Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 13

13. Kaz – 1.W.Dez .2045– Samstag – Wiederauferstehung

Die S-Bahn fuhr in den alten Bahnhof ein und stoppte. Er mischte sich in den Strom der Massen und ließ sich nach draußen treiben, die Treppen runter und über die Straße an vollgestopften Bussen vorbei. Es war eisig kalt, etwa minus zehn Grad Anfang Dezember, das war seit Jahren nicht mehr so kalt gewesen. Aber er trug nur seinen Anzug wie immer, nicht ganz, er trug einen dicken Kapuzenpulli von Nox unter seinem Jacket. Dazu smarte und wärmende Handschuhe und eine AR Brille. Und seine schwere Umhängetasche nicht zu vergessen.
   Vor ein paar Tagen hatte ihn Emily kontaktiert, per Post und um ein Treffen gebeten. Sehr ominös.
In einem Lokal in der Nähe vom Eingang des Aquariums. Er lief am Zoo vorbei, an der wiederaufgebauten Gedächtniskirche. Dann war er am Treffpunkt und er sah Emily mit ihrem gewohnten Pelzmantel und der Hochsteckfrisur. Aber ein Detail ließ ihn zusammenfahren, sie rauchte. Emily verabscheute Tabak, also was war das hier? Er sah sich unauffällig um. Wie in einem billigen Agentenfilm. Überall betont unauffällige Menschen, die auf Bänken saßen oder spazieren gingen oder ihn heimlich beobachteten.
   Die Frau trat näher zu ihm. Das war nicht Emily, die sah exakt aus wie Liz mit Ende zwanzig.
„So trifft man sich wieder, nachdem uns der Tod getrennt hat. Und wie ich sehe verschwendest du mein Geld ohne Sinn und Verstand. Dafür gebe ich dir einen kleinen Denkzettel. Gib mir mein Geld zurück du Heuchler und Betrüger oder ich nehme dir alles wieder weg“
Kaz war verblüfft, das war Liz Stimme. Aber das war nicht Liz.
„Soll ich dir einen kleinen Vorgeschmack geben? So sehe ich wirklich aus!“
Sie ließ den Mantel zu Boden gleiten und sie trug nichts darunter. Augmentierte Beine, Schneeweiße Haut, abstoßende Tätowierungen mit Spinnen. Ihre Arme waren ebenfalls augmentiert und ihr Kopf. Die braunen vollen Haare zogen sich zurück, die Haut wurde weiß, die Augen Rot und Tätowierungen wurden sichtbar. Angeekelt trat er zurück.
„Bin ich nicht wunderschön? Man hat mich nicht nur von dem Tot bewahrt sondern einen starken und traumhaft schönen Körper nach deinem Design gegeben. Und jetzt kommt deine Strafe.“
Kaz wusste was kam, machte kehrt und rannte was das Zeug hielt. Er zog sich die Kapuze tief ins Gesicht und zog seine Umhängetasche vor die Brust. Hinter ihm hörte er russische Schreie und Flüche und Kugeln zischten um ihn herum. In Windeseile schraubte er einen Schalldämpfer auf die Kriss Vektor und schob ein Magazin mit 9mm Munition in den Schacht. Schulterstütze ausklappen, Laden, entsichern und los geht’s.
   Drei Russen fielen seinen kurzen Salven zum Opfer. Er suchte hinter einem Betonpfeiler Deckung und wartete die Schüsse ab, Er lugte hervor und erschoss noch zwei Gegner. Dann erstarrte er, da hinten kamen gut und gerne zwanzig bewaffnete Gestalten. Also Rückzug.
   Er rannte zurück zur nächsten U-Bahnhaltestelle. Passanten stoben erschrocken zur Seite. Schlitternd kam auf dem Bahnsteig an und sprang förmlich mit einem Hechtsprung durch die schließenden Türen der nächstbesten U-Bahn. Die Mitfahrer starrten ihn entgeistert an, als er das SMG wieder zerlegte und in seiner Tasche verschwinden ließ.
„SIR! Ihre Nichte Akira wurde vor wenigen Minuten von einem Auto überfahren und ist gerade auf dem Weg ins Krankenhaus, sie ist sehr schwer verletzt. Und Jack wurde überfallen und heftig verprügelt. Er ist aber jetzt wieder zuhause in Sicherheit. Sir, das waren Attentate.“
„Ja ich weiß, und ich Idiot schnalle es mal wieder nicht. Das war alles, aber das war nicht Liz. Diese Frau ist knallhart und Böse. Und abstoßend hässlich.“
„Dem stimme ich zu, ich habe Ihr Design der Gesichtslosen immer schon verabscheut.“
In Windeseile fuhr er nach Hause, das restliche Stück im Avenger und direkt ins Krankenhaus von Solomon, wohin man Akira gebracht hatte. Vor dem Krankenhaus hielt er und steckte nur seine Five-Seven ein und ließ die Tasche im Wagen. Im Krankenhaus war er noch nie. Er musste durch eine schwere Schleuse und die schwer bewaffneten Wachen fanden seine Pistole. Im Gegensatz zu Horizon war das hier eine Festung, wie das BIT oder das Viertel der Patrioten. Anerkennd ließ er den Blick schweifen. Eine Schwester führte ihn zu Akira, das arme Mädchen sah schlimm aus. Frische Verbände überall. Und ihre Hüfte wirkte unnatürlich verdreht. Ein Arzt mit einem roten Vollbart betrat das Zimmer.
„Guten Tag, Zimmermann mein Name. Sind sie der Onkel?“
Kaz nickte heftig.
„Die Patientin ist erst vor weniger als einer Stunde hier eingetroffen. Kollision mit einem Auto, wir wissen keine Details. Ich mache es kurz. Sie Ihre Beine und ihre Hüften wurden heftig zertrümmert. Sie wird nie mehr laufen und es ist unwahrscheinlich, dass sie auf normalem Weg Kinder bekommen können wird. Das wird ein großer Schock für das Mädchen sein, nehme ich an.“
Verdammte Scheiße. Das Kletter- und Parcour-Ass Akira würde nie wieder laufen können. Für Akira war das viel schlimmer als der Tod. Jetzt würde sie für den Rest ihres Lebens ein Pflegefall werden.
„Ich vermittle sie an das Augmentierunszentrum der Horizon Klinik weiter, die werden sich bei Ihnen melden, damit weitere Schritte unternommen werden können. Wir sind für solche Fälle nur unzureichend gewappnet, fürchte ich. Es tut mir Leid. Ich lasse sie jetzt allein.“
Dr. Zimmermann verschwand und ließ ihn allein mit Akira zurück. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich an das Bett. Zumindest atmete sie tief und entspannt. Er strich ihr sanft über den Kopf.
„Sir, Anruf ihrer Verlobten.“
Er ging ran.
„Ja Anna? Ich bin im Krankenhaus. Akira wurde überfahren!“
„Oh mein Gott, das ist absolut entsetzlich. Ist unsere Wohnung überhaupt Barrierefrei? Oh das ist so schrecklich. Ich bin hier mit Jack, er hat ordentlich etwas abbekommen. Er schwört Stein und Bein, dass es sein toter Bruder Ryan war, der ihn so zugerichtet hat. Nadja ist auf dem Weg, um sich die Wunden anzusehen, sie ist ja Sanitäterin. Der Rest ist sicher mit mir hier. Pass bitte auf dich auf.“
„Mache ich, keine Sorge.“
Er legte auf. Wenn Liz auftauchte, dann war Ryan gar nicht so abwegig fand er und er wettete dass eine tote Mara ihr Unwesen trieb. Das war schwer beunruhigend.
„Darf ich dich festnehmen wegen illegalen Waffenbesitzes?“
Andrea Wolf hatte das Krankenzimmer betreten. Er zuckte zusammen, war die Five-Seven nicht erlaubt? Sie sah aber nicht so aus, als würde sie ihn verhaften wollen.
„Darf ich dich umarmen?“
Er ließ es zu, dass sie ihn fest umarmte.
„Entschuldigung, aber es erschien mir angemessen. Die Berliner Polizei ist nach der großen Säuberung immer noch sehr unterbesetzt, aber wir ermitteln wegen versuchten Mordes. Das war kein Unfall, guck dir das an.“
Sie zeigte ihm ihr Prism und ein Video lief. Aus vielleicht zwanzig Metern Entfernung gefilmt. Akira in Joggingmontur streckte sich auf einem Parkplatz. Dann rauschte ein schwerer Geländewagen mit Elektroantrieb ohne Nummernschilder heran und erwischte Akira volle Kanne an der Hüfte. Sie flog durch die Luft, während der Wagen zurücksetzte und verschwand. Der Kameramann lief auf die Verletzte zu und man hörte aufgeregte Stimmen. Jemand rief den Notarzt.
„Das sind Aufnahmen einer AR Brille, von einem der Animals. Die haben das auf ihrem internen Board hochgeladen, aber jemand hat es auf Twitter geleaked. Lies dir besser nicht die Kommentare durch, die sind bodenlos. Verursachter Mord und Akira ist schwer verletzt. Schande.“
Wut kochte in ihm hoch. Diese Spinnentussi hatte ihm gedroht und er, Akira und Jack mussten dafür bezahlen. Das war doch krank.
„Ach übrigens man hat von Dreharbeiten für einen John Wick Film am Bahnhof Zoo gehört. Warst das du? Meine Kollegen haben Blutflecken und reichlich Patronenhülsen sichergestellt.“
„In der Tat, ein Haufen Russen und eine Liz Doppelgängerin haben mich versucht abzuknallen, das konnte ich so nicht zulassen. Ich schick dir die Aufnahmen meiner AR Brille.“
„Das wäre hilfreich, ich will dich nicht wegen Mordes einbuchten müssen.“
„Nein, das wäre nicht in meinem Interesse. So, sind geschickt.“
Die Polizistin sah sich das Video an und schluckte.
„Oh man, die war ja super reizend. Ich leite das weiter. Ich lasse euch nun allein.“
Andrea ging wieder raus. Er wollte Akira nicht allein lassen. Er machte sich auf dem Stuhl bequem und döste eine Weile.
   Ein paar Stunden später wurde er geweckt.
„Papa, Papa, bist du das?“
Akira weinte. Er korrigierte sie nicht, außerdem sah er sie sogar ein bisschen als seine Tochter.
„Ja mein Schatz, ich bin bei dir.“
„Ich kann meine Beine nicht bewegen! Bitte sag nicht dass …“
Ihre Stimme brach.
„Doch, du bist querschnittsgelähmt.“
Akira schluchzte heftig und laut. Er umarmte sie, ohne ihr mit den Verletzungen wehzutun.
Sie klammerte sich eng an ihn. Eine Schwester kam herein und sah nach dem Rechten. Sie machte einen mitfühlenden Gesichtsausdruck als sie Akira sah und fuhr ihr Bett in eine etwas aufrechtere Position, es würde gleich Essen geben. Aber er dürfe noch weiter bleiben. Akira hörte nicht auf zu weinen. Er würde sie nach Hause mitnehmen, koste es was es wolle. Aber hier war alles steril und kalt. Er würde mit dem Arzt reden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: