Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 25

25. Kaz – 3.W. Juni 2045 – Mittwochnachmittag – Anna

Kaz lag faul auf dem Sofa und hörte Liz neues und letztes Album in Dauerschleife über Spotify. Das Album war erstaunlicherweise ganz fix die Charts hochgeklettert, nicht nur in Deutschland. Aber es war einfach so gut. Und alle waren hin und weg dass die Chefin eines Megakonzerns doch ein heimlicher Rockstar war. Auf dem Sofa ihm gegenüber hatte sich Karl unter einer Kuscheldecke verkrochen und nur noch die Schnauze mit der züngelnden Zunge guckte hervor – er mochte keine laute Musik und er mochte es behaglich.
   Dieser Waran war ein seltsames Geschöpf. Sanft, Sehr darauf bedacht nichts zu zerkratzen und benutze ein großes Katzenklo, das im Bad stand. Er aß angebratenes Fleisch. Aber sein Lieblingssnack waren Dosenpfirsiche. Und er war sehr neugierig. Kurzum, er war das Perfekte Haustier für Kaz.
In der Woche nach dem Abschied war er sprichwörtlich umgekippt, als er mit Amber beim Notar war. Liz hatte ihm tatsächlich alles vermacht, was sie besaß und das war noch mehr als er gewusst hatte. Sie besaß eine riesen Motorjacht und eine Segeljacht, drei Luxus Motorräder und einen echten Lamborgini Sián. Und sie verfügte über ein paar Bankschließfächer und mehrere Lagerräume, in dem er noch mehr Pelze vermutete. Dazu fünfzehn Prozent Firmenanteile an Horizon, was er für absurd viel erachtete.
   Und das ganze Geld. Erst war Amber umgekippt, nachdem Liz ihr testamentarisch achtzig Millionen Euro vermachte und als sie wieder wach war, hatte der grinsende Notar eröffnet, dass Liz ihm zweihundertneunzig Millionen vermachte und ihn hatte es aus den Latschen gehauen. Danach waren sie beide sehr wacklig aus dem Gebäude und Hal musste sie nach Hause fahren.
Wenn sie nicht alles verprassten würden sie in ihrem Leben de facto nicht mehr arbeiten müssen. Er fühlte sich an das Geld damals erinnert, das er und Hal zusammen ergaunert hatten. Das hatte praktisch ewig gehalten, und da waren das Startkapital für Horizon und Omega mit drin gewesen.
Und jetzt? Was zum Geier sollte er mit dem Supercar und warum hatte Liz sowas?
   Einer Eingebung folgend hatte er dann die Prospekte von Lambda und Omega aus dem Handschuhfach geholt und oben in der Wohnung sorgfältig studiert. Die waren schon toll. Was die wohl kosten würden? Auf der letzten Seite hatte er gesehen, dass persönliche Beratungstermine auch über VR verfügbar waren. Das fand er spannend, also hatte er sich Hals Vision Paket geschnappt, war in die Handschuhe geschlüpft und hatte sich die Brille aufgesetzt. Dann wieder hochgeschoben und die Sofas an die Wand geschoben und Karl im Bad eingesperrt, damit er über nichts stolperte. Dann hatte er angewählt und war auf einer weißen Ebene gelandet, mit der Sonne über ihm. Wie ein Salzsee. Eine Frau in einem schicken Kostüm hatte sich ihm von hintern genähert und ihn in ein Haus geführt. Wie gut dass er in der Umgebung teleportieren konnte, andernfalls wäre er in eine Wand gekracht oder über Karl gestolpert, dem es in der Zwischenzeit gelungen war sich aus dem Bad zu befreien.
   In dem großen Raum hatte sie ihn mit einer rauchigen Stimme bei Lambda begrüßt und hatte gefragt welche Modelle er sich denn gerne angucken möchte, worauf er Orca meinte. Sie hatte ihn auf einem Art Präsentator ein Hologram des Flugzeugs gezeigt, mit Innenraum und alles. Wie bei Iron Man. Sie hatte ihn nach seinen Wünschen und Vorstellungen gefragt.
   Als er gefragt hatte ob es den Orca auch in Gelb gibt, hatte sie herzhaft gelacht und die Frage bejaht. Er hatte sich stundenlang verschiedene Konfigurationen angeguckt. Dann waren sie raus gegangen und hatten sich ein paar Flieger in Echt angesehen. Die Simulation war so real, dass er in die Maschinen reingehen konnte und Schubladen aufziehen und Hebel betätigen konnte.
Er entschied sich einen Orca Expedition. Den Swordfish Escort und Orca Travel hatte er von Liz geerbt. Den Orca Expedition mit leichter verborgener Bewaffnung. Bei dem Kostenvoranschlag wurde ihm schlecht. So viel zum Thema das Geld nicht auf den Kopf hauen. Aber wie Omega hatte auch Lambda ein Rundum-Sorglos Servicepaket.
   Und wenn er so darüber nachdachte, ihr erste Klasse Flug nach Deutschland hatte um die zehntausend Euro gekostet – zu zweit. Da würde sich der Orca Travel definitiv rentieren, wenn Sprit und Proviant nichts kosteten oder stark rabattiert waren.
   Und er bekam Rabatt, dafür dass er sich die Flieger ausgedacht hatte, darauf bestand der Chefingenieur, der zudem am BIT studiert hatte. Seine Pilotin Suzi und Stewardess Sarah waren geschult im Umgang mit den Lambdas. Damit war er einverstanden. Damit hatte er sich verabschiedet, die Brille abgesetzt und war prompt über Karl gestolpert, dämliches Vieh.
   Zudem hatte er einen Fahrer und Bodyguard engagiert. Einen muskelbepackten hünenhaften Schwarzafrikaner namens Benj. Jetzt war sein Dienstpersonal sehr schön durchmischt. Eine chinesische Haushälterin, eine weiße Stewardess und zwei Schwarze Angestellte – sehr Progressiv. Aber nein so lief dieses Spiel nicht, er war weiß, also war er problematisch, weil seine Angestellten Farbige waren und er weiß. Warum auch immer, diese schwachsinnige Logik hatte er noch nie verstanden. Das ging auch groß durch die Presse, dass er ein hinterhältiger Millionenerbe und ein Rassist sei. Man, habt ihr nichts Besseres zu tun?
   Einmal war er draußen beim Falafelladen und wurde prompt von einer Schar von ausnahmelos Weißen Harpien und Spinnern umringt die ihn beschimpften und anpöbelten. Er hatte nur belustigt dagestanden und seinen Falafel gegessen und beobachtet wie eine sehr diverse Schar junger muskulöser Männer der Animals aufgetaucht war und gefragt hatte, was denn los sei. Auf die Bemerkung Kaz sein ein bösartiger Rassist hatten die Jungs nur gelacht und die Gruppe mit den Schildern als Heuchler beschimpft. Was die gar nicht gar nicht lustig fanden. Es gab ein kurzes Gerangel und die Heuchler suchten ihr Heil in der Flucht. Darauf spendierte Kaz Falafel für alle und schüttelte jedem die Hand. Die waren echt happy gewesen und hatten ihn bejubelt.
   Er füllte sich in Berlin Solomon mittlerweile echt wohl. Berlin konnte ein echtes Drecksloch sein, aber das hier war eine gemischt liberale und konservative Enklave. Und wahrscheinlich der einzige Ort wo Multi-Kulti wirklich funktionierte, hatte er das Gefühl. Er war jeden Tag draußen um sich den Stadtteil anzusehen oder sich nach Schulschluss mit den Kids zu treffen, mittlerweile hatte er freien Zugang für das Gelände. Und er sah bei der Wärme so viele kulturell durchmischte Grüppchen die abhingen, sich unterhielten, Spiele oder Fußball auf dem Rasen spielten, kletterten.
   Er wusste jetzt, dass es hier eine regelrechte Parcour Scene gab, dass hätte er nicht gedacht. In einem Straßencafé unweit vom BIT im Süden hatte er mit einem aufgeschlossenen Juden Schach gespielt, während ein Araber, eine Inderin und ein schwarzer Christ neben ihm saßen und sie von einer asiatischen Kellnerin bedient wurden. Und ein Araber hatte ihm gesteckt, dass Solomon die Herkunft der Animals war, alles Sportler und eine Gegenbewegung zu den Clowns, die sich mit denen öfter prügelten. Und versuchten die Clowns in ihren Taten zu stoppen. Zahlreiche Attentate konnten so schon verhindert werden. Gerade die Junior Clowns waren ziemliche Stümper.
   Die Clowns. Die waren nicht mehr aufgetaucht, überall auf der Welt nicht. Das war zu schön um wahr zu sein, aber er hatte ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.
   Sein Lieblingsplatz war der Spielplatz, wo nach Yusufs auftauchen ziemlich viele Leute Parcour und Akrobatik übten. Ab und an traf er sich abends mit dem Araber auf ein Tee. Nicht selten schleppte der die Kids mit sich. Amber machte sich gut und sie war von Akira einfach nicht zu trennen. Die beiden waren wie Schwestern.
   Er stopfte sich noch eine Handvoll Chips in den Mund, dann war die Tüte alle und er rappelte sich missmutig hoch. Und ging ins Schlafzimmer. Er hatte Liz Süßigkeiten Vorrat entdeckt, in der vorderen Bettschublade. Er hatte ein bisschen aufgeräumt und einiges von dem Krempel in den Schuppen, so nannte er die lange Kammer neben dem Eingang, oder den Keller geräumt. Die große Pelzdecke hatte er behalten, sie roch noch nach Liz und erinnerte ihn an sie. Dafür hatte er im Bettkasten auf seiner Seite seinen Kampfanzug versteckt. Und er übte regelmäßig so schnell wie möglich da rein zu kommen. Er hatte absolut keine Idee was er mit den Bergen von Pelzen anstellen sollte. Akira war etwas ängstlich was das anging und Amber war zu klein, wörtlich.
   Er öffnete die Schublade und griff nach einer Tüte Paprikachips. Lien fand es nicht gut, dass er so viel Cola in sich reinschüttete und Chips mampfte. Sie meinte er würde noch fett werden. Das stimmte auch. Er war zwar durchtrainiert, aber er hatte ein kleines Bäuchlein und er wog mittlerweile über hundert Kilogramm. Benj hingegen wog hundertdreißig oder sowas in der Art, aber er war auch bärenstark.
   Benj wohnte schon seit zwei Wochen in seinem Apartment und genoss die Privilegien des Hauses. Er liebte knifflige Rätsel und schwere Spiele und trug immer ein Dark Souls T-Shirt.
   Lien war um die fünfzig oder etwas älter und absolut loyal. Sie machte Essen, sie kochte, Sie putzte, sie kaufte ein und kümmerte sich zusammen mit Sarah um seinen Papierkram. Kurz um er war völlig aufgeschmissen ohne sie. Er gab ihr regelmäßig abends frei und an den Wochenenden kümmerte er sich selbst um alles … außer den Papierkram, den hatte er als Selbstständiger immer schon gehasst. Und am Wochenende merkte sie es nicht, wenn er Cola, Chips und Süßigkeiten kaufte. Er war begeistert mit Suzi. Er hatte ihr Flieger-Showcase gesehen und sie war ein echtes Ass im Pilotensessel. Nach Liz Fortgehen hatte er sich ja ein bisschen in Europa und der Welt umgesehen und Suzi und Sarah waren immer mit von der Partie gewesen.
   Sein Handy klingelte, es war Anna und sein Herz schlug schneller. Er machte die Musik aus und Karl kam hervor und rieb seinen Kopf an seinem Bein. War das ein Waran oder eine Katze?
„Ja, Anna, schön dich zu hören Liebes.“
„Hey großer, sorry dass es mit der Sache im Mai nicht geklappt hat. Es ist mir wirklich ganz unangenehm, aber ich könnte dringend deine Hilfe gebrauchen. Mir kam das so merkwürdig vor mit dem plötzlichen Verschwinden der Clown Attacken, also hab ich meine Zelte gepackt, meine Kostbarkeiten in mein kleines Auto gestopft und bin nach Deutschland zu dir aufgebrochen. Und ich dumme Nuss hab vergessen zu tanken und hänge jetzt mit einem leeren Tank auf einer praktisch leeren Rastplatz fest. Praktisch die letzte Ausfahrt vor der deutschen Grenze, ich bin so doof. Und Ich will niemanden holen. Ich hab meine AI AWM und meinen Anzug hinten drin und Lara schlummert dick eingemummelt auf dem Beifahrersitz und unter meinem Sitz liegt eine Beretta.
Ich kann mich doch schlecht aus der Situation rausballern und ich will mein Zeugs nicht zurücklassen. Kannst du mir bitte, bitte helfen? Ich flehe dich an.“
„Oh man, ok was für ein Auto fährst du denn, der Lada?“
„Häh, du weißt doch, dass ich mein Leben noch nichts anderes als Opel gefahren bin, gerade sitze ich in meinem alten Zafira aber der macht‘s auch nicht mehr lange. Warum fragst du?“
„Um zu sehen, ob ich den Anhänger mitnehmen muss, kannst du mir die GPS Position schicken?“
„Kann mein Handy nicht, ich kann dir die Ausfahrt und die Autobahn nennen.“
„Hast du kein PRISM?“
„Als ob ich mir als Spieleentwicklerin, die auf Kickstarter angewiesen ist, ein viertausend Euro Handy leisten kann.“
„Mensch Mädchen, du hast einen Pelzmantel …“
„… den ich mir gekauft habe, als ich als Topmodel satt verdient habe. Ersparnisse halten auch nicht ewig. Bitte hilf mir.“
„Ok, ich zieh mir kurz was an und dann düse ich los.“
„Vielen Dank Großer, du bist ein Schatz.“
Oh man. Das war so typisch für sie. Die vermutlich beste Scharfschützin der Welt vergaß zu tanken. Er zog sich ein paar Bequeme zweckmäßige Sachen an. Draußen am Lichthof las Benj in einem Buch über Kryptografie. Er sah auf als Kaz den Fahrstuhl erreichte.
„Brauchen sie Hilfe Sir?“
„Nein, ich geh nur eine alte Freundin abholen, ich gebe dir den Nachmittag frei.“
„Vielen Dank Sir. Bis morgen.“ Und er ging durch die Tür zu seinem Apartment während Kaz in den Keller fuhr. Der Avenger wartete schon auf ihn und hatte sich schon seinen Anhänger geschnappt. Anna steckte auf einem Rastplatz fest, der nah an der deutsch-polnischen Grenze lag. Hal berechnete die schnellste Route und Kaz fuhr aus der Tiefgarage und drückte aufs Gas. Leider war der Avenger recht auffällig und erregte immer viel Aufmerksamkeit. Egal. Konnte man auch nicht ändern. Liz schwarzer Defender war auch nicht besser und aus Pappe und schluckte wie ein Loch. Und in den Hound passte nicht so viel Zeug rein, der war ja zur Luxus Limousine umgebaut worden und hatte praktisch keinen Kofferraum.
   Abends war er da und bog auf einen Rastplatz ab, wo eine nervös aussehende blonde Frau in seinem Alter an einen abgenutzten und schwer mit Aufklebern beklebten silbernen Opel Zafira lehnte. Ein  Modell das noch nicht mal vor zwanzig Jahren neu gewesen wäre. Er parkte vor ihr und stieg aus. Die Frau bemerkte ihn, trat die Zigarette aus umarmte ihn stürmisch.
„Vielen Dank dass du gekommen bist. Willst du wirklich alles umladen?“
Kaz nickte.
„Das ist sicherer so. Ich besorg dir einen Kombi von Omega wenn du willst.“
„Ich bitte dich, eigentlich brauche ich den nicht. Ein neues Fahrrad wäre mir lieber. Ok, es sieht nach viel aus und ist es leider auch, ich kann mich eben einfach nicht von den Sachen trennen.“
Kaz verdrehte die Augen und öffnete die Heckklappe des Anhängers. Der Krempel würde hier locker reinpassen.
„Dass du so viel Geld hast dir diesen Panzer zu kaufen ist schon echt krass.“
„Du wärst eine erstklassige Diebin.“
„Das ist mir aber zu unfair, außerdem möchte ich ehrlich leben. Ok jetzt los, bevor irgendwer was schnallt.“
In Windeseile packten sie den Zafira aus und luden den Krempel um. Anna hatte einen Spectre One Tower PC in eine dicke Pelzdecke eingewickelt und vorne angeschnallt. Die hatte sie auch nicht mehr alle. Nach einer halben Stunde war alles erledigt und der Zafira war komplett blank.
   Ängstlich strich Anna über den Spectre und stieg dann auf der Beifahrerseite ein. Kaz klappte zu und nahm auf dem Fahrersitz Platz.
„Mensch das sieht ja noch besser aus als in einem Supercar! Hat wahrscheinlich auch mehr gekostet oder. Ich muss dir noch was beichten. Ich hab es viel zu spät geschnallt. Lara hat ihre Werke in Russland und China geschlossen und alles Equipment und Personal mitsamt Familien nach Deutschland geschafft. Heimlich natürlich. Mulan hat dasselbe mit den Theta Werken in China gemacht. Russland und China sind momentan echte Pulverfässer und ich bin lieber in Deutschland als in Russland wenn die Welt untergeht. Aller Mühen zum Trotz ist Russland immer noch ein korruptes Drecksloch. Und China ist nur auf dem Papier eine Demokratie. Wir haben die Leute auf Hals Gelände untergebracht und sie werden von Sir Henry von NOX mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgt.“
„Stimmt das Hal? HAL??“
„Jawohl Sir, stimmt alles, der Rat hält es sicherer wenn wir für die Dauer der bevorstehenden Krise zusammenbleiben. Auf dem Gelände sind oberirdisch momentan etwa 783 Menschen untergebracht und in den beiden Dörfen haben 195 Menschen Stellung bezogen.“
„Das sind eine Menge illegaler Einwanderer.“
„Die bestens ausgebildet sind und bereit sind Deutsch zu lernen und sich an die Kultur anzupassen. Sie halten sich momentan sehr bedeckt. Glücklicherweise ist das Wetter fürs Campen sehr Ideal. Die Bundeswehr ist informiert und steuert Zelte, Kleidung und Nahrungsmittel bei und hat ein paar Einheiten dort stationiert um es in der Not wie eine Truppenübung aussehen zu lassen. Etwas zusammengeschustert ich weiß. Die Armee wurde durch die Clownangriffe schwer getroffen, die werden den Teufel tun und irgendwas an irgendwen verraten. Ok wann sind wir da? Ich hab einen Bärenhunger, ich hatte heute noch gar nichts außer ein paar Schokoriegeln!“
„Im Fach unter der Armlehne links neben dir sind Snacks und gekühlte Cola. Hal, sag Lien Bescheid dass sie ein deftiges Abendessen für zwei Personen zubereiten soll, wir sind in etwas drei Stunden da. Danke dir.“
„Wow du hast jetzt Personal? Ich hab gehört, du sollst der totale Rassist sein, weil du zwei Schwarze und eine Asiatin angestellt hast. Soll ich mir da als halbe Russin und deine Verlobte Sorgen machen?“
Sie zwinkerte ihm zu und schnappte sich dann eine Cola.
„Alles nur Geschwätz“
Winkte er ab. Der Berliner Stadtverkehr war mal wieder zum Kotzen und sie parkten mit einer Stunde Verspätung in der Tiefgarage.
„Kannst du Lara nehmen? Bitte Bitte! Ich nehme meine Tasche.“
Kaz schnappte sich das Paket aus Pelzdecke und Rechner und stapfte mit Anna in Richtung Aufzug. Wenige Minuten später waren sie in der Wohnung, wo Anna sich alles mit riesigen Augen ansah und er Lara oben unter dem Schreibtisch einstöpselte. Sie brauchte ja nur Strom und ein Netzwerkkabel. Die Decke warf er auf den Sessel zu der anderen. Anna kam hoch und Drückte ihn fest, dann küsste sie ihn auf den Mund, ihr Atem roch nach Pfefferminz. Sie wusste genau, dass er sie nicht küssen wollte, wenn sie nach Zigaretten roch. Anna war größer als Liz, etwa einen halben Kopf. So musste er sich nicht übermäßig bücken, wenn er sie umarmte. Sie waren wieder zusammen, nach einem knappen Jahrzehnt. Es war einfach nicht zu glauben. Liz würde ihn bestimmt hassen. Wie würde Amber darauf reagieren? Schließlich würde er Anna heiraten und sie wäre dann Ambers Stiefmutter auf dem Papier. Hoffentlich ging das gut, aber Anna war auch eine tolle Mutter und eine tolle Frau.
„Essen steht bereit Sir und Madam. Wenn Sie mir bitte folgen würden“
Lien stand hinter ihnen und verbeugte sich vor ihnen. Sie folgten ihr zur reich gedeckten Tafel, wo sie sich gegenüber hinsetzten. Dann servierte Lien die Speisen und tat ihnen auf. Es gab einen fantastisch duftenden Sauerbraten mit Klößen, Rotkohl und Bratensoße. Dazu gekühltes Weißbier. Anna sah überwältigt auf ihren Teller und schnitt ein Stück Braten und schob es sich etwas zaghaft in den Mund.
„Oh mein Gott. Das ist gut. Besser noch als das alte Familienrezept von meinem Vater. Bitte Lien, woher weißt du, dass ich in Bayern aufgewachsen bin?“
Lien lächelte.
„Hal hat es mir verraten.“
Sie zwinkerte ihnen zu.
„Ich werde mich nun von Ihnen verabschieden, ich wünsche den Herrschaften noch einen schönen Abend.“
Anna und Kaz sahen der mittelgroßen etwas molligen Asiatin nach, dann prosteten sie sich zu und machten sich ans Essen.
„Ich dachte du verarschst mich, als du meintest deine Haushälterin wäre eine erstklassige Köchin wäre. Aber das Essen ist fantastisch. Ich fürchte das macht mich total verdorben wenn die jeden Tag so gut kocht. Aber du bist ja auch nicht schlecht. Kommst du eigentlich noch um Kochen?“
„Ich koche an den Wochenende und wenn sie frei hat. Übrigens ist dein bayrischer Akzent sehr süß.“
„Oh nein, hab ich deutsch gesprochen? Ach verdammt, ich werde diesen dämlichen Akzent einfach nicht los und der ist nicht süß, der ist schrecklich. Aber immerhin ist es nicht sächsisch. Und man hört ihn nicht sofort wenn ich Englisch oder Russisch rede. Wehe du sagst du findest den Akzent sexy!“
Kaz grinste nur breit, das wollte er gerade sagen.
„Du bist schlimm. Du kannst froh sein dass ich tierlieb bin ansonsten wüsste ich nicht was ich zu diesem Vieh sagen sollte. Der … äh … Das Viech ist einfach nur riesig und unheimlich.“
„Ich bin der zweite Besitzer. Die Art wird verdammt alt, der bleibt also eine Weile und er kann Türen öffnen was mir gar nicht gefällt. Er hat die Klinke runtergedrückt als ich ihn im Bad eingesperrt habe und ich bin VR Brille auf der Nase über ihn gestolpert, er heißt übrigens Karl.“
Anna prustete los und lachte sich schlapp.
„Ahaha, das kann ich mir bildlich vorstellen. Ok, dann schließe ich immer ab wenn ich im Bad in der Badewanne liege oder schlafe. Ist die Decke auf dem Bett eigentlich echt?“
„Ja, Liz hatte einen Tick was Pelze angeht. Ich bin ratlos was ich mit dem Krempel anstellen soll. Ich hoffe dir macht es nichts aus Pelze zu tragen.“
„Ne, tut es nicht. Wo sind die denn?“
„Halt erst wird schön aufgegessen!“
„Ach ja, sorry.“
Als ihre Teller leer waren stand Kaz satt und zufrieden auf und sie wuschen sich die Hände mit Seife im Bad. Dann zeigte er ihr die Garderobe im Schuppen.
„Oh verdammt. Wer braucht denn so viele Schuhe? Ich hab vielleicht fünf oder sechs Paar für alle Jahreszeiten. Das sind locker dreißig.“
„Warte bis du die Mäntel siehst.“
Und er öffnete die Schiebetür zur Garderobe. Anna hielt sich die Hände vor den Mund und sog hörbar die Luft ein.
„Oh mein Gott, das sind ja dutzende! Moment, 26 Stück und alle sehr edel. Das ist doch völlig absurd. Soll ich meinen dazu hängen? Die sind ja großartig, ja die trag ich alle, versprochen.“
„Im Keller sind noch 15 weitere, also sind es 41. Bei den Temperaturen in Deutschland die nächsten Jahren wir es etwas eng mit dem tragen. Es sei denn du trägst sie, wenn du nackt bist.“
Er zwinkerte ihr zu.
„Mensch wenn ich nicht so vollgefressen wäre würde ich dich glatt fragen, ob du Lust auf Sex hast. Aber ich muss dich ein bisschen vertrösten. Hast du eine Zahnbürste? Ich hab jetzt grad keinen Bock um in den Keller zu gehen und den Krempel zu holen, lass uns das morgen machen.“
Anna gähnte herzhaft und ging ins Bad. Er suchte ihr einen Kopf für die elektrische Zahnbürste heraus und sie putzte drauf los. Fünf Minuten später kroch sie auf seiner Bettseite ins Bett und kuschelte sich ein, ein paar Minuten später schlummerte sie friedlich. Er zog sich zurück und schloss die Tür zu, gerade rechtzeitig. Der Waren blieb vor der Tür sitzen und sah neugierig zu ihm hoch. Dieses Viech war sehr merkwürdig. Mehr als einmal hatte er die Echse dabei erwischt aufs Bett zu kriechen um sich neben ihn zu legen. Er verriegelte die Tür. Hoffentlich stand Anna nicht in der nächsten Stunde auf und musste aufs Klo, was bei dem Liter Bier den sie getrunken hatte durchaus der Fall sein konnte.
„Karl, stör sie bitte nicht, sie hatte einen langen Tag hinter sich.“
Der Waran guckte ihn an und trottete dann davon, Warane waren zwar recht schlau, aber hier war was faul. Er öffnete den Riegel wieder und seufzte.
   Dann nutzte er die Gelegenheit der Nacht und packte das Auto aus. Alleine dauerte das etwas mehr als eine Stunde, aber dann war alles oben und er seufzte. Er hatte sich Mühe gegeben keinen Laut zu machen. Karl sah aus dem Fenster und schlug etwas unruhig mit dem Schwanz. Kaz trat neben ihn. Moment, wo waren denn die Lichter hin? Alles war pechschwarz. Er schlich in den Schuppen und holte ein Nachtsichtgerät hervor, dann machte er die Lichter der Wohnung aus und trat ans Fenster. Er starrte aus dem Fenster, während sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten.
   Im schwachen Schein des Mondes sah er eine Gestalt draußen auf dem Weg. Er klappte das Nachtsichtgerät herunter und sah nach draußen. Die Gestalt trug einen Kampfanzug und ihr Blick schien sich trotz des Helms zu treffen. Der Behelmte nickte ihm zu und hob ein Stück weiße Kreide hoch. Kaz erkannte das Emblem auf dem Brustpanzer und er zuckte zurück. Alpha. Er blinzelte und die Gestalt war weg. Eine Minute später gingen auch wieder die Straßenlaternen an. Dort wo die Gestalt gestanden hatte, war etwas aufgemalt worden. Er tauschte das Nachtsichtgerät gegen ein Fernglas. Das Symbol eines Dolches, Daggers Symbol.
   Kaz kannte sich ein bisschen mit der Legende der Geister aus. Dagger war unter eingeweihten in aller Munde, weil er immer sein Zeichen hinterlies und verdammt grausam war, ein sadistischer Drecksack, der seine Opfer zerstückelte. Alpha war eine Legende und war angeblich einer der ältesten und besten Kämpfer der Geister, aber keiner hatte ihn je gesehen. Er war ein Schatten unter vielen Schatten. Bis jetzt dachte sich Kaz grimmig.
   Warum hatte er ihm zugenickt? Ein Gruß, eine Warnung? Und warum hinterließ er das Symbol von Dagger und nicht seines? Fragen über Fragen. Und warum hatte der Waran ihn gespürt? Seit wann konnten Warane sowas?
   Er ging in den Schuppen und suchte nach einer Dose Pfirsiche. Die füllte er in der Küche in einen Napf um und stellte sie Karl hin der sie mit Appetit verspeiste. Kaiserwarane. Er hatte die Färbung ähnlich eines Bindenwarans, war aber viel massiger, so wie ein Komodo, schien aber nicht giftig zu sein. Und er war von Schnauze zur Schwanzspitze knapp 3,5 Meter. Das war sehr sonderbar, hoffentlich wurde der nicht noch größer. Schlafen konnte er nach der seltsamen Begegnung nicht mehr. Er machte es sich auf dem Sofa bequem und klickte sich durch das Programm. Er hörte über Bluetooth Kopfhörer.
   Liz hatte so ziemlich alles im Programm. Bei einer etwas reißerischen Doku zur Legende des Riesenkraken blieb er hängen. Sven Engström wurde im Vorspann genannt, das war einer von Liz‘ großen Brüdern. Der war Meeresbiologe. Spannend gemacht und im letzten Drittel zuckte er zusammen. Diesen Engström Spinnern war es gelungen einen leibhaftigen Riesenkalmar in der Tiefsee zu Filmen. Das eklige Ding war über zwanzig Meter lang.
   Tja da ging sie dahin seine Lust mit den Kids tauchen zu gehen. Er hasste tiefes Wasser und seine lebhafte Fantasie trieb ihn in den Wahnsinn wenn er in einem Gewässer schwamm, wo er den Boden nicht sehen konnte.
   Zur Entspannung holte er sich noch eine Cola aus dem Kühlschrank und startete einen spontanen Filmmarathon aller Marvel Filme bis Endgame. Mal gucken wie weit er kam bis Anna aufwachte und aufs Klo musste.
   Er schaffte einen halben ersten Iron Man bis sich die Schlafzimmertür öffnete Anna in einem Slip herauskam und ihn fragend anstarrte während sie auf dem Klo verschwand. Er drückte auf Pause und legte die Kopfhörer zur Seite und wartete auf seine Verlobte.
„Was machst du denn Großer? Ich dachte du kuschelst mit mir. Danke fürs auspacken. Bekomme ich auch ne Cola? Wenn du nicht schläfst, mag ich auch nicht schlafen, außerdem guckst du meinen Lieblings Marvel Film! Warte einen Moment.“
Kaz machte das Soundsystem an und legte die Kopfhörer wieder in die Ladestation. Anna kam mit ihrer Pelzdecke zurück und kuschelte es sich damit auf dem Sofa ein. Eng zusammen gedrängt guckten sie weiter. Als sie Captain Amerika guckten, öffnete sich die Tür und Lien sah sie etwas überrascht an. Sie schüttelte nur den Kopf und verschwand in der Küche. Wunderbar, Frühstück auf dem Sofa mit seiner Liebsten. Auf dem Tisch stand mittlerweile ein ganzer Stapel leerer Cola Dosen.
„Wann gibst du mir den Ring?“
Fragte sie Plötzlich.
„Wenn wir es ein halbes Jahr ohne weltendenden Krach zusammen unter einem Dach überstanden haben. Das ist eine Challenge für dich.“
Sie lachte.
„Hast du mich als so schlimm in Erinnerung? Ok, Challenge Angenommen. Und wenn ich gewinne bestimme ich, wie und wo wir feiern ok?“
Hohes Risiko sich selbst volle Möhre ins Knie zu schießen.
„Abgemacht.“
Sie sahen sich weiter den Film an und Lien servierte einen stark gesüßten doppelten Espresso und verkündigte die Pläne für das Mittagessen. Fränkisch. Deftige Bratwürstchen mit Sauerkraut.
Das klang gut. Eine Stunde später kam das Frühstück. Eine große Platte Schnittchen auf Baguette. Dazu ein frischer Obstsalat und halbierte hartgekochte Eier mit einer leckeren Creme. Frisch gepressten Orangensaft und zwei Milchkaffee mit ordentlich Zucker. Danach verabschiedete sich Lien zum Einkaufen.
„Ist das jetzt jeden Tag so?“
Anna wirkte überwältigt.
„Solange Lien hier arbeitet ja, und am Wochenende verführe ich dich meine Liebe.“
„Das ist echt peinlich, dass ich nicht kochen kann und du so verdammt gut. Aber ich freue mich, ich hoffe die Kids essen auch so gut.“
„Mach dir mal keine Sorgen, Was die Internat nennen, nennen normale Menschen Fünf Sterne Wellness Hotel. Und Amber und Jack knutschen die ganze Zeit wie Akira säuerlich bemerken lässt.“
„Oh ich bin so gespannt die Kleine endlich mal kennenzulernen. Und es tut mir so unglaublich Leid dass ich dich so selten in den letzten Jahren besucht habe. Was meinst du, bin ich bereit dazu wieder in die Rolle einer Mutter zu schlüpfen? Ich hab doch beim ersten Mal total versagt.“
„Ach Quatsch. Du bist die liebenswerteste Frau die ich kenne und du warst eine tolle Mutter. Amber wird dich lieben.“
„Ach ich weiß nicht, ich fühle mich nicht bereit dazu wieder in diese Rolle zu schlüpfen. Ich versage bestimmt total. Und sie ist fast sechzehn, ich weiß doch gar nicht was ein Teenager braucht und was Mädchen in dem Alter brauchen und wollen!“
„Denkst du ich wusste auf was ich mich da eingelassen habe? Nein! Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und es hat irgendwie funktioniert. Hab ich dir eigentlich erzählt dass sie wie die junge Lara Croft aussieht?“
„Ja und du hast auch erzählt, dass sie sich die Haare abgeschnitten hat.“
„Genau und dann hat sie sich total in Jack verknallt, der sie mit langen Haaren attraktiver findet und sie lässt sie wieder lang wachsen. Oder sie trägt eine Perücke, was sie an Wochenenden öfter mal macht.“
„Oh je die habe ich auch gesehen. Das ist einfach nur der Wahnsinn. Und der ganze Krempel gehört dir. Oh man das muss doch so mies aussehen. Sie hat dich geliebt und dir alles vermacht und dann komm ich und wir heiraten hoffentlich bald und ich schnappe mir alles. Ich glaube ich darf keine Zeitung mehr lesen oder Nachrichten gucken.“
„Von wegen schnappen. Du richtest die Feier aus und ich mache den Ehevertrag.“
„Vertraust du mir nicht?“
Sie schmollte ein bisschen, aber er wusste dass sie nur spielte.
„Ich bin nur gut vorbereitet. Wie wäre es denn damit, wir starten damit, dass du verarmte Deutsch-Russin jeden Monat ein großzügiges Taschengeld bekommt.“
„Mh, immer noch besser als nichts schätze ich. Was erwartest du denn von mir, im Gegensatz zu Liz bin ich die Bescheidenheit in Person. Ok bis auf den Krempel den ich mir als Model gekauft habe. Da stimme ich dir zu. Ich möchte aber in weiß Feiern!“
„Erstmal feiern wir Ambers und Akiras Geburtstag, die haben in derselben Woche Geburtstag und zwar im August. Da feiern wir alle in meinem Elternhaus, obwohl das extrem unsicher ist. Das Ding ist aus Pappe. Hast du eine Idee was ich Amber schenken könnte? Ich kenne sie erst seit einem dreiviertel Jahr und ich weiß nicht ob ich sie einschätzen kann.“
„wie wäre es mit einem Haustier? Einem Hund oder einer Katze?“
„Die Idee ist gar nicht so schlecht. Hoffentlich wird der Welpe oder das Kätzchen nicht von der Terrorechse gefressen.“
Anna lachte.
„Du hast zwei Terrorechsen. Da muss ein kuschliges kleines Kätzchen auch mal mit rein. Und Karl macht mir einen klugen Eindruck. Guck, er hört zumindest auf seinen Namen.“
Karl hatte den Kopf gehoben, als der seinen Namen hörte und starrte neugierig Anna an.
„Ich möchte wissen warum der so klug ist. Das ist doch absurd. Aber mal was anderes …“
Sie fuhr sich nachdenklich durch die langen offenen Haare.
„Soll ich mir die auch kurz machen?“
„Warum denn das?“
„Du stehst doch auf sowas.“
„Stimmt schon, aber deine lange Mähne ist doch einfach nur toll, ich möchte nicht, dass du dir die kurz schneiden lässt!“
„Aber es würde dir gefallen, stimmt’s?“
Kaz nickte resigniert.
„Dann probiere ich es auch mal. Ich hab gesehen dass dort drüben eine lange Echthaarperücke mit meiner Haarfarbe ist, die trage ich zur Hochzeit. Ach komm nicht schmollen. Kurze Haare hatte ich zuletzt vielleicht in der zehnten Klasse. Gibt’s hier einen guten Frisör in der Nähe?“
„Bitte mach es nicht, dass dauert ewig und drei Tage bis die wieder lang sind. Aber gut, im Center unten im Haus ist ein ziemlich guter. Die beraten dich auch gut.“
Sie strich ihm durch die kurzen Haare und gab ihm einen intensiven Kuss.
„Wenn du mich das lassen machen lässt höre ich auch mit dem Rauchen auf, versprochen. Aber erst möchte ich die beiden Mädchen und Jack sehen und diesen verrückten Araber von dem du immer sprichst.“
„Lass uns das am Wochenende machen, wenn die drei rausdürfen. Und ok, mach was du für richtig hältst. Solange sie nicht ganz ab sind, bin ich happy. Liz hat das zwar knallhart durchgezogen, aber die hatte auch den Mumm und das richtige Auftreten dazu. Und sie hätte Musikerin werden sollen, ihre CD verkauft sich wie Teufel. Hast du schon mal gesungen?“
„Ein bisschen, aber ich würde mich nicht wirklich trauen, das so richtig vor Publikum zu machen. Ich mag es eigentlich gar nicht im Rampenlicht zu stehen, ich guck mir lieber alles aus der Distanz an. Von daher wird die Hochzeit ein gewisser Albtraum für mich.“
„Stell dich nicht so an, du hast gemodelt und standest die ganze Zeit im Rampenlicht.“
„Frag dich mal warum ich aufgehört habe! Das war einfach nur schlimm. Ich habe es gehasst. Als Fotografin sieht man nur meine Werke, nicht aber mich und als Spielentwicklerin auch nicht.“
„Ist die Kamera die Kompensation für deine AWM?“
„Ja so fühlt es sich an. Auch wenn es fast schon schmerzhaft ist, nicht den satten Rückstoß zu verspüren, wenn ich ein Foto mache. Vorläufiger Ruhestand ist etwas Komisches nicht war.“
„Ja ich weiß, man vermisst das alte Leben sehr.“
„Bist du noch aktiv?“
„Ich bin nicht völlig inaktiv, aber ich lass andere zum Zug kommen.“
„Was denkst du über Dagger?“
„Ein bisschen durchgeknallt und ein großer Fan von Alpha, wird aber nie in seine Fußstapfen treten. Ein bisschen wie Nate und Noah aus meinem Buch. Der junge und der Alte, die nicht auf Augenhöhe sind oder sein können. Die Morde im April passen nicht in sein Schema. Aber so tief bin ich nicht in der Materie drin.“
„Nicht tief in der Materie? Du bist regelrecht besessen von den Geistern.“
„Das stimmt nicht, außerdem sind sie bis auf Ausnahmen ein moderner Mythos.“
„Du stehst doch total auf Legenden und Mythen und Mysteriöse Vorkommnisse aller Art. Du hast in der Schule ständig versucht mich mit deinem Wissen über Obskures Zeugs zu beeindrucken“
„Hab ich nicht, außerdem hast du mir zugehört.“
„Weil du sonst nie Ruhe gegeben hättest“
„Und der Kuss in der 10. Klasse?“
„Um dich abzuwürgen. Aber sei doch froh, so hab ich mich in dich verliebt. Du warst schon immer ein guter Küsser. Und du hast das Herz am rechten Fleck, das ist das wichtigste. Und sieh was aus uns geworden ist. Ein verlobtes Paar, das gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa schmusend frühstückt und Filme guckt. Eigentlich könnten wir das auch im Bett machen, aber hier ist auch sehr gemütlich. Der Orangensaft ist echt lecker und der Rest auch. Schnittchen machen kann ich gerade so. Alles was mit Kochen zutun hat kann ich einfach nicht, die letzten Jahre hab ich mich fast nur von Tiefkühlpizzen, Tiefkühlpfannengerichten, Fastfood und fünf-Minuten-Terrinen ernährt. Nur dank meines Körpers bin ich nicht total fett geworden. Würdest du mich eigentlich noch lieben wenn ich fett werden sollte?“
„Klar, aber nur wenn du mich mit Fettbauch auch liebst.“
Sie tätschelte seinen Bauch.
„Du wirst doch schon fett und ich liebe dich trotzdem Dickerchen. Du wiegst doch bestimmt über hundert Kilo. Solange du nicht so fett wie Xen wirst ist alles ok. Ich frage wie Tamara das aushält, gerade beim Sex.“
„Willst du quatschen oder schön den Film weiter gucken?“
„Ich würde gerne in Ruhe frühstücken und mir ein bisschen das Viertel angucken solange es das Koffein noch wirkt und bevor es Essen gibt. Ok?“
„Ok wird gemacht“
Sie aßen in Ruhe, tranken Saft und Kaffee und lauschten Liz toller Stimme aus den Boxen.
„Wie viele Klamotten hast du dabei?“
„Ups, meine Waschmaschine ist kaputt und ich hab nur einen müffelnden Sack Dreckwäsche mit, Die Sachen die ich anhatte waren die letzten Frischen Sachen die ich habe.“
„Dann sollten wir wohl dringend einkaufen während sich Lien um die Wäsche kümmert. Trägst du eher Hosen oder Röcke. Oder ein Kleid vielleicht?“
„Eine Jeans, ein paar Socken und ein T-Shirt wäre gut. Deine T-Shirts sind für mich leider etwas zeltartig.“
„Quatsch, so fett bin ich auch nicht. Ok, für die paar Sachen wird es schon reichen. Im Center unten ist ein großer Klamottenladen. Da sollten wir bestimmt was finden. Und ich spendiere dir ein Sommerkleid, falls du eins siehst, dass dir gefällt.“
Sie nickte zustimmend und trank einen Schluck Kaffee. Eine Stunde später waren sie fertig und frisch geduscht und verließen die Wohnung, es war gerade neun. Mal gucken ob der Laden überhaupt schon offen hatte. Er warf auf einen Blick auf den Briefkasten. Wann hatte er den eigentlich zuletzt geöffnet. Er warf einen Blick hinein. Shit, der war ja randvoll mit Briefen. Oh, Gott. Er atmete durch. Darum würde er sich kümmern, wenn er zurück war. Anna sah ihn schon erwartungsvoll an.
„Warum hast du eigentlich eine Arbeits-Latzhose an?“
„Das wirst du merken wenn wir draußen sind.“
Er zwinkerte ihr zu. Sie zuckte nur mit den Schultern und sie fuhren nach unten, fürs Einkaufen im Haus brauchte er Benj zwar eigentlich nicht, der Schwarze kam aber trotzdem mit. Im Erdgeschoss setzte sich Benj vor dem Klamottenladen auf eine Bank und kramte einen Sudoku Block und einen Bleistift hervor. Anna starrte den Schwarzen mit großer Neugierde an. Kaz schob sie sanft durch die Tür in den Laden.
   Er freute sich fast schon, Shoppen mit Anna war schon immer unproblematisch gewesen. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung was sie wollte und was ihr stand und probierte nur, wenn sie allein einkaufen ging. Und sie probierte nicht tausend Sachen an und kaufte dann nichts.
   Sie kauften eine fast schwarze Jeans, ein paar T-Shirts, Unterwäsche und einen dünnen Hoodie. Und ein türkises Kleid, dass gut zu ihren tollen Augen passte. Alles in allem ging es schnell und unkompliziert über die Bühne, nur die Verkäuferin fragte verlegen ob sie ein Autogramm von ihm haben könnte.
„Deshalb trage ich diese Hose.“
Er zückte einen schwarzen Marker und zog eine Postkartengroße Karte mit einem Artwork aus seiner Buchwelt aus der Cargotasche und unterschrieb und schob sie der glücklichen Verkäuferin zu. Anna starrte ihn nur verblüfft an.
   Es war Johnnys Idee gewesen, die Werbetrommel nochmal so richtig zu rühren und Merchandise in den Markt zu bringen. Man kleiner Bruder, was hast du da wieder angerichtet. Im März noch hatte ihn kaum einer angesprochen, jetzt war es ihm fast schon lieb das Benj ihn immer draußen begleitete. Bevor sie rausgingen forderte er beim Sicherheitsbüro an, dass Anna einen Transponder bekommen sollte. Und sie machten oben einen Frisörtermin für Montagvormittag. Es war noch früh am Tag und Frisch draußen. Die Kinder waren noch in der Schule. Bald waren aber Sommerferien. Er sah die kulturell gemischte Schachgruppe auf dem Weg zu ihrem Stammcafé und paar Junge Erwachsene trainierten Parcour. Mütter rollten Kinderwägen über den breiten Gehweg. Leute gingen ihren Hunden und ein alter Kauz mit seiner Savannah Katze spazieren.
   Eine Savannah bekam Amber nicht, die waren schweineteuer und die reinrassigen brauchten einen Zwinger. Sie blieben stehen als sie ein mächtiges Flappen hörten, kurz darauf flog eine Lamba Swordfish im Landeanflug auf das Haus zu und landete auf dem Dach des Hangarturms. Er zeigte Anna das Viertel und unterschrieb mindestens achtzehn Autogrammkarten. Die Leute grüßten sich wie in einem Dorf oder einer Kleinstadt. Es herrschte ausgelassene Stimmung und er sah Flaggen aller Länder und die von Deutschland von Balkonbrüstungen wehen. Ein Inder mit Turban radelte an ihnen vorbei und die Deutschlandflagge wehte an einer kleinen Fahnenstange hinter ihm her. Anna sah sich interessiert um und blieb häufig stehen um sich etwas genauer anzusehen. Bis zum BIT schafften sie es leider nicht. Außerdem hatten die Kids Unterricht – Sport mit ihrer Klassenlehrerin Nadja, wenn er den Stundenplan richtig in Erinnerung hatte. Sie machten eine Schleife und gingen zurück. Anna wirkte überwältigend. Das war ein anderes Berlin als sie als Teenager kennengelernt hatte.
   Sie waren pünktlich um eins zuhause. Kaz holte eine Klappkiste aus dem Schuppen und leerte dort hinein den Inhalt des Briefkastens. Hoffentlich waren es keine Mahnungen. Ob er sich einen Sekretär besorgen sollte?
   Er würde Hal darauf ansetzen, aber erst wenn er sich die ganzen Sachen angesehen hatte. Oben wartete schon das Essen auf sie und Lien hatte sich Annas müffelnder Kleidung angenommen. Sie stellte die Tüten mit den neuen Sachen neben den Fernseher und sie stiegen die Treppe nach oben. Eine große Platte mit einem Haufen deftiger Nürnberger Bratwürstchen erwartete sie, dazu Sauerkraut und ein Korb mit Graubrot. Es gab Töpfchen mit Senf und Meerrettich und zu trinken schönes Kräftiges Weißbier. Für die bayrisch aufgewachsene Anna ein Traum. Kaz selbst hatte das auch ewig nicht mehr gegessen.
   Sie aßen in Ruhe, tranken Bier und räumten dann den Tisch ab. Sie waren beide etwas geschafft und fielen eng zusammengekuschelt ins Bett und schliefen schnell ein. Kaz träumte glücklicherweise nicht von Geistern oder Kalmaren sondern von einem tonnenschweren Monsterwaran, der ihn jagte.
Er wachte auf. Karl lag schwer auf seiner Brust und sah ihn neugierig an. Etwas unsanft befreite er sich von der Echse. Anna wachte auf und fiel beim Anblick der Echse vor Schreck aus dem Bett. Der Waran hingegen rollte sich ein und schlummerte.
   Zumindest waren sie jetzt wach und es war sechs. Lien hatte ihnen einen kräftigen weißen Tee und zwei Stück Kuchen und etwas frisches Obst serviert. Kaz fragte Anna ob sie nach dem Mittagessen noch übermäßig Hunger hatte und sie verneinte. Also sagte er das Abendessen ab und schickte die Chinesin in den Feierabend. Diese bedankte sich und schloss die schwere Tür hinter sich.
Anna fuhr sich nachdenklich durch die Haare.
„Und wenn ich einfach jetzt mache?“
„Redest du schon wieder davon? Dann mach doch, wenn du dich nicht gedulden kannst!“
„Hey, nicht so patzig. Tee noch und Kuchen und dann guck ich mal ob die unten noch was frei haben. Ich finde lang etwas langweilig.“
„Tu was du nicht lassen kannst. Schlüssel hast du ja mittlerweile.“
Er verdrehte nur die Augen und nippte an dem Tee, er war etwas verstimmt. Auch wenn sie ihm vielleicht eine Freude zu machen versuchte. Stimmte schon dass sie das letzte Mal als Teenager super kurze Haare gehabt hatte. Ein paar Monate zuvor hatte sie sich als Protest gegen ihre spießigen Eltern den Kopf rasiert, was er mega dämlich fand. Aber auch ein bisschen heiß. Ihr Vater war aus beruflichen Gründen von einer Kleinstadt in Bayern nach Berlin gezogen und hatte die Familie mitgeschleift, da war Anna etwa 14 gewesen und sie kam in seine Klasse. Seitdem hatte er sie nie mehr mit kurzen Haaren gesehen. Sie hatten sich irgendwann angefreundet und ständig Filme zusammen geguckt. Er erinnerte sich noch an den Film Anna von Luc Besson, der war nicht so pralle gewesen und die echte Anna hatte sich die ganze Zeit unwohl gefühlt. Auch wenn sie die Idee irgendwie cool fand als Agentin oder Attentäterin zu arbeiten und eine Tarnidentität zu führen. Er schätzte, das war hängen geblieben. Bei ihm war das ja schon ein bisschen der Fall gewesen, da er damals schon fleißig an Hal herumbaute, während er den Idioten im Unterricht mimte.
„Ok Schatz bis gleich, du kannst mein Stück haben.“
Kaz zuckte ein bisschen zusammen und sah auf das halb aufgegessene Kuchenstück von Anna. Er sah ihr nach und dachte ein bisschen weiter nach, während er den köstlichen Kuchen aß. Danach schleppte er die Kiste mit der Post nach oben zum großen Tisch und schüttete sie aus.
Eine Menge Rechnungen für Zeugs, was ihm Liz vererbt hatte. Ein Sack Fanpost, die er mit einem Schmunzeln las. Angebote von Waffenherstellern um ihr Zeugs zu reviewen – Tja würde ich ja gerne aber das ist Deutschland, da sind die Waffengesetze echt absurd strikt.
   Ein paar Angebote von Merchandise Herstellern, um nicht zu sagen ganze Kataloge. Ah darauf freute er sich, sowas was immer gute Lektüre und er hatte dicke Kataloge immer schon geliebt. Als er klein gewesen war hatte er immer dicke Globetrotter oder Manufaktum Kataloge gelesen, wenn er nachts nicht schlafen konnte. Apropos Manufaktum. Er brauchte Seife und vielleicht ein paar dicke Wolldecken um Anna und Amber von Pelz wegzubewegen. Gab es den Laden am Ernst-Reuter-Platz eigentlich noch? Dann würde er mal mit der Bahn hinfahren. Das war neben der Charité, wo Ryan an seiner Verletzung gestorben war, arme Socke. Siebzehn Jahre und dann so eine Scheiße.
   Er studierte die Kataloge und nippte an einer Cola als sich die Tür wieder öffnete.
„Hey Schatz, tut mir Leid dass ich dich so lange warten hab lasse, aber ich musste eine halbe Stunde warten, komm mal her. Und Karl geh‘ woanders spielen!“
Kaz erhob sich, schon eine Rechnung als Lesezeichen in den Katalog und trat ans Geländer.
„Ich bin hier oben.“
Ihr Anblick war ein gewisser Schock. Ein sehr kurzer, schicker Bob. Da war sie dahin ihre lange blonde Mähne. Er sprang über das Geländer und rollte sich ab. Sie war etwas erschrocken, ließ sich aber nur zu gerne von ihm küssen.
„Ich muss einräumen, dass das verdammt gut aussieht.“
„Ich hab mich auch lange beraten lassen. Aber es ist jetzt so viel leichter. Und ich finde es total schick. So, ich könnte eine Kleinigkeit vertragen und dann will ich weiter gucken! Und heute machen wir nicht durch, ich will morgen trainieren, damit ich von dem ganzen guten Essen nicht fett werde.“
„Unten ist ein sehr großes top eingerichtetes Studio mit einer riesen Kletterwand. Und auf der anderen Seite ist ein großes unterirdisches Schwimmbad. Frag mich bloß nicht, wie die das mit der Statik gelöst haben, das ist einfach nur der Wahnsinn. Aber es ist klasse und da du mit mir hier jetzt wohnst, darfst du die beiden Sachen völlig kostenlos benutzen. Und du bekommst Rabatt in den Läden unten.“
„Hab ich schon gemerkt, dass ist der totale Knaller. Liz war irgendwie etwas komisch drauf. Die Pelze, die Perücken und der ganze Prepper Krempel in der Kammer da.“
„Da musst du mal den Keller sehen. Ich fürchte ich hab sie damals infiziert. Und da stehen drei Waffentresore rum. Randvoll mit Gewehren und Pistolen und Munition fürs Sportschießen.“
„Oh Gott, warum hat man sowas? … fragt eine mit einer AWM und einer Beretta.“
Anna lachte unsicher.
„Und die anderen Tresore nicht zu vergessen. Einer ist voller Geldbündel, einer voll mit Wertpapieren und Schmuck, und in einem stapeln sich Barren aus Silber und Gold. Liz muss in den paar Jahren unglaubliche Reichtümer angehäuft haben. Mir graut schon davor was man in Johnnys Keller finden wird. Ich schätze wir sollten für Akira eine Trage mitnehmen, wenn sie vor mir aus den Latschen kippt. Liz hat mir ja schon absur … Aua, das war ein Scherz.“
„Man sowas macht man nicht, deine beste Freundin ist höchst wahrscheinlich tot und du hast frisch deine Schwägerin und deinen Neffen verloren. Dein Humor war schon immer völlig fehl am Platze!“
„Ja Entschuldigung. Wie soll man sonst der Situation begegnen wenn nicht mit Humor. Nach dem Tod von Ryan und Helena hab ich mir die Kids geschnappt und bin zur Fabrik gefahren. Dort haben wir hart trainiert und ich den dreien Schießen beigebracht. Jack und Amber sind ein gutes Team an der AWM und AX50.“
„Bitte WAS? Leute sterben und du zeigst KINDERN wie man Leute abknallt. Geht’s noch?“
„Schrei mich nicht an, ich bitte dich, du hattest deinen ersten Abschuss bevor du achtzehn warst. Also stell dich nicht so an. Den Bürgern in diesem Drecksland wird es unfassbar schwer gemacht sich selbst zu verteidigen. Einbrecher darfst du nicht mal mehr überwältigen, sondern du musst auf die korrupte Polizei warten, die die Clowns übrigens deckt und mit Waffen versorgt. Die Politiker machen nichts außer die Sache für die Opfer so schwer wie möglich zu machen und die Presse übertüncht die Wahrheit. In so einer Scheißwelt ist es mir egal ob mir jemand sagt was ich zu tun und zu lassen habe. Die Kids lernen sich zu wehren und das ist mir verdammt noch mal wichtig. Denk doch nur mal an unseren Sohn Markus. Oh nein, nicht weinen.“
Anna war in Tränen ausgebrochen und er nahm sie sanft in den Arm. So knallhart wie er war sie vielleicht doch nicht.
„Oh man du bist immer noch so sanft und sensibel wie ein verdammter Panzer! Ich hab dich trotzdem lieb. Können wir jetzt vielleicht weitergucken, Büdde?“
„Ja klar, ich räume nur das Geschirr ab. Willst du noch einen Kaffee oder einen Tee?“
„Ich mag noch eine Cola, wenn noch welche da ist.“
„Ach klar im Keller steht eine Europalette von dem Zeug. Kommt sofort.“
„Du verarscht mich doch!“
„Nein die Palette erscheint mir realer als der Schrank mit den Gelscheinen. Warte ich hol dir eine kühle Dose. Dann gibt’s morgen aber satt Sport vor dem Frühstück!“
„Klar, nicht dass wir beide noch fett werden. Und schön Zähneputzen, wir sind zu jung für die Dritten.“
„Ich hab gelesen mittlerweile werden bei Horizon Nanomaschinen getestet die für dich putzen, Zahnstein entfernen und Löcher stopfen.“
„Du spinnst doch. Wir haben zwar 2045, aber das nehme ich dir nicht ab.“
„Komm das ist nicht weniger absurd als Augmentierungen. Mittlerweile gibt es sehr gut funktionierende künstliche Augen. Damit kann Blinden enorm geholfen werden. Die gibt’s auch mit Nachtsicht und Zoom.“
„Na dann hol dir doch eins!“
„Quatsch, ich bin Purist was sowas angeht, ich hab nur einen Haufen Tattoos.“
„Ja voll der Nazi und so. Alles voller Totenschädeln, Waranen und die Deutschlandflagge, um nur ein paar zu nennen. Oh man, die Presse hat dich mit einer Drohne abgelichtet als du mit freiem Oberkörper rumgelaufen bist. Für die im Viertel bist du ein Patriot, für die Leser der Klatschpresse ein Neonazi. Ich will gar nicht wissen was die in nächster Zeit über mich schreiben.“
„Wahrscheinlich als geldgierige Schlampe, die sich nach dem Tot von Liz an mich heranmacht um an die Kohle ranzukommen. Egal, die werden auf jeden Fall alles ausgraben, was man zu dir finden kann, also bete, dass deine Tarnidentität absolut wasserdicht ist. Und ignorier den Scheiß einfach.“
„Kann ich nicht, in hab nicht so ein dickes Fell wie du. Ich bin ein zartes Blümchen.“
„Mit einem Scharfschützengewehr im Schrank, ja ne ist klar.“
Anna grinste nur und ließ sich aufs Sofa fallen und klopfte mit ihren manikürten Fingern auf den Platz neben ihr. Kaz schüttelte den Kopf, räumte ab und die Maschine ein und nahm sich zwei kalte Cola Dosen mit ins Wohnzimmer. Das würde ein knalliges halbes Jahr mit Anna werden. Er war schon gespannt wie die Kids reagieren würden.

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