ABC-Etüden – 5-22 – Nr.2

Gestern hat Christiane zur Extraetüdenwoche eingeladen Und weil mir mehr Ideen über Nacht eingefallen sind, habe ich heute noch eine weitere Geschichte kreiert.
Ich mag es einfach Arschloch-Charaktere zu schreiben. Kaz aus meinem Buch ist zum Beispiel ziemlich übel und Joschi ist auch nicht so fehlerfrei. Heute geht es ein bisschen um Sexismus.

Die Regeln sind 5 von 6 Begriffen aus dem Januar in maximal 500 Worte gepackt.

Zur Auswahl stehen diesmal:
Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, nähen, Wackelpudding, unverdrossen und knistern.

Der Pfiff

Manfred stellte den Werkzeugkoffer auf den Boden des Kofferraums und sortierte unverdrossen summend sein Werkzeug. Als er fertig war trank er einen Schluck aus einer Colaflasche, die er aus einer unauffällig platzierten Kühlbox nahm. Er war eigentlich ganz happy über den Tag gewesen, rundum zufriedene Kunden, jetzt war Feierabend.
Er streckte sich und sah sich um. Jede Menge Menschen unterwegs, sein Blick streifte die Gesichter der Passanten.
Auf einmal bog eine wahrlich aufgetakelte Blondine um die Ecke und sie stöckelte voller Elan auf ihren 10-Zentimeter-Absätzen in seine Richtung, dass es nur so knallte. Ihr praller Vorbau hüpfte bei jedem knallenden Schritt auf und ab wie ein dicker Wackelpudding. Dazu ein makellos genähtes Kleid, er als Sohn einer Schneiderin hatte da ein Auge für, das sich an ihren Körper perfekt anschmiegte. Das war doch das Highlight des Tages.
Als sie auf seiner Höhe war, pfiff er ihr laut hinterher, er meinte es aber wohlwollend anerkennend. Sie hielt inne und stöckelte zurück. Sie hielt einen großen Starbucks Becher in den Händen und es knisterte lautstark, als sie den Deckel abriss. Die Bewegung, mit der sie ihm den heißen Kaffee ins Gesicht schüttete, war fließend und blitzschnell. Er schloss erschrocken die Augen, als eine Woge Kaffee über ihn schwappte und dann an seinem nassen Gesicht herabtropfte. Die anderen Passanten blieben stehen und lachten ihn aus, wie er mit vollgekleckerten Blaumann neben seinem Auto stand, einige hatten die Szene gefilmt andere pfiffen und buhten höhnisch. Röte stieg ihm in die Wangen und er fühlte sich furchtbar nackt und verletzlich.  
„Es ist einfach unverzeihlich, wie ihr dummen Sexisten-Schweine mit uns Frauen umspringt. Man sollte dich verklagen, kastrieren und für immer einsperren. Beim nächsten Mal erstatte ich Anzeige, du mieser Scheißkerl.“
Sie knüllte den leeren Becher zusammen und warf ihn ihm an den Kopf, dann stöckelte sie mit fröhlich wackelnden Hinterteil davon. Die Menge löste sich langsam auf, als die Passanten merkten, dass die Show vorbei war. Er sah der Frau traurig hinterher. Aber er hatte es doch nur gut meinen wollen! Wahrscheinlich hätte sie ihm auch dann den Kaffee ins Gesicht geschüttet, wenn er ihr ein Kompliment gemacht hätte. Er war eben nicht der gutaussehende Modeltyp.
Geknickt schloss er die Heckklappe und setzte sich auf den Fahrersitz. Statt den Schlüssel ins Schloss zu stecken und nach Hause zu fahren, blieb er einfach sitzen und starrte ins Leere. Er schloss die Augen und seine Augen füllten sich mit Tränen.
Da klopfte es energisch an der Scheibe …

ENDE?