Das Osiris Projekt – Teil 2 – Kapitel 11

11. Kaz – 1.W.Okt. 2045 – Donnerstag – Versöhnt.

„Prost.“
Er hob das Weinglas und stieß mit Emily an. Karl hatte sich Klara hergewünscht und Kaz hatte die Einladung ausgesprochen. Hier waren auch weniger Paparazzi, die einem das Leben ruinierten. Das Wetter wurde Woche für Woche kälter und er hatte bei Nox Wintersachen für alle sieben bestellt. Wolfgang freute sich sehr über seine volle Garnitur an Kleidungsstücken von Nox. Und er überwies dem alten Knaben monatlich eine gute Rente. Das war das mindeste was er dem alten Wolf und seinem alten Mentor schuldete. Wolf war immer viel zu bescheiden.
   Dann hatte er sich mit Jack auf ein großzügiges Taschengeld geeinigt, bis er mit zwanzig sein erstes großes Erbe antreten würde. Jack hatte einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht. Mit Amber war das etwas schwieriger, weil sie nicht achtzehn war. Er gab seiner Tochter wöchentlich Taschengeld in bar und sponserte größere Anschaffungen.
   Eigentlich trank er keinen Wein, aber Emily hatte diese tolle Flasche mitgebracht, die sie zu zwei leerten. Klara spielte mit Karl, Wolf las Zeitung auf dem Sofa gegenüber. Yusuf und Jack sahen sich einen Action Streifen an und der Rest fehlte.
„Der Kuss tut mir so leid, das war so dumm von mir. Anna muss bestimmt getobt haben, als sie das in der Presse gelesen hat. Tut mir so leid, dass ich Auslöser für euren Krach war.“
„Ist schon ok, ich hab den Kuss ja schließlich erwidert.“
„SIR! Anna ist im Anflug und sie sieht nicht sehr glücklich aus! Sie ist vor der Haustür.“
Fuck, zu spät um die Damen zu verabschieden oder zu verstecken. Die Haustür öffnete sich und Anna stürmte empört herein. Nein, sie grinste ein bisschen. Amber und Akira folgten ihr.
Emily rückte angstvoll näher an ihn heran und stellte das Glas ab. Dann war Anna bei ihnen. Sie packte Emilys Unterkiefer fest.
„Du Schlampe hast ihn auf den Mund geküsst.“
Kaz sah, wie Emily Angstvoll zitterte und ganz bleich wurde. Mit der nächsten Aktion hätte niemand gerechnet. Statt zu schreien oder Emily zu Ohrfeigen kam sie ganz nah an sie heran und küsste sie leidenschaftlich auf den Mund. Emily ließ sich drauf ein und genoss das Spiel.
   Anna löste sich und zog Emily an der Hand hoch und sie stiegen die Treppen nach oben. Wolfgang beäugte die beiden interessiert und Kaz war Fassungslos.
„Emily ist bisexuell“
Kam es von hinterm Sofa wo Klara mit Karl Seite an Seite auf dem Rücken lag. Aha, das erklärte es wohl. Was war denn in Anna gefahren? Stand sie auch auf Frauen? Das wäre etwas völlig neues für ihn, der sie seit über zwanzig Jahren kannte.
   Er leerte den Wein mit Akira, die sichtlich geschockt wirkte und Amber spielte mit Lucy. Nach viel zu langer Zwei kamen die beiden Damen mit viel zu wenig an herunter. Wolfgang faltete die Zeitung zusammen und machte Platz.
„Wir haben gespielt und lange diskutiert, wie wir die Situation klären sollen. Unsere Entscheidung ist eine offene Dreiecksbeziehung. Wir beide unter uns und mit dir. So muss sich keiner schlecht fühlen und kann seinen Gelüsten nachkommen. Ich heirate dich im Frühjahr und Emily hilft mir bei den Vorbereitungen und ist dann auf Teil der Familie. Und ihre Schwester.“
Kaz und Akira ließen die Gläser fallen. Er fühlte sich unwohl. Eine Beziehung mit beiden gleichzeitig. Auf Vertrauensbasis.
„Und wenn sich eine ausgeschlossen vorkommt?“
„Das klären wir Mädels unter uns! Mach dir mal keinen Kopf drum. Und wir drei sollten uns öffentlich möglichst häufig küssen. Das verwirrt dieses Dummschwätzer von der Presse.“
Er dachte an den guten Sex mit Liz, also Emily. Das war so merkwürdig.
„Hab ich Bedenkzeit?“
„Wenn du willst, dass ich nur noch mit ihr schlafe?“
„Ach ihr beiden, verdammt. Ok wir machen es.“
Wolfgang brach in Gelächter aus, Klara gackerte hinter dem Sofa, Akira wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte und entschied sich für letzteres und Amber hatte nicht zugehört.
„Mit wem spreche ich denn ab, wenn ich mal mit meiner Verlobten oder Geliebten sein will?“
„Naja einer ist immer benachteiligt. Wir stimmen uns ab würde ich sagen.“
Emily stand da nur breit grinsend und Kaz musterte sie stirnrunzelnd. Das war eine völlig neue Situation für ihn. Wie ging man damit um. Er hatte mit Tränen und Geschrei gerechnet.
„Darf ich meinen zukünftigen Mann entführen?“
In der Küche waren sie momentan unter sich. Tränen rollten über Annas Wangen.
„oh das tut mir so unfassbar leid, dass ich dir so unrecht getan und mich auf dieses Schmierenblatt verlassen habe. Es ist nur so, dass es schmerzt, wenn du mit einer anderen so eine gute Chemie hast, eine andere in die ich mich auch noch verknallt habe. Das war ein bisschen der Grund gewesen warum ich so hochgegangen bin. Nicht dass du sie geküsst hast sondern weil du schneller warst.“
„Dann bist du tatsächlich bisexuell, hätte ich nicht gedacht.“
Anna lachte und küsste ihn.
„Das ist ja leider wie in diesem doofen Film, du weißt schon welchen. Deshalb hab ich dir es nicht gesagt. Aber ja ich steh auf Männer und auf Frauen. Jetzt weißt du es. Und ich finde Emily einfach nur heiß, noch heißer als deine Liz. Deshalb war es mir nicht so wichtig ob ihr gemeinsam Sex habt und euch küsst. Nur in der Situation bin ich einfach hochgegangen. Es tut mir so leid das war so doof. Ich hätte mir eure Seite der Story anhören müssen. Ich hoffe du hast nicht auf dem Boden geschlafen.“
„Jack hat mir sein Bett gegeben während er mit Lucy in Ambers Zimmer geschlafen hat. Wir hatten eine nette Männerzeit. Ich hätte dir einfach Bescheid sagen müssen.“
„Ist schon ok. Ich möchte, dass du Liz ihre Wohnung zurückgibst, Klara schläft dann in Ambers altem Zimmer. Das brauchen wir ja nicht und Jack will sich ein Haus bauen lassen für ihn und Sahid und die Mädels.“
„Das klingt fair, aber dann auch den Großteil der Pelzsachen. Und nicht sofort, sonst riecht jemand Lunte.“
„Auf keinen Fall, ich dachte so in ein paar Jahren, wenn man sich ‚besser‘ kennt.“
„Dann sind wir also eine große Familie. Opa, Onkel, Tante, Mama eins und zwei, Papa und drei Kinder. Ich glaube ich geh auf Xens Angebot mit dem X7 oder X8 ein. Und Jack hat ja noch seinen Omega Defender.“
„Und die Ersatzmama hat auch noch einen Omega Defender, vergiss das nicht.“
„Super, dann gehen wir im Sommer campen. Akira hat den ganzen Schrott von Johnny geerbt. Sie besitzt jetzt sechs lange Kanadier und sechs Kajaks. Und Jachten und Supercars und anderen Müll. Und ein Haus in fast jedem Land der Welt. Einfach nur krank. Ich habe zehn Jahre auf vierzig Quadratmeter gelebt und dann weitere zehn in einem Schrotthaufen in Texas. Und jetzt habe ich Personal, sieben Leute. Das ist doch einfach nur absurd. Wir haben zwar alle groß geträumt, aber ich hab immer nur geträumt und mein Leben gelebt.
Ich meine durch Bitcoins und Diebesaktionen hatte ich zwischenzeitlich knapp sechzig Millionen Euro, aber das hab ich investiert, in Omega, Horizon, Nox, Prism und Spectre. Ich hab immer nur von dem versucht zu leben, was mir ausgewogen erschien. Nicht wie Liz die locker eine Million für ihre Pelzvorlieben verbraten hat, oder der ganze Schrott in ihrem Keller. Ich war ja immer schon Prepper, aber ich hab sie wohl total damit infiziert. Aber Schluss, jetzt kann ich mir in Ruhe Cosplay machen und mit dir und Benj Spiele entwerfen. Ich bin dir auch gar nicht böse, es war ein Fehler von mir und es tut mir Leid, dass ich dich nicht eingeweiht habe. Und wir hatten wirklich keinen Sex!“
Anna biss sich auf die Lippen und grinste.
„Dann war ich bei Emily doch erste!“
„Ihr habt nicht ernsthaft?“
„Doch haben wir. Sonst wären wir nicht so lange weg gewesen. Ich finde ihre augmentierten Beine echt sexy. Wir haben uns nächste Woche auch mal beim Inder verabredet. Und jetzt sollten wir zurückgehen, meinst du nicht auch?“
„Ganz deiner Meinung, aber ich brauche jetzt einen Schluck Cola.“
Anna lachte und umarmte ihn. Und gab ihm einen langen Kuss.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: