Grund konnte man nichts erkennen. Die Sendewagen sendeten nicht mehr. Die Helikopter der Nachrichtensender drehten ab. Die der Polizei blieben auch nach den Warnschüssen.
   Er probierte etwas und schaltete auf den kleinen Sender des BIT um. Jemand filmte von einem der Balkone hier am Platz der Einheit. Nein mehrere Filmteams und Kamera-Dronen. Einer der GSG9 Hubschrauber erzitterte heftig unter Einschlägen von großkalibrigen Waffen. Angeschlagen drehte er ab und verschwand in die Nacht. Fünf blieben zurück, drei von der Polizei und zwei vom GSG9.
„Das war die letzte Warnung. Dreht ab oder wir wenden tödliche Gewalt an.“
Die Stimme klang absolut humorlos. Nach ein paar Minuten drehten die fünf Helikopter geschlagen ab und suchten ihr Heil in der Flucht. Was bitte sollte das? Das machte doch alles nur noch schlimmer!
   Dronen mit Nebelwurfbechern deckten das Dach ein und das GSG9 versank in dichtem Nebel.
Er wusste schon was man sehen würde, wenn der Nebel verschwand und drehte sich um. Anna und Emily küssten sich und bemerkten ihn gar nicht. Haben alle nur das eine im Kopf?
   Er ging runter, Nadja und Yusuf gingen hoch. Klara und Ralf waren nicht da. Akira saß einsam in ihrem Sessel und sah Amber beim Spielen zu. Auf halbem Weg warf ihm Jack etwas zu, eine kalte Cola Dose. Hieß das, dass er ihm nach der Sache im Herbst verziehen hatte? Er hoffte es sehr.
Sie hatten schon alles geschmückt. Eine vier Meter hohe Tanne mit traditionellem Baumschmuck. Morgen wollten sie in die Kirche gehen, das fiel wohl ins Wasser. Traurig.
Plötzlich hämmerte jemand an die Tür. Das war Benj in seinem Kampfanzug. Er hatte eine gefesselte Person mit einem schwarzen Sack über dem Kopf dabei.
   Kaz machte auf und ihm wurde die Person regelrecht in die Arme geschubst. Dem Schrei nach war es eine Frau. Bitte nicht Hauptkommissarin Wolf. Er zog den Sack von dem Kopf, doch es war sie.
Ihre Augen weiteten sich, als sie ihn erkannte. Sie war äußerst zornig, trotzdem löste er den Knebel.
„Was fällt dir Drecksack ein, diese Show abzuziehen und jetzt auch noch die Polizei mit in die Sache zu ziehen und das GSG9? Du bist mir eine Erklärung schuldig!“
Jetzt endlich faltete Wolf die Zeitung zusammen und näherte sich ihnen.
„Guten Abend Frau Wolf. Merkwürdiger Zeitpunkt für einen Besuch.“ Witzelte er.
Andreas Augen loderten hasserfüllt.
„Ich glaube Hal und Lara sollten ihr den Film zeigen.“ Kaz guckte verständnislos.
„Welchen Film denn bitte?“
„Na Lara hat sich doch in das Netzwerk eingeklinkt und alle relevanten Kameraaufnahmen gesichert. Dazu den Live-Feed eurer Headsets.“
„Wann wolltet ihr mir das sagen?“
„Der Film wurde vor 130 Sekunden fertig gerendert. Er startet in zehn Minuten im Kino“
Kaz nickte wissend. Andrea starrte ihn nur verständnislos an. Wolf führte sie schon mal hin, während Kaz den Rest seiner merkwürdigen Familie einsammelte. Akira trug er und die drei Liebespärchen sammelte er auch ein. Alles Lustmolche und zwei Pärchen erwischte er im Akt als er klopfte.
Ihr nehmt es euch echt zu einfach in dieser Krise.
Dann saßen sie endlich mit Softdrinks und Popcorn im Kino und starrten auf den Counter. Bei Null tauchte ein Datum auf. Stimmen unterhielten sich auf Russisch.
„Unsere Rache startet heute. Diese Diebin will ich leiden sehen, nehmt ihr das was ihr am meisten bedeutet, ihre Beweglichkeit. Ryan du machst deinen Bruder kalt, ich kümmere mich um das Hauptgericht, diesen lügnerischen Bastard, der diese falsche Schlampe fickt. Amber bleibt für den Schluss, sie ist mein.“
Bilder wurden dazu eingeblendet. Die Spinnenkönigin alias Liz, Vera alias Mara und Ryan.
Dann die Bilder von dem Attentat auf Akira, diese schluchzte heftig auf. Die Prügelei mit Jack, Ryan hielt seine Schläge sichtbar zurück und er wirkte als ob er litt.
   Die Bilder mit Liz persönlich waren intensiv. Kamera Blickwinkel von Straßenkameras zeigten Kaz Erlebnis aus mehreren Perspektiven. Die Schusswechsel waren heftig. Schwärze. Erneut ein Gespräch auf Russisch.
„Ryan hör auf dich zurückzuhalten, er ist nicht mehr dein Bruder, er ist dein Gegner! Mara, für dich gilt dasselbe. Kaz hat die Warnung bekommen, jetzt kommt unsere nächste Phase.“
Ein Mann, der sich als er verkleidet hatte erschoss unzählige Wachen. Andere Männer zogen Unformen des Horizon Wachschutzes an und schwärmten mit schweren Waffen aus. Und dann seine Perspektive, die Rettung und die Flucht. Der dicke Fisch wurde aus der Sache herausgelassen. Und dann den Interventionsversuch der Polizei und des GSG9. Am Ende flackerte das Symbol der Geister über den Bildschirm.
   Packend und intensiv inszeniert, dass würde gut einschlagen.
„SIR, Die Einsatzleitung ruft sie, Ripper und Wolf. Mimik hat erneut zugeschlagen.“
Unauffällig schoben die drei sich aus dem Kino und folgten Wolf aus der Wohnung zum Fahrstuhl.
„Mimik, Liz, wie auch immer, sie haben uns angegriffen, dieses Mal direkt. Adam will uns sehen, er leitet diesen Einsatz. Eigentlich seit ihr noch nicht bereit, aber folgt mir in meinen Bau.“ Wolf.
Damit hielt er seinen Transponder hoch und machte an der Wand einen … Retina Scan.
Der Aufzug schoss in die Tiefe. Sehr weit hinab in die Tiefe. Dann öffneten sich die Fahrstuhltüren und Wolf rannte durch ein Gewirr von breiten weißgestrichenen Gängen, ihnen liefen aufgeregt wirkende Menschen in weißen Uniformen entgegen. An einer großen Tür blieben sie stehen und bewaffnete schwarze Geister machten ihnen auf. Sie standen in einer Kommandozentrale, die locker fünfmal so groß wie die in Hals Fabrik war. In der Mitte war ein riesiger Tisch über dem ein Hologram schwebte. In Rängen saßen dutzende von Leuten, wenn nicht hunderte. Er kam sich vor wie in Star Wars. Und die Stimmung schien ernst zu sein. Sie nahmen Platz. In einer goldenen Uniform stand Adam in der Mitte und redete.
„… Sigma will sich nicht mehr einmischen, nachdem sich ein Schiff von der Größe eines Superwals aus dem Orbit auf Berlin Solomon abgesenkt hat. Es ist ein Stealth Schiff von Mimik, und die vermutete Jacht der Spinnenkönigin. Das würde erklären, warum alle Transporter von Mimik plötzlich von dem Radar verschwunden sind. Momentan sind sie zwei Kilometer über dem Grund über unseren Köpfen und warten. Trotz des Trubels von vorhin, dürfte man ihre Anwesenheit schnell bemerken, auch wenn die Luftwaffe nichts in ihrem Arsenal hat, was diesem Schiff etwas anhaben kann. Ich mag keine Referenzen, aber was macht man gegen ein Raumschiff von der Größe eines Sternzerstörers? Und über Berlin darf dieser Koloss auf gar keinen Fall abschmieren, viele Millionen unschuldige Leben sind in Gefahr. Mimik hat eine Russlandoffensive gestartet und attakiert von Osten her. Eine Armee aus Kampfläufern unterstützt von Sabres und Bruisers. Die Russen reagieren panisch. Und rufen verzweifelt um Unterstützung. Deutschland wird definitiv eingreifen. Diese Armee darf auf gar keinen Fall in Europa einmarschieren. Ich …“
Kaz starrte entsetzt auf das Holgramm, ein Landeschiff oder sowas näherte sich dem Platz der Nationen eins. Das Die Polizei hier nicht reinkam war eine Sache, aber Mimik und die durchgeknallte Liz war etwas ganz anderes. Fuck, seine Familie und Freunde waren alle hier.
Alarmsirenen schrillten. Die Personen auf den Rängen sprangen auf und rannten aus dem Saal. Sie wollten auch aufspringen, aber Adam hielt sie zurück. Verdammt, der war ja bleich wie ein Gespenst.
„Vor den anderen wollte ich es nicht sagen, aber vor euch schon. Der Kampf ist persönlich. Sahid und mein Vater wurden von der Bande entführt. Und ich komme hier nicht weg. Bitte befreit die beiden. Wir schicken euch einen Lambda Hammerhead hoch, die sind kaum zu orten. Wir wissen nicht, wie lang dieses Schiff dort oben bleibt. Im Orbit kommen wir nicht mehr an sie heran und die Mimik Zentrale ist nicht zu knacken. Jedenfalls jetzt noch nicht. Springt da rauf und geht rein und versucht die Kontrolle zu bekommen. Die Mission ist nicht offiziell, wenn sie schief geht, dann geht das auf meine Kappe. Und jetzt … was ist das denn?“
Kaz war vor einen Bildschirm getreten und sein Herz krampfte sich zusammen. Mimik war eingedrungen und entführten ihre Familie und ihre Freunde. Er ballte die Hände zusammen.
„WO sind die Anzüge?“
Brüllte Wolf. Adam rannte los und sie hinterher. Hier war doch alles viel zu groß. Sie rannten dem Araber hinterher und in einen Raum, wo ein eingespieltes Team ihnen neue Anzüge anlegte. Er hatte einen Berserker Anzug für Nahkampf. Die Unterarmklingen ließen sich mit einem Schnappen ausfahren. Sie schnappten sich schwere Waffen und rannten zum nächsten Aufzug in den zweiten Stock. Die Wohnung war regelrecht verwüstet. Er fand Akiras blutbespritzte Regenbogenperücke. Nur Lucy und Karl waren bei bester Gesundheit und hatten sich versteckt. Vom Rest fehlte jede Spur. Auch die Angestellten Wohnungen waren leer. Xen, Tamara und ihre vier Kinder … weg. Alle waren weg! Verdammte Scheiße! Er schlug wiederholt gegen die Wand, der Putz platzte unter der Wucht der Schläge ab.
   Das waren mehr als zehn Geister in der Gefangenschaft dieser Bastarde und alles was ihm lieb und teuer war. Die falsche Liz würde dafür bezahlen.
   Dann rannten sie voller Wut zum Flugdeck und sprangen in den startenden Hammerhead.
Durch die Visiere waren ihre Gesichter nicht zu sehen, aber sie drei zitterten vor Wut und vor Angst.
„Jack, keine Gefangenen. Was machst du wenn dir die Munition ausgeht?“
„Ich stech das Schwein ab bis es in einer Blutlache daliegt.“
Wolf hatte keinen Einwurf gehabt und schwieg. Sie stiegen schnell. Adam sah alles durch ihre Helmkameras.
„Absprung in einer Minute. Ich flieg niedrig rüber und verpiss mich dann. Euer Zeitfenster für euren Absprung ist verdammt klein.“
Sie nickten und checkten ihr Equipment und prüften den Kugelstand ihrer Waffen.
Jetzt konnten sie es mit einer kleinen Armee aufnehmen, was ihnen auch bevorstand.
Die grüne Lampe ging an und sie sprangen. Auf dem Metalldeck sah es aus wie auf dem Flugdeck eines Flugzeugträgers. Gemischt mit der schweren Bewaffnung wie auf dem dicken Fisch. Der Tag nahm auch kein Ende.
   Jetzt ging es um Schnelligkeit und es schien hoffnungslos. Drei gegen zig Tausende. Hoffentlich kickte der Rausch ordentlich. Und Jack musste sich jetzt beweisen.
   Was er tat indem er die ersten acht Gegner erschoss und dem neunten sein Messer in die Kehle rammte. Guter Junge, aus dir wird doch noch ein echter Solomon.
   Mit gewohnter Präzision metzelten sie sich durch das Schiff. Der alte Wolf teilte auch gut aus.
dreiundachtzig Tote später trat er eine schwere Tür ein und sie betraten einen regelrechten Saal mit einer Galerie. Er rannte durch den Raum, all ihre Freunde waren hier, gerettet!
„Was gedenkst du da zu tun, Dagger?“
Liz Stimme ließ ihn nach oben sehen. Sie trug ein stark durchscheinendes weißes Kleid und hielt ein Glas Rotwein in der rechten augmentierten Hand du sah ihn amüsiert an.
„Meine Freunde retten.“
„Ein Mörder hat Freunde. Schwer zu glauben, aber hier bist du. Hat dich Liebe geführt oder Loyalität.
Zu mir warst du nicht loyal, das wird deine liebe Anna bezahlen. Du hast eine letzte Chance. Schließ dich mir an und an meiner Seite wirst du großes vollbringen.“
„Dir Spinnenfotze das Maul stopfen vielleicht.“
Etwas verärgert nippte sie an ihrem Wein.
„Macht die anderen beiden kalt, Dagger gehört mir.“
Sie warf das Glas weg und sprang behände über das Gelände. Sie wog doch höchstens halb so viel wie er. Aus den Blickwinkeln sah er wie Wolf von Mara und Jack von Ryan beharkt wurde.
Sein erster Schlag war mit voller Wucht und sie wich einfach aus. Ihr Tanz begann. Egal was er machte und wie er angriff, sie blockte oder wich seinen Angriffen einfach aus. Und sie traf ihn hart mit jedem Schlag. Er steckte trotz Anzug hart ein. Wie konnte jemand so kleines und zartes so hart zuschlagen? War das alles nur dank ihres Cyborgkörpers? Egal er fuhr die Klingen aus und sie fuhr zurück.
Aber nur kurz. Er beobachtete wie aus ihren augmentierten Unterarmen Klinken ausfuhren mit denen sie ihn schnell und brutal attackiert. Er musste in die Defensive gehen und versuchte ihre Angriffe zu blocken. Als sie ihm die Klinge durch die linke Schulter rammte grunzte er schmerzerfüllt.
Danach hatte sie ihn schnell und beinahe tödlich. Sie kniete auf seiner Brust und riss ihm die Maske vom Gesicht. Sie gab ihn einen Kuss und legte die Klinge an seine Kehlte.
„Jetzt könnte ich dich einfach so vernichtend schlagen. Aber stattdessen lasse ich dich … euch leben und eure Familie und Freunde bezahlen den Preis. Ihr werdet sie nie wieder sehen. Und Emily und Amber mache ich zu Meinesgleichen. Darauf freue ich mich schon. Sag tschüss, du Wichser.“
Und die Klinge fuhr zurück und sie schlug ihn eigenhändig K.O.

*
„Hey wacht auf, ich friere mir die Eier ab.“
Wolfs Stimme weckte ihn auf. Er blutete aus mehreren Wunden. Verdammt sie waren aneinander gefesselt. Und sie waren nackt, im Dezember. Großartig.
„Wir wurden heftig gedemütigt und sind verletzt, ich könnte einen Arzt vertragen, also hoch die Ärsche und es wird marschiert. Ich vorwärts ihr seitwärts.“
Mühsam rappelten sie sich auf. Jack wirkte benommen und resigniert.
Verdammt, ihm tat jetzt schon alles weh und seine Wunden schmerzten in der Kälte.
„Auf geht’s, eins zwei, eins zwei, eins zwei.“
Mehr schlecht als recht bewegten sie sich über den verschneiten Acker irgendwo im Niemandsland.
Aber sie sahen Lichter in etwa zwei Kilometer Abstand. Ein kleines Dorf.
„Habt ihr auch so aufs Fressbrett bekommen?“
„Ja, meine liebe Tochter scheint mich echt zu hassen.“
„Ryan hat mich gar nicht erkannt glaube ich. Aber jeder Schlag war wie ein Sack Ziegel. Wir haben immer zusammen trainiert, er weiß wie ich kämpfe und er hat es gegen mich ausgenutzt.“
„Liz hat mich einfach nur gedemütigt. Ich hab so Angst um alle. Ich will nicht wissen was sie mit ihnen vorhat. Und Amber, sie …“
„Halt die Fresse und konzentrier dich aufs rennen. Ich will gar nicht wissen was die Schlampe mit meiner Freundin anstellt und erst mit Mama und Emily.“
Schweigsam rannten sie gefesselt und nackt durch die Kälte während ihnen alles abfror.
„Hilfe ist auf dem Weg.“
„Wie denn das bitte?“
„Der Hochrangige Geister und Infiltratoren bekommen einen Peilsender implantiert. Hör mal in die Nacht, das ist ein Swordfish.“
„Und warum machen wir uns zum Affen und rennen durch die Kälte.“
„Um uns in Bewegung zu halten, ganz wichtig bei Kälte.“
„Das hast du dir ausgedacht.“
„Weiß ich nicht mehr, ich werde auch langsam senil.“
„Könntet ihr alten Säcke dir Klappe halten? Ich spüre meine Zehen nicht mehr.“
„Solange du deine Eier noch spürst ist alles ok Jungchen.“
„Halt doch die Klappe Wolf. Mir ist gar nicht zum Lachen.“
Das Flugzeug flog niedrig über sie hinweg und landete fünfzig Meter vor ihnen auf dem Acker. Sie rannten und erreichten die Laderampe hoch ins warme Innere. Schwarze Geister reichten ihnen Unterwäsche dicke Wollsocken, Ein Sanitäter flickte sie notdürftig und sie schlangen dicke Wolldecken um ihre Schultern.
   Der Swordfisch landete auf dem Helipad des Berlin Solomon Krankenhauses und sie wurden fachmännisch geflickt und in Dreibettzimmer verfrachtet.
Nach einer Stunde tauchte Adam schwer geknickt bei ihnen auf.
„Alles war umsonst. Ihr wurdet besiegt und schwer gedemütigt, die Mission schlug fehl und das Schiff von Mimik ist auf dem Weg nach Sibirien. Und geliebte Menschen … ach ich will gar nicht weitersprechen. Die Niederlage können wir Geister nicht so stehenlassen. Die Leben tapferer Geister und Unterstützer in den Händen der Spinnenkönigin stehen auf dem Spiel. Es gibt da eine Sache. Aber das ist ein Ticket ohne Wiederkehr. Und es wird einmal Hölle und zurück. Aber damit haben wir vielleicht eine Chance. Es nennt sich das Osiris Projekt.“
Der ägyptische Gott der Toten. Das klang doch wunderbar. Er wechselte Blicke mit Jack und Wolf und die beiden nickten.
„Wir sind dabei.“
Hölle hin oder her, wenn eine Chance bestand ihre Liebsten zu retten, dann ab ins Gefecht.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 14

14. Kaz – 2.W.Dez. 2045 – Donnerstag – Platzprobleme

Er strich sanft über Akiras Arm während sie schlief. Die Ärzte in der Klinik hatten sich heftig gewehrt. Aber Akira war jetzt zuhause und wurde von allen umsorgt. Ausgerechnet Dora vom dicken Fisch kümmerte sich um sie, aber als Ärztin und Physiotherapeutin konnte sie Akira bestimmt am besten helfen.
Horizon wollte heute jemanden schicken, der die weiteren Schritte besprach. Das Mädchen schämte sich entsetzlich, dass man ihr bei allem helfen musste, aber so war das nun mal und Dora war exzellent, wie man es von einem Geist erwartete.
   Akira hatte stark verquollene Augen und weinte jeden Tag. Er hatte leider recht gehabt, es war für sie schlimmer als der Tod und ihre Zukunft lag in den Sternen. Was war für sich schlimmer, nicht mehr laufen rennen und klettern zu können oder keine Kinder? Wahrscheinlich war beides gleich schlimm.
„Papa?“
Er war zwar ihr Onkel, aber sie nannten ihn gerne Papa und er hatte nichts dagegen.
„Ja Liebes? Geht es dir etwas besser?“
„Weiß nicht, kannst du mir ein Glas Limo holen?“
„Die Vertreter kommen gleich, wie wäre es wenn ich dich unten zum Esstisch trage und du bekommst du deine Limo.“
„Abgemacht, aber sei vorsichtig, es ist noch lange nicht alles verheilt.“
Behutsam trug er Akira die Treppe herunter und setzte sie sorgfältig auf einen gepolsterten Stuhl. Als er sich sicher war, dass sie nicht vom Stuhl fiel holte er ihr etwas zu trinken. Dann saßen sie sich eine ganze Weile gegenüber und warteten. Anna setzte sich zu ihnen und ergriff Akiras Hand, Tränen rollten dem Mädchen über die Wangen. Kaz stand auf und umarmte sie von hinten.
„Alles wird gut meine Liebe. Wir unterstützen dich bei allem.“
Die Tür öffnete sich und Emily verschwand kurz in die Garderobe, dann gesellte sie sich zu ihnen.
Eine weitere halbe Stunde warten und die Türglocke läutete. Kaz kletterte über das Geländer und ging unten ran. Er öffnete und ein Schwall Aftershave überfuhr ihn. Vor der Tür standen Ralf Horrowitz und Amanda Hopf. Er führte sie nach oben. Wie bekam man diesen Trampel dazu, sich nicht so sehr einzunebeln. Das war ja noch schlimmer als Johnny, als er Helena gedatet hatte.
„Guten Abend die Herrschaften. Entschuldigung die Verspätung, aber das Militär ist immer noch sehr strikt was die Luftraumüberwachung angeht. Mein Name ist Ralf Horrowitz und das ist Amanda Hopf, Leiterin des Augmentierungszentrums. Aufgrund der Schwere des Falles hat man uns sofort uns kontaktiert. Im Falle Ihrer Situation sind wir persönlich bei Ihnen erschienen.“
Akira schwieg und biss sich auf die Unterlippe. Amanda übernahm das Wort und legte ein Gerät auf den Tisch. Sofort erschienen Bilder auf der Tischoberfläche.
„Du bist Akira, stimmts? Ich gehe mit dir deine Optionen durch. Zuerst die einfachste Variante. Der Rollstuhl. Es gibt einfachere, aber auch hochmoderne mit vielen Komfortfunktionen.“
Akira schüttelte heftig den Kopf. Weitere Bilder.
„Dann die elektrischen Rollstühle. In ihrem Falle würde sich der Treppensteiger eignen. Ein Sechsbeiniger Läufer für Treppen und unwegsames Gelände. Der ist etwas hochpreisiger.“
„Ich will meinen elendigen Körper nicht durch die Gegend schieben, ich will laufen können.“
Amanda wechselte Blicke mit Ralf.
„Dann landen wir leider im hochpreisigen Segment, dass sich die meisten Menschen nicht ohne weiteres leisten können. Und zwar Exo-Suits und Augmentierungen. Der Läufer zum Beispiel. Eine Hose mit Gelenken und Motoren, mit der du Gehen, ein bisschen Laufen und Treppensteigen kann.“
„Und wenn ich klettern und rennen will?“
„Diese Option schlagen wir eigentlich nur Leuten mit Amputationen vor. Künstliche Beine. Eine sehr intensive Operation, nach der du dich wieder ganz normal bewegen kannst. Allerdings wird es jegliche Hoffnung auf einen Kinderwunsch zunichtemachen.“
Akira lächelte krampfhaft während sie heftig weinte. Emily umarmte das Mädchen. Sie hatte so eine Augmentierung und auch sie hatte sich immer Kinder gewünscht und durfte sie nie bekommen.
„Es gibt allerdings noch eine Sache. Noch im Prototyp Stadium und du wärst erst die fünfte Patientin. Wir nennen sie intern nur die Haut. Das ist ein hauchdünner Ganzkörperanzug, der mit Milliarden von Naniten bestückt ist, die deinen Körper langsam reparieren. Damit wirst du wieder rennen, klettern, schwimmen und auch Kinder bekommen kannst. Leider ist diese Methode extrem teuer.“
Akira hatte aufgehört zu weinen und hörte aufmerksam zu. Sie zog Kaz am Ärmel.
„Darf ich fragen, wie viel genau, diese Methode kostet?“
Fragte er.
„Das lässt sich nicht so einfach sagen, aber im dreistelligen Millionenbereich definitiv.“
Anna, Emily, er und Akira schluckten heftig, aber Akira wirkte entschlossen.
„Das will ich. Wann geht’s los?“
Amanda starrte sie entgeistert an und Ralf wirkte schwer überrascht.
„Einen Moment, erst müssen wir einen Termin für einen Körperscan arrangieren und die Haut ist eine Maßanfertigung, die braucht einige Monate in der Herstellung. Wie wäre es mit Ende Februar und die Operation ist dann für Frühjahr angesetzt. Die machen wir bei Horizon USA in Austin, Texas.
Flug erster Klasse und Unterbringung für dich und eine Begleitperson ist im Preis mit inbegriffen.“
Akira nickte gefasst.
„Ja so möchte ich das machen, auch wenn es mein Erbe auffrisst, aber mein Körper ist mir wichtiger als das doofe Geld.“
Da war was dran. Er warf einen Blick auf Emily. Liz hätte von dieser Technik bestimmt profitieren können oder? Nein, sie hatte ja diese merkwürdige Krankheit.
   Ralf und Amanda verabschiedeten sich nach einer Weile und Kaz brachte sie zur Tür. Endlich war dieser eingenebelte Typ weg. Er holte Akira und setzte sie auf eins der Sofas. Für die Übergangszeit würde Akira einen Rollstuhl nehmen, aber erst wenn ihre Brüche verheilt waren. Fürs erste würde Kaz sie durch die Gegend tragen, schwer war sie ja nicht.
„Stinkt der Typ immer so?“
Emily nickte schwer.
„Mein Chef ist zwar sehr fachkompetent, aber er riecht immer so, als er hätte er die ganze Flasche Duftwasser über sich ausgeschüttet. Persönliche Unterredungen werden echt zur Qual.“
„Und er ist die totale Memme. Der ist doch null durchsetzungsstark.“
„Das stimmt, ich hab mal seinen Computer geknackt und mich drauf umgesehen. Der muss sich echt hochgeschlafen haben, bei der Kompetenz in Sachen Sicherheit.“
„Wie? Das verstehe ich nicht.“
„Wessen Passwort Johnny4Ever ist und ein Bild von Johnny auf dem Schreibtisch steht. Entweder waren sie beste Freunde oder ein heimliches Pärchen.“
„Hat er schlau angestellt, schwängert seine ‚Freundin‘ um die Erbfolge zu sichern und lässt sie zuhause als Hausfrau vermodern, während er sich mit seinem schwulen besten Freund vergnügt.“
Akira war völlig entsetzt und ihr kamen wieder die Tränen.
„Papa war Mama die ganze Zeit nur untreu? Dieses Arschloch.“
„Mit Bestimmtheit wissen wir es nicht, aber es wäre doch naheliegend.“
Akira dachte nach.
„Hab ich eigentlich Führungspotential?“
„Leider nicht, Amber hat das auch wenn sie zu selten übt.“
„Tja mir scheint es, als könnte ich mein normales Leben mit der vierzig Stunden Woche gar nicht genießen. Mein Chef ist eine Memme und Amanda will ihr Team nicht im Stich lassen. Vielleicht sollte ich wieder CEO werden, wenn das Board mich wählt. Ich hab diesen Job lange genug gemacht und er hat mir leider Spaß gemacht. Aber erst wenn diese Spinnenfotze weg ist. Sonst knallt die mich noch ab wie sie es bei Kaz versucht hat. Würdet ihr mich denn unterstützen?“
„Klar, unterstützen wir dich. Wir organisieren dir den Haushalt und kochen für dich. Schade, dass ich dich nicht auch noch heiraten kann. Einer im Haushalt muss eben das Geld verdienen. Auch wenn sich die Bücher für meinen Geschmack gerade viel zu gut verkaufen. Und darfst so viele Perücken und Pelze und anderen Schrott horten wie du willst.“
„Willst du mich also wieder zurück haben? Den Quatsch mit der Glatze und der weißen Haut und den roten Kontaktlinsen und dem Nazioutfit lasse ich aber sein.“
„Das geht schwer in Ordnung. Darf ich dich Küssen?“
„Ich bin zuerst dran.“
Akira sah ihn etwas verstört an, als sich Anna und Emily eng umschlungen räkelten.
„Gewöhn dich an den Anblick, Akira“
Sagte er mit etwas Resignation in der Stimme.
   Ein bisschen Normalität gefällig? Bei den Neuwahlen hatte die neue Mitte mit Wilhelm Bluhm an der Spitze vernichtend gewonnen und hatte die Mehrheit der Sitze im Bundestag, auch wenn der in Ruinen lag und gerade wiederaufgebaut wurde.
   Die ersten Gesetze waren bejubelt gewesen. Verankerung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung im Grundgesetz, Anti-Clown Maßnahmen, Aufhebung von Gesetzen zur Unterdrückung von Sprache und Entschärfung der Waffengesetzte. Wie in den USA durfte man jetzt als Zivilist verdeckt eine Waffe tragen. Ohne Five-Seven ging er gar nicht mehr aus dem Haus.
   Die Waffenkäufe besorgter Bundesbürger gingen durch die Decke und wurden regelrecht gehortet.
Und was links sehr viele Kontroversen ausgelöst hatte war die starke Förderung der Bundeswehr. Die Förderung der GSG9 war auch nicht gering gewesen. Und die Polizei in der Hauptstadt wurde nach der Umfangreichen Säuberungsaktion schwer unterstützt und die Akademie ertrank in Anfragen.
   Aber was glaubt ihr denn, wer die neue Mitte gewählt hat. Ein Ehemaliger Elitesoldat als Bundeskanzler, das hatte große Aufregung ausgelöst.
Und er glaubte, das hatte Wilhelm aus Purer Bosheit inszeniert. Militärparaden mit stolz marschierenden Soldaten und den neuen Leopard 3A2 Kampfpanzern und Omega Avengers und Shockwave und Scorpion Radpanzern in Bundeswehr Flecktarn. Mit Staffeln von Orcas, Bullsharks und einigen Belugas der Luftwaffe über den Köpfen der jubelnden Massen.
   Die alte Regierung hatte geschäumt vor Wut und in der Presse ging es rund. Man sprach vom vierten Reich. Aber das interessierte doch echt niemand mehr. Die Animals hatten ausgelöst, dass Patriotische Bundesbürger aller Hintergründe, Kulturen und Hautfarben durch die Straßen des Landes zogen. Mit Deutschlandflaggen und die Hymne schmetternd. Linke und rechte Gruppen veranstalteten Straßenschlachten. Die mittigen Animals hielten sich raus und feierten.  
   Menschen trafen sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen und diskutierten ohne Gewalt intensiv zu Themen und Ideen. Sprecher wurden in Universitäten eingeladen um zu gar nicht so kontroversen Sachen zu sprechen. Das war in der Vergangenheit nur im Darknet wirklich so in der Form möglich gewesen.
   Man hatte Sahid in das Kulturhaus von Berlin Solomon eingeladen. Er hatte vor über tausend Leuten sein Programm gespielt und es wurde herzhaft gelacht. Mit den Einnahmen hatte er seine Freundin Akira ins Haus der Welt eingeladen.
   Und dann wurden sie von den Schergen dieser Spinnenfrau attackiert. Gerade dann, wenn Leben wieder richtig Spaß zu machen drohte.
„Papa, könntest du auf akrobatische Einlagen verzichten, wenn ich nicht gehen kann?“
Oh, sein Sprung über das Geländer von vorhin. Stimmt, das war ihr gegenüber echt verletzend.
„Versprochen Kleine. Möchtest du dein Abendessen mit uns oder allein in deinem Zimmer genießen?“
„Ich würde gerne mit euch essen, wenn das möglich ist.“
Anna trennte sich sanft von Emily und setzte sich neben Akira.
„Klar darfst du das. Du musst nur selber abschätzen ob du dich fit genug fühlst. Du hattest einen schweren Autounfall und musst dich schonen. Dora wird heute Abend vorbeikommen und sich um dich kümmern. Ok Liebes?“
Kaz bekam Akiras Reaktion nicht mit. Emily kniete auf ihm und küsste ihn leidenschaftlich.
Das war bestimmt eine Riesenerleichterung für sie mit dieser komischen Beziehung. Emily wohnte jetzt quasi auch hier. Und Klara auch, wenn auch nicht ganz freiwillig. Sie hatten es nach dem Attentat auf Ihn, Jack und Akira beschlossen und in Großer Besetzung die Wohnung ausgeräumt und die Zweitwohnung damit eingeräumt.
   Aber Emily, er und Anna teilten sich das große Bett und Klara wollte mit Karl spielen. Also waren sie hier jetzt zu neunt. Suzi brachte Emily und Klara jeden Tag zu Horizon und zurück. Kaz fuhr Amber und Jack jeden Tag zum BIT und holte sie auch persönlich ab.
   Sie standen alle unter Hausarrest um Angriffen vorzubeugen. Das Personal kümmerte sich um alles. Aber Besuche im Center, im Haus der Welt und unten Im Schwimmbad und Fitnessstudio waren erlaubt. Jeden Tag wurden sie von Lien und Merlin kulinarisch umsorgt.
   Er setzte sich auf und schubste Emily spielerisch von ihm runter. Er freute sich nicht unbedingt aufs Bett, das er mit zwei hungrigen Löwinnen zu teilen schien. Die Absprache war gewesen, entweder ohne ihn zu zweit oder mit ihm zu dritt. Da er schlecht auf beide verzichten wollte, war die Lösung eindeutig auch wenn es ihn etwas resignierte. Es war schon etwas anstrengend, wie ihn die beiden belagerten und ihn außen vor ließen, wenn er mal keine Lust hatte. Natürlich war er immer Schuld, wenn er keine Lust hatte oder einfach mal keinen Sex wollte. Da verstanden sich die beiden Biester wunderbar. Mittlerweile verwendete er Ohrstöpsel, wenn er die beiden im Bett ausblenden wollte.
Ab und zu machte er sich bei Jack oder in einem Gästezimmer bequem.
   Er sah auf. Yusuf war zu spät oder? Er stand auf und ging zum Fenster, da zockelte die schwere Zugmaschine unten an der Straße vorbei und fuhr zum Lieferanteneingang, äußerst langsam.
   Eine Viertelstunde später war er oben, schwer mit Taschen bepackt und mit Nadja im Schlepptau. Ihr klebte ein großes Pflaster auf der Stirn und sie wirkte etwas wackelig.
„Nadja wurde überfallen und man hat ihre Wohnung völlig verwüstet, kann sie erstmal bei uns bleiben?“
Natürlich durfte sie und Kaz sagte Merlin Bescheid, dass sie heute zu zehnt essen würden während Yusuf die Sachen nach oben brachte. Nadja ließ sich auf dem Sofa neben Akira nieder.
   Der Avenger X5 wird immer kleiner. Selbst mit Jacks Defender war es jetzt eng. Er bräuchte vielleicht ein kleines Update, Xen war ja zum Glück gleich nebenan.
   Und es machte ihm Sorgen, dass Emily und Klara tagsüber nicht so gut geschützt waren. Das Horizon Gelände war zwar gut geschützt, aber wenn er die Sicherheitslücken ausnutzen konnten, dann andere definitiv auch. Und dieser Hampelmann Ralf hatte ihn einen Tag vor Weihnachten erneut eingeladen. Irgendwie hatte er bei der Sache ein ganz mieses Gefühl.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 13

13. Kaz – 1.W.Dez .2045– Samstag – Wiederauferstehung

Die S-Bahn fuhr in den alten Bahnhof ein und stoppte. Er mischte sich in den Strom der Massen und ließ sich nach draußen treiben, die Treppen runter und über die Straße an vollgestopften Bussen vorbei. Es war eisig kalt, etwa minus zehn Grad Anfang Dezember, das war seit Jahren nicht mehr so kalt gewesen. Aber er trug nur seinen Anzug wie immer, nicht ganz, er trug einen dicken Kapuzenpulli von Nox unter seinem Jacket. Dazu smarte und wärmende Handschuhe und eine AR Brille. Und seine schwere Umhängetasche nicht zu vergessen.
   Vor ein paar Tagen hatte ihn Emily kontaktiert, per Post und um ein Treffen gebeten. Sehr ominös.
In einem Lokal in der Nähe vom Eingang des Aquariums. Er lief am Zoo vorbei, an der wiederaufgebauten Gedächtniskirche. Dann war er am Treffpunkt und er sah Emily mit ihrem gewohnten Pelzmantel und der Hochsteckfrisur. Aber ein Detail ließ ihn zusammenfahren, sie rauchte. Emily verabscheute Tabak, also was war das hier? Er sah sich unauffällig um. Wie in einem billigen Agentenfilm. Überall betont unauffällige Menschen, die auf Bänken saßen oder spazieren gingen oder ihn heimlich beobachteten.
   Die Frau trat näher zu ihm. Das war nicht Emily, die sah exakt aus wie Liz mit Ende zwanzig.
„So trifft man sich wieder, nachdem uns der Tod getrennt hat. Und wie ich sehe verschwendest du mein Geld ohne Sinn und Verstand. Dafür gebe ich dir einen kleinen Denkzettel. Gib mir mein Geld zurück du Heuchler und Betrüger oder ich nehme dir alles wieder weg“
Kaz war verblüfft, das war Liz Stimme. Aber das war nicht Liz.
„Soll ich dir einen kleinen Vorgeschmack geben? So sehe ich wirklich aus!“
Sie ließ den Mantel zu Boden gleiten und sie trug nichts darunter. Augmentierte Beine, Schneeweiße Haut, abstoßende Tätowierungen mit Spinnen. Ihre Arme waren ebenfalls augmentiert und ihr Kopf. Die braunen vollen Haare zogen sich zurück, die Haut wurde weiß, die Augen Rot und Tätowierungen wurden sichtbar. Angeekelt trat er zurück.
„Bin ich nicht wunderschön? Man hat mich nicht nur von dem Tot bewahrt sondern einen starken und traumhaft schönen Körper nach deinem Design gegeben. Und jetzt kommt deine Strafe.“
Kaz wusste was kam, machte kehrt und rannte was das Zeug hielt. Er zog sich die Kapuze tief ins Gesicht und zog seine Umhängetasche vor die Brust. Hinter ihm hörte er russische Schreie und Flüche und Kugeln zischten um ihn herum. In Windeseile schraubte er einen Schalldämpfer auf die Kriss Vektor und schob ein Magazin mit 9mm Munition in den Schacht. Schulterstütze ausklappen, Laden, entsichern und los geht’s.
   Drei Russen fielen seinen kurzen Salven zum Opfer. Er suchte hinter einem Betonpfeiler Deckung und wartete die Schüsse ab, Er lugte hervor und erschoss noch zwei Gegner. Dann erstarrte er, da hinten kamen gut und gerne zwanzig bewaffnete Gestalten. Also Rückzug.
   Er rannte zurück zur nächsten U-Bahnhaltestelle. Passanten stoben erschrocken zur Seite. Schlitternd kam auf dem Bahnsteig an und sprang förmlich mit einem Hechtsprung durch die schließenden Türen der nächstbesten U-Bahn. Die Mitfahrer starrten ihn entgeistert an, als er das SMG wieder zerlegte und in seiner Tasche verschwinden ließ.
„SIR! Ihre Nichte Akira wurde vor wenigen Minuten von einem Auto überfahren und ist gerade auf dem Weg ins Krankenhaus, sie ist sehr schwer verletzt. Und Jack wurde überfallen und heftig verprügelt. Er ist aber jetzt wieder zuhause in Sicherheit. Sir, das waren Attentate.“
„Ja ich weiß, und ich Idiot schnalle es mal wieder nicht. Das war alles, aber das war nicht Liz. Diese Frau ist knallhart und Böse. Und abstoßend hässlich.“
„Dem stimme ich zu, ich habe Ihr Design der Gesichtslosen immer schon verabscheut.“
In Windeseile fuhr er nach Hause, das restliche Stück im Avenger und direkt ins Krankenhaus von Solomon, wohin man Akira gebracht hatte. Vor dem Krankenhaus hielt er und steckte nur seine Five-Seven ein und ließ die Tasche im Wagen. Im Krankenhaus war er noch nie. Er musste durch eine schwere Schleuse und die schwer bewaffneten Wachen fanden seine Pistole. Im Gegensatz zu Horizon war das hier eine Festung, wie das BIT oder das Viertel der Patrioten. Anerkennd ließ er den Blick schweifen. Eine Schwester führte ihn zu Akira, das arme Mädchen sah schlimm aus. Frische Verbände überall. Und ihre Hüfte wirkte unnatürlich verdreht. Ein Arzt mit einem roten Vollbart betrat das Zimmer.
„Guten Tag, Zimmermann mein Name. Sind sie der Onkel?“
Kaz nickte heftig.
„Die Patientin ist erst vor weniger als einer Stunde hier eingetroffen. Kollision mit einem Auto, wir wissen keine Details. Ich mache es kurz. Sie Ihre Beine und ihre Hüften wurden heftig zertrümmert. Sie wird nie mehr laufen und es ist unwahrscheinlich, dass sie auf normalem Weg Kinder bekommen können wird. Das wird ein großer Schock für das Mädchen sein, nehme ich an.“
Verdammte Scheiße. Das Kletter- und Parcour-Ass Akira würde nie wieder laufen können. Für Akira war das viel schlimmer als der Tod. Jetzt würde sie für den Rest ihres Lebens ein Pflegefall werden.
„Ich vermittle sie an das Augmentierunszentrum der Horizon Klinik weiter, die werden sich bei Ihnen melden, damit weitere Schritte unternommen werden können. Wir sind für solche Fälle nur unzureichend gewappnet, fürchte ich. Es tut mir Leid. Ich lasse sie jetzt allein.“
Dr. Zimmermann verschwand und ließ ihn allein mit Akira zurück. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich an das Bett. Zumindest atmete sie tief und entspannt. Er strich ihr sanft über den Kopf.
„Sir, Anruf ihrer Verlobten.“
Er ging ran.
„Ja Anna? Ich bin im Krankenhaus. Akira wurde überfahren!“
„Oh mein Gott, das ist absolut entsetzlich. Ist unsere Wohnung überhaupt Barrierefrei? Oh das ist so schrecklich. Ich bin hier mit Jack, er hat ordentlich etwas abbekommen. Er schwört Stein und Bein, dass es sein toter Bruder Ryan war, der ihn so zugerichtet hat. Nadja ist auf dem Weg, um sich die Wunden anzusehen, sie ist ja Sanitäterin. Der Rest ist sicher mit mir hier. Pass bitte auf dich auf.“
„Mache ich, keine Sorge.“
Er legte auf. Wenn Liz auftauchte, dann war Ryan gar nicht so abwegig fand er und er wettete dass eine tote Mara ihr Unwesen trieb. Das war schwer beunruhigend.
„Darf ich dich festnehmen wegen illegalen Waffenbesitzes?“
Andrea Wolf hatte das Krankenzimmer betreten. Er zuckte zusammen, war die Five-Seven nicht erlaubt? Sie sah aber nicht so aus, als würde sie ihn verhaften wollen.
„Darf ich dich umarmen?“
Er ließ es zu, dass sie ihn fest umarmte.
„Entschuldigung, aber es erschien mir angemessen. Die Berliner Polizei ist nach der großen Säuberung immer noch sehr unterbesetzt, aber wir ermitteln wegen versuchten Mordes. Das war kein Unfall, guck dir das an.“
Sie zeigte ihm ihr Prism und ein Video lief. Aus vielleicht zwanzig Metern Entfernung gefilmt. Akira in Joggingmontur streckte sich auf einem Parkplatz. Dann rauschte ein schwerer Geländewagen mit Elektroantrieb ohne Nummernschilder heran und erwischte Akira volle Kanne an der Hüfte. Sie flog durch die Luft, während der Wagen zurücksetzte und verschwand. Der Kameramann lief auf die Verletzte zu und man hörte aufgeregte Stimmen. Jemand rief den Notarzt.
„Das sind Aufnahmen einer AR Brille, von einem der Animals. Die haben das auf ihrem internen Board hochgeladen, aber jemand hat es auf Twitter geleaked. Lies dir besser nicht die Kommentare durch, die sind bodenlos. Verursachter Mord und Akira ist schwer verletzt. Schande.“
Wut kochte in ihm hoch. Diese Spinnentussi hatte ihm gedroht und er, Akira und Jack mussten dafür bezahlen. Das war doch krank.
„Ach übrigens man hat von Dreharbeiten für einen John Wick Film am Bahnhof Zoo gehört. Warst das du? Meine Kollegen haben Blutflecken und reichlich Patronenhülsen sichergestellt.“
„In der Tat, ein Haufen Russen und eine Liz Doppelgängerin haben mich versucht abzuknallen, das konnte ich so nicht zulassen. Ich schick dir die Aufnahmen meiner AR Brille.“
„Das wäre hilfreich, ich will dich nicht wegen Mordes einbuchten müssen.“
„Nein, das wäre nicht in meinem Interesse. So, sind geschickt.“
Die Polizistin sah sich das Video an und schluckte.
„Oh man, die war ja super reizend. Ich leite das weiter. Ich lasse euch nun allein.“
Andrea ging wieder raus. Er wollte Akira nicht allein lassen. Er machte sich auf dem Stuhl bequem und döste eine Weile.
   Ein paar Stunden später wurde er geweckt.
„Papa, Papa, bist du das?“
Akira weinte. Er korrigierte sie nicht, außerdem sah er sie sogar ein bisschen als seine Tochter.
„Ja mein Schatz, ich bin bei dir.“
„Ich kann meine Beine nicht bewegen! Bitte sag nicht dass …“
Ihre Stimme brach.
„Doch, du bist querschnittsgelähmt.“
Akira schluchzte heftig und laut. Er umarmte sie, ohne ihr mit den Verletzungen wehzutun.
Sie klammerte sich eng an ihn. Eine Schwester kam herein und sah nach dem Rechten. Sie machte einen mitfühlenden Gesichtsausdruck als sie Akira sah und fuhr ihr Bett in eine etwas aufrechtere Position, es würde gleich Essen geben. Aber er dürfe noch weiter bleiben. Akira hörte nicht auf zu weinen. Er würde sie nach Hause mitnehmen, koste es was es wolle. Aber hier war alles steril und kalt. Er würde mit dem Arzt reden.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 12

12. Jack – 2.W.Okt 2045 – Freitag – Der Fluch

Es klopfte an der Tür während er über Chemiehausaugaben brütete. Man, kann man denn seinen Freitagabend in Ruhe nicht genießen. Er hasste Chemie, auch wenn er verdammt gut darin war. Komische Mischung. Das Klopfen wiederholte sich Es klang wie eine Klinge auf Holz, da erlaubte sich jemand einen Spaß mit ihm. Aber er zuckte nur mit den Schultern. 
„Ja komm rein.“
Es war ausgerechnet Karl. Was war das denn? Der Waran schob ihm eine Postkarte über den Boden hin. Er hob die Karte auf und tätschelte den Waran, der sich wieder verzog.
   Nachdenklich betrachtete er die Karte. Eine traditionelle Metzgerei in Spanien. Warum so ein Motiv? Er drehte die Karte um und entdeckte den Blocktext in Laras Alphabet. Kein Absender oder Adressat. Die Chemie Sachen wanderten in die nächstbeste Schublade und er holte Zettel und Stift hervor. Wolfgang übte mit ihnen seit Wochen schon verschiedene Codes wie Laras Alphabet.
Der heutige Code war knifflig und er brauchte lange bis er es geknackt hatte. Es war so blamabel dass der dämliche Waran das einfach so lesen konnte, während er selbst so unfassbar langsam war.
Huh, da Stand. Keller 3-VII, 11pm, Schweigen ist Gold. Warum so geheimnistuerisch? Sie waren doch alle Geister. Oder war das nur ein Test?
Sein Prism zirpte, es gab Abendessen. Sie hatten einen großen Familienchat, Kaz hatte das so eingerichtet. Er versteckte die Karte so, dass man sie nicht so schnell finden würde und ging nach unten zu den anderen. Lecker vegetarische Lasagne und danach Pana Cotta.
   Amber wollte mit ihm schmusen aber er warf nur einen unauffälligen Blick auf die Uhr. Kurz vor zehn.
„Sorry, ich hab noch eine Chemie Sache für die Schule die weg muss.“
„Dann lass mich dir helfen, ich bin gut in Chemie, Akira auch.“
„Nein, ich bin ja nicht schlecht, es ist nur schwer und ich will es alleine machen.“
„Du bist komisch, naja dann gucke ich einen Film im Kino. Du Langweiler.“
Amber war verstimmt, aber er hatte seine Ruhe.
Er brütete tatsächlich über Chemie, las aber nebenbei in dem Buch zu Codes. Wolf hatte ihm chemische Rätsel und Codes als Hausaufgabe gegeben, aber das musste Amber ja nicht wissen.
Um zehn vor elf schlich er sich raus und fuhr in den Keller. Liz Keller benutzte kaum einer und der war schalldicht und wie eine Festung. Genau richtig für ein geheimes Meeting.
   Er öffnete die Kellertür und Kaz und Wolf erwarteten ihn.
„Du bist sogar pünktlich und hast den Code geknackt. Wunderbar. Dann können wir anfangen.
Wir drei haben eine Mission bekommen, die Clowns aus Russland zurückzuverfolgen. Deren Spur verliert sich in Ostpolen, nahe der weißrussischen Grenze. Nein ich hab eine Sache vergessen, Anna begleitet uns auch, aber erst in der Nähe von Russland. Sie fährt morgen los, angeblich aus geschäftlichen Gründen, das übliche. Sie ist aber nur unser Support. Trotzdem sollen wir Sachen für sie mitbringen, sie hat eine Liste gemacht. Das P-Wort ist leider mit dabei. Aufspüren, Informationen sammeln und vollstrecken. Und kein Wort zu den anderen.“
„Was ist mit unserem fahrbaren Untersatz, wir werden im Herbst ein paar Wochen campen.“
„Ein paar Wochen? Und was ist mit Schule?“
„Du bist freigestellt. Im Angesicht der Krise wirst du das Jahr wohl wiederholen müssen. Sorry Kleiner.“
„Ich schlage vor wie nehmen den X5. Gepanzert, weiß sich zu wehren und es passt viel rein.“
„Genau wie spüren die Clowns in einem zehn Tonnen Panzer auf, von dem sich ein einziges Exemplar in nicht militärischer Hand befindet. Dann können wir auch gleich Yusufs Schrotthaufen verwenden. Der ist nur einen Tick weniger auffällig, der und der Avenger X8 von Xen. Wann benutzt du eigentlich das Ding zwischen deinen Ohren?“
„Wir können doch meinen Defender verwenden, fällt zumindest weniger auf und wir passen da zu viert mit viel Gepäck gut rein. Dazu haben wir das Dach, den Kofferraum und den dicken Anhänger.“
„Ich wünschte wir könnten etwas völlig unauffälliges wie meinen alten Passat nehmen, aber ich nehme lieber den Defender als den Avenger. Gut den nehmen wir. Gepackt wird heute Nacht. Wir haben alles hier unten in den Kellerräumen. Auf geht’s. Den Plan erklär ich euch, wenn wir auf dem Weg sind. Die anderen sollen nichts erfahren. Die sind noch nicht bereit für eine Einsatz-Mission.“
Sie packten seinen Defender voll bis oben hin und klapperten Annas Wunschliste ab. Die Waffen würden sie bei Hals Fabrik aufsammeln. Und alles was sie nachbestellen mussten. Wie Klamotten und Rationenpakete für kaltes Wetter von Nox.
   Um vier hängte er den Anhänger ab und er stieg hinten ein, Wolf fuhr und Kaz studierte die Karte auf dem Beifahrersitz. Nach dem Schlafentzug machte Jack ein Nickerchen. Sein Prism war auf Stumm geschaltet und er konnte sich den Strom der Chatnachrichten denken, wenn die anderen ihr Verschwinden bemerkten, Amber würde bestimmt weinen, er fühlte sich schlecht.

*

„Fuck. Wir müssen zurück. Annas Zafira ist auf halber Strecke abgeraucht, wir holen sie bei Danzig ab. Guck mal auf der Karte welche Ausfahrt ich nehmen muss.“
Jack spähte nach vorne während Kaz nach einer entsprechenden Karte fischte.
„In drei müssen wir raus. Dann … ach nimm doch dein Navi.“
„Das gab‘s nicht zu meiner Jugend zu Banause. Ok schieb‘ rein, ich bin Karten auch leid.
Jack tippte etwas auf seinem Prism und schob es in den Schlitz am Armaturenbrett. Sofort flammten die Symbole des HUD innen auf der Frontscheibe auf.
„Ah, fabelhaft. Ja kenn ich gut. Und wir müssen bald wieder tanken.“
„Der Tank ist halbvoll und wir haben einen Reservetank auf dem Hänger.“
„Du weißt nie was noch kommen kann. Du zahlst übrigens.“
„Ich weiß alter Mann.“
Sie tankten und Kaz kaufte einen Sack mit Süßigkeiten die sie drei mampften während sie Mama auflesen würden. Stunden später waren sie da und eine aufgelöst wirkende Anna, mit Rucksack und zwei großen Reisetaschen näherte sich ihnen.
„Oh es ist mir so schrecklich peinlich. Dass ich die Mission so kompromittiere. Passt mein Zeugs irgendwo noch rein. Das sind nur Kleinigkeiten.“
Irgendwie stopften sie den Krempel in den Anhänger und Anna stieg hinten ein und nahm die dicke Wollmütze ab. Sie umarmte ihn, was ungünstig war, da der Platz zwischen ihnen voll beladen war.
„Was hast du alles dabei? Sag nicht Schuhe.“
„Mein Zelt, Schlafsack, Schuhe, Makeup, meine zerlegte Ausrüstung und die AWM. Ein paar dicke Sachen, Bücher und Snacks. Ich hab sogar ein paar Spiele dabei.“
Wolf seufzte resigniert und Kaz verdrehte die Augen.
„Jedes Mal ist es dasselbe mit euch beiden. Anna nimmt jeden Schnarch mit und Kaz will das dicke Auto. Das waren tolle Zeiten, als ihr im Ruhestand wart. Verbockt es nicht wieder.“
„Wie meinst du das?“
„Erzähl ich dir vielleicht irgendwann später Jack. Jetzt hat die Mission Vorrang.“

*

Eigentlich dachte Jack er würde sich über das Abenteuer freuen, aber das tat er nicht. Während der gesamten Zeit fühlte er sich wie das fünfte Rad am Wagen. Aus den Gesprächen zwischen den Erwachsenen hörte er heraus, dass sie vor rund zwanzig Jahren ein eingespieltes Team waren, sich blind verstanden und unzählige Missionen zu dritt absolviert hatten. Da bekam er auch deutlich zu spüren. Er war kein Ass im Rätsel- und Codeknacken, um ehrlich zu sein konnte ein verdammter Waran das besser. Er war kein kaltblütiger Killer wie Kaz oder Wolf, er war einfach nur ein Junge der mal den Traum gehabt hatte zum Militär zu gehen.
   Er schaltete nach ein paar Tagen ab und konzentrierte sich auf die schöne Landschaft. Krampfhaft dachte er daran, bloß nicht an seine Freundin Amber zu denken, die ihn bestimmt schon schmerzlich vermisste. Seine Beobachtungen der drei brachte ihn auch nicht so richtig weiter und bei den Besprechungen bekam er nicht mal die Hälfte mit, bzw. wurde nicht schlau aus dem was die anderen ihm mitteilen zu versuchten, so viele Codes und Abkürzungen und komische Bezeichnungen für die man bestimmt ein ganz spezielles Wörterbuch brauchte.
   Sein Interesse flammte erst wieder auf, als sie eine heiße Spur in Norwegen witterten, eine Spur die laut ihren Informationen zu einem verfallenen Bergwerk führt.

*

Jack blieb hinter Kaz. Sie lugten um eine Ecke und sahen eine Wache. Kaz wirkte ganz aufgeregt.
„Komm, ich schalte ihn aus du folgst mir in dreißig Sekunden.“
Kaz zischte los und er vernahm ein kurzes Gerangel. Dann folgte er ihm. Sein Mentor kniete neben der bewusstlosen Wache. Er wartete auf Jack und zeigte auf die Wache.
„Jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn du ein echter Solomon sein willst musst du dich beweisen. Deinem Namen gerecht werden. Unsere Namen bestimmen unsere Leben. Das hier mache ich am liebsten wenn sie bei Bewusstsein und voller Leben und Angst sind. Aber das macht den Unterricht schwerer. Das Dessert für mich ist immer die Zunge. Die ist nicht so leicht zu entfernen wie die Augen, aber ich mag es wenn die Schreie verenden und zu einem Gurgeln werden. Und angebraten und mit einem feinen Wein mag ich den Geschmack und die Konsistenz sehr. Komm her, heute Abend gibt es Zunge.“
Was schwafelte dieser Typ da für abstoßend ekelhafte Sachen? Kaz winkte ihn zu sich. Mit makabrer Faszination sah er Kaz zu wie er den Mund der Wache öffnete und das schwere Messer reinschob. Die Faszination wandelte sich zu Ekel und zu einem Brechreiz, als das Messer tiefer fuhr und Blut aus dem Schnitt sprudelte. Hektisch schob er sein Visier hoch und kotzte in die Ecke. Seinen gesamten Mageninhalt. Aber es fühlte sich so an als könnte er immer wieder kotzen.
„Sie mal, ist das nicht ein Prachtexemplar?“
Jacks Augen wurden groß als er die abgetrennte blutige Zunge auf Kaz Handteller sah. Er stolperte zurück auf sein Gesäß und Panik erfüllte ihn als Kaz sein Visier hochschob und auf der Zunge herumkaute als wäre es ein Kaubonbon. Blut lief seine Mundwinkel herunter und er schmatzte genüsslich.
„Willst du auch was? Sehr lecker und frisch.“
Jack rappelte sich mühsam auf und rannte von Kaz weg. Dieses ekelhafte Monster war sein Onkel und sein großes Vorbild? Er wollte nur weg, Land gewinnen. Entfernung zwischen ihn und dieses Ding bringen! Er achtete nicht wo er hinrannte und als er in jemanden hineinrannte, war es ihm egal ob es ein Clown war, er wollte nur weg von hier.
„Jack großer, was ist passiert?“
„Dieses Monster, Onkel Kaz hat eine Zunge herausgeschnitten und gegessen!“
„Oh verdammt, ok lass uns zurück zum Camp gehen und uns aufwärmen.“
Wolf umarmte ihn fest und führte ihn aus der Mine heraus und sie wanderten drei Kilometer zu ihrem Lager im Schnee. Sie gingen in das große Tipi Zelt und Wolf entfachte ein Feuer in der Mitte Anna wartete schon auf sie und sie wirkte besorgt.
Jack schälte sich aus dem Anzug und schlang Annas Pelzdecke um seine und Mamas Schultern. Das Gefühl des Pelzes erinnerte ihn an Amber und Lucy und er vermisste beide ganz schrecklich. Wolf setzte sich neben ihn und bot ihm eine Cola an.
„Ich würde dir ja etwas zu essen geben, aber ich glaube deinem Magen geht es nicht so gut. Du bist über Kaz Geheimnis gestolpert. Über den Teil eures Familienfluches. Dein Großvater Herbert hat viel über seine Familie Recherchiert und ich hab ihm dabei geholfen. Weißt du deine Familie hat ein Problem mit bestimmten Sachen. Kannibalismus ist nur eine davon. Weißt du warum dein Ururgroßvater Werner nach dem Ende des zweiten Weltkrieges Vegetarier war und sich erhängt hat als sein Sohn etwa zwanzig war? Er war ein Geist wie wir alle und sein Deckname war Tooth also der Zahn. Er war während des Krieges an der Ostfront stationiert. Die Russen nannten ihn den Wolf und er hat seine Gegner gefressen. Die Russen haben ihn gefangen genommen und in einem Labor in Sibirien untersucht. Tooth konnte entkommen und hat sich eine blutige Schneise zurück nach Deutschland geschlagen. Er hat als Vegetarier gelebt konnte dem Hunger aber nie entkommen. Er hat geheiratet und einen Sohn bekommen – Ben. Als er den Hunger nicht mehr ertragen konnte hat er angefangen zu morden und seine Opfer aufzufressen. Die Schuld hat ihn in den Selbstmord getrieben. Dann kam sein Sohn Ben, er wurde früh rekrutiert und ging zum Geheimdienst. In der DDR und der Sowjetunion hat er sein Unheil getrieben und wurde aufgrund seiner extrem brutalen Verhörmissionen entlassen, hat aber unter dem Decknahmen Nomad die Welt bereist und Attentate gegen unsere Gegner vollbracht. Er ist mit vierzig im Himalaya beim Klettern verunglückt, sein Expeditionspartner und bester Freund Abubakr, dem jetzigen Präsidenten des BIT hat ihn wochenlang gesucht und nicht gefunden. Wir wissen nicht ob er ein Kannibale war, aber Herbert hat seinen Vater verloren als er zwanzig war. Nicht in jeder Generation gibt es Kannibalen, aber es ist extrem häufig. Das Merkwürdige an den Solomons ist deren unbrechbare Wille und deren krankhafter Ehrgeiz. Ihr wollt alle die besten werden und einige gehen dafür über Leichen. Ausnahmelos alle Solomons waren Workaholics und es gibt eigentlich nur zwei Todesursachen. Selbstmord und Krebs. Herbert hatte Krebs als er nach Deutschland zurückgekommen ist und hat es keinem erzählt. Aber er wusste dass er Deutschland lebend nicht mehr verlassen würde. Und Emma hatte Brustkrebs zum Zeitpunkt ihres Todes. Weißt du deine Familie bringt Kinder hervor, die ihre Eltern nie sehen und sich schwören es bei ihren Kindern ganz anders zu machen. Und dann verfallt ihr dem Rausch und lasst eure Kinder im Stich. Johnny hat Akira im Stich gelassen, Emma dich und Ryan und Kaz seinen Sohn Markus. Diesen blutigen Rausch konnten wir bei Kaz das erste Mal mit moderner Technik studieren. Für dich sieht es so aus, als wäre er vielleicht zwei Personen. Auf der einen Seite ein liebevoller liebender Mensch der für seine Familie da ist, und auf der anderen Seite ein Monster das Menschen Körperteile abschneidet und sie mit einer Selbstverständlichkeit aufisst, wie wenn er ein Stück Kuchen verspeist. In seiner Gestalt als Dagger ist er ein sadistischer Massenmörder. Er mordet, foltert und zerstückelt. Er ist das widerwärtigste Stück menschlichen Abschaums das dir begegnen kann. Er foltert Kinder vor ihren Eltern um an Informationen zu kommen. Einmal hatte er mir gesagt dass das gebratene Herz eines Kindes köstlich sei. Und er bereut seine Taten nicht. Weil er nicht realisiert, dass er Menschen getötet hat. Er ist als Dagger vollkommen empathielos, das Brechen eines Genicks ist für ihn wie das abbrechen eines Zweiges von einem Busch. Für ihn sind seine Opfer keine Menschen, nichts. Für ihn sind sie Beutetiere, wie ein Löwe ein Zebra sieht. Futter. Und das sadistische? Stell dir vor die Smartphones und Laptops, die Akira in ihren Reviews zerlegt, hätten Gefühle. So etwa muss das für Kaz sein. Er ist sehr neugierig und hat schon immer gerne getüftelt und Sachen zerlegt. Weißt du, Kaz wurde rekrutiert als er zehn war und man hat ihm eine sehr schwere Aufgabe gegeben, er musste den Versager spielen. Eine Maßnahme, die notwendig war um ihm ein Umfeld zu generieren, das sich nicht über lange Fehlzeiten wundert. Aber für seine Familie hat er damit völlig an Wert verloren, gerade für seine beiden sehr strengen Eltern. Gerade seine Mutter, die den Haushalt führte war sehr streng zu ihm und seine Vorzeige Geschwister wurden belohnt und geliebt. Man hat ihn mir als Schüler an die Hand gegeben. Damals war ich selber nicht sehr alt, Anfang dreißig. Und bekomme diesen armen Jungen an die Hand. Ich habe schnell erkannt, dass er der geborene Killer war und ihn so ausgebildet. Und ich habe versucht ihm die Wärme zu geben die er von seinen leiblichen Eltern bekam. Über die Jahre hab ich das Gefühl bekommen er ist mehr mein Sohn, als meine leiblichen Kinder, zumindest bis Mara geboren wurde. Wir haben zusammen eine Menge krummer Dinger gedreht und wir hatten zu zweit eine Menge gemeinsame verdeckte Missionen rund um die Welt gemacht. Er hat seinen Ersten Menschen mit elf Jahren getötet. Ich hab über die Jahre aufgegeben zu zählen wie viele Menschen durch seine Hand das Ende gefunden haben. Und all die Zeit hat er es geschafft seine Tarnidentität zu wahren. Dann kam der Tag in Afghanistan. Er und Anna neben dir. Eine simple Mission, das Anwesen eines Warlords infiltrieren und ihn ausschalten. Und dann schaltete er den Funk ab und lief Amok. Anna hat Alarm geschlagen und wir sind zu Hilfe gekommen. Kaz dieses kranke Schwein hat in dieser Nacht das komplette Dorf abgeschlachtet. Zweihundertsiebzehn verdammte Seelen haben ihr Ende gefunden, in einer Nacht! Er hat sämtliche Beweise vernichtet und nie gesagt, was passiert war. Nach dieser Katastrophe wurde er in den vorläufigen Ruhestand geschickt. Anna auch, obwohl sie unbeteiligt war. Sie war ein Kollateralschaden so gesehen. Zu dem Zeitpunkt war Anna bereits schwanger und ein paar Monate später gebar sie einen gesunden Jungen. Kaz hatte Angst seine Identität zu verlieren und er hatte Angst vor dem Fluch. Annas und sein Weg trennten sich fürs Erste und er führte sein kleines bescheidenes Leben fort. Und dann stolperte er über eine junge Frau und er verliebte sich in sie, Liz. Das Auge gewährte ihm die Existenz des Versagers aufzugeben und er war nach einer sehr langen Zeit sehr glücklich. Aber die Vergangenheit holte ihn ein. Erst der plötzliche Tod seines Sohnes und dann das völlige Zerwürfnis mit seinen Eltern, bei der alles rauskam. Dann hat er sich ein neues einfaches Leben aufgebaut und hat Erfolg als Autor gehabt. Und dann hat ihn die Vergangenheit eingeholt. Er hat dieses blutüberströmte Mädchen gesehen und alles an was er denken konnte war der Gedanke an seinen toten Sohn Markus und er hat alles daran gesetzt sie zu adoptieren. Und jetzt ist Kaz, alias das Monster Dagger wieder aktiv.“
Jack drängte sich eng an seine Mutter, die ihn fest drückte. Ein Scheit knackte und er dachte über Kaz tragisches Leben nach und daran, dass er vielleicht auch so werden könnte. Tränen liefen ihm über das Gesicht.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 11

11. Kaz – 1.W.Okt. 2045 – Donnerstag – Versöhnt.

„Prost.“
Er hob das Weinglas und stieß mit Emily an. Karl hatte sich Klara hergewünscht und Kaz hatte die Einladung ausgesprochen. Hier waren auch weniger Paparazzi, die einem das Leben ruinierten. Das Wetter wurde Woche für Woche kälter und er hatte bei Nox Wintersachen für alle sieben bestellt. Wolfgang freute sich sehr über seine volle Garnitur an Kleidungsstücken von Nox. Und er überwies dem alten Knaben monatlich eine gute Rente. Das war das mindeste was er dem alten Wolf und seinem alten Mentor schuldete. Wolf war immer viel zu bescheiden.
   Dann hatte er sich mit Jack auf ein großzügiges Taschengeld geeinigt, bis er mit zwanzig sein erstes großes Erbe antreten würde. Jack hatte einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht. Mit Amber war das etwas schwieriger, weil sie nicht achtzehn war. Er gab seiner Tochter wöchentlich Taschengeld in bar und sponserte größere Anschaffungen.
   Eigentlich trank er keinen Wein, aber Emily hatte diese tolle Flasche mitgebracht, die sie zu zwei leerten. Klara spielte mit Karl, Wolf las Zeitung auf dem Sofa gegenüber. Yusuf und Jack sahen sich einen Action Streifen an und der Rest fehlte.
„Der Kuss tut mir so leid, das war so dumm von mir. Anna muss bestimmt getobt haben, als sie das in der Presse gelesen hat. Tut mir so leid, dass ich Auslöser für euren Krach war.“
„Ist schon ok, ich hab den Kuss ja schließlich erwidert.“
„SIR! Anna ist im Anflug und sie sieht nicht sehr glücklich aus! Sie ist vor der Haustür.“
Fuck, zu spät um die Damen zu verabschieden oder zu verstecken. Die Haustür öffnete sich und Anna stürmte empört herein. Nein, sie grinste ein bisschen. Amber und Akira folgten ihr.
Emily rückte angstvoll näher an ihn heran und stellte das Glas ab. Dann war Anna bei ihnen. Sie packte Emilys Unterkiefer fest.
„Du Schlampe hast ihn auf den Mund geküsst.“
Kaz sah, wie Emily Angstvoll zitterte und ganz bleich wurde. Mit der nächsten Aktion hätte niemand gerechnet. Statt zu schreien oder Emily zu Ohrfeigen kam sie ganz nah an sie heran und küsste sie leidenschaftlich auf den Mund. Emily ließ sich drauf ein und genoss das Spiel.
   Anna löste sich und zog Emily an der Hand hoch und sie stiegen die Treppen nach oben. Wolfgang beäugte die beiden interessiert und Kaz war Fassungslos.
„Emily ist bisexuell“
Kam es von hinterm Sofa wo Klara mit Karl Seite an Seite auf dem Rücken lag. Aha, das erklärte es wohl. Was war denn in Anna gefahren? Stand sie auch auf Frauen? Das wäre etwas völlig neues für ihn, der sie seit über zwanzig Jahren kannte.
   Er leerte den Wein mit Akira, die sichtlich geschockt wirkte und Amber spielte mit Lucy. Nach viel zu langer Zwei kamen die beiden Damen mit viel zu wenig an herunter. Wolfgang faltete die Zeitung zusammen und machte Platz.
„Wir haben gespielt und lange diskutiert, wie wir die Situation klären sollen. Unsere Entscheidung ist eine offene Dreiecksbeziehung. Wir beide unter uns und mit dir. So muss sich keiner schlecht fühlen und kann seinen Gelüsten nachkommen. Ich heirate dich im Frühjahr und Emily hilft mir bei den Vorbereitungen und ist dann auf Teil der Familie. Und ihre Schwester.“
Kaz und Akira ließen die Gläser fallen. Er fühlte sich unwohl. Eine Beziehung mit beiden gleichzeitig. Auf Vertrauensbasis.
„Und wenn sich eine ausgeschlossen vorkommt?“
„Das klären wir Mädels unter uns! Mach dir mal keinen Kopf drum. Und wir drei sollten uns öffentlich möglichst häufig küssen. Das verwirrt dieses Dummschwätzer von der Presse.“
Er dachte an den guten Sex mit Liz, also Emily. Das war so merkwürdig.
„Hab ich Bedenkzeit?“
„Wenn du willst, dass ich nur noch mit ihr schlafe?“
„Ach ihr beiden, verdammt. Ok wir machen es.“
Wolfgang brach in Gelächter aus, Klara gackerte hinter dem Sofa, Akira wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte und entschied sich für letzteres und Amber hatte nicht zugehört.
„Mit wem spreche ich denn ab, wenn ich mal mit meiner Verlobten oder Geliebten sein will?“
„Naja einer ist immer benachteiligt. Wir stimmen uns ab würde ich sagen.“
Emily stand da nur breit grinsend und Kaz musterte sie stirnrunzelnd. Das war eine völlig neue Situation für ihn. Wie ging man damit um. Er hatte mit Tränen und Geschrei gerechnet.
„Darf ich meinen zukünftigen Mann entführen?“
In der Küche waren sie momentan unter sich. Tränen rollten über Annas Wangen.
„oh das tut mir so unfassbar leid, dass ich dir so unrecht getan und mich auf dieses Schmierenblatt verlassen habe. Es ist nur so, dass es schmerzt, wenn du mit einer anderen so eine gute Chemie hast, eine andere in die ich mich auch noch verknallt habe. Das war ein bisschen der Grund gewesen warum ich so hochgegangen bin. Nicht dass du sie geküsst hast sondern weil du schneller warst.“
„Dann bist du tatsächlich bisexuell, hätte ich nicht gedacht.“
Anna lachte und küsste ihn.
„Das ist ja leider wie in diesem doofen Film, du weißt schon welchen. Deshalb hab ich dir es nicht gesagt. Aber ja ich steh auf Männer und auf Frauen. Jetzt weißt du es. Und ich finde Emily einfach nur heiß, noch heißer als deine Liz. Deshalb war es mir nicht so wichtig ob ihr gemeinsam Sex habt und euch küsst. Nur in der Situation bin ich einfach hochgegangen. Es tut mir so leid das war so doof. Ich hätte mir eure Seite der Story anhören müssen. Ich hoffe du hast nicht auf dem Boden geschlafen.“
„Jack hat mir sein Bett gegeben während er mit Lucy in Ambers Zimmer geschlafen hat. Wir hatten eine nette Männerzeit. Ich hätte dir einfach Bescheid sagen müssen.“
„Ist schon ok. Ich möchte, dass du Liz ihre Wohnung zurückgibst, Klara schläft dann in Ambers altem Zimmer. Das brauchen wir ja nicht und Jack will sich ein Haus bauen lassen für ihn und Sahid und die Mädels.“
„Das klingt fair, aber dann auch den Großteil der Pelzsachen. Und nicht sofort, sonst riecht jemand Lunte.“
„Auf keinen Fall, ich dachte so in ein paar Jahren, wenn man sich ‚besser‘ kennt.“
„Dann sind wir also eine große Familie. Opa, Onkel, Tante, Mama eins und zwei, Papa und drei Kinder. Ich glaube ich geh auf Xens Angebot mit dem X7 oder X8 ein. Und Jack hat ja noch seinen Omega Defender.“
„Und die Ersatzmama hat auch noch einen Omega Defender, vergiss das nicht.“
„Super, dann gehen wir im Sommer campen. Akira hat den ganzen Schrott von Johnny geerbt. Sie besitzt jetzt sechs lange Kanadier und sechs Kajaks. Und Jachten und Supercars und anderen Müll. Und ein Haus in fast jedem Land der Welt. Einfach nur krank. Ich habe zehn Jahre auf vierzig Quadratmeter gelebt und dann weitere zehn in einem Schrotthaufen in Texas. Und jetzt habe ich Personal, sieben Leute. Das ist doch einfach nur absurd. Wir haben zwar alle groß geträumt, aber ich hab immer nur geträumt und mein Leben gelebt.
Ich meine durch Bitcoins und Diebesaktionen hatte ich zwischenzeitlich knapp sechzig Millionen Euro, aber das hab ich investiert, in Omega, Horizon, Nox, Prism und Spectre. Ich hab immer nur von dem versucht zu leben, was mir ausgewogen erschien. Nicht wie Liz die locker eine Million für ihre Pelzvorlieben verbraten hat, oder der ganze Schrott in ihrem Keller. Ich war ja immer schon Prepper, aber ich hab sie wohl total damit infiziert. Aber Schluss, jetzt kann ich mir in Ruhe Cosplay machen und mit dir und Benj Spiele entwerfen. Ich bin dir auch gar nicht böse, es war ein Fehler von mir und es tut mir Leid, dass ich dich nicht eingeweiht habe. Und wir hatten wirklich keinen Sex!“
Anna biss sich auf die Lippen und grinste.
„Dann war ich bei Emily doch erste!“
„Ihr habt nicht ernsthaft?“
„Doch haben wir. Sonst wären wir nicht so lange weg gewesen. Ich finde ihre augmentierten Beine echt sexy. Wir haben uns nächste Woche auch mal beim Inder verabredet. Und jetzt sollten wir zurückgehen, meinst du nicht auch?“
„Ganz deiner Meinung, aber ich brauche jetzt einen Schluck Cola.“
Anna lachte und umarmte ihn. Und gab ihm einen langen Kuss.

Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 10

10. Kaz – 4.W. Sept. 2045– Dienstag – ja genau, kein Date!

Unten beim Bäcker hatte er eine Schachtel mit Baisse erstanden und im Blumenladen Annas Lieblingsrosen. Das war kein Date gewesen, das war ein netter Abend bei einer Freundin, redete er sich ein. Das mit den Rosen war doch superdämlich, dass schrie doch nach „ich war dir untreu“.
Er machte einen Zwischenstopp in der dritten Etage und stellte die Blumen in der Küche der Ersatzwohnung in eine Blumenvase und lagerte die Baisse trocken. Dann wusch er sich die Hände gründlich. Er wanderte etwas erstaunt durch die Wohnung, eigentlich war alles noch da. Sogar das Bett war frisch gemacht mit der schweren Pelzdecke. Gut zu wissen, dann er schlief hier wenn Anna explodierte. Was sie tun würde.
   Schweren Herzens öffnete er die Tür zu 2-III und starrte in Annas lodernde Augen.
„WO bist du gewesen? Ach Quatsch was soll ich mir deine Lügen anhören, steht doch alles Schwarz auf Weiß in diesem Schmierblatt. Ich gehe raus, ich brauche frische Luft und den Geruch von Schießpulver in der Nase. Ich besuche Lara und DU folgst mir nicht. Und wenn du es wagst dich in unser Bett zu legen, schneide ich dir die Eier ab. Ich bin doch nicht blöd und merke es nicht, dass du sie lieber magst als mich und sie fickst. Du bist ein Scheusal. VERPISS DICH DOCH UND STIRB.“
Sie schob sich an ihm vorbei, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Die Tür schloss. Es fühlte sich endgültig an. Der Rest hatte natürlich mitgehört. Amber und Akira folgten ihrer neuen Mama nach unten, sie warfen ihm giftige Blicke zu. Yusuf und Wolf zuckten mit den Schultern.
Zeitung sagte sie. Auf dem Couchtisch lag eine. Er ließ sich schwer nieder und schlug die Zeitung auf. Die Schlagzeile war „Millionär und Psychopath geht fremd“ Mit dem Bild seines und Emilys Kuss vor dem Haus. Er überflog den Text darunter, total wirrer Käse. Die Autorin hatte ein Bild, auf dem sie gehässig in die Kamera sah. Tja du Schlampe, dir baue ich eine schöne Briefbombe. Unten in der Werkstatt hab ich Plastiksprengstoff, Zünder und Sackweise Nägel und Lagerkugeln. Ich … Jack setzte sich neben ihn und reichte ihm eine kalte Cola Dose. Jack wusste wie es ging.
„Preisfrage: hast du jetzt Emily ‚gefickt‘?“
Kaz schnaubte amüsiert.
„Nein. Auch wenn der Kuss eine doofe Idee war.“
„Aber laut Zeitung bist du rein, zu ihr hoch und hast sie und ihre Schwester geknallt.“
„Lies doch den Käse nicht! Emily hat mich nach dem Essen auf einen Kaffee bei ihr eingeladen und da haben wir uns auf die schöne Couch gesetzt und zu dritt heftig diskutiert. Über Politik, über Leben, über die Clowns, über Maschinenbau und Informatik, über kontroverse Forschungsprojekte und so weiter. Und um fünf Uhr morgens hab ich mich nach einem Espresso verabschiedet und war draußen spazieren. Der Kuss war selten dämlich, aber sie hat mich zuerst geküsst.“
„Aber Anna ist hochgegangen, als hätte sie dich bei einer Orgie erwischt.“
„Die ist immer so, explodiert wie eine Nuke, schmollt für ein paar Wochen und dann ist sie wieder normal und liebenswert. Das war eigentlich noch nichts eben. Aber ihre Warnungen sind verdammt ernst. Ich werde wohl für eine Weile im Gästezimmer einziehen.“
„So ist das also, Amber ist nämlich auch so. Nur noch nicht so heftig. Und mach dir mal keinen Kopf. Ich penne mit Lucy in Ambers Bett und du pennst bei mir. Zähneputzen bleibt dann wohl an mir hängen.“
„Da helfe ich dir und notfalls redet Wolf dem Vieh gut zu. Danke für das Bett Angebot, da werde ich sicherlich drauf zurückkommen. Und danke für die Cola, Großer. Bringt mich auf andere Gedanken.“
Lucy krabbelte auf seinen Schoß und rollte sich zusammen. Oben salutierte Wolf.
„Wie fahren die drei eigentlich zu Lara? Hoffentlich nicht im Flieger.“
„Nein, ich hab Mama meinen Omega Defender ausgeliehen, den brauche ich gerade nicht so dringend. Und die Mädels sind Heuchler. Die haben nur nach einer Möglichkeit gesucht mit Mama alleine in den Urlaub zu düsen. Mitte Oktober soll Schule wieder anfangen. Die Trümmer sind größtenteils weg und die meisten Straßen sind wieder frei. Womöglich erstmal wieder nur Internat.
Der Hauptbahnhof ist komplett hin und Züge fahren momentan nur sehr eingeschränkt. Da ist ein Riesenflieger reingedonnert und ist im Bauch unten bei den ICEs hochgegangen. U-Bahn ist auch schwierig und S-Bahn fährt nur die Ringbahn und die äußeren mit anderen Endhaltestellen statt HBF. Berlin ist momentan eine Katastrophe. Aber in Solomon funktioniert alles wie eine Eins. Deshalb sollen erstmal die in die Schule, die aus der näheren Umgebung kommen oder sowieso auf dem Internat sind. Wäre das Schlimm für euch?“
„Ach, Anna kriegt sich schon wieder ein und bis dahin hab ich den alten Mann als Gesprächspartner wenn ihr vier an der Schule seid, also ihr Kinder und euer Onkel.“
Sie öffneten beide den Verschluss ihrer Dosen und nahmen ein paar tiefe Schlucke. Lucy wollte auch etwas abhaben, aber er gab ihr einen leichten Klapps auf den Kopf.
„Du hättest Lucy gestern sehen müssen. Völlig weggetreten und wacklig, sie hat es nicht mal allein die Treppe hochgeschafft. Und sie hat jetzt eine Füllung. Natürlich alles unter Vollnarkose. Ich glaube Karl hat sich kaputtgelacht, man hat ihn auch gecheckt und bei ihm war nichts. Und er ist nicht so doof wie Lucy und lässt sich die Zähne ohne Probleme putzen. Wolf hat da eine richtige Routine. Elmex Gelee verträgt er auch, und das gibt’s jeden Sonntag nach dem Fressen abends. Ich könnte das nicht, jedenfalls nicht ohne Gasmaske, so eine Katze hat ja Mundgeruch wie Sau. Übrigens wurdest du für heute Abend ins Horizon Hauptquartier eingeladen. Da ist die Karte.“
Kaz griff nach der Karte. Probezeichnungen für die Fat Hornet aus dem Buch, aber die Signatur war weder von ihm noch von Johnny. Auf der Rückseite eine Passierkarte für ihn für die Bahn und eine Adresse im Gebäude. Interessant. Er steckte die Karte ein. Kein Absender.
„Wie kommst du auf Horizon? Steht doch nichts drauf.“
„Die Signatur. Ralf H. Das H steht für Horrowitz. Er wird bald CEO von Horizon. Wolfgang hat mit uns Sonntag und Montag Codes und solche Arten von Rätseln durchgenommen und da fand ich das eine tolle Übung. Das Bild hab ich auf Artstation gefunden und der Künstler ist baldiger CEO eines der größten Konzerne der Welt. Schon krass. Du und Johnny seid ja auch auf der Seite. Johnnys Sachen waren immer am coolsten, der hat den Dreh echt raus. Aber die Sachen, gerade die Vehikel von diesem Ralf sind erstklassig. Ich frag mich was der bei Horizon macht.“
„Ich werde ihn heute Abend mal fragen, ich lege mich kurz mal hin und hole etwas Schlaf nach.“
Gesagt getan. Gegen halb sechs Stand er auf und zog sich an. Merlin hatte nichts von dem einseitigen Streit mitbekommen und machte ihm eine schnelle deftige und vor allem leckere Brotmahlzeit. Dann ging er mit seiner gewohnten Umhängetasche los und nahm die Karte mit.
   Er fuhr mit seinem Fahrrad zu Solomon Central, schloss es ab und ging nach Unten zu den U-Bahnen. Die Horizon Bahn war ein großes Stück unter der U-Bahn und vom Fahrstuhl sah er ein Stück des unterirdischen Frachtterminals. Er zeigte seine Passierkarte und wurde durchgewunken und nahm interessiert in der sehr modernen Bahn Platz. Die zischte auch mit einem irren Tempo los und der Geschwindigkeitsmeter war bei über zweihundert Stundenkilometern. Das musste eine Magnetbahn oder sowas sein. Im Nu war er da. Auf dem anderen Gleis sammelten sich schon Horizon Mitarbeiter die Feierabend machten. In einem der vielen Aufzüge düste er nach oben zur Schleuse, wo man ihn durchleuchtete. Die fanden sogar seine Wadenholster mit den Keramikmessern. Er erntete sehr böse Blicke. Er prägte sich die Schleuse und alles sehr genau ein. Er suchte nach Schwachstellen die man ausnutzen könnte. Ein paar kleine fand er auch. Im Grunde genommen müsste er die Firewall der Schleuse knacken. Das machte Lara doch mit Links.
   Man ließ ihn durch. Ohne wenigstens ein Messer fühlte er sich nackt. Das flache Messer in seiner Krawatte hatten sie übersehen, sehr gut. Für den Fall der Fälle.
   Er wurde einem Wachmann geführt und er prägte sich die Routen im Inneren genau ein. Er hatte einen exzellenten Orientierungssinn und prägte sich beim Vorbeilaufen die Routen für die Notausgänge ein. Wer weiß wann man das gebrauchen konnte. Dann ein weiterer Aufzug und hier war endlich mal ein bisschen richtiges Licht, als sie an großen Büroräumen vorbeigingen. Eine Treppe hoch und hier war dann wohl die Chefetage. Bei einem Schild mit Horrowitz blieb der Wachmann stehen und wies Kaz den Weg. Er betrat ein Sekretariat, was edel und teuer eingerichtet war. Eine Sekretärin mit einer schwarzen Kurzhaarfrisur lächelte ihn an, stand auf und klopfte an die Tür.
Ein ‚Herein‘ war zu hören und Kaz trat ein. Das Büro war das komplette Gegenteil vom Sekretariat. Es wirkte durch die Masse an Bildern und Bücherregalen richtig beengt. Ein wuchtiger Schreibtisch mit einem … Haha, Gamingsessel und zwei Besucherstühlen, die halb als Ablage verwendet wurden. Und unter einem mächtigen Display war ein Tisch und zwei weitere Stühle, dieses Mal aber sauber.
Nach draußen sah man das weitflächige Areal aus Gebäuden und Hallen bis fast zum Horizont. Rechte Hand sah man in einiger Entfernung die Trümmer der Klinik. Rings um das Gelände war ein recht dichter Wald mit Herbstbelaubung.
   Ein Mann Mitte dreißig begrüßte ihn. Hochgewachsen, schlank, muskulöse Statur. Ein glattrasiertes Gesicht mit einer randlosen Brille, wachen blauen Augen und akkurat geschnittenen kurzen schwarzen Haaren. Ralf trug einen italienischen Maßanzug und auf Hochglanz polierte Lederschuhe.
„Es ist mir eine Ehre Sie endlich kennenzulernen, Herr Solomon?“
Kaz nickte nur und schüttelte die ausgestreckte Hand. Er roch das aufdringliche Aftershave Meilen entfernt. Merkte der Typ eigentlich wie er stank?
„Jonathan meinte immer Sie trinken Milchkaffee mit drei Stück Würfelzucker, stimmt das?“
„In der Tat, aber Sie müssen sich die Mühe nicht machen.“
„Doch ich bestehe darauf, gut ich sage meiner Sekretärin Bescheid, einen Moment.“
Ralf verließ das Büro und Kaz warf einen Blick auf den Rechner. Kein Retina- oder Gesichtsscan, keine Fingerabdrucksensor. Einfach nur ein Passwort, totaler Leichtsinn, fand er. Und das Hintergrundbild war gerade die Fat Hornet von der Karte. Und neben dem Monitor stand ein Bild mit seinem Bruder Johnny und Ralf, interessant. Schnell ging er zurück. Ralf kam wieder.
„Sandra wird sich um alles kümmern. Normalerweise würde ich ja selber gehen, aber nach dem Anschlag sind die Sicherheitsbestimmungen anders und ich darf ohne Security praktisch nirgendswohin. Entsetzliche Maßnahmen finde ich, ich fühle mich so eingeengt.“
„Haben Sie etwas dagegen, dass Sie sich sicher fühlen können?“
„So würde ich das nicht sagen, aber ich fühle mich als führt man mich an der Hand.
Und Sie, fühlen Sie sich hier sicher?“
„Ich wohne sehr bequem und keine Security der Welt ist unknackbar. Selbst Ihre nicht. Überall sehe ich Sicherheitsprobleme. Der Scan auf Waffen ist bemerkenswert aber nicht hundert Prozent.“
Ralf wirkte nervös und wich zurück, während Kaz bewusst bösartig lächelte.
„Keine Sorge, ich könnte Sie mit Ihrer eigenen Krawatte erdrosseln, ohne das Sandra draußen etwas mitbekommen könnte. Schreibt man nicht, dass ich ein Psychopath bin?“
Schweißperlen waren auf Ralfs Stirn bemerkbar.
„Ich rufe die Sicherheitsleute, wenn Sie nicht aufhören mich zu bedrohen.“
Kaz genoss das Spiel jedoch zu sehr.
„Erkennen Sie nicht mein Outfit? Für Sie wird ein Bleistift genügen und ihre Sekretärin, das ist ein Klacks. Sie sehen es, Waffen müssen nicht unbedingt offensichtlich sein.“
Sein Gegenüber ließ sich zitternd auf den Sessel fallen und war kreidebleich geworden. Nicht sehr überzeugend für den angehenden CEO eines Megakonzerns.
„Mit der Einstellung wollen Sie CEO werden? Sie knicken doch bei jeder Brise ein. Wofür trainieren Sie denn bitte eigentlich? Für das Optische oder was?“
Und jetzt kamen der Memme die ersten Tränen.
„Verdammt ich will nicht CEO werden aber mein … ähm Jonathan wollte, dass ich nach ihm komme.“
Jetzt dämmerte es ihm langsam und er grinste breit.
„Ich denke meine kleine Tochter Akira wird Sie lynchen. Sie waren sein bester Freund und so wie Sie auftreten auch sein Lover. Ich bemitleide Helena und Akira, die ihn fast nie sehen durften.“
Der sah aus, als ob er gleich losflennen würde. Deeskalieren du Flasche.
„Und das ist ok, das Sie schwul sind und um Johnny trauern. Ich will Ihnen nicht wehtun, aber wenn Sie CEO werden, müssen sie knallhart sein, so wie Johnny oder Elisabeth oder Emma. Oder ich, aber ich hab mich für den Scheiß nie interessiert, ich arbeite lieber für mich selbst.“
Ralf atmete tief durch und tupfte sich mit einem Taschentuch die Tränen weg. Dann kam auch schon Sandra mit dem Kaffee, die ihren Chef erstaunt musterte. Kaz fand sie sehr heiß.
   Der Kaffee war für Kantinenkaffee echt gut und er trank ein paar Schlucke, während Ralf sich beruhigte. Das war doch nur Spaß, reg dich mal ab Kleiner.
„Und Sie jagen den Weibern hinterher, wie man liest?“
Kaz zog eine Grimasse.
„Alles ein großer Irrtum, Klatschpresse halt. Lügenpresse wohl eher, ich war am überlegen ob ich der Autorin eine Briefbombe baue.“
Ralf wurde noch bleicher.
„Haha, das war ein Witz … oder? Sowas machen normale Menschen nicht.“
„Ich dachte an einen Riegel C4 mit Zünder eingeschlossen von Stahlkugeln in Kunstharz. Ist recht einfach gebaut und ist schnell und tödlich.“
Ralf zitterte so sehr, dass er den Becher wieder abstellte und ihn angstvoll ansah. War da eigentlich auch irgendwo Kompetenz versteckt, oder hatte er sich wörtlich hochgeschlafen.
„Das ist doch sehr harter Tobak, darüber redet man doch nicht.“
„Ich würde auch ne M82A1 nehmen, nur sind Kugeln leider so schnell.“
„Hören Sie verdammt nochmal auf, oder ich lasse Sie hier rausschleifen!“
„Das will ich sehen. Darf ich Ihnen ein Geheimnis verraten? Ich genieße es zu töten, besonders mit einem Messer.“
Ok, das war jetzt hart provoziert. Tränen liefen über Ralfs Wangen und er schluchzte laut.
Sandra steckte besorgt den Kopf durch die Tür. Ralf wedelte mit der Hand und schickte sie weg.
„Das ist ein Test? Oder Sind sie wirklich ein durchgeknallter Psychopath?!“
Kaz lachte auf und grinste breit. Ralf schien das nicht zu beruhigen. Ok Gegenfrage.
„Was halten Sie eigentlich von den beiden Frauen, die ich angeblich geknallt haben sollte, die fangen doch bald hier an?“
Endlich fasste sich Ralf.
„Ich halte sie für einen guten Zuwachs für das Team. Ich bin hier Leiter des Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt und die Abschlussarbeiten der beiden waren sehr bemerkenswert. Neue griffige Ansätze im Bereich Dronen und Robotik. Brillant würde ich sagen. Ich hoffe ihr Verhalten entspricht nicht dem was die Klatschpresse über die beiden schreibt!“
Das klang doch mal vernünftig und nicht so weinerlich wie kurz vorher.
„Sind die Bilder eigentlich von Ihnen oder von Jonathan?“
„Das sind meine. Ein paar der Werke aus Ihren Büchern sind eigentlich von mir, aber ich wollte nicht namentlich genannt werden. Ich habe Industriedesign gelernt und kann ziemlich gut Zeichnen.
Das war das, was mich und Johnny zusammengeführt hat. Das war immer ein guter Ausgleich zum stressigen Alltag. Ich bin immer noch sehr aktiv am Zeichnen. Nehmen Sie doch ein paar meiner Zeichenkladden zur Einsicht mit. Und ich lade meine Sachen online hoch, auf …“
„Artstation. Ich weiß. So hat Jack Sie gefunden. Sie haben bei der Karte den Absender vergessen.“
„Oh, hab ich das? Verdammt. Ich hoffe Sie haben mich trotzdem noch gefunden. Ich habe so oft mit Jonathan über Sie geredet, aber bis jetzt nie persönlich kennengelernt. Es ist mir eine große Ehre, ihre Bücher waren ein Schatz der Inspiration. Für mich und viele andere auf dieser Welt.“
„Das höre ich fast jeden Tag. Dabei war es für mich nur ein Ventil um aus der langweiligen Monotonie des Alltags zu entkommen.“
„Jonathan meinte, Sie haben zwar Horizon großzügig finanziert und haben so viel Erfolg mit den Büchern, aber im Grunde genommen sind Sie ein Tagträumer und Versager. Den Eindruck machen Sie auf mich nicht. Ich glaube Sie sind ein verdammt guter Schauspieler der den Trottel mimt.“
Richtig geraten, Heulsuse. Er hob die Brauen und lachte gekünstelt. Der Typ war ein Waschlappen aber doof war er definitiv nicht. 
   Sie unterhielten sich noch eine Weile über die Bücher und über Politik und dann verabschiedete sich Kaz bei Ralf und wurde zurückgeführt. Vielleicht würde Ralf sich als nützliches Asset erweisen.
Die Security gab ihm widerwillig seine Waffen zurück und er wurde bis zu Solomon Central eskortiert. Von da ging es mit seinem Fahrrad nach Hause: was für ein merkwürdiger Tag.