Die Legende der schwarzen Geister – Prolog

Ein heller Blitz durchzuckte den Himmel, gefolgt von einem mächtigen Donnern und grelles Licht erhellte die stockdunkle Nacht. Das Licht verschwand und erst tauchte schwarzer dann grüner Rauch auf.
   Lama Merten schreckte auf. Das war eine höchst sonderbare Vision gewesen. Er schlug die Augen auf und blinzelte gegen die grelle Mittagssonne an. Er saß in Meditationshaltung auf einem Felsen und versuchte sich an die Einzelheiten der Vision zu erinnern. Er stand auf und griff nach einem Schlauch mit feinstem Quellwasser, daraus trank er ein paar tiefe Schlucke und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er war riesig, die Bewohner des nahen Dorfes nannten ihn Bärenmann und bei dem Namen schmunzelte er. Natürlich gab es auch richtige Bärenmänner, aber in seinen 35 Lebensjahren war er noch auf keinen gestoßen. Wohl aber war er auf seinen Reisen den Katzenmenschen begegnet, Nomaden, die sonderbare Waren feilboten und als Diebe beschimpft wurden.
   Er streckte seine Glieder aus, trotz stundenlanger Meditation fühlte er sich frisch und ausgeruht. Allerdings verspürte er einen stechenden Hunger. Zeit spielte für ihn nur eine untergeordnete Rolle, dennoch wusste er, dass er seine letzte Mahlzeit bei Sonnenuntergang eingenommen hatte.
Er warf sich den Wasserschlauch um und machte sich auf den Weg zu seiner ehrenwerten Behausung, einer großen geräumigen Höhle. Rund eine Stunde lief und sprang er über Felsen und Steine den schmalen kaum sichtbaren Pfad entlang bis er den etwa Eingang der Höhle erreichte. Den Eingang zur Höhle markierte ein großer freistehender Stein in dessen glatte Oberfläche in einer verloren gegangenen Sprache die Worte eines heiligen Mannes geschrieben standen. Der Eingang war etwa doppelt so hoch wie Lama Merten, aber nicht sehr breit, er musste sich also schmal machen um hindurch zu passen. Durch den Eingang fiel nicht viel Licht dennoch war die Hölle im inneren hell und luftig, möglich machte das eine große annährend kreisrunde Öffnung in der Höhlendecke.
   Wie man es von einem Mönch erwarten würde lebte er recht bescheiden. In einer Ecke lagen einige Yakfelle und eine sorgsam zusammengelegte Decke aus dicker Wolle. Ein Kopfkissen brauchte er zum Schlafen nicht. Kochgeschirr, Werkzeug, Seile und Haken und einige Kisten und Säcke mit Vorräten lagerten am anderen Ende der Höhle. Ein Bogen mit Pfeilen lag auf dem Boden neben einem großen Rucksack. Daneben lehnte an der Wand ein langer Holzstab, der mit verwundenen Mustern verziert war. Der Stab war sein treuer Wegbegleiter und hatte ihn schon auf unzähligen Reisen begleitet. Er diente nicht nur als Stütze sondern auch als Waffe, gegen Banditen oder kleinere Raubtiere, gegen die großen Tiger half hingegen nur die Flucht. Nur ein törichter Mann würde die stolzen Könige der Berge angreifen. Was viele nicht davon abbrachte es dennoch zu versuchen. Es galt als große Ehre einen der Tiger in der Jagd zu erlegen, aber Lama Merten hatte keine wohlwollenden Worte dafür übrig. Auf seinen Reisen war er einmal einem Tigerjungen begegnet, das in eine Felsspalte gestürzt war und nach seiner Mutter schrie, die hilflos zusehen musste wie ihrem Kind die Kräfte schwanden. Er hatte das Jungtier geborgen und seiner Mutter wiedergegeben, die Lama Merten mit vorsichtigen Blicken bedachte und dann mit ihrem Jungen zusammen davongetrottet war. Seitdem hatte ihn nie wieder ein Tiger auf seinen Reisen gestört.
   Er war der Wächter des heiligen Tempels, der, einen kurzen Fußmarsch von hier entfernt, schon seit vielen Jahrhunderten Wind und Wetter trotze und den Bewohnern des kleinen Dorfes ein paar Meilen entfernt traditionell sehr wichtig war. Dort wurden die Geister des Tals befragt, Bestattungen und Hochzeiten abgehalten und der ein oder andere suchte Rat beim heiligen Wächter, ihm – Lama Merten. Er pflegte den Tempel, führte kleine Instandsetzungsarbeiten durch, entzündete Duftstäbchen und Kerzen und hielt Rituale und Zeremonien ab. Die Dorfbewohner bedankten sich dafür mit kleinen Geschenken. Reis, Gemüse, Obst, Gewürze und Tee, aber auch Schriftrollen mit Gebeten und Sprüchen großer Heiliger und schutzbringende Talismane.
Er hatte erst am Vortag die Geschenke in Empfang genommen und mit zu seiner Höhle genommen, also würde er erst morgen dem Tempel wieder einen Besuch abstatten. Außerdem ging ihm die Vision nicht aus dem Kopf. Visionen waren immer sehr vage, da war diese in ihren Ausführungen sehr deutlich gewesen. Ein Blitz, eine Sternschnuppe vielleicht? Der Knall und das Licht, vielleicht der Einschlag eines Objekts. Auf seinen Reisen hatte er in den heiligen Bibliotheken der Klöster von Augenzeugenberichten gelesen, die von der ungeheuren Kraft von Felsbrocken aus dem Himmel zeugten. Leider waren diese Berichte entweder nur sehr vage oder unglaubwürdig ausgeschmückt. Die Vorstellung, dass Felsen groß wie Häuser aus dem Himmel stürzen könnten behagte ihm ganz und gar nicht. Dennoch war das der Fall, einmal war er auf seinen Reisen an einem Krater vorbeigekommen, in dem ein kleiner See lag. Der Krater war von immenser Größe gewesen, gut eine Meile oder mehr im Durchmesser.
   Die Sache mit dem Rauch, der die Farbe wechselte, hatte ihn zutiefst irritiert. Schwarzer Rauch war Gang und Gebe, aber grüner Rauch? Davon hatte er hier noch nie gehört. Er würde sich bei den ehrenwerten Mönchen der umliegenden Klöster umhören müssen.
   In Gedanken versunken entzündete er einen kleinen Haufen Holzscheite in seiner Feuergrube. Nach wenigen Minuten prasselte ein lebendiges Feuer. Über der Feuerstelle stand ein Gestell aus geschmiedeten Eisen mit zwei Platten. Auf die eine Platte stellte er eine Kanne Wasser für Tee auf den anderen einen flachen Topf mit Wasser, Reis und frischem Gemüse.
Geduldig bereitete er den Essplatz unter dem Himmelsloch vor. Den Tee, den er aufgoss, hatte er von einem Reisenden geschenkt bekommen, der aus dem Westen kam. Der Geschmack war kräftig, hatte aber eine liebliche Note. Der Tee war Qualitativ viel besser als das meiste, das er bisher in seinem Leben in diesen Regionen getrunken hatte.
   Das gekochte Mahl war einfach, sättigte aber sehr. Zu dem Reis dazu as er Streifen geräucherten Fleisches. Die meisten Mönche ernährten sich vegetarisch, er hingegen nicht. Eine Vision hatte es ihm geraten und seitdem ergänzte er seinen Speiseplan mit meist getrocknetem oder geräuchertem Fleisch.
   Er genoss den wohltuenden Geschmack des Tees im Mund und das wohlige Gefühl im Magen, dass die Mahlzeit hinterließ. Dann stand er auf klaubte das Geschirr zusammen und machte sich auf den Weg nach draußen um es am nahe gelegenen Fluss abzuwaschen.
   Ein paar Minuten entfernt entsprang ein kleiner Wasserfall aus den Bergen und stürzte sich tief in einen kleinen See eiskalten Wassers. Der See war ziemlich Flach und man konnte einige Züge darin schwimmen, wenn einen die Kälte nicht störte.
   In Ruhe spülte er sein Geschirr ab als ihn ein helles Pfeifen aus seinen Gedanken riss. Er richtete sich auf und beobachtete den Himmel über ihm. Dort! Einige Meilen entfernt schoss ein kleines Objekt über den Himmel, genau wie in seiner Vision. Das Objekt zog einen feurigen Schweif hinter sich her und bewegte sich mit ungeheurer Geschwindigkeit dahin. Es raste steil dem Erdboden entgegen und würde mit ihm kollidieren, wenn es nicht die Flugbahn änderte.
   Er sah den Blitz, lange bevor er den Donner hörte. Ein Feuerball aus lodernden roten Flammen wölbte sich in den Himmel und formte dicke schwarze Rauchwolken. Lama Marten starrte angestrengt in die Ferne. Das Ding musste hinter einer Felskuppe oder einem Grat niedergegangen sein. Wenn er doch nur sein Fernrohr dabei hätte, aber das lag noch in der Höhle. Da, auf einmal strömte eine dünne Säule grünen Rauchs in die Höhe, in einiger Entfernung zu der Absturzstelle, die er von hier aus nicht sehen konnte. Alarmiert sprang er aus dem Wasser, raffte seine Sachen zusammen und rannte zurück zu seiner Höhle. Normalerweise war er kein Mann der Eile, aber die Dinge lagen nun anders. Die Vision war ein Zeichen. Das vom Himmel gefallene Objekt musste etwas Wichtiges bedeuten. Er schnappte sich den Rucksack und füllte ihn mit dem Geschirr, Kletterausrüstung und Vorräten für ein paar Tage. Die Wolldecke zurrte er zusammen und befestigte sie an seinem Rucksack, zusammen mit dem Bogen und dem Köcher. Diesmal durfte auch der Wanderstab nicht fehlen. Er sah sich noch einmal um und verließ dann eiligen Schrittes die Höhle.
Von dem Plateau auf dem seine Höhle lag konnte man die schwarze Rauchfahne gerade noch sehen und die grüne höchstens erahnen. Er konnte Entfernungen schlecht schätzen, aber würde sagen, dass es mindestens zehn Meilen waren. Dort gab es weder Straßen noch Wege und dort lungerten Gefahren in Form von Banditen und wilden Tieren.
   Ohne zu zögern marschierte er mit schnellen Schritten los, in Richtung des schwarzen Rauchs.

*

Nathan stand fröstelnd auf einer Laderampe und wartete, bis es an ihm war den Laderaum der großen Transportmaschine zu betreten und sich einen Sitzplatz zu ergattern. Neben ihn stand ein mittelgroßes Mädchen mit honigfarbener Haut und smaragdgrünen Augen, Ihr Haar war schulterlang und tiefschwarz, war aber von sonderbaren Strähnen in Grün und Hellbraun durchzogen. Sie nannte sich Meg und er hatte sie vor ein paar Tagen gerettet, nachdem sie ihm vor fünfzehn Jahren als Säugling geraubt worden war. Meg fror noch mehr als er, denn sie war die tropische Hitze gewohnt aber wohl nicht diese Eiseskälte. Meg trug all ihre Habe am Leib und das war nicht viel, ein Amulett, ein paar kunstvoll geschnitzte Ringe und ein paar einfache luftige Kleider, keine Schuhe.
Er hatte eine dicke Wolldecke um ihre Schultern geschlungen, zum einen um sie gegen die Kälte zum anderen vor unzüchtigen Blicken zu schützen. Das hatte ein kleines Mädchen nicht verdient.
Ihm hingegen hatte man seine übliche Kleidung genommen und ihm einfache Sachen aus groben Leinen gegeben. Sein Gewehr, seine Pistole, alles weg. Nur das Messer hatten sie ihm gelassen. Er wollte sie hätten es ihm auch genommen. Die Klinge war scharf und sauber, aber dennoch spürte er, wie in Gedanken das Blut dickflüssig von der Klinge hinab seine Wade hinab ran.
   Er blickte auf seine Hände. Ihm wurde schummrig und er meinte zu sehen, wie das Blut die Handinnenseiten herablief und zu Boden tropfte. Meg streckte eine Hand aus und zog ihm am Arm.
„Da Papa, es geht weiter“
Dass sie ihn Papa nannte versetzte ihm einen heftigen Stoß. Das hat er nicht verdient, niemand sollte ein so grausames und niederträchtiges Monster zum Vater haben.
   Man musste kein Genie sein um zu erkennen, dass ein Baumlanger schwarzer Waran und ein kleines Elfenmädchen nicht miteinander verwandt waren, aber Meg nannte ihn trotzdem Papa.
Die Schlange setzte sich in Bewegung und nun stand er in dem schummrigen rot beleuchtetem Frachtraum und sah sich nach zwei Plätzen um. Er hätte einfach drängeln und die anderen Passagiere zur Seite stoßen können, aber diesen Weg wollte er nicht mehr gehen und ihm fielen seine blutbefleckten Hände wieder ein.
„Papa komm.“
Selbstbewusst ging Meg durch den Laderaum, an dessen Seiten und in der Mitte Sitze angebracht waren, und steuerte auf zwei freie Sitzplätze am Ende des Laderaums zu.
   Sie sprang auf den Sitz und er zog die Gurte an und machte sie fest. Der Sitz war für einen Erwachsenen ausgelegt, nicht für ein Kind, aber nach etwas schieben und ziehen ging es dann doch sie sicher festzumachen.
   Er setzte sich nicht sofort sondern sah sich einen Moment um. Nicht sehr vertrauenserweckende Gestalten nahmen um sie herum ihre Plätze an und warfen ihm und Meg scheele Blicke zu.
Ein zerlumpter schlecht rasierter Mann trat an Nathan heran und raunte ihm ins Ohr
„Wie viel willst du für die Kleine?“
Nathan wusste nicht so recht was dann geschah, nur dass der Mann nun wimmernd auf dem Boden lag und Meg im Hintergrund laut lachte.
„Hey, weg da! Lass den Mann in Ruhe und setz dich gefälligst hin!“
Zwei große Warane in Kampfmontur stießen ihn zur Seite und kümmerten sich um den am Boden liegenden Mann.
   Irritiert wich Nathan zurück und setzte sich neben der freudestrahlenden Meg auf den freien Sitz.
„Dem hast du es aber ordentlich gegeben, Papa“ lachte sie und grinste ihn warmherzig an.
Da schmolz er dahin und ihm rollte eine Träne aus dem Augenwinkel, dann nahm er sie fest ihn den Arm.
„Ich hab dich auch sehr gern … Tochter“
Nach einer Weile kämpfte sich Meg aus der Umarmung und lehnte sich zurück. Nathan sah nachdenklich am Strom der Gestalten, die ins Flugzeug wollten, vorbei und nach draußen. Sein Blick wanderte an den Türmen, Plattformen und Blocks aus Stahl vorbei. Die schwimmenden Inseln waren nicht sehr schön, aber sie waren sein Zuhause, hier hatte er viele Jahre seines Lebens verbracht.
Niemand würde ihm zum Abschied winken, dachte er resigniert. Dafür hatte er sich zu viele Feinde gemacht und Freundschaften entzweit.
   Als alle Plätze belegt und sich alle angeschnallt hatten, erzitterte die Maschine und mit großem Dröhnen liefen die riesigen Triebwerke an. Meg neben ihm zitterte und hielt sich die Ohren zu. Er legte schützend einen Arm um sie und sah weiter nach draußen.
   Aus den Schatten war eine Gestalt getreten und winkte ihm zu. Die Frachtraumtüren schlossen sich, aber er konnte gerade noch das hämische Grinsen des Diebes erkennen. Seines kleinen Bruders.
Dann waren die Türen zu und verriegelt und mit immer lauter werdenden Turbinen bewegte sich das Flugzeug, sie hoben ab. Nathan und Meg wurden in die Sitze gepresst als sich der metallene Vogel ruckartig in die Höhe schwang. Nun flogen sie dahin, ihrer neuen Zukunft entgegen.

*

Konzentriert stand Lama Merten breitbeinig da, in der rechten Hand schwang er einen Wurfhaken. Vor ihm war ein tiefer Abgrund, wo bei einem Erdbeben der Hang weggebrochen sein musste.
Er zielte, mit den Augen wie mit dem Geiste und ließ den Haken los. Der zischte durch die Luft und verhakte sich in einer Felsspalte. Er zog fest daran und nickte dann zufrieden. Er schulterte wieder den Rucksack, warf den Wanderstab über den Spalt und umfasste das Seil mit festen Händen. Dann schwang er sich über den Abgrund.
   Er hatte voll auf sich und den Haken vertraut, dennoch war er erleichtert, als er wieder festen Grund unter den Füßen hatte. Er löste den Haken und rollte das Seil, an dem er befestigt war, wieder auf und griff nach seinem Stab.
   Er war nun schon den dritten Tag unterwegs. Das Feuer des Absturzes brannte immer noch, aber nicht mehr so stark. Der grüne Rauch hingegen war deutlich zu sehen. Er musste sich dennoch beeilen, er hatte die Hälfte seiner Vorräte aufgebraucht und es war unklar ob er hier Essbares finden würde. Die Landschaft war unwegsam und zerklüftet, er kam nur mühsam voran. Auch glaube er sich in der Entfernung verschätzt zu haben, die Strecke kam ihm viel weiter vor, als er es in Erinnerung hatte. Er trank einen Schluck kalten Wassers und ging dann weiter. Es wurde kalt, aber er lief trotzdem weiterhin barfuß. Im Rucksack trug er zwar ein Paar Yakfellstiefel mit sich herum, aber seinen Füßen ging es gut und er hatte immer das Gefühl er würde Behaglichkeit gegen sicheren Tritt tauschen, wenn er die Stiefel anzog.
   Jetzt musste es nicht mehr weit sein, der Rauch war ganz nah, aber er würde sich beeilen müssen, es dämmerte schon.
   Ein paar Minuten später hatte er die die Kuppe des Berges erreicht und später hinüber.
Er zückte sein Fernrohr und beobachtete die Vorgänge in dem kleinen Tal unter sich.
Am linken Ende des Tals brannten die Reste eines großen Metallvogels, der am Fels zerschellt war und eine Spur aus Trümmern hinter sich hergezogen hatte. Seltsam geformte Behältnisse aus Metall lagen überall zerstreut zwischen den Frackteilen. Der grüne Rauch stammte von einem großen Container etwas abseits, der anders als die anderen leuchtend grün angemalt war.
Was ihn aber am meisten beunruhigte waren die kleinen Gestalten die zwischen den Trümmern entlanggingen und mit magischen Lichtern die Umgebung absuchte. Von der Bekleidung her waren es Banditen, die hier in diesem Landstrich ihr Unwesen trieben. Zwei von den Gestalten hatten Gewehre, das bereitete ihm Kopfzerbrechen. Er hatte einen Bogen und einen Stab, seine Gegenspieler allerdings zwei Gewehre und es waren mindestens fünf Banditen.
Aber die Box mit dem grünen Rauch musste sehr wichtig sein. Sie durfte auf keinen Fall in die falschen Hände geraten.
   Er würde meditieren und Kräfte sammeln. Gesagt getan entledigte er sich seines Rucksackes und legte alle nicht so wichtigen Dinge ab. Er trank noch einen Schluck, und aß einige Bissen getrocknetes Fleisch. Dann setzte er sich im Schneidersitz hin und machte seinen Geist frei von allen störenden Einflüssen. Er hatte viele Jahre in verschiedenen Klöstern dieses Landes gelernt seinen Geist frei von allen weltlichen Einflüssen loszulösen um auf die höheren Ebenen des Bewusstseins vorzudringen.
Er löste seinen Geist von seinem Körper und in dieser Form bewegte sich schnell und geschmeidig wie eine Katze den Hang hinab ins Tal. Die Banditen waren in der Tat zu fünft, zwei von Ihnen hatten Gewehre, zwei alte Krummsäbel und einer, vermutlich der Anführer, eine Pistole. Sie hielten Stäbe mit magischem Licht und suchten nach etwas, der grünen Kiste allerdings nicht schien es, an der waren sie schon vorbeigelaufen.
   Er rief seinen Geist zurück in die materielle Welt und stand auf. Bewaffnet mit seinem Stab und seinem Bogen schlich er sich ins Tal. Er hatte die schnell näher rückende Dunkelheit auf seiner Seite.
In einem früheren Leben musste er ein Dieb oder ein Akrobat gewesen sein, so lautlos und behände glitt er ins Tal hinab, von Deckung zu Deckung.
   Sirrend schoss ein Pfeil durch die Nacht, durchschlug mühelos die rechte Schulter eines der Gewehrträger und nagelten ihn an ein Trümmerteil. Sein gellender Schrei durchschnitt die Nacht.
Panisch und alarmiert rannten die Banditen umher, die magischen Lichter hektisch mal hier mal dorthin umherzuckend.
   Der zweite Gewehrträger sah sein Schicksal nicht kommen, von hinten schlich sich Lama Merten an ihn heran und drückte zwei Punkte seitlich des Halses, wie ein gefällter Baum sackte der Mann zusammen. Er schleifte den bewusstlosen Körper weg und versteckte ihn hinter einem Felsen.
Jetzt war nur noch der mit der Pistole gefährlich, mit den beiden anderen würde er spielend fertigwerden.
   Die übrigen drei hatten zusammengerückt und standen Rücken an Rücken in einem kleinen Kreis. Lama Merten ließ einen leisen Fluch über die Lippen. Er musste den mit der Pistole ablenken und unschädlich machen.  Grübelnd hob er ein kleines Steinchen auf und warf es blitzschnell durch die Luft. Es traf einen der Säbelträger an der Schläfe und dieser fluchte lautstark in die Nacht.
Das war nichts. Wie ein Schatten umrundete er die Gruppe und versuchte es von der anderen Seite, dieses Mal war der Stein etwas größer und der Getroffene schrie schmerzvoll auf. Wieder war das Ergebnis das gleiche. Wenn er doch nur eine Schlinge für eine Steinschleuder hätte, dann sähe die Sache vermutlich ganz anders aus.
   Er spannte sich an, jetzt kam Bewegung in die Sache. Einer der Säbelträger löste sich von der Gruppe und wagte sich allein in die Dunkelheit. Wenige Schritte und er war hinter ihm, ein Druck am Hals und er fiel. Lama Merten fing den Körper auf und ließ ihn beinahe sanft zu Boden gleiten.
Jetzt waren es nur noch zwei. Der andere Säbelträger rief in die Dunkelheit hinein, Lama Merten verstand nicht um was es ging, aber es könnte ein Name sein.
   Die Pistole fuchtelte durch die Luft und rief nun ebenfalls. Lama Merten war nicht mit der Gabe für Sprache gesegnet und verstand ihn nicht. Jetzt konnten die beiden aber zumindest nicht mehr auf jeder Seite aufpassen. Er nahm lautlos Anlauf, sprang und rammte den Körper des Pistolenträgers gegen einen Felsen. Die Pistole flieg durch die Luft und schlug irgendwo in der Dunkelheit auf.
Der Mann sackte zusammen und regte sich nicht mehr.
   Der letzte verbliebene Bandit fuchtelte mit seinem Säbel in der Luft und schrie fast schon schrill. Vermutlich hatte er nicht damit gerechnet, von einem riesenhaften Mönch, der sich lautlos wie eine Katze durch die Nacht bewegte, angegriffen zu werden.
   Lama Merten wirbelte mit dem Stab, als wäre Teil seines Körpers, dann schlug er blitzschnell zu. Unter dem ersten mächtigen Schlag brach das Kniegelenk und der zweite traf den Bandit am Kopf und fällte ihn abrupt.
   Nun waren alle Banditen ausgeschaltet und er konnte sich die grüne Kiste in Ruhe aus der Nähe ansehen. Er borgte sich ein magisches Licht von einem der Banditen und leuchtete die grüne Kiste von allen Seiten aus an. Sie war ganz aus Metall und grün angemalt. Auf einer  Seite war ein kleines Feld mit quadratischen kleinen Knöpfen mit Zahlen von null bis neun. Er besah es sich ratlos. Über dem Feld war ein kleines Kästchen, in dem in einem grünen Licht vier Nullen eingraviert waren. Wofür mag diese Apparatur gut sein. Ein kaum merklicher Spalt war in die Wand eingelassen und formte ein Quadrat. Er kniete sich hin und meditierte.
   Auch in der höheren Ebene fand er keine Hinweise, die ihn hätten weiterbringen können.
Am Ende seiner Ideen angekommen, tippte er viermal auf den Knopf mit der Null. Jedes drücken wurde von einem sonderbaren Piepen, wie von einem Vogel, begleitet.
   Er erwartete dass genau nichts passierte und umso erstaunter war er, dass von der Apparatur ein „Pling“ ausging und das Quadrat wie eine Tür nach außen aufschwang. Feiner Dunst entwich der Kiste und er beäugte das schwarze Loch misstrauisch. Schlagartig wurde es innen hell und er zog den Kopf wieder ein.
   Nach ein paar Minuten traute er sich wieder hoch und spähte in das lichtdurchflutete Ding. Es war ein kleiner annährend quadratischer Raum, etwa acht Fuß hoch und ebenso lang und breit und er war schief. Er lehnte seinen Stab an die Außenwand des Kastens und kletterte hinein.
Wo kam nur das ganze Licht her? Er sah sich um, am Boden, der Decke und den Seiten waren schmale milchige Klötze angebracht aus der das Licht drang. Er sah sich um. Auf jeder der drei Seiten (minus die Tür) waren Schränke aus Metall dessen Türen weiß lackiert waren.
   Probeweise öffnete er den Schrank links von sich. Er staunte. Da lehnten in einer Reihe aufgestellt einige lange metallene Objekte an der Wand, er nahm eins heraus und betrachtete es. Mit viel Fantasie könnte man es als Gewehr bezeichnen, aber es sah so viel anderweltlicher und sonderbarer als die Gewehre der Banditen aus, dass es bestimmt irgendetwas anderes war. Ratlos stellte er es wieder zurück. Darunter befanden sich kleinere Kisten aus Metall. Eine war aufgeplatzt und hatte ihren Inhalt auf dem Boden verbreitet. Zylindrische Objekte mit einer Art Kragen und abgerundeter Spitze. Mit gerunzelter Stirn kniete er sich hin und nahm einen der Zylinder in die Hand, so etwas hatte er noch nie gesehen. Das Ding war etwa so lang wie sein kleiner Finger, aber bei seinen riesigen Pranken war das nicht gerade klein. Das Material war Metall, aber es waren verschiedene Metalle. Komisch, die Spitze war grün angemalt, was das wohl zu bedeuten hatte? Er nahm sich vor einige der Objekte mitzunehmen und den Bewohnern im Dorf und den Mönchen der umliegenden Klöster zu zeigen. Er richtete sich auf und besah sich den Schrank rechts von sich. Dieser enthielt rote quadratische Päckchen, etwa so groß wie zwei große Ziegelsteine übereinander. Sie waren mit einem Zeichen bemalt, ein weißes Kreuz auf rotem Grund in einem weißen Kreis. Der Stoff war seltsam, so etwas hatte er noch nie gefühlt. Unglaublich fein und doch immens stabil. Die Päckchen waren nicht sehr schwer aber prall gefüllt. Auf der Hälfte war ein schmaler Besatz aus verzahnten metallenen Dreiecken die zu einem ovalen Plättchen mit einer Art Haken führte. Probeweise zog er an dem Haken und das ovale Plättchen glitt sanft wie eine Feder an dem Besatz entlang und öffnete einen Spalt. Verwundert zog er einige Male an dem Haken und führte das Plättchen vor und zurück. Dann öffnete er es ganz und das Päckchen zerteilte es in zwei Hälften. Im inneren befanden sich weitere transparente zylindrische Körper und Behältnisse aus einem seltsam glatten Material. Er nahm sich vor ebenfalls ein solches rotes Päckchen mitzunehmen, vielleicht konnte man den Inhalt noch gebrauchen.
   Nun aber der letzte Schrank. Der klemmte und nur mit all seiner Stärke konnte er ihn aufreißen. Die Türen knallten an die Seite und Lama Merten erstarrte. Mit offenem Mund starrte er in das Innere des Schrankes und konnte nicht begreifen, was er da gerade sah.
   Ein Behältnis lag darin. Eingebettet in einen Rahmen aus einem merkwürdigem schaumigen schwarzen Zeug. Das Behältnis war quadratisch, mit abgerundeten Ecken, aus einem weißen schimmernden Material. Die untere Hälfte verzierten flache Zylinder, Scheiben und Schläuche die allesamt zu leuchten schienen und in einer fremdartigen Sprache beschriftet waren. Die obere Hälfte war durchsichtig und darin befand sich eine zähflüssige bernsteinfarbene Flüssigkeit und darin schwamm etwas, was er nicht begreifen konnte. Ein kleines menschliches Baby. Ein Mädchen.

*

Liz schreckte aus dem Schlaf. Sie tastete im Halbschlaf nach der Lampe die sie neben sich abgestellt hatte und schaltete sie an. Die kleine Licht der Lampe war warm und golden. Sie war mit dem Buch auf der Brust eingeschlafen. Sie schüttelte sich. Wie spät es wohl sein mochte? Bestimmt war es tiefste Nacht. Nach einem Diener zu klingeln war vermutlich zwecklos. Sie schlug das dicke Fell zur Seite und streckte die nackten Beine in die Luft. Wie sie gelernt hatte befanden sie sich zwar in einer subtropischen Klimazone, aber um die Jahreszeit wurde es nachts trotzdem empfindlich kühl. Fröstelnd tastete sie nach dem Morgenmantel und schwang sich, die Lampe in der Hand, aus dem gigantischen Bett. Ihr Schlafgemach war riesig und die Lampe erhellte nur einen winzig kleinen Teil davon. Sie trat an eins der Fenster, stellte die Lampe vorsichtig aufs Fensterbrett und sah hinaus. Von hier oben sah man die Anfänge eines parkähnlichen Gartens, den sie mit dem alten Kaiman Tacitus erst kürzlich angelegt hatte. Tacitus war nett, weise und brachte ihr viele Sachen bei. Er wusste Erstaunliches und erzählte ihr oft Geschichten von seinen Reisen aus jüngeren Jahren. Sie mochte besonders die Geschichten in den Tropen. Am meisten faszinierte sie da die Unberührtheit der tropischen Regenwälder, deren größten Baumriesen fast zweihundert Meter in den Himmel ragten, und die exotische Fauna und Flora. Tacitus meinte immer scherzhaft dies sei kein Ort für ein ehrenwertes Fräulein wie sie.
   Ihr Blick wanderte weiter und hing an der hohen Wand mit der Krone aus Stacheldraht fest, die in regelmäßigen Abständen von hohen Wachtürmen gesäumt wurde.
Was gäbe sie doch um nur einmal einen Blick darüber werfen zu dürfen.

*

Der Dieb hörte auf zu Winken und steckte die Hand wieder in die Hosentasche. Es war kalt hier draußen. Aus sicherer Entfernung beobachtete er wie die riesigen Rotorblätter der Big-Hornet anfingen sich zu drehen und immer schneller wurden, dazu das begleitende Aufheulen und laute Dröhnen der gewaltigen Triebwerke. Vier Stück waren es, vorne zwei und hinten zwei an den Enden kurzer Flügel befestigt. Langsam lösten sich die Räder vom Boden und die Hornet hob vorsichtig ab. Dann ging die Sache ziemlich schnell. Die Hornet gewann schnell und zielsicher an Höhe und entfernte sich von der Plattform. In ausreichender Höhe kippten die vier Rotoren langsam in die Horizontale und das riesige Flugzeug wurde schneller und entfernte sich mit zunehmender Geschwindigkeit.
   Mit der Hornet verschwand auch sein Bruder. Endlich hatte er freie Bahn.
Er dachte an Meg, das kleine Mädchen aus dem Dschungel. Er hatte kurz ungestört mit ihr reden können und sie hatte ihm ein Geheimnis anvertraut, über den Sinn des Gesagten zerbrach er sich den Kopf und er würde noch nicht handeln können, denn die Sache brauchte viel Zeit und Planung.
Eine fröhliche Melodie pfeifend ging er wieder rein und die langen hell erleuchteten Gänge entlang. Alle, die ihm hier begegneten, schienen es ziemlich eilig zu haben. Sein Onkel Atakar hatte ihm durch einen Boten eine Nachricht zukommen lassen: er solle sich auf Flugdeck sieben begeben.
Und dahin war er unterwegs. Er kannte die knappen präzisen Anweisungen von Atakar nur zu gut.
Draußen schlug ihm wieder kalte Meerluft entgegen und er fröstelte, er hatte natürlich keinen Thermoanzug an, sondern nur seine übliche Kluft: kurze Hosen und ein kurzärmliches Oberteil aus Baumwolle.
   Flugdeck sieben war eines der kleineren Decks und er war gespannt was ihn erwartete. Er ging die letzten Stufen zum Deck hoch und hielt inne. Vor ihm stand, mit Sturmankern festgezurrt, eine zweimotorige Hornet. Eins von den kleineren Modellen, aber er konnte es nicht zuordnen. Sie ähnelte am ehesten den älteren Modellen, so wie der Sea-Hornet, aber sie war bauchiger, bulliger und eine Spur größer als die modernen Hornets. Ziemlich viel Stauraum, ging es ihm durch den Kopf. In eine normale Hornet passten zwei Piloten und etwa zwanzig voll ausgerüstete Soldaten. Diese war aber breiter und höher als eine normale Hornet und bestimmt kein reiner Transporter. Von denen waren hier so viele zu finden, dass die Reserveflieger in den Hangars Staub und Rost ansetzten.
Vor der Hornet auf dem Boden stand allerlei Ladegut. Fässer mit Treibstoff und Wasser, Holzkisten und Säcke mit Vorräten und große schwarze Plastikboxen, deren Inhalt er nur schwer erraten konnte.
Auf einer der Holzkisten saß ein junger Salamander, etwa in seinem Alter, in einem ölverschmierten Overall und studierte mit konzentriertem Blick die Inhaltsangabe auf einer Dose Ravioli.
Als der Salamander ihn bemerkte winkte er ihm zu.
„Bist du der Spezialist?“ rief er ihm zu.
Der Spezialist lächelte zufrieden, es kam viel zu selten vor dass man ihn einmal nicht mit Dieb anredete.
„Japp und du musst wohl der Koch sein“ antwortete er.
Der Salamander lachte, erhob sich von der Kiste und näherte sich dem Spezialisten.
„So nennte man mich wohl, aber ich bin noch viel mehr als das. In erster Linie fliege ich dieses Schätzchen hier“, er deutete auf die Hornet.
„Komm mit ich zeig dir alles.“
Und er drehte sich um und ging um auf das geöffnete Heck der Hornet zu.
„Vor dir steht eine prachtvolle Curvy-Hornet, schon etwas älter, die werden schon lange nicht mehr produziert. Früher gab es noch den Bedarf an einer Zwischengröße zwischen den kleinen Sea-Hornets und den größeren Fat-Hornets. Aber mittlerweile bauen sie die normalen Hornets einfach größer und haben die Curvy-Hornets damit obsolet gemacht. Das Schätzen hier habe ich auf einem Schrottplatz gefunden und wieder instandgesetzt, ich hab sie den gelben Albatros getauft, weil ich über die Jahre ziemlich viele Langstreckenflüge absolviert habe. So da wären wir“
Der Redeschwalle endete abrupt und er wies auf das schwach beleuchtete Innere der Hornet.
„Ladies first“
Er grinste.
   Der Spezialist betrat den Innenraum und staunte. Der Raum war unterteilt in verschiedene Parzellen und überall waren Schränke und Fächer für Stauraum eingebaut. drei Schlafkojen, eine schmale Küchenzeile mit Kochfeldern und Spüle. Sogar ein kleines Bad mit Toilette und Dusche. Funkgeräte, Kartenmaterial, Ausrüstung für alle die Gebiete aller Klimazonen. Auch ein großer Schrank mit Waffen, hauptsächlich Präzisionsgewehre, war vorhanden.
„Und gefällt’s dir?“
Der Salamander stand plötzlich neben ihm und strahlte ihn an.
„Sehr, ich hätte nicht gedacht, dass man so viel auf so wenig Platz unterbringen kann.“
„Genau und du hast längst nicht alles gesehen“
Sie gingen wieder raus und einmal um die Hornet herum.
„Die Triebwerke und Rotoren sind ziemlich neu, die haben viel Dampf und sind ziemlich effizient was den Treibstoff angeht. Die Außenhülle ist an den wichtigen Stellen gepanzert und kugelsicher gegen kleinkalibrige Geschosse. Cockpit ist kugelsicher, auch gegen größere Sachen. Treibstofftanks sind selbstabdichtend. Täuschkörper als Schutz gegen hitzesuchende Raketen, eine Speziallackierung gegen Radar und bewaffnet sind wir auch. Eine 30 mm Kanone im Turm unterm Cockpit und zwei schwere 12,5 mm Maschinengewehre starr nach vorn. Hinten oben zwischen den ‚Schulterblättern‘ ein versenkbarer Turm mit einer 20 mm Autokanone. An den Tragflächen sind Haltepunkte für Raketen und Treibstofftanks. Das wär’s glaube ich“
Der Salamander hielt inne und sah den Spezialist an.
„Ist das gut genug?“
Er grinste.
   Der Spezialist nickte, mehr als gut genug. Eine mobile Einsatzbasis hätte er sich niemals erträumt.
„Gut, dann würde ich vorschlagen, dass du nun dein Zeugs holst und ich den restlichen Krams hier einlade. Wir treffen uns hier in sagen wir einer halben Stunde. Komm aber nicht zu spät“
Der Spezialist nickte und verließ das Flugdeck um sein Gepäck aus seiner Kabine zu holen. Viel war es eh nicht: seine Thermoausrüstung, ein paar Kleider, ein paar alte Bücher und Aufzeichnungen. Er hatte nicht sehr viele Habseligkeiten. Fünfundzwanzig Minuten später stand er wieder auf Flugdeck sieben. Der gelbe Albatros war startbereit und die Leinen waren gelöst. Ein Hauch von Kerosin lag in der Luft.
   Der Salamander war gerade dabei die letzte Kiste Ravioli in den Laderaum zu tragen. Er nickte ihm zu.
   Der Spezialist verstaute seine Habe und kletterte nach vorne ins geräumige Cockpit durch wo er auf dem Sitz des Copiloten Platz nahm. Kurze Zeit später gesellte sich der Salamander zu sich und nahm ebenfalls Platz, auf dem Pilotensitz.
„Bevor wir starten müssen wir noch eine wichtige Sache klären: wie ist dein Name? Dieb oder Spezialist sind ja eher Codenamen, aber so will ich dich nicht ansprechen, sonst komme ich mir vor wie in einem billigen Spionage-Roman. Also, nenn mich Xen, das ist die Abkürzung für irgendwas ganz schrecklich Kompliziertes.“
Der Spezialist grinste, er ahnte dass er sich mit Xen ziemlich gut verstehen würde.
„Ich heiße Ted, mit vollem Namen Tadeus, aber so nennt mich keiner.“
„Gut zu wissen Ted. Jetzt gilt nur noch zu klären wo es hingeht. Man sagt du beschaffst … Dinge“
„Das ist korrekt“
„Und was beschaffst du als nächstes?“
Ted grinste und zog ein altes zusammengerolltes Pergament aus einer Tasche und hielt es Xen ausgerollt hin. Dessen Augen fingen an zu leuchten.
„Hehe, das ist vielversprechend. Schnall dich an und halt dich fest Ted, es geht los.“
Und damit dröhnten die Motoren los und der Albatros fing an zu vibrieren.
Ted lehnte sich voller Vorfreude zurück. Er spürte es, sie würden in ein Abenteuer fliegen.

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