Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 30

30. Jack – 3.W. Aug 2045 – Freitagabend

Was hatte sie eigentlich geritten, kurz vor Ambers und Akiras Geburtstagsparty nochmal diese scheißhohe Wand hochzuklettern? Über hundert Meter. Aber Yusuf führte sie und sie kamen gut voran. Und dann plötzlich ging alles schief. Yusufs Funkgerät schrillte und der Araber hielt an. Dabei lehnte er sich in das Geschirr und sah sich zu beiden Seiten um. Wie als ob er etwas suchen würde und er wirkte sehr angespannt.
„Fuck, Fuck, Fuck. FUCK!“
Das letzte Wort brüllte er in die Nacht.
„Kids, seilt euch ab ASAP! Los los los.“
Verunsichert ging es den Fels runter so schnell es ging. Auf halber Strecke hörten sie eine dumpfe gewaltige Explosion, die sie von hier aus nicht sehen konnten. Dann weitere Explosionen. Die vierte war noch mächtiger als die erste. Jetzt bekamen sie es echt mit der Angst zu tun und beeilten sich so schnell wie möglich von hier runterzukommen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sie endlich festen Boden erreicht hatten.
„Vertraut ihr mir?“
Sie nickten
„Dann kommt mit!“
Sie ließen einen unordentlichen Haufen mit Klettergeschirr hinter sich liegen und rannten Yusuf hinterher. Zu seinem Truck. Was sollte das denn, damit sitzen wir wie auf einem Präsentierteller!
Yusuf verschwand für einen Moment im Inneren dann warf er Jack etwas zu. Ein AR-15 Gewehr, geladen! Und Pistolen für die Mädchen. Und dann drei kugelsichere Westen und Geschirre und ein paar Magazine. Und kurz darauf erschien Yusuf in einem schwarzen Tarnanzug mit einem Helm unterm Arm.
„Die Waffen sind für den Notfall. Jack du willst Soldat werden, also zögere nicht wenn du einen Clown siehst. Knall ihn ab! Wir bekommen in sechzig Sekunden Verstärkung. Ich bringe euch in Sicherheit, das habe ich eurem Vater versprochen.“
Sie zogen sich schnell an und stopften die Magazine in die Geschirre. Drei schwarze Geländewagen hielten mit quietschenden Reifen vor ihnen und die hinteren Türen des mittleren Wagens sprangen auf. Da stiegen sie ein und Yusuf winkte ihnen nach. Türen zu und los ging es. Sie preschten aus der schweren Pforte. Zu ihrer linken sahen sie in der Ferne dicke Rauchschwaden und Flammen. Sie fuhren ein paar Minuten. Dann passierte alles ganz schnell. Der Wagen vor ihnen wurde von einer Explosion zerfetzt und regelrecht in die Luft geschleudert. Ihr Fahrer ihres Wagens stoppte und wollte den Rückwärtsgang einlegen, da explodierte der Wagen hinter ihnen und ihr Wagen wurde von schräg rechts von Kugeln zersiebt. Jack stieß die Tür auf und zog die Mädchen aus dem Wagen. Verdammte scheiße, Akiras rechtes Bein blutete stark. Amber gab Feuerschutz und Jack schnallte sich die Waffe um und zog Akira hinter eine Häuserwand. Er untersuchte das Bein und vom Einschlagswinkel her sollten die Arterien und der Knochen unverletzt sein. Amber zitterte und wirkte gefasst. Akira weinte. Jack zeriss ihre Hose und legte ihr einen notdürftigen Druckverband an. Dann Half er ihr hoch und stützte sie, während er ihre Pistole nahm. Jetzt machte sich das Training mit Kaz bemerkbar. Sie humpelten zu einem nahen Wohnhaus und klingelten Sturm. Keiner regte sich. Amber verstand sofort und zischte davon. Keine fünf Minuten hörten sie ein Klicken und die Tür öffnete sich von innen. Sie schleppten Akira ins Wohnzimmer und aufs Sofa. Sie verlor viel Blut. Sie brauchte dringend Hilfe. Jack sah sich händeringend um. Das Licht war ausgeschaltet.
„Amber such‘ nach einem Erstehilfekasten. Schnell!“
Er legte die Pistole neben Akira und entsicherte das Gewehr. Er schlich in die Küche, schnappte sich ein Messer und verriegelte die Tür. Clowns näherten sich dem Haus. Er schoss aus dem Fenster und erwischte zwei von ihnen. Der Rest suchte Deckung hinter den parkenden Autos, sie schossen auf ihn und die Kugeln prasselten gegen die Wand. Ein paar Kugeln zischten durchs Fenster, aber die Wände – hoffentlich Beton – hielten stand. Einer der Clowns versteckte sich auf Höhe der Seitenfahrertür. Er hatte den besseren Winkel und schoss eine Salve ab. Die Scheibe auf der Fahrerseite zersprang und die panzerbrechenden Kugeln durchlöcherten die Beifahrertür. Er hörte einen erstickten Schrei gefolgt von einem Gurgeln. Getroffen Schweinehund. Fuck, er hatte gerade drei Menschenleben ausgelöscht!
   Er warf einen Blick ins Wohnzimmer wo Amber mit einem Erstehilfekasten über Akira kniete und ihr Bein verband.
„Die Kugel ist durchgegangen. Sie braucht einen Arzt!“
Wir brauchen nicht nur das. Er spähte aus dem Fenster und sprang zur Seite aus der Küche raus und er zog Amber und Akira vom und hinter das Sofa. Kurz darauf hörten sie ein Donnern als das RPG Geschoss durch das Küchenfenster geschossen kam und in die Betonwand krachte. Betonbrocken und Splitter schossen durch die Gegend und die Druckwelle zerstörte die Küche.
Er sah sich panisch um. Da, die Tür zur Terrasse. Nein sie saßen in der Falle, aber von der anderen Seite kamen die Clowns. Er hörte ihr Geschrei. Akira ich hoffe du kannst auch unter starken Schmerzen klettern. Er sah den Heizöltank im Garten. Und er hatte in der Küche ein Zippo gefunden.
Hoffentlich gingen keine Unschuldigen bei der Aktion Hops.
   Akira stand auf biss die Zähne zusammen und sprang unter Schmerzensschreien die Wand hoch und erreichte die Kante. Sie blieb oben sitzen und half Amber und ihm. Oben schoss er eine Salve in den Tank und warf das lodernde Feuerzeug in die sich schnell ausbreitende Lache aus Heizöl. Der entzündete sich fauchend und versperrte den Clowns den Weg. Er ließ sich über die andere Seite fallen.
   Akira heulte vor Schmerzen aber sie humpelte so schnell sie konnte, von ihm gestützt. Plötzlich quietschten Reifen hinter ihnen und schwere Geschosse donnerten hinter ihnen in den Gehweg. Sie warfen sich hinter die parkenden Autos. Das Wummern kam näher. Dann hörte er das Donnern eines schweren Diesels. Es krachte gewaltig und das schwere MG stoppte abrupt. Jack spähte hinter dem Auto hervor. Yusufs fahrender Schrotthaufen hatte den Wagen der Clowns mit seinem 50 Tonnen Kampfgewicht einfach überrollt. Der Truck hielt auf ihrer Höhe quietschend an und die Tür zum Wohnteil sprang auf und Yusuf eilte heraus und half ihnen Akira ins Innere zu heben. Sie fuhren los. Moment Mal, der Araber war doch bei Ihnen, war die Kiste auch autonom? Yusuf las seinen Blick und schüttelte nur den Kopf.
„Vorne sitzen Nadja und Igor in Kampfanzügen, wir bringen euch in Sicherheit.“
In dieser Rostlaube? Sie hörten wie irgendwas von unten gegen den Unterboden knallte, aber nichts passierte. Kugeln schlugen um sie ein, aber sie drangen nichts ins Innere. Das Innere!
Das war nicht der Innenraum des Trucks den er kannte. Alles war weiß und schwarz und die Wände waren voller Fächer und Schubladen. Der Araber besah sich das Bein und nickte zufrieden. Aus einem Fach zog er eine Blutkonserve und hängte Akira an den Tropf. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und sie schluchzte heftig.
„Tapferes Mädchen. Die Wunde wird schon wieder und es wird höchstwahrscheinlich keine Schäden geben.“
„Wie sieht es mit euch aus? Seid ihr verletzt?“
Die Stimme war von Nadja und kam durch den Kriechgang über dem Motorraum.
Amber und er tasteten alles ab, aber nein kein Blut, keine Schrappnelle.
„Nein, wir sind in Ordnung.“
„Wunderbar, nicht dass ich gleich meine erste Klasse verliere.“
„Nicht so laut. Noch haben wir es nicht geschafft. Und diese Mühle ist lahm wie Sau.“
„Aber das ist ein Theta, die brauchen schon was Größeres als ein RPG um hier reinzukommen! Wie geht es Akira. Als wir die Explosion hörten, haben wir gleich den Truck fertig gemacht, den hätten wir gleich nehmen sollen. Dem macht eine IED nichts. Verdammt, hoffentlich saß da niemand drin den ich kannte. Verdammte scheiße. Diese Schweine haben eine A380 mit Passagieren in den Horizon Tower auf der anderen Seite vom Fluss gejagt. Da sind hunderte bei gestorben, vielleicht sogar tausende. Aber die haben schnell geschaltet und die Brücken hochgezogen und alles dicht gemacht. Und ihre Flotte an Gunships in die Luft geschickt.“
Verdammt warum redete die immer so viel. Er hielt Akiras eine Hand, Amber ihre Andere. Auf einem Bildschirm sahen sie das Gelände von Horizon. Das Krankenhaus und der Turm im oberen Drittel standen in Flammen.
„Wurde die Schule angegriffen?“
„Anzunehmen, aber wir sind gut vorbereitet. Wir haben ein Verteidigungssystem gegen Raketen und die Außenwände sind Meterdick und durch die Schleusen kommt keiner rein.“
„Warum sind wir nicht geblieben?“
„Weil es bei eurem Onkel noch sicherer ist. Das ist eine echte Festung und gut bewacht.“
„Wissen wir. Was wisst ihr über die Festung.“
„Sorry, das liegt über meiner Gehaltsgrenze. Das kann ich dir nicht beantworten.“
„Wo müssen wir hin?“
„Lieferanteneingang und dann links.“
„Geht klar. Für einen fetten Mülleimer ist die Kiste ganz schön fix. Ich bin bei 75 km/h. Kids wir sind in kürze da. Bitte halt durch Akira.“
Akira hatte die Augen geschlossen und stöhnte. Jack drückte ihre Hand fest.
„Nadja, du warst doch Sanitäterin, kannst du sie flicken?“
„ja na klar, Moment.“
keine Minute später kniete sie über Beinwunde und begutachtete sie.
„Du hast verdammt viel Glück gehabt Mädchen. Ich kümmere mich um dein Bein also sei bitte ganz Tapfer.“
Es war kurz und schmerzhaft und Akira schluchzte vor Schmerzen. Dann saß der Verband ganz fest und Nadja beugte sich vor um Akira sanft an der Schulter zu schütteln.
„Du hast es überstanden. Du solltest aber nochmal geröntgt werden, wenn der Trubel hier vorbei ist. Du hast dich gut geschlagen. Bei meiner ersten Schusswunde habe ich stärker geheult als du.“
Nadja zwinkerte ihnen zu, Dann setzte sie wieder den Helm auf und kroch ins Führerhaus.
„Shit, siehst du den Leopard 2, was will der den.“
„Er nickt mit dem Kanonenrohr, ich denke das heißt wir können weiterfahren.“
„Hoffen wir es.“
Ein Leopard 2 Panzer? Die waren doch gar nicht mehr im Dienst. Er sah durch den Kriechgang nach vorne und nach draußen. Stimmt. Leopard 2 A6. Nicht mehr wirklich taufrisch. Pechschwarz und das Symbol der Geister prangte seitlich am Turm, oha.
   Sie passierten den Kampfpanzer und näherten sich dem Haus. Alles war Dunkel und kein Licht brannte. Der Truck fuhr in den Liefereingang hinab und nach links durch ein schweres Rolltor. In der dunklen Halle blieben sie stehen und alle stiegen aus. Yusuf klappte eine Trage aus und sie betteten Akira da drauf und brachten sie durch ein Gewirr von schlecht beleuchteten Gängen zu einem Fahrstuhl und fuhren in den dritten Stock. Woher kannten sich Nadja und Igor hier eigentlich so gut aus? Hier waren nirgends sichtbare Schilder und sie hatten sich nicht einmal verlaufen.
Vor der Haustür erwarten sie das Personal, Lien und Suzi mit Kampfmessern und Pistolen und Benj mit einer Shotgun. Alle hatten Schutzsichere Westen um. Ihre Eskorte verließ sie und Sie wurden reingelassen. Die Fenster waren Schwarz und Blickdicht und es brannte Licht. Zitternd ließen sich die drei auf dem Sofa nieder, beziehungsweise Akira lag auf einem, und sie legten die Waffen nieder. Yusuf tigerte unruhig umher. Amber schaltete den Fernseher ein und einer der großen Sender brachte eine Eimeldung.
„Uns erreichen Berichte nach denen Adrian Drosser und Miranda Klee, die Tochter des Oberbürgermeisters brutal von dem Mörder hingerichtet wurde, der die Republik zuletzt im April in Angst und Schrecken versetzt hat. Man nennt ihn Dagger …“
Amber schaltete um, und schaltete und schaltete, aber kein Sender berichtete auch nur im Entferntesten von den massiven Explosionen bei Horizon. Dann blieb sie wieder beim ersten Sender hängen.
„ … ein großes Drama für unsere Stadt, nach dem versuchten Mord an Adrian Drosser durch Ryan Solomon und … heh, wir sind auf Sendung das dürfen sie nicht!“
Die beiden Nachrichtensprecher wichen zurück als zwei vermummte Männer in schwarzen Kampfanzügen mit HK416 Sturmgewehren die beiden Nachrichtensprecher zurückscheuchten. Gefolgt von einem Mann über sechzig der Ähnlichkeiten mit Manfred Bluhm hatte. Dieser Legte einen Stapel mit Papieren und einem Laptop auf den Tisch und winkte in die Kamera.
„Test test? Haha, es funktioniert. Entschuldigen sie das dramatische Eingreifen, aber wie soll man euch sonst daran hindern diese Grütze zu senden. Und wenn ihr auf die Polizei wartet … die haben gerade besseres zu tun. Aber kurz zu mir. Die wenigsten dürften mich kennen, ich bin Wilhelm Bluhm. Ehemaliger KSK Befehlshaber und Gründer und Anführer der KSK Gruppe „die schwarzen Wölfe“, einer der besten Militärspezialeinheiten der Welt. Bis zu meiner Verletzung. Seitdem führe ich einen gut laufenden Sicherheitsdienst hier in Berlin und mein kleiner Bruder führt die Wölfe seither. Aber genug Geschwätz. Wir wollen euch ein paar Fakten nennen. Soeben haben unsere Junior Clowns versucht die Familie Solomon auszulöschen. Ist ihnen nicht ganz gelungen und die Überlebenden sind in Sicherheit und ich werde ihre Positionen ganz sicher nicht verlauten solange diese Clown Psychopaten und korrupten Cops draußen herumlaufen. Und jetzt schalten wir mehr oder weniger Live zu den Angriffen der Clown, während ich meine Brille suche.“
Fuck, meinte er damit dass Mama tot war? Ihm wurde kalt. Akira neben ihm auf dem anderen Sofa brach in Tränen aus. Amber drückte fest seine Hand. Und wo zum Geier waren Kaz und Anna hin? Hoffentlich ging es ihnen gut.
   Sein Herz verkrampfte sich als er die Fernsehbilder sah. Das war das Gelände von Horizon.
Irgendwas war in den riesigen Turm gekracht und Feuer loderte aus einem riesigen Loch gefolgten von dicken schwarzen Rauchwolken, wie bei Nine-Eleven vor fast fünfzig Jahren. Das Krankenhaus war schwer getroffen worden und brannte Lichterloh. Auf Dem Vorplatz tummelten sich eine Menge Gestalten die zu jubeln schienen. Dazu eine Menge Trucks.
   Das Pförtnerhaus war nur noch Asche. Und dann diese grausamen Bilder. Ein riesiger Airbus A380 im Tiefflug flog auf den Horizon Turm zu und krachte in das untere Drittel und Explodierte in einer heftigen Explosion. Die Clowns unten am Tor jubelten und zogen ab als, der Turm krachte und sich langsam neigte. Wie verdammt viele Menschen sind dabei umgekommen. Es war erst früher Abend an einem Freitag, das waren bestimmt viele noch ihren Büros. Und die Flieger waren sicherlich auch nicht gerade leer.
   Der Turm stürzte und eine gewaltige Staubwolke türmte sich auf. Die Qualmwolken türmten sich hoch in die Nacht hinein und überall loderten Brandherde.
„Seht ihr das verdammt nochmal? Das Werk der Clowns. Wollte ihr diese Bastarde immer noch decken. Ihr Clowns da draußen, wir haben da mal was vorbereitet für euch.“
Ein Countdown mit zehn Minuten lief über das Bild, als sich die Tür hier bei ihnen öffnete und zwei Gestalten in Anzügen hereinstolperten. Der eine war definitiv Kaz und die andere Gestalt war eine Frau, dass musste Anna sein. Lien nahm das Scharfschützengewehr in die Arme und legte es zur Seite während die Frau den Helm abnahm. Genau es war Anna und ihr liefen Tränen über das Gesicht. Kaz war über und über mit Blut besudelt. Er nahm den Helm ab und auch er stand unter Schock und weinte.
„DAD, MUM!“
Amber sprang auf und umarmte die beiden.
„Papa ist das dein Blut?“
„Nein, das von Papa und das der 10 Clowns und von Adrian Drosser.“
Wie Kaz das so einfach sagte. Moment Mal, tote Clowns und die Nachrichten sprachen von dem Mörder Dagger. Seine Augen weiteten sich vor Angst. Kaz war Dagger? Dieser kranke psychopatische Massenmörder der seine Opfer sadistisch quälte. Er griff nach einer Pistole und zielte mit heftig zitternder Hand auf Dagger.
„Jack was machst du da, ich bin‘s Kaz, dein Onkel. Nimm die Waffe runter!“
„Du bist ein sadistischer Mörder und du bist ein Geist.“
Kaz wirkte sehr resigniert.
„Ich gebe zu dass das stimmt. Aber ich töte keine Unschuldigen. Meine Opfer haben den grausamen Tod durch und durch verdient.“
Akira war kalkweiß geworden und griff auch nach einer Pistole. Amber wich angstvoll vor ihrem Vater zurück, während sich Anna schützend vor Kaz stellte. Benj, Suzi und Lien standen da und wirkten fast gelassen. Was war hier los?
„Kinder, das ist die Stunde der Geister. Das ist unser Moment. Und es ist pure Tragik, dass meine Eltern und dein Vater und deine Mutter zu den Opfern der Clowns gehört haben mussten.
Mein Vater ist in meinen Armen gestorben. Ich war zu spät verdammt nochmal. Wir … ich war nachlässig und die vier mussten mit dem Tod bezahlen. Die Welt ist verdammt grausam.
Es tut mir so leid, aber bitte nehmt die Waffen runter.“
„Und das Training im April? Du willst uns zu kaltblütigen Killern machen!“
„Wollt ihr das nicht? Gerechtigkeit in die eigene Hand nehmen? Die Toten rächen? Die Clowns dafür büßen lassen, was sie euch angetan haben. Sagt nicht, ihr hättet nicht davon geträumt grausame Rache an den Clowns zu nehmen.“
Amber und Akira wirkten beschämt. Verdammt es stimmte leider was Dagger da sagte. Die Welt war scheiße und ungerecht. Und er wollte Clowns und andere böse Jungs töten. Und es hatte sich verdammt gut angefühlt diese Clowns zu erschießen. Aber er war kein Sadist.
„Du bist ein Sadist!“
„Man kann sich leider nicht alles aussuchen was man ist. Ich habe meine Vorlieben gut unter Kontrolle und finde Ventile dafür. Dagegen gibt’s leider keine Pillen.“
Dagger lachte trocken.
„Und die drei da, wer sind die?“
„Wir sind Geister, sie sind Geister, bald seid ihr Geister. Teil der Familie. Die Geister sind um euch herum wohin ihr auch seht.“
Das war echt unheimlich. Aber leider klang es auch cool.
„Wie viele von euch gibt es?“
„Ich bin inaktiv, ich kann dir keine genaue Zahl sagen. Aber wir sind keine sehr große Organisation, weil nur die besten der besten uns beitreten.“
Die besten der besten, huh. Dazu gehörten sie drei doch gar nicht.
„Wir sind alles was von der Familie Solomon übrig geblieben ist. Wir gehören jetzt zusammen, wir fünf. Wir sind wie ein Rudel Wölfe. Das ist übrigens Mama Wolf.“
Dagger stupste Anna an, die verlegen lächelte und sich die Tränen wegwischte.
„Bekommen wir dann alle Codenamen wenn wir bei den Geistern sind.“
„Japp und wo wir schon dabei sind: Ich bin Dagger, Anna ist Quiet, Benj ist Ape, Suzi ist Dash und Lien ist Needle. Und Alpha ist Maras Vater.“
Allein .. zu dritt unter Geistern. Und Wolfgang war ein Geist, dann waren die schwarzen Wölfe bestimmt auch alle Geister. Oh man.
„Wer ist der Anführer?“
„Wir kennen seinen Codenamen, aber wir wissen nicht wer er ist: Das Auge. Er sieht alles und er weiß alles. Zumindest ab und zu.“
„Wenn er alles sieht, wie konnte er das alles nicht vorhersehen.“
„Weißt du, die Welt ist unfassbar komplex und es gibt unvorstellbar viele Varianten für jedes Ereignis. Da kann man nicht alles Wissen, aber Wolf wusste, dass heute etwas Großes passieren würde. Auch wenn ich nicht mit diesem Ausmaß gerechnet habe, aber ich war nicht eingeweiht. Ich hab versucht meine Familie zu retten aber trotz meiner Mittel habe ich versagt. Es tut mir so leid verdammt nochmal.“
Jetzt kamen Jack wieder die Tränen und er legte die Pistole auf dem Tisch ab. Akira folgte ihm und sie umarmten Kaz und Anna, Amber schloss sich ihnen an. Jetzt waren sie nur noch zu fünft. Aber sie waren nicht so wehrlos wie seine alte Familie. Er würde ein Geist werden. Sie lösten sich wieder und Die Angestellten nickten ihnen freundlich zu. Lien verschwand in die Küche während Kaz oder Dagger und Anna ins Schlafzimmer gingen, um sich umzuziehen. Kurz darauf erschienen sie wieder in bequemen Sachen. Zu fünft quetschten sie sich auf das Sofa und sie schlangen trotz der Wärme Decken um sich.
„Du bist ja verletzt Akira! Hat es dich schlimm erwischt?“
„Nein geht schon, auch wenn es ganz gut wehtut.“
„Du armes Mädchen, ich hoffe es tut nicht zu weh, wenn wir hier sitzen?“
„Nein ich bin ok.“
Der Timer auf dem Fernseher erreichte Null und er verschwand. Dafür flackerte der weiße Schädel der Geister über den Bildschirm und Verschwand wieder.
„Deutschland“
Videoschnipsel von Clownangriffen flackerten über den Bildschirm. Ein paar erkannte Jack wieder und bei ein paar musste er ins Bad rennen um sich zu übergeben. Seine und Ryans Prügelei mit den Clowns, Das Massaker auf Mara und Helena. Die Hinrichtung ihrer Eltern und Großeltern. Dann andere Bilder. Autobomben, Molotows in Kinderwägen oder auf Personen, Messerstechereien, IEDs, Schießereien, Autounfälle. Die Szenen verliefen jetzt Parallel in kleinen Kästchen und eine Zahl zählte rasend schnell hoch und stoppte bei 3785 Toten. In Deutschland allein. Durch die Clowns.
Einfach nur Krank. Das wusste er nicht, dass es so viele waren.
„Ihr habt nichts gemacht. Ihr habt sie gedeckt. Heute ist Zahltag.“
Ein Video ohne Ton wurde eingeblendet. Ein Militärbriefing. An der Wand hing die amerikanische Flagge und die Flagge der Geister. Dann weitere Einblendungen. Die Situation war dieselbe. Briefings von Militärs in verschiedenen Umgebungen. In Zelten, In Schiffen, In Gebäuden. Aber alle teilten die gleiche Botschaft. Die Clowns waren zu weit gegangen. Er sah mehr Landesflaggen als er kannte. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Schweiz, Österreich, Polen, Russland, China, Japan, Indien, Israel, Afghanistan, Iran, Ägypten und so weiter.
   Ein Schnitt zu einer Reihe von Schnipseln, der Vorbereitung. Panzer wurden bemannt, Soldaten checkten ihr Equipment, Soldaten in schwarzen Uniformen rannten zu startenden Transportflugzeugen und Helikoptern, Cockpitsichten aus Kampfjets auf Flugplätzen und auf dem Deck von Flugzeugträgern. Und dann ging es los. Schwärme von Helikoptern donnerten durch die Luft, er sah Staffeln Blackhawks und Ospreys mit Geleitschutz von russischen Mil Mi-43 Gunships.
Staffeln von Jets und strategischen Bombern. Bodenkampfflugzeuge. Kolonnen von Panzern und Schützenpanzern mit langen Ketten von LKWs und gepanzerten Fahrzeugen hinter sich her.
Dann Schwärze.
„Heute werdet ihr bezahlen! We make you pay tonight!“
Und ein Ziel ploppte auf. Es sah aus wie die Hochburg der Clowns. Eine alte umgebaute Fabrik alleinstehend in einer weiten Fläche. Drohnen zeigten Nahaufnahmen. Massenweise Clowns mit Waffen. Werkstätten wo Fahrzeuge mit Waffen bestückt wurden, laute Musik dröhnte aus Boxen und er sah ein paar Clowns Feiern. Dann Schwärze.
   Jack kochte vor Wut, ihr verdammten Schweine. Jetzt waren Drohnenbilder zu sehen. War das Konserve oder Live? Die Hochburg aus ein paar Kilometern Entfernung. Die Musik war immer noch vernehmbar. Dann schoss etwas über den Himmel auf die Burg zu und ein Lichtblitz blendete sie alle und ging in eine gewaltige Explosion über, welche die Festung der Clowns völlig zerfetzte. Das Donnern der Explosion war unglaublich laut.
   Es wurde wieder ins Studio geschnitten, wo Wilhelm mit einer Lesebrille halb auf der Nase eine Pfeife schmauchte.
„Da habt ihr es, ihr Clowns, ihr habt euch mit den falschen angelegt. Ihr wollt das Militär zermürben. Aber das sind harte Kerle und Frauen. Wir geben nicht locker und es hat uns gereicht, dass unsere Verwandten von euch abgeschlachtet werden. Wir befinden uns in der wahrscheinlich größten internationalen Militär Aktion überhaupt. Wir werden zentrale Knoten besetzen und korrupte Schweine davon abhalten, uns stoppen zu wollen. Heute Nacht bezahlen die Clowns für ihren Terror. Ihr hört von uns. Zumindest wenn die Flaschen sich trauen, wieder auf Sendung zu gehen. Wir machen uns jetzt vom Acker bevor die GSG9 hier auftaucht. Ich wünsche euch noch eine angenehme Nacht.“
Der Bildschirm wurde dunkel und sie blieben angespannt sitzen.
„Wie fühlt ihr euch? Ihr drei?“
„Ungewöhnlich gut für jemanden, die gerade ihren Vater verloren hat. Du Jack?“
„Ich glaube nach Ryan ist mein Sensor für Verlust im Arsch.“
„Sorry für euch beiden, aber ich vermisse meine Großeltern.“
Dagger nahm Amber sanft in den Arm und drückte sie. Mörder hin oder her, er war irgendwie auch empathisch und wirkte jetzt total normal. Hieß das er war kein Psychopat oder spielte er seine Rolle nur so gut? Anna stand auf.
„Habt ihr Hunger? Wir haben Kuchen, Kaffee und Kakao in der Küche. Lien bereitet gerade alles vor. Es ist mit dem Verlust zwar nicht so schön, aber wir haben zwei Geburtstagskinder. Herzlichen Glückwunsch nachträglich ihr beiden tollen Mädchen.“
Kuchen wenn die Welt untergeht? Er war dabei. Er sah in die Runde und sah zustimmende Gesichter.
Minuten später hatten sie sich auf die drei Sofas verteilt und aßen eine richtig leckere Torte und tranken tollen Kakao.
„Für dich Akira hab ich etwas ganz besonderes. Es wurde heute früh geliefert. Dein neuer Spezialanzug und du bist jetzt offiziell im Training bei den Geistern. Dein Name ist Diamond Snake.
Das Paket steht sicher im Keller, das hole ich morgen hoch. Auch wenn du es erst richtig testen kannst, wenn dein Bein verheilt ist. Und Liz hat dir ein Riesenpaket geschnürt und ich fürchte wir alle wissen, was da drin ist.“
Er holte ein nicht kleines Paket und drückte es Akira in die Hand die es sogleich aufriss.
„Verdammt das sind alles Perücken. Das ist aber mehr als die eine, die sie mir im April versprochen hatte.“
Akira stellte das Paket vor sich auf den Boden und nahm eine der Schachteln heraus und verschwand damit kurz humpelnd im Bad. Kurz darauf kam sie mit einer tollen langen Haarmähne in ihren typischen Regenbogenfarben heraus.
„Das ist ja der Wahnsinn. Auf Liz.“
Sie hob ihren Becher und tranken.
„Für dich Amber haben wir lange überlegt, aber weil du so tierlieb bist, möchten wir dir eine Katze schenken.“
„Einen Panther?“
Amber strahlte und Dagger und Anna sahen sich an.
„Puh, das wird knifflig, aber wir probieren es.“
Amber sprang auf ohne etwas umzuwerfen und umarmte ihre neuen Eltern überschwänglich.
„Ok, ich würde vorschlagen wie schlafen alle in dem großen Bett dort, dann sind wir bei euch, wenn ihr Albträume habt. Habt ihr was dagegen.“
Sie schüttelten den Kopf. Dann aßen die Torte auf und tranken aus und dann der Reihe nach ab ins Bad. Yusuf hatte sie schweigend beobachtet und zog sich aus der Wohnung zurück. Ein Bad war doch echt doof zu fünft. Sie kuschelten sich zu fünft in ihren Schlafoutfits ins Bett und Anna warf die riesige Pelzdecke über sie. Von links nach rechts Kaz, Amber, er, Akira und Anna.
Dick eingemummelt schliefen sie trotz des harten Verlusts schnell ein und schliefen seltsam traumlos und gut und tief.

ENDE Teil 1

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