Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 18

18. Kaz – Januar 2047 – Besuch bei Freunden

Die Clowns waren wieder da! Aber nicht so offensichtlich und man machte es ihnen schwer. Aber sie verübten Anschläge auf die Zivilbevölkerung. In Berlin Solomon war es hingegen relativ sicher.
Die Winter wurden wieder sehr kalt, auch wenn ihm das nichts ausmachte. Allerdings sah es komisch aus wenn er bei minus fünfzehn Grad in T-Shirt und Shorts herumlief und seine Frau Anna in dicke Jacken oder Pelze eingepackt war. Stattdessen trug er einen dicken Wollmantel und hatte sich bei ihr eingehakt. Sie besuchten die Kinder. Trotz all ihrer Mühen und Flehen und Betteln waren sie vor wenigen Wochen in das tolle neue Haus eingezogen, dass Jack hatte bauen lassen. Das war irre schnell fertig geworden. Und eine vierköpfige Bande sehr junger Erwachsener in einer Renaissance Festung wie es schien. Jetzt war es zuhause sehr leer in der Riesenwohnung. Nur noch Er seine Frau Anna, seine Freundin Emily, Yusuf und Nadja und Wolf. Klara und Ralf waren ein Paar und sie waren ausgezogen in das Haus, das Jack für sie hatte bauen lassen und es war auch groß Genug für Wolf und Karl. Ralf durfte die Rolle des weinerlichen Waschlappens ablegen und er war sehr dankbar. Er machte einen exzellenten Job als Vize Chef.
   Seine drei lieben Mädchen sahen nach dem Mimik Vorfall sehr unheimlich aus und Emily hatte es ein bisschen zu ihrem Image gemacht. Seit drei Monaten war sie der neue CEO von Horizon und Änderungen erlassen, die die Sicherheit des Unternehmens betrafen. Und Horizon Brandenburg wurde noch mehr zu einer Festung umgebaut. Zumindest war das der Plan. Noch warteten sie auf die Freigaben der Bundesregierung.
   Anna war ganz in weiß und rot. Eine rote Wollmütze und Schal, ein schneeweißer Pelz mit Kapuze. Weiße Stiefel und rote Handschuhe. Er liebte sie sehr und ihre Hochzeit im Oktober war völlig schneeweiß gewesen. An ihre künstlichen Beine hatte sie sich gewöhnt, eigentlich konnte sie Barfuß gehen, aber sie mochte es nicht sehr und die Menschen guckten dann nur. Aber bei roten Augen starrte jeder sie entgeistert oder neugierig an. Emily und Amber traf das gleiche Schicksal. Zusammen mit der auffälligen Gesichtstätowierung in schwarz und rot. Die war Gott sei Dank nicht so heftig wie bei Liz als Cyborg. Emily hatte eine Hassliebe mit ihrem Körper. Sie hasste es daran erinnert zu werden, wer sie malträtiert hatte und auf der anderen Seite liebte sie es in ihren Lieblingsfarben weiß und rot herumzulaufen und sie fand nach anfänglichen Schrecken die vollen weißen Haare toll.
„Da, wir sind gleich da!“
Er entdeckte ein paar Kilometer entfernt den gemauerten Wachturm des Anwesens. Jack hatte erzählt dass Sahid das als Arbeitszimmer verwendete. Weit ab vom Rest und der Ausblick über die Stadt war ein Quell der Inspiration. Jack spürte er gerade in einem Atelier wo er mit Öl eine tolle Burg malte, die ihm bekannt vorkam. Er drehte sich um. Hinter ihnen lief Emily mit Lucy an der Leine. Selbst die Großkatze fröstelte bei der Kälte. Emilys Outfit passte zu Anna. Im Schnee waren sie kaum zu unterscheiden. Nur trug Emily weder Handschuhe noch Stiefel, die brauchte sie nicht.
Nach einer Dreiviertelstunde waren sie da und Kaz läutete unten am Tor. Ihnen wurde geöffnet und sie schlenderten staunend über das große Grundstück. Das war eine Echte kleine Burg. Mit drei Ringen und Verteidigungspositionen gegen Angreifer. Im Schnee sah das alles so friedlich aus.
Im ersten Ring traten sie durch die schwere Pforte und landeten sie im Innenhof. Die Zufahrtswege und der Platz waren schneefrei. Kaz kniete sich hin. Der Boden war ja richtig warm. Ein Platz mit einer Fußbodenheizung, was es nicht alles gab. An der Tür erwartete sie eine etwas bibbernde Amber, die sie hereinbat und die große Leopardin begrüßte.
„Oh man toll das ihr endlich da seid. Kommt rein. Wir haben schon alles vorbereitet und ihr seid pünktlich für das Kaffeetrinken und Gebäck. Wir haben viel zu viele Plätzchen in der Weihnachtszeit gebacken. In der tollen neuen Küche die Jack eigenständig gezimmert hat. Ich bin so stolz auf ihn, alles funktioniert gut und ich mag die Formen und Farben. Nun kommt schon, da ist die Garderobe.“
Sie entledigten sich der dicken Sachen und gingen in eine Wohnung? Wohnzimmer, Speisebereich und Küche mit Bar in einem. Das füllte das Erdgeschoss.
„Willkommen in der Lounge. Hier treffen wir uns, wenn wir gemeinsam etwas machen. Kochen, Essen, Spielen und entspannen und so weiter. Oben sind unsere Wohnungen, die sind nicht beengt, aber nicht für so viele Personen gedacht. Kommt nehmt Platz ich serviere euch die Getränke, was darf es denn sein?“
wenig Später balancierte Amber ein Tablet mit drei Bechern Milchkaffee und einem Teller mit Plätzchen und Keksen. Emilys und seine Hand trafen sich über den Shortbreadfingers. Er ließ ihr den Vortritt. Emily trug eins der tollen Kleider, die er für sie entworfen hatte. Es stand ihr ausgesprochen gut. Die beiden Frauen ärgerten ihn seit Monaten mit dem exakt gleichen Haarschnitt. Beide hatten einen kurzen Bob in schneeweiß. Stand ihnen gut auch wenn er gerade Annas tolle türkisfarbene Augen vermisste. Amber hatte kurze gegelte Haare. Sie hatte es aufgegeben mit ihrer langen Zottelmähne.
   Und sie wollte nicht mehr färben. Jetzt sah sie aus wie kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland vor fast zwei Jahren. Siebzehn Jahre war sie jetzt alt. Und sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Darüber war sie sehr stolz.
„Für dich nichts?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Das mache ich, wenn die anderen hier eintreffen. Jack ist noch beschäftigt und Akira hat Therapie. Tut mir leid, das war schlecht von uns getimed. Macht‘s euch bequem. Wir haben im Schrank hinten Pelz- und Wolldecken, wenn ihr es euch bequem machen wollt.“
Emily, die Pelzliebhaberin schlechthin, lehnte erstaunlicherweise dankend ab. Anna hingegen wünschte sich eine flauschige Decke, die sie prompt bekam.
„Ich freu mich so über euren Besuch. Das ist das erste Familientreffen im neuen Haus. Ah da kommt Jack.“
Ein paar Minuten später erschien ihr Freund mit legerer Kleidung und setzte sich neben Amber aufs Sofa und küsste sie sanft.
„Papa, Mama, Tante. Ich werde die Schule abbrechen und ein Lehre zur Tierpflegerin starten. Mit dem Praktikum im Zoo konnte ich sie total überzeugen und sie nehmen mich für die Stelle mit Handkuss. Ich kann‘s halt mit Tieren stimmt‘s Lucy?“
Die riesige Schmusekatze legte sich schnurrend vor Amber auf den Boden. Kaz war total baff.
„Aber liebes, Schule ist doch auch wichtig, was ist wenn du später etwas anderes machen willst und keinen Schulabschluss haben möchtest.“
„Erstens hast du mir achtzig Millionen vererbt und Jack hat fast zweihundert Millionen. Und zweitens will ich das machen und zwar jetzt. Irgendwer muss sich schließlich um die Katze kümmern. Vielleicht sogar Katzen, Klar regelt da so ‘ne Sache über die ich gar nicht sprechen darf. Aber ich freu mich.“
„Aber ich bitte dich, wir …“
Jack hob die Hand.
„Vergiss es, ich hab mit ihr oft genug gesprochen, keine Chance. Da ist übrigens Akira.“
Sie drehten sich um und Akira schoss mit ihrem Rollstuhl in den Raum und parkte geschickt in den Raum. Sie trug eine Wollmütze, Pulli und Leggins.
„Ist das schon die Haut?“
„Ne die ist unten drunter seit ein paar Monaten. Leiden musste ich trotzdem, aber es wirkt echt. Guckt mal!“
Sie wackelte mit den Zehen. Jubel brach aus. Dann war die viertel Milliarde ja zumindest nicht ganz für die Katz gewesen. Indirekt landete es bei Horizon und ihr würde in einigen Jahren der ganze Megakonzern gehören, also war das nicht so schlimm.
   Sie gab sich trotzdem recht bescheiden und ruhte sich nicht auf ihrem Erbe aus. Und sie arbeite hart an den Reviews und sie Streamte erfolgreich. Mittlerweile rentierte es sich für sie durchaus. Und sie bettelte nicht um Geld, schaltete keine Werbung und die Sponsorengelder und andere Einnahmen spendete sie für gemeinnützige Zwecke. Damit machte sie sich ganz gut beliebt.
Leben tat sie von den Zinsen ihres wachsenden Vermögens. Sie hatte ihm versprochen, das Gaunerleben sein zu lassen. Aber er würde sie mit Yusuf auf Schatzsuche gehen lassen, wenn sie vollständig genesen sollte. Darauf freute sie sich. Ein Meisterdieb und seine Schülerin.
   Und er und Ripper, den er schon ein bisschen wie einen Sohn sah. Er kam ganz nach ihm und er war stolz wie man stolz sein konnte. Nach der Blamage im Herbst 2045 hatte sich der kleine fein gemacht und war zu einem echten Solomon geworden. Ganz wie Tooth und Nomad. Und wie er.
„So die Getränke.“
Merlin war aus der Küche gekommen und servierte Getränke für den Rest und noch mehr Kekse.
„Jack ich habe gehörst du malst jetzt mit Öl? Wirst du deine Sachen verkaufen?“
„Uh, ich hab mal ein paar Fotografiert und Galerien gefragt ob die sowas ausstellen wollen. Das Kulturstadion in Solomon zeigt sich interessiert. Mal gucken ob das was wird. Ich mal halt Gebäude und so impressionistisch in verschiedenen Baustilen.“
„Darf ich mir das nach dem Essen mal angucken?“ Kam es von Emily.
„Sehr wohl, ich hab eine eigene kleine Galerie und mein Atelier, ich führ dich nachher hin.“
„Was gibt es denn?“
„Merlin hat einen tollen Sauerbraten in der Röhre. Dazu selbstgemachte Klöße, Rotkohl und Soße und Weißbier für alle.“
Anna frohlockte und schmiegte sich eng an ihn. Emily auf der anderen Seit ebenso.
„Wisst ihr, ihr drei seid so süß und das passt so gut. Auch wenn mir Papa ab und zu etwas leidtut. Ich finde ihr solltet es probieren nochmal Kinder zu haben, mit moderner Medizin heutzutage sollte das noch möglich sein. Wenn ich die Ausbildung fertig habe ich einen dringenden Kinderwunsch und den hat Akira sowieso, aber ihr Körper braucht Zeit zum heilen. Und ich glaube Lucy ist traurig, dass sie ganz allein ist.“
„Halt Moment, ich will nicht mit Mitte Vierzig noch Opa werden, das geht mir zu schnell und ich hab Emily eine Weltreise versprochen, die will ich nicht machen wenn ich sechzig und kraftlos bin.“
„Du mit deinem Superkörper wirst niemals Kraftlos. Ich hatte zwar Schmerzen, aber ich hab in Sibirien alles gesehen. Du hast drei Cyborgs nackt mit einem Messer besiegt, wo man euch vorher völlig demoliert hatte, mit Waffen und Kampfanzügen. Erzähl mir doch nichts Superman.“
„Ich kann keine Laser mit meinen Augen verschießen und fliegen kann ich auch nicht.“
„Aber für unsere Welt seid ihr einfach nur unnatürlich stark, schnell und sterbt nicht. Dir hat man ins Herz gestochen und Jack wurde von Kugeln durchsiebt und ihr lebt beide ohne einen Kratzer. Das ist doch absurd.“
„Wäre es euch lieber, wenn wir nicht gekommen wären?“
Kam es von Jack.
„Nein das will ich gar nicht sagen, ich finde es nur so komisch. Es passt nicht in diese Welt?“
„Wie bitte? KIs die Konzerne leiten und wie Menschen sein wollen, Raumschiffe, Weltraumfahrstühle, Kolonien auf dem Mond und dem Mars, Augmentierungen, Cyborgs, Schlachten zwischen Mechs und Panzern, Tote die wiederauferstehen. Soll ich weitermachen?“
Amber biss sich verlegen auf die Unterlippe.
„Nein alles gut Schatz, das war dumm von mir. Ich bin froh dass die echte Mara und die echte Liz wieder da sind. Und das ich mit Tieren reden kann … irgendwie. Ich weiß es nicht. Und das ihr drei euch so viel zu verdanken. Wo ist eigentlich Wolf?“
„Der spielt mit Karl, der Waran kann jetzt sprechen und lernt hacken.“
„Wie ist denn das zu verstehen.“
„Karl hat ja einen Link und Ich bin auf die Idee gekommen ein Prism mit Karls Link zu koppeln, was ein bisschen kompliziert war. Und ich habe eine Stimme für ihn ausgesucht und jetzt kann er über sein Prism sprechen. Da läuft ein Lara Klon drauf, also kann der Waran mit etwas Geschick sich damit in Netzwerke und Computer einklinken. Wir haben ihm ein Geschirr mit Smartphone, Lautsprechern Sensoren und einer Powerbank gebastelt. Wusstet ihr, wie scheißviele Messwerte man über einen Link bekommt? Das ist völlig absurd. Er hat das Prism 13 mit nochmal mehr Power und er fühlt sich gut. Er freut sich, dass er ohne seinen Code und ohne Sandtisch sprechen kann. Und Wolf hat Freude daran mit Karl verschiedene Sachen zu testen und zu filmen. Er hat sogar einen Youtube Kanal und jedes Video hat Millionen von Klicks. Das ist bizarr.“
„Kann Lucy das auch bekommen? Büdde büdde!“
„Das ist nicht immer so lustig wie es sich anhört. Wir testen es erstmal in Ruhe mit Karl bevor wir Lucy irgendetwas bauen, außerdem frag doch Akira, die bastelt auch gerne.“
Akira rollte mit den Augen, als Amber sie flehend ansah.
„Wie wäre es mit nein, Sis!“
Jack tröstete Amber und sie tranken schweigend ihre Getränke.
Beim Essen unterhielt sich Jack ausgelassen mit den anderen über das Haus, seine Zukunftspläne und das Malen. Merlin war nach wie vor ein erstklassiger Koch und das Essen hervorragend.
Die Stimmung war angenehm und alle aßen herzhaft und tranken prickelnd kühles Bier. Anna war begeistert, sie liebte die Küche ihrer Heimat Bayern.
Er fürchtete dass die Kindersache nicht überstanden war.
Sollten sie es wagen?

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