Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 17

17. Jack – 1.W.April 2045 – Samstagmorgen – Training

Jack stand unter der Dusche und ließ das Wasser über sich herabprasseln. Er dachte über den kompletten Wahnsinn des letzten Tages nach. Das BIT, Die Fahrt nach Hause, die Flucht aus dem Haus, die Fahrt im brandneuen Omega, Das Gelände wie aus einem Science Fiction Streifen. Die Sache mit Hal, der Krach mit Mama und der Ausblick auf drei Wochen volles Programm mit Onkel Kaz. Und Schusswaffentraining, darauf war er am meisten gespant. Er freute sich total.
   Er trocknete sich ab, zog sich frische Sachen ab und ließ Akira ins Bad, die schon ungeduldig wartete.
   Ohne gegelte Haare sah sie auch nicht schlecht aus.
Das Frühstück war klasse und fast so wie im Internat. Rührei, Speck und Bratkartoffeln und saure Gurken, dazu Waldbeerenjoghurt, Orangensaft und Kaffee. Warum konnte Kaz auf einmal so gut kochen? Das war doch total merkwürdig, er behauptete doch immer das Gegenteil. Nach dem Essen machten sie einen langen Verdauungsspaziergang durch den Wald und dann führte sie Kaz zu einer verlassenen Rennstrecke mitten im Wald.
„Hier wurden früher einmal Autos gebaut und getestet. Wir können es wunderbar als Laufstrecke verwenden, also los drei Runden Ausdauerlauf. Hey ho, let’s go.“
Die Strecke war nicht klein und ziemlich verwunden. Sie liefen locker eine halbe Stunde und am Ende war er gut warm und leider ziemlich aus der Puste. Sein Körper war nach dem Überfall eben doch noch nicht ganz fit stellte er leider fest. Kaz führte sie zurück zu der Halle. Jack erkannte, dass es Möglichkeiten für Dips und Klimmzüge an einer der Seitenwände gab. Dort trainierten sie intensiv. Dann gingen sie zu einer Seite der hohen Halle.
„Die Wand ist präpariert, sodass man freihändig klettern kann. Wir machen jetzt eine Runde Freeclimbing, ich möchte sehen was ihr könnt. Nicht verzagen, alle zwei Meter ist links von der Kletterroute ein Sims mit einer Reling, die um die Ecke zu einer Leiter führt. Die Wand ist sechzehn Meter hoch. Also keine Angst, wenn ihr nicht mehr könnt oder echt nicht höher traut. Los, Jack, du bist der Erste. Und lasst euch alle Zeit die ihr braucht. Das ist hier nicht auf Zeit. Es kommt mir auf die Technik an. Und denkt an eure Sicherheit. Nicht jeder ist fürs Freeclimbing geschaffen.“
Das klang knackig. Er hatte zwar keine Höhenangst, aber die Wand war schon hoch und sie waren nicht gesichert. Klettern mit Seil konnte er recht gut, aber ohne Seil war ihm mulmig.
Er trat vor und suchte die Wand nach guten Griffmöglichkeiten ab. Langsam aber relativ sicher kletterte er in die Höhe. Das war fast wie an einer richtigen Felswand, total genial. Bei acht Metern brach er ab und kletterte die Leiter runter. Dann kam Amber. Sie war schneller als er, aber schaffte nur sechs Meter mit Ach und Krach.
Dann war Akira dran und ihm fiel die Kinnlade herunter. Sie war nicht nur schnell, sondern schaffte die vollen Sechzehn Meter. Wie hatte sie das denn bitte gemacht? Die machte doch nur Youtube Videos und streamte Games. Und Kaz danach war der Knaller, der kletterte behände und sicher wie eine Bergziege und erreichte die Dachkannte in Rekordzeit. Als er unten war strahlte er in die Runde.
„Glanzleistung an dich Akira und ihr beiden anderen habt euch gut geschlagen. Das üben wir jetzt jeden Tag. Und jetzt Parcour, dazu müssen wir auf den großen Vorplatz.“
Vorplatz? Der war doch total leer. Aber dann dachte er an die Treppe zum Aufzug gestern und er war sehr gespannt. Sie fingen mit dem Abrollen an. Aus dem nichts fuhr eine Betonwand etwa zwei Meter in die Höhe und an einer Seite formten sich Mulden für Handgriffe. Das war doch total krank. Und etwas entfernt von Ihnen fuhr ein Regal mit unterschiedlich dicken Matten aus dem Boden hoch. Sie übten zuerst eine Weile mit der ganz dicken und gingen dann schrittweise zu den Dünneren übrig. Die Rolle auf Beton machte erstmal nur Kaz. Anschließend fuhr die Wand wieder in den Boden und dann fuhr ein ganzes Labyrinth aus Pfählen, Wänden und Plattformen aus der Höhe. Heilige Scheiße! Er fühlte sich wie mitten in einem Computerspiel, er kniff sich nochmal in den Arm. Tat immer noch weh, merkwürdig. Kaz machte vor, wie man den Kurs absolvierte, zweimal. Dann waren sie drei nach der Reihe dran. Keiner von ihnen schaffte es durch den ganzen Kurs, was sie alle etwas knickte. Amber war die schlechteste, was ihm Leid tat. Kaz beglückwünschte sie trotzdem gelassen und der Parcours aus Beton fuhr wieder in den Boden.
„So, jetzt kommt dir Stunde der Wahrheit. Warum trainieren wir so komische Sachen wie Klettern und Parcour? Weil wir vier ein Haufen Diebe sind!“
Akira wurde kalkweiß, Amber trat unsicher von einen Fuß auf den anderen und ihm wurde flau. Vor ihnen fuhr ein Betontisch aus dem Boden.
„Fangen wir von klein nach groß an. Jack. Du und dein Bruder habt zwar immer unter einer Decke gesteckt, aber er ist ja leider nicht mehr bei uns. Seit du neun bist, klaust du deiner Mutter Geld um dein armseliges Taschengeld aufzubessern. Mit sechzehn hast du dir auf dem Schwarzmarkt eine Beretta 92 mit einem Reservemagazin und einen Sack Munition gekauft und im Wald fleißig damit geübt. Und du hast nachts einen korrupten Cop überfallen, überwältigt und ausgeraubt.“
Vor Kaz griff unter den Tisch und holte eine Sporttasche hervor und öffnete den Reißverschluss. Im Inneren, waren der Ausweis, die Dienstmarke und die Dienstwaffe des Polizisten, ein halbleerer Zipplockbeutel mit 9mm Patronen, ein volles Reservemagazin und die Beretta, dazu ein Bündel mit Euroscheinen. Das stimmte alles was Kaz da gesagt hatte und das er das wusste, verängstigte Jack sehr.
„Amber als nächste. Sie hat mir alles gebeichtet. Sie ist trotz ihres zarten Alters passabel im Schlösserknacken, ist eine geübte Taschendiebin und macht ab und zu Ladendiebstähle. Sie hat ab und zu Waffen mitgehen lassen um mit ihnen in den Wäldern auf Büchsen und Glasflaschen zu schießen. Auch wenn ihr Trefferbild ziemlich mau ist. Ihre Beweise sind mit ihrem Elternhaus abgebrannt.“
Amber sah beschämt zu Boden und war rot angelaufen.
„Jetzt du Akira. Du kommst ziemlich nach mir und das merkt man dir an. Bist gerissen und raffiniert und bist eine Diebin durch und durch, auch wenn du die einzige Tochter eines der reichsten Menschen der Erde und Alleinerbin von Horizon bist. Du bist eine erstklassige Taschendiebin, Verkleidungskünstlerin, Schlossknackerin. Du brichst in Läden und Häuser ein ohne Spuren zu hinterlassen. Hast mindestens einen Juwelier geknackt und bist in einige Museen eingestiegen. Als versierte Bastlerin und kleines IT-Ass hast du dir selbst Gadgets zusammengebaut und eingesetzt. Und du wurdest nicht einmal erwischt, sehr beachtlich. Du hast großes Talent. Nicht das du Yusuf noch Konkurrenz machst. Und du hast dir einen Anzug gebastelt, zieh ihn doch mal an ich hab ihn hier.“
Akira war inzwischen Tränen ausgebrochen und schluchzte heftig, während Amber und Jack sie ungläubig und mit großen Augen anstarrten. Er konnte sich Akira unmöglich als Einbrecherin vorstellen, kein Stück. Aber da war Kaz der einen zerbeulten Aktenkoffer auf den Tisch legte und öffnete. Jack klappte die Kinnlade herunter.
Edelsteine, Diamanten, Goldmünzen und -Barren, Bündel mit 500€ Scheinen, teurer Schmuck, Golduhren, Computerfestplatten, Geldbörsen.
Akira heulte jetzt komplett und Kaz nahm sie in den Arm und drückte sie sanft.
„Alles gut meine Liebe, das bleibt alles unter uns, wir gehören jetzt zusammen. Du kommst nicht ins Gefängnis und du wirst dein Tun ungestört weiter machen können. Und wir unterstützen dich dabei.“
Bei Kaz Worten fühlte sich Jack unwohl, aber es stimmte schon alles. Bei seinen Taten hatte er sich nie schlecht gefühlt oder sich dafür geschämt. Bei dem Polizisten ärgerte es ihn eher, dass er ihn nicht gleich erschossen hatte, aber ohne Schalldämpfer war ihm das zu riskant gewesen.
„Jetzt beruhige dich wieder meine Liebe. Wir haben dich alle gern als der Mensch, der du bist. Atmete tief ein und zeig uns deinen tollen Anzug, den du dir gebastelt hast.“
Akira wischte sich die Tränen weg und nickte schniefend. Kaz legte eine große Reisetasche auf den Tisch und sie öffnete sie und holte ein paar Sachen heraus. Dann zog sie sich ungeniert vor ihnen bis auf die Unterwäsche aus und zog sich einen seltsamen, etwas krude aussehenden eng anliegenden Catsuit an. Sie hatte einen flachen Rucksack auf dem Rücken. Von ihrem Gesicht waren nur noch die Augen sichtbar. Und auf der Stirn war eine hochgeklappte AR Brille.
An der Hüfte hatte sie ihr Handwerkszeug in Taschen und Etuis. Zum Beispiel Dietriche und einen Wurfhaken mit einem stabilen Seil. Im Rucksack war eine Drohne untergebracht, die sie mit dem Headset und den Handschuhen steuern konnte. Natürlich war der ganze Anzug nachtschwarz.
„Sehr beeindruckend meine Liebe, jetzt zeige ich mal meinen.“
Sie bemerkten, dass der Omega lautlos auf den Platz gefahren kam. Und neben Kaz hielt. Das war so irre, dass dieser Panzer einfach nicht zu hören war und alleine durch die Gegend fahren konnte.
Jack und die Mädchen beobachten fasziniert, wie sich automatisch die schwere Hecktür öffnete und Kaz einen großen Metallcontainer auf einer Schiene aus dem Innenraum zog. Kaz zog sich aus, schlüpfte in einen enganliegenden Anzug und dann in eine Panzerung oder irgendetwas in der Art. Total krass. Mit dem Helm sah das aus wie ein Sci-Fi Kampfanzug aus einem Videospiel.
Der Anzug sah total cool aus. Sein Onkel klappte das Visier hoch und kam auf sie zu, in der Hand trug er einen total abgespaceten Compoundbogen und ein paar Pfeile.
„Das hat mir Mulan als Willkommensgeschenk dem Omega beigelegt. Ein Stealth Kampfanzug, Angelehnt an den Nanosuit der uralten Crysis Games. Er macht mich schneller, ich hab ein AR HUD und kann den Omega kontrollieren. Voll gepanzert aber trotzdem hochbeweglich. Ich kann mehr tragen und heben und feste zuschlagen. Und er kann Stealth. Schaut her.“
Und der Anzug schien sich in Luft aufzulösen und nur Kaz Gesicht schwebte in der Luft. Dann wurde der Anzug wieder sichtbar. Ihnen fiel die Kinnlade herunter, zum wiederholten Male heute. Das war ja wohl das geilste was er je gesehen hatte.
„Und der Bogen gehört dazu, den kann man ohne Anzug auch gar nicht spannen. Schaut her.“
Er klappte das Visier runter, spannte den mächtigen Bogen und in zwanzig Meter Entfernung schoss ein Betonpfeiler aus dem Boden. Kaz ließ die Sehne los und der Pfeil schoss mit einem lauten „Twang“ los und krachte in den Pfeiler. Und blieb stecken, in Stahlbeton, ohne zu brechen. Krass.
„Und ich kann die Waffensysteme des Omega steuern, schaut her.“
Hinten rechts am Omega fuhr ein Turm mit einem langen merkwürdig geformten Lauf in die Höhe. Ein Geschützturm? Kaz bewegte den Kopf in alle Richtungen und der Turm machte die genau gleichen Bewegungen. Dann schoss in vierzig Meter ein weiterer Betonturm aus der Versenkung, Kaz warf einen Blick auf den Turm und dann wurde die Betonsäule förmlich zerfetzt. Heilige Scheiße, das ist doch ne waschechte Railgun! Und nicht genug, sie hörten ein leises Surren und dann flog ein Schwarm Minidrohnen hoch und kreiste sie ein. Jack sah sich die Drohnen genau an, sie waren echt winzig und machten ein Geräusch wie eine Mücke, er wettete das waren die Mosquitos, von denen er in den Foren gelesen hatte. Dann kamen vier kleine Dronen, die wie Nurflügler geformt waren und flogen um sie herum. Zwei mittelgroße schwarze Drohnen die nahezu lautlos waren und dann kam eine ziemlich dicke aggressiv geformte Drohne angeflogen und parkte vor ihnen in der Luft. Das war der helle Wahnsinn. Und dann auf Befehl verschwanden alle Drohnen wieder im Dach des Omega. Und der Turm fuhr wieder ein. Kaz klappte das Visier wieder hoch und kam auf sie zu.
„Der Anzug ist ein Unikat. Aber wenn ihr euch spezialisiert habt und erwachsen seid, bekommt ihr auch einen der zu euch passt. Versprochen. Kommt, ich zieh das Ding aus und dann packen wir aus, hier ist echt eine Menge versteckt.“
Warte Mal, wo war denn der Anhänger hergekommen, der plötzlich etwas entfernt neben dem Omega stand? Konnte der auch fahren? Muss er wohl, irgendwo musste er schließlich hergekommen sein. Und um sie herum fuhren überall große lange Betontische aus dem Boden. Nicht dass er das mit dem Anzug, der Railgun und den Drohnen und dem autonomen Panzer verdaut hatte, aber diese Betonpfeiler waren der totale Wahnsinn. Er war schon gespannt was da noch kommen würde, wenn sie mit dem ersten Beton-Parcour fertig waren.
„Wir machen den Anhänger zuerst. Der Omega ist gepackt wie er soll, aber ich zeig dir gleich was Jack, komm mal mit. Ihr Mädchen fangt schon mal an und packt die Sachen aus dem Anhänger auf die Tische um uns herum. Ich bin schon selber sehr gespannt.“
Jack folgte seinem Onkel zu dem Omega und blieb bei einer fetten Transportbox auf der rechten hinten Seite stehen. Kaz legte seine Hand auf eine matte Fläche und es klickte mehrfach, dann zog er die Transportbox an einem Schienensystem herunter, bis sie in der Waagerechte etwa auf Hüfthöhe verharrte. Jack trat näher an seinen Onkel heran, als dieser den dicken Deckel hochhob und die erste Etage des Inhaltes hochklappte. Jack starrte auf ein mattschwarzes Gewehr von Heckler und Koch. Nein er korrigierte sich, zwei Gewehre. Das untere hatte einen längeren Lauf, ein Zielfernrohr plus Zweibein, ein MR308 oder evtl. auch HK417, die sahen exakt gleich aus. Ne, war ein MR308, der Sicherungshebel hatte nur die Option auf Semi-Auto. Dann war das obere ein MR223, der zivilie Bruder des HK416. Dazu eine Beretta 92 mit Schalldämpfer und eine Colt M1911 mit Schalldämpfer. Schoss Kaz echt noch diesen Oldtimer? Dazu waren in der Box Reservemagazine für die Gewehre und Pistolen, Schalldämpfer, Griffe und Visiere. Ein Fahrbarer Waffensafe, der Knaller.
„Darf ich mal eins probieren?“ Fragte er hoffnungsvoll.
„Nö. Die sind für später. Erstmal werden wir campen und uns einrichten. Außerdem fangen wir klein an. In der dritten Woche lasse ich dich dann auch mal an ein AI AX50 rann. Na was sagst du?“
Ein schweres Scharfschützengewehr mit 12,7mm Munition. Das war doch mega illegal in Deutschland, aber die Idee war sehr verlockend.
„Ich schon einen Riesenstapel Clown Zielscheiben drucken lassen, und hier auf dem Gelände gibt es unzählige Möglichkeiten, auf Distanz zu schießen. Ist alles noch recht frisch, Anna kommt hier ab und an auch her, wenn sie Lara und Hal besuchen will.“
„Moment mal wer ist diese Anna und ist Lara auch eine KI?“
„Anna ist meine Freundin und hoffentlich bald Verlobte und Lara ist eine KI und Hals Freundin. Sie hat etwas entfernt von hier, auf der anderen Seite der Rennstrecke den Hang runter ihr kleines Versteck. So ähnlich wie das von Hal hier oben, nur etwas kleiner. Dort quartiert Anna dann auch ein, wenn sie mit ihrem Lada Schrotteimer hier runterkommt. Sie schießt nur auf 500m aufwärts und dafür gibt es hier Bahnen bis 3km Länge mit geschützten Schießpositionen.“
„Hast du ein Foto von dieser Anna?“ Jetzt war er doch neugierig.
„Klar, warte eine Sekunde. Hier.“
Kaz zeigte ihm sein Prism. Eine freundliche russisch aussehende Frau mit vollen hellblonden Haaren und warmen türkisen Augen. Sie trug sportliche Sachen und hatte eine Kamera mit mächtigem Objektiv im Schoss abgelegt.
Ja na klar, darüber hatte er gelesen als er die Kickstarter Seite zu dem tollen Brettspiel, das in Kaz Fantasy Welt spielt, gelesen. Ein ehemaliges deutsch-russisches Supermodel, das jetzt fotografierte und Brettspiele entwarf. Er hatte immer Lust gehabt, ihre Spiele auszuprobieren, aber er kannte niemanden der Brettspiele mit Begeisterung spielte.
„Die kenne ich, weißt du dass sie an einem Brettspiel zu deinen Büchern arbeitet?“
„Ja ich weiß, das ist eine Kooperation zwischen uns beiden und ich mache das Artwork und schreibe die Texte. Ich freu mich schon richtig. Wir planen eine normale Edition und die Special Edition mit handbemalten Figuren und Miniaturen aus Resin, vielleicht mal ich die dann auch selber.
Leider wohnt sie in Moskau und mag nicht so gerne nach Deutschland kommen, sie hat auch jemanden an die Clowns verloren und das macht sie richtig fertig. Sie ist eine sehr sanfte friedliebende Seele. Ich sehe deinen Blick. Ja man kann friedliebend sein und trotzdem auf Distanz mit Scharfschützengewehren schießen.
Aber sie traut sich nicht zu jagen. Sie ist sehr tierlieb und würde vermutlich selbst Scarlett knuddeln.“
„Hat sie denn nichts dagegen, dass Liz deine beste Freundin ist und … naja Amber hat da sowas erwähnt.“
Kaz lachte laut und die Mädchen die sich mit schweren Kisten abmühten sahen erstaunt herüber.
„Ne, Anna ist damit einverstanden mir Freilauf zu geben, zumindest solange bis wir heiraten. Hoffentlich bald.“
„Entschuldigung, wen hat sie denn an die Clowns verloren?“
„Nicht nur sie, ich auch. Markus, unseren gemeinsamen Sohn. Das war einer der Gründe für den Krach mit meinen Eltern. Danach brauchte ich einen Ortswechsel, auch wenn Liz darunter stark gelitten hat, die damals sehr an mir hing und mir einen Antrag machen wollte. Anna und Markus haben allein in einem Dorf in Bayern gewohnt und als er 9 war, hat ihn ein Transporter der Clowns plattgemacht, als er über die Straße wollte. Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit die Verantwortung zu übernehmen. Aber ich hab Anna und Markus regelmäßig besucht. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn der liebste Mensch auf der Welt aus deinen Händen gerissen wird. Und alles nur weil Annas großer Bruder, bei der Bundeswehr war. Sie hat sich damals auch heftig mit ihrer Familie gestritten und ist nach Russland ausgewandert. Das war einer der ersten Angriffe in Deutschland und das ist über zehn Jahre her.“
Jack war sichtlich betroffen. Kaz hatte einen Sohn gehabt und der war von den Clowns ermordet worden!
„Du musst nichts sagen, aber ich sehe, dass es dir nahe geht. Ich habe meine Eigene Art um mit dem Tot umzugehen, ich habe früh erlebt wie meine Großeltern gestorben sind und eine meiner besten Freundinnen hat Suizid begangen, während ich auf der anderen Seite der Welt war.
Nach dem Attentat brauchten ich und Anna ein bisschen Abstand und wir haben uns gegenseitig Vorwürfe gemacht, die nirgends hingeführt haben. Aber wir haben uns wieder versöhnt und ich möchte dass sie meine Frau wird. Aber sag ihr davon nichts und auch nicht Liz. Ihr muss ich es noch beichten, sie wird es vermutlich schwer treffen. Liz erinnert mich an Anna, dass macht es doppelt schwer für mich. Aber Anna ist trotz ihres Erfolgs als Modell und jetzt als Spielentwicklerin sehr bescheiden. Denk mal darüber nach, sie hat zwar auch genau einen Pelzmantel und genau eine Decke, aber da oben wird es im Winter auch schweinekalt. Liz hat absurde Mengen an Pelzen und hier in Deutschland, jedenfalls in Berlin wird es seit Jahren nicht mehr richtig kalt. Macht doch keinen Sinn. Außerdem ist Anna halbe Russin, da kann man das schon eher verstehen würde ich sagen. Leider hat Liz den Virus mit den Pelzen an Amber weitergegeben, also sieh zu dass du gut verdienst.“
Kaz grinste ihm zu und Jack starrte ihn verständnislos an. Der lachte wieder nur, dann flüsterte er.
„Ich sehe doch die Blicke, die du ihr zuwirfst. Du kannst ja kaum deinen Blick von ihr abwenden. Da tut mir die gute Yolanda echt Leid, da musst du dir etwas Passendes einfallen lassen. Übrigens ihr seid zwar beide minderjährig, aber mir macht es nichts aus, wenn ihr euch ausprobieren wollt.
Ich glaube sie mag dich auch sehr. Mensch ich und Anna waren auch um die sechzehn als es gezündet hat.“
Jack drehte sich nickend zu den Mädels um und dachte über das nachgedachte nach. Er hatte von seinem Onkel gewissermaßen ein Freifuhrschein bekommen, wenn es um den sexuellen Umgang mit seiner Tochter ging. Oje. Leider sah Amber auch in den einfachen Kleidungsstücken einfach nur hinreißend aus. Sie bemerkte seinen Blick und winkte ihm lächelnd zu. Er sah zu Kaz, der die Waffenbox wieder verstaute und ging dann zu den Mädchen, die den Kofferraum des Anhängers leerten. Er starrte auf die ganzen Taschen und Kisten, die auf dem Betontisch lagerten. Wie viel war da denn noch drin? Anscheinend eine verdammte Menge.
„Daddy, die Kisten dahinten sind zu schwer für mich, sorry.“
„Ach keine Sorge, darum kümmern wir uns, Jack keine Zeit um schöne Mädchen zu begutachten, jetzt wird erstmal angepackt. Die Kisten dahinten sind von Heckler und Koch und von Accuracy International, die sind schon etwas schwerer. Ihr könnt noch die drei Zelte auspacken und dann macht ihr ne Runde Pause.“
Kaz beugte sich in den niedrigen, beleuchteten Raum und zog mit etwas Ächzen eine der Kisten heraus und schob sie zu Jack, der sie mit etwas Mühe auf einen Tisch ablegte. Auf der Transportbox prangte das rote Logo von Accuracy International. Jack war nicht ganz bei der Sache. Es ging ihm einfach nicht aus dem Kopf, dass Kaz einen kleinen Sohn gehabt hatte, der jetzt so alt wie Akira wäre, die im August ja neunzehn wird. So eine dreckige Welt. Er fragte sich wie diese Anna wohl drauf war, auf den Bildern sah sie immer sehr nett und warmherzig aus. Wie es wohl für sie gewesen war ein Kind zu verlieren. Diese verdammten Clowns und diese Drecksäcke, die die Clowns deckten. Er dachte an Ungarn, die einfach mal gar keine Probleme mit den Clowns hatten. Tja, Linke Regierung und so, da läuft eine Menge falsch. Er war jetzt weiß Gott kein Nazi, er war nur mehr in der Mitte und fand beide Seiten Scheiße. Es fehlte einfach immer der Dialog zwischen beiden Seiten. Und alle waren mittlerweile so unfassbar politisch korrekt. Sahid hatte erzählt, dass er und andere politisch unkorrekte Künstler nur in der Uni und in alternativen winzigen Theatern und irgendwelchen Kellern auftreten konnten und selbst dann gingen die politisch korrekten auf die Barrikaden und veranstalten Proteste und verursachten die Veranstaltungen abzusagen. So viel zu freien Ideen. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung gab es in Deutschland leider nicht.
Zumindest das BIT war auf der Seite der Künstler und förderte diese. Und die Regierung drohte zwar mit der Kürzung der Gelder, aber das BIT wurde durch Spenden der größten Konzerne der Welt finanziert, die waren da nicht so in Zugzwang. Und das Gelände des BIT war wie eine Festung, wie er die paar Tage deutlich gemerkt hatte. Ach ja, Prism und Spectre versorgten die Bundesregierung mit Geräten und waren Partner des BIT. Da würde die Regierung doof gucken, wenn ihr Support eingestellt werden würde. Sie hatten das beim Familientreffen und auch gestern beim Abend gestern besprochen und Kaz meinte, das wäre ganz schlimm in den USA gewesen, als er in ihrem Alter war. Und jetzt hatte dieser Virus der „Cancel Culture“ Die ganze westliche Welt zerfressen. Einfach nur schrecklich. Und Konservative und Angehörige von Soldaten wurden Ziel der Clowns, das schrie doch nur nach Wahnsinn. Und die EU verfasste ein schwachsinnigeres Gesetz nach dem anderen.
Da tat es einfach nur gut Kisten mit in Deutschland völlig illegalen Waffen und dicken Scharfschützengewehren auszuladen. Fick dich Deutschland. Ob er wirklich zum KSK gehen sollte? Er dachte an die Firmen, die das BIT unterstützten. Er hatte ein bisschen recherchiert. Lambda baute VTOL Flugzeuge, Omega baute sichere Autos und Radpanzer, Theta Lastwagen und Nutzmaschinen. Prism stellte teure aber auch extrem robuste und sicherere Smartphones her. Prisms waren Diensttelefone von Politikern in zahlreichen Ländern. Spectre war ähnlich wie Prism nur in Bezug auf Laptops und PCs. Nox versorgte Schulen, Unis und Armeen mit Essen, Ausrüstung und Kleidung, weltweit. Nox, Prism, Spectr und Horizon hatten die Eier in der Hose um über die Weltweiten Attentate der Clowns zu berichtet, auch wenn sie dafür viel Kritik von den Linken Spinnern erhielten. Er wusste das sein Onkel Johnny Kameras anbringen hatte lassen, nachdem sein Defender in der Einfahrt vandalisiert und vollgesprüht worden war. Moment mal, wie hatte es Kaz eigentlich geschafft ins Haus einzudringen und ihre Geheimverstecke zu plündern.
„Hey Kaz, wie bist du trotz Kameras eigentlich ins Haus gekommen und wusstest wo wir unsere Geheimnisse versteckt haben?“
„Ich hab überall im Haus Kameras und Mikrofone versteckt, damit ich euch immer im Blick habe. Geht knallhart gegen Datenschutzvorschriften aber so konnte ich auf der anderen Seite der Welt bei euren Geburtstagen und Weihnachten dabei sein. Ach übrigens Akira hör auf unter der Dusche zu singen, du triffst kaum einen Ton! Ist wie Katzenmusik.“
Akira ließ eine Tasche fallen und errötete fürchterlich. Jack lief auch rot an, er dachte an den Sex mit Yolanda in seinem Zimmer, der war auch alles andere als gut gewesen.
„Jack, bei sowas blenden die Mikrofone ab, ich hab also nichts gehört und der Winkel der Kamera ist auch ein anderer. Jedenfalls hab ich euch beobachtet wie ihr eurem Diebeswerk nachgehen könnt.
Und Hal hat euch häufiger Mal mit einer Drohne beobachtet, wenn ihr Draußen wart. Oder wenn Akira irgendwo eingebrochen ist. Hat der Lieben ein paar Mal den Hals gerettet, weil er den stillen Alarm zur Polizei unterbrochen hat. Nicht das meine liebe Nichte noch im Knast landet. Und das reinkommen war easy. Ich bin über den Geheimgang rein als meine Geschwister und Eltern nicht da waren. Und ihr wart ja bei eurem Kurs in der Schule. Albert auszutricksen ist jetzt auch keine Kunst, der alte Sack war noch nie der schnellste oder der hellste.“
„Wenn du uns so ausgetrickst hast weißt du bestimmt auch, wer mein Vater ist oder?“
„Japp ein unwürdiger Gauner, der außer ein paar guten Genen nichts Positives vorzuweisen hat. Total auf Risiko und Leichtsinn gepolt, ist vor sieben Jahren bei einer Überdosis Hops gegangen. Hab vergessen wie der Vogel hieß, aber den hättest du nicht vermisst, glaub mir. Eine absolut unwürdige Vaterfigur. Deine Mutter hatte bei ihrem Job zwar nie so viel Zeit, aber sie liebt euch aus ganzem Herzen, auch wenn sie den Hang zum Theatralischen von ihrer Mutter geerbt hat.“
Wie locker Kaz darüber sprach, wenn Leute starben. Das verstand Jack nicht so richtig.
„So ist die Kiste leer? Ah wunderbar, fabelhaft wie viel Zeugs da reinpasst. Jetzt müsst ihr mir aber nochmal beim Zelt helfen.“
Und eine halbe Stunde stand ein riesig großes langes Zelt über ihren Köpfen und den Tischen mit der Ausrüstung. Das Material hatte außen ein Flecktarn Muster. Jedenfalls hatte sich der Panzer jetzt seinen Anhänger geschnappt und war davon gezockelt während sie in Ruhe die ganzen Kisten und Taschen auspackten.
„So, hier ist die Kiste mit den Feldrationen, vor denen graut es mir um ehrlich zu sein. Und das sind die von Nox, die sind schon mal viel hochwertiger eingepackt und schmecken bestimmt auch besser.
Ich erinnere mich an eine Situation, wo ich monatelang auf das Zeugs angewiesen war. Bah, war das widerwärtig. Und das ich mir in der Zwischenzeit den Arsch abgefroren hab, half dabei echt nicht.“
Jack wechselte erstaunte Blicke mit Akira, von was redete ihr Onkel da denn bitte? Der machte doch nur komische Videos in Texas und schrieb Bücher.
„Noch ein Geheimnis. Der Großteil der Videos auf meinem Chanel ist von Hal und er hat meine Stimme mit Deepfake perfekt nachgeahmt. So konnte ich mich in Ruhe auf meine Bücher konzentrieren … und andere Sachen, die euch nicht verrate … noch nicht. Jedenfalls, hab ich meist eine Woche aufgenommen und das hat dann für drei bis vier Monate Videos gereicht. War ein sehr entspanntes Leben und ich hatte viel Zeit zum Reisen. Nach Russland zum Beispiel. Ich glaube Anna und Lara haben es ähnlich gehandhabt, nur mit Photos.
Soll ich euch mal richtig schocken? Prism wird von einer KI geleitet, Spectre auch und zwar von Lara, Nox auch und ein paar weitere Konzerne auch. Alle sind ein gewisses Risiko eingegangen, aber es hat sich ausgezahlt. Anna hat Lara übrigens selbst geschrieben. Die gute ist mir in mehrerlei Hinsicht sehr ähnlich und ich vermisse sie doch sehr.“
Das klang nach ziemlichem Quark, aber Jack dachte an Hal, die Basis, den kranken Panzer, der da hinten gerade um die Ecke abbog. Die Chancen waren also nicht gering, dass das so stimmte, auch wenn es bisweilen echt haarsträubend wäre. Kaz machte einfach mit dem auspacken weiter.
„Ich war auch zwischenzeitlich bei Globetrotter, von daher haben wir ein paar Sachen bestimmt doppelt. Ich weiß leider nicht, ob euch die Jacken, Schlafsäcke und Rucksäcke passen. Zur Not bestellen wir noch was bei Nox nach, die haben einen schnellen internationalen Drohnenversand. Wir haben ja mittlerweile eure Größen. Mir wurde gesagt, dass eure Sachen für die Beerdigung pünktlich geliefert werden. Und zwar am Freitag, unserem letzten Tag hier. Aber bis dahin machen wir uns eine schöne Zeit. Jedenfalls holt mal eure Taschen, wir räumen jetzt um. Jetzt ist eine kleine Wanderung angesagt und wir suchen uns eine schöne Stelle wo wir campen können. Es ist Anfang April, also ist es noch echt frisch draußen. Aber der Wetterbericht sagt schöne Wochen bei angenehmen Temperaturen voraus, wir haben echt Glück. Auch wenn ich euch mal gerne sehen wollte, wie ihr eure Zelte im Regen in einer Stresssituation aufbaut. Das machen wir dann einfach nochmal im Sommer, wenn ihr offiziell Ferien habt. Sowie in den Herbst und den Winter Ferien, wenn ihr Lust habt.“
Wow, dann würden sie das öfter machen? Schoss es Jack durch den Kopf.
„Die Taschen liegen in der Halle schon bereit. Amber, lass deine Decke bitte im Wagen! Es ist zwar kühl hier draußen, gerade nachts, aber du musst auch mal lernen ohne diesen Luxus klarzukommen. Ok? Und bitte nicht weinen Liebes.“
Jack beobachtete wie sich Amber trotzig eine Träne wegwischte. Es ging doch um die Pelzdecke? Doch so versessen darauf? Oh, man die waren doch niemals billig. Wenn er mit ihr zusammen war würde sie sowas bestimmt als Geschenk erwarten oder nicht? Hoffentlich nicht. Er würde Kaz bei Gelegenheit fragen, was der Spaß kostete. Kaz hatte zwei Freundinnen, die dieses Luxusmaterial mochten, er oder Hal hatten die Preise bestimmt auf Abruf.
Er, Akira und Amber holten ihre Sachen und packten sie in die Rucksäcke um, die wirklich nagelneu waren. Ganz schönes Gewicht, was er auf dem Rücken trug. Aber Kaz war behängt wie ein Weihnachtsbaum nur ohne die Lichterketten. Sie bekamen alle noch Wanderstöcke. Jack half Amber ihre richtig einzustellen. Hatte sie echt noch nie in der Wildnis gecampt? Sie war doch immerhin in Montana aufgewachsen … komisch. Die kleine sah aus, als würde sie sich unwohl fühlen. Sie tat ihm leid. Einer spontanen Eingebung folgend umarmte er sie und sie drückte ihn ebenfalls fest an sich.
Irgendwas war zwischen ihnen beiden, das spürte er. Und es schien sehr viel stärker zu sein, als zwischen ihm und Yolanda, wie er einräumen musste.
„Kommt schon ihr Turteltäubchen, ihr könnt im Zelt knutschen!“ Kam es bissig von Akira.
Verlegen löste sich Jack wieder von Amber, Kaz schüttelte nur grinsend den Kopf.
Vollgepackt mit Zelten, Isomatten, Schlafsäcken, Kocher und Verpflegung und Wasser für drei Tage marschierten sie los in den Wald, während die Betontische samt Inhalt hinter ihnen im Boden versanken. Das war schon alles echt abgefahren.
Kaz führte sie ohne rechtes Muster recht chaotisch durch den Wald. Das Gelände war interessant, viel Platz für Unternehmungen und Jack sah überall vorbereitete Stellungen für diverse Manöver.
Kletterparcours zwischen den Ästen, mal mit mal ohne Sicherung. Seilbahnen. Schießstände, kleine betonierte Plätze und so weiter. Das Gelände war recht steinig und abschüssig. Sie querten ein Tal mit einem kleinen See und etwa sechs Meter hohen Wasserfall an einer Seite. Das Wasser war bestimmt mörderisch kalt um die Jahreszeit. Nach ein paar Stunden deutete Kaz auf eine kleine Lichtung mit weichen bemoosten Waldboden. Hier packten sie aus und Jack zeigte Amber wie man ein Zelt auspackte und ausbaute. Auch wenn er selbst erstmal zehn Minuten die nicht ganz einfache Anleitung von Nox studierte. Aber das aufgebaute Zelt war der Knaller, schön groß und für drei. Akira passte hier auch noch bequem rein. Wo war sie eigentlich? Er kletterte aus dem Zelt und sah sich um. Er bemerkte wie Akira ihr Einzelzelt auf der anderen Seite der Lichtung aufbaute, was war denn mit der? Ein paar Meter von ihrem Zelt entfernt spannte Kaz eine Hängematte zwischen zwei dicken Bäumen auf, so ging es natürlich auch. Aber was war denn mit Akira. Kaz kam an sie ran und zwinkerte ihnen zu.
„Sie ist schwer beleidigt, weil ich ihr gesagt habe sie sollte doch alleine schlafen, weil sie schnarcht. Das hat sie sich schwer zu Herzen genommen, sie ist ähnlich schnell beleidigt wie meine liebe Mutter. Aber macht nur mal wie ihr wollt. Ich schlafe am liebsten ohne Zelt, außer es ist wirklich Schweinekalt wie Meinerzeit unten in Nova.“
Nova, die „Hauptstadt“ der Antarktis. Was wollte Kaz denn dort, da gab es doch fast nichts? Jack zuckte mit den Schultern, er war sich gar nicht mal so sicher ob er es wissen wollte, es schwirrte ihm immer noch der Kopf von all den Neuigkeiten.
„Liz Familie hat sich in Nova angesiedelt. Seit dieser Eisklotz aufgetaut ist, wachsen dort komische Sachen und merkwürdige Tiere sind aufgetaucht, das ist natürlich schwer interessant für eine Forscherfamilie, sie haben sich ihre Sachen geschnappt, ihren Forschungskahn beladen und sind losgeschippert. Wenn du ab und zu ein Magazin, wie die Zeit Wissen oder GEO, die ich seit über zwanzig Jahren abonniert habe, aufschlagen würdest wüsstest du das. Das Engström Haus in Potsdam wurde zu einem Museum umgebaut. Diese Spinner haben gewisse Berühmtheit erlangt. Aber ich schweife wieder ab, Ich würde vorschlagen, vor dem Abendessen gehen wir noch eine Runde schwimmen, was meint ihr?“
Jack, Amber und Akira, die nicht mehr schmollte, sahen sich verunsichert an. Sie hatten gar nicht an Schwimmsachen gedacht. Da hörten sie das Summen einer Drohne über ihren Köpfen und eine Paketdrohne senkte sich auf die Lichtung und warf ein Paket ab, dann düste sie wieder davon.
Ein Paket von Nox! Das waren doch nicht etwa die Anzüge, so schnell ging das doch niemals.
„Sir Henry hat Gefallen an euch gefunden und ihr bekommt jetzt nach und nach ein Komplettpaket zugeschickt. Das da sind Badesachen für euch drei, ich hab meine Badehose schon an. Die Sachen sind übrigens smart, also koppelbar an die Smartphones von Prism und Computer von Spectre.
Die checken eure vitalen Werte und eure Temperatur wenn ihr taucht und haben GPS und so Zeugs. Sehr praktisch. Nass- und Trockentauchanzüge sind für euch reserviert, wenn wir mal tauchen gehen, ich hoffe ihr habt keine Angst vor Wasser und großen Fischen. So, wer macht die Kiste auf? Ihr habt jetzt alle ein Survivalmesser. Und keine Angst vor dem Wasser, das beißt nicht, wenn was sein soll, bin ich jederzeit bei euch.“
Etwas unsicher öffnete Jack die Kiste und holte drei mit ihren Vornamen beschriftete Päckchen hervor. Er öffnete seins und holte eine Badehose und eine Art Bauchgurt mit Platz für ein Prism heraus, dazu ein Großes Badetuch und ein kleineres Handtuch. Alles in schwarz. Cool. Die Mädchen hatten schicke Badeanzüge, die sie sogleich hinter den Zelten anzogen. Kaz in Badehose führte sie zu einem kleinen See, der fünf Minuten entfernt lag. Er sprang mit Anlauf einfach rein und winkte ihnen zu. Das Wasser war doch bestimmt mega kalt, ihr Onkel war doch einfach nur wahnsinnig. Probeweise stieg Jack bis zu den Knien rein und war geschockt. Das Wasser war ja richtig warm!
„Hals Rechenzentrum wird mit Wasser gekühlt und der Fuchs macht sich die ganzen Wasserströme zu Nutze die hier fließen, das dürften hier so an die dreißig Grad Wassertemperatur sein. Das ist der Warme See, der andere mit dem Wasserfall ist zwar auch beheizt, liegt aber eher bei zwanzig grad, damit man sich in der Sommerhitze erfrischen kann. Na kommt, steht da nicht rum sondern kommt mit rein. Ihr könnt auch ein paar Züge schwimmen und Tauchen, der See ist aber ziemlich flach.“
Akira streckte erst misstrauisch nur eine lackierte Zehe ins Wasser und sprang dann mit einem Hechtsprung ins Wasser, Amber folgte sofort. Sie plantschten, tauchten und schwammen bis kurz vor Sonnenuntergang, dann rubbelten sie sich mit den flauschigen Handtüchern ab und gingen zurück zu den Zelten. Den Platz hatte er wohl öfter schon benutzt, denn in der Mitte war eine alte mit Steinen umkreiste Feuerstelle. Kaz zeigte ihnen, wie man mit einem Flintstein ein prasselndes Feuer startete. Für Akira und ihn war das nichts neues, auch wenn ihre Eltern meist eher Feuerzeuge verwendeten, die typischerweise immer dann alle waren, wenn man sie brauchte. Akira war sehr angenervt von Johnnys immer leerem Zippo. Amber staunte nicht schlecht bei dem, was ihr Vater da machte. Aus dem Nichts zauberte Kaz eine aufgerollte Wäscheleine hervor und sie hingen ihre feuchten Handtücher auf.
Heute Abend wurde gegrillt, morgen ging es dann endgültig los mit den Feldrationen. Die Frage wo denn die Grillsachen herkämen hatte sich schnell erledigt, als Kaz die Tür eines als Stein getarnten Kühlschranks öffnete. Und Ein Rost über dem Feuer aufstellte, das er hier auch hier irgendwie versteckt hatte. Zum Trinken gab es kalte Limo für die Mädels und für ihn und Kaz gekühlte Cola.
In der Abenddämmerung auf Stühlen machten sie sich über knackige Bratwürstchen, saftiges Fleisch und gefüllte Baguettes her. Gefolgt von Eiscreme. So musste Camping sein!
Später in Zelt lagen sie in ihren warmen Schlafsäcken und sahen sich an. Jetzt waren er und Amber wirklich ganz für sich. Er rückte seinen Schlafsack an ihren heran und sie waren sich jetzt ganz nahe.
Sie wirkte positiv gespannt und neugierig.
„Ich mag dich wirklich sehr, Amber.“
„Ich dich auch“
Und sie küsste ihn sanft auf dem Mund.

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