Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 14

14. Jack – 1.W. April 2045 – Freitagnachmittag.

Nate sah sie beide an und strahlte regelrecht.
„Und wie war‘s? Ach Quatsch, das könnt ihr später erzählen. Jetzt kommt erstmal in Ruhe an. Jack ich soll dir ausrichten, dass du leise sein sollst, deine Mutter schläft. Und eure Großeltern haben ebenfalls ein kleines Päuschen eingelegt.“
Sie stiegen aus dem schwarzen Defender und nahmen ihre Sachen. Leider durften sie ihre neuen Handys und Laptops nicht mitnehmen, das war deprimierend. Jack dachte an sein mieses Schrotthandy. Aber es tat gut, mal wieder ganz normale Sachen anzuhaben.
Die Straße war mit Security nahezu gepflastert und er entdeckte überall Kameras. Tja, er würde wohl nie wieder hier raus kommen. Naja vielleicht noch in den Garten, aber der war auch nicht riesig.
An ein totlangweiliges Wochenende denkend öffnete er die Tür zum Treppenhaus und ging nach oben. Akira wirkte auch etwas traurig, war das wegen ihrer Mutter oder wegen der bevorstehenden Isolationshaft alias sicherheitsbedingten Hausarrest?
   Leise schlich er in die Wohnung, ohne Mama zu stören, und ab in sein Zimmer. Er sah sich um und dachte nach. Er startete seinen Rechner, der im Gegensatz zum Spectre in seinem Zimmer in der Uni die Schnecke aller Schnecken war. Tja, für Bögen und Softairs hat Mama Geld, aber für ein neues Handy oder einen neuen Rechner nicht. Er fluchte. Er checkte seine Newsseiten und stutzte. Seit Dienstag hatte es keine neuen Angriffe der Clowns gegeben. Und die Medien und die Polizei rätselten über eine Reihe von sehr brutalen Morden. Da war jemand verdammt fleißig gewesen und hatte 17 Leute regelrecht hingerichtet. Alles Angriffe völlig lautlos und ohne die geringste Spur, das waren absolute Profis. Hoffentlich warn die Toten alles Clowns, andernfalls hätte er ein ganz mieses Gefühl.
Zumindest hatte der Täter ein Zeichen hinterlassen, es sah aus wie ein stilisierter Dolch.
Sein Handy klingelte, wer war das denn, die Nummer war unbekannt. Was war denn das?
„Hallo Neffe, ich schätze du langweilst dich bestimmt. Hast du Lust deiner Einzelhaft zu entfliehen und mit mir und Amber und Akira auf einen kleinen Abenteuerurlaub zu begleiten? Deine Cousine ist schon am Packen. Ich sehe, dass das Haus praktisch belagert ist, aber ich kenne den einen Geheimgang im Heizungskeller. Hinter einem Stapel mit Stahlblechen sind ein Kriechgang und ein Schacht zu einem Kellerraum, den ich fürs preppen umfunktioniert habe, der Eingang ist mit dem Zeichen der schwarzen Geister markiert. Zieht euch da um. Der Raum hat zwei Ausgänge. Der eine führt zum Gartenhaus, das nützt euch nichts, aber der andere führt zu einem Schuppen zwischen den Grundstücken, die Kombination vom Türschloss ist die Fibonacci Folge. Geht von dort aus nach links die Straße hoch, geradeaus über die Kreuzung und dann die nächste Ecke wieder links, da hole ich euch ab. Nimm ein paar Sachen mit, aber nur so viel in einen normalen Rucksack passt. Der Platz wo es hingeht hat ‘ne Waschmaschine, also nicht zu viel reinstopfen. Am besten lange sportliche Hosen und zumindest einen warmen Pulli und feste Schuhe, wir gehen zelten. Aber ruhig auch ‘ne gemütliche Hose und ein paar T-Shirts mit einpacken. Und denk dir spontan ‘ne wirksame Verkleidung aus. Also, hast du Lust?“
Heilige Scheiße, sein großes Vorbild wollte ihn aus dem ganzen Elend hier befreien.
„Klar, bin sofort unterwegs.“
„Alles klar, und lass dein Handy hier liegen, das brauchst du nicht und kann geortet werden. Wann würde Schule anfangen, wenn ihr genommen werdet? Und wann ist die Beerdigung von Jack und Helena?“
„Beerdigung ist am letzten Sonntag im April und Schule würde im Mai anfangen.“
„Fabelhaft, dann haben wir ja ordentlich Zeit. Ich leg jetzt auf und nicht zu hektisch du hast Zeit, Emma schläft ziemlich tief, die wacht so schnell nicht wieder auf.“
Woher wusste er denn das mit Emmas Mittagsschlaf? Egal. Er schnappte sich seinen Rucksack und leerte ihn auf dem Bett. Dann suchte er leise aber schnell ein paar Sachen zusammen und packte sie sorgfältig in seinen Rucksack, ein paar Unterhosen und T-Shirts. Und eine lange Wanderhose. Als Tarnung dachte er sich einen auf Jung Kaz zu machen und mit langer Arbeitshose, dreckigem Oberteil, Mütze und Brille rauszugehen. Die Sachen stopfte er in eine Tüte. So bepackt dachte er an die Informationen von Kaz, legte sein Handy eingeschaltet auf den Tisch und verließ leise die Wohnung.
   Unten im Keller traf er auf Akira, die ihn angrinste, sie hatte eine Sporttasche und eine Tüte in der Hand. Nach ein bisschen Suchen fanden sie die Bleche, die auf einem Rollensystem angebracht schienen und kletterten in den niedrigen Gang dahinter. Jack schloss die Tür hinter sich und sie folgten dem Gang zu einer Treppe, hier brannten schwach Lampen, coole Sache. Und Plötzlich waren sie in einem etwa fünfzehn Quadratmeter großen Raum mit einer hohen Decke der von etwas helleren Lampen erhellt war. Das war ja der Wahnsinn. Wie konnte er davon nichts wissen?
Jack sah sich staunend um. Rostige Metallregale mit Vorräten, ein paar Kästen mit Wasserflaschen, Einmachgläser, Schraubgläser mit Reis und Müsli. Ein alter Gaskocher, mit Ersatzkanistern, Geschirr und Besteck. Kleidungsstücke, ein paar Gasmasken mit Filtern. Ein klappriges Etagenbett mit schmuddeligem Bettzeug. Ein kleiner Stromgenerator und einige Kanister mit Treibstoff. Ein Tisch mit einem alten Röhrenfernseher und daneben einem Radio und eine Reihe Wegwerfhandys. Und eine Nische mit einem Waschbecken und Spiegel und einem WC. Auf der anderen Seite des Raumes ein altes Sofa. Kaz war wohl Prepper mit Leib und Seele.
   Er war mal gespannt wie Akiras Tarnung zu ihrem Platinblonden Stachelhaar aussah. Er zog sich aus und die Verkleidung an, die Brille hatte zum Glück nur Gläser aus Fensterglas. Akira zog sich ebenfalls um und schlüpfte in einen langen Rock, flache schwarze Schuhe, eine Bluse und sie schminkte sich, dunkler Lidschatten und rote nicht zu knallige Lippen. Zum Abschluss setzte sie sich eine lange schwarze Perücke auf den Kopf. Ne, so würde man sie echt nicht wiedererkennen. Er stopfte noch seine Jogginghose in den Rucksack.
„Hast du die Perücke von Liz geklaut?“ Sie grinste etwas boshaft.
„Ich hab alles von ihr geklaut, wir haben die gleiche Figur, sind gleich groß, haben einen gleich großen Busen, unsere Hüften haben den gleichen Umfang. Wahnsinniger Zufall, aber ich profitiere hat davon und sie ist so beschäftigt und hat so scheißviel Krempel in ihren Schränken, dass sie einfach gar nichts schnallt. Und das ist ‘ne Echthaarperücke, die war bestimmt teuer. Schade, dass ich keinen Schlüssel für ihre Wohnung habe, die hat bestimmt echt wertvolle Sachen in ihrer Sammlung. Oder nützliche, die ist ja über die Jahre auch total zur Prepperin geworden.“
„Na dann los, das ist die Tür zu diesem Schuppen an der Straße.“
Sie kletterten einen hohen Schacht an einer Leiter hoch und Jack öffnete eine Luke. Er half Akira aus dem Loch und sie sahen sich um, hier sah alles ganz unauffällig schrottig aus. Das Schloss an der Tür war ein digitales Ziffernschloss mit fünf Stellen. Er tippte die Zahlenkette ein und mit einem leisen Klacken waren sie draußen. Hier war niemand, die Luft war rein. Unauffällig gingen sie gemächlich die Straße entlang. Wirklich niemand beachtete sie. Ein paar Minuten später waren sie am Treffpunkt und sie sahen sich unauffällig um. Dann bog dort hinten ein wahres Monster von einem Geländewagen mit großem Anhänger um die Ecke. Quatsch, das war ein Radpanzer der als SUV cosplayte. Was um alles in der Welt war denn das, Kaz hatte doch den Defender geschenkt bekommen? Als die Kiste mit den stark getönten Scheiben näher kam erkannte er das Omega Symbol am Kühlergrill. Heilige Scheiße, wie konnte sein Onkel sich denn das Monster leisten? Der Wagen fuhr lautlos und hielt ebenso lautlos vor ihnen an. Die Türen entriegelten klackend und schwangen auf. Kaz in sportlichen Klamotten und kurzen Haaren grinste ihn an und winkte ihnen zu, hinten saß Amber. Akira und er warfen sich erstaunte Blicke zu und dann stiegen sie zu Kaz und Amber in den Wagen. Alter, was waren das denn für ultra fette Türen?
Jack schloss die Tür wieder und sah sich neugierig um. Alles Leder, Carbon und Glas. Er saß vorne und die Mädels hinten.
„Willkommen ihr beiden, vergesst nicht euch anzuschnallen, auch wenn die Clowns jetzt schon echt einen Panzer brauchen um hier reinzukommen. Wir machen jetzt ne kleine Spritztour. Es ist an alles gedacht und wenn ihr Mädels hinten die mittlere Lehne runterklappt, habt ihr eine prallgefüllte Snackbar vor euch und gebt Jack auch was ab. Ihr habt ein Infotainment System samt Kopfhörern vor euch in den Sitzen und du Jack um Handschuhfach. Wir besuchen meinen alten Freund Hal in seiner bescheidenen Hütte und von dort aus geht der Urlaub los. Freut ihr euch schon?“
Jack und die Mädchen brachen in Jubelschreie aus.
„Wunderbar. Wir sind heute Abend da, leider ist das hier kein Rennwagen sondern ein Panzer.“
Und sie bewegten sich vorwärts, absolut lautlos, krass.
„Onkel Kaz, ist das das ominöse neue Flaggschiff von Omega.“
„Ganz genau und ich freue mich darauf euch zu sagen, was er kann.“
Kaz grinste sie breit an.

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