Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 24

24. Kaz – 2.W.Mai 2045 – Sonntagabend – Abschied.

Kaz stand mit seinem Anzug vor dem Spiegel und dachte nach. Rein schwarz sollte er nicht sein, dann sah es zu sehr nach Beerdigung und Liz hatte ihn angefleht ihr das nicht anzutun. Er tippte etwas auf seinem Prism und der Anzug wurde Anthrazit und die Krawatte rot. Schon ein bisschen besser.
Er sah nach Amber in ihrem Zimmer. Sie trug das tolle trägerlose Kleid von NOX. Sie hatte sich die Haare gemacht, die jetzt wieder dunkelbraun waren und trug gerade Makeup auf. Akira oder Liz mussten ihr gezeigt haben wie das geht. Sie hatte dem Tomb Raider Fan und ihrem Freund Jack hoch und heilig versprochen, sich die Haare wieder langwachsen zu lassen. Der Junge hatte einen guten Einfluss auf die Kleine, auch wenn es drei Jahre dauern würde, bis die Haare wieder schön lang waren. Zu Sahids Leidwesen gefielen Akira die sehr kurzen Haare hingegen. Für die Feier wollte Liz keine Geschenke, darauf hatte sie bestanden.
   Er sah auf sein schwarzes Masterarmband am Handgelenk. Sie hatte ihm die Wohnung heute Morgen ihm übertragen. Ihr Testament würde in einer Woche vollstreckt werden. Er wusste nicht ob er sich darüber freuen sollte oder lieber weinen sollte.
   Die letzten beiden Wochen waren merkwürdig gewesen. Trotz Krankheit war sie so voller Tatendrang gewesen was das musikalische anging. So hatte er sie kennengelernt. Stressiger Job und abends und an Wochenenden mit ihrer Band geprobt. Ein bisschen bereute er es ihr den Job in Johnnys Firma vermittelt hatte. Vielleicht wäre sie als Musikerin glücklicher gewesen. Zumindest hatten sie die entspannten Frühstücke und die späten Abende miteinander verbracht und oft zusammen gekocht, Games auf dem Sofa gespielt und Filme geguckt. Alles wie früher, als sie in seiner kleinen Zwei-Zimmer Bude zusammengelebt hatten. Er hatte das vermisst und sie auch. Dennoch kam er nicht daran umhin die ganze Zeit an seine Verlobte zu denken. Sie hatte es vorgezogen nicht zu kommen um ihre Rivalin nicht zu kränken, wie sie es gesagt hatte. Das konnte er gut verstehen. Liz hatte nicht gut auf den Brief reagiert den sie beim Schnüffeln in seinen Sachen gefunden haben musste. Zumindest hatte sie das eine Bild nicht zerrissen. Liz war immer ein bisschen eifersüchtig und leicht kränkbar gewesen, dass hatte ihr Zusammenleben auch oft auf eine harte Probe gestellt.
   Xen hatte sich auch entschuldigt, seine Frau stand kurz vor der Geburt. Aber die Kleine würde Elisabeth heißen, ganz nach Liz. Diese hatte sich sehr gefreut.
   Liz hatte schon gepackt und die Sachen wurden in den Lambda Swordfish der Firma geladen, die oben auf dem großen Landedeck auf Liz warten würde. Sie nahm natürlich eine Decke und ihren Lieblingspelzmantel mit. Großartig, blieben also nur noch 41, er seufzte.
   Und sie hatte sich mit ihrer Familie versöhnt, was ein gutes Zeichen war. Er sah auf die Uhr, die Feier würde in einer halben Stunde starten. Amber war konzentriert und hatte ihn die ganze Zeit nicht bemerkt. Er klopfte dezent. Sie sah auf.
„Es wird Zeit wir müssen los.“
„Sekunde, bin in fünf Minuten unten.“
Aus den fünf Minuten wurden zwanzig, aber dann stand sie endlich vor ihm mit einem sauberen tollen Makeup. Sie gingen zum Fahrstuhl und fuhren nach oben zum Dach. Das Haus der Welt hatte schon eine Bühne aufgebaut, davor war eine Tanzfläche und dann waren Tische mit bequemen Stühlen aufgebaut. Der Abend war klar und recht warm. Über ihren Köpfen war eine Schar von Scheinwerfern angebracht, die die Bühne hell erleuchteten. Um den abgegrenzten Bereich des Restaurants hatte sich auf dem Dach eine große Fangemeinde versammelt. Die sechsköpfige Band wartete schon an ihren Instrumenten und machte einen lockeren Eindruck. Fünf Männer und eine Frau am Piano. Zwei Gitarren, Ein Bass, Schlagzeug, Piano und zu seiner Überraschung ein Blechbläser. Liz stand schon da in einem atemberaubenden tollen langen Kleid mit einem hohen Stehkragen, starkem aber nicht überzogenem Makeup, tolle Ohrringe und ihren haarlosen Kopf. Das Kleid musste Johnny entworfen haben und es war einfach nur hinreißend. Und es passte zu ihr wie die Faust aufs Auge.
   Kaz suchte Jack und Akira, die schon auf sie warteten und setzten sich an einen Vierertisch. Er sah auf die Uhr, gleich geht’s los. Liz klopfte auf ihr Mikrofon und alle verstummten.
„Willkommen, meine lieben Freunde. Heute gebe ich mein Abschlusskonzert und möchte mich bei euch allen für euren großartigen Support und tolle Freundschaft über all die Jahre bedanken. Leider werde ich euch aus gesundheitlichen Gründen alle verlassen müssen, aber daran sollt ihr nicht denken. Ich bin den letzten Jahren nicht viel zum Musikmachen gekommen, aber ich war nicht untätig. Ich habe sieben Songs geschrieben und drei gecovert. Und die werde ich heute mit meiner Band Hope spielen. Das Gleichnamige Album wird im Juni erscheinen. Handyvideos sind erwünscht, aber dieser Abend wird auch professionell aufgenommen. Gegessen wird später, ich lade euch alle ein. Und schwingt das Tanzbein. Also dann los geht’s.“
Und die Band fetzte los. Während ein Kellner ihm und Jack eine große Cola auf den Platz stellte hörte er mit offenem Mund zu. Die Band war der Wahnsinn und Liz Stimme war göttlich. So wandlungsfähig und vielseitig, es war der Wahnsinn. Sieben tolle Stücke. Darunter eine herzeigreifende Ballade über den Abschied, Rockhymnen und zwei tolle Metal Stücke. Die Cover waren von Rammstein und Linkin Park, letztere gab es ja leider schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr, das war seine Lieblingsband gewesen. Die Tanzfläche war voller tanzbegeisterter Leute.
Der Auftritt würde Kaz noch Jahre in Erinnerung bleiben und es war viel zu schnell vorbei und Liz ging in einem begeisterten Jubelgeschrei unter. Wärst du doch nur dieses Leben Rockstar geworden, meine Liebe. Liz trat von der Bühne und Getränke wurden für die Musiker gebracht. Sie trank ein Glas Cola auf Ex und umarmte jeden Gast fest. Eine Gruppe in schrägen Expeditionsoutfits startete eine Massenumarmung, das war ihre etwas schrullige Familie, die sie damals verstoßen hatte. Die Umarmung mit Johnny dauerte lange und sein kleiner Bruder schluchzte tatsächlich. Und dann kam er an die Reihe. Liz strahlte und gab ihm einen langen Kuss auf den Mund. Und sie umarmte Amber die bitterlich weinte. Dann war sie mit den Verabschiedungen durch und holte sich ein Mikrofon.
„Das war alles. Meine Band wird den restlichen Abend spielen, aber leider ohne mich.
Ich muss meinen Flieger erwischen. Wir sehen uns alle im nächsten Leben. Ich wünsche euch alles Gute meine Lieben. Und nun haut rein meine Lieben und esst was das Zeug hält, Feiert durch die ganze Nacht. Ich wünsche euch eine tolle Zeit und ich wünsche euch Hoffnung. Tschüss.“
Und Liz wurde von Vera durch die Menschenschar draußen auf dem Dach geführt, die beinahe ehrfürchtig zurückwich und verschwand in dem Swordfish, der die Turbinen anschmiss und unter lautem Getöse abhob und in der Dunkelheit verschwand. Alle sahen ihr traurig nach.
Das war‘s. Er würde sie niemals wiedersehen. Erst in einem neuen Leben.
   Es war ein Abschied, aber er machte ihm weniger stark zu schaffen als zum Beispiel der Tod seines Neffen und seiner Schwägerin. Der Moment war nicht plötzlich gewesen, sondern er hatte sich darauf vorbereiten können. Er würde sie trotzdem vermissen, sehr. Sie kannten sich seit über zwanzig Jahren. Das war eine kleine Ewigkeit. Wie es dann wohl sein musste jemanden zu verabschieden, den man zum Beispiel fünfzig Jahre kannte? Er wollte gar nicht darüber nachdenken. Die Speisekarte wurde gebracht, aber er warf nur einen grinsenden Blick in die ebenfalls grinsenden Gesichter von Amber, Akira und Jack. Heute gab es Steak!
„Auf Liz!“ Alle hoben die Gläser und stießen klirrend an.
Ich werde dich kleines Mädchen niemals vergessen! Und morgen rette ich Karl.

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