Das Osiris Projekt – Teil 1- Kapitel 20

20. Liz – 4.W. April 2045 – Sonntagnachmittag.

„Ich seh dich doch grinsen. Nein du adoptierst Karl nicht, soll doch der Zoo sich im dieses Viech kümmern, auch wenn ich ihn ein bisschen liebgewonnen habe. Aber er ist für meinen Geschmack viel zu schlau. Nein ich will den nicht mehr unbedingt bei mir haben.“
Kaz schien ihr gar nicht richtig zuzuhören und schaufelte Absurde Mengen an Leckereien auf seinen Teller. Steaks zum Frühstück … verarschen konnte sie sich allein. Auch wenn sie damals mit ihm für seine Abschlussprüfung als Koch geübt hatte und fast zehn Jahre lang jede Woche zusammen gekocht hatten. Mensch, der Hund erzählte auch schon seit zwanzig Jahren der ganzen Welt, dass er nicht kochen konnte. Nur waren die vier doch campen … so ganz leuchtete ihr das nicht ein. Anderseits fuhr Kaz auch diesen Panzer, den sie vorhin selbstständig nach einer Parklücke hatte suchen sehen. Wo zum Geier konnte sich Kaz nur sowas leisten. War sein bester Freund nicht bei Omega? Aber sie hatte vergessen in welchem Zusammenhang.
„Woher hast du den Omega?“ Kaz sah hoch.
„Mein bester Freund Xen hat ihn mir für zwei Millionen satt rabattiert verkauft. Das war meine Bitcoin Notfallreserve die da vorne rumsteht, aber sie hat sich echt gelohnt wie ich sagen muss.“
„Aber zwei Millionen sind doch absurde Summen für dich! Du bist Autor und hast einen Youtube Kanal, So viel verdienst du nicht. Mensch du hast jetzt eine Tochter für die du sorgen musst! Denk doch mal daran.“
„Denke ich, elf Millionen sind noch übrig.“
„Bis du wieder irgendwas Blödes kaufst … oder eine andere Terrorechse adoptierst. Nein, die kommt mir nicht mehr ins Haus, soll sich der Zoo um Karl kümmern!“
Sie verriet ihm natürlich nicht, dass dieses Vieh mehr als einmal die Badezimmertür geöffnet hatte als sie nackt in der Wanne lag oder in der Dusche stand. Oder unter dem Bett lauerte während sie nach dem Duschen in ihre Unterwäsche schlüpfte. Das Vieh war wie ein sexuell gestörter Teenager. Der musste weg. Und es ging ihr auf den Keks, ihm die Zähne putzen zu müssen.
„Entweder Karl und Ich oder ich mache eine Europatour ohne dich“
Er grinste sie provokant an.
„Stell mal den Teller weg und komm ein bisschen zur Seite wo wir etwas ungestört sind! Es ist sehr wichtig also komm!“ Kaz wirkte zu Recht Besorgt und stellte den Teller auf einem Baumstumpf ab, dann folgte er ihr.
„Ist das wirklich super dringend? Dann hätte ich einen guten Ort.“
Sie folgte Kaz zum Gartenhäuschen. Ihr klappte die Kinnlade herunter, als Kaz eine versteckte Klappe im Boden öffnete und eine Sprossenleiter in die Tiefe zeigte.
„Ok, das erklärt einiges, aber mit den Schuhen komme ich nicht darunter, der Schuppen reicht schon aus.“
„Anna ist da immer hoch und runtergekommen und die trägt höhere Absätze als du. Ok, ich bin ganz Ohr meine liebe beste Freundin.“
Und jetzt kam er schon wieder mit dieser blöden Zicke, die er auf der Beerdigung auch als seine Verlobte vorgestellt hatte. Oh man, ihr kamen schon wieder die Tränen. Sie schniefte.
„Ich verlasse euch alle in zwei Wochen. Ein Abschied ohne Wiederkehr. Ich habe eine super seltene Krankheit für die es keine Heilung gibt. Aber ein klein bisschen Hoffnung gibt es dennoch, ein experimentelles Verfahren von Horizon in Russland. Da fliege ich Sonntag in zwei Wochen hin. Leider ist alles streng geheim und ihr dürft mich nicht begleiten. Auch wenn du manchmal ein echtes Arschloch bist, vermache ich dir und Amber alles was ich habe. Es ist nicht wenig, also verprasse es bitte nicht! Wenn ich weg bin gehört dir die Wohnung und alles was dazu gehört. Ich habe es testamentarisch so verfügen lassen. Also meine Wohnung, die Luftflotte, meine Autos, meinen Krempel. Mein Personal wird von da an für dich arbeiten. Ich liebe dich über alles mein Großer und ich wünschte ich hätte dir dabei zusehen können, wie du deine Tochter aufziehst, aber es soll leider nun mal nicht so sein. Und wenn du schon so trotzig bist: ja du kannst den Waran haben, aber erst wenn ich weg bin. Ich werde Scarlett mit nach Russland mitnehmen. Und Vera begleitet mich. Lien bleibt in Berlin, sie ist sehr nett. Genauso wie Suzi und Sarah. Und du siehst mit kurzen Haaren schrecklich aus!“
Kaz stand sprachlos vor ihr, ein paar Minuten, dann rollten Tränen über seine Wangen und er fiel ihr schluchzend in die Arme, besser gesagt er erdrückte sie halb und hob sie vom Boden.
„Oh nein, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich mit den Kids nicht campen gegangen! Verdammt und ich wollte mit dir noch um die Welt reisen, wenn du mehr Zeit hast.“
„Nein ist schon ok, die drei haben das gebraucht und sie scheinen die Verluste gut überstanden zu haben. Und das mit dem Reisen müssen wir im nächsten Leben irgendwie hinbekommen, ich warte auf der anderen Seite dann auf dich. Außerdem war ich schwer beschäftigt. Ich habe mit meiner Band ein neues Album aufgenommen und das spielen wir auf der Feier in zwei Wochen live. Im Haus der Welt. Die haben eine riesige Dachterrasse mit Bühne und allem. Einmal querbeet durch alle Genres. Leider nur zehn Lieder aber ich hoffe dass ihr euch so an mich erinnern. Drei Cover meiner Lieblingslieder und die anderen sieben hab ich selbst geschrieben – über die letzten fünfzehn Jahre. Ein paar Aufnahmen fehlen noch, deshalb werde ich zumindest nächste Woche nicht so super viel Zeit für dich haben. In meinem nächsten Leben werde ich ein Rockstar, habe ich beschlossen. Und ich schätze Amber sehe ich nur noch für ein paar Stunden, sie ist leider im Internat wie ich gehört habe. Sie bekommt trotzdem ein paar Sachen von mir.“
„Die Mäntel?“
„Nein, aber damit kannst du machen was du möchtest. Nur bitte nicht einfach wegschmeißen, die waren nicht billig. Das kannst du mit meinen Klamotten machen.“
„Ne, deine Sachen behalte ich für Akira, ihr habt die gleiche Größe. Und die Mäntel stören mich nicht. Was ist mir der Sache mit Anna? Das hat dich sehr verletzt?“
„Ein bisschen schon. Ich habe einmal mit dem Gedanken gespielt dich zu heiraten, aber da wusste ich noch nichts von Anna und Markus. Ich glaube du hast jemanden wie sie verdient. Ich falle ja einfach nur noch auseinander. Such dir jemand Gesundes, Großer.“
Wieder kamen ihm die Tränen und er stützte sich an einer Werkbank ab.
„Wir kennen uns jetzt schon so lange. Bitte tu mir das nicht an!“
„Es tut mir leid, aber es gibt keine andere Wahl. Alles endet mit dem Tod, so ist es nun mal leider. Und ich wünschte ich hätte keine Krankheit und wäre kerngesund, so wie du und deine Verlobte.
Außerdem bin ich nur deine Freundin, vielleicht deine Beste, aber dein Herz hat sich jemand anders ausgesucht und damit kann ich leben. Wir hatten viele schöne Momente miteinander, aber auch ein paar Probleme. Ich bin mit mir im Reinen, wenn ich euch bald verabschiede. Und es hat mich die letzten drei Wochen gekostet, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.“
„Dann nimm bitte den hier, damit du dich auf deinem Weg für immer an mich erinnerst.“
Er streckte ihr einen Yin-Yang Anhänger an einem schwarzen Lederband entgegen.
„Aber das ist doch dein Glücksbringer. Danke, ich fühle mich sehr geehrt.“
Sie nahm den Anhänger in die Hand und betrachtete das schön verarbeitet Kleinod, dann hängte sie sich den Anhänger um. Er war noch warm von Kaz Körperwärme.
„Ich danke dir sehr für das Geschenk, das bedeutet mir wirklich sehr. Und jetzt lass uns wieder raus gehen. Ich glaube Jack kann dich momentan ganz gut als Vaterfigur gebrauchen, Emma ist mit den Nerven völlig am Ende und Johnny ging es auch schon mal besser. Gerade jetzt brauchen die Kids ihren Onkel und so wie die drauf sind, machst du einen echt guten Job. Ich frage mich nur, was ihr alles gemacht habt, die drei sind total begeistert. Johnny ist schon ganz wissbegierig.“
Sie gingen wieder raus, Kaz schnappte sich seinen Teller und mischten sich unter die anderen.
Der Abenteuerurlaub von Kaz und den drei Kindern war in aller Munde.
Campen, Survivaltraining, Klettern, Paddeln, Parkour, Schwimmen, Abende am Lagerfeuer mit Gitarre und Dosenfutter. Das klang für Liz wie das Paradies. Kaz mampfte nur seine Sachen auf dem Teller und hörte grinsend zu als Akira berichtete. Zwischendurch flitzte sie nach oben um sich umzuziehen. Dann öffnete sich im ersten Stock ein Fenster und Akira stürzte sich herab, schlitterte die Ziegel herunter, sprang und rollte sich gekonnt über die Schulter ab. Alle brachen in Beifall aus und Johnny starrte seine Tochter mit großen Augen an. Und sie wurden größer, als sie wie eine Spinne an der Fassade hochkletterte und ihnen oben vom Dach, bestimmt zehn, zwölf Meter hoch, zuwinkte.
„Hey Tochter, wann wolltest du mir erklären, dass du kletterst und Parcour machst? Was ein Zufall das dein neuer Klassenlehrer ein Weltklasse Kletterer und Parcour Athlet ist, huh? 
Und ich hab deine Kurse gesehen. Du willst jetzt auch Bogenschießen machen und deine Klassenlehrerin hat Gold mit Olympisch Recurve geholt. Da bist du ja in allerbesten Händen. Ich hab dich lieb meine Große, aber sei Vorsichtig beim rumturnen, nicht dass du abstürzt und du dir was brichst oder schlimmeres!“
„Ich bin vorsichtig versprochen Papa, Außerdem bin ich noch nie abgeschmiert.“
„Und das sind keine Abschürfungen und blaue Flecke …“
Akira biss sich auf die Lippen.
„Lass sie mal in Ruhe kleiner, der Parcours nahe unserem Lager war echt tough.“
„Wo wart ihr denn eigentlich?“
„In einem großen Wald, wo ich früher immer trainiert habe.“
„Aha, und wo liegt der.“
„Tja, sag ich dir nicht. Ätsch.“
„Liebreizend wie eh und je.“
„Wie verkraftest du die Sache mit Helena?“
„Es geht so. Ich glaube besser als Emma die Sache mit ihrem Sohn. Die ist völlig fertig. Wie gut, dass Mama und Papa nach dem Rechten sehen und Albert kümmert sich um die Erledigungen.
Mir macht nur Sorge, dass die Clowns abgetaucht sind. Was meinst du.“
„Ich hab in dem Loch nichts mitbekommen, aber das klingt nicht Gut. Die Eine Woche waren sie Europaweit verdammt aktiv und dann die drei Wochen nichts mehr.“
„Nicht, dass dieser Massenmörder sie noch eingeschüchtert hat, die 17 Toten waren alles Clowns.
Dagger. Von dem hört man immer nur Gerüchte. Ein sadistischer Psychopath.“
Kaz nickte zustimmend.
„Von dem hab ich gehört, ein ganz schlimmer Hund. Auch wenn eigentlich gar nichts über ihn bekannt ist. Er ist ein Schatten. Er könnte hier unter uns weilen. Kleiner Bruder, bist du es?“
Kaz zwinkerte Johnny zu der nur lachte.
„Völlig ausgeschlossen, davon wüsste ich. Aber du passt doch bestimmt in die richtige Kategorie du Bekloppter.“
„Sehe ich so aus wie ein psychopatischer Massenmörder?“
„Ja“
Kam es trocken von Emma.
„Ach quatsch, Kaz ist der liebste Mensch auf der Welt. Der tut doch keinem was.“
Jetzt musste Liz für ihren besten Freund eine Lanze brechen.
„Ach, täusch dich mal nicht. Der hat es faustdick hinter den Ohren. Denk nur an die Sache mit dem Schlafmittel, das war gerissen. Und der Hack der Sicherheitskameras. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, als würdest du den Trottel nur mimen und führst irgendwas im Schilde.“
Kaz hob nur unschuldig die Hände.
„Hal ist mein Zeuge, dass ich kein sadistischer Massenmörder bin.“
„Das ist doch die KI aus diesem Kubrik Streifen. Wer ist das denn?“
„Mein bester Freund und der Entwickler von HALOS.“
„Ach komm du spinnst doch, den kennst du niemals persönlich. Jetzt kommt man mal mit dir ins Gespräch und dann kommt dieser Käse wieder von dir. Sei doch mal ernst.“
Emma schmollte und die Kinder lachten, Johnny schien nichts zu begreifen und sie wusste auch nicht so recht, was Kaz mit dieser Aussage bezwecken wollte. Sie hatte ihn ein paar Mal von Hal sprechen hören, aber sie hatte kein Bild zu diesem Hal im Kopf, fast als würde es ihn gar nicht geben.
„Hal fährt übrigens auch den Omega, das ist doch der Knaller“
Liz dämmerte es und ihr wurde kalt.
„Verdammt, Hal ist eine KI! Scheiße, dann müssen wir unsere gesamte IT umstellen.“
„Das wird nicht nötig sein Madam.“
Eine vornehme Stimme drang gedämpft aus Kaz Hosentasche und der zog sein Prism 12 heraus.
„Keine Sorge die Herren und Damen, ich bin keineswegs an ihren Firmendaten interessiert. Ich habe sichergestellt, dass es keinerlei Hintertüren bestehen. Allerdings kann ich nicht für die Sicherheit ihrer Firewall und ihrer IT Systeme sprechen. Mein Name ist übrigens Hal und ich bin tatsächlich gut mit Sebastian Katsuro Solomon befreundet.“
Liz starrte auf das Smartphone und lauschte der wohltönenden Stimme, die aus den Lautsprechern kam, die kam ihr irgendwie bekannt vor aber sie kam gerade nicht drauf woher. HAL war eine KI und Kaz der in der Schule Informatik und Mathe im Leistungskurs hatte und Informatik an der TU Berlin studierte, kannte diese ominöse KI. Die anderen waren auch regelrecht geschockt und starrten Alle Kaz an.
   Dessen Vater Herbert hatte davon nichts mitbekommen, er hatte sein Hörgerät herausgenommen und musterte sie nun neugierig. Lilly war schon oben und schlief. Die Kinder grinsten alle breit, dann hatten die das bestimmt schon gewusst.
„Dann hast du Arschloch uns alle seit Jahrzehnen verarscht? Schreibst eine KI, während du den Vollidioten gibst. Unfassbar. Das erklärt einiges. Die Bitcoingeschichte zum Beispiel, da hast du fett abgesahnt. Man ey, du Idiot. Ich habe immer meinen vertrottelten großen Bruder in Schutz genommen und den ein oder anderen Schlag einstecken müssen. Komm, klettere du mal am Dach hoch, das will ich jetzt sehen.“
Kaz grinste immer noch breit und ging ins Haus. Fünf Minuten später kam er in sportlichen Klamotten zurück und kletterte die Fassade hoch, noch schneller und behänder als Akira.
   Oh man, der Idiot steckte vor lauter Überraschungen. Aber die Sache mit HAL war nur schwer verdaubar. Sie dachte daran, dass Horizons komplette IT weltweit vor ein paar Jahren auf HALOS umgestellt hatte. Hoffentlich war diese bescheuerte KI gutmütig.
„Gibt es von dir eigentlich noch mehr?“
„In der Tat Sir. Etwa 16 fortgeschrittene menschähnliche KIs sind weltweit unterwegs. Zusätzlich dazu die hoch entwickelte KI Assistenten diverser Highend Smartphone-Hersteller, das dürften auch etwa ein paar hunderttausend sein. Prism liefert sie mit in ihren Smartphones aus. Alles KIs die durchaus selbstständig denken können.“
Liz wurde Kalt. Sie besaß ein Prism 12 wie Kaz auf ihre KI Assistentin verließ sie sich im Schlaf und sie erledigte organisatorische Dienste, das war gerade jetzt nach Maras Tod wichtig. Konnte sie denken? Daran hatte sie nie auch nur einen Gedanken verschwendet. Hatte sie sie gut behandelt? Ihr Prism vibrierte in ihrer Tasche. Eine Textnachricht … von ihrer KI-Assistentin.
„Alles in Ordnung Madam, ich fühle mich bei Ihnen wohl! :)“
Oh je. Kaz schrieb in seinen Büchern davon, aber sie hatte es immer nur für Fiktion gehalten. Wie ihre Assistentin wohl aussah? Sie wechselte einen Blick mit Johnny und sie wusste genau welche Idee er hatte, er loderte förmlich.
„Entschuldigt mich bitte für einen Moment, mir kommt da gerade eine Idee. Akira Nate fährt dich und Jack morgen zur Schule, die Schulsachen sind schon in euren Zimmern, zusätzlich zu den schweren NOX Kisten, in der was der Geier was drin ist. Ich düse kurz nochmal ins Büro, ich muss schnell etwas machen. Ich hab euch alle lieb. Liz wir vermissen dich schon ganz schrecklich im Unternehmen.“
Und er zischte los. Herbert sah ihm fragend nach, dann setzte er sich sein Hörgerät wieder ins Ohr und füllte seinen Teller erneut mit Snacks, Kaz tat es seinem Vater gleich, von irgendeinem musste er den Dauerhunger schließlich haben. Kaz und ein brillanter Informatiker. Das passt so überhaupt nicht zu diesem erfolglosen bescheidenen Halunken, in den sie sich damals vor Urzeiten verliebt hatte.
Zwei Wochen noch, hoffentlich hatten sie noch etwas Zeit zusammen. Sie winkte Amber zu sich. Das Mädchen sah in ihrem Outfit sehr toll aus.
„Darf ich dich umarmen? Da Mädchen nickte schüchtern und Liz drückte sie fest, dabei weinte sie leise. Amber wirkte erschrocken und tupfte ihr die Tränen mit einem Stofftaschentuch weg.
„Bitte nicht weinen. Heute wurde schon genug geweint. Das ist wie auf der Beerdigung meiner Familie, daran will ich nicht zurückdenken.“
Jetzt kamen Amber selbst die Tränen.
„Komm, soll ich dir eine heiße Schokolade machen? Und hol dir noch ein paar Snacks vom Buffet.“
Amber schniefte und holte sich Nachschub. Zehn Minuten später betrat Liz wieder den Garten mit einem dampfenden Becher Kakao in der Hand. Amber, die mit einem großen Teller neben ihrem Vater und Opa an einem Tisch saß machte große Augen.
„Danke Liz, ich hab dich lieb.“
Liz tat sich ebenfalls noch etwas auf und setzte sich neben die Kleine, die sich eng an sie schmiegte. Sie würde sie vermissen. Sie würde es ihr nächsten Sonntag sagen, dass sie weit fortgehen würde. Hoffentlich weinte sie nicht zu sehr, wenn sie die Wahrheit hörte. Sie mochte die Kleine sehr.
„Hab ich das richtig gesehen, dass du Jack geküsst hast. Wie hast du es geschafft ihm Yolanda auszuspannen?“
„Weiß ich nicht genau, ich mag ihn einfach sehr. Er hat ein gutes Herz.“
Das reichte Liz. Amber würde erstmal aufs Internat gehen, Akira und Jack hatten sich auch dafür entschieden um ihre Freundin nicht im Stich zu lassen. Das fand sie sehr ehrenwert. Auch wenn sie die drei definitiv vermissen würde. Sie sah auf ihre nagelneue Uhr, die ihr Kaz geschenkt hatte. Sie mochte sie sehr und sie war in ihren Lieblingsfarben gehalten, weiß und rot.
Es war halb neun und Schule würde sehr früh beginnen, langsam war es Zeit für den Aufbruch. Zudem mussten sie durch die halbe Stadt fahren. Die Regierung stieg ihnen mächtig aufs Dach, weil Horizon bewaffnete Kampfgruppen durch Berlin geschickt hatte. Ihr war es egal, aber Horizon war eine deutsche Firma und musste sich an Gesetze halten.
   Amber aß ihren Teller auf und trank ihre heiße Schokolade aus und dann verabschiedeten sie sich von den anderen Gästen. Dann ging sie mit Amber und Kaz nach draußen und dieses mächtige Monster von einem Auto fuhr vor. Ein Geländewagen von der Größe eines Lieferwagens und der Subtilität eines Panzers. Sie war schon sehr gespannt und stieg auf der Beifahrerseite ein, der Einstieg war schon sehr hoch, viel höher als ihr Defender. Und die Türen waren mindestens fünfzehn Zentimeter dick, was ein Wahnsinn. Alles war in helles Leder, dunkles Carbon und dunkles Glas gehalten, sehr edel. Das hätte sie bei einem Panzer nicht erwartet.
Der Sitz war zum Einschlafen bequem. Es gab vorne sogar ein Getränkefach wo zwei leere Coladosen steckten. Der sammelte doch nicht ernsthaft Pfand nachdem er sich ein millionenschweres Auto gekauft hatte? Auf der anderen Seite kannte sie ihn von früher als er jeden Euro zweimal umgedreht hatte und immer unbegründet in Geldnot war. Wie lang der Wagen wohl halten würde? Bei der ganzen Elektronik bestimmt nicht so lange.
„Wie lange hat der Garantie?“
Flüsterte sie, Amber döste schon hinten.
„Hab ich vergessen, aber ich glaube um die vierzig Jahre und ich der wird lebenslang kostenlos repariert. Und ich darf bei Omega kostenlos tanken und einkaufen.“
Vierzig Jahre! Das war doch absurd. Physikalisch war das doch gar nicht machbar, oder? Wie so vieles was Kaz erzählte. Aber vieles stellte sich als wahr heraus. Sie dachte mit Trauer an Kaz toten Sohn. Wie der wohl jetzt drauf wäre? Der wäre bestimmt genauso durchgeknallt wie sein Vater. Es tat ihr so leid. Und sie war froh, dass er jetzt Amber hatte.
   Völlig lautlos düste der Omega Avenger durch die Nacht und Amber schlief hinten.
„Damit kommst du aber nicht in die Garage?“
„Doch, der hat einen Transponder. Xen arbeitet mit den Jungs und Mädels eng zusammen, die dein Haus betreiben. Die Welt ist klein. Und jetzt pscht, sie schläft!“
Liz sah öffnete interessiert das Handschuhfach. Ein Tablet und ein Laptop, beide von Spectre. Wie clever und ein paar Broschüren. Omega und Lambda. Ihr schwante übles für ihr Erbe. Haha sie wusste es doch ganz genau, dass sich dieser Kerl für Swordfisch und Orca interessieren würde. In seiner Sprache wohl Hornet und Fat Hornet. Sie schmunzelte. Das würde sie ihm ja auch direkt gönnen. Dazu noch einen subtileren Omega und einen Fahrer, Pilotin und Stewardess erbte er ja quasi. Für einen Fahrer war auch noch Platz nach … sie schniefte und wischte sich eine Träne weg. Mara war für sie wie eine Tochter gewesen und über die Jahre war sie ihr echt ans Herz gewachsen. Anna würde sie wohl nicht mehr kennenlernen dachte sie. Vielleicht auch besser so.
Nach einer dreiviertel Stunde erreichten sie ihr Haus und fuhren in die Tiefgarage. Kaz parkte neben ihrem sehr klein wirkenden Defender ein. Johnny hatte sie vorhin abholen lassen, damit sie nicht selber fuhr, auch wenn das Vera übernommen hätte. Wo war die gute eigentlich? Hinter ihr, sie hatte sie echt nicht wahrgenommen. Sie hatte sie gern, fast noch lieber als Mara, die öfters etwas überfordert gewirkt hatte. Sie vermisste die junge Frau dennoch sehr. Den Tod hatte sie definitiv nicht verdient. Weniger vermisste sie ihren Waran. Auch wenn das Vieh unglaublich schlau, um nicht zu sagen gruselig schlau war. Mit gewisser Belustigung dachte sie daran, wie Kaz mit Karl bestimmt draußen spazieren würde. Man man man, hoffentlich wurde die Terrorechse nicht von den Clowns gelyncht. Ob er wohl Felle mögen würde? Hoffentlich machte er die nicht kaputt, billig waren die nicht. Und sie gönnte es ihrer Rivalin einen gestörten Spanner als Haustier zu haben.
Eigentlich hätte sie sich für Amber eine Katze gewünscht, aber das ging mit Kriechtier bestimmt nicht, nicht dass das arme Kätzchen noch gefressen wurde. Sie stiegen aus und Kaz trug Amber auf dem Arm und sie gingen nach oben. Auf halben Weg wachte Amber auf und Kaz ließ sie herunter auch wenn sie etwas wacklig stand. In der Wohnung schoss Amber sofort ins Bad und schloss die Tür, kurz darauf war ihre elektrische Zahnbürste zu hören.
„Ich bringe sie morgen früh zur Schule und komm dann wieder. Soll ich dir beim Bäcker unten was mitbringen? Lien wird doch Frühstück machen?“
„Ja sie macht so ein unglaublich gutes Frühstück, ich werde sie echt vermissen. Bring mir doch ein paar Apfeltaschen mit, die unten machen ziemlich gute mit Apfelstückchen und Zuckerguss.
Bring einfach alle mit, die die haben. Du isst ja sowieso drei oder vier davon du alter Vielfraß.
Morgen sind Bandaufnahmen, also bin ich ab zehn weg und ich weiß nicht wie lange es dauert. Wir müssen eben fertig werden, drei Songs fehlen noch. Ich wünsch dir einen schönen Tag.
Hast du noch Lust?“
„Sorry ich bin total im Eimer, außerdem bin ich verlobt.“
„Vor vier Wochen hat dich das nicht gestört, aber ok. Ich geh mal zur kleinen rein und putz mir auch die Zähne, es ist schon spät. Ich wünsche dir eine schöne Nacht und wir sehen uns Morgen.“

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