Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 19

19. Jack – 20.08. 2051 – Es ist wie Magie

Behutsam verfrachtete er die kugelrunde Amber in seinen Omega Defender auf dem Beifahrersitz. Und Sahid machte gleiches mit Akira, die nicht weniger rund war. Nach ein paar Minuten saßen sie zu viert im Wagen.
„Wessen Idee war es das ihr genau gleichzeitig schwanger werdet? Und dann auch noch ausgerechnet mit Zwillingen?!“
Amber und Akira waren verlegen und Sahid sah unglücklich aus dem Fenster.
Versehen oder Schicksal, in wenigen Wochen würden vier lärmende Säuglinge das ganze Haus zusammenschreien, er und Sahid hatten bereits Vorratsladungen an Ohrstöpseln besorgt.
Er hatte sich mit dem Araber eng angefreundet. Eigentlich waren sie vier eine große Familie und kamen sehr gut zurecht. Und dann gab es noch die größere Familie zu der sie jetzt fuhren.
Es hatte etwas Komisches. Jetzt plötzlich waren alle schwanger oder mit Kleinkindern unterwegs.
Klara hatte einen zweijährigen Sohn mit Ralf, der Gott sei Dank keine Memme mehr spielte. Mittels Kaiserschnitt war ein gesunder Junge geboren worden. Er hieß Kasper.
Emily hatte es probiert aber bei ihr waren alle Versuche einer künstlichen Befruchtung fehlgeschlagen. Yusuf hatte eine Tochter mit Nadja, sie hieß Yara und war ein Jahr alt.
Bei seiner Mutter Anna war es kompliziert gewesen, aber jetzt hatten sie auch eine Lösung für Emilys Problem, ein völlig neues medizinisch Verfahren und Anna trug den Embryo, der genetisch zwei Mütter und einen Vater haben würde.
   Ach ja, er selbst fühlte sich sehr unwohl, dass er seine Freundin mit seinem komischen Körper geschwängert hatte, er …
„Wie lange sollen wir denn noch in der Einfahrt stehen, sag nicht du hast deinen Schlüssel vergessen! Mir ist warm, mach den Mülleimer an!“
Amber war hochschwanger immer wieder liebreizend. Es war aber auch wirklich warm heute.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss und der fette Motor dröhnte satt. Er ließ den Motor ein bisschen laufen und schaltete die Klimaanlage ein. Der Motor schluckte auf hundert Kilometer satte zwanzig Liter, Diesel pur, den bekam man mittlerweile hinterhergeschmissen. Allerdings produzierte er auch Wasserstoff und satt Strom, Atomreaktor im Keller sei Dank.
   Und er hatte die Strahlenwerte gemessen. Wenn er den Geigerzähler auf den Reaktor stellte hatte er weniger Strahlung als bei einem normalen Flug über den Atlantik. Schon krass. Trotzdem waren die Wände dick und strahlengesichert.
   Dann fuhr er langsam vom Grundstück. Und fuhr die Straße entlang zum Platz der Nationen eins.
Bedächtig fuhr er die Tiefgarage herunter und parkte neben dem fetten Omega Avenger von Kaz. Einen X8 für maximalen Exzess. Und daneben ein X5 für den Alltag. Und die beiden fetten Anhänger.
Neben dem im Gegensatz zu den anderen beiden Monstern echt günstigen roten Lamborgini Sián hielt er an und half seiner Freundin aus dem Wagen.
„Wehe einer von euch platzt etwas wenn wir nach oben düsen!“
Die Fahrstuhlfahrt verlief zum Glück ohne Probleme. Und oben wurden sie schon erwartet.
Karl begrüßte sie vor Freude wie wild züngelnd, er war anscheinend noch größer geworden. Und er führte sie ins Innere der Wohnung.
   Alle waren da und erwarteten die beiden hochschwangeren Geburtstagskinder.
Wolfgang mit seiner neuen Freundin Linda, Kaz neben einer müde wirkenden Emily und einer runden strahlenden Anna. Klara mit Ralf und Kasper, Yusuf mit Nadja und Yara, Xen und Tamara und ihre vier Kinder, die nach Alter sortiert höflich auf einem Sofa saßen.
   Sie nahmen auf den vielen Sofas Platz und der junge Panther Max, den Amber ihrem Vater geschenkt hatte strich um ihre Beine, er war ganz lieb und noch ganz schön klein. Trotzdem hatten die Kinder einen Mordsrespekt vor dem Vieh und vor Karl, der locker dreieinhalb Meter lang war.
„Es freut mich so sehr dass ihr alle heute an diesem Tag wieder hergefunden habt. An diesem Tag haben wir alles verloren, aber uns auch wieder gesammelt als Familie gefunden und das hat uns stark gemacht. Und bald werde ich tatsächlich sowohl Opa als auch Vater, mit Mitte Vierzig, der Familienfluch hat mich getroffen wie es mir scheint. Herbert wäre jetzt Uropa. Wir sollten auf den Alten anstoßen und sein großes schweres Erbe. Auf Herbert Solomon.“
Sie stießen mit ihren Gläsern an. Und Lien und Merlin servierten Kuchen und besonders die Kinder freuten sich. Sie mampften den tollen Kuchen und Amber strich bedächtig über ihren Bauch.
Vater mit Anfang zwanzig, schon ziemlich krass, aber sie hatten sich abgesprochen und schon Personal eingestellt um die Kleinen so gut es geht begleiten zu können. Sie hatten sogar einen tollen Spielplatz und eine eigene Badestelle direkt am Wasser. Vom unterirdischen Schwimmbad und den Kletterwänden gar nicht zu sprechen. An denen übte Akira wieder klettern wenn sie nicht gerade kugelrund war. Amber hatte ihre Ausbildung mit Bestnoten bestanden und hatte ein Rudel Großkatzen im Zoo in ihren Bann geschlagen. Das Mädchen war die Sensation des Zoos. Wie Tiger und Löwen mit ihr herumtollten und spielten war unglaublich. Er dachte daran dass Wolf sie als geborene Führerin bezeichnet hatte, vielleicht ja für wilde Raubkatzen. Zuhause hatte sie immerhin noch Lucy und Panther Moritz, für ein Zuchtprogramm. Genehmigungen waren alle da und das Gehege war artgerecht und ziemlich groß. Sie würde aber fürs erste einmal Mutter spielen.
Und er ging Arbeiten. Nicht dass er Geld brauchte, aber was sollte er denn sonst mit seinem Leben machen wenn er nicht mehr als drei Stunden schlief und alles super schnell und effizient abarbeitete?
   Er war im dritten Jahr an der Akademie, die einen sehr hohen Praxisanteil hatte. Die Ausbildung ging im Regelfall fünf Jahre, aber dann hätte er den Master der Architektur und Simon war sein Mentor geworden und er lernte so viel von dem alten Herrn. Für den Master hatte er geschummelt und sich das Umbauprojekt für den Horizon Konzern zurechtgelegt. Emily war hin und weg von seinen Entwürfen gewesen und hatte das so durchgeschubst. Jetzt sah alles aus wie eine moderne Neuinterpretation einer riesenhaften mittelalterlichen Burg mit Cyber-Anleihungen. Außen Backstein mit Türmen, Wehrgängen und Zinnen innen Hightech vom Feinsten. Passte auch hervorragend zur Bruder- und Schwesternschaft.
   Er war sich sicher dass er das Zeug dazu haben würde in Emmas Fußstapfen zu treten, auch wenn dahin noch ein langer Weg führte. Mit Mitte zwanzig wollte er keinen Konzern leiten. Er übte aber schon mal den richtigen Rhythmus und hatte mit Simon abgemacht, dass er zu etwas unüblichen Stunden und viel von zuhause arbeiten würde.
   Und er malte mit großer Begeisterung. Er probierte sich aus, aber digital, Airbrush und Öl waren seine Favoriten. Seine Ölschinken gingen weg wie warme Semmeln und die Drucke seiner digitalen Sachen brachten ihm ein gutes Sümmchen ein. Für Das Kilo sündhaft teurer Schokolade, dass er wöchentlich mampfte reichte es allemal. Amber beneidete ihn darum, dass er alles essen konnte. Aber es ekelte sie an dass er Zwiebeln und Zwiebelschmalz pur aß. Er löffelte das Zeug mit Genuss wie sie Eiscreme verputzte.
   Und er traute sich nicht so recht durch den Alltag. Die Armaturen im Bad hatten Anzeigen für die Wassertemperatur. Das war wichtig, denn wenn er das Wasser für angenehm empfand, hätte er auch mit dem Wasser gleich noch Nudeln kochen können.
   Kochen. Tja, er hielt sich streng nach Rezept und schmeckte nicht ab und hoffte, dass es keinem Auffiel, seiner Zunge war nicht mehr zu trauen. Ab und zu ging er komplett baden, aber oft genug lobte seine Freundin ihn für das tolle Essen. Und glücklicherweise kochte Amber besser als er und sie hatten Merlin im Haus, an den kam nichts heran. Aber der kochte auch für Akira und Sahid, also mussten sie sich absprechen oder zusammen essen. Meist aßen sie zu viert an der großen Tafel und ließen sich vom Meister bekochen. Zu zweit in ihrer großen Küche zu essen war etwas einsam, das machten sie eigentlich nur dann wenn die anderen nicht da waren oder Merlin frei hatte, aber selbst da kochten sie lieber gemeinsam. Das war wohl eine ziemliche Fehlplanung, aber das Sprach für das Konzept der Lounge. Dort verbrachten sie erstaunlich viel Zeit. Und Sahid hatte sein kleines Testpublikum für seine Witze. Er spielte gerade sein zweites Bühnenprogramm und war solide erfolgreich. Aber er trug damit nicht den Haushalt. Was Akira allein an Makeup verschleuderte …
So viel zu bescheiden und klein.
   Und Amber bekam er von den Pelzen nicht los, mittlerweile trug sie auch dicke Mäntel wenn es nicht kalt war. Sie war jetzt groß, war gewachsen und er musste sich nicht mehr bücken wenn er sie küssen wollte. Ihre Zwillinge waren beides Jungs und sie hatten ausgemacht dass jeder sich einen Namen aussuchen dürfte. Jacks Idee war es seinen Urgroßvater Nomad zu ehren und nannte den einen Sohn Ben und Amber wollte den anderen Artur nennen. Merlin hatte sich sehr gefreut.
Akira und Sahid waren sich noch nicht einig, aber bei ihnen waren es auch zwei Jungs. Akira würde den einen nach dem Protagonisten aus ihrer Lieblingsspieleserie Uncharted benennen: Nathan. Sahid brütete noch über arabischen Vornahmen. 
   Es läutete an der Tür und sie sahen sich an. Wer war denn das wieder. Er und Kaz gingen zur Tür.
Ein Mann um die sechzig in einer Butler Uniform und eine junge Frau in einem sehr altmodischen Kleid.
„ja bitte. Was möchten sie?“
„Oh entschuldigen sie bitte die Störung Sir, aber wir möchten uns vorstellen. Mein Name ist Albert Falkenstein und das ist meine bezaubernde Frau Lara Falkenstein. Ganz zu ihren Diensten die Herrschaften“
Der alte Sack war doch mal spielend dreißig Jahre älter als die Frau, dass sowas überhaupt erlaubt war. Er fühlte wie sich in Kaz etwas regte.
„Hal, Lara, seid ihr das? Wie ist das möglich?“
„Das wissen wir nicht genau, aber es ist wie Magie“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: