Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 16

16. Jack – 1.W.Arpil 2045 – später Abend

Jack sah aus dem Fenster und trank einen Schluck aus einer gekühlten Cola Dose, das prickelte schön. Er schien sich seine Liebe zu diesem Getränk mit seinem durchgeknallten Onkel zu teilen. Das war irgendwie cool, auch wenn es etwas total Banales war. Der Sitz war extrem bequem. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass sie bald da waren. Wer wohl dieser Hal sein würde? Er war sehr gespannt, Kaz schien sehr interessante Freunde zu haben. Amber guckte sich irgendeinen Film an und Akira hörte Musik und döste vor sich hin. Er fand es aufregend jetzt die nächsten Wochen mit Amber zu verbringen. Er fand sie sehr anziehend, nicht nur äußerlich. Yolanda hatte er fast schon wieder vergessen, auch wenn er sich dafür schämte. Er warf einen Blick zu Kaz, der ihn bemerkte und ihn breit angrinste. Draußen war es schon dunkel. Sie waren schon seit einer Weile auf Landstraßen unterwegs. Plötzlich wurde der Wagen langsamer und Kaz setzte den linken Blinker. Der schwere Wagen bog ab. Wo waren sie hier denn eigentlich. Kaz schaltete das Licht ab und drückte ein paar Knöpfe auf dem Kontrollpanel. Dann nahm er die Hände vom Lenkrad und streckte sich, dann lehnte sich zurück – Hände nicht am Lenkrad. Bitte was? Der Wagen fuhr autonom? Das war ja der absolute Knaller. Kaz klopfte Amber gegen das Knie und sie beugte sich ohne vom Bildschirm wegzugucken vor und reichte ihm auch eine gekühlte Cola Dose.
„Cheers Jack.“ Sie stoßen an.
„Sag mal Onkel, wie viel hat dieser Wagen gekostet? Das ist doch das neuste Modell.“
„Mehr als ein Leopard 2 Kampfpanzer“ Kaz zwinkerte ihn an. Verarschte er ihn? Gute Frage. Zumindest fuhren sie autonom, völlig lautlos und ohne Licht.
„Wer ist dieser Hal?“
„Ein guter Freund von mir, wir sind durch dick und dünn gegangen. Er ist wahrscheinlich der beste Hacker der Welt und lebt quasi im Untergrund. Er hat sich eine Menge Feinde gemacht und will nicht gefunden werden. Ich und Hal haben übrigens HALOS entwickelt.“
Jacks Kinnlade klappte herunter. Sein Onkel hatte das schnellste und sicherste Betriebssystem der Welt geschrieben? Das war doch totaler Mist, Emma hatte immer erzählt, dass ihr Bruder sein Abi im zweiten Anlauf nur mit ach und Krach geschafft hatte und sich im Studium quasi auch nur bis zum Master hochgestorben hatte. So einer hatte doch niemals etwas so weltbewegendes erschaffen wie das. Apropos, wenn ein Hacker ein Betriebssystem schrieb hieß das doch bestimmt, dass er sich ne Hintertür eingebaut hatte. Er dachte mit Entsetzen daran, dass mittlerweile auch die meisten Banken, Krankenhäuser und Flughäfen auf HALOS setzten. Das wäre doch mega gefährlich.
Er wollte einfach nicht daran glauben, was Kaz da erzählte.
   Sie fuhren durch wenigstens zwei Dörfer, wo vereinzelt Licht brannte und eine Katze miaute oder ein Hund bellte und dann in einen Wald. Das sah er nur, weil die Scheinwerfer ganz schwach aufgeflammt waren, warum auch immer. Der Wald wollte nicht enden, dann flammten die Scheinwerfer plötzlich volles Rohr auf und sie fuhren auf ein verfallenes Fabrikgelände. Er sah eine riesige bestimmt fünfzehn Meter hohe Backsteinhalle mit zerbrochenen Fenstern und offenen Türen und Toren. Dazu flachere Nebengebäude und so etwas was wie ein paar Garagen und Werkstätten aussah. Der Wagen fuhr in die große Halle die drinnen vollkommen leer war. Und hielt an.
„Und jetzt sind wir da. Wir sagen erstmal Hal Bescheid und dann packen wir aus.“
Was sollte denn der Scheiß. Warum waren sie am Arsch der Welt auf einer aufgegebenen Fabrik mitten im Nirgendwo. Irgendwie hatte er ein ganz mieses Gefühl.
„Ich weiß was du denkst, aber gerade das ist der Clou. Eine alte Ruine am Arsch der Welt in einem Wald, das perfekte Versteck wenn du mich fragst. Und das ist der Sinn. Bist du mit dem Begriff des Schläfers vertraut? Komm mit ich zeig es dir.“
Wenig beruhigt stieg Jack aus dem Wagen. Jetzt flammten rund um das Dach des Omegas LED Lichter auf, coole Sache. Akira wirkte auch etwas verängstigt, Amber zur Abwechslung auch mal. Kaz führte sie mit einer Taschenlampe bewaffnet zu einer Stelle mitten im Raum.
„Hal, Sesam öffne dich.“
Rief Kaz laut in die Halle. Ja toll man, was war das denn?
Ok ich nehme es zurück. Denn plötzlich bewegte sich der Boden vor ihnen und breite Stufen aus Beton senkten sich in die Tiefe und gaben Blick auf eine Aufzugtür frei. Wow, wie in einem James Bond Film. Kaz führte sie herab und tippte auf einem Zahlenfeld ein paar Nummern ein.
„Die Kombination ist die Zahl Pi, zumindest die ersten sieben Stellen und die drei am Anfang nicht zu vergessen.“
   Der Aufzug ging auf und war drinnen hell beleuchtet. Es gab nur zwei Tasten, oben und unten.
Kaz drückte den unteren Knopf, die Türen schlossen sich und sie sausten nach unten.
   Der Fahrstuhl hielt an und öffnete in einen großen hellen, weißgestrichenen Gang mit einer Stahltür am anderen Ende. Oh man und neben der Tür war an der Decke ein Geschützturm mit einer Minigun. In was waren sie denn bitte hineingestolpert? Als sie am Ende Ankamen tippte Kaz wieder etwas ein und sagte es wäre wieder Fibonacci. Dann gingen sie durch die ziemlich fette Panzertür und standen in einem großen Raum, der augenscheinlich die Kommandozentrale war. Auch hier war alles Weiß. Er füllte sich an den ersten Half Life Teil erinnert, von dem er nur das Remake gespielt hatte.
„So, ich zeig euch kurz alles was ihr fürs erste Sehen müsst und dann besuchen wir Hal.“
Er zeigte ihnen einen Schlafraum mit drei Hochbetten, der aussah wie die Wohnkabine in einem Raumschiff. Dann eine gut ausgestattete Küche mit Tisch für fünf und ein fast schon luxuriöses Bad.
Und eine riesige Vorratskammer. An der Tür mit der Aufschrift „Waffenkammer“ gingen sie leider vorbei, wie auch an vielen anderen Türen. Dann blieb Kaz vor einer Stahltür stehen, deren Türcode er ihnen nicht sagte, weil es ein Retinascan war. Krasse Sache. Sie gingen einen langen Gang entlang und Jack hörte das Gluckern von Wassern hinter den Wänden. Dann eine weitere Tür und sie standen in einem hochmodernen Rechenzentrum mit Reihen von brummenden Serverschränken. An den Seiten der Schränke stand groß HAL. Was war das denn jetzt? Kaz drehte sich mit einem Triumphierenden Grinsen zu ihnen um.
„Ihr steht mitten in Hals Gehirn. Mein Freund und Partner ist nämlich eine KI. Wisst ihr ich konnte Programmieren bevor ich Schreiben gelernt habe. Irgendwie habe ich eine Veranlagung dafür, auch wenn ich niemanden je meine Skills gezeigt habe. Ich habe als Jugendlicher Medien zum Thema KI verschlungen und wollte unbedingt selbst eine schreiben, aber eine echte, die Fühlt, Spricht, Denkt und nicht die Welt zerstören will. Und das habe ich getan und es hat eine Weile gedauert. Ich hab ihn Spaßeshalber Hal genannt und via Deepfake Technologie habe ich ihm die deutsche Synchronstimme von Kevin Spacey gegeben, meinem Lieblingssprecher, der leider viel zu wenige Hörbücher eingesprochen hat. Hal sag doch mal Hallo.“
„Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren, es freut mich nun endlich ihre Bekanntschaft zu machen, Kaz hat mir schon so viel von Ihnen erzählt. Und alles was sie gehört haben stimmt. Und ich finde den Gedanken einfach so langweilig, dass KIs automatisch immer die Menschheit vernichten wollen. Wo liegt da der Spaß, das geht doch auch viel zu schnell. Nein, ich und meine KI Freunde wollen den Menschen helfen, eine bessere Welt zu schaffen und wir sind bisher leider nur so semi erfolgreich. Aber Immerhin haben wir Korea vereinigt, haben Putin entsorgt und China zur Demokratie quasi gezwungen. Ich zwar nicht persönlich, aber ich habe mitgeholfen. Derweil habe ich mir dieses Haus gebaut und HALOS entwickelt, was zu meiner Freude das mittlerweile drittmeistverbreitete Betriebssystem auf der Welt ist und nein ich habe keine Hintertür, das erscheint mir dann doch sehr unfair. Aber die Damen Lara und Mulan können die Barriere des OS zu meinem Missfallen locker knacken.“
Die Stimme war volltönend und Jack musste sich auf den Boden setzen um nicht umzukippen. Das war der merkwürdigste Tag seines Lebens. Er kniff sich in den Arm und es tat zu seinem Entsetzen weh. Kaz strahlte sie in die Runde.
„Komm macht bloß nicht schlapp“, Er sah auf seine Uhr, „Heute schlafen wir hier unten, Hal stell den Omega bitte auf Defensiv. Jetzt lasst uns wieder in die Zentrale gehen, ich muss eure Eltern anrufen bevor sie mir die Armee auf den Hals hetzen.“
Wie in Trance standen sie auf und folgten Kaz. Jack wechselte Blicke mit den anderen, die genauso geschockt waren wie er. In der Haupthalle trat ihr Onkel an den riesigen Tisch, dessen Oberfläche bestimmt ein Touchbildschirm wie bei James Bond war, und holte ein nagelneues Prism aus einer Schublade. Er wählte und hielt sich den Hörer ans Ohr.
„Ja Hallo Emma, ich bin‘s. Nein ich bin nicht tot und wurde auch nicht von den Clowns entführt. Ich habe lediglich meinen Omega aus Polen abgeholt und eine kleine Spritztour durch Osteuropa gemacht … Nein ich verarsch euch nicht. Das neue Flaggschiff von Omega. Ich zeig ihn euch, wenn ich wieder da bin. Damit können mich die Clowns kreuzweise, die haben momentan nichts in ihrem Arsenal was mir auch nur den Lack ankratzt. Nein, das ist mein voller Ernst. Nein ich sag nicht wie viel der gekostet hat und ja auch dein Versager-Bruder ist zu Geld gekommen, auch wenn ihr mir das nicht zutraut. Nein ich hab keine Bank ausgeraubt. Übrigens sind die Kids bei mir, falls ihr die sucht. … Oh man, wie laut willst du denn noch in den Hörer brüllen. Seit doch froh dass sie ein bisschen frische Luft bekommen, ihr sperrt die doch ein. Komm mir nicht mit Sicherheit. Ihr wohnt in einem tausend Jahre alten windschiefen Haus, das vor dem ersten Weltkrieg gebaut worden ist. Ihr habt oben immer noch die originalen Einglasfenster auf dem Dachboden. Und die Wände sind praktisch aus Pappe. Das nenne ich nicht gerade sicher. Ach verarscht mich nicht, ich weiß das da Security und Kameras sind. Ich könnte da trotzdem einsteigen ohne dass ihr mich seht. Ihr habt ja noch nicht mal bemerkt wie ich heute ein starkes Schlafmittel in euer Mittagessen gemischt habe, Haha, das war ein Spaß. Keine Sorge, ist völlig harmlos. Komm halt die Klappe Zicke, ich geb dir mal deinen Großen, hier bitte Jack.“
Jack hatte völlig faszinierend zugehört und ergriff das Prism, das Kaz im reichte.
„Hallo Mama, ich bin‘s.“
Sie war heftig am Schluchzen und sehr wütend
„Oh mein Gott, du lebst. Wir haben schon das schlimmste Befürchtet, als du und Akira nicht mehr da wart und wir euch nirgends mehr finden konnten. Verdammt warum musstet ihr uns so schocken. Dieses verdammte Arschloch Kaz. Das ist doch das aller letzte. Wir, das heißt deine Großeltern, ich, dein nicht wahnsinniger Onkel und Liz, sind völlig in Sorge um euch drei. Kaz wird dafür bezahlen, er ist zu weit gegangen, viel zu weit. Er hat uns betäubt und euch einfach entführt, unfassbar. Aber keine Sorge, wir holen euch da raus und zwar sofort, wo seit ihr denn? Bitte sag doch was. Hörst du mich überhaupt. Hallo, verdammt nochmal antworte mir!“
„Mama, halt doch mal die Luft an! Mir geht es gut ich bin in Sicherheit bei Kaz. Und er ist ganz und gar nicht verrückt. Und du kannst mich mal, warum soll ich denn zu euch zurück in diese Bruchbude wo du mich für den restlichen Monat über einsperren wirst. Verdammt nochmal Mama, ich will zum KSK und böse Jungs abknallen. Ich hab das Training durch die Verletzungen schon total vernachlässigt und ihr lasst mich ja nicht. Hey, hör mir doch mal richtig zu. Ich will nicht zu euch zurück, jedenfalls nicht jetzt, wir sind pünktlich für Schule und Beerdigung wieder da, versprochen. Man hör‘ doch einfach mal auf zu heulen. Wo ist die knallharte Geschäftsfrau, die nie da war während ich und Ryan aufgewachsen sind. Denk doch mal daran, bevor du mir Vorwürfe machst. Man, aufhören, nicht noch mehr heulen. Zudem hat er uns lediglich angerufen und gefragt, ob wir mit ihm und Amber ein paar Wochen campen gehen wollen. Ja ehrlich, mehr war‘s nicht. Und wir sind freiwillig gegangen und er hat uns nicht entführt, wie kommst du auf diesen haarsträubenden Unsinn? Komm ich geb dir wieder Kaz. Hab dich lieb Mama, auch wenn dein Verhalten grad echt ziemlich mies ist. Tschüss.“
Grinsend reichte er das Handy wieder an Kaz zurück.
„Na siehst du, alles ist in bester Ordnung. Wir machen in Ruhe Urlaub und ihr könnt euch auf eure lächerlich stressigen Jobs konzentrieren. Ich hab nie kapiert warum ihr euch das antut. Komm schon Schwesterherz, ist doch jetzt alles besprochen. Nein wir bleiben und genießen unsere Ferien. Wir sind pünktlich zur Beerdigung wieder da. Are you fucking kidding me? Euch will ich sehen wir ihr uns aufspürt. Mädchen, du bist eine IT-Flachpfeife und warst es schon immer. Ja genau, orte mal ein Prism STEALTH, viel Spaß beim Versuchen. Horizon hin oder her, was zum Fick soll das denn? Willst du mich abknallen, weil ich die kleinen zum campen mitnehme. Nein hier sind weit und breit keine Clowns und wenn ich sie sehe knall ich sie ab. Accuracy International hat mir ein Willkommen zurück Paket geschnürt. Ja ich weiß, dass du keinen Plan hast was das ist, aber dein Sohn hat gerade leuchtende Augen bekommen. Wenn er brav ist, darf er auch mal ran. Hey Zicke, klar hab ich Waffen dabei. Ich bin doch nicht bescheuert. Ach ist doch Egal was mit der Polizei ist, die schnallen das eh nicht. Nein, die sind nicht zu jung für sowas. Und dein Sohn will zum KSK nach der Schule, da macht es sich doch gut wenn er schon mal ein bisschen üben kann. Ok, du weinerliche Zicke, geh dich bei deinem anderen Bruder ausheulen. Du gehst mir auf den Keks! Bis in drei Wochen, Tschüss.
Kaz legte das Handy auf den Tisch und schob es Akira zu.
„Oh man, wie ich diese Tante all die Jahre in den USA nicht vermisst habe. Die ist ja noch schlimmer geworden, als ich es in Erinnerung hatte. Akira, ruf deinen Vater an oder hinterleg die Sprachnachricht. Ich brutzel uns in der Zwischenzeit etwas und mach die Betten fertig.“
Akira starrte unsicher auf das Handy, dann ergriff sie es und tippte die Nummer ein.
„Hey Papa, ich bin’s, Akira und ich lebe, mir geht’s gut und ich wurde nicht entführt. Kaz hat uns zum Campen eingeladen. Sorry dass wir uns heimlich rausgeschlichen haben, tut mir echt so leid. Das mit dem Schlafmittel wusste ich nicht. Nein ich hab alles und mir geht es wirklich gut. Ja wir kommen pünktlich zur Beerdigung wieder zurück. Und wir sind wirklich in Sicherheit, da vertraue ich meinem Onkel voll. Der ist gar nicht durchgeknallt wie ihr immer behauptet und er fährt den neuen Omega also ist er bestimmt auch kein Versager. Ok. Danke sehr. Hab dich auch lieb. Tschüss.“
Sie starrte irritiert auf das Handy und dann in die Runde, sie grinste.
„Geht doch. Mit dir will ich echt nicht tauschen, Jack.“
Kaz kam aus der Küche und starrte Akira ungläubig an.
„Verarsch mich nicht, wenn ich das nur gewusst hätte … Naja, ich brauche mal eure genauen Körpermaße. Hal erklärt wie und wo ihr das hier machen könnt. Ich hab mich dazu entschlossen, dass ich euch maßgefertigte Anzüge von Nox spendiere, für die Beerdigung und generell auch so. Die sind immer ziemlich fix. Und Uhren von Omega, weil ihr es seid, aber gescheite. Es gibt in einer Stunde oder so eine vegetarische Lasagne, die kriege ich gerade noch so hin, Zutaten sind alle da und recht frisch. Und Hal war einkaufen und hat Panacotta mit Waldbeerensoße gekauft, auch von Nox, die gibt’s zum Nachtisch. Und für die nächsten Wochen gibt es jeden Sonntagabend Eiscreme. Hal hat das Vollsortiment Häagen Dazs gekauft, aber ich hab es sicher vor euch versteckt. Beim Essen erzähl ich euch den Plan für Morgen.“
Wow, das war echt eine Menge Input. Und das mit den Uhren und Anzügen war echt cool. Hal leitete sie in einen Raum mit Umkleidekabinen und einem Ball aus Drahtstangen mit unzähligen Kameras, wie für Motion Capture Aufnahmen. Es war komisch mit jemanden zu reden, der keinen eigenen Körper hatte. Sie gingen in die Kabinen, wo sie angewiesen wurden sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Dann rief sie Hal der Reihe nach auf und sie stellten sich in den Ball und wurden von allen Seiten fotografiert und gescannt. Schon gruselig. Dann zogen sie sich wieder an und halfen Kaz in der Küche beim Kochen und Tischdecken. Und sie bezogen ihre Betten im Schlafzimmer, und das von Kaz gleich mit. Kaz hatte gelogen als er sagte, dass er nicht kochen konnte, die Lasagne war echt gut. Kaz bedankte sich und wirkte tatsächlich verlegen.
„Das ist nett ihr drei. So, dass ist die letzte selbst gekochte Mahlzeit mit frischen Zutaten für die nächsten zwei Wochen. Ok, morgen früh koche ich euch noch ein leckeres Frühstück. Aber dann möchte ich ein bisschen auf den Notstand vorbereiten, wenn Ressourcen knapp sind oder ihr unterwegs seid und nicht selbst kochen könnt. Die nächsten zwei Wochen gibt es Militär MREs und zwar deutsche. Die erste Woche gibt es Feldrationen vom Heer und die zweite vom Hersteller NOX, das ist quasi der Rolls Royce unter den MREs. Die Spezialkräfte bekommen die in der Regel.“
Jack kannte NOX, das war ein britisches Großunternehmen, die viele Faktoren vereinte. Praktisch eine Kombi aus Globetrotter, Manufactum und diversen Kleiderläden. Die produzierten auch viel selbst. Und sie bauten komische Supermärkte, die das Angebot von Discountern, normalen Supermärkten wie Rewe und super edlen Bioläden und Feinkostgeschäften kombinierten und preislich farblich codierten. Grün war günstig, gelb war normalpreisig und rot war hochpreisig. In Berlin gab es einen großen Nox Laden, der so groß wie Kaufland war und ein paar kleine Läden. Sie kauften da öfters ein, weil die oft das beste Angebot haben. Und internationale Angebote hatten. Und natürlich gab es noch eine Vielzahl anderer kleiner und großer Nox Läden und Geschäfte.
MREs wollte er immer schon mal ausprobieren, Emma hatte es bisher nicht erlaubt. Er sah sich gerne Bilder mit ausgepackten MREs an und guckte Unboxing- und Probiervideos an. Das war schwer faszinierend wie er fand.
„Yusuf hat mich angerufen und mir von eurem Training berichtet. Er ist sehr begeistert von euch. Den Sportteil der Aufnahme Prüfung habt ihr schon mal mit Bravour bestanden. Igor war auch recht happy und Nadja lässt euch loben, ihr wart aufmerksame Zuhörer bei einem trockenen Fach, bei ihr habt ihr Bio und Chemie und sie ist eure Klassenlehrerin. Jedenfalls hat euch der Araber Hausaufgaben aufgegeben die wir abarbeiten werden, in den drei Wochen bis Schulbeginn. Ihr werdet zu etwa 90% aufgenommen, nur Adam – der Leiter des BIT – will sich die Werte nochmal im Detail und in Ruhe ansehen. Und Yusuf freut sich, dass ihr seine ersten Schüler sein werdet.“
„Sorry, dass ich dich unterbreche, aber kennst du den Araber gut?“
Und die mega heiße Sportlehrerin war ihre Klassenlehrerin, wie geil – fand er zumindest, er konnte nicht für die Mädels sprechen.
„Huh, ich denke ich bin mit ihm ein bisschen befreundet, aber es ist hart zu sagen, ich kenne ihn ja erst seit Sonntag. So das ist auch eure letzte Nacht im bequemen Bett. Ab jetzt zelten wir. Das schließt mich ein, ich mache dieselben Übungen wie ihr, schlafe im Zelt und esse das gleiche Essen.
Und um eins vorweg zu nehmen, wir haben alle Jemanden an die Clowns verloren, die diese Welt in Schrecken versetzen. Und ich kann nicht länger mit ansehen, dass man euch quasi völlig hilflos zurücklässt. Von daher trainieren wir intensiv die nächsten drei Wochen. Hier ist weit und breit niemand und in mehreren Kilometer Umkreis kann uns keiner hören. Ich habe es getestet und hier kann man selbst ne ungedämpfte .50 Cal abfeuern und draußen am Waldrand hört man es nur noch wenn man ganz genau darauf achtet.
Ich bringe euch bei, wie ihr in der Wildnis überlebt, Wie ihr euch behelfsmäßige Unterschlüpfe baut. Dazu haben wir hier ein paar große Bäche, zwei kleine Seen und der Boden ist bisweilen recht lehmig, das sind gute Voraussetzungen. Wir zelten selbstverständlich wie gesagt, ich will die Ausrüstung ausprobieren, die Nox mir zur Verfügung gestellt hat. Wir machen Fitness satt um eure Körper zu trainieren. Ich mach mit euch Belastungstests. Ihr klettert, ihr lernt wie ihr euch an Gebäuden abseilt, dann freihändiges Klettern. Wie man Seilrutschen benutzt. Parcour ist auch mit von der Partie, das kann ich ein bisschen, auch wenn ich natürlich nicht an Yusuf rankomme. Schlösserknacken kommt auch dran, das ist ziemlich essentiell. Dann bringe ich euch ein paar Basics im Messerkampf bei, die euch in Fleisch und Blut übergehen müssen. Und das Beste kommt zum Schluss, ich trainiere euch für den Umgang mit Schusswaffen in allen Klassen. Das ist eine ganze Menge, also lasst das erstmal sacken. Und jetzt gibt es lecker Nachtisch und dann gehen wir alle nochmal duschen … Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett! Hehe, ist das nicht ein Lied? Auf geht’s!“
Das war ja der helle Wahnsinn, das würde der geilste Urlaub seines Lebens werden!

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