Das Osiris Projekt – Teil 2- Kapitel 3

3.  Jack – 3.W.Aug. 2045 – Samstagvormittag.

„Where it began“
Jack wusste genau was damit gemeint war. Und ihm graute ein bisschen was ihn erwarten würde. Nur wie würde er da ohne Auto hinkommen.
„Mama, wo kann man hier Fahrräder ausleihen?“
Anna sah in überrascht an, er hatte sie gerade zum ersten Mal Mama genannt.
„Unten vor dem Haus ist ein Fahrradschuppen mit Trekkingrädern von Nox und im Keller sind Fahrräder vom Haus. Ihr wurdet übrigens schon umgemeldet.“
Jack holte seine Brieftasche aus der rechten Gesäßtasche und betrachtete den digitalen Ausweis. Stimmt, das war die Adresse dieses Wohnhauses, Platz der Nationen Nummer eins.
„Danke Mama, ich mach mich dann mal auf die Socken.“
„Warte einen Moment.“
Sie stand auf und umarmte ihn fest. Das tat gut. Dann schnappte er sich seinen Rucksack, stopfte eine Wasserflasche rein und schoss nach unten. Die Räder vom Haus hatten definitiv Peilsender. Er wusste nicht was ihn erwartete.
   Es dauerte eine Weile bis er die richtige Seite des Hauses gefunden hatte. Er bezahlte am Automaten und ein Fach öffnete sich, dem er einen nummerierten Schlüsselbund für zwei Fahrradschlösser entnahm. Im Verschlag öffnete er die Schlösser von Rad Nummer acht und schob es nach draußen. Es war ein ganz normales hochwertiges Treckingrad. Er stellte es an seine Körpergröße ein und radelte los. Auf der Straße stutzte er und hielt auf dem Gehweg. Eine Gruppe Polizisten gingen lachend die Straße entlang gefolgt von einem merkwürdigen Tross. Ein Schwarzer schwenkte eine große Deutschlandflagge und ihm folgte eine große Gruppe multikultureller Gestalten in authentischen Kriegeroutfits durch die Jahrhunderte. Nationalitäten und Kostüme waren querbeet durchgemischt. Dahinter Weiße mit „Black Lives Matter“ Schildern und Schwarze mit „White Lives Matter“ Schildern. Einer trug ein Schild mit „Traps are gay“ und er schmunzelte. Araber schoben einen Wagen mit einem Clown auf einem Scheiterhaufen. Dahinter kam eine große Gruppe der Animals in Tierkostümen und mit Tiermasken. Der komplette Zug schmetterte die Deutschlandhymne aus vollen Kehlen. Die Leute die den Zug begleiteten hatten gute Laune und schwenkten Deutschlandfahnen.
   Erst jetzt schnallte er das überall von den Balkonen ringsum Flaggen flatterten. Tausende von Flaggen in Solidarität gehisst. Seltsame Zeiten. Die Polizisten wirkten gelassen und happy.
Jack wartete bis der Zug vorüber zog und schwang sich wieder auf seinen Drahtesel. Nach der Nacht der Anschläge waren alle entweder in Schock oder sehr patriotisch drauf. Der Verkehr war praktisch nicht vorhanden. Er passierte ein paar aufgebrochene Straßensperren der Polizei. Am Ende von Berlin Solomon parkte ein Leopard 2A9 bequem auf einem zerquetschten Mannschaftswagen der Polizei und Soldaten standen herum und bewachten eine SEK Truppe, die man an ein paar Straßenlaternen gefesselt hatte. Das habt ihr davon wenn ihr Clowns beschützt.
   Ein paar Soldaten winkten ihm zu und er winkte zurück. Kannten die ihn etwa? Der Verkehr der für gewöhnlich total zum kotzen war, existierte heute praktisch nicht. Er kam gut und problemlos voran. Auch wenn es mit dem Fahrrad gefüllt Ewigkeiten dauerte bis er den Wald erreichte. Im Sommer war die Stelle kaum wiederzuerkennen. Er bog auf den Waldparkplatz ab und lehnte sein Rad an einen Baum. Er sah einen mächtig aufgemotzten Defender in beige. Das alte Modell mit Portalachsen, Schnorchel und vielen Anbauten. Das sah richtig geil aus. Er hörte einen Pfiff und drehte sich um und sah eine Joggerin, die nicht wirklich viel anhatte, auf ihn zukommen. Sie war vom Rennen klatschnass. Sie warf ihm etwas zu und er fing es auf. Es war ein Autoschlüssel. Sie blieb stehen und deutete auf das Fahrrad. Ah er verstand und er warf ihr den Fahrradschlüssel zu. Sie fing und fuhr mit dem Fahrrad davon. Hoffentlich brachte sie es zurück. Er starrte auf den Schlüssel und öffnete den fetten Defender. Das Glas der Scheibe war locker daumendick. Also ein Omega? Er setzte sich auf Fahrersitz und umgriff das Lederlenkrad. Der gesamte Innenraum war ähnlich gestaltet wie der Omega Avenger. Außen etwas schrottig, innen edel.
   Aber alles war analog. Drehknöpfe, Kippschalter, kein Bordcomputer. Er liebte die Karre jetzt schon. Im Handschuhfach fand er die Fahrzeugpapiere. Er sah sich um. Warum hatte seine Fußmatte eigentlich ne kleine belgische Flagge an einer Ecke? Die auf der Beifahrerseite hatte eine amerikanische Flagge. Neugierig ob er die Matte hoch und der Boden darunter sah aus wie eine gerollte Abdeckung oder so ähnlich. In ein Schloss steckte er den Autoschlüssel und die Bodenabdeckung fuhr zurück.
   Holla die Waldfee. Eine modifizierte FN P90 SMG und eine FN Five-Seven Pistole mit Schalldämpfern, Ersatzmagazinen und Visieren. Er staunte nicht schlecht und schob die Abdeckung wieder rüber.
   Auf der amerikanischen Seite war es eine Kriss Vector und eine Colt M1911, wieder mit Zeugs. Das würde ordentlich knallen, dachte er. Die Kiste hatte bestimmt noch mehr Verstecke. Er öffnete den Sonnenschutz runter und fand ein Kärtchen mit einer Adresse. War das Kassettenlaufwerk nicht viel zu groß für ne normale Kassette? Er startete den mächtigen Motor und schob sein Prism 12 in den Schlitz. Haha, er wusste es. Die Karre hatte auch ein HUD. Also doch ein Bordcomputer. Nachdem er die Adresse eingetippt hatte manövrierte er vom Parkplatz herunter und fuhr los. War eigentlich gar nicht mal so schrecklich weit. Er hatte ein eigenes Auto!

*

Er blieb an der Ecke stehen und beugte misstrauisch die Adresse. Ein alter Werkstoffhof. Das Rolltor war offen. Die Geister werden es schon wissen, hoffte er und fuhr auf den Hof. So dass er im Worstcase schnell wieder abhauen konnte. Zwei Männer traten aus einem der Schuppen und winkten ihm zu. Ein Weißer und ein Araber. Er stieg aus und trat vor. Die beiden Männer geboten ihm, ihnen nach drinnen zu folgen. Drinnen war es schwach beleuchtet und der weiße machte das Tor zu. Der Araber sprach mit ihm in aktzentfreiem Deutsch.
„Hallo Ripper. Hier bekommen dein Arsenal und dein Körper ein kleines Upgrade. Du bekommst den Cocktail und den Link und deinen Ripper Anzug. Also komm mal mit.“
Er folgte dem Araber eine rostige Treppe in den Keller und einen Gang entlang zu einem klinisch weißen Raum.
„Mach mal deinen Oberkörper frei und leg dich mit dem Bauch auf die Liege. Der Link ist völlig Schmerzfrei, auch wenn dir danach schwindelig sein wird.“
Der Araber klang total professionell und er folgte den Anweisungen. Er hörte den Mann einen Koffer öffnen und mit etwas hantieren. Dann fühlte er ein kühles Desinfektionsmittel auf seinem Nacken. Die vier Stiche entlang seiner Wirbelsäule waren schnell und taten kaum weh. Dann eine vermutlich große Spritze und es war vorbei. Er sollte noch ein paar Minuten liegenbleiben und dann langsam aufstehen. Ihm war tatsächlich etwas schwindelig und musste sich auf einen Stuhl setzen. Der Araber brachte ihm ein Glas mit einer milchigen Flüssigkeit die er mit leichtem Ekel herunterstürzte. Aber es half gegen die Übelkeit.
„Geht’s dir besser? Jetzt der Cocktail. Bist du auch so ein Marvel-Fan wie dein Onkel? Es ist ein bisschen wie das Superserum in Captain Amerika, aber nicht so dramatisch wie im Film. Du wirst schneller und stärker. Kannst weiter und höher springen. Deine Reflexe sind schneller. Du wirst ein Stück intelligenter und kannst zum Beispiel codierte Nachrichten viel schneller knacken. Und ein paar andere Sachen. Den bekommen nur die Agenten, zu denen du jetzt auch gehörst.Mach uns stolz Ripper, viele Menschen zählen darauf. Komm ins nächste Zimmer. Der Cocktail ist nicht ganz ohne und du wirst ordentlich Schmerzen haben. wir müssen dich also zu deiner eigenen Sicherheit fixieren. Der Raum ist gedämmt, wenn du also schreien willst, mach es. Das hilft tatsächlich.“
Oje das klang gar nicht gut. Aber wenn es ihn besser machte, dann immer her damit.
   Er ließ sich auf einer Liege fixieren und prüfte die Fesseln. Dann legte man ihm einen Katheter an und hängte ihn an einen Tropf mit einem Sack einer türkisenen Flüssigkeit. Er schluckte schwer als die Flüssigkeit nach unten ran und in seinen Blutkreislauf. Nachdem der Sack zu einem Drittel leer war begannen die Schmerzen. Erst gering, dann immer stärker und dann kaum zu ertragen. Am Ende brüllte er die Schmerzen aus dem Leib der sich anfühlte als hätte man ihn angezündet. Es wollte kein Ende nehmen. Und dann stoppte es einfach so.
   Der Araber löste die Fixierung und stützte ihn. Er führte ihn zu einer Duschkabine und legte ihm ein Handtuch und ein paar Sachen hin.
„Dusch dich in Ruhe ab, dann bekommst du einen Snack und dann legst du dich hin, damit das Mittel wirken kann. Sechs Stunden reichen im Durchschnitt. Und lass dir Zeit beim Duschen.“
Sein Körper brannte und er duschte so kalt wie es ging, auch wenn er nach Luft schnappte. Aber es tat so gut und er ließ es laufen bis ihm wirklich kalt war. In einfachen Sachen verließ er die Dusche und folgte dem Araber in einen Raum wo es schon gut roch.
   Ein saftiger Burger mit einer Portion Pommes und einer eisgekühlten Cola wartete auf ihn und seinen brummenden Magen. Genau darauf hatte er jetzt Kohldampf und er mampfte mit purem Appetit.
   Danach legte er sich auf eine bequeme Liege mit einer Wolldecke und schlief sofort ein. Er wachte nach sieben Stunden wieder auf und sah sich um.
„Wir haben einen Anhänger mit mehr Spielzeug für dich an deinen Defender angehängt. Der hat übrigens auch einen Transponder für dein Haus. Dagger holt gerade sein Spielzeug aus den USA und den Alligator. Die Mädels haben ihren Cocktail auch gut überstanden und sind jetzt im Tiefschlaf. Dein neuer Anzug wartet in einer Kiste im Kofferraum deines Wagens. Du wirst ihn testen, aber nicht hier. Wir werden uns wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, also wünsche ich dir und deiner neuen Familie alles Gute. Dein Training beginnt Ripper, mach uns stolz.“
Er umarmte den überraschten Araber und wurde nach oben geführt, wo ein großer Anhänger ähnlich dem vom Omega an seinem neuen Defender wartete. Der Weiße schüttelte seine Hand und Jack stieg ein und zog seinen neuen Fang ins Trockene, die anderen würden Augen machen.

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