ABC-Etüden – 5-22 – Nr.4

Sonntag hat Christiane zur Extraetüdenwoche eingeladen. Montag hatte ich ja schon den ersten Teil dieser Episoden-Geschichte veröffentlicht, Dienstag den zweiten Teil und heute kommt die Fortsetzung, der dritte Teil.

Kaffee

„Es ist ein gutes Stück und in dem Verkehr wahrscheinlich noch mehr.“
Manfred nickte unmerklich und schoss aus der Verkehrslücke dem Navi hinterher. Der dicke fette Hoffnungsschimmer hüpfte in seinem Kopf hin und her, er hatte schon lange nichts mehr mit einer Frau gehabt, nicht mal einen Kaffee zu zweit. Er war sehr gespannt.
„Ich wohne übrigens noch zuhause, Karl will ohnehin nicht weg und ich will ihn nicht zwingen, er ist immerhin mein bester Freund und mein einziger.“
Das klang traurig, aber er traute sich nicht einen Kommentar abzulassen. Eine Stunde später durch den höllischen Feierabend Verkehr, erreichten sie ihr Ziel. Er stutzte. Ein riesiges Gründerzeithaus thronte zwischen Bäume, er hatte ein kleines Einfamilienhaus erwartet.
„Papa und ein paar Kumpels haben ein Restaurant mit Café und Biergarten und so begründet, wenn du magst, können wir auch was Warmes essen.“
„Klingt gut. Du voraus.“
Sie sprang aus dem Wagen und zog ihn durch einen Torbogen. Der Garten war gigantisch groß. Überall standen Tische auf dem sauber gepflegten Rasen. Es war gut besucht.
„Drinnen oder draußen?“
„Irgendwo wo es ruhig ist.“
„Alles klar komm mit.“
In einer ruhigeren Ecke etwas abseits stand ein freier Tisch in bester Lage. Es wunderte ihn nicht, dass dort keiner sitzen wollte. Ein Monsterwaran döste davor im Gras und hob den Kopf und züngelte sie beide neugierig an. Seine Beine schlackerten wie Wackelpudding, dieses archaische Vieh war gewaltig. Mara kniete sich hin und streichelte den Riesenwaran am Kopf, es schien der Bestie zu gefallen. Dann ließ er sich wieder auf alle Viere nieder und schlief weiter. Etwas zittrig setzte er sich hin. Sofort war ein Kellner zu Stelle, ein Mittsechziger mit militärischem Bürstenschnitt musterte ihn argwöhnisch und pochte mit einem Kuli auf einen Notizblock.
„Hey Frank, zwei Stück Wackelpuddingtorte, Eine Schale Pfirsiche für Karl und für mich eine Cola.“
„Für mich einen großen Kaffee, schwarz bitte.“
„Bestätige.“
Und weg war er. Mara grinste.
„Mach dir nichts draus, der ist immer so, das ist Papas bester Freund, die beiden haben zusammen gedient.“
Er schluckte. Ihr Vater war Soldat? Und der Waran fraß Pfirsiche?!
Binnen weniger Minuten stand Frank wieder neben ihnen und servierte ihnen mit militärischer Präzision die Sachen. Das Zuckertütchen knisterte leicht, als er es aufriss um sich Zucker in den Kaffee zu schütten.
Sie machten sich über die vorzügliche Wackelpuddingtorte her und schwatzten vergnüglich, je mehr er sie kennenlernte und ihr warmes Lachen genoss, desto unverzeihlicher wäre es, wenn er sie enttäuschte.
Er ließ den Blick schweifen und zuckte zusammen. Da, diese aufgetakelte Tussi von vorhin, saß in einer Nische und rauchte. Ein Blick in seinen Becher genügte und er war auch noch schön heiß. Mit dem Becher in der Hand sprang er auf, eilte auf die Frau zu, die ihn nicht bemerkte, ein unverdrossen bösartiges Grinsen auf dem Gesicht. Als sie ihn bemerkte war es schon zu spät und ihre Augen weiteten sich, als eine Ladung Kaffee über ihr Gesicht und Kleid spritzte.
Mara tauchte neben ihm auf und lachte.
„Gestatten, meine Schwester Klara“