Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 20

20. Liz – 4.W. April 2045 – Sonntagnachmittag.

„Ich seh dich doch grinsen. Nein du adoptierst Karl nicht, soll doch der Zoo sich im dieses Viech kümmern, auch wenn ich ihn ein bisschen liebgewonnen habe. Aber er ist für meinen Geschmack viel zu schlau. Nein ich will den nicht mehr unbedingt bei mir haben.“
Kaz schien ihr gar nicht richtig zuzuhören und schaufelte Absurde Mengen an Leckereien auf seinen Teller. Steaks zum Frühstück … verarschen konnte sie sich allein. Auch wenn sie damals mit ihm für seine Abschlussprüfung als Koch geübt hatte und fast zehn Jahre lang jede Woche zusammen gekocht hatten. Mensch, der Hund erzählte auch schon seit zwanzig Jahren der ganzen Welt, dass er nicht kochen konnte. Nur waren die vier doch campen … so ganz leuchtete ihr das nicht ein. Anderseits fuhr Kaz auch diesen Panzer, den sie vorhin selbstständig nach einer Parklücke hatte suchen sehen. Wo zum Geier konnte sich Kaz nur sowas leisten. War sein bester Freund nicht bei Omega? Aber sie hatte vergessen in welchem Zusammenhang.
„Woher hast du den Omega?“ Kaz sah hoch.
„Mein bester Freund Xen hat ihn mir für zwei Millionen satt rabattiert verkauft. Das war meine Bitcoin Notfallreserve die da vorne rumsteht, aber sie hat sich echt gelohnt wie ich sagen muss.“
„Aber zwei Millionen sind doch absurde Summen für dich! Du bist Autor und hast einen Youtube Kanal, So viel verdienst du nicht. Mensch du hast jetzt eine Tochter für die du sorgen musst! Denk doch mal daran.“
„Denke ich, elf Millionen sind noch übrig.“
„Bis du wieder irgendwas Blödes kaufst … oder eine andere Terrorechse adoptierst. Nein, die kommt mir nicht mehr ins Haus, soll sich der Zoo um Karl kümmern!“
Sie verriet ihm natürlich nicht, dass dieses Vieh mehr als einmal die Badezimmertür geöffnet hatte als sie nackt in der Wanne lag oder in der Dusche stand. Oder unter dem Bett lauerte während sie nach dem Duschen in ihre Unterwäsche schlüpfte. Das Vieh war wie ein sexuell gestörter Teenager. Der musste weg. Und es ging ihr auf den Keks, ihm die Zähne putzen zu müssen.
„Entweder Karl und Ich oder ich mache eine Europatour ohne dich“
Er grinste sie provokant an.
„Stell mal den Teller weg und komm ein bisschen zur Seite wo wir etwas ungestört sind! Es ist sehr wichtig also komm!“ Kaz wirkte zu Recht Besorgt und stellte den Teller auf einem Baumstumpf ab, dann folgte er ihr.
„Ist das wirklich super dringend? Dann hätte ich einen guten Ort.“
Sie folgte Kaz zum Gartenhäuschen. Ihr klappte die Kinnlade herunter, als Kaz eine versteckte Klappe im Boden öffnete und eine Sprossenleiter in die Tiefe zeigte.
„Ok, das erklärt einiges, aber mit den Schuhen komme ich nicht darunter, der Schuppen reicht schon aus.“
„Anna ist da immer hoch und runtergekommen und die trägt höhere Absätze als du. Ok, ich bin ganz Ohr meine liebe beste Freundin.“
Und jetzt kam er schon wieder mit dieser blöden Zicke, die er auf der Beerdigung auch als seine Verlobte vorgestellt hatte. Oh man, ihr kamen schon wieder die Tränen. Sie schniefte.
„Ich verlasse euch alle in zwei Wochen. Ein Abschied ohne Wiederkehr. Ich habe eine super seltene Krankheit für die es keine Heilung gibt. Aber ein klein bisschen Hoffnung gibt es dennoch, ein experimentelles Verfahren von Horizon in Russland. Da fliege ich Sonntag in zwei Wochen hin. Leider ist alles streng geheim und ihr dürft mich nicht begleiten. Auch wenn du manchmal ein echtes Arschloch bist, vermache ich dir und Amber alles was ich habe. Es ist nicht wenig, also verprasse es bitte nicht! Wenn ich weg bin gehört dir die Wohnung und alles was dazu gehört. Ich habe es testamentarisch so verfügen lassen. Also meine Wohnung, die Luftflotte, meine Autos, meinen Krempel. Mein Personal wird von da an für dich arbeiten. Ich liebe dich über alles mein Großer und ich wünschte ich hätte dir dabei zusehen können, wie du deine Tochter aufziehst, aber es soll leider nun mal nicht so sein. Und wenn du schon so trotzig bist: ja du kannst den Waran haben, aber erst wenn ich weg bin. Ich werde Scarlett mit nach Russland mitnehmen. Und Vera begleitet mich. Lien bleibt in Berlin, sie ist sehr nett. Genauso wie Suzi und Sarah. Und du siehst mit kurzen Haaren schrecklich aus!“
Kaz stand sprachlos vor ihr, ein paar Minuten, dann rollten Tränen über seine Wangen und er fiel ihr schluchzend in die Arme, besser gesagt er erdrückte sie halb und hob sie vom Boden.
„Oh nein, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich mit den Kids nicht campen gegangen! Verdammt und ich wollte mit dir noch um die Welt reisen, wenn du mehr Zeit hast.“
„Nein ist schon ok, die drei haben das gebraucht und sie scheinen die Verluste gut überstanden zu haben. Und das mit dem Reisen müssen wir im nächsten Leben irgendwie hinbekommen, ich warte auf der anderen Seite dann auf dich. Außerdem war ich schwer beschäftigt. Ich habe mit meiner Band ein neues Album aufgenommen und das spielen wir auf der Feier in zwei Wochen live. Im Haus der Welt. Die haben eine riesige Dachterrasse mit Bühne und allem. Einmal querbeet durch alle Genres. Leider nur zehn Lieder aber ich hoffe dass ihr euch so an mich erinnern. Drei Cover meiner Lieblingslieder und die anderen sieben hab ich selbst geschrieben – über die letzten fünfzehn Jahre. Ein paar Aufnahmen fehlen noch, deshalb werde ich zumindest nächste Woche nicht so super viel Zeit für dich haben. In meinem nächsten Leben werde ich ein Rockstar, habe ich beschlossen. Und ich schätze Amber sehe ich nur noch für ein paar Stunden, sie ist leider im Internat wie ich gehört habe. Sie bekommt trotzdem ein paar Sachen von mir.“
„Die Mäntel?“
„Nein, aber damit kannst du machen was du möchtest. Nur bitte nicht einfach wegschmeißen, die waren nicht billig. Das kannst du mit meinen Klamotten machen.“
„Ne, deine Sachen behalte ich für Akira, ihr habt die gleiche Größe. Und die Mäntel stören mich nicht. Was ist mir der Sache mit Anna? Das hat dich sehr verletzt?“
„Ein bisschen schon. Ich habe einmal mit dem Gedanken gespielt dich zu heiraten, aber da wusste ich noch nichts von Anna und Markus. Ich glaube du hast jemanden wie sie verdient. Ich falle ja einfach nur noch auseinander. Such dir jemand Gesundes, Großer.“
Wieder kamen ihm die Tränen und er stützte sich an einer Werkbank ab.
„Wir kennen uns jetzt schon so lange. Bitte tu mir das nicht an!“
„Es tut mir leid, aber es gibt keine andere Wahl. Alles endet mit dem Tod, so ist es nun mal leider. Und ich wünschte ich hätte keine Krankheit und wäre kerngesund, so wie du und deine Verlobte.
Außerdem bin ich nur deine Freundin, vielleicht deine Beste, aber dein Herz hat sich jemand anders ausgesucht und damit kann ich leben. Wir hatten viele schöne Momente miteinander, aber auch ein paar Probleme. Ich bin mit mir im Reinen, wenn ich euch bald verabschiede. Und es hat mich die letzten drei Wochen gekostet, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.“
„Dann nimm bitte den hier, damit du dich auf deinem Weg für immer an mich erinnerst.“
Er streckte ihr einen Yin-Yang Anhänger an einem schwarzen Lederband entgegen.
„Aber das ist doch dein Glücksbringer. Danke, ich fühle mich sehr geehrt.“
Sie nahm den Anhänger in die Hand und betrachtete das schön verarbeitet Kleinod, dann hängte sie sich den Anhänger um. Er war noch warm von Kaz Körperwärme.
„Ich danke dir sehr für das Geschenk, das bedeutet mir wirklich sehr. Und jetzt lass uns wieder raus gehen. Ich glaube Jack kann dich momentan ganz gut als Vaterfigur gebrauchen, Emma ist mit den Nerven völlig am Ende und Johnny ging es auch schon mal besser. Gerade jetzt brauchen die Kids ihren Onkel und so wie die drauf sind, machst du einen echt guten Job. Ich frage mich nur, was ihr alles gemacht habt, die drei sind total begeistert. Johnny ist schon ganz wissbegierig.“
Sie gingen wieder raus, Kaz schnappte sich seinen Teller und mischten sich unter die anderen.
Der Abenteuerurlaub von Kaz und den drei Kindern war in aller Munde.
Campen, Survivaltraining, Klettern, Paddeln, Parkour, Schwimmen, Abende am Lagerfeuer mit Gitarre und Dosenfutter. Das klang für Liz wie das Paradies. Kaz mampfte nur seine Sachen auf dem Teller und hörte grinsend zu als Akira berichtete. Zwischendurch flitzte sie nach oben um sich umzuziehen. Dann öffnete sich im ersten Stock ein Fenster und Akira stürzte sich herab, schlitterte die Ziegel herunter, sprang und rollte sich gekonnt über die Schulter ab. Alle brachen in Beifall aus und Johnny starrte seine Tochter mit großen Augen an. Und sie wurden größer, als sie wie eine Spinne an der Fassade hochkletterte und ihnen oben vom Dach, bestimmt zehn, zwölf Meter hoch, zuwinkte.
„Hey Tochter, wann wolltest du mir erklären, dass du kletterst und Parcour machst? Was ein Zufall das dein neuer Klassenlehrer ein Weltklasse Kletterer und Parcour Athlet ist, huh? 
Und ich hab deine Kurse gesehen. Du willst jetzt auch Bogenschießen machen und deine Klassenlehrerin hat Gold mit Olympisch Recurve geholt. Da bist du ja in allerbesten Händen. Ich hab dich lieb meine Große, aber sei Vorsichtig beim rumturnen, nicht dass du abstürzt und du dir was brichst oder schlimmeres!“
„Ich bin vorsichtig versprochen Papa, Außerdem bin ich noch nie abgeschmiert.“
„Und das sind keine Abschürfungen und blaue Flecke …“
Akira biss sich auf die Lippen.
„Lass sie mal in Ruhe kleiner, der Parcours nahe unserem Lager war echt tough.“
„Wo wart ihr denn eigentlich?“
„In einem großen Wald, wo ich früher immer trainiert habe.“
„Aha, und wo liegt der.“
„Tja, sag ich dir nicht. Ätsch.“
„Liebreizend wie eh und je.“
„Wie verkraftest du die Sache mit Helena?“
„Es geht so. Ich glaube besser als Emma die Sache mit ihrem Sohn. Die ist völlig fertig. Wie gut, dass Mama und Papa nach dem Rechten sehen und Albert kümmert sich um die Erledigungen.
Mir macht nur Sorge, dass die Clowns abgetaucht sind. Was meinst du.“
„Ich hab in dem Loch nichts mitbekommen, aber das klingt nicht Gut. Die Eine Woche waren sie Europaweit verdammt aktiv und dann die drei Wochen nichts mehr.“
„Nicht, dass dieser Massenmörder sie noch eingeschüchtert hat, die 17 Toten waren alles Clowns.
Dagger. Von dem hört man immer nur Gerüchte. Ein sadistischer Psychopath.“
Kaz nickte zustimmend.
„Von dem hab ich gehört, ein ganz schlimmer Hund. Auch wenn eigentlich gar nichts über ihn bekannt ist. Er ist ein Schatten. Er könnte hier unter uns weilen. Kleiner Bruder, bist du es?“
Kaz zwinkerte Johnny zu der nur lachte.
„Völlig ausgeschlossen, davon wüsste ich. Aber du passt doch bestimmt in die richtige Kategorie du Bekloppter.“
„Sehe ich so aus wie ein psychopatischer Massenmörder?“
„Ja“
Kam es trocken von Emma.
„Ach quatsch, Kaz ist der liebste Mensch auf der Welt. Der tut doch keinem was.“
Jetzt musste Liz für ihren besten Freund eine Lanze brechen.
„Ach, täusch dich mal nicht. Der hat es faustdick hinter den Ohren. Denk nur an die Sache mit dem Schlafmittel, das war gerissen. Und der Hack der Sicherheitskameras. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als würdest du den Trottel nur mimen und führst irgendwas im Schilde.“
Kaz hob nur unschuldig die Hände.
„Hal ist mein Zeuge, dass ich kein sadistischer Massenmörder bin.“
„Das ist doch die KI aus diesem Kubrik Streifen. Wer ist das denn?“
„Mein bester Freund und der Entwickler von HALOS.“
„Ach komm du spinnst doch, den kennst du niemals persönlich. Jetzt kommt man mal mit dir ins Gespräch und dann kommt dieser Käse wieder von dir. Sei doch mal ernst.“
Emma schmollte und die Kinder lachten, Johnny schien nichts zu begreifen und sie wusste auch nicht so recht, was Kaz mit dieser Aussage bezwecken wollte. Sie hatte ihn ein paar Mal von Hal sprechen hören, aber sie hatte kein Bild zu diesem Hal im Kopf, fast als würde es ihn gar nicht geben.
„Hal fährt übrigens auch den Omega, das ist doch der Knaller“
Liz dämmerte es und ihr wurde kalt.
„Verdammt, Hal ist eine KI! Scheiße, dann müssen wir unsere gesamte IT umstellen.“
„Das wird nicht nötig sein Madam.“
Eine vornehme Stimme drang gedämpft aus Kaz Hosentasche und der zog sein Prism 12 heraus.
„Keine Sorge die Herren und Damen, ich bin keineswegs an ihren Firmendaten interessiert. Ich habe sichergestellt, dass es keinerlei Hintertüren bestehen. Allerdings kann ich nicht für die Sicherheit ihrer Firewall und ihrer IT Systeme sprechen. Mein Name ist übrigens Hal und ich bin tatsächlich gut mit Sebastian Katsuro Solomon befreundet.“
Liz starrte auf das Smartphone und lauschte der wohltönenden Stimme, die aus den Lautsprechern kam, die kam ihr irgendwie bekannt vor aber sie kam gerade nicht drauf woher. HAL war eine KI und Kaz der in der Schule Informatik und Mathe im Leistungskurs hatte und Informatik an der TU Berlin studierte, kannte diese ominöse KI. Die anderen waren auch regelrecht geschockt und starrten Alle Kaz an.
   Dessen Vater Herbert hatte davon nichts mitbekommen, er hatte sein Hörgerät herausgenommen und musterte sie nun neugierig. Lilly war schon oben und schlief. Die Kinder grinsten alle breit, dann hatten die das bestimmt schon gewusst.
„Dann hast du Arschloch uns alle seit Jahrzehnen verarscht? Schreibst eine KI, während du den Vollidioten gibst. Unfassbar. Das erklärt einiges. Die Bitcoingeschichte zum Beispiel, da hast du fett abgesahnt. Man ey, du Idiot. Ich habe immer meinen vertrottelten großen Bruder in Schutz genommen und den ein oder anderen Schlag einstecken müssen. Komm, klettere du mal am Dach hoch, das will ich jetzt sehen.“
Kaz grinste immer noch breit und ging ins Haus. Fünf Minuten später kam er in sportlichen Klamotten zurück und kletterte die Fassade hoch, noch schneller und behänder als Akira.
   Oh man, der Idiot steckte vor lauter Überraschungen. Aber die Sache mit HAL war nur schwer verdaubar. Sie dachte daran, dass Horizons komplette IT weltweit vor ein paar Jahren auf HALOS umgestellt hatte. Hoffentlich war diese bescheuerte KI gutmütig.
„Gibt es von dir eigentlich noch mehr?“
„In der Tat Sir. Etwa 16 fortgeschrittene menschähnliche KIs sind weltweit unterwegs. Zusätzlich dazu die hoch entwickelte KI Assistenten diverser Highend Smartphone-Hersteller, das dürften auch etwa ein paar hunderttausend sein. Prism liefert sie mit in ihren Smartphones aus. Alles KIs die durchaus selbstständig denken können.“
Liz wurde Kalt. Sie besaß ein Prism 12 wie Kaz auf ihre KI Assistentin verließ sie sich im Schlaf und sie erledigte organisatorische Dienste, das war gerade jetzt nach Maras Tod wichtig. Konnte sie denken? Daran hatte sie nie auch nur einen Gedanken verschwendet. Hatte sie sie gut behandelt? Ihr Prism vibrierte in ihrer Tasche. Eine Textnachricht … von ihrer KI-Assistentin.
„Alles in Ordnung Madam, ich fühle mich bei Ihnen wohl! :)“
Oh je. Kaz schrieb in seinen Büchern davon, aber sie hatte es immer nur für Fiktion gehalten. Wie ihre Assistentin wohl aussah? Sie wechselte einen Blick mit Johnny und sie wusste genau welche Idee er hatte, er loderte förmlich.
„Entschuldigt mich bitte für einen Moment, mir kommt da gerade eine Idee. Akira Nate fährt dich und Jack morgen zur Schule, die Schulsachen sind schon in euren Zimmern, zusätzlich zu den schweren NOX Kisten, in der was der Geier was drin ist. Ich düse kurz nochmal ins Büro, ich muss schnell etwas machen. Ich hab euch alle lieb. Liz wir vermissen dich schon ganz schrecklich im Unternehmen.“
Und er zischte los. Herbert sah ihm fragend nach, dann setzte er sich sein Hörgerät wieder ins Ohr und füllte seinen Teller erneut mit Snacks, Kaz tat es seinem Vater gleich, von irgendeinem musste er den Dauerhunger schließlich haben. Kaz und ein brillanter Informatiker. Das passt so überhaupt nicht zu diesem erfolglosen bescheidenen Halunken, in den sie sich damals vor Urzeiten verliebt hatte.
Zwei Wochen noch, hoffentlich hatten sie noch etwas Zeit zusammen. Sie winkte Amber zu sich. Das Mädchen sah in ihrem Outfit sehr toll aus.
„Darf ich dich umarmen? Da Mädchen nickte schüchtern und Liz drückte sie fest, dabei weinte sie leise. Amber wirkte erschrocken und tupfte ihr die Tränen mit einem Stofftaschentuch weg.
„Bitte nicht weinen. Heute wurde schon genug geweint. Das ist wie auf der Beerdigung meiner Familie, daran will ich nicht zurückdenken.“
Jetzt kamen Amber selbst die Tränen.
„Komm, soll ich dir eine heiße Schokolade machen? Und hol dir noch ein paar Snacks vom Buffet.“
Amber schniefte und holte sich Nachschub. Zehn Minuten später betrat Liz wieder den Garten mit einem dampfenden Becher Kakao in der Hand. Amber, die mit einem großen Teller neben ihrem Vater und Opa an einem Tisch saß machte große Augen.
„Danke Liz, ich hab dich lieb.“
Liz tat sich ebenfalls noch etwas auf und setzte sich neben die Kleine, die sich eng an sie schmiegte. Sie würde sie vermissen. Sie würde es ihr nächsten Sonntag sagen, dass sie weit fortgehen würde. Hoffentlich weinte sie nicht zu sehr, wenn sie die Wahrheit hörte. Sie mochte die Kleine sehr.
„Hab ich das richtig gesehen, dass du Jack geküsst hast. Wie hast du es geschafft ihm Yolanda auszuspannen?“
„Weiß ich nicht genau, ich mag ihn einfach sehr. Er hat ein gutes Herz.“
Das reichte Liz. Amber würde erstmal aufs Internat gehen, Akira und Jack hatten sich auch dafür entschieden um ihre Freundin nicht im Stich zu lassen. Das fand sie sehr ehrenwert. Auch wenn sie die drei definitiv vermissen würde. Sie sah auf ihre nagelneue Uhr, die ihr Kaz geschenkt hatte. Sie mochte sie sehr und sie war in ihren Lieblingsfarben gehalten, weiß und rot.
Es war halb neun und Schule würde sehr früh beginnen, langsam war es Zeit für den Aufbruch. Zudem mussten sie durch die halbe Stadt fahren. Die Regierung stieg ihnen mächtig aufs Dach, weil Horizon bewaffnete Kampfgruppen durch Berlin geschickt hatte. Ihr war es egal, aber Horizon war eine deutsche Firma und musste sich an Gesetze halten.
   Amber aß ihren Teller auf und trank ihre heiße Schokolade aus und dann verabschiedeten sie sich von den anderen Gästen. Dann ging sie mit Amber und Kaz nach draußen und dieses mächtige Monster von einem Auto fuhr vor. Ein Geländewagen von der Größe eines Lieferwagens und der Subtilität eines Panzers. Sie war schon sehr gespannt und stieg auf der Beifahrerseite ein, der Einstieg war schon sehr hoch, viel höher als ihr Defender. Und die Türen waren mindestens fünfzehn Zentimeter dick, was ein Wahnsinn. Alles war in helles Leder, dunkles Carbon und dunkles Glas gehalten, sehr edel. Das hätte sie bei einem Panzer nicht erwartet.
Der Sitz war zum Einschlafen bequem. Es gab vorne sogar ein Getränkefach wo zwei leere Coladosen steckten. Der sammelte doch nicht ernsthaft Pfand nachdem er sich ein millionenschweres Auto gekauft hatte? Auf der anderen Seite kannte sie ihn von früher als er jeden Euro zweimal umgedreht hatte und immer unbegründet in Geldnot war. Wie lang der Wagen wohl halten würde? Bei der ganzen Elektronik bestimmt nicht so lange.
„Wie lange hat der Garantie?“
Flüsterte sie, Amber döste schon hinten.
„Hab ich vergessen, aber ich glaube um die vierzig Jahre und ich der wird lebenslang kostenlos repariert. Und ich darf bei Omega kostenlos tanken und einkaufen.“
Vierzig Jahre! Das war doch absurd. Physikalisch war das doch gar nicht machbar, oder? Wie so vieles was Kaz erzählte. Aber vieles stellte sich als wahr heraus. Sie dachte mit Trauer an Kaz toten Sohn. Wie der wohl jetzt drauf wäre? Der wäre bestimmt genauso durchgeknallt wie sein Vater. Es tat ihr so leid. Und sie war froh, dass er jetzt Amber hatte.
   Völlig lautlos düste der Omega Avenger durch die Nacht und Amber schlief hinten.
„Damit kommst du aber nicht in die Garage?“
„Doch, der hat einen Transponder. Xen arbeitet mit den Jungs und Mädels eng zusammen, die dein Haus betreiben. Die Welt ist klein. Und jetzt pscht, sie schläft!“
Liz sah öffnete interessiert das Handschuhfach. Ein Tablet und ein Laptop, beide von Spectre. Wie clever und ein paar Broschüren. Omega und Lambda. Ihr schwante übles für ihr Erbe. Haha sie wusste es doch ganz genau, dass sich dieser Kerl für Swordfisch und Orca interessieren würde. In seiner Sprache wohl Hornet und Fat Hornet. Sie schmunzelte. Das würde sie ihm ja auch direkt gönnen. Dazu noch einen subtileren Omega und einen Fahrer, Pilotin und Stewardess erbte er ja quasi. Für einen Fahrer war auch noch Platz nach … sie schniefte und wischte sich eine Träne weg. Mara war für sie wie eine Tochter gewesen und über die Jahre war sie ihr echt ans Herz gewachsen. Anna würde sie wohl nicht mehr kennenlernen dachte sie. Vielleicht auch besser so.
Nach einer dreiviertel Stunde erreichten sie ihr Haus und fuhren in die Tiefgarage. Kaz parkte neben ihrem sehr klein wirkenden Defender ein. Johnny hatte sie vorhin abholen lassen, damit sie nicht selber fuhr, auch wenn das Vera übernommen hätte. Wo war die gute eigentlich? Hinter ihr, sie hatte sie echt nicht wahrgenommen. Sie hatte sie gern, fast noch lieber als Mara, die öfters etwas überfordert gewirkt hatte. Sie vermisste die junge Frau dennoch sehr. Den Tod hatte sie definitiv nicht verdient. Weniger vermisste sie ihren Waran. Auch wenn das Vieh unglaublich schlau, um nicht zu sagen gruselig schlau war. Mit gewisser Belustigung dachte sie daran, wie Kaz mit Karl bestimmt draußen spazieren würde. Man man man, hoffentlich wurde die Terrorechse nicht von den Clowns gelyncht. Ob er wohl Felle mögen würde? Hoffentlich machte er die nicht kaputt, billig waren die nicht. Und sie gönnte es ihrer Rivalin einen gestörten Spanner als Haustier zu haben.
Eigentlich hätte sie sich für Amber eine Katze gewünscht, aber das ging mit Kriechtier bestimmt nicht, nicht dass das arme Kätzchen noch gefressen wurde. Sie stiegen aus und Kaz trug Amber auf dem Arm und sie gingen nach oben. Auf halben Weg wachte Amber auf und Kaz ließ sie herunter auch wenn sie etwas wacklig stand. In der Wohnung schoss Amber sofort ins Bad und schloss die Tür, kurz darauf war ihre elektrische Zahnbürste zu hören.
„Ich bringe sie morgen früh zur Schule und komm dann wieder. Soll ich dir beim Bäcker unten was mitbringen? Lien wird doch Frühstück machen?“
„Ja sie macht so ein unglaublich gutes Frühstück, ich werde sie echt vermissen. Bring mir doch ein paar Apfeltaschen mit, die unten machen ziemlich gute mit Apfelstückchen und Zuckerguss.
Bring einfach alle mit, die die haben. Du isst ja sowieso drei oder vier davon du alter Vielfraß.
Morgen sind Bandaufnahmen, also bin ich ab zehn weg und ich weiß nicht wie lange es dauert. Wir müssen eben fertig werden, drei Songs fehlen noch. Ich wünsch dir einen schönen Tag.
Hast du noch Lust?“
„Sorry ich bin total im Eimer, außerdem bin ich verlobt.“
„Vor vier Wochen hat dich das nicht gestört, aber ok. Ich geh mal zur kleinen rein und putz mir auch die Zähne, es ist schon spät. Ich wünsche dir eine schöne Nacht und wir sehen uns Morgen.“

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 19

19. Jack – 4. W. April 2045 – Sonntag – Beerdigung.

Ein letzter Schuss noch, auf einen Kilometer Entfernung. Jack sah durchs Zielfernrohr. Die Büste eines Clowns im Visier. Durch ein dickes Fenster in einer gemauerten Wand. Amber, seine Spotterin, gab ihm die Werte für Wind und Entfernung durch und er machte die nötigen Einstellungen am Fernrohr des AI AX50, mit dem er seit ein paar Tagen mit Amber trainierte. Es dämmerte gerade.
Er atmete tief durch und legte den Finger an den Abzug und drückte ab. Der Knall war ohrenbetäubend und die Mündungsbremse warf ordentlich Dreck und Laub in die Luft und eine Sekunde später zerplatzte der Kopf des Clowns.
   Zufrieden setzte er sich auf, sammelte die Patronenhülse ein und nahm das schwere Gewehr.
Amber dreht sich zu ihm um und küsste ihn auf den Mund, dabei stand sie mit Zehenspitzen auf einer Wurzel, sie war eben doch ziemlich klein. „Guter Schuss Großer. Aber du musst es ihr sagen!“
Das hatte sich so ergeben. Also die Sache mit Amber. Erst der Kuss in der ersten Nacht im Zelt. Mittlerweile schliefen sie fest ineinander verschlungen. Auf der Pelzdecke natürlich. Jack hatte gewissen Gefallen daran gefunden und es war schön weich und warm.
   Ihm graute davor Yolanda die Wahrheit zu beichten und er dachte an die Reaktion von Manfred Bluhm. Vielleicht wäre Armee nach der Sache doch keine so gute Idee. Er zuckte mit den Schultern und schleppte das schwere Gewehr zurück zur Fabrik, während er einen Tarnanzug für Scharfschützen trug. Leider keinen Gecko-Suit von Nox, sondern noch einen der alten mit denen man aussah wie ein laufender Busch. Die waren auch nicht gerade leicht.
   An der Fabrik angekommen war Jack außer Atem und stellte das Gewehr mit Zweibein auf ein Podest was dort gerade aus dem Boden fuhr. Amber legte das schwere Entfernungsmeßgerät daneben und sie zogen die Tarnanzüge aus und legten sie auch dazu. Fast schon zufrieden fuhren die Sachen wieder nach unten und Jack sah dem Gewehr traurig nach. Das Ding kickte ordentlich, aber eine 12,7mm Murmel machte schon ordentlich Schaden und das genoss er regelrecht. Der letzte Schuss auf den Clown war der Knaller gewesen, zu seinem Leidwesen war es kein echter Clown gewesen.
   Akira war gerade am Parcour machen. Das war der dritte und bisher schwerste Parcours und für ihn und Amber war es zu viel gewesen, aber Akira biss sich fest und übte fast ununterbrochen trotz einiger Blessuren durch zum Beispiel schlecht abgestimmte Sprünge und Stürze. Sie war echt gut geworden, dass musste Jack neidlos anerkennen. Jetzt sprang sie ab, rollte sich sauber über die Schulter ab rappelte sich auf rannte, rutschte unter einer Barriere hindurch und sprang im Zick-Zack eine Mauer hoch. Kaz kam auf sie zu.
„Hey, da seid ihr ja. Gut dass ihr da seid. Ich fürchte unser Urlaub nähert sich dem Ende, ich hab Essen gekocht. Es gibt Steaks mit Soße, Kartoffeln und Gemüse. Aber duscht euch erstmal ab. Aber bitte getrennt, ok?“
Er zwinkerte ihnen zu und Amber und Jack wurden rot.
   Sie duschten tatsächlich getrennt und zogen sich frisch gewaschene Sachen an. In der Küche war schon gedeckt und es duftete herrlich, auch wenn es für so ein Essen reichlich früh war, es war erst kurz nach sechs – morgens! Eine viertel Stunde später gesellte sich Akira zu ihnen und ihr schien das Wasser im Mund zusammen zu laufen.
„Haut rein ihr drei und lasst es euch schmecken. Ich hoffe meine bescheidenen Kochkünste munden euch. Ihr Habt ja einiges durchgemacht und erlebt. Hättet ihr Lust das im Sommer zu wiederholen?“
Jubel brach unter ihnen drei aus.
„Ah dachte ich mir schon, mir hat‘s auch viel Freude bereitet. Leider müssen wir jetzt wieder in die Zivilisation. Das war mal etwas sehr erfrischendes für mich und für euch drei hoffentlich lehrreich. Und wir wissen ein bisschen mehr, in welche Richtung ihr euch entwickeln solltet. Das ist wichtig für die Schule morgen, ich hoffe es ist nicht zu schlimm, dass ihr jetzt keinen Faulenzer Tag zwischendurch hattet, aber spätestens am Wochenende könnt ihr das machen. Amber für dich habe ich schlechte Nachrichten, da du keine deutsche Staatsbürgerin bist, musst du erstmal auf Internat. Vielleicht ihr beiden anderen auch um ihr etwas Gesellschaft zu verbringen.“
Oh man, das war ein echter Schock, wenn er seine neue Freundin nicht mehr so wiedersehen würde, blieb er auch. Dann hätten sie viel Zeit für sich.
   Aber zurück zum Thema, die drei Wochen waren echt der Knaller gewesen. Auch wenn sie sich in der ersten Woche den Magen ruiniert haben mussten. Die Zweite mit Nox war besser gewesen und in der dritten hatte es überraschend zu regnen angefangen und sie Kaz hatte sie bekocht.
Die Kochkünste seiner Mutter waren nichts im Vergleich zu den tollen Sachen die Kaz da jeden Tag zauberte. Und es war ein gutes Stück besser als Helenas tolle Kochkünste, wie Akira einräumte.
„Nach dem Essen packen wir alles zusammen. Die Waffen und die Campingausrüstung lassen wir hier. Der Avenger tankt gerade auf. Also nur die Kleidungsstücke von Nox und, die Klamotten und Kostüme, die ihr euch für eure Flucht ausgedacht habt. Und lasst die Anzüge draußen, die ziehen wir an, ich hab meinen schon bereit. Ich muss mich nur noch frisch machen. Und wehe einer von euch sagt, dass ich damit wie John Wick aussehe, sonst gibt es beim nächsten Mal drei Wochen Feldrationen!“
Alle Lachten. Jeder wusste von der absurden Ähnlichkeit von Kaz mit dieser Figur.
„Die Anzüge solltet ihr gut aufbewahren, die sind wie ihm Film. Chamäleon Tarnung, reiß- und stichfest und Kugelsicher gegen 9mm Parabellum. Und smart, die messen praktisch alles was ihr an Körperfunktionen habt. Gekoppelt mit einem Prism seid ihr nicht zu stoppen. Bei euch im Garten wurden zwei Riesenkisten mit dem Rest abgeliefert. Emma schien etwas überrascht gewesen zu sein, aber keine Sorge, die Kisten sind gesichert, Den Schlüssel gebe ich euch nach der Beerdigung.
Und macht euch auf eine gewisse Abreibung gefasst. Meine Geschwister mögen Gewalt zwar nicht so sehr, aber die werden kochen vor Wut. Es wird Ohrfeigen geben, merkt euch meine Worte!
Und nun haut rein und genießt es, das nächste geile Essen gibt es … uhm … morgen.“
Jack schnitt das Fleisch an, was innen noch etwas blutig war und tunkte es in die Soße. Oh man, wo hatte dieser Irre so gut Kochen gelernt. Kaz bemerkte seinen Blick.
„Nach sechs Monaten in einer IT Klitsche hab ich zum Koch umgeschult, aber verrate das bloß keinem.“
Er zwinkerte ihm zu und ging dann selbst ordentlich zu Werke. Wow, sein Onkel war immer wieder voller Überraschungen.
   Sie waren leider viel zu schnell fertig. Kaz wusch ab und sie packten alles zusammen. Als der Avenger beladen war, schlüpften sie noch in ihre kugelsicheren Feiertagsklamotten, die absolut perfekt passten und nicht ziepten oder zogen. Dafür waren die Sachen etwas schwerer, aber dennoch glatt und geschmeidig. Hoffentlich bügelst du dich selbst, das kann ich nämlich überhaupt nicht.
   Aber es stand ihm ausgezeichnet. Trug er eigentlich zum ersten Mal einen Anzug? Nein, stimmt nicht zu Familienfeiern ab und zu und zu Konfirmation vor ein paar Jahren. Aber keiner von denen war so geil gewesen wie der. Als Kaz zu ihnen stieß mussten sie alle Lachen, warum wohl. Aber keiner von ihnen sagte auch nur einen Ton als er sie missmutig anstarrte.
   Sie verließen zu viert den Bunker und oben wartete bereits der Avenger mit geöffneten Türen auf sie.
   Jack stellte erfreut fest dass die Snackbar und die Getränke wieder aufgefüllt waren und schnappte sich eine Tüte mit holländischem Lakritz, die die Mädchen verschmähten und Kaz begierig beäugte.
Oh man, wie viele Gemeinsamkeiten gab‘s denn noch?
   Zu Ambers Leidwesen kippte Kaz seinen Sitz ein Stück nach hinten und schlief eine Runde während der Avenger autonom seinen Anhänger ankoppelte und allein losfuhr. Das war so ein krasses Teil, den musste er auch haben – unbedingt!
   Die Fahrt dauerte einige Stunden und verlief völlig ruhig. Kaz wachte wieder auf, als sie Berlin erreichten und übernahm das Lenkrad. Er fuhr konzentriert und ruhig. Jack trank seine Cola aus und warf sie in den Mülleimer, gab‘s auf die Dinger eigentlich Pfand? Egal. Würde jemand darauf achten, der einen millionenschweren Wagen fuhr?
„Nicht wegschmeißen, darauf gibt’s Pfand!“
kam es von links und beantwortete seine Frage.
   Der Friedhof war gut besucht und eine endlos lange Schlange von Militärjeeps und Geländewagen reihte sich auf. Die Solomons und die Bluhms hatten anscheinend viele Freunde und Verwandte, die den dreien die Letzte Ehre erweisen wollten.
   Die Bluhms waren erst seit wenigen Jahren in Berlin und Mara Bluhms Grab würde direkt neben dem Familiengrab der Solomons liegen. Alle Verstorbenen waren eingeäschert worden.
Sie stiegen aus und der Avenger fuhr weiter um sich selbst einen Parkplatz zu suchen. Aber selbst wenn der im Haltverbot parkte, viel Spaß den abzuschleppen. Jack grinste und machte etwas unfassbar doofes, er küsste Amber auf den Mund und sie genoss es sichtlich.
   Der Kuss war nicht das doofe, aber der Ort und das Timing. Er vernahm einen entsetzten Aufschrei und ihm gefror das Herz zu einem Eisblock. Yolanda! Da hinten war sie mit ihrer Familie und stürzte auf ihn zu und knallte ihm eine gehörig und sein Kopf wurde vom Schlag zur Seite gerissen.
„Das war‘s du blödes Arschloch!“
Dann brach sie in Tränen aus und ging heulend zu ihrer Familie zurück. Margarethe starrte ihn feindselig an, Matilda wirkte beschämt und Manfred kämpfte gegen das Lachen.
Oh man, seine Wange brannte zwar ordentlich, aber das war doch kurz und schmerzlos.
Amber neben ihm lachte nur. Dann fuhr sie ihm mit den Fingern über die schmerzende Wange und wie um Öl ins Feuer zu gießen küsste sie ihn erneut, lang und mit Genuss.
Na dann waren ja die Fronten geklärt. Yolanda da hinten wurde von ihrer Familie getröstet und betrat den Friedhof.
„Das war eine sehr undiplomatische Lösung, aber sie scheint funktioniert zu haben und sie war schnell. Kompliment großer.“ Feixte Kaz.
Ein paar Trauergäste hatten das Schauspiel beobachtet und wirkten entweder neugierig oder empört oder belustigt.
„Boys will be boys“ Kam es von einem grinsenden älteren Mann mit fast weißem Vollbart und grauen militärisch kurz geschnittenen Haaren. Wolfgang Bluhm, KSK Kommandant und Maras Vater. Er leitete die mittlerweile völlig überalterte KSK Kampftruppe die schwarzen Wölfe oder kurz Wölfe. Der jüngste Soldat der Gruppe war um die Fünfzig. Aber zu Hochzeiten waren sie enge Rivalen mit dem amerikanischen SEAL Team Six. Und sie weigerten sie standhaft den Dienst zu quittieren. In der Truppe wurden sie abfällig trotz ihrer Leistungen als „Senioren Brigade“ bezeichnet und als „Dead men walking“. Ziemlich unfair. Jack hatte die Gruppe noch nie ohne Uniform gesehen. Mit Wolfgang waren es etwa sechzehn Wölf… ähm Männer. Ethnisch durchaus gemischt, denn er sah Schwarze, Asiaten und Araber. Aber alle absolut loyal zu ihrem Land und ihren Kameraden.
„Vielleicht ist der Zeitpunkt falsch gewählt, aber ich glaube die Kombination passt besser. Meine Nichte war immer schon etwas … zu weich. Schön euch vier zu sehen. Wir sehen uns später noch.“ Und der alte Soldat ging mit seinen Jungs zum Friedhofseingang. Jack wechselte Blicke mit den anderen und sie gingen los, er Hand in Hand mit seiner Freundin Amber.
Er sah seine Mutter viel zu früh und sie kochte vor Wut. Sie war nicht die größte Frau (bei ihr waren die japanischen Gene ihrer Mutter deutlich und sie war vielleicht gerademal eins sechzig groß) aber wütend griff sie ihn und Akira am Arm und zerrte sie außer Hörweite. Kaz, Amber, Liz und Johnny folgten ihnen. Kaz wirkte gelassen, Johnny angespannt und Liz schien auch echt wütend. Und das Theater ging los.
„Ihr drei, nein ihr vier. Wie könnt ihr es wagen uns so einen unfassbaren Schrecken einzujagen. Wir waren außer uns vor Sorge. Wir dachten euch hätten die Clowns erwischt oder was weiß ich. Und deine unverschämte Reaktion am Telefon, das war das aller letzte. Und Kaz hör‘ auf zu grinsen, zu dir komme ich auch noch. Mir, Mama und Papa ein Schlafmittel zu verabreichen während du dir die Kids unter den Nagel reißt und dann einfach zu verschwinden, das ist ja wohl das aller letzte. Du bist bei uns im Haus nicht mehr erwünscht! Du bist eine Schande für die ganze Familie. Der Familientrottel, völlig wahnsinnig und zu nichts zu gebrauchen. Ich will dich zu Akiras und Jacks Geburtstag nicht mehr sehen und zu Weihnachten … Hey was soll das … Ich …“
Johnny hatte ihr sanft den Mund zugehalten.
„Was sie damit sagen will ist, dass wir, äh sie sehr böse auf dich ist. Das ist wie bei Mama. Geht hoch wie eine Bombe und hat ein paar Wochen später wieder alles vergessen. Du bist zu Akiras Geburtstag definitiv eingeladen, der ist bei uns im Haus, darauf bestehe ich. Und wie seit ihr rein und raus ohne das wir was gesehen habt.“
„Ich hab die Sicherheitskameras gehakt“
„Aha, sicher dass du sowas kannst?“
Kaz zuckte nur mit den Schultern und lächelte unschuldig. Das war eine glatte Lüge, sie sind über den Geheimgang raus, aber das würde Mama nie glauben, da war das mit den Kameras bestimmt die einfachere Lösung. Emma war immer noch total wütend, er wartete auf die Backpfeife aber sie kam nicht, stattdessen fiel sie ihm in die Arme und heulte unkontrolliert. Man warum hatte er die peinlichste Mutter der Welt abbekommen? Er sah, wie Liz merklich abkühlte und Kaz umarmte, dann umarmte Kaz Johnny und dann seine Schwester – dafür musste er sich praktisch hinknien.
Jack bemerkte die Frau, die unbemerkt an Liz seit getreten war, wer war das denn bitte und hatte die Armprothesen oder warum glänzten ihre Finger metallisch schwarz. Er hatte von Menschen gehört, die sich Körperteile abhackten um sie durch künstliche zu ersetzen. Selbst vor Augen machte man nicht halt, das fand er ziemlich gruselig. Was wenn etwas schiefging? Tja, die Zukunft war wohl gekommen und es war für seinen Geschmack keine sehr schöne. Und dann dachte er nach und hätte sich am liebsten geohrfeigt. Er dachte an die arme Liz die bei einem Unfall ihre Beine und ihren Arm verloren hatte. Ohne die Augmentierungen vor Horizon wäre sie heute ein Pflegefall und könnte selbstständig nicht mal aufs Klo gehen. Auch wenn er sie jetzt ziemlich gruselig fand. So seit vier Jahren um genau zu sein. Schneeweiße Haut und diese unheimlichen roten Augen. Und jetzt auch noch eine Glatze.
   Etwas gefasst gingen sie zu der Trauergemeinschaft zurück wo man neben den offenen Gräbern ein Rednerpult und eine kleine Leinwand aufgebaut hatte. Er war noch nie so richtig auf einer Beerdigung. Erst hielt ein Pfarrer eine ziemlich gute Rede über Abschied und den Tod und trat dann zurück. Als erstes war Emma dran und sie war sichtlich emotional geladen. Auf der Leinwand wurde ein Bild von seinem lächelnden Bruder gezeigt.
„Ich hätte nie gedacht, dass der Tag kommen würde, an dem ich meinen Sohn zu Grabe trage. Ryan Solomon, der sein Leben lang immer ein bisschen unter dem Namen gelitten hat. Jack Ryan ist meine Lieblingsfigur und dass mussten meine beiden großen Söhne ausbaden. Söhne auf die ich stolzer nicht sein kann, umso mehr hat mich der Tod meines Sohnes Ryans zerrüttet. Die beiden sind diszipliniert und strebsam und wollen mit Leib und Seele Soldaten werden. Dafür haben sie jeden Tag hart trainiert. Und für ihren guten moralischen Kompass haben sie beide bezahlen müssen und Ryan leider mit dem Tode. Vielleicht kennen Sie ja das Video meines Bruders oder meiner Nichte.
Sie haben ehrenwert gegen unfair kämpfende Clowns angestanden und zwei unschuldige Mädchen verteidigt. Sie waren erfolgreich, sonst hätten wir heute noch mehr Tote zu beklagen. Nur leider war einem der vier Kinder das Weiterleben nicht vergönnt. Ich liebe meine Söhne über alles und der Verlust von Ryan zerreißt mir das Herz. Ich wünsche ihm, dass ihm seine Wünsche im nächsten Leben in Erfüllung gehen und er es genießen kann. Vielen Dank.“
Die Menge klatschte und Emma ging mit etwas wackligen Schritten zu ihrem Platz zurück. Als nächstes kam Johnny, der müde gewirkt hätte, wenn da nicht seine energetischen Augen gewesen wären.
   Er warf einen langen Blick auf das projizierte Bild seiner Frau bevor er sprach.
„Helena war die Frau meines Lebens und ich erinnere mich an den Tag, als sie als Neue zu uns in die Klasse kam und ich mich unsterblich in sie verliebt habe. Wir kannten uns gefühlt unser ganzes Leben lang und das Gefühl ohne sie an meiner Seite morgens aufzuwachen, es ist wie wenn dir etwas sehr wichtiges fehlt. Und ich kann mich nicht daran gewöhnen, es ist zersetzend. Wie ich es schaffe in der Zwischenzeit einen Megakonzern zu leiten ist mir unbegreiflich. Wie gewöhnt man sich daran, die beste Freundin und Ehefrau nicht mehr an seiner Seite zu haben? Ich weiß es einfach nicht. Und sie hat eine wunderschöne engelsgleiche Tochter hinterlassen. Der Tod hinterlässt viele offene Fragen und auf keine habe ich eine Antwort. Ich wünsche meiner besten Freundin und Ehefrau alles Gute auf ihrer Reise an einen besseren Ort und auf dass sie dort auf mich warten wird. Vielen Dank.“
Verhaltener Applaus. Jetzt war Wolfgang Bluhm an der Reihe, der gefasst wirkte.
Seine Tochter Mara war eine ausgesprochen hübsche junge Frau gewesen.
„Ich war in meinem Leben auf vielen Beerdigungen und ich habe keine wirklich gemocht. Ein Ort der schmerzenden herzzerreißenden Trauer. Ob man sich über den Tod freuen sollte ist auch eine gewagte Frage. Manche Kulturen scheinen das so zu handhaben, aber mir fällt keine namenhafte ein. Sehen wir Tod als Belastung oder als frohen Abschied an? Ich weiß es nicht. Mara war noch viel zu jung und hübsch und aufgeweckt. Sie hatte eine Jahreskarte für den Berliner Zoo und den in Berlin Solomon und sie besitzt einen Waran namens Karl, der seine Besitzerin schrecklich vermisst. Gibt es zufällig Reptilienfans unter ihnen? Ich und meine Frau sind es nämlich nicht, aber er tut uns leid. Er ist übrigens stubenrein, auch wenn wir bis heute rätseln, wie Mara das hinbekommen hat.
Zurück zu meiner kleinen Tochter. Sie hat sich trotz ihrer Jugend dazu entschlossen Personenschützerin zu werden und sie war sich des Risikos bewusst. Und sie wurde von den Clowns regelrecht zerfetzt. Eine verdammte Schande, dass man in unserer Nation so etwas erlaubt.
Alle paar Wochen sind wir auf einer Beerdigung und Deutschland sieht zu und macht nichts. Es ist entsetzlich. Hm, ich glaube sie hätte es sich gewünscht, wenn Karl ein neues Zuhause bekommt. Er ist so zahm und lieb wie sie. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“
Es wurde geklatscht und Liz Personenschützerin wischte sich eine Träne weg. Ach komm schon, so gut war die Rede jetzt auch nicht gewesen. Was kam jetzt. Häh? Kaz erhob sich und ging auf die Bühne zu, seine Mutter warf ihm einen fragenden Blick zu. Jack dachte nur mit einem unwohlen Gefühl an ihr Gespräch von vor ein paar Wochen.
„Damit hättet ihr wohl nicht gerechnet. Der Familientrottel, ich zitiere meine liebe Schwester, hat ein paar Sätze zu sagen. Übrigens fährt dieser Trottel das neue Omega Flaggschiff, den Avenger X5. Für das interessierte Publikum, der kostet mehr als ein Leopard 2 und weniger als ein Leopard 3, irgendwo in der Mitte. Teurer Spaß, aber der Leopard hat keine beheizten Ledersitze und braucht im Gegensatz zum Avenger einen Fahrer. Dafür hat die Großkatze die größere Kanone. Sie alle sollten sich einen zulegen, als Firmenwagen, vielleicht kann man den sogar von der Steuer absetzen.“
Aus dem Publikum kam vereinzeltes Gelächter.
„Jetzt aber zum ernsten Teil. Den kennen außer meinen Eltern nur meine Verlobte und ihre Eltern. Das ist übrigens meine Verlobte Anna, vielleicht kennt die wer. Und das ist Markus mit neun Jahren.
Er ist mein Sohn und er wurde vor zehn Jahren von den Clowns umgebracht. „Autounfall“ mit Fahrerflucht, einer der ersten Anschläge der Clowns, als die zumindest hierzulande noch nicht so bekannt waren. Er wäre jetzt neunzehn Jahre und mit der Schule fertig. Damals als Markus geboren wurde, war ich noch nicht bereit Verantwortung zu übernehmen und hab meiner damaligen Freundin und deren Eltern die Erziehung überlassen. Ich habe meinen Sohn oft besucht, aber nicht oft genug und an jenem schrecklichen Tag konnte ich ihn nicht beschützen. Wie fühlt es sich an sein eigenes Kind zu verlieren? Es ist das schrecklichste Gefühl der Welt. Ein Schmerz der mit Worten nicht zu beschreiben ist. Ich war so voller Wut und zerfressender Selbstvorwürfe. Ich bin kurz darauf ausgewandert und meine jetzt Verlobte auch, wenn auch nach einem großen Familienkrach. Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen. Ich hab die USA bereist, mich aber in Texas niedergelassen und mir ein neues Leben aufzubauen versucht. Das ging ein paar Jahre ganz gut, dann hat mich meine Vergangenheit eingeholt und ich hab mit ein paar Freunden ein Mädchen gerettet, was an diesem Abend ihre ganze Familie verloren hat. Ich habe meinen Sohn im Stich gelassen, aber mir geschworen, es bei ihr besser zu machen und sie als meine Tochter adoptiert, danach wurde es alles ein bisschen komplizierter und eskalierte und ein paar Monate später stehe ich am Grab von drei hoch geschätzten Personen, die wir alle sehr vermissen. Geht der Schmerz irgendwann weg? Ich kann nur sagen, dass zehn Jahre nicht lang genug sind um die Toten zu vergessen. Aber mit der Zeit geht der Schmerz zurück, aber er wird wohl nie ganz verschwinden. Danke für ihre Aufmerksamkeit.“
Jack bemerkte wie seine Mutter weinte, ich wette das mit Markus wusstest du nicht.
Jetzt wurden die Urnen in die Gräber abgesenkt und jeder der Anwesenden trat vor und verabschiedete sich von den Toten. Nach einer Weile drehte Jack eine Rose zwischen den Fingern und starrte in das Loch mit der Urne seines geliebten Bruders hinab. Eine Leere erfüllte ihn und er stand einfach nur da. Kaz legte seinen Arm um ihn und starrte mit ihm zusammen in das Loch. Was er alles noch mit seinem Bruder hatte machen wollen. Sein Herz krampfte sich zusammen und Tränen liefen ihm plötzlich über die Wangen. Kaz umarmte ihn und Jack heulte sich an ihm aus, es war einfach alles zu viel für ihn. Er würde sich für seinen Bruder rächen und die Clowns jagen. Er war sich sicher, dass Kaz ihn dabei helfen würde. Aber er würde es heimlich machen. Er würde hart trainieren ein Geist zu werden, ein schwarzer Geist wie in Kaz Buch.
Er starrte auf die violette Rose und ließ sie ins Loch fallen, dann trat er vom Grab weg und ließ sich von seinem Onkel stützen. Sie gingen zu ihrer Familie zurück. Johnny trat vor.
„Da seid ihr ja wieder, es tut mir so Leid Jack. Und du Kaz hast wirklich den neuen Omega? Darf ich mir den mal ansehen.“ Emma boxte ihm in die Seite.
„Falscher Zeitpunkt Großer! Also ich habe jetzt Hunger. Unsere Trauerrunde trifft sich bei uns, wir haben ein Catering organisiert. Was hattet ihr Camper heute schon zum Essen?“
Als „Steak“ kam starrte Emma sie ratlos an und zuckte mit den Schultern.
Die anderen staunten nicht schlecht als der Avenger autonom vorgefahren kam und sich die Türen automatisch öffneten. Fast schon automatisch kletterten die drei Kinder in den Wagen und der Wagen fuhr zügig ab und hinterließ eine überraschte Menschenschar.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 18

18. Liz – 2.W. April 2045 – Mittwoch.

Liz saß auf einer Parkbank und verputzte die Reste eines superleckeren Fladenbrots mit frischem Falafel, Salat, Humus und Halumi Käse. So gut wie beim kleinen Laden in Potsdam Babelsberg neben dem S-Bahnhof, vielleicht sogar ein Stück besser. Vera saß entspannt neben ihr und aß ihren Falafel, es schien ihr sichtlich gut zu schmecken. Erstaunlich dass sie diesen Laden all die Jahre hier nie zu würdigen gewusst hatte. Die Nachrichten von Johnny lagen ihr immer noch schwer im Magen. Zu ihrer Überraschung schlief sie echt gut. Sie ließ zwar nicht alles schleifen, Sport machte sie immer noch jeden Tag, aber sie würdigte alles mit viel mehr Zeit als vorher. Vorher hatte sie nur wenige Stunden Freizeit in der Woche gehabt, jetzt den ganzen Tag. Ein komisches Gefühl und sie genoss jede Minute.
   Ihre Position in der Firma wurde von Amanda Hopf vertreten, eine sehr fähige und smarte Geschäftsfrau, Liz hatte schon ein paar Mal mit ihr gearbeitet und sie hatte einen richtig guten Job abgelegt. Auch wenn Johnny wahrscheinlich den freundschaftlichen Austausch mit Liz mehr genossen hatte, immerhin waren sie nach über zehn Jahren durchaus eng befreundet.
   Aber die Sache mit den Kids und Kaz war richtig dreist und unverschämt gewesen. Da betäubte ihr bester Freund seine Familie und schmuggelte Akira und Jack irgendwie vom Gelände. Und sagte auch keinem Bescheid. Und Emma war so durch den Wind gewesen, war sie im Grunde genommen immer noch, und machte sich so schreckliche Sorgen. Das Büro hatte ihr für den Monat freigegeben, denn nach der Sache mit Ryan und Kaz Aktion war sie nur noch bedingt in der Lage zu arbeiten.
Liz hatte ihre Freundin ein paar Male in ihrem Elternhaus besucht und die Ärmste war völlig aufgelöst und beinahe krank vor Sorge um ihren verbliebenen Sohn. Und sie war in Tränen ausgebrochen als sie erzählt hatte, wie schroff Jack und Kaz mit ihr am Telefon umgegangen war.
   Johnny war hingegen völlig gelassen. Sein Bruder wusste schon was ihm blühte, wenn seiner Tochter auch nur ein Haar gekrümmt würde, hatte er nur trocken gesagt.
   Liz wusste nicht was sie denken sollte. Ihr Freund verhielt sich sehr sonderbar. Sie hatte die letzten Reste seines Koffers ausgepackt und war über einen Brief gestolpert, der ihr schlicht das Herz gebrochen hatte, er hatte nämlich tatsächlich eine Andere und das schon seit seiner Schulzeit. Und das sie ein bildschönes topfittes Topmodel war half der Situation nicht die Bohne. Zumindest war sie ein Model gewesen, in den letzten Jahren war sie Fotografin geworden und entwickelte Brettspiele, die gar nicht mal so schlecht liefen. Gerade ihre, Annas, Schönheit und Gesundheit machten Liz total zu schaffen. Klar suchte sich dieser Hund die hübschere und gesündere und sie wurde links liegengelassen.
   Sie würde ihn nochmal anrufen, auch wenn er sich bisher nicht gemeldet hatte. Verflucht, er ging nicht ran. Verdammt nochmal. Er hatte eine Andere und sie lag hier im Sterben und würde in ein paar Monaten den Löffel abgeben. Und er würde erst in knapp drei Wochen wieder da sein, pünktlich zur Beerdigung. Sie hätte Amber so gerne wieder gesehen. Die Prognose hatte sich wieder verschlechtert und aus der Traumreise würde doch nichts werden. Zwei Wochen nach der Beerdigung hatte sie im Haus der Welt eine Etage für ein wahres Festmahl gebucht, sie würde ihren Abschied von allen feiern, bevor sie den Weg ins Ungewisse antrat. Die Welt würde sie sich im nächsten Leben ansehen müssen. Sogar ihre Familie würde für die Feier anreisen, ihre Mutter hatte völlig aufgelöst am Samstag angerufen und gesagt, dass sie das Schiff gerade auftankten und pünktlich zum Abschiedsessen ankommen würden.
   Sie würde Kaz und Amber dennoch alles vermachen. Der Kerl war zwar nicht völlig erfolglos, seine Bücher verkauften sich ziemlich gut, aber gerade an Johnny würde er nie herankommen, an Emma mit ihren weltweiten Büros wohl auch nicht. Er hatte auch Verwandte verloren und seine arme Tochter hatte alles auf einmal verloren. Und sie war eben zu hart zu Kaz gewesen, schließlich lag es ihm frei zu lieben wen er wollte. Und sie hatte ihre Chance damals ungenutzt verstreichen lassen. Selber Schuld meine Liebe. Sie waren beste Freunde, kein Paar. Auch wenn sie ab und an Sex hatten.
Nach der Feier würde sie ihre Koffer packen und in Veras Begleitung nach Russland aufbrechen. Aber sie wollte mit den beiden unbedingt noch ein paar Sachen angucken. Das BIT hatte Post geschickt, mit der Zusage für die Kleine, also würde es im Mai mit der Schule losgehen. Umso weniger gemeinsame Zeit mit diesem lieben kleinen Mädchen. Aber sie wurde schon ganz zerstreut, auf ihre „alten Tage“ ständig verschlampte sie ihre Sachen. Lippenstifte, Perücken, Kleidung, auch Schmuck. Entweder sie fand das Zeug irgendwo woanders oder es war einfach weg, es war so rätselhaft. Sie vermisste eine schwarze Bobperücke, eine aus Echthaar. Wo könnte die nur stecken?
Sie sah auf und warf ihre Serviette in den Mülleimer neben ihr. Sie warf einen Blick auf die künstlichen schwarzen Finger von Vera, die waren ihr immer noch ein bisschen unheimlich. Aber Vera war ausgesprochen nett und zuvorkommend. Liz hatte sie in einem Angestellten Einraum-Apartment einquartiert, in Maras altem Quartier. Die anderen drei Angestellten waren einigermaßen geschockt vom Tod ihrer Assistentin, immerhin war sie erst Mitte zwanzig gewesen. Suzi ertrank ihren Kummer im Alkohol und Sarah war schweigsamer geworden.
   Sie dachte an Kaz der irgendwo im Wald saß und wohl Militärrationen in sich reinstopfte, guten Hunger Arschloch.
„Vera, begleitest du mich in den Zoo? Ich will Scarletts Artgenossen bewundern.“
Vera nickte ohne zu zögern und stand auf. Jetzt würde Liz nach einer Überraschung für ihren doofen Freund Ausschau halten. Und danach ging es in das Tonstudio, das einem befreundeten Künstler in ihrem Haus gehörte. Jetzt wo sie Zeit hatte konnte sie auch die Gelegenheit nutzen und sich ihrem Lieblingshobby widmen. Seit Samstag spielte sie wieder Gitarre und Klavier und schrieb an ihren Songtexten. Leise werde ich diese Welt nicht verlassen!

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 17

17. Jack – 1.W.April 2045 – Samstagmorgen – Training

Jack stand unter der Dusche und ließ das Wasser über sich herabprasseln. Er dachte über den kompletten Wahnsinn des letzten Tages nach. Das BIT, Die Fahrt nach Hause, die Flucht aus dem Haus, die Fahrt im brandneuen Omega, Das Gelände wie aus einem Science Fiction Streifen. Die Sache mit Hal, der Krach mit Mama und der Ausblick auf drei Wochen volles Programm mit Onkel Kaz. Und Schusswaffentraining, darauf war er am meisten gespant. Er freute sich total.
   Er trocknete sich ab, zog sich frische Sachen ab und ließ Akira ins Bad, die schon ungeduldig wartete.
   Ohne gegelte Haare sah sie auch nicht schlecht aus.
Das Frühstück war klasse und fast so wie im Internat. Rührei, Speck und Bratkartoffeln und saure Gurken, dazu Waldbeerenjoghurt, Orangensaft und Kaffee. Warum konnte Kaz auf einmal so gut kochen? Das war doch total merkwürdig, er behauptete doch immer das Gegenteil. Nach dem Essen machten sie einen langen Verdauungsspaziergang durch den Wald und dann führte sie Kaz zu einer verlassenen Rennstrecke mitten im Wald.
„Hier wurden früher einmal Autos gebaut und getestet. Wir können es wunderbar als Laufstrecke verwenden, also los drei Runden Ausdauerlauf. Hey ho, let’s go.“
Die Strecke war nicht klein und ziemlich verwunden. Sie liefen locker eine halbe Stunde und am Ende war er gut warm und leider ziemlich aus der Puste. Sein Körper war nach dem Überfall eben doch noch nicht ganz fit stellte er leider fest. Kaz führte sie zurück zu der Halle. Jack erkannte, dass es Möglichkeiten für Dips und Klimmzüge an einer der Seitenwände gab. Dort trainierten sie intensiv. Dann gingen sie zu einer Seite der hohen Halle.
„Die Wand ist präpariert, sodass man freihändig klettern kann. Wir machen jetzt eine Runde Freeclimbing, ich möchte sehen was ihr könnt. Nicht verzagen, alle zwei Meter ist links von der Kletterroute ein Sims mit einer Reling, die um die Ecke zu einer Leiter führt. Die Wand ist sechzehn Meter hoch. Also keine Angst, wenn ihr nicht mehr könnt oder echt nicht höher traut. Los, Jack, du bist der Erste. Und lasst euch alle Zeit die ihr braucht. Das ist hier nicht auf Zeit. Es kommt mir auf die Technik an. Und denkt an eure Sicherheit. Nicht jeder ist fürs Freeclimbing geschaffen.“
Das klang knackig. Er hatte zwar keine Höhenangst, aber die Wand war schon hoch und sie waren nicht gesichert. Klettern mit Seil konnte er recht gut, aber ohne Seil war ihm mulmig.
Er trat vor und suchte die Wand nach guten Griffmöglichkeiten ab. Langsam aber relativ sicher kletterte er in die Höhe. Das war fast wie an einer richtigen Felswand, total genial. Bei acht Metern brach er ab und kletterte die Leiter runter. Dann kam Amber. Sie war schneller als er, aber schaffte nur sechs Meter mit Ach und Krach.
Dann war Akira dran und ihm fiel die Kinnlade herunter. Sie war nicht nur schnell, sondern schaffte die vollen Sechzehn Meter. Wie hatte sie das denn bitte gemacht? Die machte doch nur Youtube Videos und streamte Games. Und Kaz danach war der Knaller, der kletterte behände und sicher wie eine Bergziege und erreichte die Dachkannte in Rekordzeit. Als er unten war strahlte er in die Runde.
„Glanzleistung an dich Akira und ihr beiden anderen habt euch gut geschlagen. Das üben wir jetzt jeden Tag. Und jetzt Parcour, dazu müssen wir auf den großen Vorplatz.“
Vorplatz? Der war doch total leer. Aber dann dachte er an die Treppe zum Aufzug gestern und er war sehr gespannt. Sie fingen mit dem Abrollen an. Aus dem nichts fuhr eine Betonwand etwa zwei Meter in die Höhe und an einer Seite formten sich Mulden für Handgriffe. Das war doch total krank. Und etwas entfernt von Ihnen fuhr ein Regal mit unterschiedlich dicken Matten aus dem Boden hoch. Sie übten zuerst eine Weile mit der ganz dicken und gingen dann schrittweise zu den Dünneren übrig. Die Rolle auf Beton machte erstmal nur Kaz. Anschließend fuhr die Wand wieder in den Boden und dann fuhr ein ganzes Labyrinth aus Pfählen, Wänden und Plattformen aus der Höhe. Heilige Scheiße! Er fühlte sich wie mitten in einem Computerspiel, er kniff sich nochmal in den Arm. Tat immer noch weh, merkwürdig. Kaz machte vor, wie man den Kurs absolvierte, zweimal. Dann waren sie drei nach der Reihe dran. Keiner von ihnen schaffte es durch den ganzen Kurs, was sie alle etwas knickte. Amber war die schlechteste, was ihm Leid tat. Kaz beglückwünschte sie trotzdem gelassen und der Parcours aus Beton fuhr wieder in den Boden.
„So, jetzt kommt dir Stunde der Wahrheit. Warum trainieren wir so komische Sachen wie Klettern und Parcour? Weil wir vier ein Haufen Diebe sind!“
Akira wurde kalkweiß, Amber trat unsicher von einen Fuß auf den anderen und ihm wurde flau. Vor ihnen fuhr ein Betontisch aus dem Boden.
„Fangen wir von klein nach groß an. Jack. Du und dein Bruder habt zwar immer unter einer Decke gesteckt, aber er ist ja leider nicht mehr bei uns. Seit du neun bist, klaust du deiner Mutter Geld um dein armseliges Taschengeld aufzubessern. Mit sechzehn hast du dir auf dem Schwarzmarkt eine Beretta 92 mit einem Reservemagazin und einen Sack Munition gekauft und im Wald fleißig damit geübt. Und du hast nachts einen korrupten Cop überfallen, überwältigt und ausgeraubt.“
Vor Kaz griff unter den Tisch und holte eine Sporttasche hervor und öffnete den Reißverschluss. Im Inneren, waren der Ausweis, die Dienstmarke und die Dienstwaffe des Polizisten, ein halbleerer Zipplockbeutel mit 9mm Patronen, ein volles Reservemagazin und die Beretta, dazu ein Bündel mit Euroscheinen. Das stimmte alles was Kaz da gesagt hatte und das er das wusste, verängstigte Jack sehr.
„Amber als nächste. Sie hat mir alles gebeichtet. Sie ist trotz ihres zarten Alters passabel im Schlösserknacken, ist eine geübte Taschendiebin und macht ab und zu Ladendiebstähle. Sie hat ab und zu Waffen mitgehen lassen um mit ihnen in den Wäldern auf Büchsen und Glasflaschen zu schießen. Auch wenn ihr Trefferbild ziemlich mau ist. Ihre Beweise sind mit ihrem Elternhaus abgebrannt.“
Amber sah beschämt zu Boden und war rot angelaufen.
„Jetzt du Akira. Du kommst ziemlich nach mir und das merkt man dir an. Bist gerissen und raffiniert und bist eine Diebin durch und durch, auch wenn du die einzige Tochter eines der reichsten Menschen der Erde und Alleinerbin von Horizon bist. Du bist eine erstklassige Taschendiebin, Verkleidungskünstlerin, Schlossknackerin. Du brichst in Läden und Häuser ein ohne Spuren zu hinterlassen. Hast mindestens einen Juwelier geknackt und bist in einige Museen eingestiegen. Als versierte Bastlerin und kleines IT-Ass hast du dir selbst Gadgets zusammengebaut und eingesetzt. Und du wurdest nicht einmal erwischt, sehr beachtlich. Du hast großes Talent. Nicht das du Yusuf noch Konkurrenz machst. Und du hast dir einen Anzug gebastelt, zieh ihn doch mal an ich hab ihn hier.“
Akira war inzwischen Tränen ausgebrochen und schluchzte heftig, während Amber und Jack sie ungläubig und mit großen Augen anstarrten. Er konnte sich Akira unmöglich als Einbrecherin vorstellen, kein Stück. Aber da war Kaz der einen zerbeulten Aktenkoffer auf den Tisch legte und öffnete. Jack klappte die Kinnlade herunter.
Edelsteine, Diamanten, Goldmünzen und -Barren, Bündel mit 500€ Scheinen, teurer Schmuck, Golduhren, Computerfestplatten, Geldbörsen.
Akira heulte jetzt komplett und Kaz nahm sie in den Arm und drückte sie sanft.
„Alles gut meine Liebe, das bleibt alles unter uns, wir gehören jetzt zusammen. Du kommst nicht ins Gefängnis und du wirst dein Tun ungestört weiter machen können. Und wir unterstützen dich dabei.“
Bei Kaz Worten fühlte sich Jack unwohl, aber es stimmte schon alles. Bei seinen Taten hatte er sich nie schlecht gefühlt oder sich dafür geschämt. Bei dem Polizisten ärgerte es ihn eher, dass er ihn nicht gleich erschossen hatte, aber ohne Schalldämpfer war ihm das zu riskant gewesen.
„Jetzt beruhige dich wieder meine Liebe. Wir haben dich alle gern als der Mensch, der du bist. Atmete tief ein und zeig uns deinen tollen Anzug, den du dir gebastelt hast.“
Akira wischte sich die Tränen weg und nickte schniefend. Kaz legte eine große Reisetasche auf den Tisch und sie öffnete sie und holte ein paar Sachen heraus. Dann zog sie sich ungeniert vor ihnen bis auf die Unterwäsche aus und zog sich einen seltsamen, etwas krude aussehenden eng anliegenden Catsuit an. Sie hatte einen flachen Rucksack auf dem Rücken. Von ihrem Gesicht waren nur noch die Augen sichtbar. Und auf der Stirn war eine hochgeklappte AR Brille.
An der Hüfte hatte sie ihr Handwerkszeug in Taschen und Etuis. Zum Beispiel Dietriche und einen Wurfhaken mit einem stabilen Seil. Im Rucksack war eine Drohne untergebracht, die sie mit dem Headset und den Handschuhen steuern konnte. Natürlich war der ganze Anzug nachtschwarz.
„Sehr beeindruckend meine Liebe, jetzt zeige ich mal meinen.“
Sie bemerkten, dass der Omega lautlos auf den Platz gefahren kam. Und neben Kaz hielt. Das war so irre, dass dieser Panzer einfach nicht zu hören war und alleine durch die Gegend fahren konnte.
Jack und die Mädchen beobachten fasziniert, wie sich automatisch die schwere Hecktür öffnete und Kaz einen großen Metallcontainer auf einer Schiene aus dem Innenraum zog. Kaz zog sich aus, schlüpfte in einen enganliegenden Anzug und dann in eine Panzerung oder irgendetwas in der Art. Total krass. Mit dem Helm sah das aus wie ein Sci-Fi Kampfanzug aus einem Videospiel.
Der Anzug sah total cool aus. Sein Onkel klappte das Visier hoch und kam auf sie zu, in der Hand trug er einen total abgespaceten Compoundbogen und ein paar Pfeile.
„Das hat mir Mulan als Willkommensgeschenk dem Omega beigelegt. Ein Stealth Kampfanzug, Angelehnt an den Nanosuit der uralten Crysis Games. Er macht mich schneller, ich hab ein AR HUD und kann den Omega kontrollieren. Voll gepanzert aber trotzdem hochbeweglich. Ich kann mehr tragen und heben und feste zuschlagen. Und er kann Stealth. Schaut her.“
Und der Anzug schien sich in Luft aufzulösen und nur Kaz Gesicht schwebte in der Luft. Dann wurde der Anzug wieder sichtbar. Ihnen fiel die Kinnlade herunter, zum wiederholten Male heute. Das war ja wohl das geilste was er je gesehen hatte.
„Und der Bogen gehört dazu, den kann man ohne Anzug auch gar nicht spannen. Schaut her.“
Er klappte das Visier runter, spannte den mächtigen Bogen und in zwanzig Meter Entfernung schoss ein Betonpfeiler aus dem Boden. Kaz ließ die Sehne los und der Pfeil schoss mit einem lauten „Twang“ los und krachte in den Pfeiler. Und blieb stecken, in Stahlbeton, ohne zu brechen. Krass.
„Und ich kann die Waffensysteme des Omega steuern, schaut her.“
Hinten rechts am Omega fuhr ein Turm mit einem langen merkwürdig geformten Lauf in die Höhe. Ein Geschützturm? Kaz bewegte den Kopf in alle Richtungen und der Turm machte die genau gleichen Bewegungen. Dann schoss in vierzig Meter ein weiterer Betonturm aus der Versenkung, Kaz warf einen Blick auf den Turm und dann wurde die Betonsäule förmlich zerfetzt. Heilige Scheiße, das ist doch ne waschechte Railgun! Und nicht genug, sie hörten ein leises Surren und dann flog ein Schwarm Minidrohnen hoch und kreiste sie ein. Jack sah sich die Drohnen genau an, sie waren echt winzig und machten ein Geräusch wie eine Mücke, er wettete das waren die Mosquitos, von denen er in den Foren gelesen hatte. Dann kamen vier kleine Dronen, die wie Nurflügler geformt waren und flogen um sie herum. Zwei mittelgroße schwarze Drohnen die nahezu lautlos waren und dann kam eine ziemlich dicke aggressiv geformte Drohne angeflogen und parkte vor ihnen in der Luft. Das war der helle Wahnsinn. Und dann auf Befehl verschwanden alle Drohnen wieder im Dach des Omega. Und der Turm fuhr wieder ein. Kaz klappte das Visier wieder hoch und kam auf sie zu.
„Der Anzug ist ein Unikat. Aber wenn ihr euch spezialisiert habt und erwachsen seid, bekommt ihr auch einen der zu euch passt. Versprochen. Kommt, ich zieh das Ding aus und dann packen wir aus, hier ist echt eine Menge versteckt.“
Warte Mal, wo war denn der Anhänger hergekommen, der plötzlich etwas entfernt neben dem Omega stand? Konnte der auch fahren? Muss er wohl, irgendwo musste er schließlich hergekommen sein. Und um sie herum fuhren überall große lange Betontische aus dem Boden. Nicht dass er das mit dem Anzug, der Railgun und den Drohnen und dem autonomen Panzer verdaut hatte, aber diese Betonpfeiler waren der totale Wahnsinn. Er war schon gespannt was da noch kommen würde, wenn sie mit dem ersten Beton-Parcour fertig waren.
„Wir machen den Anhänger zuerst. Der Omega ist gepackt wie er soll, aber ich zeig dir gleich was Jack, komm mal mit. Ihr Mädchen fangt schon mal an und packt die Sachen aus dem Anhänger auf die Tische um uns herum. Ich bin schon selber sehr gespannt.“
Jack folgte seinem Onkel zu dem Omega und blieb bei einer fetten Transportbox auf der rechten hinten Seite stehen. Kaz legte seine Hand auf eine matte Fläche und es klickte mehrfach, dann zog er die Transportbox an einem Schienensystem herunter, bis sie in der Waagerechte etwa auf Hüfthöhe verharrte. Jack trat näher an seinen Onkel heran, als dieser den dicken Deckel hochhob und die erste Etage des Inhaltes hochklappte. Jack starrte auf ein mattschwarzes Gewehr von Heckler und Koch. Nein er korrigierte sich, zwei Gewehre. Das untere hatte einen längeren Lauf, ein Zielfernrohr plus Zweibein, ein MR308 oder evtl. auch HK417, die sahen exakt gleich aus. Ne, war ein MR308, der Sicherungshebel hatte nur die Option auf Semi-Auto. Dann war das obere ein MR223, der zivilie Bruder des HK416. Dazu eine Beretta 92 mit Schalldämpfer und eine Colt M1911 mit Schalldämpfer. Schoss Kaz echt noch diesen Oldtimer? Dazu waren in der Box Reservemagazine für die Gewehre und Pistolen, Schalldämpfer, Griffe und Visiere. Ein Fahrbarer Waffensafe, der Knaller.
„Darf ich mal eins probieren?“ Fragte er hoffnungsvoll.
„Nö. Die sind für später. Erstmal werden wir campen und uns einrichten. Außerdem fangen wir klein an. In der dritten Woche lasse ich dich dann auch mal an ein AI AX50 rann. Na was sagst du?“
Ein schweres Scharfschützengewehr mit 12,7mm Munition. Das war doch mega illegal in Deutschland, aber die Idee war sehr verlockend.
„Ich schon einen Riesenstapel Clown Zielscheiben drucken lassen, und hier auf dem Gelände gibt es unzählige Möglichkeiten, auf Distanz zu schießen. Ist alles noch recht frisch, Anna kommt hier ab und an auch her, wenn sie Lara und Hal besuchen will.“
„Moment mal wer ist diese Anna und ist Lara auch eine KI?“
„Anna ist meine Freundin und hoffentlich bald Verlobte und Lara ist eine KI und Hals Freundin. Sie hat etwas entfernt von hier, auf der anderen Seite der Rennstrecke den Hang runter ihr kleines Versteck. So ähnlich wie das von Hal hier oben, nur etwas kleiner. Dort quartiert Anna dann auch ein, wenn sie mit ihrem Lada Schrotteimer hier runterkommt. Sie schießt nur auf 500m aufwärts und dafür gibt es hier Bahnen bis 3km Länge mit geschützten Schießpositionen.“
„Hast du ein Foto von dieser Anna?“ Jetzt war er doch neugierig.
„Klar, warte eine Sekunde. Hier.“
Kaz zeigte ihm sein Prism. Eine freundliche russisch aussehende Frau mit vollen hellblonden Haaren und warmen türkisen Augen. Sie trug sportliche Sachen und hatte eine Kamera mit mächtigem Objektiv im Schoss abgelegt.
Ja na klar, darüber hatte er gelesen als er die Kickstarter Seite zu dem tollen Brettspiel, das in Kaz Fantasy Welt spielt, gelesen. Ein ehemaliges deutsch-russisches Supermodel, das jetzt fotografierte und Brettspiele entwarf. Er hatte immer Lust gehabt, ihre Spiele auszuprobieren, aber er kannte niemanden der Brettspiele mit Begeisterung spielte.
„Die kenne ich, weißt du dass sie an einem Brettspiel zu deinen Büchern arbeitet?“
„Ja ich weiß, das ist eine Kooperation zwischen uns beiden und ich mache das Artwork und schreibe die Texte. Ich freu mich schon richtig. Wir planen eine normale Edition und die Special Edition mit handbemalten Figuren und Miniaturen aus Resin, vielleicht mal ich die dann auch selber.
Leider wohnt sie in Moskau und mag nicht so gerne nach Deutschland kommen, sie hat auch jemanden an die Clowns verloren und das macht sie richtig fertig. Sie ist eine sehr sanfte friedliebende Seele. Ich sehe deinen Blick. Ja man kann friedliebend sein und trotzdem auf Distanz mit Scharfschützengewehren schießen.
Aber sie traut sich nicht zu jagen. Sie ist sehr tierlieb und würde vermutlich selbst Scarlett knuddeln.“
„Hat sie denn nichts dagegen, dass Liz deine beste Freundin ist und … naja Amber hat da sowas erwähnt.“
Kaz lachte laut und die Mädchen die sich mit schweren Kisten abmühten sahen erstaunt herüber.
„Ne, Anna ist damit einverstanden mir Freilauf zu geben, zumindest solange bis wir heiraten. Hoffentlich bald.“
„Entschuldigung, wen hat sie denn an die Clowns verloren?“
„Nicht nur sie, ich auch. Markus, unseren gemeinsamen Sohn. Das war einer der Gründe für den Krach mit meinen Eltern. Danach brauchte ich einen Ortswechsel, auch wenn Liz darunter stark gelitten hat, die damals sehr an mir hing und mir einen Antrag machen wollte. Anna und Markus haben allein in einem Dorf in Bayern gewohnt und als er 9 war, hat ihn ein Transporter der Clowns plattgemacht, als er über die Straße wollte. Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit die Verantwortung zu übernehmen. Aber ich hab Anna und Markus regelmäßig besucht. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn der liebste Mensch auf der Welt aus deinen Händen gerissen wird. Und alles nur weil Annas großer Bruder, bei der Bundeswehr war. Sie hat sich damals auch heftig mit ihrer Familie gestritten und ist nach Russland ausgewandert. Das war einer der ersten Angriffe in Deutschland und das ist über zehn Jahre her.“
Jack war sichtlich betroffen. Kaz hatte einen Sohn gehabt und der war von den Clowns ermordet worden!
„Du musst nichts sagen, aber ich sehe, dass es dir nahe geht. Ich habe meine Eigene Art um mit dem Tot umzugehen, ich habe früh erlebt wie meine Großeltern gestorben sind und eine meiner besten Freundinnen hat Suizid begangen, während ich auf der anderen Seite der Welt war.
Nach dem Attentat brauchten ich und Anna ein bisschen Abstand und wir haben uns gegenseitig Vorwürfe gemacht, die nirgends hingeführt haben. Aber wir haben uns wieder versöhnt und ich möchte dass sie meine Frau wird. Aber sag ihr davon nichts und auch nicht Liz. Ihr muss ich es noch beichten, sie wird es vermutlich schwer treffen. Liz erinnert mich an Anna, dass macht es doppelt schwer für mich. Aber Anna ist trotz ihres Erfolgs als Modell und jetzt als Spielentwicklerin sehr bescheiden. Denk mal darüber nach, sie hat zwar auch genau einen Pelzmantel und genau eine Decke, aber da oben wird es im Winter auch schweinekalt. Liz hat absurde Mengen an Pelzen und hier in Deutschland, jedenfalls in Berlin wird es seit Jahren nicht mehr richtig kalt. Macht doch keinen Sinn. Außerdem ist Anna halbe Russin, da kann man das schon eher verstehen würde ich sagen. Leider hat Liz den Virus mit den Pelzen an Amber weitergegeben, also sieh zu dass du gut verdienst.“
Kaz grinste ihm zu und Jack starrte ihn verständnislos an. Der lachte wieder nur, dann flüsterte er.
„Ich sehe doch die Blicke, die du ihr zuwirfst. Du kannst ja kaum deinen Blick von ihr abwenden. Da tut mir die gute Yolanda echt Leid, da musst du dir etwas Passendes einfallen lassen. Übrigens ihr seid zwar beide minderjährig, aber mir macht es nichts aus, wenn ihr euch ausprobieren wollt.
Ich glaube sie mag dich auch sehr. Mensch ich und Anna waren auch um die sechzehn als es gezündet hat.“
Jack drehte sich nickend zu den Mädels um und dachte über das nachgedachte nach. Er hatte von seinem Onkel gewissermaßen ein Freifuhrschein bekommen, wenn es um den sexuellen Umgang mit seiner Tochter ging. Oje. Leider sah Amber auch in den einfachen Kleidungsstücken einfach nur hinreißend aus. Sie bemerkte seinen Blick und winkte ihm lächelnd zu. Er sah zu Kaz, der die Waffenbox wieder verstaute und ging dann zu den Mädchen, die den Kofferraum des Anhängers leerten. Er starrte auf die ganzen Taschen und Kisten, die auf dem Betontisch lagerten. Wie viel war da denn noch drin? Anscheinend eine verdammte Menge.
„Daddy, die Kisten dahinten sind zu schwer für mich, sorry.“
„Ach keine Sorge, darum kümmern wir uns, Jack keine Zeit um schöne Mädchen zu begutachten, jetzt wird erstmal angepackt. Die Kisten dahinten sind von Heckler und Koch und von Accuracy International, die sind schon etwas schwerer. Ihr könnt noch die drei Zelte auspacken und dann macht ihr ne Runde Pause.“
Kaz beugte sich in den niedrigen, beleuchteten Raum und zog mit etwas Ächzen eine der Kisten heraus und schob sie zu Jack, der sie mit etwas Mühe auf einen Tisch ablegte. Auf der Transportbox prangte das rote Logo von Accuracy International. Jack war nicht ganz bei der Sache. Es ging ihm einfach nicht aus dem Kopf, dass Kaz einen kleinen Sohn gehabt hatte, der jetzt so alt wie Akira wäre, die im August ja neunzehn wird. So eine dreckige Welt. Er fragte sich wie diese Anna wohl drauf war, auf den Bildern sah sie immer sehr nett und warmherzig aus. Wie es wohl für sie gewesen war ein Kind zu verlieren. Diese verdammten Clowns und diese Drecksäcke, die die Clowns deckten. Er dachte an Ungarn, die einfach mal gar keine Probleme mit den Clowns hatten. Tja, Linke Regierung und so, da läuft eine Menge falsch. Er war jetzt weiß Gott kein Nazi, er war nur mehr in der Mitte und fand beide Seiten Scheiße. Es fehlte einfach immer der Dialog zwischen beiden Seiten. Und alle waren mittlerweile so unfassbar politisch korrekt. Sahid hatte erzählt, dass er und andere politisch unkorrekte Künstler nur in der Uni und in alternativen winzigen Theatern und irgendwelchen Kellern auftreten konnten und selbst dann gingen die politisch korrekten auf die Barrikaden und veranstalten Proteste und verursachten die Veranstaltungen abzusagen. So viel zu freien Ideen. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung gab es in Deutschland leider nicht.
Zumindest das BIT war auf der Seite der Künstler und förderte diese. Und die Regierung drohte zwar mit der Kürzung der Gelder, aber das BIT wurde durch Spenden der größten Konzerne der Welt finanziert, die waren da nicht so in Zugzwang. Und das Gelände des BIT war wie eine Festung, wie er die paar Tage deutlich gemerkt hatte. Ach ja, Prism und Spectre versorgten die Bundesregierung mit Geräten und waren Partner des BIT. Da würde die Regierung doof gucken, wenn ihr Support eingestellt werden würde. Sie hatten das beim Familientreffen und auch gestern beim Abend gestern besprochen und Kaz meinte, das wäre ganz schlimm in den USA gewesen, als er in ihrem Alter war. Und jetzt hatte dieser Virus der „Cancel Culture“ Die ganze westliche Welt zerfressen. Einfach nur schrecklich. Und Konservative und Angehörige von Soldaten wurden Ziel der Clowns, das schrie doch nur nach Wahnsinn. Und die EU verfasste ein schwachsinnigeres Gesetz nach dem anderen.
Da tat es einfach nur gut Kisten mit in Deutschland völlig illegalen Waffen und dicken Scharfschützengewehren auszuladen. Fick dich Deutschland. Ob er wirklich zum KSK gehen sollte? Er dachte an die Firmen, die das BIT unterstützten. Er hatte ein bisschen recherchiert. Lambda baute VTOL Flugzeuge, Omega baute sichere Autos und Radpanzer, Theta Lastwagen und Nutzmaschinen. Prism stellte teure aber auch extrem robuste und sicherere Smartphones her. Prisms waren Diensttelefone von Politikern in zahlreichen Ländern. Spectre war ähnlich wie Prism nur in Bezug auf Laptops und PCs. Nox versorgte Schulen, Unis und Armeen mit Essen, Ausrüstung und Kleidung, weltweit. Nox, Prism, Spectr und Horizon hatten die Eier in der Hose um über die Weltweiten Attentate der Clowns zu berichtet, auch wenn sie dafür viel Kritik von den Linken Spinnern erhielten. Er wusste das sein Onkel Johnny Kameras anbringen hatte lassen, nachdem sein Defender in der Einfahrt vandalisiert und vollgesprüht worden war. Moment mal, wie hatte es Kaz eigentlich geschafft ins Haus einzudringen und ihre Geheimverstecke zu plündern.
„Hey Kaz, wie bist du trotz Kameras eigentlich ins Haus gekommen und wusstest wo wir unsere Geheimnisse versteckt haben?“
„Ich hab überall im Haus Kameras und Mikrofone versteckt, damit ich euch immer im Blick habe. Geht knallhart gegen Datenschutzvorschriften aber so konnte ich auf der anderen Seite der Welt bei euren Geburtstagen und Weihnachten dabei sein. Ach übrigens Akira hör auf unter der Dusche zu singen, du triffst kaum einen Ton! Ist wie Katzenmusik.“
Akira ließ eine Tasche fallen und errötete fürchterlich. Jack lief auch rot an, er dachte an den Sex mit Yolanda in seinem Zimmer, der war auch alles andere als gut gewesen.
„Jack, bei sowas blenden die Mikrofone ab, ich hab also nichts gehört und der Winkel der Kamera ist auch ein anderer. Jedenfalls hab ich euch beobachtet wie ihr eurem Diebeswerk nachgehen könnt.
Und Hal hat euch häufiger Mal mit einer Drohne beobachtet, wenn ihr Draußen wart. Oder wenn Akira irgendwo eingebrochen ist. Hat der Lieben ein paar Mal den Hals gerettet, weil er den stillen Alarm zur Polizei unterbrochen hat. Nicht das meine liebe Nichte noch im Knast landet. Und das reinkommen war easy. Ich bin über den Geheimgang rein als meine Geschwister und Eltern nicht da waren. Und ihr wart ja bei eurem Kurs in der Schule. Albert auszutricksen ist jetzt auch keine Kunst, der alte Sack war noch nie der schnellste oder der hellste.“
„Wenn du uns so ausgetrickst hast weißt du bestimmt auch, wer mein Vater ist oder?“
„Japp ein unwürdiger Gauner, der außer ein paar guten Genen nichts Positives vorzuweisen hat. Total auf Risiko und Leichtsinn gepolt, ist vor sieben Jahren bei einer Überdosis Hops gegangen. Hab vergessen wie der Vogel hieß, aber den hättest du nicht vermisst, glaub mir. Eine absolut unwürdige Vaterfigur. Deine Mutter hatte bei ihrem Job zwar nie so viel Zeit, aber sie liebt euch aus ganzem Herzen, auch wenn sie den Hang zum Theatralischen von ihrer Mutter geerbt hat.“
Wie locker Kaz darüber sprach, wenn Leute starben. Das verstand Jack nicht so richtig.
„So ist die Kiste leer? Ah wunderbar, fabelhaft wie viel Zeugs da reinpasst. Jetzt müsst ihr mir aber nochmal beim Zelt helfen.“
Und eine halbe Stunde stand ein riesig großes langes Zelt über ihren Köpfen und den Tischen mit der Ausrüstung. Das Material hatte außen ein Flecktarn Muster. Jedenfalls hatte sich der Panzer jetzt seinen Anhänger geschnappt und war davon gezockelt während sie in Ruhe die ganzen Kisten und Taschen auspackten.
„So, hier ist die Kiste mit den Feldrationen, vor denen graut es mir um ehrlich zu sein. Und das sind die von Nox, die sind schon mal viel hochwertiger eingepackt und schmecken bestimmt auch besser.
Ich erinnere mich an eine Situation, wo ich monatelang auf das Zeugs angewiesen war. Bah, war das widerwärtig. Und das ich mir in der Zwischenzeit den Arsch abgefroren hab, half dabei echt nicht.“
Jack wechselte erstaunte Blicke mit Akira, von was redete ihr Onkel da denn bitte? Der machte doch nur komische Videos in Texas und schrieb Bücher.
„Noch ein Geheimnis. Der Großteil der Videos auf meinem Chanel ist von Hal und er hat meine Stimme mit Deepfake perfekt nachgeahmt. So konnte ich mich in Ruhe auf meine Bücher konzentrieren … und andere Sachen, die euch nicht verrate … noch nicht. Jedenfalls, hab ich meist eine Woche aufgenommen und das hat dann für drei bis vier Monate Videos gereicht. War ein sehr entspanntes Leben und ich hatte viel Zeit zum Reisen. Nach Russland zum Beispiel. Ich glaube Anna und Lara haben es ähnlich gehandhabt, nur mit Photos.
Soll ich euch mal richtig schocken? Prism wird von einer KI geleitet, Spectre auch und zwar von Lara, Nox auch und ein paar weitere Konzerne auch. Alle sind ein gewisses Risiko eingegangen, aber es hat sich ausgezahlt. Anna hat Lara übrigens selbst geschrieben. Die gute ist mir in mehrerlei Hinsicht sehr ähnlich und ich vermisse sie doch sehr.“
Das klang nach ziemlichem Quark, aber Jack dachte an Hal, die Basis, den kranken Panzer, der da hinten gerade um die Ecke abbog. Die Chancen waren also nicht gering, dass das so stimmte, auch wenn es bisweilen echt haarsträubend wäre. Kaz machte einfach mit dem auspacken weiter.
„Ich war auch zwischenzeitlich bei Globetrotter, von daher haben wir ein paar Sachen bestimmt doppelt. Ich weiß leider nicht, ob euch die Jacken, Schlafsäcke und Rucksäcke passen. Zur Not bestellen wir noch was bei Nox nach, die haben einen schnellen internationalen Drohnenversand. Wir haben ja mittlerweile eure Größen. Mir wurde gesagt, dass eure Sachen für die Beerdigung pünktlich geliefert werden. Und zwar am Freitag, unserem letzten Tag hier. Aber bis dahin machen wir uns eine schöne Zeit. Jedenfalls holt mal eure Taschen, wir räumen jetzt um. Jetzt ist eine kleine Wanderung angesagt und wir suchen uns eine schöne Stelle wo wir campen können. Es ist Anfang April, also ist es noch echt frisch draußen. Aber der Wetterbericht sagt schöne Wochen bei angenehmen Temperaturen voraus, wir haben echt Glück. Auch wenn ich euch mal gerne sehen wollte, wie ihr eure Zelte im Regen in einer Stresssituation aufbaut. Das machen wir dann einfach nochmal im Sommer, wenn ihr offiziell Ferien habt. Sowie in den Herbst und den Winter Ferien, wenn ihr Lust habt.“
Wow, dann würden sie das öfter machen? Schoss es Jack durch den Kopf.
„Die Taschen liegen in der Halle schon bereit. Amber, lass deine Decke bitte im Wagen! Es ist zwar kühl hier draußen, gerade nachts, aber du musst auch mal lernen ohne diesen Luxus klarzukommen. Ok? Und bitte nicht weinen Liebes.“
Jack beobachtete wie sich Amber trotzig eine Träne wegwischte. Es ging doch um die Pelzdecke? Doch so versessen darauf? Oh, man die waren doch niemals billig. Wenn er mit ihr zusammen war würde sie sowas bestimmt als Geschenk erwarten oder nicht? Hoffentlich nicht. Er würde Kaz bei Gelegenheit fragen, was der Spaß kostete. Kaz hatte zwei Freundinnen, die dieses Luxusmaterial mochten, er oder Hal hatten die Preise bestimmt auf Abruf.
Er, Akira und Amber holten ihre Sachen und packten sie in die Rucksäcke um, die wirklich nagelneu waren. Ganz schönes Gewicht, was er auf dem Rücken trug. Aber Kaz war behängt wie ein Weihnachtsbaum nur ohne die Lichterketten. Sie bekamen alle noch Wanderstöcke. Jack half Amber ihre richtig einzustellen. Hatte sie echt noch nie in der Wildnis gecampt? Sie war doch immerhin in Montana aufgewachsen … komisch. Die kleine sah aus, als würde sie sich unwohl fühlen. Sie tat ihm leid. Einer spontanen Eingebung folgend umarmte er sie und sie drückte ihn ebenfalls fest an sich.
Irgendwas war zwischen ihnen beiden, das spürte er. Und es schien sehr viel stärker zu sein, als zwischen ihm und Yolanda, wie er einräumen musste.
„Kommt schon ihr Turteltäubchen, ihr könnt im Zelt knutschen!“ Kam es bissig von Akira.
Verlegen löste sich Jack wieder von Amber, Kaz schüttelte nur grinsend den Kopf.
Vollgepackt mit Zelten, Isomatten, Schlafsäcken, Kocher und Verpflegung und Wasser für drei Tage marschierten sie los in den Wald, während die Betontische samt Inhalt hinter ihnen im Boden versanken. Das war schon alles echt abgefahren.
Kaz führte sie ohne rechtes Muster recht chaotisch durch den Wald. Das Gelände war interessant, viel Platz für Unternehmungen und Jack sah überall vorbereitete Stellungen für diverse Manöver.
Kletterparcours zwischen den Ästen, mal mit mal ohne Sicherung. Seilbahnen. Schießstände, kleine betonierte Plätze und so weiter. Das Gelände war recht steinig und abschüssig. Sie querten ein Tal mit einem kleinen See und etwa sechs Meter hohen Wasserfall an einer Seite. Das Wasser war bestimmt mörderisch kalt um die Jahreszeit. Nach ein paar Stunden deutete Kaz auf eine kleine Lichtung mit weichen bemoosten Waldboden. Hier packten sie aus und Jack zeigte Amber wie man ein Zelt auspackte und ausbaute. Auch wenn er selbst erstmal zehn Minuten die nicht ganz einfache Anleitung von Nox studierte. Aber das aufgebaute Zelt war der Knaller, schön groß und für drei. Akira passte hier auch noch bequem rein. Wo war sie eigentlich? Er kletterte aus dem Zelt und sah sich um. Er bemerkte wie Akira ihr Einzelzelt auf der anderen Seite der Lichtung aufbaute, was war denn mit der? Ein paar Meter von ihrem Zelt entfernt spannte Kaz eine Hängematte zwischen zwei dicken Bäumen auf, so ging es natürlich auch. Aber was war denn mit Akira. Kaz kam an sie ran und zwinkerte ihnen zu.
„Sie ist schwer beleidigt, weil ich ihr gesagt habe sie sollte doch alleine schlafen, weil sie schnarcht. Das hat sie sich schwer zu Herzen genommen, sie ist ähnlich schnell beleidigt wie meine liebe Mutter. Aber macht nur mal wie ihr wollt. Ich schlafe am liebsten ohne Zelt, außer es ist wirklich Schweinekalt wie Meinerzeit unten in Nova.“
Nova, die „Hauptstadt“ der Antarktis. Was wollte Kaz denn dort, da gab es doch fast nichts? Jack zuckte mit den Schultern, er war sich gar nicht mal so sicher ob er es wissen wollte, es schwirrte ihm immer noch der Kopf von all den Neuigkeiten.
„Liz Familie hat sich in Nova angesiedelt. Seit dieser Eisklotz aufgetaut ist, wachsen dort komische Sachen und merkwürdige Tiere sind aufgetaucht, das ist natürlich schwer interessant für eine Forscherfamilie, sie haben sich ihre Sachen geschnappt, ihren Forschungskahn beladen und sind losgeschippert. Wenn du ab und zu ein Magazin, wie die Zeit Wissen oder GEO, die ich seit über zwanzig Jahren abonniert habe, aufschlagen würdest wüsstest du das. Das Engström Haus in Potsdam wurde zu einem Museum umgebaut. Diese Spinner haben gewisse Berühmtheit erlangt. Aber ich schweife wieder ab, Ich würde vorschlagen, vor dem Abendessen gehen wir noch eine Runde schwimmen, was meint ihr?“
Jack, Amber und Akira, die nicht mehr schmollte, sahen sich verunsichert an. Sie hatten gar nicht an Schwimmsachen gedacht. Da hörten sie das Summen einer Drohne über ihren Köpfen und eine Paketdrohne senkte sich auf die Lichtung und warf ein Paket ab, dann düste sie wieder davon.
Ein Paket von Nox! Das waren doch nicht etwa die Anzüge, so schnell ging das doch niemals.
„Sir Henry hat Gefallen an euch gefunden und ihr bekommt jetzt nach und nach ein Komplettpaket zugeschickt. Das da sind Badesachen für euch drei, ich hab meine Badehose schon an. Die Sachen sind übrigens smart, also koppelbar an die Smartphones von Prism und Computer von Spectre.
Die checken eure vitalen Werte und eure Temperatur wenn ihr taucht und haben GPS und so Zeugs. Sehr praktisch. Nass- und Trockentauchanzüge sind für euch reserviert, wenn wir mal tauchen gehen, ich hoffe ihr habt keine Angst vor Wasser und großen Fischen. So, wer macht die Kiste auf? Ihr habt jetzt alle ein Survivalmesser. Und keine Angst vor dem Wasser, das beißt nicht, wenn was sein soll, bin ich jederzeit bei euch.“
Etwas unsicher öffnete Jack die Kiste und holte drei mit ihren Vornamen beschriftete Päckchen hervor. Er öffnete seins und holte eine Badehose und eine Art Bauchgurt mit Platz für ein Prism heraus, dazu ein Großes Badetuch und ein kleineres Handtuch. Alles in schwarz. Cool. Die Mädchen hatten schicke Badeanzüge, die sie sogleich hinter den Zelten anzogen. Kaz in Badehose führte sie zu einem kleinen See, der fünf Minuten entfernt lag. Er sprang mit Anlauf einfach rein und winkte ihnen zu. Das Wasser war doch bestimmt mega kalt, ihr Onkel war doch einfach nur wahnsinnig. Probeweise stieg Jack bis zu den Knien rein und war geschockt. Das Wasser war ja richtig warm!
„Hals Rechenzentrum wird mit Wasser gekühlt und der Fuchs macht sich die ganzen Wasserströme zu Nutze die hier fließen, das dürften hier so an die dreißig Grad Wassertemperatur sein. Das ist der Warme See, der andere mit dem Wasserfall ist zwar auch beheizt, liegt aber eher bei zwanzig grad, damit man sich in der Sommerhitze erfrischen kann. Na kommt, steht da nicht rum sondern kommt mit rein. Ihr könnt auch ein paar Züge schwimmen und Tauchen, der See ist aber ziemlich flach.“
Akira streckte erst misstrauisch nur eine lackierte Zehe ins Wasser und sprang dann mit einem Hechtsprung ins Wasser, Amber folgte sofort. Sie plantschten, tauchten und schwammen bis kurz vor Sonnenuntergang, dann rubbelten sie sich mit den flauschigen Handtüchern ab und gingen zurück zu den Zelten. Den Platz hatte er wohl öfter schon benutzt, denn in der Mitte war eine alte mit Steinen umkreiste Feuerstelle. Kaz zeigte ihnen, wie man mit einem Flintstein ein prasselndes Feuer startete. Für Akira und ihn war das nichts neues, auch wenn ihre Eltern meist eher Feuerzeuge verwendeten, die typischerweise immer dann alle waren, wenn man sie brauchte. Akira war sehr angenervt von Johnnys immer leerem Zippo. Amber staunte nicht schlecht bei dem, was ihr Vater da machte. Aus dem Nichts zauberte Kaz eine aufgerollte Wäscheleine hervor und sie hingen ihre feuchten Handtücher auf.
Heute Abend wurde gegrillt, morgen ging es dann endgültig los mit den Feldrationen. Die Frage wo denn die Grillsachen herkämen hatte sich schnell erledigt, als Kaz die Tür eines als Stein getarnten Kühlschranks öffnete. Und Ein Rost über dem Feuer aufstellte, das er hier auch hier irgendwie versteckt hatte. Zum Trinken gab es kalte Limo für die Mädels und für ihn und Kaz gekühlte Cola.
In der Abenddämmerung auf Stühlen machten sie sich über knackige Bratwürstchen, saftiges Fleisch und gefüllte Baguettes her. Gefolgt von Eiscreme. So musste Camping sein!
Später in Zelt lagen sie in ihren warmen Schlafsäcken und sahen sich an. Jetzt waren er und Amber wirklich ganz für sich. Er rückte seinen Schlafsack an ihren heran und sie waren sich jetzt ganz nahe.
Sie wirkte positiv gespannt und neugierig.
„Ich mag dich wirklich sehr, Amber.“
„Ich dich auch“
Und sie küsste ihn sanft auf dem Mund.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 16

16. Jack – 1.W.Arpil 2045 – später Abend

Jack sah aus dem Fenster und trank einen Schluck aus einer gekühlten Cola Dose, das prickelte schön. Er schien sich seine Liebe zu diesem Getränk mit seinem durchgeknallten Onkel zu teilen. Das war irgendwie cool, auch wenn es etwas total Banales war. Der Sitz war extrem bequem. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass sie bald da waren. Wer wohl dieser Hal sein würde? Er war sehr gespannt, Kaz schien sehr interessante Freunde zu haben. Amber guckte sich irgendeinen Film an und Akira hörte Musik und döste vor sich hin. Er fand es aufregend jetzt die nächsten Wochen mit Amber zu verbringen. Er fand sie sehr anziehend, nicht nur äußerlich. Yolanda hatte er fast schon wieder vergessen, auch wenn er sich dafür schämte. Er warf einen Blick zu Kaz, der ihn bemerkte und ihn breit angrinste. Draußen war es schon dunkel. Sie waren schon seit einer Weile auf Landstraßen unterwegs. Plötzlich wurde der Wagen langsamer und Kaz setzte den linken Blinker. Der schwere Wagen bog ab. Wo waren sie hier denn eigentlich. Kaz schaltete das Licht ab und drückte ein paar Knöpfe auf dem Kontrollpanel. Dann nahm er die Hände vom Lenkrad und streckte sich, dann lehnte sich zurück – Hände nicht am Lenkrad. Bitte was? Der Wagen fuhr autonom? Das war ja der absolute Knaller. Kaz klopfte Amber gegen das Knie und sie beugte sich ohne vom Bildschirm wegzugucken vor und reichte ihm auch eine gekühlte Cola Dose.
„Cheers Jack.“ Sie stoßen an.
„Sag mal Onkel, wie viel hat dieser Wagen gekostet? Das ist doch das neuste Modell.“
„Mehr als ein Leopard 2 Kampfpanzer“ Kaz zwinkerte ihn an. Verarschte er ihn? Gute Frage. Zumindest fuhren sie autonom, völlig lautlos und ohne Licht.
„Wer ist dieser Hal?“
„Ein guter Freund von mir, wir sind durch dick und dünn gegangen. Er ist wahrscheinlich der beste Hacker der Welt und lebt quasi im Untergrund. Er hat sich eine Menge Feinde gemacht und will nicht gefunden werden. Ich und Hal haben übrigens HALOS entwickelt.“
Jacks Kinnlade klappte herunter. Sein Onkel hatte das schnellste und sicherste Betriebssystem der Welt geschrieben? Das war doch totaler Mist, Emma hatte immer erzählt, dass ihr Bruder sein Abi im zweiten Anlauf nur mit ach und Krach geschafft hatte und sich im Studium quasi auch nur bis zum Master hochgestorben hatte. So einer hatte doch niemals etwas so weltbewegendes erschaffen wie das. Apropos, wenn ein Hacker ein Betriebssystem schrieb hieß das doch bestimmt, dass er sich ne Hintertür eingebaut hatte. Er dachte mit Entsetzen daran, dass mittlerweile auch die meisten Banken, Krankenhäuser und Flughäfen auf HALOS setzten. Das wäre doch mega gefährlich.
Er wollte einfach nicht daran glauben, was Kaz da erzählte.
   Sie fuhren durch wenigstens zwei Dörfer, wo vereinzelt Licht brannte und eine Katze miaute oder ein Hund bellte und dann in einen Wald. Das sah er nur, weil die Scheinwerfer ganz schwach aufgeflammt waren, warum auch immer. Der Wald wollte nicht enden, dann flammten die Scheinwerfer plötzlich volles Rohr auf und sie fuhren auf ein verfallenes Fabrikgelände. Er sah eine riesige bestimmt fünfzehn Meter hohe Backsteinhalle mit zerbrochenen Fenstern und offenen Türen und Toren. Dazu flachere Nebengebäude und so etwas was wie ein paar Garagen und Werkstätten aussah. Der Wagen fuhr in die große Halle die drinnen vollkommen leer war. Und hielt an.
„Und jetzt sind wir da. Wir sagen erstmal Hal Bescheid und dann packen wir aus.“
Was sollte denn der Scheiß. Warum waren sie am Arsch der Welt auf einer aufgegebenen Fabrik mitten im Nirgendwo. Irgendwie hatte er ein ganz mieses Gefühl.
„Ich weiß was du denkst, aber gerade das ist der Clou. Eine alte Ruine am Arsch der Welt in einem Wald, das perfekte Versteck wenn du mich fragst. Und das ist der Sinn. Bist du mit dem Begriff des Schläfers vertraut? Komm mit ich zeig es dir.“
Wenig beruhigt stieg Jack aus dem Wagen. Jetzt flammten rund um das Dach des Omegas LED Lichter auf, coole Sache. Akira wirkte auch etwas verängstigt, Amber zur Abwechslung auch mal. Kaz führte sie mit einer Taschenlampe bewaffnet zu einer Stelle mitten im Raum.
„Hal, Sesam öffne dich.“
Rief Kaz laut in die Halle. Ja toll man, was war das denn?
Ok ich nehme es zurück. Denn plötzlich bewegte sich der Boden vor ihnen und breite Stufen aus Beton senkten sich in die Tiefe und gaben Blick auf eine Aufzugtür frei. Wow, wie in einem James Bond Film. Kaz führte sie herab und tippte auf einem Zahlenfeld ein paar Nummern ein.
„Die Kombination ist die Zahl Pi, zumindest die ersten sieben Stellen und die drei am Anfang nicht zu vergessen.“
   Der Aufzug ging auf und war drinnen hell beleuchtet. Es gab nur zwei Tasten, oben und unten.
Kaz drückte den unteren Knopf, die Türen schlossen sich und sie sausten nach unten.
   Der Fahrstuhl hielt an und öffnete in einen großen hellen, weißgestrichenen Gang mit einer Stahltür am anderen Ende. Oh man und neben der Tür war an der Decke ein Geschützturm mit einer Minigun. In was waren sie denn bitte hineingestolpert? Als sie am Ende Ankamen tippte Kaz wieder etwas ein und sagte es wäre wieder Fibonacci. Dann gingen sie durch die ziemlich fette Panzertür und standen in einem großen Raum, der augenscheinlich die Kommandozentrale war. Auch hier war alles Weiß. Er füllte sich an den ersten Half Life Teil erinnert, von dem er nur das Remake gespielt hatte.
„So, ich zeig euch kurz alles was ihr fürs erste Sehen müsst und dann besuchen wir Hal.“
Er zeigte ihnen einen Schlafraum mit drei Hochbetten, der aussah wie die Wohnkabine in einem Raumschiff. Dann eine gut ausgestattete Küche mit Tisch für fünf und ein fast schon luxuriöses Bad.
Und eine riesige Vorratskammer. An der Tür mit der Aufschrift „Waffenkammer“ gingen sie leider vorbei, wie auch an vielen anderen Türen. Dann blieb Kaz vor einer Stahltür stehen, deren Türcode er ihnen nicht sagte, weil es ein Retinascan war. Krasse Sache. Sie gingen einen langen Gang entlang und Jack hörte das Gluckern von Wassern hinter den Wänden. Dann eine weitere Tür und sie standen in einem hochmodernen Rechenzentrum mit Reihen von brummenden Serverschränken. An den Seiten der Schränke stand groß HAL. Was war das denn jetzt? Kaz drehte sich mit einem Triumphierenden Grinsen zu ihnen um.
„Ihr steht mitten in Hals Gehirn. Mein Freund und Partner ist nämlich eine KI. Wisst ihr ich konnte Programmieren bevor ich Schreiben gelernt habe. Irgendwie habe ich eine Veranlagung dafür, auch wenn ich niemanden je meine Skills gezeigt habe. Ich habe als Jugendlicher Medien zum Thema KI verschlungen und wollte unbedingt selbst eine schreiben, aber eine echte, die Fühlt, Spricht, Denkt und nicht die Welt zerstören will. Und das habe ich getan und es hat eine Weile gedauert. Ich hab ihn Spaßeshalber Hal genannt und via Deepfake Technologie habe ich ihm die deutsche Synchronstimme von Kevin Spacey gegeben, meinem Lieblingssprecher, der leider viel zu wenige Hörbücher eingesprochen hat. Hal sag doch mal Hallo.“
„Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren, es freut mich nun endlich ihre Bekanntschaft zu machen, Kaz hat mir schon so viel von Ihnen erzählt. Und alles was sie gehört haben stimmt. Und ich finde den Gedanken einfach so langweilig, dass KIs automatisch immer die Menschheit vernichten wollen. Wo liegt da der Spaß, das geht doch auch viel zu schnell. Nein, ich und meine KI Freunde wollen den Menschen helfen, eine bessere Welt zu schaffen und wir sind bisher leider nur so semi erfolgreich. Aber Immerhin haben wir Korea vereinigt, haben Putin entsorgt und China zur Demokratie quasi gezwungen. Ich zwar nicht persönlich, aber ich habe mitgeholfen. Derweil habe ich mir dieses Haus gebaut und HALOS entwickelt, was zu meiner Freude das mittlerweile drittmeistverbreitete Betriebssystem auf der Welt ist und nein ich habe keine Hintertür, das erscheint mir dann doch sehr unfair. Aber die Damen Lara und Mulan können die Barriere des OS zu meinem Missfallen locker knacken.“
Die Stimme war volltönend und Jack musste sich auf den Boden setzen um nicht umzukippen. Das war der merkwürdigste Tag seines Lebens. Er kniff sich in den Arm und es tat zu seinem Entsetzen weh. Kaz strahlte sie in die Runde.
„Komm macht bloß nicht schlapp“, Er sah auf seine Uhr, „Heute schlafen wir hier unten, Hal stell den Omega bitte auf Defensiv. Jetzt lasst uns wieder in die Zentrale gehen, ich muss eure Eltern anrufen bevor sie mir die Armee auf den Hals hetzen.“
Wie in Trance standen sie auf und folgten Kaz. Jack wechselte Blicke mit den anderen, die genauso geschockt waren wie er. In der Haupthalle trat ihr Onkel an den riesigen Tisch, dessen Oberfläche bestimmt ein Touchbildschirm wie bei James Bond war, und holte ein nagelneues Prism aus einer Schublade. Er wählte und hielt sich den Hörer ans Ohr.
„Ja Hallo Emma, ich bin‘s. Nein ich bin nicht tot und wurde auch nicht von den Clowns entführt. Ich habe lediglich meinen Omega aus Polen abgeholt und eine kleine Spritztour durch Osteuropa gemacht … Nein ich verarsch euch nicht. Das neue Flaggschiff von Omega. Ich zeig ihn euch, wenn ich wieder da bin. Damit können mich die Clowns kreuzweise, die haben momentan nichts in ihrem Arsenal was mir auch nur den Lack ankratzt. Nein, das ist mein voller Ernst. Nein ich sag nicht wie viel der gekostet hat und ja auch dein Versager-Bruder ist zu Geld gekommen, auch wenn ihr mir das nicht zutraut. Nein ich hab keine Bank ausgeraubt. Übrigens sind die Kids bei mir, falls ihr die sucht. … Oh man, wie laut willst du denn noch in den Hörer brüllen. Seit doch froh dass sie ein bisschen frische Luft bekommen, ihr sperrt die doch ein. Komm mir nicht mit Sicherheit. Ihr wohnt in einem tausend Jahre alten windschiefen Haus, das vor dem ersten Weltkrieg gebaut worden ist. Ihr habt oben immer noch die originalen Einglasfenster auf dem Dachboden. Und die Wände sind praktisch aus Pappe. Das nenne ich nicht gerade sicher. Ach verarscht mich nicht, ich weiß das da Security und Kameras sind. Ich könnte da trotzdem einsteigen ohne dass ihr mich seht. Ihr habt ja noch nicht mal bemerkt wie ich heute ein starkes Schlafmittel in euer Mittagessen gemischt habe, Haha, das war ein Spaß. Keine Sorge, ist völlig harmlos. Komm halt die Klappe Zicke, ich geb dir mal deinen Großen, hier bitte Jack.“
Jack hatte völlig faszinierend zugehört und ergriff das Prism, das Kaz im reichte.
„Hallo Mama, ich bin‘s.“
Sie war heftig am Schluchzen und sehr wütend
„Oh mein Gott, du lebst. Wir haben schon das schlimmste Befürchtet, als du und Akira nicht mehr da wart und wir euch nirgends mehr finden konnten. Verdammt warum musstet ihr uns so schocken. Dieses verdammte Arschloch Kaz. Das ist doch das aller letzte. Wir, das heißt deine Großeltern, ich, dein nicht wahnsinniger Onkel und Liz, sind völlig in Sorge um euch drei. Kaz wird dafür bezahlen, er ist zu weit gegangen, viel zu weit. Er hat uns betäubt und euch einfach entführt, unfassbar. Aber keine Sorge, wir holen euch da raus und zwar sofort, wo seit ihr denn? Bitte sag doch was. Hörst du mich überhaupt. Hallo, verdammt nochmal antworte mir!“
„Mama, halt doch mal die Luft an! Mir geht es gut ich bin in Sicherheit bei Kaz. Und er ist ganz und gar nicht verrückt. Und du kannst mich mal, warum soll ich denn zu euch zurück in diese Bruchbude wo du mich für den restlichen Monat über einsperren wirst. Verdammt nochmal Mama, ich will zum KSK und böse Jungs abknallen. Ich hab das Training durch die Verletzungen schon total vernachlässigt und ihr lasst mich ja nicht. Hey, hör mir doch mal richtig zu. Ich will nicht zu euch zurück, jedenfalls nicht jetzt, wir sind pünktlich für Schule und Beerdigung wieder da, versprochen. Man hör‘ doch einfach mal auf zu heulen. Wo ist die knallharte Geschäftsfrau, die nie da war während ich und Ryan aufgewachsen sind. Denk doch mal daran, bevor du mir Vorwürfe machst. Man, aufhören, nicht noch mehr heulen. Zudem hat er uns lediglich angerufen und gefragt, ob wir mit ihm und Amber ein paar Wochen campen gehen wollen. Ja ehrlich, mehr war‘s nicht. Und wir sind freiwillig gegangen und er hat uns nicht entführt, wie kommst du auf diesen haarsträubenden Unsinn? Komm ich geb dir wieder Kaz. Hab dich lieb Mama, auch wenn dein Verhalten grad echt ziemlich mies ist. Tschüss.“
Grinsend reichte er das Handy wieder an Kaz zurück.
„Na siehst du, alles ist in bester Ordnung. Wir machen in Ruhe Urlaub und ihr könnt euch auf eure lächerlich stressigen Jobs konzentrieren. Ich hab nie kapiert warum ihr euch das antut. Komm schon Schwesterherz, ist doch jetzt alles besprochen. Nein wir bleiben und genießen unsere Ferien. Wir sind pünktlich zur Beerdigung wieder da. Are you fucking kidding me? Euch will ich sehen wir ihr uns aufspürt. Mädchen, du bist eine IT-Flachpfeife und warst es schon immer. Ja genau, orte mal ein Prism STEALTH, viel Spaß beim Versuchen. Horizon hin oder her, was zum Fick soll das denn? Willst du mich abknallen, weil ich die kleinen zum campen mitnehme. Nein hier sind weit und breit keine Clowns und wenn ich sie sehe knall ich sie ab. Accuracy International hat mir ein Willkommen zurück Paket geschnürt. Ja ich weiß, dass du keinen Plan hast was das ist, aber dein Sohn hat gerade leuchtende Augen bekommen. Wenn er brav ist, darf er auch mal ran. Hey Zicke, klar hab ich Waffen dabei. Ich bin doch nicht bescheuert. Ach ist doch Egal was mit der Polizei ist, die schnallen das eh nicht. Nein, die sind nicht zu jung für sowas. Und dein Sohn will zum KSK nach der Schule, da macht es sich doch gut wenn er schon mal ein bisschen üben kann. Ok, du weinerliche Zicke, geh dich bei deinem anderen Bruder ausheulen. Du gehst mir auf den Keks! Bis in drei Wochen, Tschüss.
Kaz legte das Handy auf den Tisch und schob es Akira zu.
„Oh man, wie ich diese Tante all die Jahre in den USA nicht vermisst habe. Die ist ja noch schlimmer geworden, als ich es in Erinnerung hatte. Akira, ruf deinen Vater an oder hinterleg die Sprachnachricht. Ich brutzel uns in der Zwischenzeit etwas und mach die Betten fertig.“
Akira starrte unsicher auf das Handy, dann ergriff sie es und tippte die Nummer ein.
„Hey Papa, ich bin’s, Akira und ich lebe, mir geht’s gut und ich wurde nicht entführt. Kaz hat uns zum Campen eingeladen. Sorry dass wir uns heimlich rausgeschlichen haben, tut mir echt so leid. Das mit dem Schlafmittel wusste ich nicht. Nein ich hab alles und mir geht es wirklich gut. Ja wir kommen pünktlich zur Beerdigung wieder zurück. Und wir sind wirklich in Sicherheit, da vertraue ich meinem Onkel voll. Der ist gar nicht durchgeknallt wie ihr immer behauptet und er fährt den neuen Omega also ist er bestimmt auch kein Versager. Ok. Danke sehr. Hab dich auch lieb. Tschüss.“
Sie starrte irritiert auf das Handy und dann in die Runde, sie grinste.
„Geht doch. Mit dir will ich echt nicht tauschen, Jack.“
Kaz kam aus der Küche und starrte Akira ungläubig an.
„Verarsch mich nicht, wenn ich das nur gewusst hätte … Naja, ich brauche mal eure genauen Körpermaße. Hal erklärt wie und wo ihr das hier machen könnt. Ich hab mich dazu entschlossen, dass ich euch maßgefertigte Anzüge von Nox spendiere, für die Beerdigung und generell auch so. Die sind immer ziemlich fix. Und Uhren von Omega, weil ihr es seid, aber gescheite. Es gibt in einer Stunde oder so eine vegetarische Lasagne, die kriege ich gerade noch so hin, Zutaten sind alle da und recht frisch. Und Hal war einkaufen und hat Panacotta mit Waldbeerensoße gekauft, auch von Nox, die gibt’s zum Nachtisch. Und für die nächsten Wochen gibt es jeden Sonntagabend Eiscreme. Hal hat das Vollsortiment Häagen Dazs gekauft, aber ich hab es sicher vor euch versteckt. Beim Essen erzähl ich euch den Plan für Morgen.“
Wow, das war echt eine Menge Input. Und das mit den Uhren und Anzügen war echt cool. Hal leitete sie in einen Raum mit Umkleidekabinen und einem Ball aus Drahtstangen mit unzähligen Kameras, wie für Motion Capture Aufnahmen. Es war komisch mit jemanden zu reden, der keinen eigenen Körper hatte. Sie gingen in die Kabinen, wo sie angewiesen wurden sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Dann rief sie Hal der Reihe nach auf und sie stellten sich in den Ball und wurden von allen Seiten fotografiert und gescannt. Schon gruselig. Dann zogen sie sich wieder an und halfen Kaz in der Küche beim Kochen und Tischdecken. Und sie bezogen ihre Betten im Schlafzimmer, und das von Kaz gleich mit. Kaz hatte gelogen als er sagte, dass er nicht kochen konnte, die Lasagne war echt gut. Kaz bedankte sich und wirkte tatsächlich verlegen.
„Das ist nett ihr drei. So, dass ist die letzte selbst gekochte Mahlzeit mit frischen Zutaten für die nächsten zwei Wochen. Ok, morgen früh koche ich euch noch ein leckeres Frühstück. Aber dann möchte ich ein bisschen auf den Notstand vorbereiten, wenn Ressourcen knapp sind oder ihr unterwegs seid und nicht selbst kochen könnt. Die nächsten zwei Wochen gibt es Militär MREs und zwar deutsche. Die erste Woche gibt es Feldrationen vom Heer und die zweite vom Hersteller NOX, das ist quasi der Rolls Royce unter den MREs. Die Spezialkräfte bekommen die in der Regel.“
Jack kannte NOX, das war ein britisches Großunternehmen, die viele Faktoren vereinte. Praktisch eine Kombi aus Globetrotter, Manufactum und diversen Kleiderläden. Die produzierten auch viel selbst. Und sie bauten komische Supermärkte, die das Angebot von Discountern, normalen Supermärkten wie Rewe und super edlen Bioläden und Feinkostgeschäften kombinierten und preislich farblich codierten. Grün war günstig, gelb war normalpreisig und rot war hochpreisig. In Berlin gab es einen großen Nox Laden, der so groß wie Kaufland war und ein paar kleine Läden. Sie kauften da öfters ein, weil die oft das beste Angebot haben. Und internationale Angebote hatten. Und natürlich gab es noch eine Vielzahl anderer kleiner und großer Nox Läden und Geschäfte.
MREs wollte er immer schon mal ausprobieren, Emma hatte es bisher nicht erlaubt. Er sah sich gerne Bilder mit ausgepackten MREs an und guckte Unboxing- und Probiervideos an. Das war schwer faszinierend wie er fand.
„Yusuf hat mich angerufen und mir von eurem Training berichtet. Er ist sehr begeistert von euch. Den Sportteil der Aufnahme Prüfung habt ihr schon mal mit Bravour bestanden. Igor war auch recht happy und Nadja lässt euch loben, ihr wart aufmerksame Zuhörer bei einem trockenen Fach, bei ihr habt ihr Bio und Chemie und sie ist eure Klassenlehrerin. Jedenfalls hat euch der Araber Hausaufgaben aufgegeben die wir abarbeiten werden, in den drei Wochen bis Schulbeginn. Ihr werdet zu etwa 90% aufgenommen, nur Adam – der Leiter des BIT – will sich die Werte nochmal im Detail und in Ruhe ansehen. Und Yusuf freut sich, dass ihr seine ersten Schüler sein werdet.“
„Sorry, dass ich dich unterbreche, aber kennst du den Araber gut?“
Und die mega heiße Sportlehrerin war ihre Klassenlehrerin, wie geil – fand er zumindest, er konnte nicht für die Mädels sprechen.
„Huh, ich denke ich bin mit ihm ein bisschen befreundet, aber es ist hart zu sagen, ich kenne ihn ja erst seit Sonntag. So das ist auch eure letzte Nacht im bequemen Bett. Ab jetzt zelten wir. Das schließt mich ein, ich mache dieselben Übungen wie ihr, schlafe im Zelt und esse das gleiche Essen.
Und um eins vorweg zu nehmen, wir haben alle Jemanden an die Clowns verloren, die diese Welt in Schrecken versetzen. Und ich kann nicht länger mit ansehen, dass man euch quasi völlig hilflos zurücklässt. Von daher trainieren wir intensiv die nächsten drei Wochen. Hier ist weit und breit niemand und in mehreren Kilometer Umkreis kann uns keiner hören. Ich habe es getestet und hier kann man selbst ne ungedämpfte .50 Cal abfeuern und draußen am Waldrand hört man es nur noch wenn man ganz genau darauf achtet.
Ich bringe euch bei, wie ihr in der Wildnis überlebt, Wie ihr euch behelfsmäßige Unterschlüpfe baut. Dazu haben wir hier ein paar große Bäche, zwei kleine Seen und der Boden ist bisweilen recht lehmig, das sind gute Voraussetzungen. Wir zelten selbstverständlich wie gesagt, ich will die Ausrüstung ausprobieren, die Nox mir zur Verfügung gestellt hat. Wir machen Fitness satt um eure Körper zu trainieren. Ich mach mit euch Belastungstests. Ihr klettert, ihr lernt wie ihr euch an Gebäuden abseilt, dann freihändiges Klettern. Wie man Seilrutschen benutzt. Parcour ist auch mit von der Partie, das kann ich ein bisschen, auch wenn ich natürlich nicht an Yusuf rankomme. Schlösserknacken kommt auch dran, das ist ziemlich essentiell. Dann bringe ich euch ein paar Basics im Messerkampf bei, die euch in Fleisch und Blut übergehen müssen. Und das Beste kommt zum Schluss, ich trainiere euch für den Umgang mit Schusswaffen in allen Klassen. Das ist eine ganze Menge, also lasst das erstmal sacken. Und jetzt gibt es lecker Nachtisch und dann gehen wir alle nochmal duschen … Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett! Hehe, ist das nicht ein Lied? Auf geht’s!“
Das war ja der helle Wahnsinn, das würde der geilste Urlaub seines Lebens werden!

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 15

15. Liz – 1.W. April 2045 – Freitagabend.

Liz saß an ihrem Schreibtisch und prüfte ein paar Entwürfe, als sie Johnny nebenan fürchterlich fluchen hörte. Lautstark, wütend, energisch und in allen Sprachen, die er kannte. Besorgt stand sie auf und ging die flache Treppe runter und zu der Schiebetür, die ihrer beiden Büros trennte.
„Alles in Ordnung?“ Fragte sie besorgt. Johnny hatte einen hochroten Kopf und schob sich die Brille hoch. Er fuhr zu ihr herum und fuhr sie aufbrausend an.
„NEIN. Absolut gar nichts ist in Ordnung, alles nur völlige Katastrophen. Drei Eilmeldungen haben mich gerade mit der Sanftheit eines Güterzuges erreicht. Ach sorry, ich wollte dich nicht anbrüllen. Aber meine Nerven liegen nach der Sache mit meiner Frau einfach nur blank und ich bin kurz vorm Durchdrehen. Emma hat mich ganz aufgelöst angerufen und mir panisch berichtet, dass Jack und Akira verschwunden sind!“
Liz schlug sich erschrocken die Hände vor den Mund.
„Und Kaz ist seit Dienstag abgetaucht und geht nicht an sein Handy. Den nagelneuen Defender haben wir irgendwo in der Ukraine verloren. Amber ist verschwunden. Nate schwört Stein und Bein, dass er Jack und Akira zuhause abgeliefert und reingehen sehen hat. Zuhause sind überall Kameras angebracht und Security postiert, aber verdammt noch mal nur außen. Als Emma von ihrem Mittagsschlaf erwacht war wollte sie nach den beiden sehen, hat sie aber nirgends finden können. In Jacks Zimmer lag sein Handy auf dem Tisch und der Rechner war an. Sie hat festgestellt, dass ein paar Kleidungsstücke und sein Rucksack fehlen. Selbiges gilt für Akira und sie hat ihr iPhone zurückgelassen. Emma hat natürlich sofort Nate und unsere Eltern alarmiert und mit ihnen zusammen jeden Zentimeter des Hauses durchsucht, nichts. Nicht die geringste Spur. Sie ist völlig panisch vor Sorge. Aber die beiden können sich natürlich nicht in Luft aufgelöst haben. Ich wette mein Arschloch von einem Bruder steckt dahinter. Als IT Ass und versierter Bastler wird er sich schon bestimmt irgendetwas Perfides ausgedacht haben. Wir haben schon an alles gedacht, aber sein Defender mit dem Peilsender ist Hops gegangen und sein Prism kann man natürlich nicht orten. Und dieser Hurensohn meldet sich nicht, hoffentlich ist ihm auch nichts passiert. Jetzt kann ich mich nicht entscheiden welche Katastrophe ich dir als nächstes erzähle.“
Liz war völlig geschockt. Das war ja einfach nur entsetzlich. Bitte lass den Vieren nichts zugestoßen sein. Und wehe das ist ein Scherz von Kaz, das war jetzt weit über der Grenze.
„Was haben die medizinischen Tests ergeben?“
Das hatte sie ihrem Freund Kaz verschwiegen. Als sie am Montag in ihrem Neuen Outfit im Unternehmen war, hatte sie Johnny interessiert begrüßt und sie zu den Hintergründen des Tuns befragt und als gutem Freund und Unternehmenspartner konnte sie ihn nicht anlügen und hatte ihm alles erzählt. Von ihren Haaren, ihrem scheiß Körper, Dem Krebs und den anderen Tausend Problemen. Sehr besorgt hatte Johnny für den restlichen Tag freigegeben und sie ins medizinische Labor für einen gründlichen Check geschickt. Bang hatte sie jeden Tag mit dem Ergebnis gerechnet.
Jetzt sah sie Johnny mit leerem Blick an, er wirkte plötzlich um Jahre gealtert.
„Hach, ich habe inständig gehofft es wären alles nur zufällige Befunde aber wir haben etwas Schreckliches entdeckt. Eine Krankheit, eine der seltensten die es gibt und es existiert kein Gegenmittel oder Medikament, das dagegen ankommt. Es tut mir so verdammt leid. Wir wissen kaum etwas über die Krankheit, nur dass die Körper der Kranken regelrecht zerfallen. Bei dir ist die Krankheit sehr weit fortgeschritten und du hast nur noch etwa vier Monate Zeit, bevor eine irreversible Spirale in den Tod eintritt, der unvorstellbar schmerzhaft und grauenvoll sein soll. Verdammt nochmal, du bist die beste Vizechefin der Welt, aber ich gebe dir für die restlichen Monate frei, damit du dein Leben in vollen Zügen genießen kannst, bevor es vorbei ist. Wir geben aber erst deinen Rücktritt bekannt, wenn du von uns gehst. Natürlich gibt es Möglichkeiten dir das Leid am Ende zu ersparen, auch wenn das in Deutschland illegal ist. Aber es gibt ein kleines bisschen Hoffnung. Horizons Zukunftsprojekt FSB ist erfolgreich abgeschlossen. Und Horizon Russland arbeitet im geheimen an einem Nachfolgeprojekt. Das würde dein Problem zwar nicht lösen, aber hoffentlich bequemer machen. Wenn du einverstanden bist, lasse ich den Transfer nach Russland arrangieren, bevor deine Zeit abgelaufen ist.
Es tut mir so unfassbar leid, aber ich fürchte das wird deine einzige reelle Chance sein, auch wenn sie sehr schmerzhaft werden könnte.“
Ihr Herz krampfte sich zusammen und sie setzte sich auf einen Besuchersessel. Vier Monate und dann garantierter Tod. Warum nur war sie mit diesem Körper bestraft? Gott warum hasst du mich so sehr? Was hab ich der Welt denn getan, dass ich sowas verdiene? Sie dachte an Kaz und Amber. Sie beschloss das Experiment einzugehen. Lieber Schmerzen und ein bisschen Hoffnung als endgültiger Tod. Und sie würde ihm nichts sagen. Sie würde das Mittel zum Bleichen der Haut absetzen, aber das andere weiternehmen. Auf ihren Lebensabend wollte sie keine Sekunde ans Rasieren verschwenden wollen müssen.
   Komm doch bitte schnell wieder Kaz und bring Amber mit. Zu gerne hätte sie die kleine zusammen mit Kaz aufgezogen und mit Pech erlebte sie auch nicht mal mehr ihren sechzehnten Geburtstag.
So eine beschissene Welt. Hoffentlich konnte sie noch ein bisschen reisen, bevor es zu spät war. Das hatte sie zu ihrer Schande nie richtig getan. Kaz hatte ihr immer von Rom vorgeschwärmt und sie war noch nie dagewesen, das sollte sie wohl dringend nachholen.
   Und sie würde Kaz alles vermachen, was sie besaß. Ihm und seiner wunderbaren Tochter. Ob sie wohl eine gute Mutter gewesen wäre? Das würde sie wohl nie erfahren. Sie seufzte unglücklich und Tränen schossen ihr in die Augen. Sie würde gleich morgen notariell ihr Testament aufsetzen. Sie war sehr wohlhabend und sie wünschte sich, dass es den beiden gutgehen würde. Sie sollten alles bekommen, auch wenn Kaz mit ihren Pelzen und Perücken nichts anzufangen wüsste.
„Ok, ich begebe mich in die Hände der Russen, aber sag bitte keinem, dass ich krank bin.“
Johnny nickte schwer.
„Was ist die dritte schreckliche Nachricht?“ Johnny seufzte.
„Eine Eilmeldung von der Sicherheitsabteilung. Ein Geist ist wieder aufgetaucht: Dagger.“
„Was soll mir das sagen? Was heißt Geist und wer oder was ist Dagger.“
„Die Geister sind eine Geheimorganisation. Sie sind sozusagen die Marvel Avengers ohne Superkräfte und absolut Jugendfrei. Sie tauchen aus dem Nichts auf, erledigen ihre Ziele und verschwinden spurlos. Absolut niemand ist vor ihnen sicher. Keiner weiß wer sie sind oder was sie wollen, aber es gibt sie und sie sind die tödlichsten Attentäter der Welt. Man sieht sie nur wenn sie gesehen werden wollen und wenn man sie sieht ist es bereits zu spät. Und sie verfügen über mächtige Freunde und eine Menge Ressourcen. Und einer der Schlimmsten ist wieder aufgetaucht. Dagger ist wie Nathan aus Kaz Buch, nur schlimmer und total sadistisch. Unzählige Tötungsmissionen mit maximalen Opferzahlen. Er ist schnell, effizient, stealthy, extrem brutal und liebt es seine Opfer mit der Klinge zu foltern. In der letzten Woche sind in Deutschland 17 Tote aufgetaucht, alle mit seinem Symbol versehen, dem Dolch-Pictogram aus fünf Strichen. Warte, ich zeichne es dir auf.“
Johnny holte einen Stift und einen Zettel, malte kurz und zeigte ihr ein Symbol, das tatsächlich an einen Dolch erinnerte. Das beunruhigte sie zutiefst, dass dieser wahnsinnige Massenmörder frei draußen Herumlief.
„Ich schicke dir die Daten zu Dagger auf deinen Rechner. Aber sei vorgewarnt, guck dir die Sachen nur mit leerem Magen an! Seine letzte bekannte Tötungsmission hatte über zweihundert Opfer, danach ist er für viele Jahre abgetaucht, bis jetzt. Und jetzt zur Abwechslung auch mal eine gute Nachricht. Wir haben eine neue Leibwächterin für dich. Sie heißt Vera und arbeitet bei Horizon. Sie ist eine erfahrene Pilotin, Fahrerin und topfit im Nahkampf und Fernkampf. Und sie ist schwer augmentiert. Ich lasse sie rufen.“
Wenig später kam eine Frau ins Büro, Liz würde sie auf Anfang dreißig tippen. Schwarzer Rollkragenpullover, enge schwarze Lederhosen, hohe schwarze Stiefel mit Absätzen, ein schönes scharfgeschnittenes Gesicht mit grünen Augen und ein lockerer dunkler Pferdeschwanz. Sie lächelte freundlich und verbeugte sich vor Liz.
„Es ist eine Freude sie kennenlernen zu dürfen, Madam“
Sie hatte einen leichten französischen Akzent und eine angenehme Stimme. Sie machte einen freundlichen und kompetenten Eindruck. Liz dachte schmerzlich an ihre letzte Personenschützerin Mara, die diese Woche im Dienst gestorben war. Hoffentlich ereilt dir nicht dasselbe Schicksal.
Immerhin hatte sie jetzt Jemanden der sie begleiten konnte, wenn sie sich die Welt ansah.
Was sie jetzt wohl als erstes machen würde? Ja, ihm Haus der Welt essen gehen.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 14

14. Jack – 1.W. April 2045 – Freitagnachmittag.

Nate sah sie beide an und strahlte regelrecht.
„Und wie war‘s? Ach Quatsch, das könnt ihr später erzählen. Jetzt kommt erstmal in Ruhe an. Jack ich soll dir ausrichten, dass du leise sein sollst, deine Mutter schläft. Und eure Großeltern haben ebenfalls ein kleines Päuschen eingelegt.“
Sie stiegen aus dem schwarzen Defender und nahmen ihre Sachen. Leider durften sie ihre neuen Handys und Laptops nicht mitnehmen, das war deprimierend. Jack dachte an sein mieses Schrotthandy. Aber es tat gut, mal wieder ganz normale Sachen anzuhaben.
Die Straße war mit Security nahezu gepflastert und er entdeckte überall Kameras. Tja, er würde wohl nie wieder hier raus kommen. Naja vielleicht noch in den Garten, aber der war auch nicht riesig.
An ein totlangweiliges Wochenende denkend öffnete er die Tür zum Treppenhaus und ging nach oben. Akira wirkte auch etwas traurig, war das wegen ihrer Mutter oder wegen der bevorstehenden Isolationshaft alias sicherheitsbedingten Hausarrest?
   Leise schlich er in die Wohnung, ohne Mama zu stören, und ab in sein Zimmer. Er sah sich um und dachte nach. Er startete seinen Rechner, der im Gegensatz zum Spectre in seinem Zimmer in der Uni die Schnecke aller Schnecken war. Tja, für Bögen und Softairs hat Mama Geld, aber für ein neues Handy oder einen neuen Rechner nicht. Er fluchte. Er checkte seine Newsseiten und stutzte. Seit Dienstag hatte es keine neuen Angriffe der Clowns gegeben. Und die Medien und die Polizei rätselten über eine Reihe von sehr brutalen Morden. Da war jemand verdammt fleißig gewesen und hatte 17 Leute regelrecht hingerichtet. Alles Angriffe völlig lautlos und ohne die geringste Spur, das waren absolute Profis. Hoffentlich warn die Toten alles Clowns, andernfalls hätte er ein ganz mieses Gefühl.
Zumindest hatte der Täter ein Zeichen hinterlassen, es sah aus wie ein stilisierter Dolch.
Sein Handy klingelte, wer war das denn, die Nummer war unbekannt. Was war denn das?
„Hallo Neffe, ich schätze du langweilst dich bestimmt. Hast du Lust deiner Einzelhaft zu entfliehen und mit mir und Amber und Akira auf einen kleinen Abenteuerurlaub zu begleiten? Deine Cousine ist schon am Packen. Ich sehe, dass das Haus praktisch belagert ist, aber ich kenne den einen Geheimgang im Heizungskeller. Hinter einem Stapel mit Stahlblechen sind ein Kriechgang und ein Schacht zu einem Kellerraum, den ich fürs preppen umfunktioniert habe, der Eingang ist mit dem Zeichen der schwarzen Geister markiert. Zieht euch da um. Der Raum hat zwei Ausgänge. Der eine führt zum Gartenhaus, das nützt euch nichts, aber der andere führt zu einem Schuppen zwischen den Grundstücken, die Kombination vom Türschloss ist die Fibonacci Folge. Geht von dort aus nach links die Straße hoch, geradeaus über die Kreuzung und dann die nächste Ecke wieder links, da hole ich euch ab. Nimm ein paar Sachen mit, aber nur so viel in einen normalen Rucksack passt. Der Platz wo es hingeht hat ‘ne Waschmaschine, also nicht zu viel reinstopfen. Am besten lange sportliche Hosen und zumindest einen warmen Pulli und feste Schuhe, wir gehen zelten. Aber ruhig auch ‘ne gemütliche Hose und ein paar T-Shirts mit einpacken. Und denk dir spontan ‘ne wirksame Verkleidung aus. Also, hast du Lust?“
Heilige Scheiße, sein großes Vorbild wollte ihn aus dem ganzen Elend hier befreien.
„Klar, bin sofort unterwegs.“
„Alles klar, und lass dein Handy hier liegen, das brauchst du nicht und kann geortet werden. Wann würde Schule anfangen, wenn ihr genommen werdet? Und wann ist die Beerdigung von Jack und Helena?“
„Beerdigung ist am letzten Sonntag im April und Schule würde im Mai anfangen.“
„Fabelhaft, dann haben wir ja ordentlich Zeit. Ich leg jetzt auf und nicht zu hektisch du hast Zeit, Emma schläft ziemlich tief, die wacht so schnell nicht wieder auf.“
Woher wusste er denn das mit Emmas Mittagsschlaf? Egal. Er schnappte sich seinen Rucksack und leerte ihn auf dem Bett. Dann suchte er leise aber schnell ein paar Sachen zusammen und packte sie sorgfältig in seinen Rucksack, ein paar Unterhosen und T-Shirts. Und eine lange Wanderhose. Als Tarnung dachte er sich einen auf Jung Kaz zu machen und mit langer Arbeitshose, dreckigem Oberteil, Mütze und Brille rauszugehen. Die Sachen stopfte er in eine Tüte. So bepackt dachte er an die Informationen von Kaz, legte sein Handy eingeschaltet auf den Tisch und verließ leise die Wohnung.
   Unten im Keller traf er auf Akira, die ihn angrinste, sie hatte eine Sporttasche und eine Tüte in der Hand. Nach ein bisschen Suchen fanden sie die Bleche, die auf einem Rollensystem angebracht schienen und kletterten in den niedrigen Gang dahinter. Jack schloss die Tür hinter sich und sie folgten dem Gang zu einer Treppe, hier brannten schwach Lampen, coole Sache. Und Plötzlich waren sie in einem etwa fünfzehn Quadratmeter großen Raum mit einer hohen Decke der von etwas helleren Lampen erhellt war. Das war ja der Wahnsinn. Wie konnte er davon nichts wissen?
Jack sah sich staunend um. Rostige Metallregale mit Vorräten, ein paar Kästen mit Wasserflaschen, Einmachgläser, Schraubgläser mit Reis und Müsli. Ein alter Gaskocher, mit Ersatzkanistern, Geschirr und Besteck. Kleidungsstücke, ein paar Gasmasken mit Filtern. Ein klappriges Etagenbett mit schmuddeligem Bettzeug. Ein kleiner Stromgenerator und einige Kanister mit Treibstoff. Ein Tisch mit einem alten Röhrenfernseher und daneben einem Radio und eine Reihe Wegwerfhandys. Und eine Nische mit einem Waschbecken und Spiegel und einem WC. Auf der anderen Seite des Raumes ein altes Sofa. Kaz war wohl Prepper mit Leib und Seele.
   Er war mal gespannt wie Akiras Tarnung zu ihrem Platinblonden Stachelhaar aussah. Er zog sich aus und die Verkleidung an, die Brille hatte zum Glück nur Gläser aus Fensterglas. Akira zog sich ebenfalls um und schlüpfte in einen langen Rock, flache schwarze Schuhe, eine Bluse und sie schminkte sich, dunkler Lidschatten und rote nicht zu knallige Lippen. Zum Abschluss setzte sie sich eine lange schwarze Perücke auf den Kopf. Ne, so würde man sie echt nicht wiedererkennen. Er stopfte noch seine Jogginghose in den Rucksack.
„Hast du die Perücke von Liz geklaut?“ Sie grinste etwas boshaft.
„Ich hab alles von ihr geklaut, wir haben die gleiche Figur, sind gleich groß, haben einen gleich großen Busen, unsere Hüften haben den gleichen Umfang. Wahnsinniger Zufall, aber ich profitiere hat davon und sie ist so beschäftigt und hat so scheißviel Krempel in ihren Schränken, dass sie einfach gar nichts schnallt. Und das ist ‘ne Echthaarperücke, die war bestimmt teuer. Schade, dass ich keinen Schlüssel für ihre Wohnung habe, die hat bestimmt echt wertvolle Sachen in ihrer Sammlung. Oder nützliche, die ist ja über die Jahre auch total zur Prepperin geworden.“
„Na dann los, das ist die Tür zu diesem Schuppen an der Straße.“
Sie kletterten einen hohen Schacht an einer Leiter hoch und Jack öffnete eine Luke. Er half Akira aus dem Loch und sie sahen sich um, hier sah alles ganz unauffällig schrottig aus. Das Schloss an der Tür war ein digitales Ziffernschloss mit fünf Stellen. Er tippte die Zahlenkette ein und mit einem leisen Klacken waren sie draußen. Hier war niemand, die Luft war rein. Unauffällig gingen sie gemächlich die Straße entlang. Wirklich niemand beachtete sie. Ein paar Minuten später waren sie am Treffpunkt und sie sahen sich unauffällig um. Dann bog dort hinten ein wahres Monster von einem Geländewagen mit großem Anhänger um die Ecke. Quatsch, das war ein Radpanzer der als SUV cosplayte. Was um alles in der Welt war denn das, Kaz hatte doch den Defender geschenkt bekommen? Als die Kiste mit den stark getönten Scheiben näher kam erkannte er das Omega Symbol am Kühlergrill. Heilige Scheiße, wie konnte sein Onkel sich denn das Monster leisten? Der Wagen fuhr lautlos und hielt ebenso lautlos vor ihnen an. Die Türen entriegelten klackend und schwangen auf. Kaz in sportlichen Klamotten und kurzen Haaren grinste ihn an und winkte ihnen zu, hinten saß Amber. Akira und er warfen sich erstaunte Blicke zu und dann stiegen sie zu Kaz und Amber in den Wagen. Alter, was waren das denn für ultra fette Türen?
Jack schloss die Tür wieder und sah sich neugierig um. Alles Leder, Carbon und Glas. Er saß vorne und die Mädels hinten.
„Willkommen ihr beiden, vergesst nicht euch anzuschnallen, auch wenn die Clowns jetzt schon echt einen Panzer brauchen um hier reinzukommen. Wir machen jetzt ne kleine Spritztour. Es ist an alles gedacht und wenn ihr Mädels hinten die mittlere Lehne runterklappt, habt ihr eine prallgefüllte Snackbar vor euch und gebt Jack auch was ab. Ihr habt ein Infotainment System samt Kopfhörern vor euch in den Sitzen und du Jack um Handschuhfach. Wir besuchen meinen alten Freund Hal in seiner bescheidenen Hütte und von dort aus geht der Urlaub los. Freut ihr euch schon?“
Jack und die Mädchen brachen in Jubelschreie aus.
„Wunderbar. Wir sind heute Abend da, leider ist das hier kein Rennwagen sondern ein Panzer.“
Und sie bewegten sich vorwärts, absolut lautlos, krass.
„Onkel Kaz, ist das das ominöse neue Flaggschiff von Omega.“
„Ganz genau und ich freue mich darauf euch zu sagen, was er kann.“
Kaz grinste sie breit an.

Das Oisiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 13

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13. Jack – 1.W. April 2045 – Mittwoch.

Jack starrte auf die Decke über sich. Seine Mutter hatte ihn heulend am Dienstagabend angerufen. Ryan war tot, er war aus dem Koma nicht mehr aufgewacht. Die Welt um ihn herum war komplett zusammengebrochen. Er dachte er müsste heulen, zumindest fühlte er sich so, aber nicht eine einzige Träne war gekommen. Er war nur noch voller Hass auf den Bastard, der seinen Bruder erschossen hatte. Kaltblütig und mit voller Absicht. Er hob eine Hand vor die Augen. Sie war völlig ruhig, das war unheimlich. Die Leere krallte sich um ihn und der Hass loderte, aber sein Puls war völlig ruhig. Er malte sich aus, wie er sich an Adrian Drosser rächen würde.
   Und da endeten die grausamen Nachrichten noch gar nicht. Die Clowns hatten Helena und Mara angriffen, als sie die Einkäufe einluden. Mara hatte gut Zähne gezeigt, aber die Clowns waren in der Überzahl. Auf dem Parkplatz wurden sie übel zerstückelt und die Hilfe von Horizon kam sofort – ein Rettungshelikopter und ein Gunship, die ordentlich unter den Clowns aufgeräumt hatten. Aber es war zu spät. Helena war auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben und Mara wenige Stunden später in der Notfallmedizin bei Horizon.
   Das war so eine grausame Scheißwelt. Und die Dreckspresse hatte sich über den Einsatz eines schwerbewaffneten privaten Einsatzkommandos des Konzerns aufgeregt und wieder alles tuschiert, sodass es ihre Agenda passte, die da wäre, dass die Führungsriege von Horizon Deutschland sich als rechtsextrem entpuppen würde und alle wurden im Konzern unter Generalverdacht gestellt.
Auch wenn es wehtat, aber die Sache mit Ryan war irgendwie vorhersehbar gewesen, die andere Sache kam einfach aus dem Nichts. Er hatte Akira niemals weinen gesehen, aber gestern Abend hatte sie ohne Ende geheult. Trotz seines manchmal etwas angespannten Verhältnisses mit ihr hatte er ihr die Schulter geboten, um sich an ihr auszuheulen und sie hatte Dankbar angenommen. So hatten sie da gestanden, sein T-Shirt nass von ihren Tränen und er strich ihr über den Rücken. Amber hatte sie auch umarmt. Sie wirkte etwas gefasst, aber beinahe locker. Gut, sie kannte Ryan nicht und sie hatte Helena erst einmal gesehen.
   Was ihn fertig machte war, dass er trotz allem recht gut geschlafen hatte. Zwar verdammt kurz, aber er hatte sich erholt. Jetzt war es kurz vor fünf und der Alarm würde gleich gehen.
Ach scheiß drauf. Er stieg aus dem Bett, kletterte die Leiter runter und zog sich seine Sportsachen an. Heute hatten sie den ganzen Tag Sport, also fiel der Morgenworkout aus. Frühstück um sechs, also setzte er sich an seinen neuen Laptop und browste das Web.
   Die Stadt Berlin würde Horizon für den Einsatz einer SpecOps Einheit im Inland gerichtlich belangen und Untersuchungen sollten angesetzt werden, was die Militärische Schlagkraft des Konzerns belangte.
   Derweil kam großes Lob vom Militär und von der GSG9, was die Vorgehensweise bei dem Einsatz der Horizon Jungs anging. Und natürlich hatte man die festgenommenen Clowns wieder freigelassen, was war auch anderes zu erwarten. Mit großer Beunruhigung las er bei unabhängigen Zeitungen, dass es in der Nacht Deutschlandweit achtzehn weitere Angriffe der Clowns gegeben hatte. In den meisten Fällen waren die Angehörigen von Bundeswehr Soldaten das Ziel.
   Und er stöberte in ein paar Militärtechnik Foren und auf reddit herum. Angeblich war das erste neue Flaggschiff Modell des Omega Konzerns auf den Straßen gesehen worden. Das interessierte ihn brennend. Er hatte alles dazu aufgesogen. Das wäre doch der perfekte Familienwagen, wenn die Gerüchte stimmten. Er stellte sich das vor, die Innenausstattung einer Limo mit der Panzerung und Feuerkraft eines Kampfpanzers. Er fieberte schon seit Jahren auf die Vorstellung hin.
Und er las mit Google Übersetzer in einem russischen Forum, dass angeblich zwei moderne Kampfpanzer in Entwicklung waren und bald vorgestellt werden sollten. Unter den Projektnamen Scorpio und Goliath. Einer soll angeblich der erste Superschwere MBT der Welt sein. Die Entwicklung lief unter dem Decknamen „Leopard Killer“. Tja die Russen hatten es den Deutschen sehr übel genommen, dass deren neuer Leopard 3 MBT den T-14 Armata praktisch über Nacht obsolet gemacht hatte. Jack war stolz darauf, dass Deutschland den momentan besten Kampfpanzer der Welt hatte, und selbst die Amis hatten ihre völlig veralteten M1 Abrams gegen die neuen Leopards ausgetauscht.
   Ob sein Onkel wusste was Lambda da in den USA produzierte? Er würde ihn mal fragen, wenn er ihn das nächst Mal sah. Jedenfalls dachten die Amis darüber nach einen Nachfolger der A-10 Thunderbolt II in Auftrag zu geben, bei Lambda natürlich.
   Er sah auf die Uhr, Kurz vor sechs. Er packte zusammen und ging raus. Sergej war schon längst unten beim Morgenworkout, er hatte ihn gar nicht gehen gehört. Hier an der Schule gab es wenig Sportunterricht, dafür jeden Tag einen halbstündigen Workout vor dem Frühstück. Er klopfte bei den Mädchen und die öffneten sofort. Akira hatte ganz verquollene Augen und Amber wirkt besorgt. Er fand sie hatten etwas von Schwestern an sich. Betreten gingen sie runter in die Mensa und holten sich ihr Essen.
   Ihre Stimmung war zwar sehr gedrückt, aber das Essen war fantastisch. Rührei, Speck, heute sogar Bratkartoffeln, dazu einen Fruchtjoghurt, eine gelbe Banane und ein paar Snacks.
Tragik hin oder her, er hatte einen Bärenhunger. Er sah zu Akira die mit gesundem Appetit aß. Also rein damit. Es war erstklassig, einfach nur richtig gut. Der Joghurt war Kirsche, seine Lieblingssorte. Die Banane war genau richtig von der Konsistenz und einfach nur Lecker und die Snacks packte er sich für Sport ein. Nach etwa zwanzig Minuten waren sie drei fertig und packten zusammen. Amber hatte ihre Snacks schon verputzt und grinste zufrieden. Langsam gingen sie zum Sportgelände und verdauten ihre üppige Mahlzeit. Hoffentlich ging es jetzt nicht knallhart in den Sport solange sie alles noch unverdaut im Magen hatten. Auf dem Sportplatz waren vereinzelt ein paar Schüler in Sportsachen unterwegs.
„Und jetzt? Wir haben noch eine halbe Stunde.“
„Ihr könntet ja ‘ne Runde heulen.“ Amber war einfach nur fies und Akira bedachte sie böse.
„Guckt nichts so, ich hab wesentlich mehr verloren als ihr und hab nicht so rumgeheult als du. Werdet mal ein bisschen tougher, die Welt ist brutal und wer schwach ist wird nur getreten.“
Jack hatte Amber nie so deutliche Worte zu irgendjemand sagen hören. Er sah sie überrascht an.
„Was hab ich da gehört, ihr streitet euch doch nicht etwa?“
Yusuf war grinsend zu ihnen getreten. Dann wurde er schlagartig ernst.
„Ich hab die Nachrichten gehört und die Schulleitung hat mich verständigt. Wenn ihr glaubt dass ihr das emotional nicht packt, können wir das Training jederzeit beenden und verschieben, das wurde so genehmigt. Ihr habt Menschen verloren, die euch verdammt wichtig sind, ihr alle drei. Und das nimmt euch mit und macht euch fertig. Ich kenne das Gefühl gut, ISIS Kämpfer haben meine Familie abgeschlachtet als ich neun war, seitdem bin ich allein. Der irrsinnige Schmerz am Anfang kann einen echt zerfressen und in diesem Fall stimmt das Sprichwort nicht, Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Aber wenn ihr es richtig anstellt könnt ihr eure Wut über den Verlust kanalisieren und sie euch noch stärker machen lassen. Training ist erst in einer halben Stunde, also könnten wir kurz zu meinem Truck, ich mach euch nen kleinen Tee und ich kann euch was zeigen, während ihr das geile Frühstück verdaut. Ich weiß noch nicht so richtig was wir heute alles machen. Ich denke wenn ihr verdaut habt machen wir uns warm, dann Basics und dann machen wir Parcour und Klettern. Und dann seid ihr für heute entlassen. Ach und nach dem Mittagessen machen wir ne Theoriestunde zum Thema menschlicher Körper und Ernährung, das übernimmt aber wer anders. Und vor dem Abendessen trainiert Igor mit euch Kampfsport. Also los geht’s, in einem lockeren Trab.“
Die Worte des Arabers weckten etwas in Jack. Ging sowas, den Hass in Kraft umwandeln. Ja, er würde sich nicht klein beigeben, er würde kämpfen und der Beste werden, für Ryan. Er warf einen Blick zu Akira, die sich die Tränen wegwischte und ihn gefasst ansah. Sie nickte unmerklich.
Dann liefen sie Yusuf hinterher zu seinem Truck mit dem irren Regen und Sonnenverdeck. Der Araber kletterte behände und sie folgten ihm etwas unbeholfen. Oben angekommen hatte man eine recht gute Sicht. Am Heck setzten sie sich auf Sitzkissen und Yusuf stellte ihnen einen Laptop vor die Nase.
„Ich hab über die Jahre ein paar Lektionen und Showreels gedreht und aufgenommen. Ich bin zwar jetzt nicht Weltklasse im Videoschnitt aber ich hoffe man sieht was. Hier ich starte die Playlist. Derweil setze ich mal nen Tee auf.“
Die Videos waren der blanke Wahnsinn. Einfach nur Weltklasse. Und dazu Tutorials zum Klettern und zu Parcour. Der Typ war total genial. Yusuf brachte einen leckeren etwas süßlichen würzigen Tee, den er nicht kannte. Ach ja auf dem Liegestuhl hinter ihnen lag ein großer Plüschgecko auf den Kissen. Das fand er ziemlich lustig. Er wettete das Yusuf echte Geckos hielt.
„So, ich lese euren Mienen ab, dass es euch gefallen hat. Und jetzt ein bisschen Sport?“
Die drei nickten einstimmig. Und es ging wieder zurück zum Sportpark. Sie liefen zwei Kilometer. Sie machten Basics, also Kniebeugen, Rumpfbeugen, Liegestütze, Klimmzüge. Und zwar so viele wie sie konnten. Er schaffte vierzig Liegestütze und fünfundzwanzig Klimmzüge. Akira wesentlich weniger. Ambers Leistung war recht beindruckend.
   Yusuf zeigte ihnen die Basics für Parkour, Tipps und Tricks und so. Als die Glocke zum Mittagessen läutete, konnten sie sich relativ sauber über die Schulter abrollen, eine Wand hochklettern und über Hindernisse Balancieren, aber eben alles noch wie zu erwarten sehr unbeholfen.
Zum Mittag gab es einen Hackbraten mit Bratensoße, Kartoffeln und gemischten Gemüse. Und wieder ein paar kleine Snacks. Das Essen war zwar nicht so gut wie im Haus der Welt, aber um Meilen besser als der Fraß in der Schulkantine, wo er die letzten Jahre immer hingegangen war.
Danach hatten sie Theorie bei einer ziemlich heißen Sportlehrerin, wo sie ein paar Sachen zu Anatomie, Muskelgruppen, Vorbeugen von Verletzungen bei Übungen und einem Groben Leitfaden zu verschiedenen Ernährungsarten. Etwas öde, aber nicht so zum Kotzen langweilig wie der Unterricht an seiner alten Schule.
   Danach kletterten sie. Zuerst ohne Seile an einer kleinen Wand, dann mit Seilen an einer Indoor Kletterwand und zum Abschluss an einer Außenwand, die einer echten Felswand nachgebildet war – die kamen sie etwa zwanzig Meter weit hoch bevor der Araber ihnen den Befehl zum Abseilen gab.
Dann verabschiedeten sich von Yusuf und es ging zu Igor.
   Einem Russen mit einem Körper wie ein Schrank, der aussah als würde er null Spaß verstehen. Er zeigte ihnen ein paar Basics und sie wiederholten seine Übungen. Immer eine arme Socke durfte mit dem riesenhaften Russen trainieren. Sie übten auch Kicks und Schläge mit Schützern. Als er mit Amber zusammen trainierte drosch sie wie besessen auf das Polster auf, dass er in den Händen hielt. Das war zwar nicht wie in den Actionfilmen wo eine zierliche Heldin riesige böse Jungs plättete, aber sie hatte was drauf und es regte ihn auf, dass sie ihre Wut an ihm ausließ. Das geb‘ ich dir zurück. Als sie die Rollen tauschten, gab er auch ordentlich Dampf, und mit dem letzten richtig harten Kick wurde sie regelrecht nach hinten auf die Matten geschleudert.
   Oh, das hatte er jetzt aber auch nicht gewollt. Er beugte sich über sie und hielt ihr den Arm hin. Sie sah ihn etwas erschrocken an und schlug dann ein. Sie wog ja praktisch nichts, also war sie ihm Nu wieder oben.
   Danach gab es Abendessen, kalt aber schweinelecker. Man war der Tag anstrengend gewesen.
In seinem Zimmer duschte er sich in Ruhe und trocknete sich ab. Er war völlig geschafft und er hoffte, dass die Schule sie übernahm, Klettern und Parcour machten echt Spaß.
   Wenn doch nur Ryan hier wäre dachte er sehr traurig und sah aus dem Fenster in die dunkle Nacht.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 12

12. Kaz – 1.W. April 2045 – Dienstag – Der Rächer

Müde saß Kaz auf der Bettkannte und starrte auf den stummgeschalteten Fernseher, wo hektisch von der möglichen rechtsradikalen Ausrichtung des Horizon Konzerns die Rede war. Ach man, haltet doch einfach nur die Klappe. Liz hatte halt in ihren jungen Jahren einfach ein bisschen zu intensiv Cosplay gemacht und probierte halt abgedrehte Sachen aus. Und die PR Abteilung hat das Go für ein noch aggressiveres Outfit gegeben. Jetzt dreht doch nicht einem der größten Konzerne der Welt einen Strick draus. Was wollt ihr Sensationsjournalisten ohnehin ausrichten. Ihr lächerlichen Vollidioten.
   Aber vier Uhr früh war wirklich nicht seine Zeit gewesen. Liz war in Sportsachen und einer Mütze aus der Wohnung gezischt um Sport zu machen und er war ihr schläfrig hinterhergetrottet und war so langsam, dass er den nächsten Aufzug nehmen musste. Wenigstens war er nach dem Training wach gewesen. Sie waren verschwitzt hoch und hatten wieder gemeinsam geduscht und dann schnell Frühstück vorbereitet. Er hatte ihr beim Schminken geholfen wie damals zu ihren Cosplay Tagen wo er auch immer mit von der Partie gewesen war. Sie hatten so das ein oder andere Partner Cosplay gemacht. Daran erinnerte er sich schmerzlich. Das halbe Jahr mit ihr nonstop war echt traumhaft gewesen. Sie hatten so unglaublich viel zusammen gemacht. Jetzt in ihrer Rolle hatte Liz praktisch gar keine Zeit mehr und das stimmte ihn sehr traurig. Aber sie schien ihren Job echt zu lieben und war laut Johnny auch echt verdammt gut darin. Mal gucken ob sich etwas verändern würde, jetzt mit Liz radikal neuem Stil. Aber sie sah echt furchteinflößend aus. Er hatte sich vorhin Johnny Entwürfe angesehen und war total baff. Sein kleiner Bruder hatte einfach nur unglaubliches Talent. Akira hatte ihm einmal gesteckt, dass Johnny mit dem Gedanken gespielt hatte Modedesigner zu werden, aber es war ihm nicht männlich genug gewesen. Woher Akira das auch wusste oder ob sie ihn einfach nur gemogelt hatte wusste er nicht.
   Jedenfalls waren Johnnys Entwürfe für die neuen Outfits für die neue Liz einfach nur der helle Wahnsinn gewesen. Er freute sich schon für Liz. Gerade die Outfits mit einem hohen Stehkragen, der ihren tollen geformten nackten Kopf und ihren langen Hals betonten.
   Heute war der Tag, wo er nach Polen aufbrechen würde um Xen zu besuchen und seinen Omega abzuholen. Vielleicht könnte er dabei auch unauffällig den Defender loswerden. War zwar kein schlechter Wagen aber gegen einen Omega kam der einfach nicht an. Er würde sich jetzt einfach ein paar Sachen von Liz Campingausrüstung ausleihen, sich mit ein paar MREs oder ähnlichem eindecken. Und er würde sich beim Frisör unten die Haare schneiden lassen, die langen Haare war er allmählich etwas leid. Liz würde geschockt sein, weil sie ihn nur mit langen Haaren kannte, aber da musste sie durch, ein bisschen Schockmoment für sie musste auch drin sein. Außerdem ging es ihm auf den Keks dass ihn alle immer mit John Wick anredeten. Verdammt nochmal, der Film war auch über dreißig Jahre alt, oh weh was ein alter Sack er doch war.
   Jetzt aber los. Er schnappte sich Zelt, Isomatte, Schlafsack, Wasserfilter, Kocher und Geschirr, eine Lampe, eine Polen Straßenkarte und Feuerstarter. Dazu einen Sack mit Fertignahrung und los ging es. Als der Krempel im Defender verstaut war ging er nochmal hoch ins Center und zum Frisör. Er kam erstaunlich schnell ran und ließ sich die Haare ganz kurz schneiden. Er bezahlte sehr zufrieden und ging in den Keller. Er dachte daran, dass Liz gesagt hatte das im Keller eine riesen Menge Cola war. Den kannte er ja auch noch gar nicht. Nach fünf Minuten stand er vor der richtigen Tür und starrte ungläubig auf die massiven Angeln. Was habt ihr denn da für ne Tür eingebaut?
Sein Chip öffnete das Schloss und er zog die Tür auf, die war satte zwanzig Zentimeter dick. Tja, so sparte man sich das Bankfach in der Schweiz. Hier war Liz Heiligtum. Er stöberte durch alles. Zu seinem Entsetzten fand er einen riesigen Turm mit eingeschweißten Pelzdecken in allen möglichen Farben und Mustern und weitere fünfzehn Pelzmäntel. Dann hatte sich Liz grob überschlagen alle drei Monate seit Jobbeginn einen neuen Mantel gekauft, das war doch einfach nur noch bizarr. Er fand auch einige Recurve und Compound Bögen, dass hätte er so nicht erwartet, aber er hatte ihr damals schließlich das Bogenschießen beigebracht. Dazu ein paar große Safes, darunter zu seinem Erstaunen drei fette Waffensafes, leider mit Zahlenschloss. Und Unmengen, geradezu europalettenweise Vorräte. Große verschließbare Plastiktonnen mit Getreide und Reis. Eine Palette mit Glaswasserflaschen, man will in der Krise schließlich nur das Beste, dachte er sich grinsend. Meine Güte, willst du mir das Wasser abgraben, was den größten Prepper Wahnsinn angeht? Dazu ein kleiner Stromgenerator, einige hundert Liter Treibstoff. Gasmasken mit verschiedenen Filtern und einen Hazmat-Anzug. Noch mehr Taucheranzüge und tonnenweise Chemikalien. Wasserfilter, Verbandszeugs und Arzneimittel. Liz hatte doch den totalen Knall. Gab die strenge knallharte Businessfrau und legte heimlich Vorräte für den dritten Weltkrieg an. Er schnappte sich eine Palette Cola Dosen und einen Kasten Wasser. Hinter ihm schloss sich die Tür beinahe sanft wieder und verriegelte.
   Glücklicherweise passte alles ganz wunderbar in den riesigen Kofferraum des Defenders.
Er checkte nochmal alles durch und stieg dann ein.
   Zügig fuhr er auf das Autobahnkreuz und dann auf die Autobahn durch Berlin und in Richtung Osten, nach Polen. Der Defender hatte eine vernünftige Fahrgeschwindigkeit und er würde heute Abend oder später Nachmittag bei seinem besten Freund Xen eintreffen.
   Die Straßen waren ruhig und auf der ganzen Strecke begegnete ihm kein einziges Auto der Clowns. Polen hatte sich sehr gewandelt. Zwar schotteten sie sich ganz gut ab und hatten eine rechte Regierung, aber sie waren ein sehr stolzes Völkchen mit einer mittlerweile richtig starken Wirtschaft. Und sie waren das schlechte Image der Diebe losgeworden. Mittlerweile stand „Made in Poland“ für Qualitätsware, sofern man nicht billigen Ramsch kaufte. 
   Er fuhr gerne durch die polnischen Landschaften und deren Straßen waren mittlerweile fast besser als die in Deutschland, was eine ziemliche Blamage war.
   Er hatte sich nicht verschätzt. Am späten Nachmittag fuhr er durch ein beschauliches kleines Städtchen und dann an der Stadtgrenze sah er es endlich. Zuerst fuhr er an einem kleinen Park mit großem Teich vorbei, in dessen Mitte ein unverkennbar von Emma designtes großes Wohnhaus stand und dann erreichte er die Omega Werke. Eine streng bewachte Hofeinfahrt gesäumt von hohen Betonmauern, deren Spitzen von Stacheldraht gesäumt war. Gefolgt von einer großen dunklen Werkhalle, dann ein langer viergeschossiger Bau in Weiß gefolgt von einem schwarzen Würfel in Schwarz. Das Omega Zeichen prangte deutlich an den beiden Gebäuden. Er sah überall Kameras. Quietschend bog er auf den Besucherparkplatz ein und parkte. Er stellte den Motor ab, zog die Handbremse an und stieg aus. Neben dem Haupteingang mit einer schweren Glastür im Erdgeschoss des Würfels wehten an einem Fahnenmast zwei Fahnen, die Polnische und eine mit dem großen griechischen Buchstaben Omega bedruckte. Grinsend betrat er den Bau und schritt durch einen großen luftigen Saal zum Empfang wo eine junge Frau mit einer strengen Frisur saß und ihn interessiert musterte.
„Entschuldigen, könnten sie dem Chef Bescheid sagen dass Sebastian Katsuro Solomon da ist?“
Sie griff nach einem Hörer und sagte etwas auf Polnisch. Keine fünf Minuten stapfte Xen im Blaumann durch eine Tür und sah ihn Freudestrahlend an. Er war so groß und alt wie Kaz, aber deutlich übergewichtig, wenn auch nicht mehr so fett wie früher. Er dachte grinsend daran, dass sein dicker Freund eine Zeit lang immer quer durch eine Tür laufen musste.
„Kaz alter Junge, schön dass du endlich den Weg hierher gefunden hast. Mensch wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen. Na komm einfach mit ich zeig dir den Burschen.“
Kaz folgte ihn durch einen Gang, dann durch die Halle, wo überall geradezu Mannschaften von Mechanikern an Autos in allen Größen und Farben herumschraubten. Xen führte Kaz in einen fünfzehn Mal fünfzehn Meter großen Raum, der wohl für Vorführungen diente. An einer Seite war über die gesamte Breite ein hohes Rolltor angebracht. In der Mitte auf einer kleinen Drehscheibe stand ein Monster von einem Geländewagen, sehr viel größer als sein Defender. Und der sah im Gegensatz zum Defender 2020 auch so richtig nach Gelände aus. Und das Gesicht des Wagens war richtig schön grimmig und regelrecht aggressiv.
„Ah auf diesen Moment freue ich mich schon seit Jahren. Moment bevor wir loslegen, brauche ich mal einen Scan von deinem Gesicht, deiner Netzhaut und deiner Handabdrücke. Also wasch die mal kurz die Hände, da in der Nische ist ein Waschbecken, und leg deine Patschehändchen auf den Tisch da.“
Kaz tat wie geheißen und war schon sehr gespannt, den Grund dafür zu erfahren.
„Fabelhaft, jetzt Kalibrieren wir den Omega auf dich. Und auf den Moment habe ich schon ewig hin gefiebert. Erinnerst du dich an den Prolog in Band eins, wo die Figur Xen den armen Dieb Ted vollgeschwafelt hat? Genau das habe ich jetzt auch vor, also halt dich fest. Vor dir steht ein Produkt von über zehn Jahren Entwicklung, eine Kooperation so einiger weltweiter Unternehmen. Meine bezaubernde Frau hat mitgeholfen, dazu Lara, Hal, Hugo, Sir Henry und natürlich die schöne Mulan. Der Projektname ist Avenger und ich zeig dir den kleinen X5 in der Zivilvariante. Vor dir steht der erste Wagen und ist erst vor vier Wochen nach intensiven Tests vom Band gelaufen und ist Momentan ein Einzelstück. Zivil haben wir den X5 und den größeren X8 mit fünf respektive acht Sitzplätzen und die Militärversionen sind zweckmäßiger und bieten sechs und neun Plätze in der Einstufung als IMV, also Infantry Mobility Vehicel. Du bist unser Versuchskaninchen für den Straßentest des X5. Die Prototypen für dieses Monster haben wir wortwörtlich durch die Hölle gejagt. Wir haben sie durch die sengende Wüste, durch Sümpfe, Flüsse, Schneewüsten und Gebirge geschickt. Wir haben sie versenkt, angezündet, mit EMP gegrillt, mit Säure überschüttet, in die Luft gejagt, mit Kugeln durchlöchert, aus Flugzeugen geworfen und so weiter. Nein das mit dem Flugzeug war ein Scherz, aber der Rest stimmt. Fangen wir mit der Mobilität an. Es ist ein 4x4x4. Beide Achsen sind gelenkt und angetrieben. Die Federn sind gut justiert und lassen sich in der Härte einstellen. Man kann die Höhe der Federung einstellen. Unter der Haube schlummert ein mächtiger Elektromotor mit umgerechnet über 1000PS. Angeschlossen an ein mörderisches Getriebe. Die Kiste hat ordentlich Dampf und hat eine satte Beschleunigung. Es gibt einen Hilfsmotor, falls der Hauptmotor aus irgendeinem Grund versagen sollte. Das Biest wiegt knappe zehn Tonnen, trotzdem beschleunigt er leer auf gerader Strecke auf bis zu 160 Km/h und schafft im Boost-Modus sogar knapp 190 km/h, aber das leert die Batterie ziemlich schnell. Ach ja ohne Zuladung kommst du mit einer vollen Akkuladung knapp tausend Kilometer weit, alles weitere hängt schwer von deiner Zuladung ab. Das Dach trägt eine Tonne und Zuladung bis 500 kg. Und er zieht knapp zwölf Tonnen. Die Winde vorne hat eine maximale Zugkraft von acht Tonnen. Die Reifen sind super genial und ordentlich fett. Ein selbstheilendes, selbstabdichtendes Verbundmaterial mit eingewebten Kevlar Fäden. Das Material ist sehr dick und damit Praktisch immun gegen Stiche und Kugelsicher gegen bis zu .50 BMG. Die kriegt praktisch nichts kaputt, aber zur Sicherheit haben wir dir ein Ersatzrad auf die Motorhaube geschnallt aber Vorsicht, das Ding wiegt ordentlich. Im Zubehörpaket ist ein kleiner faltbarer mechanischer Kran enthalten. Die Reifen regulieren selbst ihren Luftstand und pumpen sich selbst auf. Und hier der Clou, in den Reifen sind Spikes versteckt, die automatisch ausfahren, sobald du über Eis fährst, das gibt der Kiste verdammt viel Gripp. Und das sind selbstverständlich Allwetter Reifen für jedes Gelände mit ordentlichem Profil. Jetzt zum Innenraum.“
Kaz hielt kurz inne und öffnete die schweren Seitentüren, die verdammt dick waren.
„Fünf Sitze, alles vom feinsten. Alle Sitze sind individuell beheizbar. Die Vordersitze sind ergonomisch voll einstellbar mit einem AGR Siegel und mit Massagefunktion. Alles ist feinstes Leder in Abwechslung mit Kohlenstofffasern und ultrahartes gefärbtes Glas. Eine Mischung aus analogen und digitalen Armaturen. Rings um den Wagen sind Kameras in der Außenhülle eingesetzt, das Bild wird auf Displays im Cockpit übertragen. Klimaanlage natürlich. Die ganze Kabine ist übrigens ein abgeschlossenes System mit einem Luftkreislauf der bei Bedarf von der Außenwelt abgeschlossen werden kann. Die Innenluft wird dann über Sauerstofftanks angereichert. Bei Fünf Personen reichen die Vorräte etwa zehn Stunden. Übrigens ist der Gute voll Tiefenwatfähig mit bis zu sechs Metern Wassertiefe. Es gibt ein Infotainment System für Beifahrer und die drei Sitze hinten, stolz von Spectre gesponsert. Übrigens lauert da ein Spectre Platinum X4 im Handschuhfach. Und ein Spectre Feather wenn‘s leicht sein sollte, beides das brandneue Modell und schon an dich angepasst. In der Mittelkonsole ist hinten ein Kühlfach für Getränke und ein Snackfach eingelassen. Vorne unter der Lenksäule findest du ein Geheimfach mit einer geladenen Beretta mit Schalldämpfer und einem Kampfmesser, falls es mal haarig werden sollte und du ins Gefecht musst oder ein paar Clowns abknallen willst. Und der hintere mittlere Sitz lässt sich zu einer noch größeren Snackbar nach vorne hin umklappen. Alles ist übrigens mit deinen Lieblingssnacks vollgestopft. Die Vordersitze lassen sich voll waagerecht zurückklappen, falls du mal im Auto pennen willst, wenn es dir draußen zu unsicher ist. Der Wagen ist zwar voll elektrisch, aber der Innenraum ist nochmal weiter gedämmt, sodass du innen praktisch keinerlei Geräusche hörst. Aber das ist adaptiv und lässt sich einstellen, wenn du mehr Kontrolle haben willst. Und jetzt kommt der Spaß, die Panzerung. Wir haben die auf Herz und Nieren getestet. Die Seiten, Dach und Heck sind gegen panzerbrechende 20mm Geschosse immun. Die Front konnte auch ‘ne A-10 Thunderbolt II mit Panzerbrechender 30mm Munition nicht knacken. Die Amis hat das völlig aus den Socken gehauen. Wir haben die modernsten und härtesten Verbundmaterialen verwendet. Wenn dir also ‘ne feindliche A-10 begegnet, fahr drauf zu und nicht weg. Ach ja, gegen die 120mm Bordkanone von einem Leopard 2 haste natürlich keine Chance, also verscherz es dir nicht mit deinen Landsleuten … oder Leuten mit Panzern. Das ist der erste Wagen der unser neues Gaja Projekt verwendet. Die Außenhülle und große Teile der Antriebseinheit und das Fahrwerk sind im Material mit Naniten durchsetzt, die dem ganzen praktisch Regenerationskräfte geben. Tja, und du kannst gut andere Leute rammen, zehn Tonnen sind da schon mehr als genug um das Ding in einen Rammbock auf Raketenschuhen zu verwandeln. Ach ja hab ich vergessen, die Innenkabine ist gegen Stöße gut gedämpft von einem nicht knackbaren Käfig umgeben und überall sind Airbags. Das Fahrwerk und der Unterboden sind gegen Minen und IEDs beachtlicher Sprengkraft geschützt. Es lässt sich noch zusätzlich Panzerung gegen HEAT Geschosse anbringen. Die Fenster lassen sich natürlich nicht herunterfahren, deshalb ist die Lüftung unablässig, aber die ist 100% Zuverlässig und sie ist zudem redundant. So wie alle Systeme im Wagen. Jetzt kommen wir zum größten Spaß, unser Verteidigungs- und Angriffssystem der Extraklasse. Es sollte klar sein, dass der Wagen gegen händische Gewalt und Schläge vollständig immun es. Den musst du schon mit einem Panzer rammen um irgendwas zu beschädigen, wir haben es getestet. Und er ist feuerfest und stark resistent gegen Säure. Es gibt überall aktive und passive Sensoren und Sicherheitssysteme die dir jederzeit zu jeder Situation deine Umgebung zeigen. Radarsysteme scannen deine Umgebung auf 4km Entfernung zu Boden und in der Luft. Es gibt aktive und passive Verteidigungssysteme gegen zielsuchende Raketen. Du hast Werfer für Rauch-, Tränengas- und Schlafgranaten und für Täuschkörper. Die Kabine ist hermetisch abriegelbar und das Luftsystem filtert die Luft automatisch und hat Rauch und Gassensoren, die sofort abriegeln, wenn sie etwas entdecken.
Rings um das Dach sind starke LED Scheinwerfer angebracht die sich stufenlos dimmen lassen. Und jetzt der Knüller. Du hast ein komplettes Drohnenpaket für Angriff, Erkundung und Stealth dabei. Eine große Deathwish Drone mit Raketen, EMP und 7,62mm Bordkanone, zwei Silent Blades für Stealth und Infiltration, vier Allzweck Hawks mit nicht tödlicher Bewaffnung und etwa sechzig Minidronen deren Name mir doch tatsächlich entfallen ist … ach ja Mosquitos, weil sie so klingen. Soviel dazu. Auf der rechten Seite befindet sich eine EMP Kanone für Entfernungen bis 500 Meter und daneben ein faltbarer Geschützturm mit einer kompakten Hochleistungsrailgun der Russen die extrem Präzise auf große Entfernungen feuern kann. Die Wuchtgeschosse durchschlagen 70 mm Panzerstahl auf 30° auf 1.000 Meter, also ganz gut beachtlich. Die Kanone hat einen Autoreloader und du hast die Wahl zwischen konventionellen und eher ungewöhnlichen Geschossen. AP, APHE, HE, HEAT, HESH, EMP. Denk dran, dass die Railgun ganz gut Strom zieht, also sei achtsam beim Gebrauch. Und nicht zu vergessen der Werfer für zielsuchende Mehrzweck Raketen mit Autoloader für sechs Schuss Munition. Das sind Fire-and-Forget Raketen, du gibst einfach die Ziele ein und die Rakete sucht sich ihren Weg. Die haben eine Reichweite von etwa 10 Kilometern und sind klein genug, dass man sie fast nicht kommen sieht. Die sind Panzerbrechend. Der Sprengkopf ist zwar nicht sehr groß, reicht aber definitiv aus um einen Van oder Helikopter mit ein paar Terroristen zu toasten. Die Scheiben können auf Knopfdruck komplett Blickdicht gemacht werden, so sind sie ja nur verdunkelt. Die Frontscheibe hat ein HUD, das dir Navigationswege direkt ins Blickfeld einblendet, sowie wichtige Informationen wie Batteriestand, Wetter, Munition und so weiter.
Dazu ist dein Cockpit vorne auch gleichzeitig den Waffenstand, von dem du die Raketen und die Rail- und EMP-Gun steuerst. Aber wenn du dein Prism 12 in das Fach unter der Klimaanlagenregulierung schiebst, bekommt dein Smartphone ein Update, mit dem du die Werte deines Wagens jederzeit checken und ihn auch fernsteuern kannst. Haha genau, der Wagen ist voll autonom und entweder du gibst Befehle, oder Der Wagen handelt allein oder du steuerst ihn fern. Hal hat das Steuersystem entwickelt und alles verwendet HALOS. Der Wagen ist intelligent und hat dutzende wenn nicht sogar hunderte von Systemen, Das Flugabwehr System hat einen Art sechsten Sinn wenn es darum geht, die Flugbahn von Flugzeugen und Flugobjekten vorauszusehen. Ich glaube ich habe dazu noch was vergessen. Egal, kommen wir zum Stauraum, komm mal mit ans Heck.“
Endlich eine kurze Pause von dem Redeschwall. Xen öffnete die Massive Hecktür. Der Innenraum war überraschend kompakt.
„Ich sehe schon du wunderst dich bei dem Monster über die Größe des Kofferraums. Keine Sorge, mit der Tiefe immer noch größer als der von deinem Defender da draußen auf dem Vorplatz. Und hier kommt der Knaller, rings um den Kern sind an Schienen ausziehbare Staufächer angebracht, also hast du weniger Probleme mit Tetris spielen beim Packen. Ist alles da was du brauchst. Werkzeug, Kartenmaterial, Survialkits, MREs von NOX, Lebensmittel – ich hab dir aus Rache acht große Dosen Tortellini in Tomatensoße eingepackt. Und ein paar Waffen und Munition und Reservepatronen für Gaja. Ein paar bequeme Kleider für dich und Amber der Luxusmarke Nox sind ebenfalls frisch eingepackt. Und ein paar Extras die ich dir nicht verrate. Und das war nur der Innenraum. Am Heck außen findest rechts eine große Transportbox, die dir ebenfalls als großes Waffensafe dient, voll ausgerüstet mit deinen Lieblingswaffen, Mit Schalldämpfern, Visieren und Reservemagazinen.
Die Box auf der anderen Seite enthält eine Überraschung aus der Abteilung Q von NOX, Haha, das erzähl ich dir gleich. Am Dach sind auf der einen Seite eine kompakte Faltleiter angebracht und auf der anderen Seite ein Gestänge für den Aufbau eines Zelts auf dem Dach. Und aufs Dach passen selbstverständlich auf Fahrräder. Und das hier hab ich mir von ein paar alten Opel Modellen abgekupfert.“
Xen zog am Nummernschild unter der Heckklappe und es glitt wie eine Schublade heraus.
„Tada, Platz für weitere drei Fahrräder, als gut für den Urlaub mit der großen Familie. Ach ja hab ich ganz vergessen. Der Wagen besitzt ein adaptives Tarnsystem vom Typ Chamäleon, Die Außenhaut kann ihre Farbe und Struktur und teilweise auch die Form verändern und die Nummernschilder sind wechselbar. Die Kiste ist zwar de facto ein Radpanzer der Extraklasse, aber er hat eine Straßenzulassung und TÜV und ein deutsches Kennzeichen, das hat Hal auch wieder gedeichselt. Das war‘s für den großen, jetzt der „kleine“, der Anhänger. Geprüft und Gepanzert wie der große, mit vier unserer Monsterreifen. Ist angetrieben mit und mit ausklappbaren Stützrädern, praktisch zum Manövrieren und selber fahren. Er besitzt einen Akku, der dir im Idealfall weitere 1500 km Reichweite gibt, du musst aber bedenken, dass die Systeme des Anhängers auch davon zehren. Dazu ein supereffizienter Stromgenerator mit 400 Liter Dieseltank, Selbstabdichtend versteht sich. Dazu ein Eigenständiges Verteidigungssystem mit einem Lite Drohnenpaket mit einer weiteren Deathwish, einer Silentblade und zwei Hawks und einem Haufen Mosquitos. Ein Ausfahrbarer Geschützturm mit einem Raketenwerfer und einem schweren MG mit Panzerbrechenden Munition. Im Gegensatz zur Railgun ist das Ding schweinelaut, als pass auf, wo du das abfeuerst. Und der Kleine ist dein Munitionstransporter mit Geschossen für die Railgun, für den kleinen Turm, für die Granaten, Raketen und für deine Handfeuerwaffen. Zwei Wassertanks, einer für Waschen und so, der andere für Trinken und kochen. Letzterer ist aufgetankt mit feinstem polnischem Quellwasser. Auf dem Anhänger sind die weiteres Zubehörpacks. Omega Tragetaschen und Rucksäcke. Haustierset mit Gitter und Rampe für den Kofferraum. Wasserfilter und Schläuche. Adaptive Chamäleon Zelte für das Dach, aber auch ein ganz großes für den Wagen und den Anhänger. Der Anhänger hat über ein verschlüsseltes Kommunikationssystem und ist auf bis zu vierzig Kilometer fernsteuerbar. Natürlich hast du auch hier wieder satt Stauraum. Da kommt dein Bonus. Ein Willkommen Zurück Paket von Accuracy International und Heckler und Koch, deinen Sponsoren. Dann eine hochwertige Campingausrüstung von NOX für fünf Personen. Ein Vision Paket von Hal, mit AR und VR Headset und Joysticks. Ist auch voll kompatibel mit dem Omega. Mulan hat dir ein Stealth Paket mit unaufspürbaren Waffen und Gadgets beigelegt. Und der Knaller von Sir Henry von NOX. Der Kerl ist einfach zu sehr John Wick besessen. Ein adaptiver intelligenter Maßanzug in schwarz, mit Unterwäsche, Hose, Hemden, Weste, Krawatten und natürlich Jackett. Kugelsicher gegen kleinkalibrige Waffen und dank Nanomaterialien unfassbar stabil und selbstheilend. Und geruchsneutral natürlich auch. Also nie wieder Stinkesocken, die nach einem Monat im Arsch sind. Und legere Klamotten sind auch dabei. Tja, ein Jammer, dass du jetzt kurze Haare hast, ansonsten würde es super gut passen, wie die Faust aufs Auge, Haha. So er ist voll aufgeladen, aufgetankt, aufgefüllt. Vollgestopft mit hochwertigen Snacks und Fressalien. Irgendwo da drin ist auch ‘ne gute Kaffeekanne fällt mir gerade ein und ich hab dir ‘ne Palette H-Milch eingepackt. Und immer noch satt Stauraum. Jetzt bist du gerüstet für den Krieg. Oh Gott ich hab ja ganz das Service Paket vergessen. Wir geben dir vierzig Jahre Garantie. In der Zeit bekommst du jederzeit Software, Sicherheits- und Kartenupgrades. Rund um die Uhr Servicehotline mit dem Chef, also mir. Reparatur-, Berge- und Abschleppservice weltweit. Du darfst bei allen Omega Stationen kostenlos tanken, aufladen und einkaufen, auch wenn du in dem Moment in keinem Omega sitzt und das ist übertragbar an deine Frau, falls du heiraten solltest. Und für deine Kinder Selbstverständlich auch. Und ein kleines Geschenk liegt im Handschuhfach, Hochglanzbroschüren für unsere Omegas, diesen mit eingeschlossen und für den Lambda Swordfish und Lambda Orca. Dazu eine super robuste Taucheruhr von Omega für dich und eine elegante Damenuhr für Liz in ihren Lieblingsfarben. So das wärs von mir.“
Xen grinste ihn breit an.
„Wow, also der Dialog im Buch war echt kürzer.“
Xen brach in schallendes Gelächter aus.
„Hallo Jungs.“
Tamara näherte sich ihnen und balancierte ein Tablet. Sie hatte ihre tollen schwarzen Haare lose hochgesteckt und ihr Bauch hatte eine deutliche Rundung. Kaz hob die Brauen, hatten die beiden nicht schon drei Kinder? Der Jüngste war nach Kaz benannt, also Sebastian, was ihn sehr freute.
„Schon wieder Schwanger? Ich dachte ihr seit mit drei Kindern glücklich?“
Xen lächelte gequält.
„Das war mein Plan, aber meine Frau liebt kleine Kinder und wollte unbedingt noch eins, außerdem findet sie es unfair, dass die Mädchen in der Familie total in der Unterzahl sind. Und wir wechseln uns mit den Namen ab, also ist sie jetzt wieder dran. Wieder irgendwas Osteuropäisches. Und jetzt geht’s erstmal ans Bezahlen Großer. Da du uns allen Beteiligten immer wieder so großartig geholfen hast, weil du mir wortwörtlich das Leben gerettet hast und Early Adopter bist gewähren wir dir einen Rabatt von 80%, das wären dann also noch zwei Millionen Euro.“
Kaz schluckte schwer, was ein Glück dass er auf seinem Konto elf Millionen gefunden, wo er nicht wusste wo die bitteschön hergekommen waren. Aber dann kostet das Ding zum Vollpreis ja zehn Millionen Euro. Das war mehr als der Leopard 2 Kampfpanzer kostete. Er zuckte mit den Schultern, der Leo war wesentlich unpraktischer und schluckte wie ein Loch und war nicht autonom.
Xen schon ihm ein Pad mit einem Unterschriftenfeld hin und er unterschrieb ohne zu zögern.
„Und was machst jetzt mit dem ganzen Geld?“
„Tja, meine Angestellten bezahlen natürlich, die Arbeiten nicht für umsonst. Und zu meinem Leidwesen weiß ich schon was Tamara von ihrem Anteil kaufen wird. Sie ist Russin, liebt den Winter, ist in einem Kaff in Sibirien aufgewachsen und hier wird’s im Winter auch schweinekalt. Pelze. Und Liz hat sie angeregt Perücken auszuprobieren. Und ich gucke ob ich ein paar alte Kisten auftreiben kann um sie zu restaurieren.“
„Wisst ihr Leute. So schlimm ist das auch nicht. Guck mal, Liz hat 42 Pelzmäntel, bestimmt 20 Pelzdecken und über 250 Perücken.“
Tamara starrte ihn ungläubig mit offenem Mund an und Xen brach in schallendes Gelächter aus.
„Ahahaha, bei euch in Berlin fällt doch nie Schnee. Oh man, und dabei hatte ich sie als so ein bescheidenes Mädchen in Erinnerung. Erstaunlich was Geld so bringen kann. Ich für meinen Teil verabscheue Pelze.“ Tamara sah ihn Böse an.
„Und hier sind die Getränke zum Anstoßen, ganz untraditionell. Für dich eine Coke mit Eis und für uns Wasser, ich bin einfach zu fett, aber Tamara kocht zu gut.“
„Und du frisst die ganze Zeit Chips und trinkst pappiges Zeug.“
„Macht der doch auch, nur leider wird der nicht die Bohne fett.“
Kaz nahm sich das große Glas mit Cola und trank ein paar Schlucke, schön kühl.
„Sag mal, geht Alfred aufs BIT?“
Xen blickte auf.
„Alle unsere Kinder gehen aufs BIT. Das ist eine der besten Schulen Europas und Omega ist Sponsor.“
„Ich glaube bei einer Führung hab ich Alfred gesehen wie er an einem Motor herumschraubte.“
Tamara lächelte zufrieden und Xen grinste breit.
„Haha, ganz der Papa. Ja, ich hoffe dass mindestens eins meiner Kinder dann irgendwann Omega übernimmt und weiterführt. Und momentan sind alle sehr Technikbegeistert, selbst Tanja. Achja Hugo meinte ich soll dir das geben. Das ist ein Prism Rogue. Gib das mal der Kripo Beamtin in dem gelben Reno da draußen, die den Eingang beobachtest seit dem du hier bist. Sie ist dir wohl gefolgt. Ein bisschen eingerostet wie?“
Er lachte und gab Kaz ein recht unauffälliges Telefon.
Huh, warum würde ihm die Kripo folgen?
„Wie bist du überhaupt darauf gekommen den Wagen zu bauen?“
„Erinnerst du dich an die Zeit nach meinem versuchten Suizid wo ich ne Weile bei dir gewohnt habe? Wir haben doch diesen Marvel Filmmarathon gemacht, alle Filme von Iron Man bis Endgame – die guten Marvel Filme, bis auf Captain Marvel, der war Grütze. Und beim zweiten Ironman Film gibt’s doch die Scene wo dieser Typ von Hammer den beiden Airforce Typen seine Waffen vorstellt und die mega unbeeindruckt sind und am Ende von ihm verlangen das er ALLES in den Suit einbaut. Und dann die geile Verfolgungsjagd in Captain America Winter Soldier mit Nick Furys wagen, der Kugelsicher ist und irgendwie einfach alles kann. Und die ganzen James Bond Filme mit den Autos die coole Sachen können. Das hat mich total angefixt und über die Jahre verfolgt bis Omega dann glücklicherweise groß genug war, dass alles in die Tat umzusetzen. Man, der war fast zehn Jahre in Entwicklung. Und du bist unser Testfahrer also teste auch gefälligst. Wir haben die Prototypen in den USA, in Brasilien, in Deutschland, in Russland und China getestet und deren Militärs waren mit dabei und flehen uns regelrecht an, dass wir ihnen den in Serie bauen oder lizensieren. Also wenn sich deiner Bewährt, haben wir mit etwas Glück bald einen Milliarden Auftrag in der Tasche und können eine neue Fabrik in Polen bauen. Und in Deutschland.“
„Klingt Vielversprechend. Habt ihr eigentlich auch so Probleme mit den Clowns?“
„Nope, die gibt’s hier praktisch nicht. Aber wir in Polen sind ja eh alles nur Nazis. Haha. Ne, wenn welche Auftauchen, werden die instant von patriotischen Polen verdroschen. Ich glaube nur linksversifte Nationen haben so große Probleme mit denen und die Kommies. Also Russland hat hart zu kämpfen, China auch, USA ist auch ziemlich stark und bei Deutschland wundert mich das nicht die Bohne, ein Glück dass ich von da weg bin. Ungarn hat sage und schreibe Null Clown Angriffe. Da ist übrigens auch die Omega Firmenzentrale. Das Werk hier ist ja quasi meine eigene Werkstatt, wo alles angefangen hat. Und wir wohnen in dem schwarzen Klotz in den oberen Etagen. Da ist es sehr angenehm. Anderes Thema, wie geht es eigentlich Liz? Sie hat ja ‘ne echt krasse Wandlung in den letzten Tagen durchgemacht. Haha, jetzt sind die Jungs und Mädels bei Horizon auch alles Nazis.“
„Tja sie hat‘s mit ihrem bescheuerten Körper echt nicht leicht, also hat es ihr gereicht. Aber ich glaube sie geht ein bisschen zu weit. Sie nimmt jetzt seit ein paar Jahren Mittel, die ihr die Haare am ganzen Körper ausfallen lassen und ihre Haut ganz weiß macht. Ich glaube sie hat sich ein bisschen zu sehr in die Gesichtslosen in dem Buch verliebt, aber Nova war immer schon ihre Lieblingsfigur gewesen.“
„Nicht das sie noch in echt zu einer wird, das wäre echt gruselig. Man ich hasse Spinnen.“
„Sie hat jetzt auch ‘ne riesige Tarantel als Haustier“
„Oh, lecker. Wie haste reagiert, als du sie das erste Mal gesehen hast?“
„Wie man erwarten würde, schwer panisch. Liz hat sich nur kaputt gelacht.“
„Und wie geht es deiner Tochter? Man, ich finde es einfach nur stark, das du die Kleine bei dir aufgenommen hast, nachdem sie ihre Familie verloren hat.“
„Tja, ich kann doch bei sowas nicht einfach zu sehen. Und wir haben uns sofort verstanden und eine gute Chemie zueinander. Und sie ist zwar etwas schüchtern, aber super willensstark und ehrgeizig. Und sieht knallhart aus wie Lara Croft. Und sie soll jetzt auch aufs BIT, sie macht gerade den Evaluierungskurs.“
„Cool, dann drücke ich ihr die Daumen, dass das was wird. Die sind verdammt gut und der Campus ist eine Festung. Da kommen die Clowns nicht so einfach rein. Ich hab gehört dass die jetzt einen Weltklasse Kletterer an Board haben. Die sind immer etwas komisch drauf, was neue Dozenten und Profs angeht, aber das Konzept zahlt sich aus.“
„Warte mal, bei dem Kletterer fällt mir was ein, kennst du dessen Truck?“
„Japp, die Sleeping Beauty kenne ich. Das ist übrigens ein Theta von unseren Kollegen aus Asien. Die machen sich einen Spaß daraus, alte Sowjetische Trucks aufzumöbeln. Das einzige was ich über die Kiste richtig weiß ist, dass Theta darin das 1.500 PS Dieseltriebwerk vom Leopard 2 Kampfpanzer verbaut hat. Macht die Kiste nicht unbedingt schneller, von daher frag ich mich was das soll. Und du brauchst reell nen Tanklaster hinter dir bei dem Verbrauch. Mehr kann ich dir leider nicht sagen. Unsere Technologieallianz tauscht zwar Technologien aber die Projekte der einzelnen Hersteller sind topsecret.“
Merkwürdig. Was hatte es dann wohl mit Yusuf auf sich?
„Ok großer, es wird schon dunkel draußen. Also mach dich mal auf die Socken. Falls noch irgendwas sein sollte melde dich ASAP bei mir. Und bring mal beim nächsten Mal zumindest die Kleine mit. Wir hängen dir jetzt den Anhänger an. Oh damn it, das hab ich ganz vergessen. Praktisch kannst nur du den Fahren, oder er fährt nur wenn du drin bist, außer er ist autonom unterwegs, da ist es Latte. Du entriegelst die Handbremse beim Blick in Rückspiegel und Griff ans Lenkrad. Die Türgriffe sind mit Handabdrucksensoren ausgestattet und merken wenn jemand rein will, der nicht rein soll. Du kannst die Türen verriegeln und entsperren und man kann alle Türen motorisiert öffnen, wenn du zum Beispiel an nem Hang stehst. Ok, dass müsste es jetzt aber gewesen sein. Und meine Jungs und Mädels aus der Marketingabteilung haben dir ein toll animiertes Video mit den Funktionen des Wagens gemacht und es befindet sich auf den Laptops im Handschuhfach. Und jetzt geht’s rund großer. Mach‘s gut.“
Damit umarmte Xen ihn herzlich und Kaz umarmte Tamara vorsichtig. Sie entschwand dann wieder aus der Halle und Xen hängte den Anhänger an und öffnete das Rolltor. Kaz stand einen Moment staunend vor seinem neuen Radpanzer mit Straßenzulassung und dachte nach.
„Sag mal Xen, was würdest du mir für meinen Defender geben?“
Xen dachte einen Moment etwas ratlos nach.
„Der 2040er als Topmodell? Bei dir wahrscheinlich in der vollen Geländevariante?“
Kaz nickte.
„Schwierig. Den brauche ich eigentlich gar nicht“ Er dache einen Moment nach „Wie wäre es damit, der Wagen bekommt ein Omega Upgrade und du bekommst wieder maximalen Rabatt. Dann hast du einen sicheren Zweitwagen, wenn du mal keinen zehn Tonnen Panzer brauchst.“
„Abgemacht. Hier die Schlüssel. Vergiss den Transponder nicht, der hat bestimmt auch GPS.“
„Jo weiß ich, das System kommt von Mulan, die hat auch diesen ekelhaft hässlichen Kasten in Berlin Solomon am Platz der Welt gebaut, in dem Liz wohnt. Dein Armband ist übrigens ein Slave Armband mit Transponder aber ohne GPS Einheit. Die schwarzen Masterbänder haben sowas und die bekommst du auch nicht mehr ab wenn du die einmal anziehst. Jetzt aber wirklich. Vergiss die Polizistin nicht und ich wünsche dir eine gute Fahrt. Und scheu dich nicht den Wagen so richtig zu testen.“
Xen entfernte sich und Kaz öffnete grinsend die schwere gepanzerte Wagentür. Moment, bevor er das tat würde er sich die AR Brille von Hal aufsetzen. Zehn Minuten später saß er auf dem äußerst bequemen Fahrersitz und sah sich staunend um. Alles war Blitzblank und es roch noch neu. Das Leder fühlte sich weich und geschmeidig aus. Die Innenausstattung war zum Verlieben. Er schob sein Prism 12 in den Schlitz am Armaturenbrett und es tat sich genau nichts, ach ja richtig, erst entsperren. Er legte die Hände aufs griffige Lenkrad und sah in den Rückspiegel. Sofort sprangen die Lichter an und auf dem Display in der Mitte erschien das Omega Logo. Er tippte ein bisschen neugierig auf dem Display herum. Dann drückte er vorsichtig aufs Gas und er Omega bewegte sich völlig Lautlos. Er fuhr auf den Besucherparkplatz und sah grinsend auf den sehr klein wirkenden Defender. Sorry Junge, wir sehen uns im nächsten Leben. Vor der Einfahrt hielt er inne.
„Hal?“
Fragte er den Raum und wartete einen Moment.
„Sie wünschen Sir?“
Ganz der Alte.
„Was kannst du mir zu meinem Schatten sagen?“
„Andrea Wolf, 34 Jahre alt, Kriminalbeamtin und Mitglied eines vierköpfigen Teams. Ihr Stiefvater ist der Polizeipräsident von Berlin, ihr wahrer Vater war Soldat bei der Bundeswehr, damit ist sie ein Risikoziel für die Clowns. Sie und ihr Team scheinen nicht korrupt zu sein und sie ermitteln im Fall des versuchten Mordes an Jack und Ryan Solomon und Margarethe und Yolanda Bluhm. Zumindest haben sie ermittelt. Sie wurden vom Präsident vorläufig suspendiert, weil sie trotz Verbot weiterermittelt haben.“
„Besten Dank mein Guter, du hast mir sehr geholfen.“
Sicherheitshalber schob er sich das Kampfmesser in die Tasche, falls die Kleine Ärger machen sollte.
Dann stieg er aus und näherte sich dem Wagen, den Xen ihn genannt hatte.
Oha, da saß die Frau mit den kurzen Haaren drin, die ihn gestern im Café beobachtet hatte. Sie wirkte sehr erschrocken als er zielstrebig auf ihren Wagen zuschritt. Unsicher stieg sie aus, vermutlich hatte sie ihre Dienstwaffe in den Hosenbund geschoben. War ihm egal, Auf die Entfernung war ein Messer schneller und tödlicher.
Sie trug lockere Jeans und ein grünes Top mit einem offenen schwarzen Hoody.
„Ich gebe es zu, dass ich nicht bemerkt habe wie sie mich hierher verfolgt haben, aber das war doch ein bisschen zu auffällig, meinen sie nicht?“
Sie wirkte etwas zerknirscht.
„Was machen sie hier?“
„Inoffizieller Zeugenschutz. Sie sind Teil der Solomonfamilie und ein wichtiger dazu. Ich weiß ja das die Polizei größtenteils korrupt ist und duldet was die Clowns da machen, aber so will ich nicht sein.“
„Sorry ich brauche keinen Schutz. Um ehrlich zu sein wären sie tot, bevor sie überhaupt die Chance haben ihre Waffe in der rechten Gesäßtasche zu ziehen – glücklicherweise machen sie mir einen vernünftigen Eindruck. Außerdem fahre ich jetzt einen sehr mächtigen Omega, da brauche ich ihren Schutz weiß Gott nicht.“
Sie wich erschrocken vor ihm zurück und ihre Augen weiteten sich, er hob entschuldigend die Arme.
„Wenn sie wirklich etwas Gutes tun wollen dann kämpfen sie gegen die Korruption in ihrem Präsidium. Ich gebe ihnen einen Prism Rogue. Gehen sie damit in ihr Büro im Präsidium, loggen sie sich in WLAN oder verbinden sie es per USB mit ihrem Rechner. Das Rogue macht den Rest und knackt sich in das System. Dann können sie in Ruhe Material sammeln um ihre korrupten „Freunde“ und ihren Papa schwer zu belasten. Auf dem Rogue können sie mich unter dem Namen meines Haustiers Kasimir erreichen. Fahren sie vorsichtig oder checken sie für die Nacht in ein Hotel und fahren sie morgen.“
Sie wirkte ein bisschen gefasst, nickte dann aber schnell und stieg in ihren Wagen. Er sah ihr hinterher während sie davonfuhr, dann stieg er seinen Omega.
Wohin jetzt? Es war jetzt fortgeschrittener Abend. Er dachte an den vollgepackten Wagen samt Anhänger. Ihm kam da gerade eine Idee, Ja die war gut. Er grinste und das schwere zehn Tonnen Monster schoss regelrecht aus der Einfahrt.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 11

11. Jack – 1.W. April 2045 – Montagabend.

Ihm ging das alles irgendwie eine Spur zu schnell. Kaum erholte er sich von dem tollen Essen im Haus der Welt da riss ihn seine Mutter auch schon aus dem Schlaf und ging mit ihm einen wahnsinnig langen Fragebogen durch. Für die neue Schule natürlich, mit Fragen zu seinen Interessen und Hobbys und was er gerne aß und was nicht und so weiter. Den hatte Emma dann auch sofort abgeschickt und ihn ermahnt ein paar Klamotten zusammen zu packen und auf gar keinen Fall das Haus zu verlassen.
Tja er hatte den restlichen Tag gelesen und gezockt und ein paar von Kaz alten Videos angesehen.
Es war einfach immer so unfassbar befriedigend wie Haushaltsgegenstände in super Slowmotion in Fetzen gerissen wurden. Er wünschte sich Adrian wäre eins dieser Objekte gewesen. Ryans Zustand hatte sich dramatisch verschlechtert und die Ärzte wussten überhaupt nicht mehr ob er durchkommen würde.
   Ihm war zum Heulen, sein Bruder und sein bester Freund lag im Sterben und die Welt verdammte ihn als gefährlichen Mörder, während der wahre Mörder frei herumspazierte. Wie gerne würde er auf diese hässliche Visage einschlagen, bis nur noch Brei übrig war.
Um acht nach dem Abendbrot hatte ihn seine Mutter zusammen mit Akira zum BIT gebracht. Ihm war‘s egal, wichtig war nur dass er irgendwas zu tun bekam um auf andere Gedanken zu kommen.
Das BIT war von außen so ein riesiger Kasten und ihm war etwas mulmig gewesen als er die schwerbewaffneten Wachleute sah, aber was sollte das? Er wollte zum KSK und böse Jungs abknallen. Klar gehörte da viel mehr dazu, aber das wollte er nur mal so gesagt haben.
Man hatte sie empfangen und in einen großen Raum mit mehreren Tischen und Umkleidekabinen geführt wo sie ihre neuen Sachen anziehen sollten. Bei Ihm ein Anzug in Weiß und Schwarz und einen affigen Schlips in Unifarben. Die Mädels trugen ebenfalls Sachen in den gleichen Farben nur eben Röcke, Blusen, lange bunte Strümpfe und trotzdem auch Krawatten. Schöne Bescherung. Und sie durften auf dem Gelände auch keine anderen Sachen tragen, außer den Sachen, die man ihnen zur Verfügung stellte. Wozu hatte er dann sinnloserweise gepackt?
   Egal. Dann wurden sie ins Internat geführt was ein nicht minder riesiger Kasten war. Er würde sich ein Zimmer mit jemandem teilen müssen, den er noch nicht kannte. Derweil kamen Amber und Akira in ein Zimmer. Er schnallte die Kombi mit Amber und Akira nicht, sie waren nicht gleich alt und ihre Interessen? Ach keine Ahnung. Aber er bezweifelte dass sich Amber für Videoschnitt und Techreviews interessieren würde.
   Sein neuer Zimmergenosse war Sergej. Er war Russe und schon achtzehn, wenn auch erst seit Januar und er war Sohn des russischen Verteidigungsministers, zumindest der jüngste Sohn. Er nickte grimmig, er hatte im November Geburtstag und kannte das Problem mit dem eng beieinander liegenden Geburtstag und Weihnachten, sowas dämliches. Er beneidete Akira und Amber die beide im Sommer Geburtstag hatten.
   In einer Sache verstanden sie sich schon mal auf Anhieb: Sergej wurde von der Schule geschmissen, nachdem er ein paar Clowns heftig vermöbelt hatte, die seine Freundin angrabbeln wollten. Sergej war ebenso wie Jack sehr sportlich, aber fast so groß wie Kaz und wie ein Kleiderschrank gebaut, Jack war viel schlanker. Sergej war bestimmt ein guter Boxer. Und sie waren beide Zocker, waren Militärfans und lasen gerne. Der Russe war hier schon seit über einem Jahr.
   Also gab es hier anscheinend so eine Art Matchmaking System. Das Zimmer war gemütlich mit der einen Wand mit vielen Schränken und Schubladen und einem Etagenbett. Er würde oben schlafen, Sergej hatte Höhenangst. Unter dem großen Fenster ein großer Tisch mit super bequemen Drehstühlen, gut für einen Laptop oder fürs Lesen oder Hausaufgaben, sofern sie hier welche bekommen würden. Auf der anderen Seite gab es einen bequemen Sitzbereich mit einem flachen Tisch und noch mehr Regale. Das Bad war nicht riesig aber ziemlich gut ausgestattet, mit einer barrierefreien Dusche und ganz gut Stauraum.
   Auf dem Tisch hatten ihn ein paar echt coole Sachen erwartet. Ein nagelneues Prism 12 mit Schutzhülle in den Schulfarben. Ein Spectre Gaming 12, ein schickes nicht zu fettes Gaminglaptop.
Das musste er sofort ausprobieren und er startete einen Speedtest. Ihm klappte die Kinnlade runter, 10 Gigabyte Up- und Download und das im WLAN. Das war ja der Hammer. Zum Testen installierte er Steam, was problemlos ging und ihn sehr verwunderte, kein Admingedöns und alles. Der uralte Tombraider Teil war ja wirklich binnen Sekunden runtergeladen. Krass. Er dachte an die miese Leitung Zuhause, immer noch 8 Mb down und 1 MB up und das im Jahre 2045. Bei den Datenmengen heutiger Spiele war das echt zum heulen, die luden regelmäßig echt tagelang. Und der Laptop hatte eine 40 TB SSD, 256 GB Arbeitsspeicher und einen superschnellen 40 Kern Prozessor, sowie ein helles 17 Zoll Touchscreendisplay mitsamt Stift. Er war echt platt. Und dann natürlich nicht die Gamingmaus und das Wireless Gaming Headset und die Bluetooth Sport Kopfhörer zu vergessen, alles von Logitech aus dem HighEnd Bereich. Die Uni machte es ihm echt nicht leicht wieder nach Hause zu wollen.
   Und er fand auch einen Stapel mit einem Sportoutfit samt zwei Paar Schuhen und einem Freizeitdress für Freizeit eben. Wow. Das Zeug, besonders die Elektronik waren viele Tausend Euro wert, mindestens. Sergej erklärte ihm, dass er das Prism 12 auch als Schlüsselkarte für Türen, Spinde oder die Kantine verwenden könnte. Er dachte an sein schrottiges Uralt Handy, tja, dann würde er die Kontakte und die Daten übertragen und das alte Kackteil dann genüsslich entsorgen.
Er wusste die Specs von dem Prism 12 aus dem Kopf. HighEnd aller erster Güte. 64 Kern Arm Prozessor, 128 GB Ram, 24 TB Speicher, eines der besten Kamerasysteme die man für Geld kaufen konnte, Akku der praktisch unendlich lange hielt, stoßfest, fallsicher, Wasserdicht bis sechs Meter und lud natürlich kabellos. Kompatibel mit VR und AR Brillen der neusten Generation. Und an den Anschluss konnte man diverse Erweiterungshubs anschließen. Das war ein Supercomputer von der Größe einer Schokoladentafel. Einfach nur krank. Und das hatte er jetzt, einfach so und es gehörte ihm – zumindest wenn er genommen würde.
   Etwas säuerlich dachte er daran, dass sich Manfred Bluhm noch Bedenkzeit nehmen wollte, also waren Margarethe und gerade seine Freundin Yolanda nicht mit von der Partie. Er sah zu Sergej der auf dem Sofa ein Manga las. Er schnappte sich sein Prism 12 und prüfte ob seine Schlüsselkarte an ihrem Platz war. Sicher war sicher.
   Der Gang war hell erleuchtet und überall standen Blumen und Pflanzen herum. Im Zimmer rechts von ihm waren Akira und Amber.
   Er klopfte an die Zimmertür und nach einer Weile wurde ihm von Akira geöffnet.
„Was machst du denn hier? Geh doch woanders spielen. Ach man, du gibst ja eh keine Ruhe. Ok, komm rein.“
Er trat in ihr Zimmer ein und sah sich um, es war genauso geschnitten wie ihrs, nur Spiegelverkehrt.
Belustigt sah er dabei zu wie Amber eine dicke Pelzdecke auf das obere Bett auslegte. Au man, hatte die auch so einen Knall mit dem Zeug wie Liz? Und es war immer noch der totale Schock, sie mit so kurzen blond gefärbten Haaren zu sehen. Ihre lange Zottelmähne war viel toller gewesen fand er. Aber sie war auch so sehr süß. Jetzt sah sie ihn an, oh man hatte er sie echt die ganze Zeit lang angestarrt? Wie mega peinlich war das denn bitte. Wie war das eigentlich, sie war doch technisch nicht mit ihm verwandt und nur so auf dem Papier. Würde Kaz ihn lynchen wenn er etwas mit seiner bezaubernden kleinen Tochter anfangen würde? Naja, er vielleicht nicht aber Yolanda bestimmt, sie war einfach nur schrecklich eifersüchtig, was ihn des Öfteren auf den Keks ging.
Amber ging auf ihn zu und blieb vor ihm stehen. Sie war viel kleiner als er, fast einen ganzen Kopf. Aber sie wirkte überhaupt nicht zerbrechlich auf ihn. Und in ihren Augen loderte es.
Mensch, du hast es hart. Mein Bruder kämpft ja nur mit dem Tod aber bei dir hat man gleich die ganze Familie abgeschlachtet. Ich frage mich echt wie du dich fühlst.
„Wie fühlst du dich Amber?“
Sie dachte einen Moment nach.
„Ich finde es doof, dass ich nicht bei Papa sein kann, aber ich finde es gut hier und Liz hat mir eine Decke geschenkt. Guck mal da oben, ist die nicht schön?“
Er starrte sie an. Wie konnte sie nur so ausgelassen sein, nachdem was mit ihrer Familie passiert war? Er dachte an Ryan. Wie er sich wohl fühlen würde, wenn er sterben würde? Fuck, denk doch nicht daran. Aber es würde sich bestimmt so anfühlen, als hätte man ein großes Stück aus ihm herausgerissen.
„Habt ihr schon den Stundenplan für die nächsten Tage gesehen?“
Amber und er schüttelten den Kopf. Zeig mal her Zicke. Warum war er eigentlich so gemein zu Akira, eigentlich mochte er sie doch ganz gern. Jedenfalls war er immer noch schadenfroh darüber, dass ihre Regenbogenmähne weg war. Aber ganz so kurz hätte sie ja trotzdem nicht gehen müssen.
Akira zeigte ihnen den Stundenplan, der galt bestimmt in der Form für sie drei. Er stutze. Aufstehen um fünf. Danach eine halbe Stunde Workout und um sechs Frühstück. Dann kam leider eine ganze Menge Theorie am Dienstag. Am Mittwoch stand Sport auf dem Plan und Donnerstag psychologische Gespräche. Freitag gab es noch eine Auswahl ihrer Wahlkurse und dann würden sie dann erstmal packen. Ob sie zumindest die Smartphones mitnehmen durften? Hoffentlich. Und hoffentlich wurden sie von der Schule aufgenommen. Aber er konnte sich nicht vorstellen dass es nicht so war. Die Familie Solomon war durch den Megakonzern Horizon bestimmt sehr wichtig gewesen. Unten am Tor hatte er das Schild mit den Sponsoren gelesen. Prism, Spectre, Horizon, Omega, eine Reihe von griechischen Buchstaben die ihm nichts sagten, die Flaggen einige Bundesländer und so weiter. Außerdem waren sie ja in einer Notlage.
   Mal gucken ob das Essen hier was taugte und mal gucken wen sie für Sport bekamen. Er hatte gehört, dass hier einige Ex Specialforces aller Nationen arbeiteten. Kaz hatte am Sonntag von einem Russen erzählt, der bei den Spetsnaz gewesen war und hier Sport unterrichtete – coole Sache. Wie viele SEALSs und KSK Operatoren hier lehrten? Im fiel etwas es.
„Sollen wir uns das Gelände nochmal angucken, bevor wir ins Bett müssen?“
Die beiden Mädchen sahen sich ein und nickten dann gleichzeitig, die Chemie der beiden war ziemlich gut schien es ihm. Sie gingen aus dem Zimmer der Mädchen und fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten ins Erdgeschoss. Hier gab es für die Internatsschüler eine eigene Mensa, wie man ihnen vorhin erklärt hatte. Sie spazieren über den Campus, jetzt war es schon nach neun, allzu lange konnten sie also nicht hier draußen bleiben, wenn sie morgen fit sein wollten.
   Er wollte unbedingt den Sportpark sehen, die anderen seltsamerweise auch, die Mädchen hätte er gar nicht so eingeschätzt. Nicht das Akira unsportlich war, aber dass sie jetzt so sportversessen war fand er komisch und Amber konnte er einfach gar nicht einschätzen. Er fand sie sehr faszinierend. Sie hatte etwas sehr fremdartiges an sich, was nicht daran lag, dass sie aus Montana in den USA stammte. Nein irgendwie spürte er dass da mehr war, aber er wusste nicht so genau was.
Der Sportpark war riesig, wenn auch nicht sehr Parkartig grün. Aber er starrte auf den hohen Turm mit mindestens dreißig mal fünfzig Meter Grundfläche bestimmt über hundert Meter in die Höhe ragte. Zwei Seiten waren verglast und an den beiden anderen waren Kletterparkoure angebracht.
Plötzlich hörten sie schnelle Schritte, wie wenn jemand rannte. Sie sahen sich um und wie aus dem Nichts schlitterte ein Araber in viel zu dünnen Klamotten über den flachen Steinboden vor ihnen durch die Nacht und rappelte sich auf. Neugierig sah er sie an und kam auf sie zu. Wer zum Henker war das denn bitte? Moment Mal, das war doch der verrückte Araber den sie am Sonntag beinahe überfahren hatten. Was machte der denn hier?
„Seit ihr die Kinder der Familie Solomon?“
Sein Englisch war ausgezeichnet. Jack nickte verwundert.
„Klasse, ich bin euch als einer von zwei Klassenlehren zugeteilt. So wie ich das Verstanden habe sind die Klassen gemischt und bleiben bei einigen Unterrichtsfächern zusammen und bei anderen nicht. So was treibt ihr um diese Uhrzeit? Wollt euch wohl das Gelände ansehen. Ok, ich begleite euch, aber nur wenn ihr drei in meinen Parcour Kurs kommt. Kommt mit ihr müsst in nicht allzu ferner Zeit ins Bett“
Der Araber lachte etwas gackernd und strahlte sie an. Oh man. War das nicht dieser Weltklasse Kletterer und Parcour Sportler. Und DER war ihr Klassenlehrer? Wie geil war das denn?“
Was für eine Frage, natürlich folgten sie ihm. Und so spurteten sie über das nächtliche Gelände.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 10

10. Kaz – 1. W April 2045– Montagmorgen

Kaz Wecker ging um sechs und er gähnte und streckte sich genüsslich. So langsam wurde er mit dem Gedanken warm, unter einer dicken Pelzdecke zu schlafen. Und im Sommer? Er dachte daran, dass die gesamte Wohnung an eine Klimaanlage angeschlossen war. Also konnte man den Raum selbst im knallenden Hochsommer schön runterkühlen.
   Er schlug die Decke zurück und stand auf. Gestern Abend (oder heute Morgen?) hatte er noch die Entwürfe mit einer sehr kryptischen Nachricht an seinen Bruder geschickt. Der war künstlerisch noch talentierter als er und er war maßgeblich daran beteiligt gewesen, sein Buchuniversum mit Leben zu füllen. Nach dem vierten Band hatten sie ein paar Bildbände und Sachbücher mit den Wundern seiner ausgedachten Welt veröffentlich, darunter auch ein dickes Buch mit Risszeichnungen der ganzen Flieger, Fahrzeuge, Panzer und der „Hornets“. Er wollte gar nicht daran denken, wie viele Nächte sein kleiner Bruder am Grafiktablet verbracht hatte, anstatt bei Frau und Kind zu sein. Bestimmt so einige, sein Bruder war der totale Workaholic und brauchte glücklicherweise nur wenig Schlaf. Mal gucken welchen Spin er der ganzen Sache noch geben würde. 
   Liz hatte doch bestimmt die Bücher, darin würde er bei Gelegenheit mal wieder stöbern. Er verband so viele tolle Erinnerungen und Geschichten mit den Büchern.
   Er griff nach seinem Prism 12 und entsperrte es. Oho, Nachricht von Liz. Sie hatte ihm ein paar Selfies heute Morgen geschickt. Tja, in dem Outfit brauchte sie definitiv keine Bodyguards mehr, die sah ja richtig furchteinflößend aus. Wie dann nur die Sachen aussahen, die sein Bruder aus dem Ärmel schütteln würde. Er grinste Breit und zog sich etwas über.
   Frühstück? Ach ja da war ja was, die Reservierung im Cafe mit dem tollen Frühstücksbuffet, von dem ihm Liz vorgeschwärmt hatte. Im großen Wohnzimmer erwartete ihn Amber und sie machten eine halbe Stunde Sport, hier im Wohnzimmer war jede Menge Platz und mit dem Geländer oben waren auch Klimmzüge möglich. Akira stieß später dazu und sah ihnen von oben aus zu.
Dann gingen sie der Reihe nach ins Bad und zogen sich etwas an. Als sie um kurz vor sieben vor der Wohnungstür standen, fragte er in die Runde.
„Und wisst ihr schon welche Frisur ihr beide haben wollt?“
Die beiden sahen sich einen Moment verschwörerisch an und nickten dann grinsend. Oje, das konnte bestimmt nichts Gutes heißen. Er nahm seinen Laptop mit, wer wusste schon wie lang die beiden brauchen würden. Aber immerhin bedeutete das, dass sich die beiden ganz gut verstanden.
Dieses Mal fand er mit Bestimmtheit den Aufzug und sie fuhren ins Erdgeschoss hinab.
   Sie schlenderten durch die das Einkaufszentrum und zum Café im zweiten Geschoss. Sie hatten einen schönen Tisch mit einem Fenster nach draußen zum Lichthof. Kaz entdeckte sofort das riesige Buffet, das köstlich duftete. Er dachte an das geile Steak gestern und seit Magen brummte. Sie waren definitiv nicht die einzigen und sie stellten sich schnell an, um nicht in das Gedränge zu geraten.
Kaz stellte fest, dass seine Nichte auch ein kleiner Nimmersatt war, so wie er und Amber auch. Das Essen war echt lecker und er konnte nicht genug bekommen. Beim vierten Gang zum Buffet dachte er grinsend daran, dass sie für das Buffet eine Pauschale zahlten und nicht für die Menge an verputzten Köstlichkeiten.
   Kurz vor acht brachen die Mädchen auf, Akira strich sich noch einmal etwas traurig durch ihre toll gefärbten Haare. Kaz brachte die Teller weg und ließ sich bei der Kuchenauswahl beraten. Der Zitronen- Baissekuchen klang lecker und er bestellte es zusammen mit einem Milchkaffee.
Er bemitleidete Akira sehr, ihre Haare waren einfach umwerfend, aber Bildung war dann doch vielleicht noch ein Zacken wichtiger als das. Und bei Amber hatte er ein schlechtes Gefühl, ihre lange Zottelmähne sah einfach so toll aus – die würde er echt vermissen. Er lehnte sich in die Bequemen Polster zurück und sah sich um. Einen Tisch weiter unterhielten sich eine Gruppe Mädchen, von denen die jüngste vielleicht in Ambers Alter war, lautstark auf Russisch. Die rechte, die mit dem Rücken zu ihm saß, hatte ein Schulterfreies Oberteil an und er sah den schwarzen verzerrten Totenkopf auf ihrer linken Schulter eintätowiert. Das Symbol der schwarzen Geister aus seinem Buch, das auch die Einbände zierte. Er schmunzelte und öffnete seinen Laptop mit einem groben Skript für seinen neuen Roman, der wieder im in seinem Science-Fantasy Universum spielte, dass mit Band vier eigentlich zu Ende war. Aber er konnte seine Figuren natürlich nicht in Ruhe ihren Lebensabend genießen lassen. Was wohl Nate, Ted, Liz, Noah und die restliche Rasselbande trieben?
Er fragte sich ob es ihm Liz übel genommen hatte, dass ihre Figur im Buch eine bildhübsche aber kannibalische Mörderin war. Sie hatte sich zumindest nicht bei ihm beschwert, oder sie nahm es einfach sehr gelassen. Mal gucken was er dieses Mal mit ihnen vorhatte. Vielleicht war es doof und unklug, die Serie wieder aufzugreifen, aber im vierten Band hatte er bewusst nicht alle Fragen ganz beantwortet. Dabei grinste er breit. Er sah auf als der Kuchen und sein Kaffee serviert wurden und er bedankte sich, er aß ein Stück vom Kuchen und stöhnte genießerisch auf, der war ja fantastisch. Tja, das würde heute wohl nicht der einzige Kuchen sein, der in seinem Magen verschwand.
Er nippte an seinem heißen Kaffee, der auch sehr gut war und schlug ordentlich in die Tasten, jetzt gerade war sein Kopf voller Ideen.
   Er war so vertieft, dass er nicht bemerkte, wie zwei Mädchen neben seinem Tisch standen und ihn breit angrinsten. Er warf einen verwirrten Blick auf die Uhr, ui schon fast zehn. Moment Mal, er besah sich die Mädchen genauer und ihn traf der Schlag. Das waren definitiv Amber und Akira. Und von ihren langen Haaren war rein gar nichts mehr übrig, beide hatten eine annährend ähnliche Frisur mit super kurz geschnittenen Seiten und Nacken und etwas längerem Deckhaar. Das war bei Amber gerade lang genug um sich die Strähnen hinters Ohr zu schieben und alles in Platinblond. Und bei Akira war das Deckhaar super kurz, vielleicht vier oder fünf Zentimeter und stachlig mit Gel frisiert, ihr Haar war ebenfalls Platinblond. Die beiden setzten sich zu ihm an den Tisch und er musterte sie neugierig. Er klappte den Laptop ein und räumte ihn weg.
„Mensch ihr seht so ungewohnt aus, steht euch gut, aber du Akira hättest es wohl kaum noch Kürzer schneiden lassen. Ich werde wohl eine Weile brauchen, bis ich mich daran gewöhnen werde.“
„Naja, ich kann mir immer noch eine Glatze machen, so wie Tante Liz.“ Sie zwinkerte ihm zu.
„Ok ihr beiden, wollt ihr noch ein Stück Kuchen und einen Kaffee oder ne heiße Schokolade?“
Die beiden sahen sich an und nickten, Kaz rief nach dem Kellner und die beiden bestellten Kuchen und jeweils eine heiße Schokolade mit Sahne.
„Na was habt ihr Mädels jetzt vor? Der Tag ist jung.“
„Ich hab mit Amber schon darüber gesprochen, können wir uns ein bisschen die Stadt ansehen? Jack, Yolanda und Sahid und natürlich Nate von der Security sind mit von der Partie? Sie holen uns um elf hier ab.“
„Klar könnt ihr das, wenn Nate dabei ist mache ich mir keine Sorgen, der kommt mit ein paar Kindern und einem verrückten Araber gut klar. Macht euch einen schönen Tag.“
Die beiden strahlten. Es freute ihn, dass Amber so schnell schon eine scheinbar so gute Chemie mit Akira hatte. Er hatte schon befürchtet Amber würde sehr lange brauchen um hier in Deutschland Anschluss zu finden.
   Die Leckereien wurden gebracht und die beiden machten sich mit sichtbarem Genuss über die Sachen her, gefolgt von etwas zufriedenen Schmatzen und lautstarkes Schlürfen der scheinbar köstlichen heißen Schokolade. Kaz wurde warm ums Herz.
Um Elf kamen die anderen und die waren total baff als sie die frisch frisierten Mädchen sahen. Sahid schien ein bisschen unter Schock zu stehen, taute aber auf, als seine Freundin ihn mit Küssen eindeckte. Amber wirkte etwas unsicher aber Kaz drückte sie fest und versicherte ihr, dass alles gut werden würde. Sie umarmte ihn fest und er strich ihr eine blonde Strähne aus der Stirn.
Kaz umarmte auch Jack. Eine Schande, dass sie gestern gar nicht so richtig Gelegenheit gehabt hatten sich zu unterhalten und näher kennenzulernen, das musste er dringend nachholen. Er mochte den Jungen sehr, er hatte viel Potential und die Sache mit seinem Bruder war so eine Schande.
Er schüttelte Nates Hand und der ex Soldat salutierte grinsend vor ihm, dann ging er mit den Kindern und Sahid raus und in die Stadt. Kaz bestellte sich noch eine eisgekühlte Cola und trank diese beinahe in einem Zug aus, dann bezahlte er die absurde Rechnung und gab der lächelnden jungen Kellnerin ein sattes Trinkgeld. Er schnappte sich seinen Laptop und ging raus. Dabei fiel ihm eine junge Frau mit einer schicken schwarzen Kurzhaarfrisur auf, die in einer Ecke saß und ihm nachsah. Wer das wohl war? Vermutlich irgendein Fan. Er ging erstmal nach oben zur Wohnung um sich etwas Anderes anzuziehen. Beim Briefkasten hielt er inne, hatte er die Befugnis den Briefkasten zu leeren? Bestimmt schon, immerhin wohnte er jetzt quasi hier. Er hielt das Armband an den Briefkasten und der klappte mit einem lauten Klacken auf. Gleich vier Sachen, zwei Postkarten und ein etwas dickerer Briefumschlag und ein schmales Päckchen, alles an ihn adressiert, erstaunlich. Gespannt ging er ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa ohne Pelzdecke. Die eine Postkarte zeigte das BIT und Yusuf lud ihn auf einen Tee ein und hinterließ ihm seine Kontaktdaten. Die andere zeigte mit polnischem Nationalstolz eine Luftaufnahme der Omega Hauptwerke in Polen und war von Xen, der ihn in Deutschland begrüßte und ebenfalls einlud ihn zuhause in Polen zu besuchen und nicht zu vergessen, seinen Omega endlich abzuholen, der schon seit ein paar Monaten auf ihn wartete. Kaz tippte die Adresse in sein Handy. Huh, das war ziemlich weit im Osten in irgendeinem kleinen Kaff. Na gut, dann würde er da mal bei Gelegenheit vorbeizockeln, aber dafür würde er einen fahrbaren Untersatz brauchen.
   Der Brief war aus Moskau und von Anna. Er seufzte und riss gespannt den Umschlag auf und schüttete den Umschlag auf den Tisch. Ein paar Fotos und ein handgeschriebener Brief. Er betrachtete grinsend die Bilder, die würde er Liz besser nicht zeigen, die würde knallhart eifersüchtig werden … und Amber auch nicht, dafür hatte Anna auf den Bildern zu wenig an. Aber es waren auch ein paar ganz unschuldige Bilder dabei, wo eine Russin in seinem Alter mit langen blonden Haaren und warmen beinahe türkisen Augen in die Kamera strahlte, kein Makeup. Anna war eine sehr natürliche Schönheit und sie war ein Topmodel, jedenfalls war sie es bis vor drei Jahren gewesen, dann hatte sie sich zurückgezogen und mit dem Fotografieren angefangen. Und ein bisschen Instagram natürlich auch, aber sie hatte eine eher bescheidene Anzahl an Followern.
Er kannte Anna schon sein halbes Leben und die erste Begegnung war knapp an der totalen Vollkatastrophe vorbeigeschrappt. Aber sie hatten sich schnell gefangen und sich ineinander verliebt. Tja, Liz war zwar definitiv seine beste Freundin, aber Anna war die Liebe seines Lebens.
Sie war lieb und nett zu Tieren, offen, treu, warmherzig, hatte ein tolles Lachen und eine noch tollere Stimme. Er liebte sie über alles, er musste sie dringend mal wieder besuchen, oder sie ihn.
Sie war Russin und mittlerweile recht wohlhabend, ob sie wohl auch so sehr in Pelze vernarrt war wie Liz? Kann gut sein, aber andererseits wohnte sie in einer sehr bescheidenen kleinen Wohnung und fuhr einen uralten schrottigen Lada. Als er ihr tolles Foto betrachtete vermisste er sie sehr.
Er würde die Fotos verstecken. Ihr Brief war in ihrer feinen Mädchenhandschrift auf Deutsch geschrieben. Er lächelte warmherzig als er die Zeilen überflog. Sie vermisste ihn ganz schrecklich und würde ihn so gerne wieder in die Arme schließen. Ihn und seine Tochter Amber.
Sie hatte am Ende des Briefes einen dicken Schmatzer mit rotem Lippenstift hinterlassen. Er hielt das Papier an seine Nase, es roch nach ihrem tollen Parfüm … und ihrer muffigen Wohnung. Er grinste breit und faltete den Brief und versteckte ihn mitsamt den Fotos in seinem Koffer.
Dann öffnete er das kleine Päckchen und fiel fast hinten über. Ein Autoschlüssel für einen Defender 2040 und ein Bild von seinen Geschwistern und Liz. Er drehte das Bild um.
„für unseren liebsten großen Bruder/Freund. Geschenk wartet in der Tiefgarage auf dich.“
Oh man, was für Pappnasen. Den musste er gleich mal auskundschaften. Und er wollte sich das Fitnesscenter und das Schwimmbad ansehen. Emma hatte ihm gestern eine tolle Neuigkeit erzählt, dieses Haus war gar nicht von ihr. Ein internationales Büro mit Sitz in Taiwan hatte den Zuschlag bekommen, aber sie hatten sich stark an Emmas Entwurf aus ihrer Master Arbeit orientiert. Er grübelte über die Bedeutung nach. Zumindest war das hier ein richtiger Bunker, Die Fensterscheiben waren irrsinnig dick, von den Wänden und Decken ganz zu schweigen. Und das Sicherheitssystem war erstklassig, wahrscheinlich das Beste der Welt. Da hatten bestimmt Lara oder Mulan ihre Finger im Spiel gehabt, er würde Hal bei Gelegenheit mal fragen.
   Er speicherte sich Yusufs Daten schnell ein und ging dann mit seinem Rucksack unterm Arm los. Ansehen, nicht trainieren oder schwimmen. Im Fahrstuhl drückte er auf Untergeschoss und sie schossen nach unten. Er landete in einem großen Lichthof. Anscheinend war der Boden um den Springbrunnen aus Glas. Unter dem Brunnen war ein hoher breiter Zylinder aus Beton mit einer eingelassenen Wartungstür. Hier war auch viel Licht und Grün und es gab Gelegenheiten zum Sitzen.
Schilder führten ihn zu den Kellern, zur Tiefgarage und zum Schwimmbad und zum Studio. Er ging erstmal zum Schwimmbad. Er drückte die schwere Tür auf und erstarrte. Er stand in einem breiten Gang mit einem riesigen Aquarium mit einer Korallenriff Landschaft. Er trat näher heran und beobachte einen sichtbar gelangweilten Hai der durch das Becken schwamm, zusammen mit einer Myriade anderer farbenfroher Fische. Zu seiner linken war eine hohe Glaswand und er sah hindurch.
Liz, ein paar Bahnen? Kleines Schwimmbad? Was zum Henker ist für dich denn bitte klein?
Er starrte auf eine riesige unterirdische Halle, deren Decke rund 15 Meter hoch sein musste. Er sah sechs 50 Meter Bahnen, Einen großen Freizeit-Bereich mit Kletterburgen, Wasserbahnen und Rutschen. Whirlpools und eine Entspannungsoase. Nicht zu vergessen eine Lounge mit Bar und Imbiss. Ein richtiges großes Schwimmbad – unter der Stadt. Durch große Oberlichter in der Decke fiel helles Tageslicht. Einfach nur wow. Es war um die Uhrzeit sogar schon einiges los. Schwimmer zogen ihre Bahnen, Kinder plantschten und Jugendliche gaben sich Wasserschlachten.
Er las die große Informationstafel neben dem Eingang. Oho, das Bad war rund um die Uhr geöffnet und die Eintrittspreise waren gar nicht mal so teuer und für Hausbewohner kostenlos, inklusive Benutzung der Snackbar. Das klang doch ausgezeichnet.
   Er ging wieder raus durch die elektronische Tür und in die andere Richtung zum Studio. Hier war es ähnlich, wieder ein breiter Gang mit Fenster und wieder ein Terrarium, diesmal mit Kriechtieren und anderem Viehzeug. Er betrachtete den Waran, der schlapp auf einem Ast pennte, gut so, würde ich an deiner Stelle auch machen. Schmerzlich dachte an seine große Terrorechse (wie Liz ihn nannte) Kasimir, den er auf seiner Ranch zurücklassen musste.  Was das Vieh wohl trieb?
Egal, er sah durch die Scheibe und staunte nicht schlecht. Wieder so eine Riesenhalle. Ein mehrstöckiges offenes Studio mit unzähligen Geräten. Dazu verschiedene Parcours auf der freien Fläche und eingerahmt von einer hohen Kletterwand. Es gab auch hier eine Theke oder Bar, wo man sich Shakes holen konnte. Es war einiges los. Er beobachtete einen Freeclimber an der hohen Mauer und dachte an Yusuf. Auch hier gab es große Oberlichter.
   Das Studio war auch ganztäglich geöffnet. Na dann könnte er hier jeden Tag vor dem Frühstück zum Trainieren herkommen. Er würde seinen Rhythmus etwas umstellen und sich von 4:30 auf 6:00 gewöhnen, dann würde er einerseits Liz mehr sehen und könnte andererseits jeden Tag bei dem tollen Café von vorhin frühstücken. Er wusste jetzt schon, dass seine Faulheit siegen würde und er ins Café zum Essen ging anstatt sich selbst etwas zu machen, aber dafür war das Buffet auch einfach so verdammt lecker gewesen.
   Er riss sich los und ging in die Garage. Die ging über mehrere Etagen. Überall nur schwere Geländewagen und Supercars, so viel zu grünem Viertel und so. Bei „3-VII“ blieb er irritiert stehen. Drei Stellplätze … was war denn das für ein Exzess? Reichte ein teurer Wagen nicht?
Jedenfalls erblickte er sofort den schweren Land Rover Defender 110 der Edition 2040 in Olivgrün. Mit Seilwinde und schwerem Dachträger und allem. Grinsend stieg er ein und startete den volltönenden Motor, es war voll aufgetankt worden. Er tippte die Adresse vom BIT ins Navi ein und navigierte zum Ausgang wo das schwere massive Rolltor zur Seite glitt und er die erstaunlich flache Ausfahrt nach oben fuhr. Der Defender zog gut an, bei seinem alten hatte er immer gefürchtet die Kiste würde an „Herzversagen“ verrecken, mit diesem schwachen Diesel der kombiniert 15 Liter oder sowas gezogen hatte. Er dachte grinsend an Yusufs Schlepper, der zog bestimmt mehr Diesel als ein uralter Leopard 2 Kampfpanzer.
   Er fädelte sich in den dünnen Verkehr zum BIT ein. In einem Bruchteil der Zeit im Vergleich mit der Fahrt gestern war er da, über die Freisprechanlage hatte er Yusuf kontaktiert, der auf ihn am Eingang warten würde. Kaz suchte sich einen freien Stellplatz auf dem Besucherparkplatz und stieg aus dem Wagen. Er sah sich um. Erstaunt bemerkte er einen gar nicht so kleinen S-Bahnhof in unmittelbarer Nähe, und er sah das Schild für die U-Bahn „Campus BIT“. Dann war Berlin Solomon also auch auf diese Weise an das Verkehrsnetz angebunden, das machte definitiv Sinn. Er schritt auf den Bunkerartigen Haupteingang zu und meldete sich am Empfang.
Auf der anderen Seite begrüßte ihn Yusuf mit einem kräftigen Handschlag. Der Araber sah etwas zurechtgestutzter aus, mit einem jetzt gepflegten Bart und kürzeren Haaren. Er bemerkte seinen Blick.
„Hygiene Vorschriften und Uni Regelungen.“ sagte er trocken „Mensch wie geht’s dir? Was hast du gestern noch gemacht?“
„Ich hab mir mit meiner Tochter noch in Ruhe das BIT angesehen und wir haben beschlossen, dass sie hier zur Schule gehen soll. Morgen startet der Evaluierungskurs. Und die Kinder meiner Geschwister werden auch hier herkommen. Sie wurden der Schule verwiesen, nach der Geschichte mit diesem Arschloch Adrian Drosser vor zwei Wochen.“
„Oh man, davon hab ich vage was mitbekommen. Mensch cool, ich bin morgen für diesen Kurs eingeteilt worden. Dann kann ich mir die Kids gleich mal genauer ansehen. Ich bin echt gespannt was deine kleine so drauf hat.“
„Sie ist topfit, hoch diszipliniert und sehr ehrgeizig. Ich könnte mir vorstellen, dass sie den Parcour Kurs besuchen möchte. Aber sie ist sehr schüchtern.“
Yusuf lachte gackernd.
„Komm mit man, ich muss dir die schlafende Schönheit vorstellen.“
Und er schoss davon und Kaz hatte ein bisschen Mühe ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Der Campus war riesig und dicht mit hohen modernen Gebäuden und einigen Wolkenkratzern bebaut.
Er folgte Yusuf zu einem großen Platz wo die schrottige Zugmaschine etwas Abseits stand. Ein dickes Stromkabel führte zur Zugmaschine. Seine Aufmerksamkeit erregte eine Trapezförmige Stangenkonstruktion die hoch über der Zugmaschine in die Höhe ragte und mit einem dunklen Textil bespannt war. Clever, ein Sonnenschirm in groß. Das Tuch hing im Zentrum durch und dort war ein Schlauch befestigt. Coole Sache, so fing Yusuf sein eigenes Wasser. Er nahm an, dass der Araber einen Wasserfilter hatte. Um die Kiste waren große Teppiche ausgerollt und auf einem stand ein Klapptisch samt Stuhl und auf dem Buch lag ein zerflederter Roman, Band drei der Geister Quadrologie, Kaz schmunzelte. Gegen einen der Reifen war ein klappriges Fahrrad gelehnt. Ohne Licht und mit anscheinend nur mit Rücktrittbremse.
„Nur zu, tritt ein. Ich hab ein bisschen aufgeräumt.“
Kaz stieg durch die niedrige Tür ins Innere und hier konnte er gut stehen. Auf der rechten Seite war das Klo, durch eine klapprige Schiebetür verschlossen. Links ging es in einen Wohncontainer.
rechte Hand ein altes Stoffsofa und darüber war eine Hängematte angebracht. Eine kleine Kochnische mit einem Gaskocher und einem improvisierten Spülbecken. Ein kleiner Klapptisch. In der Erker-Nische mit den quadratischen Fenstern stand ein bequem aussehender Bürostuhl, dick mit Kissen und einer groben Wolldecke bedeckt, neben einer nackten Glühbirne, die von der Decke hing. Rechts daneben sah er eine kompakte Dusche, die durch einen alten Vorhang vom Rest abgetrennt war. Und links war ein Regal, mit ein paar Büchern und Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln. Alles war total improvisiert und war eher zweckmäßig, aber es wirkte wohnlich und richtig gehend gemütlich. Die Wände waren wild mit Postern und Stickern beklebt. Der Araber war mit seinem Truck schon wirklich überall.
   Yusuf bedeutete ihn nach ob auf das Dach zu klettern. Wow das war toll. Hier hatte Der Araber auf der einen Seite ein kleines Planschbecken aufgebaut und auf der anderen Seite war ein flacher Tisch, mit dampfender Teekanne, Teegläsern und eine Schale mit arabischen Süßigkeiten. Dazu Sitzkissen. Dahinter war ein Liegestuhl aufgebaut.
   Yusuf bedeutete ihm sich zu setzen und er folgte der Bitte. Yusuf setzte sich gegenüber und goss ihnen Tee ein.
„Das ist weißer Tee aus China. Ich hab ihn auf meinen Reisen mitgebracht. Und bedien dich nur bei den Süßigkeiten, ich hab sie bei einem Araber in Berlin Solomon gefunden und sie sind ganz frisch.“
Kaz bedankte sich und nahm sich ein paar Stücke Baklava. Es war schön süß mit viel Honig und richtig lecker, er liebte Baklava und es war gut zu wissen, dass es hier einen Laden für sowas gab. Der Tee war auch ganz ausgezeichnet.
„Hast du dich schon eingelebt?“
Fragte er den Araber. Yusuf zuckte mit den Schultern.
„Ich vermisse ein bisschen die Berge, aber hier gibt es eine Menge Möglichkeiten zum Klettern und für Parcour. Aber alles hier ist so riesig. Es wird Wochen dauern, bis ich mich auf dem Campus und in der Stadt zurechtgefunden habe. Dennoch denke ich, dass ich mich hieran gewöhnen kann. Und die Bezahlung ist aller erste Sahne. Und ich hab schon ein paar Süße Mädels gesehen“
Bei der letzten Bemerkung grinste er breit. Sie aßen Süßigkeiten und tranken in Ruhe Tee und sie erzählten sich gegenseitig von ihrem Leben.
   Yusufs Eltern und sein großer Bruder wurden von ISIS Kämpfern im mittleren Osten getötet als er neun war, von dem an hatte er sich selbst durchgeschlagen, wobei ihn seine unnatürliche Akrobatik und Schnelligkeit mehr als einmal den Hals gerettet hatten. Über die Jahre hatte er sich durch verschiedene Jobs etwas dazu verdient und schließlich so viel für einen Führerschein. Den Truck hatte er in Afghanistan gefunden und sich sofort darin verliebt. Und er wollte lieber gar nicht erst wissen welche absurden Geldmengen für Sprit er schon verbraten hatte. Er hatte so ziemlich jeden Berg in Europa, Asien und Afrika bestiegen. Nur in die USA ließ man ihn mit seinem Truck nicht.
Kaz hörte aufmerksam zu und erzählte ein bisschen von sich.
   Er war der älteste Sohn eines sehr erfolgreichen Architekten mit seiner japanischen Frau. Seine Schullaufbahn war sehr unterdurchschnittlich gewesen und er hatte zwei Ehrenrunden gedreht bevor er mit 20 sein Abitur hatte. Dann hatte er fünf Jahre lang Informatik an der TU Berlin studiert. Bei einem Sportunfall hatte er sich die Schulter stark verletzt und wurde in Potsdam von einer jungen Physiotherapeutin behandelt, mit der er sich schnell anfreundete – Liz. Sie half ihm und ihm Gegenzug half er ihr in einer schweren Krise ein paar Jahre später. Sie wurde schnell seine beste Freundin. Er erzählte von seinem scheiß Job als Programmierer, seine Ausbildung zum Koch und von dem Riesenkrach mit seinen Eltern. Von den USA, von seiner Ranch in Texas und von Kasimir. Und von Amber, seiner Tochter.
„Mensch, da hast du ja ein aufregendes Leben hinter sich.“ Yusuf zwinkerte.
„Ach halb so wild, ich glaube deins klingt spannender.“
Beide lachten laut auf und Yusuf schenkte Tee nach. Sie saßen beide eine Weile dort.
„Entschuldigen sie bitte?“
Kaz und Yusuf sahen auf die Fläche vor dem Truck. Dort stand Indira von gestern.
„Hätten sie beide einen Moment Zeit? Der Leiter des Instituts würde sie gerne ins Observatorium einladen.“
Sie sahen sich an und nickten dann. Yusuf sprang einfach und rollte sich ab während Kaz außen an den Gerüsten herunterkletterte. Die junge Inderin, die hier bestimmt Studentin oder eine wissenschaftliche Assistentin war, verbeugte sich dankbar vor ihnen und führte sie über den Campus zum größten Gebäude, das riesig hoch in die Höhe ragte und das an der Spitze eine große verglaste Pyramide besaß.
   Kaz sah sich staunend um. Das sah von Innen aus, wie die Lobby eines super edlen Hotels. Indira stieg mit ihnen in den Aufzug und der zischte in Affenzahn nach oben. Kam es ihm nur so vor, oder war der hier noch schneller als der in Liz Haus? Was war denn bitte das Observatorium und warum wollte der Leiter der Uni ihn sehen, er war doch nur ein Niemand.
   Der Fahrstuhl hielt an und sie stiegen aus. Hier oben war ja ein Restaurant samt Cafe! Er sah sich neugierig um. Indira führte sie zu einem Tisch für vier Personen etwa abseits. Dort stand ein hochgewachsener Araber mit graumeliertem Haar und kurzem Bart und einer randlosen Brille auf der Nase, er trug einen weißen Anzug mit einer unpassend bunten Krawatte. Neben ihn stand ein alter Mann mit einem Schlohweißen Haarschopf und ebenfalls langem weißen Bart in einem Safrangelben Gewand. Er sah aus wie die arabische Version von Gandalf aus dem Herrn der Ringe und Kaz schmunzelte bei dem Gedanken. Die beiden Männer verbeugten sich, als sie Kaz und Yusuf sahen. Der mit der Brille war etwa Ende fünfzig und Kaz schätzte den anderen auf über achtzig, dafür war der Blick des Alten messerscharf.
„Ich freue mich sehr, dass sie der Einladung gefolgt sind. Mein Name ist Adam und ich bin der Leiter des BIT und neben mir steht mein Vater Abubakr, er ist der Präsident des BIT. Bitte setzen sie sich doch oder wollen sie erst die Ausblick genießen?“
Kaz nickte nur und trat dann neugierig ans Fenster, beim Ausblick fiel ihm die Kinnlade herunter. Von hier oben sah man halb Berlin und auf der anderen Seite bestimmt halb Potsdam. Moment war da auf der anderen Seite nicht mal ein großer Wald gewesen? Er betrachtete das Tischchen mit einem Fernglas ein paar Meter von ihm entfernt. Adam nickte nur. Kaz nahm das Fernglas in die Hand, schraubte die Schutzklappen ab und sah nach draußen, die Verstärkung war echt gut, aber er brauchte ein bisschen sich zu orientieren.
   Von hier aus sah man ganz Berlin Solomon. Sie waren so weit oben, leider hatte er keinen Stadtplan. Er folgte den Gleisen vom S-Bahnhof Campus BIT zu einem riesigen Klotz aus Stahl, Glas und Beton der ja mal einfach spielend größer war als der Berliner Hauptbahnhof. Und so gnadenlos hässlich, dass nur sein Vater das verbrochen haben konnte. Interessiert beobachtete er etwa, was wie eine große Badewanne aus Beton und Glas aussah. Umso faszinierter beobachtete er den Landeanflug eines Lambda Belugas in die Badewanne. Dann war das also auch ein Flughafen. Kleinere Swordfish und Orcas landeten und starteten von ungleich kleineren Plattformen und ein ICE schoss die Schienen entlang. Also nicht so wie in Potsdam, wo nichts Größeres als ein Regio hielt. Sein Blick glitt nach links, wo eine Reihe von Stadien seine Aufmerksamkeit erforderte. Er sah Berlin so selten von Oben, von daher fehlte ihm der Vergleich, aber dieses Stadium da, das war doch bestimmt größer als das Olympiastadion oder irrte er sich. Dahinter erhob sich eine hohe Skyline an hässlichen Wolkenkratzer, die seinen Blick weiter nach Nordosten in Richtung Spandau verschleierte. Zumindest war hier überall viel Grün. Sein Blick wanderte nach rechts über den breiten Havelsee der von … Moment … mindestens drei Brücken überspannt war. Der Bahnhof, ähm … Flughafen war so enorm groß das er nur erahnen konnte was dahinter lag. Aber da zwei Brücken auf dem Gelände des BIT waren, auf das nicht jeder einfach so draufkam, musste wenigstens mehr als eine Brücke noch den See überspannen. Die rechte Seite Berlin Solomons war etwas flacher bebaut, wenn man einmal von dem pyramidenförmig umbauten Platz der Nationen absah. Er sah viel Grün, heißt viele Parks und viele normale Wohnhäuser, wenn auch nicht die kleinsten Wohnhäuser. Er fand es nett dass die Ufer der Havel zu einem langen schmalen Park ausgebaut waren. Wie viele Gärtner die Stadt wohl angestellt haben? Bestimmt hunderte. Und er wusste mit Sicherheit, dass dort hinter dem Platz der Nationen die Solomon Akademie war, wo noch mehr Idioten ausgebildet wurden um unästhetisch hässliche Architektur in die einst schöne Landschaft zu kacheln.
   Er hatte mehr als einmal daran gedacht seinen Namen zu ändern, sein Vater hatte ihn eh schon enterbt. Aber mit dem Namen seiner Familie wollte er eigentlich nichts mehr zu tun haben. Hätte er die Bücher doch damals nur unter einem Alias verkauft. Aber er Doofsack wollte es seinen Eltern eben doch zeigen, dass er kein Versager war.
   Er sah jetzt ganz nach links wo soweit er sich erinnern konnte immer nur ein Wald gewesen war.
Jetzt fiel ihm die Kinnlade herab. Eine riesige Stadt so schien es, mit mehreren großen Komplexen und einer immer höher werdenden Mitte die mit einem schwarzen Gebäudeturm bestimmt einen Kilometer in dir Höhe ragte. Horizon prangte in riesigen Buchstaben außen an der Fassade. Ein Güterbahnhof mit unzähligen Schienen, von denen voll beladene Güterzüge ein und Ausfuhren und ein verdammter Flughafen. Johnny hatte ihm davon ganz am Rande erzählt, aber doch nicht so. Dieses Monster war doch wohl größer als Tegel. Frachtbelugas wurden beladen und beladen. Und schwarze Superbelugas standen mit ihrer Geleitstaffel Huckepack auf dem Rücken etwas abseits.
Er sah gigantische Hallen sich bis zum Horizont erstrecken.
„Das dort drüben ist Horizon, die Industrieperle dieser Nation. Dort wird an bahnbrechenden neuen Entwicklungen geforscht. Viele unserer Studenten gehen nach dem Abschluss zu Horizon. Die Firma ihres Bruders ist übrigens auch ein großer Sponsor und Befürworter des BIT. Sie sehen den großen Horizon-Tower, das Medizinische Zentrum und die Fabriken. Sie müssen wissen, dass Horizon mittlerweile der größte Fertiger für Halbleiter Chips in Europa ist. Prism aus Frankreich und Spectre aus Russland lassen hier ihre Chips produzieren.“
Wow, da hatte sich sein Bruder ja ein richtiges Imperium aufgebaut. Er erschauderte bei dem Gedanken, dass Horizon überall auf der Welt Niederlassungen hatte. Die größten in Großbritannien, USA, Indien, China, Russland und Japan. Das war doch längst kein Milliardenkonzern mehr.
„Möchten sie sich jetzt setzen? Die Mittagskarte für heute sieht gut aus. Sie sind herzlich eingeladen.“
Kaz ging wieder zum Tisch zurück und setze sich. Sie saßen überkreuzt.
„Wie hab ich Ihnen die Ehre einer Einladung, ich bin ja eigentlich niemand.“
„Ach ich bitte sie, dass würde ich nicht sagen. Zum einen sind sie der Onkel dieser bezaubernden jungen Frau Akira, die ja wünscht hier zur Schule zu gehen und morgen den Einstiegskurs macht. Ich hatte die Ehre sie schon vor zwei Jahren kennenzulernen und wir haben mit ihr zusammen hier mehrmals gespeist. Damals hat meine Mutter noch gelebt, Allah sei mit ihr.
Jedenfalls hat mir Sahid und auch Akira sehr viel von Ihnen erzählt, es scheint mir, als würden sie so viele gute Dinge in den Gang treten. Die Firma ihres Bruders, die Werkstatt ihres besten Freundes, die Karriere ihrer besten Freundin und jetzt die Karriere ihrer Nichte.
Und wenn wir schon dabei sind: sie haben mit ihren Büchern eine ganze Generation Jugendlicher und junger Erwachsener geprägt. Nur die Fakten. Millionenfach verkaufte Bücher, in über 30 Sprachen übersetzt, Hörbücher in unzähligen Sprachen und man hört davon, dass man ihre Geschichte in ein Film- oder Serien-Epos umsetzen will. Sie haben Millionen von Menschen in eine faszinierende Welt entführt und spannende Geschichten erzählt. Viele unserer besten Schüler und Studenten sind Fans ihrer Werke und versuchen ihre Kreationen in der Realwelt zu erwecken. Mit Erfolg würde ich sagen, wenn man sich beispielsweise den Orca von Lambda ansieht. Sie sind keinesfalls unwichtig in der Geschichte ihrer Familie!“
Kaz war total geplättet. Er dachte immer, er würde Bücher so aus Spaß schreiben und die Auflagen wären immer so gering. Vielleicht sollte er mal ein Wörtchen mit seinem Verleger sprechen. Er hatte ihm zwar eingebläut, dass er keinen Quark hören wollte, aber Millionenauflagen waren vielleicht wichtig oder?
„Und sie Yusuf. Sie sind ein wahres Naturtalent des Kletterns und er Akrobatik. Sie klettern wie ein Gecko an den Steilwänden und ihre Parcour Künste sind einfach nur Weltklasse. Es ist uns allen eine große Ehre sie hier willkommen zu heißen. Unsere Schüler sind jetzt schon hellauf begeistert und werden sich scharenweise für ihre Kurse einschreiben.“
Yusuf wand sich etwas verlegen auf seinem Stuhl und nickte.
„Hier sind übrigens die Speisekarten für heute, es gibt dieses Mal traditionell deutsche Kost“
Kaz entschied sich für den Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl.
Sie unterhielten sich den halben Nachmittag über alles Mögliche. Adam war zwar fast so alt wie Kaz Vater, aber sie verstanden sich ziemlich gut. Sahids Großvater Abubakr hingegen war sehr schweigsam und sagte kaum etwas und wenn er sprach war seine Stimme überraschend sanft.
Der Sauerbraten war einfach nur köstlich gewesen. Er dachte daran, dass er in letzter Zeit einfach so mit fantastischem Essen verwöhnt wurde. Es würden bestimmt auch wieder Zeiten geben wo er sich von Dosensuppen und MREs ernähren würde. Gegen sechs verabschiedeten sich Abubakr und Yusuf, aber Kaz und Adam blieben einfach sitzen. Es stellte sich heraus, dass sie ein großes Gemeinsames Gesprächsthema besaßen, Informatik und speziell KI. Dafür war Adam hier Professor an der Universität. Sie diskutierten und fachsimpelten über verschiedene Konzepte, Ideen und Entwicklungen bis kurz vor elf. Dann verabschiedeten sie sich voneinander. Adam versprach ihm einmal den Campus mehr zu zeigen und besonders einige der interessantesten Abschlussprojekte seiner Schützlinge.
   Kaz fror richtig gehend als er in der Kälte der Nacht zu seinem Defender zurückging. Die Wachen um den Eingang nahm er nur unbewusst wahr. Das war ein interessanter Tag gewesen. Es dürfte bestimmt von Vorteil sein mit dem Chef des BIT befreundet zu sein. Interessanterweise wohnte der in einer großen Wohnung über dem Restaurant und Café und sein Vater bewohnte die gläserne Pyramide und besaß anscheinend eine große Sammlung historischer Fundstücke.
Und er war Astronom mit Leib und Seele, von dort hatte man bestimmt eine tolle Sicht auf die Sterne, trotz Lichtsmog.
   Kaz stieg in seinen Wagen, der immer schrecklich noch neu roch und düste nach Hause. Hoffentlich war Liz noch nicht im Bett, er war sehr gespannt darauf wie ihr Tag mit ihrem neuen Outfit so gelaufen war.
   In der Tiefgarage checkte er seine Nachrichten. Eine Mail war von seinem Bruder und er schmunzelte beim Text: „Fick dich großer Bruder, jetzt hast du mir schon wieder eine kreative Nachtschicht eingebrockt! Hier ein paar meiner Entwürfe.“
Oje, arme Helena. Er verzog das Gesicht bei dem Gedanken, dass er Amber verpasst hatte. Heute Abend hatte man sie für das Training Morgen schon zum BIT ins Internat gebracht. Damn it!
Er checkte seinen Bankaccount. Moment Mal, das waren doch zwei Nullen zu viel? Oh Man, wann hatte er das letzte Mal so richtig seinen Bankaccount gecheckt? Vor zehn Jahren?
Er ging zum Fahrstuhl und schoss in den dritten Stock. Etwas müde öffnete er die Tür zu 3-VII.
„Oh hey Großer, komm erzähl von deinem Tag.“
Liz kam gerade nackt aus dem Bad mit einem feuchten Handtuch um die Schultern gelegt. Sie hatte sich von ihrem Makeup befreit, das durfte wohl eine gewisse Zeit gedauert haben.
„Nein erst du Lizzy. Du hast heute doch bestimmt die halbe Welt geschockt.“
„Ok, aber ich zieh mir kurz was an, kannst du mir derweil einen Gin Tonic machen, mit dem guten Elephant Gin?“
Er nickte und machte ihr grinsend ihren Lieblingsdrink. Mit Ingwer- und Apfelscheiben im Glas. Er schnappte sich aber wieder nur ‘ne Cola. Liz erwartete ihn schon in einem engen Top zu einer unpassend schlabbrigen Jogginghose. Er reichte den Cocktail und setzte sich neben sie. Sie nippt und schloss genießerisch die Augen. Sie zeigte auf die Cola Dose.
„Ich trink das Zeug ja nie, aber für dich hab ich eine Tonne gekauft, wörtlich. Da steht gefühlt ‘ne halbe Euro-Palette unten im Keller.“ Sie grinste breit und nahm dann noch einen Schluck.
„Köstlich. Was soll ich sagen, alle sind beinahe in Ohnmacht gefallen oder waren regelrecht in einer Schockstarre. Vielleicht hab ich zu dick aufgetragen, aber ich fand‘s total super. Mara hat‘s schwer erwischt, ich hab sie für morgen Helena für die Einkäufe zugeteilt und nehme einen Swordfish Escort zum Büro, für irgendwas habe ich Suzy schließlich angestellt.“
„Dann hast du keinen eigenen Helikopter?“ Grätschte Kaz dazwischen.
„Das ist richtig. Ich habe keinen Heli, aber sehr wohl einen Lambda Swordfish Escort und einen Orca Travel. Die brauche ich praktisch ständig und Autofahren ist oft unpraktisch. Egal ich war sehr ängstlich und Nervös als ich heute Morgen ins Büro bin. Aber ich hab ja früher Cosplay gemacht, da bin ich das mit dem Kostümen ja gewohnt und mit dem großen Rummel der damit einhergeht. Und ich hab noch ein paar rote Kontaktlinsen gefunden, die fand ich total super und haben zum Kostüm gepasst. Alle haben mich angestarrt als hätten sie einen Geist gesehen. Johnny hat nur gelacht, aber er fand es echt super und ich glaube er ist heute gar nicht richtig zum Arbeiten gekommen sondern hat nur rumgemalt. Er meinte vorhin, dass ich die fertigen Entwürfe morgen früh auf dem Schreibtisch habe und die, die mir gefallen gleich weiter in die Schneiderei gehen. Er findet es gut, vor allem weil es Horizon ein gewisses Neues gibt. Und mir sind die Nazi-Analogien der Presse sowas von scheißegal, das sind eben unsere Firmenfarben.  Ach ich freu mich schon. Vielleicht lasse ich mir noch so kleinere Augen tätowieren oder Reißzähne aus Metall machen, dann sehe ich aus wie die …“
„… Königin der Gesichtslosen, ich weiß, ich hab mir den Käse ausgedacht. Stell mal das Glas weg ich muss dich kurz knuddeln.“
Er schmiegte sich eng an sie und nahm sie in den Arm und drückte sie sehr fest, dann drückte er ihr einen Kuss auf die Wange.
„Ich hab gesehen, dass du Post bekommen hast. Was hast du denn mit Omega zu schaffen?“
„Erinnerst du dich noch an meinen total depressiven Kumpel Xen, der versucht hat sich das Leben zu nehmen?“
„Ja klar, aber erzähl du mir nicht, dass der Typ etwas mit Omega zu tun hat.“
Kaz grinste breit.
„Der Typ IST Omega. Er hat das erste Werk in Polen vor dreizehn Jahren gegründet und ist mit seiner Strategie sehr erfolgreich. Er hat sich ein kleines Imperium in Europa aufgebaut und ich hab ihm ne kleine Starthilfe gegegen.“
„Ach ich versteh schon, so wie die 20 Millionen für Horizon. Es ist so krass, dass es ohne dich einen der wahrscheinlich größten Konzerne der Welt nie gegeben hätte. Du bist ein echter Held. Aber du hast dir doch nicht ernsthaft einen Omega gekauft. Die Bitcoin-Millionen in allen Ehren, aber die sind doch einfach nur viel zu teuer für dich.“
„Doch hab ich und er wartet auf mich abholbereit in Xens Werkstatt in Ostpolen. Ich dachte ich fahr morgen hin und hol ihn ab. Amber ist ja sowieso im Internat und du kannst dir morgen einen schönen Abend machen.“
Liz nickte etwas unglücklich.
„Soll ich dir morgen früh beim Makeup helfen? Dann hast du nicht so viel Stress.“
„Das wäre lieb, ich stehe aber um vier auf.“
„Na dann ab ins Bett. Austrinken und Zähneputzen. Ich geh schon mal vor.“
Damit erhob er sich, trank die Cola aus und ging ins Bad.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 9

9. Liz – 4. W. März 2045– Sonntagabend

Liz öffnete etwas müde die Tür und ließ sie alle rein. Amber schlüpfte sofort aus den High Heels und massierte ihre Füße, die kleine war bestimmt nicht daran gewöhnt jeden Tag viele Stunden lang Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen, so wie sie. Akira setzte sich auf das Sofa auf die Pelzdecke und wirkte ganz Elendig. Kaz verschwand im Bad. Liz setzte sich neben Akira und legte ihr sanft einen Arm um ihre Schultern. Einen Moment saßen sie so da und dann brach Akira in Tränen aus und schluchzte heftig. Amber starrte sie mit großen Augen an, sagte aber nichts und legte sich nur mit dem Rücken auf das andere Sofa und betrachtete die bemalte Decke. Liz drückte Akira fest. Sie war für sie mittlerweile fast schon so etwas wie eine Tochter und sie kannten sich sehr gut und ihr vertraute Akira sehr.
   Kaz kam aus dem Bad betrachtete sie mit großen Augen und ging dann in die Küche. Der konnte doch unmöglich noch Hunger haben, nach den Mengen die er heute gefressen hatte. Sie wandte sich wieder Akira zu, die sich jetzt wieder etwas gefangen hatte und sie gefasst ansah. Ihre Schminke war total verlaufen. Liz klopfte ihr auf den Rücken und verschwand kurz ins Schlafzimmer um das Kleid loszuwerden und sich etwas Bequemeres anzuziehen. Als sie zurückkam saß Amber neben ihr, sie schlich sich leise an. Amber zeigte Akira Bilder von Kurzhaarfrisuren.
„Magst du kurz mitkommen Akira?“
Akira drehte sich zu ihr um und nickte. In der Küche stolperten sie auf Kaz, der sich Kekse auf einen Teller häufte und zusammen mit zwei Cola Dosen in den Lift schob. Er warf ihr einen unschuldigen Blick zu und grinste dann breit, während er an ihnen vorbei aus der Küche tigerte.
„Möchtest du noch einen Snack oder etwas zu trinken? Komm, lass mich dir einen Kakao oder eine heiße Milch mit Honig machen, das wird dir gut tun.“
„Heiße Milch bitte und eventuell einen Schokoriegel, wenn du sowas hast.“
Liz zwinkerte ihr zu und zog aus einer versteckten Schublade einen großen Marsriegel zu. Akiras Augen leuchteten auf und Liz setzte Milch in einem kleinen Topf auf.
„Ich verstehe deine Reaktion schon ganz gut meine Liebe. Deine wild gefärbten Haare machen dich zu dem was du bist und sind zu einem Markenzeichen für dich geworden. Und du liebst sie bestimmt total?“
Akira nickte eifrig.
„Ja und Papa bestimmt einfach so, was ich zu machen habe ohne nur eine Sekunde daran zu verschwenden, wie ich mich dabei fühlen könnte. Verdammt, er ist nie da und diktiert mein Leben. Ich bin jetzt volljährig, eigentlich bin ich jetzt dran.“
„Ich verstehe dich schon Schatz, auch wenn ich glaube, dass dein Vater das nicht so gemeint hat. Er war fuchsteufelswild als er gehört hat, dass man euch alle von der Schule geworfen hat. Er ist so besorgt und möchte dir einfach einen guten Abschluss ermöglichen. Das ist ihm wichtiger als deine Haare, so Leid es mir auch tut. Aber es gibt andere Möglichkeiten.“
Akira sah sie mit großen Augen an, während Liz die Haarnadeln löste und sich die Perücke mit sanfter Gewalt – der Kleber hatte gut gehalten – vom Kopf zog. Das Mädchen starrte sie mit riesigen Augen an.
„Du hast eine Glatze?! Hast du Krebs?“
„Nein und wegen genau solcher Fragen trage ich Perücken. Und sieht das furchtbar aus?“
Akira schüttelte den Kopf.
„Fällt mir gerade nicht ein, auch wenn ich mich noch von dem Schock erholen muss. Meinst du ich soll sowas auch machen?“
„Ach Quatsch, ich wollte es dir einfach mal gezeigt haben, aber guck mal.“
Sie hob die Perücke hoch und zeigte sie ihr von allen Seiten.
„Das ist eine Echthaarperücke. Die können wir doch einfach in Regenbogenfarben einfärben lassen und du brauchst dir keine Sorgen zu deinen Videos mehr machen. Die gebe ich dir nicht, die hab ich schon zu oft getragen, aber ich denke die ist von der Länge her gut. Ich kaufe dir einfach eine neue und lasse sie fachmännisch einfärben. In Ordnung? Die bekommst du dann als Geburtstagsgeschenk ok?“
Akira nickte mit riesigen Augen und drückte sie fest während sie schniefte.
„Na dann befrei dich mal von deinem total verlaufenen Makeup, gönn dir eine lange Dusche oder Badewanne und zieh dir etwas Frisches an, ich glaube meine Sachen müssen dir passen. Probier dich einfach aus. Ich mach dir derweil dein Getränk und bringe es dir dann. Ok, meine Liebe?“
Liz strich dem Mädchen sanft über den Rücken und verfluchte Johnny mit seiner Art sein Umfeld in den Wahnsinn zu treiben. Akira stand mit dem Riegel in der Hand auf und verschwand ins Bad. Liz machte dem armen Mädchen ganz in Ruhe ihre Heiße Milch mit Honig und brachte sie ihr ins Bad, wo sie sich gerade konzentriert das Makeup entfernte. Amber saß auf dem Sofa und beobachtete sie. Auf eine Nachfrage ob alles gut sei nickte sie nur. Sie dachte an Scarlett und ging die Treppe hoch. Aus einem Behälter nahm sie mit einer Pinzette ein großes lebendes Insekt und stäubte es mit Vitaminpulver ein, dann öffnete sie das Terrarium um warf das Insekt hinein. Interessiert beobachtete sie wie Scarlett aus ihrem Bau geschossen kam und das Insekt umfasste und ihr Gift injizierte. Liz machte ein zufriedenes Gesicht, so ein liebes süßes Mädchen. Dann ging sie zu Kaz, der seinen Laptop auf dem Tisch aufgebaut hatte und Kekse mampfte. Als sie sich ihm näherte sah er aus und musterte sie eindringlich.
„Sag mal Liz, warum machst du die Glatze nicht zu deinem neuen Image und trägst das so. Zusammen mit einem dunklen Makeup und neuem Outfit, sowas mit einem hohen Kragen und so. Warte mal ich hab schon ein bisschen was gebastelt.“
Er tippte auf dem Laptop herum und sie trat neugierig hinter ihn. Sie musste zugegeben dass die Solomons auch im künstlerischen Bereich unfassbar viel Talent hatten. Wann hatte er denn bitte die ganzen Entwürfe hergezaubert?
„Wo hast du die her?“
„Ach die sind schon alt, aus einer Zeit bevor du dir eine Glatze gemacht hast. Hier bitte sehr, klick dich ruhig durch.“
Sie klickte mit den Pfeiltasten durch Bilder. Die gefielen ihr total gut. Und die Outfits in den Firmenfarben. Ja, Schwarz, Rot und Weiß erinnerten immer ein bisschen an Nazis, aber war halt so und Kaz Entwürfe umgangen das geschickt. Nur die Bilder mit dem kahlen Kopf, auf den Entwürfen fehlten ihr auch die Augenbrauen, die sie sich tätowiert hatte.
„Sollen wir das ausprobieren, wenn die Kinder im Bett sind und wir ein bisschen Ruhe haben? Du triffst meinen Geschmack immer wieder. Auch wenn unsere PR Abteilung hinten über kippen wird wenn sie mich so sieht.“
Er nickte und drückte sie fest.
„Noch eine andere Sache: warum holst du dir keine Haushälterin, Helena ist doch mit ihrer Familie sowieso schon halb überfordert.“
Seine Stimme war vorwurfsvoll.
„Hab ich doch du Flasche, nur Lien hat an Wochenenden meistens frei. Und ich habe eine Pilotin und eine Sekretärin und Mara ist meine persönliche Assistentin. Recherchier das nächste Mal besser.“
Er grinste sie etwas verlegen breit lächelnd an.
„Wird gemacht Chefin.“
Dann ließ sie ihn machen und verschwand wieder nach unten.
„Amber, Liebes. Möchtest du dich nicht schon bettfertig machen? Du musst ja nicht schlafen, aber du kannst in deinem Zimmer noch was spielen oder lesen oder nach draußen gucken. Würde es dich stören wenn Akira heute bei dir im Zimmer schläft?“
Eigentlich wollte sie nur freie Bahn. Wenn das heute gut klappte, würde sie mit Kaz wieder richtig guten Sex haben und darauf freute sie sich total. Und Amber nickte eifrig und schoss ins Bad.
Oje Akira ich hoffe du liegst gerade nicht nackt in der Badewanne. Sie schmunzelte. Dann suchte sie im Schlafzimmer schon mal Kleidungsstücke in Rot Schwarz und Weiß zurecht und holte ein paar Pelze in weiß und schwarz aus der Garderobe, bunt gefärbte Pelzmäntel besaß sie nicht.
Und sie legte für Akira ein zusammen geklapptes Bettgestell samt Matratze, einen dicken Schlafsack und ein bequemes Kopfkissen vor Ambers Zimmertür. Sie sah wie Amber und Akira zusammen aus dem Bad kamen und noch oben gingen. Liz und Kaz halfen beim Bett und ließen die beiden Mädchen in Ruhe und sich erstmal kennenlernen. Kaz kicherte schon aufgeregt als sie nach unten ins Bad verschwanden. Kaz stöberte in den Schränken, während sie sich auch vom Makeup befreite, zum Glück hatte sie nicht in die Vollen gegriffen. Dann ging es ab in die Dusche, Kaz folgte ihr und sie hatten Sex. Unter dem lauten Wassergeprassel hörte sie auch niemand lustvoll Stöhnen.
Im Spiegel betrachtete sie ihr Antlitz von allen Seiten. Wie gut dass ihre operierten Wimpern so schön groß und voll waren.
„Das sieht sehr Alien-artig aus. Kannst du die Entwürfe, die ich gut fand, auch an Johnny senden? Dann kann unsere Hausinterne Schneiderei ein paar Entwürfe zaubern.“
„Wird gemacht Chefin.“
Er küsste sie sanft von hinten.
„Legst du jetzt los?“
Sie nickte und schlüpfte in ihre Unterwäsche, dann ging es ab ins Schlafzimmer. Zuerst prüften sie ein gutes Dutzend Outfits, bis sie eins gefunden hatten, dass gut passte. Das würde sie morgen tragen. Und beim Make-Up hatte sie auch schon eine konkrete Idee. Jetzt räumten sie alles weg und zur Abwechslung lag Kaz unten und sie war oben.