Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 6

6. Jack – 3.W. Sept. 2045 – Dienstagmorgen.

Er schob eine Patrone in den Lauf seiner Accuracy International AWM und drehte den Verschluss. Anna neben ihm tat dasselbe. Amber gab das Ziel vor. Sie schossen auf über einen Kilometer.
   Anna schoss nie daneben, er hingegen hatte sich n die AWM noch nicht so gut gewöhnt und traf nicht sehr gut, aber er wurde besser. Mama ermunterte ihn auch immer wieder, wenn er sich miserabel fühlte. Sie war eine tolle Mutter fanden er, Akira und Amber.
   Neues Ziel, neues Glück. Eine Gipsbüste auf 1150 Meter. Er kalkulierte die Anpassungen durch Wind und Steigung und Luftfeuchtigkeit im Kopf mit Steves Hilfe über den Link und justierte sein Zielfernrohr. Amber hatte ein kleines Kreuz auf die Büste aufgemalt. Er legte den Finger an den Abzug und betätigte ihn. Es knallte ordentlich. Irgendwas in dem Cocktail veranlasste den Körper die ihren bei sowas zu schützen, weswegen sie beide keinen Gehörschutz brauchten.
   Die Büste zersprang, wenn auch nicht auf Höhe des Markers. Etwas enttäuscht leerte er die Kammer, das war die letzte Kugel im Magazin gewesen. Anna umarmte ihn beherzt und strahlte ihn an.
„Das war ein richtig guter erster Schuss Jack. Aus dir wird noch ein ausgezeichneter Schütze.“
„Aber du schießt nie daneben. Wie geht denn das?“
„Ich bin ein bisschen älter als du und hab mehr Erfahrung. Und angeborenes Geschick, das hat eben doch nicht jeder. Tut mir Leid großer aber das wird schon. Lass uns zusammenpacken und zu den anderen gehen, ich hab Hunger.“
Sie zwinkerte ihm zu.
   Sie sammelten die leeren Patronenhülsen ein und warfen sie in einen Sack und dann schulterten sie die schweren Gewehre. Auf Höhe der Fabrik sahen sie schon einen Betontisch mit Bänken mit einem großen Dach aus Zeltstoff. Die Rationierung der letzten Tage war querbeet gewesen. Manchmal gab es Rationen und dann wie jetzt gab es Rührei und Bratkartoffeln. Dazu Saft und Kaffee. Besser als die Feldration von gestern allemal.
   Er setzte sich neben Amber und knuddelte sie ein bisschen. Akira und Yusuf hatten schon trainiert, Anna mit ihm und Amber hatte mit Kaz trainiert so wie es aussah. Ambers Rolle war interessant weil sie nicht unbedingt eine aktive Kämpferin war. Mit sechzehn war sie aber auch zu jung um Jemanden umzubringen fand er. Er mit fast achtzehn hatte drei Clowns getötet.
„So Leute, ich muss euch mal Unterbrechen. Ich war ja in den letzten Wochen ein paar Mal weg um ein paar Sachen zu managen, so auch die Beerdigung unserer Familie. Die Gäste sind schon eingeladen. Sahid und Adam und Abubakr, Die Bluhms und Horatius alias Xen mit seiner Frau.
Wir feiern aus Sicherheitsgründen im Haus der Welt und nicht am Tatort des Mordes im Garten dieses Schrotthaufens. Ich zahle alles. Die Beerdigung ist diesen Freitag um zehn und ich dachte mir es ist besser diesen Moment hinter uns zu haben und uns endgültig zu verabschieden. Und dann kommt das Testament nächsten Montag um elf. Wir sind alle geladen bis auf Amber, Anna und Yusuf, ihr könnt euch ja einen schönen Tag im Zoo machen, der in Berlin Solomon ist ziemlich sicher und dort ist ja auch Kasimir zugange, er hat immer noch sein rotes Halstuch. Die haben auch Leoparden, aber ich würde Lucy zuhause lassen wollen. Jetzt gibt es erstmal eine kleine Abschiedsmahlzeit und heute Abend wird gekocht. Wir haben Angus Rind in der Gefriertruhe, also freut euch auf Steaks. Ich habe Lien schon ins Bild gesetzt. Also haut rein und danach packen wir.“
Die Kartoffeln waren gut und Jack griff ordentlich zu, dann packten sie alles zusammen. Akira beäugte sie misstrauisch als sie die Pelzdecke ausschüttelten und zusammenlegten. Guck doch nur, an das Zeug kann ich mich gewöhnen, aber nicht nackt. Amber würde zuhause testen, ob ihre Schlafzimmer auch Schallgedämmt waren und er würde im Nox Supermarkt im Haus Kondome besorgen, die hatten viel Auswahl in der Drogerie Abteilung.
   Er und Amber packten den Defender und die anderen vier den Omega und dann düsten sie gegen zehn los und nach Hause. Die Beerdigung machte ihn mulmig. Kam die Trauer von alleine wenn man vor dem Grab stand oder musste er Schauspielern. Nicht das er sagen wollte, dass er Emma und die anderen nicht vermissen würde, aber er verspürte irgendwie keine Trauer. Akira ging es genauso, hatte sie erzählt.
   Gegen Mittag waren sie da. Auspacken dauerte länger als Einpacken. Aber da waren ja auch noch der Fahrstuhl und der Keller im Weg.
   Oben wurde Amber überschwänglich von Lucy begrüßt und Kaz tätschelte Karl und gab ihm ein paar Pfirsiche. Diese Wohnung war immer noch der Knaller. In der Küche holte er sich eine Cola und ließ sich auf dem Sofa nieder. Der Ausblick war bombastisch und unten wurde gefeiert und gegrillt, Animals liefen in Gruppen umher und die Stimmung war drei Wochen nach den Attentaten ausgelassen und solidarisch. Zumindest hier in dieser merkwürdigen Stadt. Es fühlte sich merkwürdig an dort in über fünfhundert Meter Entfernung eine moderne Bunkeranlage der schwarzen Geister zu sehen. Das ganze Gebäude maß doch mit dem Mittelturm bestimmt zweihundert Meter.
Amber setzt sich neben ihn und küsste ihn auf den Mund, Lucy im Arm. Die Leopardin versuchte einen Schluck Cola abzubekommen, aber er trank einfach das Glas aus. Enttäuscht sah sie ihn an.
„Sorry, aber zuckrige Limonaden sind nichts für kleine Kätzchen.“
„Aber Karl frisst doch auch die ganze Zeit nur gezuckerte Pfirsiche und dem geht’s gut.“
„Natur ist eben etwas Merkwürdiges. Wir sollten ihr ein Schälchen mit einem Shake anbieten. Das mache ich jetzt. Komm mit Lucy.“
Und er machte ihr ein flaches Schälchen voll, was sie im Nuh aufschlabberte. Dann schlich sie um seine Beine, in verlangen nach mehr. Er kam der Bitte nach, zweimal. Dann wirkte Lucy satt und selbst zufrieden. Kaz kam gerade vorbei und Jack nutzte die Gelegenheit.
„Machen wir heute einen Filmabend? Den ersten zu sechst.“
„Ok, was schwebt dir denn so vor als Film.“
Er warf Amber einen Blick zu.
„Wilde Kreaturen.“
„Haha, ich weiß was ihr vorhabt, ok ich hab nichts dagegen. Und der Film ist klasse. Machen wir, ich sag den anderen Bescheid, Yusuf dürfte den nicht kennen und bei Anna bin ich mir nicht sicher. Ich hab hier erst einen Film allein in unserem Kino geguckt.“
„Wie war es eigentlich in den Staaten.“
„Bis auf die Sache mit dem Lamda Wal Hai sehr unaufgeregt, Kasimir hat sich gefreut. Es war schön mal wieder dort gewesen zu sein und ich bringe es einfach nicht über mich die Ranch zu verkaufen. Ich muss euch unbedingt mal mitnehmen, es war eine Offenbarung nach dem ganzen Luxus wieder in so großer Bescheidenheit zu leben, wenn auch nur für eine Nacht. Du hast doch jetzt auch einen Omega, einen der Schläfer?“
„Ja, sieht aus wie ein aufgemotzter Defender, kann aber viel mehr. Ich hab ne P90 untere der Fußmatte und Amber ne Kriss Vector.“
„Wow ich bin beeindruckend. Hat der der auch einen Turm?“
„Der Defender nicht, aber der Anhänger hat ein schweres MG und einen Raketenwerfer. Drohnen im Dach, Panzerung und autonomes Fahren. Steve hat sich schon ausgetobt.“
„Gute Idee den Hal Klon zu benennen. Wie heißt deiner Amber?“
„Tara. Sie mag es nicht Hal Klon genannt zu werden.“
„Oho, eine Dame. So wie Lara also.“
„Lucy mag Vanilleshakes“
„Und Karl Pfirsische. Merkwürdige Welt. Dann musst du ihr aber auch die Zähne putzen. Da ist viel Zucker drin.“
„Als ob du das mit Karl machst.“
„Und wie ich das mit Karl mache, Horizon stellt Zahnpasta für Warane her. Fragt mich bloß nicht warum und Karl lässt sich das gefallen. Das muss eben sein nach süßen Pfirsichen. Und lass dich nicht zwicken, Leoparden haben scharfe Zähne.“
„Würdest du nie machen, stimmt‘s Lucy?“
Die junge Leopardin schmiegte sich eng an Amber und schnurrte.
„Im großen Bad ist extra eine Packung mit Zahnpasta und Zahnbürste für Lucy. Das ist dein Job Amber. Ich helfe Lien nachher und mach jetzt schon mal den Nachtisch und einen Mittagssnack. Wollt ihr auch was? Ich dachte ich mach einfach Schnittchen und Spieße und vielleicht ein bisschen Schinken auf Honigmelone. Packt erstmal aus, wir haben noch genug Zeit.“
Verschwörerisch gingen sie hoch und in Ambers Zimmer. Lucy spielte derweil mit Karl, der quasi Papa geworden war. Zumindest war er für Lucy der Papa.
   In ihrem Zimmer verriegelten sie die Tür und Amber zog sich aus. Wachsen musste bestimmt schmerzvoll sein, kam ihm flüchtig durch den Kopf. Er zog sich auch aus, aber ließ seine Boxershorts an. Sie spielten miteinander und schmusten und küssten sich innig, nicht nur auf den Mund.
Er tastete sich vor und entlockte Amber ein lautes lustvolles Stöhnen. Sie verharrten reglos und lauschten, aber niemand schien etwas bemerkt zu haben. Sich kicherten. Er zeigte ihr die Packung Kondome die er vorhin gekauft hatte. Sie betrachtete die Schachtel interessiert.
„Hattest du schon mal Sex?“
„Dreimal mit Yolanda, meiner Ex, aber sie war nicht wirklich gut glaube ich.“
„Na dann mal gucken ob ich besser bin.“
Sie zwinkerte ihn an. Es klopfte energisch.
„Es gibt Essen Amber und weißt du wo Jack ist?“
Kam es von Anna. Sie bissen sich auf die Lippen und starrten einander an.
„Komme gleich Mama. Jack kommt bestimmt gleich nach.“
„Ist gut Schatz, wir sind unten.“
Sie zogen sich kichernd wieder an, zumindest versuchten sie das. Halb angezogen fielen sie übereinander her und küssten sich innig während Amber das stöhnen übte.
„Ey ihr Schwachmaten, so dick sind die Wände auch nicht.“
Rief Akira säuerlich aus dem Nachbarzimmer.
„Du vermisst doch nur, dass du mit Sahid nicht dasselbe machen kannst, wenn er dich überhaupt noch mag mit deiner dämlichen Frisur.“
Akira schluchzte laut auf und rannte die Treppe runter. Amber sah ihn vorwurfsvoll an.
„Hey wir sind ein Team, kein Grund so gemein zu sein.“
Er fühlte sich schlecht und ihm tat Akira leid. Er würde sich unten bei ihr entschuldigen.
Sie gingen runter und die anderen warteten schon auf sie.
   Der Tisch war reich gedeckt mit Tafeln an Schnittchen, gekochten halbierten Eiern und Spießchen. Zu Trinken hatte Yusuf seinen Ingwertee, Anna und Kaz tranken Kaffee und für sie drei gab es Kakao.
„Ich hab gehört ihr wart wieder gemein zu Akira“ Annas Ton war vorwurfsvoll.
„Gar nicht … ok tut mir leid Sis, war nicht so gemeint.“
Akira war seine Cousine, aber weil sie als Familie zusammen wohnten nannte er sie Schwester und sie nannte ihn Bruder und Amber Schwester. Die beiden waren auch echt wie Schwestern.
„Ich hoffe ihr wisst noch wo eure Sachen von Nox sind. Die Anzüge müsst ihr nicht tragen, aber ich möchte dass ihr die anderen Sachen tragt wenn ihr rausgeht. Berlin Solomon ist zwar sehr sicher, aber ich will kein Risiko eingehen. Jack du trägst dein Keramikmesser so wie wir trainiert haben.
Und Amber du trägst immer ein paar Drohnen mit dir. Wir haben dir ja einen flachen Rucksack dafür bereit gemacht. Damit kannst du dich auf deine Rolle vorbereiten. Und Akira du weißt schon worauf du achten musst. Und jetzt wird erstmal gefuttert.“
Sie aßen eine Weile schweigend dann sprach Jack das Thema Politik an.
„Was haltet ihr von der neuen Mitte die hier in Solomon gegründet wurde?“
„Interessant, die scheinen mir kompetent zu sein und Wilhelm hat Charisma und er weiß von was er spricht. Ich hab mir die Partei mal ein bisschen auf dem Rückflug angesehen. Die wirken zwar ein bisschen populistisch, aber mit dem Programm werden sie gut auf Stimmenfang gehen können. Neuwahlen wurden ja bereits angesetzt und die Lilanen werden gut punkten können, wenn sie den Wahlkampf clever angehen. Es täte mal gut einen Bundeskanzler vom Fach zu haben. Immerhin war er Gründer der schwarzen Wölfe, die über Jahre mit SEAL Team six der Amis direkt konkurriert haben. Wahrscheinlich die beste Spezialeinheit der Welt, auch wenn sie mittlerweile etwas alt sind. Aber wir wissen, dass Wolfgangs Wolfsrudel nur aus Geistern besteht. Alter muss nicht zahnlos heißen. Sie sind lautlos und beherrschen die Kunst einfach aufzutauchen und zu verschwinden. Ich glaube ich spende ein paar Goldbarren an die neue Mitte und wähle die mit Sicherheit. Das scheint mir eine gute Sache zu sein. Nicht zu sehr stopfen, die Steaks müssen noch rein. Ich dachte mir es gibt Essen gegen sieben und gucken dann wilde Kreaturen.“
„Och nicht schon wieder“
Brummelte es aus Akiras Ecke.
„Genau, den. Nicht jeder am Tisch kennt den. Du kannst ja nachher selbst noch was gucken oder oben zocken.“
„Kann ich nicht direkt nach dem Essen hoch?“
„Nein ich wünsche mir das, als ersten richtig gemeinsamen Film in unserem Kino.“
„Mpf, meinetwegen. Aber nur wenn ich Eiscreme bekomme.“
„Sicher, bediene dich in der Gefriertruhe oder lass die einen Eisbecher vom Haus der Welt kommen.“
„Ne viel bessere Idee, ich verzichte aufs Eis während des Films und ich lade auf deine Rechnung Sahid ins Cafe des Hauses der Welt ein.“
Immer wieder dreist.
„Ok, abgemacht.“
Kaz zwinkerte ihm zu und er verstand. So waren sie Akira für den Abend los.
„Super, ich freu mich schon. Wartet eine Sekunde ich muss ihm gleich Bescheid sagen.“
„Was ist Wilde Kreaturen?“ Kam es von Yusuf.
„Eine etwas ältere sehr lustige britische Komödie.“
„Klingt gut. Komödie passt momentan sehr gut. Das Militär ist nach wie vor überall präsent und der Luftraum ist immer noch gesperrt. Die Luftwaffe fliegt Patrouillen im deutschen Luftraum und sucht nach den Clowns. Vor einer Woche haben sie noch zwei weitere Stützpunkte der Clowns bombardiert und diese Bande in den Untergrund gedrängt. Sie sind geschwächt und vieler ihrer Mittel beraubt, aber sie sind noch da. Und die schwarzen Geister haben sich in Luft aufgelöst. Dieser schwarze Leopard 2 A6, einfach weg – spurlos. Die Geister sagen uns auch nicht alles. Diese Befehlsstruktur hat ihre Vorteile, weil nicht alles zusammenbricht, wenn einer gefangen genommen wird, aber ich hasse es im Unklaren gelassen zu werden.“
„Diese Schnitzeljagd ist zwar ganz nett, aber ich will ein klares Ziel vor Augen haben. Und ich will verdammt nochmal Clowns jagen und töten.“
Kaz war aufgeregt.
„Wer freut sich nicht auf die Beerdigung?“
Alle meldeten sich, auch Kaz und Yusuf.
„Dachte ich mich. Na dann würdigen wir unseren Verwandten wie fertig wir sind. Last die Tränen rollen, schluchzt heftig brecht zusammen, lasst der Welt zeigen, dass wir geschwächt sind. Ich weiß nicht ob wir Horizon trauen können, ich habe gehört man wird eine kleine Gruppe schicken um Johnny zu würdigen, aber ich weiß nicht wer das sein wird. Also haltet die Augen auf.“
Die Worte schwebten eine Weile in der Luft und er dachte darüber nach. Er fühlte sich nicht sehr traurig, aber er wusste auch noch nicht was passieren würde, wenn er an Emmas Grab stand.
Seinem Appetit ging es zumindest prima, als er sich noch mehr auftat und sich ein Glas Cola aus der Küche holte. Er dachte über sein neues Zuhause nach. Jede volle Etage dürfte so an die vierhundert Quadratmeter groß sein, und sie hatten drei volle und eine halbe Etage. Er dachte an ihre alte Wohnung, wo er mit Ryan und Emma gewohnt hatte. Die passte gut und gerne ins große Bad oben.
Und es gab hier zwei große Bäder und drei Klos. Er beneidete Lien echt nicht, aber das Personal hatte ja Zuwachs bekommen. Frank. Und im dicken Fisch war ja bestimmt auch noch die Besatzung die zu ihrem Personal gehörte, oder?
   In was für ein Leben war er da nur hereingestolpert. Das mit der Architektur war ihm ernst. Er hatte sein Skizzenbuch auf den Trip genommen und jeden Tag in einer Pause und jeden Abend am Lagerfeuer gezeichnet. Alle hatten sich seine Sachen angesehen und Kaz hatte ihm Tipps gegeben.
Eines Abends hatte Kaz ihn zur Seite genommen und nach den Hintergründen gefragt und er hatte die ganze Story bekommen. Sein Onkel fand die Idee gut, weil das als Tarnung gut funktionieren könnte. Das Leben als Soldat wäre wohl zu offensichtlich, auch wenn die schwarzen Wölfe die Illusion gut aufrecht gehalten haben. Er fragte Kaz ob man Architekt auch als Homeoffice machen konnte und der hatte ihn nur interessiert angestarrt aber nichts gesagt. Er konnte bestimmt zwei und zwei zusammenzählen. Damn it.
   Wollte er sich nicht eine Cola holen? Er stellte ein großes 0,5l Glas unter den Hahn und drückte auf den Schalter. Kalte Cola sprudelte ins Glas. Er nahm einen Schluck und stellte das Glas in den Aufzug. Einen Aufzug. Sie hatten tatsächlich zwei große. Und sie hatten entdeckt, dass man in der Umgebung gut bestellen konnte.
   Anna wollte eigentlich ein bisschen mehr vegetarisch und weniger fettig machen, aber in der Regel war sie überstimmt. Sie sah ihn immer traurig an wenn er sich eine Cola zapfte und kein Glas Wasser vollmachte. Sie war nicht so ein Vielfraß wie der Rest und musste tatsächlich hart für ihre Figur kämpfen. Auch wenn ihr der Cocktail bestimmt dabei half. Sein „neuer“ Körper war der Knaller.
So wie der Araber gesagt hatte, er war verbessert. Nicht so krass wie in Captain Amerika, aber spürbar. Er wollte lieber nicht wissen was in dem Cocktail war, aber wenn es half Clowns zu töten war es ihm recht. Und der Link war cool, sein Auto mit den Gedanken zu lenken und in Gedanken mit Steve zu sprechen, das war bombastisch. Wäre es nicht theoretisch cool mit diesem Waran oder der Leopardin zu sprechen?
   Oben redeten alle miteinander nur Akira tippte auf ihrem Prism 12 herum. Mittlerweile durften sie die Dinger mitnehmen. Und er hatte oben in einem der Streamingräume mal nach den Specs geguckt und die Geräte wischten mit seinem Spectre Gaming 12 den Boden auf. Der Hammer schlechthin.
Er würde es mal ausprobieren, dachte er sich während er sich wieder an den Tisch setzte und nach noch einer Honigmelone mit Schinken griff. Er hörte gar nicht so richtig zu sondern mampfte nur weiter. Um halb vier räumten sie ab und verstauten die Reste, die es dann morgen früh mit dazu geben würde. Drei Stunden noch, was nun? Sex war erst nach dem Film.
„Amber hast du Lust nochmal raus zu gehen, mit Lucy? Kaz dürfen wir das?“
„Klar seid aber vorsichtig.“
„Sind wir.“
Er zog sich an verstaute das Keramik Kampfmesser sicher und warf sich einen Rucksack mit einem Mini-Compound Bogen über die Schulter. Das Ding war eher eine Steinschleuder, aber sie verschoss Pfeile mit gewisser Durchschlagskraft. Er hatte damit intensiv geübt und es war ein Sportgerät und keine Waffe. Sehr Praktisch. Und sie verschoss Broadheads, ganz wichtig gegen Clowns.
Amber machte Lucys Geschirr fertig. Sie trug einen Rock mit Strumpfhosen und einen leichten Pulli über einem T-Shirt. Darüber die lange dunkelbraune Perücke.
„Kann ich mitkommen?“
Kam es von Kaz. Sie sahen sich an und Amber nickte. Mit Dagger an ihrer Seite würde nichts schiefgehen. Kaz zog sich etwas an und sie gingen raus.
   Kaz hatte natürlich Karl im Schlepptau, der ein Geschirr trug. Und Kaz hatte seine Umhängetasche dabei. Seine Haare wuchsen wieder länger, auch wenn er noch nicht zu sehr nach John Wick aussah, aber es ging so langsam in die Richtung.
   Draußen hielten sie irritiert inne weil sie von allen Richtungen bejubelt wurden. Animals und Polizisten. Sie wurden von wildfremden Menschen umarmt, die ihnen auf den Rücken klopften.
Deutschlandfahnen wurden geschwenkt, auch von zwei Polizisten. Die hatten Aufnäher und Anstecker mit dem Symbol der schwarzen Geister an ihren Uniformen heften. Gut zu wissen, dass es auch einige nicht korrupte Polizisten gab. Sie rochen Grillfleisch, lehnten aber dankend ab.
Außerdem dachte er an das Steak nachher.
   Sie durchstreiften den Park, passierten die menschenleere Straße und in den nächsten Park.
Auf einmal zuckte Amber heftig zusammen und schoss plötzlich los, Lucy folgte ihr mir großen Sprüngen.
„Verdammt Amber was ist denn los?“
Und sie rannten ihr hinterher, Waran mit eingeschlossen.
„Liz, Liz, LIZ!!“
Was war denn das bitte? Liz war tot, verdammte Scheiße. Und dann sah er die beiden Frauen bei dem Imbiss stehen und es dämmerte ihm. Die eine sah total aus wie Liz und die andere erinnerte ihn ein bisschen an seinen Mentor Wolf, denn sie sah so aus wie Mara.
   Völlig unmöglich, Mara ist tot und Liz wahrscheinlich auch. Amber umarmte die völlig überraschte Frau und ihre Begleiterin starrte Amber völlig entgeistert an.
„Entschuldigung meine Damen, ein Missverständnis. Amber was fällt dir ein? Ähm, sie sind nicht tatsächlich Elisabeth Engström?“
Die Frau lachte verlegen während Amber beschämt zurücktrat.
„Nein ich bin Emily Strauss und das ist meine kleine Schwester Klara. Wir sind erst vor wenigen Tagen hier eingezogen, aber wir werden beide bei Horizon arbeiten. Ich bin nicht mit Frau Engström verwandt auch wenn ich ihr leider sehr ähnlich bin. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Leute versuchen mir die ‚Perücke‘ vom Kopf zu ziehen. Man das tut weh!“
Sie fuhr sich durch den vollen dunkelbraunen Schopf und strich sich eine Strähne hinters Ohr.
Ihre Schwester hatte die gleichen Haare und beide hatten warme braune Augen.
Kaz wirkte interessiert.
„Tut uns leid, aber sie sehen zwei Leuten sehr ähnlich, die leider tot sind.“
„Ja tut uns Leid und unser Beileid für euren Verlust. Wer seid ihr eigentlich?“
Die jüngere starrte ihre ältere Schwester belustigt an.
„Ich bitte dich Emily. John Wick Outfit, großer schlauer Waran. Das ist Sebastian Solomon! Und du mit der Katze bist bestimmt seine Tochter Amber und du mit der Narbe auf der Wange bist Jack. Es tut mir so Leid was mit eurer Familie passiert ist. Darf ich den Waran mal streicheln?“
Karl sah zu Kaz, der nickte, dann trat der Waran vor und ließ sich streicheln und kraulen.
„Ich finde Warane so faszinierend. Ich interessiere mich sehr für Großkatzen und Warane. Im Rahmen meiner Arbeit und meiner Forschung. Deshalb sind wir beide so Begeistert, dass man uns bei Horizon genommen hat.“
„Echt, sehr interessant. Ist das nicht komisch, dass ihr wenige Wochen nach dem Attentat bei Horizon anfangt? Was ist denn euer Background?“
„Naja, viele Mitarbeiter wurden bei dem Attentat getötet, aber das macht unsere Forschungen ja nicht unwichtig, außerdem müssen Positionen nach dem Tod von Jonathan Solomon neu besetzt werden. Ach ja wir haben beide zwei Master. Ich in Maschinenbau und Informatik und meine kleine Schwester in Biologie und Maschinenbau.“
„Zehn Jahre Studium? Wie habt ihr das den bitte finanziert?“
„Bafög, Ersparnisse, Stipendien, Nebenjobs und Musik.“
„Musik, wie darf ich das denn verstehen?“
„Das ist unser Ausgleich für den ganzen technischen Kram. Ich spiele Klavier und Geige und Klara spielt Gitarre und Cello. Und wir singen beide. Also hatten wir in unseren vier Wänden immer ein kleines Tonstudio, wo wir unsere Instrumente und Stimmen aufgenommen. Wir nennen uns Bionik Two und veröffentlichen auf Spotify. Bringt jeden Monat ein paar Euro. Und die Bezahlung bei Horizon ist echt gut und wir haben uns hier eine echt große Wohnung gegönnt. Eine hundert Quadratmeter Vierzimmer Wohnung. He warum lachst du?“
Kaz hatte losgeprustet.
„Entschuldigt aber das war nur so komisch mit der Wohnung. Ich hab nicht genau nachgezählt aber unsere Wohnung misst gut das Zehnfache.“
Die Schwestern starrten sie ungläubig an.
„Solomon. Dann besitzen sie den ersten Omega Avenger? Die Firma hat uns einen Omega Hound zur Verfügung gestellt. Und sie haben einen Swordfish und zwei Orcas und …“
„… und den neuen Wal Hai, ganz richtig die Damen.“
„Warum heißt ihr Bionik Two?“
Die größere Schwester machte ein grimmiges Gesicht und rollte ihre Hosenbeine hoch. Augmentierungen!
„Unsere Eltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen und wir haben unsere Beine Verloren. Horizon hat uns neue spendiert und unser Studium teilfinanziert und uns einen guten Job in Aussicht gestellt, wenn wir uns gut schlagen.“
Das war ganz schön heftig fand Jack, die Beine zu verlieren.
„Mein Beileid. War das ein normaler Unfall?“
„Von wegen, ein Truck der Clowns hat spuren gewechselt und uns Frontal zu Brei gefahren!“
Er sah wie Kaz eine Grimasse machte. Diese Schweinekerle waren überall.
„Deshalb ist es uns jetzt so wichtig Horizon in der Krise zu helfen. Es gibt jetzt einen Spendenfond für Hilfen für von den Clowns attackierten Organisationen.“
„Verstehe, welche Partei wählt ihr?“
„Nach der Krise? Ist doch klar: die neue Mitte, werden ja auch die Lilanen genannt. Was anderes kann man doch echt nicht mehr wählen. Über zehn Jahre Terror und Schikane und keiner macht was.
Wir sind übrigens Mitglieder in der Partei!“
Super Engagiert, Musikalisch begabt. Fehlen nur noch komische Macken.
„Mich seht ihr auch am Freitag zur Beerdigung. Mit meinen Skills fange ich in der Führungsebene an, deshalb habe ich die Ehre, Jonathan Solomon zu verabschieden. Ohne ihn, hätten wir immerhin keine Bildung und keine Beine. Wir würden jetzt gerne etwas essen, war schön euch kennenzulernen! Man sieht sich vielleicht wieder!“
Die beiden Schwestern verschwanden ins Bistro und sie sahen sich an.
„Also ich weiß nicht, klingt nach einer Deckstory.“
„Meinst du? Ich fand es überzeugend, außerdem sieht Liz anders aus und Mara auch. Ich finde das hat schon gepasst. Auch wenn ich zu gerne auch mal an den Haaren gezogen hätte.“
Kaz lachte und sie gingen mit ihren Haustieren weiter.
„Wir hätten Bälle mitnehmen sollen.“
„Lucy darf aber nicht ohne Leine raus.“
„Aber die tut doch keinem was.“
„Uns nicht, aber wir wissen nicht wie diszipliniert sie ist, wenn man sie provoziert. Das ist immerhin eine junge Großkatze und keine verschmuste Hauskatze. Auch wenn sie mir lieber ist als unser alter gnadenlos dämlicher Hauskater. Komm mal her Lucy.“
Kaz kniete sich hin und kraulte Lucy hinter den Ohren.
„Nick mal wenn du rennen und rumtoben willst. Nicken ist Kopf hoch und runter.“
Lucy nickte. Das war doch unnormal.
„Hm, Amber renn‘ mit Lucy so weit wie ihr es schafft ok? Wir gehen gemächlich in die andere Richtung, sodass wir uns treffen.“
Die beiden zischten los und Jack sah Amber nach. Passanten sahen sich nach den beiden um.
„Und, heute Nacht geht es richtig los?“
Jack verschluckte sich an seiner Zunge und hustete.
„Uhm, sie ist noch nicht volljährig und alles, aber wir halten es einfach nicht länger aus.“
„Mach dir keinen Kopf, ich und Anna waren auch so in dem Alter als es zwischen uns mächtig funkte. Das ist schon ok. Aber passt auf, ich will nicht mit vierzig schon Opa werden!“
„Das ist auch nicht der Plan.“
Er dachte nach.
„Vielleicht wirst du ja mit Ende vierzig Opa.“
„Das ist eine zutiefst gruselige Vorstellung, aber immerhin noch besser als Anfang Vierzig. Und ihr zieht nicht in diesen schrottigen Mühlhaufen ein, wo ich aufgewachsen bin! Der gehört renoviert oder abgerissen.“
„Ich dachte eher an eine moderne Neuinterpretation davon. Zwei große Maisonette Wohnungen. Gästewohnung, Apartment für den Hausmeister. Indoor Pool im Keller mit Verglaster Decke. Prepper Keller, Bunkerraum und so weiter. Auf einem großen Grundstück am Wasser mit einer Garage, Dock, Gewächshäusern und einem Hubschrauberlandeplatz. Ganz simpel.“
Kaz lachte auf.
„Werde du erstmal Architekt Großer. Hoffentlich alles Kugelsicher.“
„Definitiv, mit Passiven und Aktiven Abwehranlagen. Ich hab dafür so viele Ideen und kein Geld.“
„So ging es uns allen Mal. Das wird sich bestimmt noch ändern. Aber gut dass du dich traust zu träumen. Lass uns mal weitergehen.“
Sie kamen an vielen Passanten vorbei, während sie mit Karl den Weg entlang spazierten. Ab und zu blieb Kaz stehen um ein Autogramm zu schreiben. Vielleicht sollte Jack seinem Onkel mal eine Story zeigen die er geschrieben hatte. Vielleicht würde er zum Autor taugen.
„Onkel .. Papa.“
Kaz hielt und drehte sich zu ihm um.
„Was gibt’s Jack, liegt dir was auf dem Herzen?“
„Du weißt doch, dass wir mit deinen Geschichten aufgewachsen sind und sie uns geprägt haben. Darf man in deinem Universum eigentlich Storys veröffentlichen. Ich hab letztes Jahr ein paar Kurzgeschichten verfasst, weiß aber nicht ob sie was taugen.“
„Dann schick sie mir doch mal bitte es würde mich freuen, zu sehen was du so zu bieten hast.“
„Klar gerne, mache ich. Guck, da sind sie schon wieder.“
Amber und Lucy schossen auf sie zu und hielten vor ihnen an. Lucy war total aus der Puste, Amber hatte sich gerade erst warmgelaufen.
„So dann gehen wir mal wieder nach Hause. Jack kannst du Lucy tragen?“
„Japp, kann ich machen. Komm mal hoch Kleine.“
Lucy hatte ein gewisses Gewicht. Erwachsene Leopardinnen sollen gut und gerne je nach Art 30 Kilogramm wiegen, dann kann dich Amber tragen, ich sag‘s dir. Lucy schnurrte zufrieden während sie getragen wurde und Amber sie hinter den Ohren kraulte.
   Im Haus betraten sie die Wohnung durch die obere Tür und Katze und Waran wurde erstmal der Dreck abgewaschen. Amber rubbelte Lucy ordentlich trocken und Karl hatte bei der Fußbodenheizung alle viere von sich gestreckt und schlummerte auf dem Bauch während er trocknete. Wie gut das Lucy Wasser liebte.
   Amber ging mit ihrer Katze in ihr Zimmer und er in seins und er suchte die Kurzgeschichten raus, überflog den Inhalt, machte hier und da ein paar Korrekturen und zog es auf einen smarten Papierbogen und schrieb einen kurzen Text darauf, wo er die Hintergründe schilderte. Dann faltete er den Papierbogen, schob ihn in einen Umschlag und legte ihn oben in Kaz Arbeitszimmer auf seine Tastatur. Er betrachtete den 3D-Druck einer Ted Figur neben der Maus, die sah echt cool aus. Er beobachtete seine Mutter dabei, wie sie einen improvisierten Spielplan mit Spielfiguren auf dem Konferenztisch aufbaute und Benj alles erklärte. Der Schwarze hörte aufmerksam und interessiert zu, der war ein verdammtes Rätsel Ass.
   Es ging bestimmt um das Brettspiel, an dem Anna und Kaz arbeiteten. Wenn sie nicht gerade trainierten oder etwas zusammen machten, ging es ihr fast nur um dieses Spiel. Allerdings hatte sie immer Zeit für ihre mütterlichen Pflichten. Sie war so toll. Aufmerksam, Einfühlsam, Liebevoll.
Sie hatte einen sechsten Sinn dafür, wenn es einem ihrer ‚Kinder‘ schlecht ging und dieses Kind wurde dann liebevoll umsorgt. Akira traf es oft und ihn auch, Amber ging meist eher zu Kaz.
„Hey Jack, geht es dir gut? Sei bitte nicht so gemein zu Akira, auch wenn sie ein leichtes Ziel abgibt, sie kämpft immer noch damit, dass sie beide Elternteile so schnell verloren hat. Und sie ist immer etwas emotional. Und pass auf Amber auf, sie ist ein liebes Kind.“
„Ja, Mutti.“
„Und nenn mich nicht immer Mutti.“
„Ist gut Mutti.“
Benj lachte schallend und Anna sah Jack etwas resigniert an. Dann lächelte sie wieder. Er sah auf die Uhr. Es war fünf. In einem Streamingstudio schloss er sich ein, stellte einen Wecker und startete eine alte Gurke, die älter war als er selbst. Doom Eternal. Nicht sein erstes Doom, und vielleicht auch nicht das beste im Vergleich zu den Nachfolgern. Aber es machte ihm einfach nur Spaß. Auch wenn er es auf leicht spielen musste um nicht zu sehr auf Fressbrett zu bekommen.
   Neidvoll dachte er an Akiras erfolgreichen Versuch, alle Doomtitel auf dem schwersten Schwierigkeitsgrad durchzuspielen ohne zu sterben. Sie war einfach nur unnatürlich gut. Das war genau wie ihr Dark Souls Marathon. Die Spiele schlagen ohne ein einziges Mal zu sterben.
Man, sie sah richtig gut aus, gab sich total nett und aufgeschlossen und war auch noch so spielerisch talentiert. Und er hatte eine Narbe auf der Wange und spielte super beschissen. Wenigstens hatte er eine heiße Freundin. Auch wenn seine Ex Yolanda auch ziemlich heiß gewesen war. Die würde er am Freitag wiedersehen. Wolf hatte darum gebeten, sie zu begleiten. Der alte Mann hatte versagt, und das nagte sehr an ihm. Jack mochte die drei Brüder, also Manfred, Wolfgang und Wilhelm. Manfreds Töchter waren vom Charakter durchwachsen, Mara mit ihrem Waran war angenehm gewesen und den Rest kannte er nicht. Er wollte nicht an die Beerdigung denken. Die war schon in ein paar Tagen, zum Glück musste keiner von Ihnen eine Rede halten, auch Kaz nicht. Vielleicht sollte er sich Zwiebelsaft in die Augen reiben.
   Natürlich traf er nichts, während er in Gedanken abdriftete. Er konzentrierte sich und zerschnetzelte mit großer Genugtuung Dämonen. Den Wecker hörte er erst nach ein paar Minuten. Er machte aus, fuhr den Rechner runter und lief nach unten.
„Nah Jack? Versagst du wieder beim Zocken?“
Kam es gehässig von Akira.
„Zumindest versagte ich nicht mit dem Trimmer!“
Kaz schnaubte, Anna verdrehte die Augen und Akira brach in Tränen aus.
„Man, sei doch nicht immer so schrecklich emotional, außerdem hast DU angefangen!“
Anna strich sanft über Akiras superkurzen Bürstenschnitt und redete leise mit ihr, Akira schien sich wieder zu fangen.
„Ich mach dich am Freitag schick, dann lacht keiner. Ok Liebes?“
Akira nickte heftig und wischte sich die Tränen weg.
„Gibt es eigentlich ein Mittel für Haarwuchs?“
Fragte Amber.
„Das weiß ich wirklich nicht, brauchst du sowas?“
Amber antwortete nicht sofort sondern band sich die Haare hoch. Für einen Pferdeschwanz reichte es noch nicht, da fehlte leider noch ein Stück. Akira sah Amber etwas giftig an, die zuckte unschuldig mit den Schultern und stand auf um ihre große Schwester zu umarmen. Jack stand auf und schloss sich an. Akira brach wieder in Tränen aus.
„Trag doch Liz Perücken, du brauchst sie doch am ehesten!“
„Das war mein Plan. Es mit denen zu machen.“
Kam es von Anna. Akira faste sich und stand auf und kam ein paar Minuten mit der Regenbogenperücke zurück. Damit schien sie sich viel wohler zu fühlen. Jack fand es erstaunlich wie emotional sie war. Oder sie verwendete ihre Schwäche als Werkzeug um zu bekommen was sie wollte. Sie hatte ihre Gerissenheit schon mehrmals durchsickern lassen. Tränen für mütterliche Aufmerksamkeit. Das ging doch noch. Wobei Tränen gegen eine zehntausende Euro teure Sammlung von Perücken war dann wieder etwas ganz anderes. Oder die ganzen Klamotten von Liz, die ihr ja einfach so passten, und die Schuhe, Mäntel und Stiefel. Gerade das mit den Mänteln. Das waren völlig wahnwitzige Summen. Apropos, beim Thema Geld fiel ihm was ein.
„Papa? Gibst du mir eigentlich Taschengeld? Ich brauch ein bisschen was für Sprit und Anschaffungen und Essen gehen und so.“
Kaz starrte ihn überrascht an, er hatte also gar nicht daran gedacht.
„Verdammt, das habe ich ja total vergessen. Akira braucht nicht so viel, die klaut sich ihres zusammen“
Akira sah ihren Onkel böse an
„Aber meine Schwester hat dir ja nie wirklich was gegeben. Wieviel schluckt der Omega Defender?“
„Wie ein großes gieriges Loch. Die letzte volle Tankfüllung waren locker 100€ Jetzt hab ich eigentlich nur noch Kleingeld. Und ich habe leider kein rundum-sorglos Service Paket für den Omega.“
„Oh Mist, dass hatte ich ganz vergessen. Ok ich überweis dir sofort eine kleine Spritze und überleg mit was mit dem Taschengeld, du wirst ja erst im November achtzehn und wir wissen noch nicht wie das Erbe aussieht. Johnny wird sich irgendetwas Teuflisches für dich Akira ausgedacht haben. Der hatte früher bei Brettspielen immer schon zwanzig Züge vorausgeplant. Wurde nicht selten durch Herbert durchkreuzt der immer eher aus purem Zufall und Versehen gewonnen hat. Wir sind doch sechs. Habt ihr mal Lust auf Brett-, Tabletop- und Pen-und-Paper-Spiele? Dungeons und Dragons liegt im Keller und ich hab bestimmt vier oder fünf Kampagnen für mehr als vier Spieler in petto. Und Anna hat ihre Lieblingsspiele mitgebracht. Und im südlichen Block gibt es einen tollen großen Laden von zwei Brüdern, der eine macht Brettspiele und der andere Tabletop. Anna hat sich sagen lassen, dass man dort auch Spiele Probespielen kann. Wir können mit die Siedler von Catan anfangen, das ist schön um wieder reinzukommen.“
Anna jubelte, Kaz grinste und die anderen sahen sich an. Yuzuf bejahte und stieß Akira an, die nachdenklich auf ihrem Stuhl saß. Brettspiele! Also etwas was sie zuvor praktisch nie gemacht hatte und wenn nur zu dritt, weil Helena keine Spiele mochte und Johnny und Emma nie da waren. Ihm fiel etwas siedend heiß ein.
„Kaz, warum gibt es eigentlich kein Pen-and-Paper Rollenspiel in deinem Universum? Die Welt gibt es doch seit über zehn Jahren.“
Kaz saß wie vom Blitz getroffen auf seinem Stuhl und warf einen hektischen Blick zu Anna, die nicht minder perplex wirkte.
„So meine Herrschaften jetzt gibt es erstmal Essen. Feinste Delikatessen.“
Ein Mann um die dreißig mit einer ordentlichen Hakennase und einem Spitzbart in einem Koch-Outfit servierte ihnen das Abendessen. Angussteaks in einer Pfifferlingssoße mit toll gedünstetem Gemüse. Allein bei dem Brokkoli lief Jack das Wasser im Munde zusammen und eigentlich mochte er keinen Brokkoli.
„Wer sind Sie denn?“
Kam es von Akira.
„Ich bin Liens Verstärkung, damit die gute auch mal ein bisschen Ruhe bekommt. Ich war ebenfalls Koch im Haus der Welt gleich nebenan. Mein Name ist Merlin. Und bevor sich jemand wundert, meine Mutter ist eine britische Literaturwissenschaftlerin. Ihr Lieblingsbuch könnt ihr euch bestimmt denken. Meine Eltern wohnen sicher vor den Clowns in einem Nest in Schottland. Ich koche und ich putze auch. Fühlt euch verwöhnt, die Getränke kommen sofort.“
Merlin zischte davon und wenig später kamen die Getränke im Aufzug nach oben. Dieses Mal nahmen sie sich selbst.
„Haben wir noch mehr Personal“
Fragte Amber leise zu Kaz und der nickte.
„Die bekommen wir über die Geister vermittelt. Wir sind jetzt eine sehr große Familie geworden.
Lien und Merlin schmeißen den Haushalt und kochen und putzen und gehen einkaufen. Benj ist Fahrer und Leibwächter und unterstützt Anna seit neustem bei ihren Brettspielen. Frank ist unser Mann für den nervigen Papierkram und er managed meine Auftritte als Autor, die mir leider nicht erspart bleiben. Suzi ist Pilotin von Lambda und Ex-US Airforce. Und Sarah unterstützt uns als Stewardess auf Langstreckenflügen. Sie ist sehr fachkompetent, wie ich feststellen durfte. Also sieben Unterstützer. Plus die Crew des dicken Fischs. Seht also zu, dass ihr immer genug verdient um euch diesen Luxus leisten zu können. Aber wir können es ein Stück weit subventionieren, weil die sieben ebenfalls Geister sind. Und jetzt haut rein, dass Essen sieht einfach so hinreißend lecker aus!“
Gesagt getan. Oh man, die Pilzsoße war hervorragend. Das Fleisch war zart und saftig und kein bisschen zäh und das Gemüse war ein Gedicht. Und vor allem war das ein Riesensteak gewesen und er war fast satt. Zum Nachtisch gab es kleine fluffige Küchlein mit viel Sahne. Das war so lecker.
Wo sollte da noch Popcorn reinpassen? Aber er kannte seinen Körper nur zu gut, da würde noch mehr reinpassen. Sie saßen entspannt da. Kaz und Anna diskutierten angeregt über Brettspiele.
Und dann räumten sie ab, gingen alle nochmal aufs Klo, während sie Popcorn für alle machten und Kaz den Film einlegte. Mit Tüten voll warmen Popcorn und Kaltgetränken für alle gingen sie ins Kino und suchten sich einen Platz aus. Er und Amber auf ein Sofa für Zwei, ebenso Kaz und Anna, Akira und Yusuf machten es sich in der ersten Reihe bequem.
   Kaz drückte auf Start. Fast andauernd wurde herzhaft gelacht und bei den Schlüsselszenen brüllten sie alle. Dieser Film war einfach so genial. Als die Credits rollten küsste er Amber. Akira sprang auf und verabschiedete sich. Yusuf mampfte Akiras Popcorn und er stöberte durch die Regale mit den Filmen zu beiden Seiten. Kaz und Anna waren eng umschlungen. Amber zog ihm am Arm und sie gingen heimlich hoch. In Ambers Zimmer zogen sie sich schnell aus und er stülpte sich routiniert ein Kondom über. Er grinste Amber an die sich nach hinten auf das Bett fallen ließ und ihn erwartungsvoll ansah. Er trommelte spielerisch auf seiner Brust wie ein Gorilla. Jetzt geht’s rund!