Kurzgeschichte Nr. 1

Als ich probeweise an der Domain der Webseite herumgespielt habe, ist diese Geschichte verschütt gegangen.

Der Hintergrund dazu war, dass ich mit meiner Freundin über das Familienleben und das Singledasein diskutiert habe und wir zu dem Schluss gekommen sind, dass man als Single entschieden mehr Freizeit hat. Und aus dieser Idee ist dann letztendlich diese wirklich kurze lustige Geschichte geworden

Als Familienvater ist dann Schluss mit Lustig.

4:30 – geweckt vom verfressenen Kater, der mit Anlauf mitten in die Kronjuwelen hüpft

5:00 – geweckt von hyperaktiven Kindern, der Kater war mir dann irgendwie lieber

5:30 – Duschen und Zähneputzen, Mutti hat Spätschicht und schlummert Seelenruhig weiter

6:00 – Frühstück für drei hyperaktive Plagen, ich denke nur an den Whisky im Schrank

6:30 – Der Kampf mit der morgendlichen Zahnbürste, Brotbüchsen nicht vergessen – wer hat nochmal welche Allergie?

7:00 – Alle ab in den hässlichen geleasten Minivan und nacheinander nach dem TSP Prinzip in der Schule abliefern. Die Benjamin Blümchen CD läuft auf Endlosschleife, lautlos spreche ich den auswendig gelernten Dialog nach.

8:30 – Katastrophenalarm: ein Server ist abgeschmiert. Ich rechne mir die Chancen aus mit der Liebsten abends zusammen zu sitzen, Ich komme auf 0.0 Prozent und mache mir einen Kaffee und stelle mir vor es wäre Whisky.

17:00 – Die Azubis dürfen das Server-Debakel ausbaden und ich die Brut abholen.

18:00 – Madam sitzt in der Badewanne und lackiert sich die Nägel, ich muss Kochen.

18:30 – Maultaschensuppe, bemerkt meine Liebste leicht angewidert

19:00 – Hausaufgaben, nach der Kochaktion bin ich wieder der Doofe, ich versuche mich zu erinnern was ich vor fünfundzwanzig Jahren im Matheunterricht gemacht habe, während die mittlere mich mit Fragen löchert. Am Ende google ich die Lösung.

20:00 – Spielzeit, ich verfluche mich für meine Einstellung, dass erst im Teenyalter Rechner und Smartphones für die Brut angesagt sind und denke mir lustige Stimmen für die Plüschtiere aus.

21:00 – Mutti ist spontan mit ihren Freundinnen Tanzen gegangen, morgen hat sie frei und plant schon Wellness pur und ich darf 43 Access Points in die Wand schrauben und die Brut bei Laune halten.

21:30 – Zähneputzen für alle, die Kinder gurgeln mit Wasser ich mit Wodka.

22:00 – ich sitze auf der Couch und zappe durch die Kanäle, die Whiskyflasche ist mein neuer bester Freund.

01:30 – Ich wache auf weil die kleinste Alpträume hat. Im Halbsuff krache ich mit dem kleinen Zeh in den nächsten Schrank, jetzt bin ich zumindest wach – das restliche Haus auch.

ENDE

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 17

17. Jack – 1.W.April 2045 – Samstagmorgen – Training

Jack stand unter der Dusche und ließ das Wasser über sich herabprasseln. Er dachte über den kompletten Wahnsinn des letzten Tages nach. Das BIT, Die Fahrt nach Hause, die Flucht aus dem Haus, die Fahrt im brandneuen Omega, Das Gelände wie aus einem Science Fiction Streifen. Die Sache mit Hal, der Krach mit Mama und der Ausblick auf drei Wochen volles Programm mit Onkel Kaz. Und Schusswaffentraining, darauf war er am meisten gespant. Er freute sich total.
   Er trocknete sich ab, zog sich frische Sachen ab und ließ Akira ins Bad, die schon ungeduldig wartete.
   Ohne gegelte Haare sah sie auch nicht schlecht aus.
Das Frühstück war klasse und fast so wie im Internat. Rührei, Speck und Bratkartoffeln und saure Gurken, dazu Waldbeerenjoghurt, Orangensaft und Kaffee. Warum konnte Kaz auf einmal so gut kochen? Das war doch total merkwürdig, er behauptete doch immer das Gegenteil. Nach dem Essen machten sie einen langen Verdauungsspaziergang durch den Wald und dann führte sie Kaz zu einer verlassenen Rennstrecke mitten im Wald.
„Hier wurden früher einmal Autos gebaut und getestet. Wir können es wunderbar als Laufstrecke verwenden, also los drei Runden Ausdauerlauf. Hey ho, let’s go.“
Die Strecke war nicht klein und ziemlich verwunden. Sie liefen locker eine halbe Stunde und am Ende war er gut warm und leider ziemlich aus der Puste. Sein Körper war nach dem Überfall eben doch noch nicht ganz fit stellte er leider fest. Kaz führte sie zurück zu der Halle. Jack erkannte, dass es Möglichkeiten für Dips und Klimmzüge an einer der Seitenwände gab. Dort trainierten sie intensiv. Dann gingen sie zu einer Seite der hohen Halle.
„Die Wand ist präpariert, sodass man freihändig klettern kann. Wir machen jetzt eine Runde Freeclimbing, ich möchte sehen was ihr könnt. Nicht verzagen, alle zwei Meter ist links von der Kletterroute ein Sims mit einer Reling, die um die Ecke zu einer Leiter führt. Die Wand ist sechzehn Meter hoch. Also keine Angst, wenn ihr nicht mehr könnt oder echt nicht höher traut. Los, Jack, du bist der Erste. Und lasst euch alle Zeit die ihr braucht. Das ist hier nicht auf Zeit. Es kommt mir auf die Technik an. Und denkt an eure Sicherheit. Nicht jeder ist fürs Freeclimbing geschaffen.“
Das klang knackig. Er hatte zwar keine Höhenangst, aber die Wand war schon hoch und sie waren nicht gesichert. Klettern mit Seil konnte er recht gut, aber ohne Seil war ihm mulmig.
Er trat vor und suchte die Wand nach guten Griffmöglichkeiten ab. Langsam aber relativ sicher kletterte er in die Höhe. Das war fast wie an einer richtigen Felswand, total genial. Bei acht Metern brach er ab und kletterte die Leiter runter. Dann kam Amber. Sie war schneller als er, aber schaffte nur sechs Meter mit Ach und Krach.
Dann war Akira dran und ihm fiel die Kinnlade herunter. Sie war nicht nur schnell, sondern schaffte die vollen Sechzehn Meter. Wie hatte sie das denn bitte gemacht? Die machte doch nur Youtube Videos und streamte Games. Und Kaz danach war der Knaller, der kletterte behände und sicher wie eine Bergziege und erreichte die Dachkannte in Rekordzeit. Als er unten war strahlte er in die Runde.
„Glanzleistung an dich Akira und ihr beiden anderen habt euch gut geschlagen. Das üben wir jetzt jeden Tag. Und jetzt Parcour, dazu müssen wir auf den großen Vorplatz.“
Vorplatz? Der war doch total leer. Aber dann dachte er an die Treppe zum Aufzug gestern und er war sehr gespannt. Sie fingen mit dem Abrollen an. Aus dem nichts fuhr eine Betonwand etwa zwei Meter in die Höhe und an einer Seite formten sich Mulden für Handgriffe. Das war doch total krank. Und etwas entfernt von Ihnen fuhr ein Regal mit unterschiedlich dicken Matten aus dem Boden hoch. Sie übten zuerst eine Weile mit der ganz dicken und gingen dann schrittweise zu den Dünneren übrig. Die Rolle auf Beton machte erstmal nur Kaz. Anschließend fuhr die Wand wieder in den Boden und dann fuhr ein ganzes Labyrinth aus Pfählen, Wänden und Plattformen aus der Höhe. Heilige Scheiße! Er fühlte sich wie mitten in einem Computerspiel, er kniff sich nochmal in den Arm. Tat immer noch weh, merkwürdig. Kaz machte vor, wie man den Kurs absolvierte, zweimal. Dann waren sie drei nach der Reihe dran. Keiner von ihnen schaffte es durch den ganzen Kurs, was sie alle etwas knickte. Amber war die schlechteste, was ihm Leid tat. Kaz beglückwünschte sie trotzdem gelassen und der Parcours aus Beton fuhr wieder in den Boden.
„So, jetzt kommt dir Stunde der Wahrheit. Warum trainieren wir so komische Sachen wie Klettern und Parcour? Weil wir vier ein Haufen Diebe sind!“
Akira wurde kalkweiß, Amber trat unsicher von einen Fuß auf den anderen und ihm wurde flau. Vor ihnen fuhr ein Betontisch aus dem Boden.
„Fangen wir von klein nach groß an. Jack. Du und dein Bruder habt zwar immer unter einer Decke gesteckt, aber er ist ja leider nicht mehr bei uns. Seit du neun bist, klaust du deiner Mutter Geld um dein armseliges Taschengeld aufzubessern. Mit sechzehn hast du dir auf dem Schwarzmarkt eine Beretta 92 mit einem Reservemagazin und einen Sack Munition gekauft und im Wald fleißig damit geübt. Und du hast nachts einen korrupten Cop überfallen, überwältigt und ausgeraubt.“
Vor Kaz griff unter den Tisch und holte eine Sporttasche hervor und öffnete den Reißverschluss. Im Inneren, waren der Ausweis, die Dienstmarke und die Dienstwaffe des Polizisten, ein halbleerer Zipplockbeutel mit 9mm Patronen, ein volles Reservemagazin und die Beretta, dazu ein Bündel mit Euroscheinen. Das stimmte alles was Kaz da gesagt hatte und das er das wusste, verängstigte Jack sehr.
„Amber als nächste. Sie hat mir alles gebeichtet. Sie ist trotz ihres zarten Alters passabel im Schlösserknacken, ist eine geübte Taschendiebin und macht ab und zu Ladendiebstähle. Sie hat ab und zu Waffen mitgehen lassen um mit ihnen in den Wäldern auf Büchsen und Glasflaschen zu schießen. Auch wenn ihr Trefferbild ziemlich mau ist. Ihre Beweise sind mit ihrem Elternhaus abgebrannt.“
Amber sah beschämt zu Boden und war rot angelaufen.
„Jetzt du Akira. Du kommst ziemlich nach mir und das merkt man dir an. Bist gerissen und raffiniert und bist eine Diebin durch und durch, auch wenn du die einzige Tochter eines der reichsten Menschen der Erde und Alleinerbin von Horizon bist. Du bist eine erstklassige Taschendiebin, Verkleidungskünstlerin, Schlossknackerin. Du brichst in Läden und Häuser ein ohne Spuren zu hinterlassen. Hast mindestens einen Juwelier geknackt und bist in einige Museen eingestiegen. Als versierte Bastlerin und kleines IT-Ass hast du dir selbst Gadgets zusammengebaut und eingesetzt. Und du wurdest nicht einmal erwischt, sehr beachtlich. Du hast großes Talent. Nicht das du Yusuf noch Konkurrenz machst. Und du hast dir einen Anzug gebastelt, zieh ihn doch mal an ich hab ihn hier.“
Akira war inzwischen Tränen ausgebrochen und schluchzte heftig, während Amber und Jack sie ungläubig und mit großen Augen anstarrten. Er konnte sich Akira unmöglich als Einbrecherin vorstellen, kein Stück. Aber da war Kaz der einen zerbeulten Aktenkoffer auf den Tisch legte und öffnete. Jack klappte die Kinnlade herunter.
Edelsteine, Diamanten, Goldmünzen und -Barren, Bündel mit 500€ Scheinen, teurer Schmuck, Golduhren, Computerfestplatten, Geldbörsen.
Akira heulte jetzt komplett und Kaz nahm sie in den Arm und drückte sie sanft.
„Alles gut meine Liebe, das bleibt alles unter uns, wir gehören jetzt zusammen. Du kommst nicht ins Gefängnis und du wirst dein Tun ungestört weiter machen können. Und wir unterstützen dich dabei.“
Bei Kaz Worten fühlte sich Jack unwohl, aber es stimmte schon alles. Bei seinen Taten hatte er sich nie schlecht gefühlt oder sich dafür geschämt. Bei dem Polizisten ärgerte es ihn eher, dass er ihn nicht gleich erschossen hatte, aber ohne Schalldämpfer war ihm das zu riskant gewesen.
„Jetzt beruhige dich wieder meine Liebe. Wir haben dich alle gern als der Mensch, der du bist. Atmete tief ein und zeig uns deinen tollen Anzug, den du dir gebastelt hast.“
Akira wischte sich die Tränen weg und nickte schniefend. Kaz legte eine große Reisetasche auf den Tisch und sie öffnete sie und holte ein paar Sachen heraus. Dann zog sie sich ungeniert vor ihnen bis auf die Unterwäsche aus und zog sich einen seltsamen, etwas krude aussehenden eng anliegenden Catsuit an. Sie hatte einen flachen Rucksack auf dem Rücken. Von ihrem Gesicht waren nur noch die Augen sichtbar. Und auf der Stirn war eine hochgeklappte AR Brille.
An der Hüfte hatte sie ihr Handwerkszeug in Taschen und Etuis. Zum Beispiel Dietriche und einen Wurfhaken mit einem stabilen Seil. Im Rucksack war eine Drohne untergebracht, die sie mit dem Headset und den Handschuhen steuern konnte. Natürlich war der ganze Anzug nachtschwarz.
„Sehr beeindruckend meine Liebe, jetzt zeige ich mal meinen.“
Sie bemerkten, dass der Omega lautlos auf den Platz gefahren kam. Und neben Kaz hielt. Das war so irre, dass dieser Panzer einfach nicht zu hören war und alleine durch die Gegend fahren konnte.
Jack und die Mädchen beobachten fasziniert, wie sich automatisch die schwere Hecktür öffnete und Kaz einen großen Metallcontainer auf einer Schiene aus dem Innenraum zog. Kaz zog sich aus, schlüpfte in einen enganliegenden Anzug und dann in eine Panzerung oder irgendetwas in der Art. Total krass. Mit dem Helm sah das aus wie ein Sci-Fi Kampfanzug aus einem Videospiel.
Der Anzug sah total cool aus. Sein Onkel klappte das Visier hoch und kam auf sie zu, in der Hand trug er einen total abgespaceten Compoundbogen und ein paar Pfeile.
„Das hat mir Mulan als Willkommensgeschenk dem Omega beigelegt. Ein Stealth Kampfanzug, Angelehnt an den Nanosuit der uralten Crysis Games. Er macht mich schneller, ich hab ein AR HUD und kann den Omega kontrollieren. Voll gepanzert aber trotzdem hochbeweglich. Ich kann mehr tragen und heben und feste zuschlagen. Und er kann Stealth. Schaut her.“
Und der Anzug schien sich in Luft aufzulösen und nur Kaz Gesicht schwebte in der Luft. Dann wurde der Anzug wieder sichtbar. Ihnen fiel die Kinnlade herunter, zum wiederholten Male heute. Das war ja wohl das geilste was er je gesehen hatte.
„Und der Bogen gehört dazu, den kann man ohne Anzug auch gar nicht spannen. Schaut her.“
Er klappte das Visier runter, spannte den mächtigen Bogen und in zwanzig Meter Entfernung schoss ein Betonpfeiler aus dem Boden. Kaz ließ die Sehne los und der Pfeil schoss mit einem lauten „Twang“ los und krachte in den Pfeiler. Und blieb stecken, in Stahlbeton, ohne zu brechen. Krass.
„Und ich kann die Waffensysteme des Omega steuern, schaut her.“
Hinten rechts am Omega fuhr ein Turm mit einem langen merkwürdig geformten Lauf in die Höhe. Ein Geschützturm? Kaz bewegte den Kopf in alle Richtungen und der Turm machte die genau gleichen Bewegungen. Dann schoss in vierzig Meter ein weiterer Betonturm aus der Versenkung, Kaz warf einen Blick auf den Turm und dann wurde die Betonsäule förmlich zerfetzt. Heilige Scheiße, das ist doch ne waschechte Railgun! Und nicht genug, sie hörten ein leises Surren und dann flog ein Schwarm Minidrohnen hoch und kreiste sie ein. Jack sah sich die Drohnen genau an, sie waren echt winzig und machten ein Geräusch wie eine Mücke, er wettete das waren die Mosquitos, von denen er in den Foren gelesen hatte. Dann kamen vier kleine Dronen, die wie Nurflügler geformt waren und flogen um sie herum. Zwei mittelgroße schwarze Drohnen die nahezu lautlos waren und dann kam eine ziemlich dicke aggressiv geformte Drohne angeflogen und parkte vor ihnen in der Luft. Das war der helle Wahnsinn. Und dann auf Befehl verschwanden alle Drohnen wieder im Dach des Omega. Und der Turm fuhr wieder ein. Kaz klappte das Visier wieder hoch und kam auf sie zu.
„Der Anzug ist ein Unikat. Aber wenn ihr euch spezialisiert habt und erwachsen seid, bekommt ihr auch einen der zu euch passt. Versprochen. Kommt, ich zieh das Ding aus und dann packen wir aus, hier ist echt eine Menge versteckt.“
Warte Mal, wo war denn der Anhänger hergekommen, der plötzlich etwas entfernt neben dem Omega stand? Konnte der auch fahren? Muss er wohl, irgendwo musste er schließlich hergekommen sein. Und um sie herum fuhren überall große lange Betontische aus dem Boden. Nicht dass er das mit dem Anzug, der Railgun und den Drohnen und dem autonomen Panzer verdaut hatte, aber diese Betonpfeiler waren der totale Wahnsinn. Er war schon gespannt was da noch kommen würde, wenn sie mit dem ersten Beton-Parcour fertig waren.
„Wir machen den Anhänger zuerst. Der Omega ist gepackt wie er soll, aber ich zeig dir gleich was Jack, komm mal mit. Ihr Mädchen fangt schon mal an und packt die Sachen aus dem Anhänger auf die Tische um uns herum. Ich bin schon selber sehr gespannt.“
Jack folgte seinem Onkel zu dem Omega und blieb bei einer fetten Transportbox auf der rechten hinten Seite stehen. Kaz legte seine Hand auf eine matte Fläche und es klickte mehrfach, dann zog er die Transportbox an einem Schienensystem herunter, bis sie in der Waagerechte etwa auf Hüfthöhe verharrte. Jack trat näher an seinen Onkel heran, als dieser den dicken Deckel hochhob und die erste Etage des Inhaltes hochklappte. Jack starrte auf ein mattschwarzes Gewehr von Heckler und Koch. Nein er korrigierte sich, zwei Gewehre. Das untere hatte einen längeren Lauf, ein Zielfernrohr plus Zweibein, ein MR308 oder evtl. auch HK417, die sahen exakt gleich aus. Ne, war ein MR308, der Sicherungshebel hatte nur die Option auf Semi-Auto. Dann war das obere ein MR223, der zivilie Bruder des HK416. Dazu eine Beretta 92 mit Schalldämpfer und eine Colt M1911 mit Schalldämpfer. Schoss Kaz echt noch diesen Oldtimer? Dazu waren in der Box Reservemagazine für die Gewehre und Pistolen, Schalldämpfer, Griffe und Visiere. Ein Fahrbarer Waffensafe, der Knaller.
„Darf ich mal eins probieren?“ Fragte er hoffnungsvoll.
„Nö. Die sind für später. Erstmal werden wir campen und uns einrichten. Außerdem fangen wir klein an. In der dritten Woche lasse ich dich dann auch mal an ein AI AX50 rann. Na was sagst du?“
Ein schweres Scharfschützengewehr mit 12,7mm Munition. Das war doch mega illegal in Deutschland, aber die Idee war sehr verlockend.
„Ich schon einen Riesenstapel Clown Zielscheiben drucken lassen, und hier auf dem Gelände gibt es unzählige Möglichkeiten, auf Distanz zu schießen. Ist alles noch recht frisch, Anna kommt hier ab und an auch her, wenn sie Lara und Hal besuchen will.“
„Moment mal wer ist diese Anna und ist Lara auch eine KI?“
„Anna ist meine Freundin und hoffentlich bald Verlobte und Lara ist eine KI und Hals Freundin. Sie hat etwas entfernt von hier, auf der anderen Seite der Rennstrecke den Hang runter ihr kleines Versteck. So ähnlich wie das von Hal hier oben, nur etwas kleiner. Dort quartiert Anna dann auch ein, wenn sie mit ihrem Lada Schrotteimer hier runterkommt. Sie schießt nur auf 500m aufwärts und dafür gibt es hier Bahnen bis 3km Länge mit geschützten Schießpositionen.“
„Hast du ein Foto von dieser Anna?“ Jetzt war er doch neugierig.
„Klar, warte eine Sekunde. Hier.“
Kaz zeigte ihm sein Prism. Eine freundliche russisch aussehende Frau mit vollen hellblonden Haaren und warmen türkisen Augen. Sie trug sportliche Sachen und hatte eine Kamera mit mächtigem Objektiv im Schoss abgelegt.
Ja na klar, darüber hatte er gelesen als er die Kickstarter Seite zu dem tollen Brettspiel, das in Kaz Fantasy Welt spielt, gelesen. Ein ehemaliges deutsch-russisches Supermodel, das jetzt fotografierte und Brettspiele entwarf. Er hatte immer Lust gehabt, ihre Spiele auszuprobieren, aber er kannte niemanden der Brettspiele mit Begeisterung spielte.
„Die kenne ich, weißt du dass sie an einem Brettspiel zu deinen Büchern arbeitet?“
„Ja ich weiß, das ist eine Kooperation zwischen uns beiden und ich mache das Artwork und schreibe die Texte. Ich freu mich schon richtig. Wir planen eine normale Edition und die Special Edition mit handbemalten Figuren und Miniaturen aus Resin, vielleicht mal ich die dann auch selber.
Leider wohnt sie in Moskau und mag nicht so gerne nach Deutschland kommen, sie hat auch jemanden an die Clowns verloren und das macht sie richtig fertig. Sie ist eine sehr sanfte friedliebende Seele. Ich sehe deinen Blick. Ja man kann friedliebend sein und trotzdem auf Distanz mit Scharfschützengewehren schießen.
Aber sie traut sich nicht zu jagen. Sie ist sehr tierlieb und würde vermutlich selbst Scarlett knuddeln.“
„Hat sie denn nichts dagegen, dass Liz deine beste Freundin ist und … naja Amber hat da sowas erwähnt.“
Kaz lachte laut und die Mädchen die sich mit schweren Kisten abmühten sahen erstaunt herüber.
„Ne, Anna ist damit einverstanden mir Freilauf zu geben, zumindest solange bis wir heiraten. Hoffentlich bald.“
„Entschuldigung, wen hat sie denn an die Clowns verloren?“
„Nicht nur sie, ich auch. Markus, unseren gemeinsamen Sohn. Das war einer der Gründe für den Krach mit meinen Eltern. Danach brauchte ich einen Ortswechsel, auch wenn Liz darunter stark gelitten hat, die damals sehr an mir hing und mir einen Antrag machen wollte. Anna und Markus haben allein in einem Dorf in Bayern gewohnt und als er 9 war, hat ihn ein Transporter der Clowns plattgemacht, als er über die Straße wollte. Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit die Verantwortung zu übernehmen. Aber ich hab Anna und Markus regelmäßig besucht. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn der liebste Mensch auf der Welt aus deinen Händen gerissen wird. Und alles nur weil Annas großer Bruder, bei der Bundeswehr war. Sie hat sich damals auch heftig mit ihrer Familie gestritten und ist nach Russland ausgewandert. Das war einer der ersten Angriffe in Deutschland und das ist über zehn Jahre her.“
Jack war sichtlich betroffen. Kaz hatte einen Sohn gehabt und der war von den Clowns ermordet worden!
„Du musst nichts sagen, aber ich sehe, dass es dir nahe geht. Ich habe meine Eigene Art um mit dem Tot umzugehen, ich habe früh erlebt wie meine Großeltern gestorben sind und eine meiner besten Freundinnen hat Suizid begangen, während ich auf der anderen Seite der Welt war.
Nach dem Attentat brauchten ich und Anna ein bisschen Abstand und wir haben uns gegenseitig Vorwürfe gemacht, die nirgends hingeführt haben. Aber wir haben uns wieder versöhnt und ich möchte dass sie meine Frau wird. Aber sag ihr davon nichts und auch nicht Liz. Ihr muss ich es noch beichten, sie wird es vermutlich schwer treffen. Liz erinnert mich an Anna, dass macht es doppelt schwer für mich. Aber Anna ist trotz ihres Erfolgs als Modell und jetzt als Spielentwicklerin sehr bescheiden. Denk mal darüber nach, sie hat zwar auch genau einen Pelzmantel und genau eine Decke, aber da oben wird es im Winter auch schweinekalt. Liz hat absurde Mengen an Pelzen und hier in Deutschland, jedenfalls in Berlin wird es seit Jahren nicht mehr richtig kalt. Macht doch keinen Sinn. Außerdem ist Anna halbe Russin, da kann man das schon eher verstehen würde ich sagen. Leider hat Liz den Virus mit den Pelzen an Amber weitergegeben, also sieh zu dass du gut verdienst.“
Kaz grinste ihm zu und Jack starrte ihn verständnislos an. Der lachte wieder nur, dann flüsterte er.
„Ich sehe doch die Blicke, die du ihr zuwirfst. Du kannst ja kaum deinen Blick von ihr abwenden. Da tut mir die gute Yolanda echt Leid, da musst du dir etwas Passendes einfallen lassen. Übrigens ihr seid zwar beide minderjährig, aber mir macht es nichts aus, wenn ihr euch ausprobieren wollt.
Ich glaube sie mag dich auch sehr. Mensch ich und Anna waren auch um die sechzehn als es gezündet hat.“
Jack drehte sich nickend zu den Mädels um und dachte über das nachgedachte nach. Er hatte von seinem Onkel gewissermaßen ein Freifuhrschein bekommen, wenn es um den sexuellen Umgang mit seiner Tochter ging. Oje. Leider sah Amber auch in den einfachen Kleidungsstücken einfach nur hinreißend aus. Sie bemerkte seinen Blick und winkte ihm lächelnd zu. Er sah zu Kaz, der die Waffenbox wieder verstaute und ging dann zu den Mädchen, die den Kofferraum des Anhängers leerten. Er starrte auf die ganzen Taschen und Kisten, die auf dem Betontisch lagerten. Wie viel war da denn noch drin? Anscheinend eine verdammte Menge.
„Daddy, die Kisten dahinten sind zu schwer für mich, sorry.“
„Ach keine Sorge, darum kümmern wir uns, Jack keine Zeit um schöne Mädchen zu begutachten, jetzt wird erstmal angepackt. Die Kisten dahinten sind von Heckler und Koch und von Accuracy International, die sind schon etwas schwerer. Ihr könnt noch die drei Zelte auspacken und dann macht ihr ne Runde Pause.“
Kaz beugte sich in den niedrigen, beleuchteten Raum und zog mit etwas Ächzen eine der Kisten heraus und schob sie zu Jack, der sie mit etwas Mühe auf einen Tisch ablegte. Auf der Transportbox prangte das rote Logo von Accuracy International. Jack war nicht ganz bei der Sache. Es ging ihm einfach nicht aus dem Kopf, dass Kaz einen kleinen Sohn gehabt hatte, der jetzt so alt wie Akira wäre, die im August ja neunzehn wird. So eine dreckige Welt. Er fragte sich wie diese Anna wohl drauf war, auf den Bildern sah sie immer sehr nett und warmherzig aus. Wie es wohl für sie gewesen war ein Kind zu verlieren. Diese verdammten Clowns und diese Drecksäcke, die die Clowns deckten. Er dachte an Ungarn, die einfach mal gar keine Probleme mit den Clowns hatten. Tja, Linke Regierung und so, da läuft eine Menge falsch. Er war jetzt weiß Gott kein Nazi, er war nur mehr in der Mitte und fand beide Seiten Scheiße. Es fehlte einfach immer der Dialog zwischen beiden Seiten. Und alle waren mittlerweile so unfassbar politisch korrekt. Sahid hatte erzählt, dass er und andere politisch unkorrekte Künstler nur in der Uni und in alternativen winzigen Theatern und irgendwelchen Kellern auftreten konnten und selbst dann gingen die politisch korrekten auf die Barrikaden und veranstalten Proteste und verursachten die Veranstaltungen abzusagen. So viel zu freien Ideen. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung gab es in Deutschland leider nicht.
Zumindest das BIT war auf der Seite der Künstler und förderte diese. Und die Regierung drohte zwar mit der Kürzung der Gelder, aber das BIT wurde durch Spenden der größten Konzerne der Welt finanziert, die waren da nicht so in Zugzwang. Und das Gelände des BIT war wie eine Festung, wie er die paar Tage deutlich gemerkt hatte. Ach ja, Prism und Spectre versorgten die Bundesregierung mit Geräten und waren Partner des BIT. Da würde die Regierung doof gucken, wenn ihr Support eingestellt werden würde. Sie hatten das beim Familientreffen und auch gestern beim Abend gestern besprochen und Kaz meinte, das wäre ganz schlimm in den USA gewesen, als er in ihrem Alter war. Und jetzt hatte dieser Virus der „Cancel Culture“ Die ganze westliche Welt zerfressen. Einfach nur schrecklich. Und Konservative und Angehörige von Soldaten wurden Ziel der Clowns, das schrie doch nur nach Wahnsinn. Und die EU verfasste ein schwachsinnigeres Gesetz nach dem anderen.
Da tat es einfach nur gut Kisten mit in Deutschland völlig illegalen Waffen und dicken Scharfschützengewehren auszuladen. Fick dich Deutschland. Ob er wirklich zum KSK gehen sollte? Er dachte an die Firmen, die das BIT unterstützten. Er hatte ein bisschen recherchiert. Lambda baute VTOL Flugzeuge, Omega baute sichere Autos und Radpanzer, Theta Lastwagen und Nutzmaschinen. Prism stellte teure aber auch extrem robuste und sicherere Smartphones her. Prisms waren Diensttelefone von Politikern in zahlreichen Ländern. Spectre war ähnlich wie Prism nur in Bezug auf Laptops und PCs. Nox versorgte Schulen, Unis und Armeen mit Essen, Ausrüstung und Kleidung, weltweit. Nox, Prism, Spectr und Horizon hatten die Eier in der Hose um über die Weltweiten Attentate der Clowns zu berichtet, auch wenn sie dafür viel Kritik von den Linken Spinnern erhielten. Er wusste das sein Onkel Johnny Kameras anbringen hatte lassen, nachdem sein Defender in der Einfahrt vandalisiert und vollgesprüht worden war. Moment mal, wie hatte es Kaz eigentlich geschafft ins Haus einzudringen und ihre Geheimverstecke zu plündern.
„Hey Kaz, wie bist du trotz Kameras eigentlich ins Haus gekommen und wusstest wo wir unsere Geheimnisse versteckt haben?“
„Ich hab überall im Haus Kameras und Mikrofone versteckt, damit ich euch immer im Blick habe. Geht knallhart gegen Datenschutzvorschriften aber so konnte ich auf der anderen Seite der Welt bei euren Geburtstagen und Weihnachten dabei sein. Ach übrigens Akira hör auf unter der Dusche zu singen, du triffst kaum einen Ton! Ist wie Katzenmusik.“
Akira ließ eine Tasche fallen und errötete fürchterlich. Jack lief auch rot an, er dachte an den Sex mit Yolanda in seinem Zimmer, der war auch alles andere als gut gewesen.
„Jack, bei sowas blenden die Mikrofone ab, ich hab also nichts gehört und der Winkel der Kamera ist auch ein anderer. Jedenfalls hab ich euch beobachtet wie ihr eurem Diebeswerk nachgehen könnt.
Und Hal hat euch häufiger Mal mit einer Drohne beobachtet, wenn ihr Draußen wart. Oder wenn Akira irgendwo eingebrochen ist. Hat der Lieben ein paar Mal den Hals gerettet, weil er den stillen Alarm zur Polizei unterbrochen hat. Nicht das meine liebe Nichte noch im Knast landet. Und das reinkommen war easy. Ich bin über den Geheimgang rein als meine Geschwister und Eltern nicht da waren. Und ihr wart ja bei eurem Kurs in der Schule. Albert auszutricksen ist jetzt auch keine Kunst, der alte Sack war noch nie der schnellste oder der hellste.“
„Wenn du uns so ausgetrickst hast weißt du bestimmt auch, wer mein Vater ist oder?“
„Japp ein unwürdiger Gauner, der außer ein paar guten Genen nichts Positives vorzuweisen hat. Total auf Risiko und Leichtsinn gepolt, ist vor sieben Jahren bei einer Überdosis Hops gegangen. Hab vergessen wie der Vogel hieß, aber den hättest du nicht vermisst, glaub mir. Eine absolut unwürdige Vaterfigur. Deine Mutter hatte bei ihrem Job zwar nie so viel Zeit, aber sie liebt euch aus ganzem Herzen, auch wenn sie den Hang zum Theatralischen von ihrer Mutter geerbt hat.“
Wie locker Kaz darüber sprach, wenn Leute starben. Das verstand Jack nicht so richtig.
„So ist die Kiste leer? Ah wunderbar, fabelhaft wie viel Zeugs da reinpasst. Jetzt müsst ihr mir aber nochmal beim Zelt helfen.“
Und eine halbe Stunde stand ein riesig großes langes Zelt über ihren Köpfen und den Tischen mit der Ausrüstung. Das Material hatte außen ein Flecktarn Muster. Jedenfalls hatte sich der Panzer jetzt seinen Anhänger geschnappt und war davon gezockelt während sie in Ruhe die ganzen Kisten und Taschen auspackten.
„So, hier ist die Kiste mit den Feldrationen, vor denen graut es mir um ehrlich zu sein. Und das sind die von Nox, die sind schon mal viel hochwertiger eingepackt und schmecken bestimmt auch besser.
Ich erinnere mich an eine Situation, wo ich monatelang auf das Zeugs angewiesen war. Bah, war das widerwärtig. Und das ich mir in der Zwischenzeit den Arsch abgefroren hab, half dabei echt nicht.“
Jack wechselte erstaunte Blicke mit Akira, von was redete ihr Onkel da denn bitte? Der machte doch nur komische Videos in Texas und schrieb Bücher.
„Noch ein Geheimnis. Der Großteil der Videos auf meinem Chanel ist von Hal und er hat meine Stimme mit Deepfake perfekt nachgeahmt. So konnte ich mich in Ruhe auf meine Bücher konzentrieren … und andere Sachen, die euch nicht verrate … noch nicht. Jedenfalls, hab ich meist eine Woche aufgenommen und das hat dann für drei bis vier Monate Videos gereicht. War ein sehr entspanntes Leben und ich hatte viel Zeit zum Reisen. Nach Russland zum Beispiel. Ich glaube Anna und Lara haben es ähnlich gehandhabt, nur mit Photos.
Soll ich euch mal richtig schocken? Prism wird von einer KI geleitet, Spectre auch und zwar von Lara, Nox auch und ein paar weitere Konzerne auch. Alle sind ein gewisses Risiko eingegangen, aber es hat sich ausgezahlt. Anna hat Lara übrigens selbst geschrieben. Die gute ist mir in mehrerlei Hinsicht sehr ähnlich und ich vermisse sie doch sehr.“
Das klang nach ziemlichem Quark, aber Jack dachte an Hal, die Basis, den kranken Panzer, der da hinten gerade um die Ecke abbog. Die Chancen waren also nicht gering, dass das so stimmte, auch wenn es bisweilen echt haarsträubend wäre. Kaz machte einfach mit dem auspacken weiter.
„Ich war auch zwischenzeitlich bei Globetrotter, von daher haben wir ein paar Sachen bestimmt doppelt. Ich weiß leider nicht, ob euch die Jacken, Schlafsäcke und Rucksäcke passen. Zur Not bestellen wir noch was bei Nox nach, die haben einen schnellen internationalen Drohnenversand. Wir haben ja mittlerweile eure Größen. Mir wurde gesagt, dass eure Sachen für die Beerdigung pünktlich geliefert werden. Und zwar am Freitag, unserem letzten Tag hier. Aber bis dahin machen wir uns eine schöne Zeit. Jedenfalls holt mal eure Taschen, wir räumen jetzt um. Jetzt ist eine kleine Wanderung angesagt und wir suchen uns eine schöne Stelle wo wir campen können. Es ist Anfang April, also ist es noch echt frisch draußen. Aber der Wetterbericht sagt schöne Wochen bei angenehmen Temperaturen voraus, wir haben echt Glück. Auch wenn ich euch mal gerne sehen wollte, wie ihr eure Zelte im Regen in einer Stresssituation aufbaut. Das machen wir dann einfach nochmal im Sommer, wenn ihr offiziell Ferien habt. Sowie in den Herbst und den Winter Ferien, wenn ihr Lust habt.“
Wow, dann würden sie das öfter machen? Schoss es Jack durch den Kopf.
„Die Taschen liegen in der Halle schon bereit. Amber, lass deine Decke bitte im Wagen! Es ist zwar kühl hier draußen, gerade nachts, aber du musst auch mal lernen ohne diesen Luxus klarzukommen. Ok? Und bitte nicht weinen Liebes.“
Jack beobachtete wie sich Amber trotzig eine Träne wegwischte. Es ging doch um die Pelzdecke? Doch so versessen darauf? Oh, man die waren doch niemals billig. Wenn er mit ihr zusammen war würde sie sowas bestimmt als Geschenk erwarten oder nicht? Hoffentlich nicht. Er würde Kaz bei Gelegenheit fragen, was der Spaß kostete. Kaz hatte zwei Freundinnen, die dieses Luxusmaterial mochten, er oder Hal hatten die Preise bestimmt auf Abruf.
Er, Akira und Amber holten ihre Sachen und packten sie in die Rucksäcke um, die wirklich nagelneu waren. Ganz schönes Gewicht, was er auf dem Rücken trug. Aber Kaz war behängt wie ein Weihnachtsbaum nur ohne die Lichterketten. Sie bekamen alle noch Wanderstöcke. Jack half Amber ihre richtig einzustellen. Hatte sie echt noch nie in der Wildnis gecampt? Sie war doch immerhin in Montana aufgewachsen … komisch. Die kleine sah aus, als würde sie sich unwohl fühlen. Sie tat ihm leid. Einer spontanen Eingebung folgend umarmte er sie und sie drückte ihn ebenfalls fest an sich.
Irgendwas war zwischen ihnen beiden, das spürte er. Und es schien sehr viel stärker zu sein, als zwischen ihm und Yolanda, wie er einräumen musste.
„Kommt schon ihr Turteltäubchen, ihr könnt im Zelt knutschen!“ Kam es bissig von Akira.
Verlegen löste sich Jack wieder von Amber, Kaz schüttelte nur grinsend den Kopf.
Vollgepackt mit Zelten, Isomatten, Schlafsäcken, Kocher und Verpflegung und Wasser für drei Tage marschierten sie los in den Wald, während die Betontische samt Inhalt hinter ihnen im Boden versanken. Das war schon alles echt abgefahren.
Kaz führte sie ohne rechtes Muster recht chaotisch durch den Wald. Das Gelände war interessant, viel Platz für Unternehmungen und Jack sah überall vorbereitete Stellungen für diverse Manöver.
Kletterparcours zwischen den Ästen, mal mit mal ohne Sicherung. Seilbahnen. Schießstände, kleine betonierte Plätze und so weiter. Das Gelände war recht steinig und abschüssig. Sie querten ein Tal mit einem kleinen See und etwa sechs Meter hohen Wasserfall an einer Seite. Das Wasser war bestimmt mörderisch kalt um die Jahreszeit. Nach ein paar Stunden deutete Kaz auf eine kleine Lichtung mit weichen bemoosten Waldboden. Hier packten sie aus und Jack zeigte Amber wie man ein Zelt auspackte und ausbaute. Auch wenn er selbst erstmal zehn Minuten die nicht ganz einfache Anleitung von Nox studierte. Aber das aufgebaute Zelt war der Knaller, schön groß und für drei. Akira passte hier auch noch bequem rein. Wo war sie eigentlich? Er kletterte aus dem Zelt und sah sich um. Er bemerkte wie Akira ihr Einzelzelt auf der anderen Seite der Lichtung aufbaute, was war denn mit der? Ein paar Meter von ihrem Zelt entfernt spannte Kaz eine Hängematte zwischen zwei dicken Bäumen auf, so ging es natürlich auch. Aber was war denn mit Akira. Kaz kam an sie ran und zwinkerte ihnen zu.
„Sie ist schwer beleidigt, weil ich ihr gesagt habe sie sollte doch alleine schlafen, weil sie schnarcht. Das hat sie sich schwer zu Herzen genommen, sie ist ähnlich schnell beleidigt wie meine liebe Mutter. Aber macht nur mal wie ihr wollt. Ich schlafe am liebsten ohne Zelt, außer es ist wirklich Schweinekalt wie Meinerzeit unten in Nova.“
Nova, die „Hauptstadt“ der Antarktis. Was wollte Kaz denn dort, da gab es doch fast nichts? Jack zuckte mit den Schultern, er war sich gar nicht mal so sicher ob er es wissen wollte, es schwirrte ihm immer noch der Kopf von all den Neuigkeiten.
„Liz Familie hat sich in Nova angesiedelt. Seit dieser Eisklotz aufgetaut ist, wachsen dort komische Sachen und merkwürdige Tiere sind aufgetaucht, das ist natürlich schwer interessant für eine Forscherfamilie, sie haben sich ihre Sachen geschnappt, ihren Forschungskahn beladen und sind losgeschippert. Wenn du ab und zu ein Magazin, wie die Zeit Wissen oder GEO, die ich seit über zwanzig Jahren abonniert habe, aufschlagen würdest wüsstest du das. Das Engström Haus in Potsdam wurde zu einem Museum umgebaut. Diese Spinner haben gewisse Berühmtheit erlangt. Aber ich schweife wieder ab, Ich würde vorschlagen, vor dem Abendessen gehen wir noch eine Runde schwimmen, was meint ihr?“
Jack, Amber und Akira, die nicht mehr schmollte, sahen sich verunsichert an. Sie hatten gar nicht an Schwimmsachen gedacht. Da hörten sie das Summen einer Drohne über ihren Köpfen und eine Paketdrohne senkte sich auf die Lichtung und warf ein Paket ab, dann düste sie wieder davon.
Ein Paket von Nox! Das waren doch nicht etwa die Anzüge, so schnell ging das doch niemals.
„Sir Henry hat Gefallen an euch gefunden und ihr bekommt jetzt nach und nach ein Komplettpaket zugeschickt. Das da sind Badesachen für euch drei, ich hab meine Badehose schon an. Die Sachen sind übrigens smart, also koppelbar an die Smartphones von Prism und Computer von Spectre.
Die checken eure vitalen Werte und eure Temperatur wenn ihr taucht und haben GPS und so Zeugs. Sehr praktisch. Nass- und Trockentauchanzüge sind für euch reserviert, wenn wir mal tauchen gehen, ich hoffe ihr habt keine Angst vor Wasser und großen Fischen. So, wer macht die Kiste auf? Ihr habt jetzt alle ein Survivalmesser. Und keine Angst vor dem Wasser, das beißt nicht, wenn was sein soll, bin ich jederzeit bei euch.“
Etwas unsicher öffnete Jack die Kiste und holte drei mit ihren Vornamen beschriftete Päckchen hervor. Er öffnete seins und holte eine Badehose und eine Art Bauchgurt mit Platz für ein Prism heraus, dazu ein Großes Badetuch und ein kleineres Handtuch. Alles in schwarz. Cool. Die Mädchen hatten schicke Badeanzüge, die sie sogleich hinter den Zelten anzogen. Kaz in Badehose führte sie zu einem kleinen See, der fünf Minuten entfernt lag. Er sprang mit Anlauf einfach rein und winkte ihnen zu. Das Wasser war doch bestimmt mega kalt, ihr Onkel war doch einfach nur wahnsinnig. Probeweise stieg Jack bis zu den Knien rein und war geschockt. Das Wasser war ja richtig warm!
„Hals Rechenzentrum wird mit Wasser gekühlt und der Fuchs macht sich die ganzen Wasserströme zu Nutze die hier fließen, das dürften hier so an die dreißig Grad Wassertemperatur sein. Das ist der Warme See, der andere mit dem Wasserfall ist zwar auch beheizt, liegt aber eher bei zwanzig grad, damit man sich in der Sommerhitze erfrischen kann. Na kommt, steht da nicht rum sondern kommt mit rein. Ihr könnt auch ein paar Züge schwimmen und Tauchen, der See ist aber ziemlich flach.“
Akira streckte erst misstrauisch nur eine lackierte Zehe ins Wasser und sprang dann mit einem Hechtsprung ins Wasser, Amber folgte sofort. Sie plantschten, tauchten und schwammen bis kurz vor Sonnenuntergang, dann rubbelten sie sich mit den flauschigen Handtüchern ab und gingen zurück zu den Zelten. Den Platz hatte er wohl öfter schon benutzt, denn in der Mitte war eine alte mit Steinen umkreiste Feuerstelle. Kaz zeigte ihnen, wie man mit einem Flintstein ein prasselndes Feuer startete. Für Akira und ihn war das nichts neues, auch wenn ihre Eltern meist eher Feuerzeuge verwendeten, die typischerweise immer dann alle waren, wenn man sie brauchte. Akira war sehr angenervt von Johnnys immer leerem Zippo. Amber staunte nicht schlecht bei dem, was ihr Vater da machte. Aus dem Nichts zauberte Kaz eine aufgerollte Wäscheleine hervor und sie hingen ihre feuchten Handtücher auf.
Heute Abend wurde gegrillt, morgen ging es dann endgültig los mit den Feldrationen. Die Frage wo denn die Grillsachen herkämen hatte sich schnell erledigt, als Kaz die Tür eines als Stein getarnten Kühlschranks öffnete. Und Ein Rost über dem Feuer aufstellte, das er hier auch hier irgendwie versteckt hatte. Zum Trinken gab es kalte Limo für die Mädels und für ihn und Kaz gekühlte Cola.
In der Abenddämmerung auf Stühlen machten sie sich über knackige Bratwürstchen, saftiges Fleisch und gefüllte Baguettes her. Gefolgt von Eiscreme. So musste Camping sein!
Später in Zelt lagen sie in ihren warmen Schlafsäcken und sahen sich an. Jetzt waren er und Amber wirklich ganz für sich. Er rückte seinen Schlafsack an ihren heran und sie waren sich jetzt ganz nahe.
Sie wirkte positiv gespannt und neugierig.
„Ich mag dich wirklich sehr, Amber.“
„Ich dich auch“
Und sie küsste ihn sanft auf dem Mund.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 16

16. Jack – 1.W.Arpil 2045 – später Abend

Jack sah aus dem Fenster und trank einen Schluck aus einer gekühlten Cola Dose, das prickelte schön. Er schien sich seine Liebe zu diesem Getränk mit seinem durchgeknallten Onkel zu teilen. Das war irgendwie cool, auch wenn es etwas total Banales war. Der Sitz war extrem bequem. Er hatte irgendwie das Gefühl, dass sie bald da waren. Wer wohl dieser Hal sein würde? Er war sehr gespannt, Kaz schien sehr interessante Freunde zu haben. Amber guckte sich irgendeinen Film an und Akira hörte Musik und döste vor sich hin. Er fand es aufregend jetzt die nächsten Wochen mit Amber zu verbringen. Er fand sie sehr anziehend, nicht nur äußerlich. Yolanda hatte er fast schon wieder vergessen, auch wenn er sich dafür schämte. Er warf einen Blick zu Kaz, der ihn bemerkte und ihn breit angrinste. Draußen war es schon dunkel. Sie waren schon seit einer Weile auf Landstraßen unterwegs. Plötzlich wurde der Wagen langsamer und Kaz setzte den linken Blinker. Der schwere Wagen bog ab. Wo waren sie hier denn eigentlich. Kaz schaltete das Licht ab und drückte ein paar Knöpfe auf dem Kontrollpanel. Dann nahm er die Hände vom Lenkrad und streckte sich, dann lehnte sich zurück – Hände nicht am Lenkrad. Bitte was? Der Wagen fuhr autonom? Das war ja der absolute Knaller. Kaz klopfte Amber gegen das Knie und sie beugte sich ohne vom Bildschirm wegzugucken vor und reichte ihm auch eine gekühlte Cola Dose.
„Cheers Jack.“ Sie stoßen an.
„Sag mal Onkel, wie viel hat dieser Wagen gekostet? Das ist doch das neuste Modell.“
„Mehr als ein Leopard 2 Kampfpanzer“ Kaz zwinkerte ihn an. Verarschte er ihn? Gute Frage. Zumindest fuhren sie autonom, völlig lautlos und ohne Licht.
„Wer ist dieser Hal?“
„Ein guter Freund von mir, wir sind durch dick und dünn gegangen. Er ist wahrscheinlich der beste Hacker der Welt und lebt quasi im Untergrund. Er hat sich eine Menge Feinde gemacht und will nicht gefunden werden. Ich und Hal haben übrigens HALOS entwickelt.“
Jacks Kinnlade klappte herunter. Sein Onkel hatte das schnellste und sicherste Betriebssystem der Welt geschrieben? Das war doch totaler Mist, Emma hatte immer erzählt, dass ihr Bruder sein Abi im zweiten Anlauf nur mit ach und Krach geschafft hatte und sich im Studium quasi auch nur bis zum Master hochgestorben hatte. So einer hatte doch niemals etwas so weltbewegendes erschaffen wie das. Apropos, wenn ein Hacker ein Betriebssystem schrieb hieß das doch bestimmt, dass er sich ne Hintertür eingebaut hatte. Er dachte mit Entsetzen daran, dass mittlerweile auch die meisten Banken, Krankenhäuser und Flughäfen auf HALOS setzten. Das wäre doch mega gefährlich.
Er wollte einfach nicht daran glauben, was Kaz da erzählte.
   Sie fuhren durch wenigstens zwei Dörfer, wo vereinzelt Licht brannte und eine Katze miaute oder ein Hund bellte und dann in einen Wald. Das sah er nur, weil die Scheinwerfer ganz schwach aufgeflammt waren, warum auch immer. Der Wald wollte nicht enden, dann flammten die Scheinwerfer plötzlich volles Rohr auf und sie fuhren auf ein verfallenes Fabrikgelände. Er sah eine riesige bestimmt fünfzehn Meter hohe Backsteinhalle mit zerbrochenen Fenstern und offenen Türen und Toren. Dazu flachere Nebengebäude und so etwas was wie ein paar Garagen und Werkstätten aussah. Der Wagen fuhr in die große Halle die drinnen vollkommen leer war. Und hielt an.
„Und jetzt sind wir da. Wir sagen erstmal Hal Bescheid und dann packen wir aus.“
Was sollte denn der Scheiß. Warum waren sie am Arsch der Welt auf einer aufgegebenen Fabrik mitten im Nirgendwo. Irgendwie hatte er ein ganz mieses Gefühl.
„Ich weiß was du denkst, aber gerade das ist der Clou. Eine alte Ruine am Arsch der Welt in einem Wald, das perfekte Versteck wenn du mich fragst. Und das ist der Sinn. Bist du mit dem Begriff des Schläfers vertraut? Komm mit ich zeig es dir.“
Wenig beruhigt stieg Jack aus dem Wagen. Jetzt flammten rund um das Dach des Omegas LED Lichter auf, coole Sache. Akira wirkte auch etwas verängstigt, Amber zur Abwechslung auch mal. Kaz führte sie mit einer Taschenlampe bewaffnet zu einer Stelle mitten im Raum.
„Hal, Sesam öffne dich.“
Rief Kaz laut in die Halle. Ja toll man, was war das denn?
Ok ich nehme es zurück. Denn plötzlich bewegte sich der Boden vor ihnen und breite Stufen aus Beton senkten sich in die Tiefe und gaben Blick auf eine Aufzugtür frei. Wow, wie in einem James Bond Film. Kaz führte sie herab und tippte auf einem Zahlenfeld ein paar Nummern ein.
„Die Kombination ist die Zahl Pi, zumindest die ersten sieben Stellen und die drei am Anfang nicht zu vergessen.“
   Der Aufzug ging auf und war drinnen hell beleuchtet. Es gab nur zwei Tasten, oben und unten.
Kaz drückte den unteren Knopf, die Türen schlossen sich und sie sausten nach unten.
   Der Fahrstuhl hielt an und öffnete in einen großen hellen, weißgestrichenen Gang mit einer Stahltür am anderen Ende. Oh man und neben der Tür war an der Decke ein Geschützturm mit einer Minigun. In was waren sie denn bitte hineingestolpert? Als sie am Ende Ankamen tippte Kaz wieder etwas ein und sagte es wäre wieder Fibonacci. Dann gingen sie durch die ziemlich fette Panzertür und standen in einem großen Raum, der augenscheinlich die Kommandozentrale war. Auch hier war alles Weiß. Er füllte sich an den ersten Half Life Teil erinnert, von dem er nur das Remake gespielt hatte.
„So, ich zeig euch kurz alles was ihr fürs erste Sehen müsst und dann besuchen wir Hal.“
Er zeigte ihnen einen Schlafraum mit drei Hochbetten, der aussah wie die Wohnkabine in einem Raumschiff. Dann eine gut ausgestattete Küche mit Tisch für fünf und ein fast schon luxuriöses Bad.
Und eine riesige Vorratskammer. An der Tür mit der Aufschrift „Waffenkammer“ gingen sie leider vorbei, wie auch an vielen anderen Türen. Dann blieb Kaz vor einer Stahltür stehen, deren Türcode er ihnen nicht sagte, weil es ein Retinascan war. Krasse Sache. Sie gingen einen langen Gang entlang und Jack hörte das Gluckern von Wassern hinter den Wänden. Dann eine weitere Tür und sie standen in einem hochmodernen Rechenzentrum mit Reihen von brummenden Serverschränken. An den Seiten der Schränke stand groß HAL. Was war das denn jetzt? Kaz drehte sich mit einem Triumphierenden Grinsen zu ihnen um.
„Ihr steht mitten in Hals Gehirn. Mein Freund und Partner ist nämlich eine KI. Wisst ihr ich konnte Programmieren bevor ich Schreiben gelernt habe. Irgendwie habe ich eine Veranlagung dafür, auch wenn ich niemanden je meine Skills gezeigt habe. Ich habe als Jugendlicher Medien zum Thema KI verschlungen und wollte unbedingt selbst eine schreiben, aber eine echte, die Fühlt, Spricht, Denkt und nicht die Welt zerstören will. Und das habe ich getan und es hat eine Weile gedauert. Ich hab ihn Spaßeshalber Hal genannt und via Deepfake Technologie habe ich ihm die deutsche Synchronstimme von Kevin Spacey gegeben, meinem Lieblingssprecher, der leider viel zu wenige Hörbücher eingesprochen hat. Hal sag doch mal Hallo.“
„Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren, es freut mich nun endlich ihre Bekanntschaft zu machen, Kaz hat mir schon so viel von Ihnen erzählt. Und alles was sie gehört haben stimmt. Und ich finde den Gedanken einfach so langweilig, dass KIs automatisch immer die Menschheit vernichten wollen. Wo liegt da der Spaß, das geht doch auch viel zu schnell. Nein, ich und meine KI Freunde wollen den Menschen helfen, eine bessere Welt zu schaffen und wir sind bisher leider nur so semi erfolgreich. Aber Immerhin haben wir Korea vereinigt, haben Putin entsorgt und China zur Demokratie quasi gezwungen. Ich zwar nicht persönlich, aber ich habe mitgeholfen. Derweil habe ich mir dieses Haus gebaut und HALOS entwickelt, was zu meiner Freude das mittlerweile drittmeistverbreitete Betriebssystem auf der Welt ist und nein ich habe keine Hintertür, das erscheint mir dann doch sehr unfair. Aber die Damen Lara und Mulan können die Barriere des OS zu meinem Missfallen locker knacken.“
Die Stimme war volltönend und Jack musste sich auf den Boden setzen um nicht umzukippen. Das war der merkwürdigste Tag seines Lebens. Er kniff sich in den Arm und es tat zu seinem Entsetzen weh. Kaz strahlte sie in die Runde.
„Komm macht bloß nicht schlapp“, Er sah auf seine Uhr, „Heute schlafen wir hier unten, Hal stell den Omega bitte auf Defensiv. Jetzt lasst uns wieder in die Zentrale gehen, ich muss eure Eltern anrufen bevor sie mir die Armee auf den Hals hetzen.“
Wie in Trance standen sie auf und folgten Kaz. Jack wechselte Blicke mit den anderen, die genauso geschockt waren wie er. In der Haupthalle trat ihr Onkel an den riesigen Tisch, dessen Oberfläche bestimmt ein Touchbildschirm wie bei James Bond war, und holte ein nagelneues Prism aus einer Schublade. Er wählte und hielt sich den Hörer ans Ohr.
„Ja Hallo Emma, ich bin‘s. Nein ich bin nicht tot und wurde auch nicht von den Clowns entführt. Ich habe lediglich meinen Omega aus Polen abgeholt und eine kleine Spritztour durch Osteuropa gemacht … Nein ich verarsch euch nicht. Das neue Flaggschiff von Omega. Ich zeig ihn euch, wenn ich wieder da bin. Damit können mich die Clowns kreuzweise, die haben momentan nichts in ihrem Arsenal was mir auch nur den Lack ankratzt. Nein, das ist mein voller Ernst. Nein ich sag nicht wie viel der gekostet hat und ja auch dein Versager-Bruder ist zu Geld gekommen, auch wenn ihr mir das nicht zutraut. Nein ich hab keine Bank ausgeraubt. Übrigens sind die Kids bei mir, falls ihr die sucht. … Oh man, wie laut willst du denn noch in den Hörer brüllen. Seit doch froh dass sie ein bisschen frische Luft bekommen, ihr sperrt die doch ein. Komm mir nicht mit Sicherheit. Ihr wohnt in einem tausend Jahre alten windschiefen Haus, das vor dem ersten Weltkrieg gebaut worden ist. Ihr habt oben immer noch die originalen Einglasfenster auf dem Dachboden. Und die Wände sind praktisch aus Pappe. Das nenne ich nicht gerade sicher. Ach verarscht mich nicht, ich weiß das da Security und Kameras sind. Ich könnte da trotzdem einsteigen ohne dass ihr mich seht. Ihr habt ja noch nicht mal bemerkt wie ich heute ein starkes Schlafmittel in euer Mittagessen gemischt habe, Haha, das war ein Spaß. Keine Sorge, ist völlig harmlos. Komm halt die Klappe Zicke, ich geb dir mal deinen Großen, hier bitte Jack.“
Jack hatte völlig faszinierend zugehört und ergriff das Prism, das Kaz im reichte.
„Hallo Mama, ich bin‘s.“
Sie war heftig am Schluchzen und sehr wütend
„Oh mein Gott, du lebst. Wir haben schon das schlimmste Befürchtet, als du und Akira nicht mehr da wart und wir euch nirgends mehr finden konnten. Verdammt warum musstet ihr uns so schocken. Dieses verdammte Arschloch Kaz. Das ist doch das aller letzte. Wir, das heißt deine Großeltern, ich, dein nicht wahnsinniger Onkel und Liz, sind völlig in Sorge um euch drei. Kaz wird dafür bezahlen, er ist zu weit gegangen, viel zu weit. Er hat uns betäubt und euch einfach entführt, unfassbar. Aber keine Sorge, wir holen euch da raus und zwar sofort, wo seit ihr denn? Bitte sag doch was. Hörst du mich überhaupt. Hallo, verdammt nochmal antworte mir!“
„Mama, halt doch mal die Luft an! Mir geht es gut ich bin in Sicherheit bei Kaz. Und er ist ganz und gar nicht verrückt. Und du kannst mich mal, warum soll ich denn zu euch zurück in diese Bruchbude wo du mich für den restlichen Monat über einsperren wirst. Verdammt nochmal Mama, ich will zum KSK und böse Jungs abknallen. Ich hab das Training durch die Verletzungen schon total vernachlässigt und ihr lasst mich ja nicht. Hey, hör mir doch mal richtig zu. Ich will nicht zu euch zurück, jedenfalls nicht jetzt, wir sind pünktlich für Schule und Beerdigung wieder da, versprochen. Man hör‘ doch einfach mal auf zu heulen. Wo ist die knallharte Geschäftsfrau, die nie da war während ich und Ryan aufgewachsen sind. Denk doch mal daran, bevor du mir Vorwürfe machst. Man, aufhören, nicht noch mehr heulen. Zudem hat er uns lediglich angerufen und gefragt, ob wir mit ihm und Amber ein paar Wochen campen gehen wollen. Ja ehrlich, mehr war‘s nicht. Und wir sind freiwillig gegangen und er hat uns nicht entführt, wie kommst du auf diesen haarsträubenden Unsinn? Komm ich geb dir wieder Kaz. Hab dich lieb Mama, auch wenn dein Verhalten grad echt ziemlich mies ist. Tschüss.“
Grinsend reichte er das Handy wieder an Kaz zurück.
„Na siehst du, alles ist in bester Ordnung. Wir machen in Ruhe Urlaub und ihr könnt euch auf eure lächerlich stressigen Jobs konzentrieren. Ich hab nie kapiert warum ihr euch das antut. Komm schon Schwesterherz, ist doch jetzt alles besprochen. Nein wir bleiben und genießen unsere Ferien. Wir sind pünktlich zur Beerdigung wieder da. Are you fucking kidding me? Euch will ich sehen wir ihr uns aufspürt. Mädchen, du bist eine IT-Flachpfeife und warst es schon immer. Ja genau, orte mal ein Prism STEALTH, viel Spaß beim Versuchen. Horizon hin oder her, was zum Fick soll das denn? Willst du mich abknallen, weil ich die kleinen zum campen mitnehme. Nein hier sind weit und breit keine Clowns und wenn ich sie sehe knall ich sie ab. Accuracy International hat mir ein Willkommen zurück Paket geschnürt. Ja ich weiß, dass du keinen Plan hast was das ist, aber dein Sohn hat gerade leuchtende Augen bekommen. Wenn er brav ist, darf er auch mal ran. Hey Zicke, klar hab ich Waffen dabei. Ich bin doch nicht bescheuert. Ach ist doch Egal was mit der Polizei ist, die schnallen das eh nicht. Nein, die sind nicht zu jung für sowas. Und dein Sohn will zum KSK nach der Schule, da macht es sich doch gut wenn er schon mal ein bisschen üben kann. Ok, du weinerliche Zicke, geh dich bei deinem anderen Bruder ausheulen. Du gehst mir auf den Keks! Bis in drei Wochen, Tschüss.
Kaz legte das Handy auf den Tisch und schob es Akira zu.
„Oh man, wie ich diese Tante all die Jahre in den USA nicht vermisst habe. Die ist ja noch schlimmer geworden, als ich es in Erinnerung hatte. Akira, ruf deinen Vater an oder hinterleg die Sprachnachricht. Ich brutzel uns in der Zwischenzeit etwas und mach die Betten fertig.“
Akira starrte unsicher auf das Handy, dann ergriff sie es und tippte die Nummer ein.
„Hey Papa, ich bin’s, Akira und ich lebe, mir geht’s gut und ich wurde nicht entführt. Kaz hat uns zum Campen eingeladen. Sorry dass wir uns heimlich rausgeschlichen haben, tut mir echt so leid. Das mit dem Schlafmittel wusste ich nicht. Nein ich hab alles und mir geht es wirklich gut. Ja wir kommen pünktlich zur Beerdigung wieder zurück. Und wir sind wirklich in Sicherheit, da vertraue ich meinem Onkel voll. Der ist gar nicht durchgeknallt wie ihr immer behauptet und er fährt den neuen Omega also ist er bestimmt auch kein Versager. Ok. Danke sehr. Hab dich auch lieb. Tschüss.“
Sie starrte irritiert auf das Handy und dann in die Runde, sie grinste.
„Geht doch. Mit dir will ich echt nicht tauschen, Jack.“
Kaz kam aus der Küche und starrte Akira ungläubig an.
„Verarsch mich nicht, wenn ich das nur gewusst hätte … Naja, ich brauche mal eure genauen Körpermaße. Hal erklärt wie und wo ihr das hier machen könnt. Ich hab mich dazu entschlossen, dass ich euch maßgefertigte Anzüge von Nox spendiere, für die Beerdigung und generell auch so. Die sind immer ziemlich fix. Und Uhren von Omega, weil ihr es seid, aber gescheite. Es gibt in einer Stunde oder so eine vegetarische Lasagne, die kriege ich gerade noch so hin, Zutaten sind alle da und recht frisch. Und Hal war einkaufen und hat Panacotta mit Waldbeerensoße gekauft, auch von Nox, die gibt’s zum Nachtisch. Und für die nächsten Wochen gibt es jeden Sonntagabend Eiscreme. Hal hat das Vollsortiment Häagen Dazs gekauft, aber ich hab es sicher vor euch versteckt. Beim Essen erzähl ich euch den Plan für Morgen.“
Wow, das war echt eine Menge Input. Und das mit den Uhren und Anzügen war echt cool. Hal leitete sie in einen Raum mit Umkleidekabinen und einem Ball aus Drahtstangen mit unzähligen Kameras, wie für Motion Capture Aufnahmen. Es war komisch mit jemanden zu reden, der keinen eigenen Körper hatte. Sie gingen in die Kabinen, wo sie angewiesen wurden sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Dann rief sie Hal der Reihe nach auf und sie stellten sich in den Ball und wurden von allen Seiten fotografiert und gescannt. Schon gruselig. Dann zogen sie sich wieder an und halfen Kaz in der Küche beim Kochen und Tischdecken. Und sie bezogen ihre Betten im Schlafzimmer, und das von Kaz gleich mit. Kaz hatte gelogen als er sagte, dass er nicht kochen konnte, die Lasagne war echt gut. Kaz bedankte sich und wirkte tatsächlich verlegen.
„Das ist nett ihr drei. So, dass ist die letzte selbst gekochte Mahlzeit mit frischen Zutaten für die nächsten zwei Wochen. Ok, morgen früh koche ich euch noch ein leckeres Frühstück. Aber dann möchte ich ein bisschen auf den Notstand vorbereiten, wenn Ressourcen knapp sind oder ihr unterwegs seid und nicht selbst kochen könnt. Die nächsten zwei Wochen gibt es Militär MREs und zwar deutsche. Die erste Woche gibt es Feldrationen vom Heer und die zweite vom Hersteller NOX, das ist quasi der Rolls Royce unter den MREs. Die Spezialkräfte bekommen die in der Regel.“
Jack kannte NOX, das war ein britisches Großunternehmen, die viele Faktoren vereinte. Praktisch eine Kombi aus Globetrotter, Manufactum und diversen Kleiderläden. Die produzierten auch viel selbst. Und sie bauten komische Supermärkte, die das Angebot von Discountern, normalen Supermärkten wie Rewe und super edlen Bioläden und Feinkostgeschäften kombinierten und preislich farblich codierten. Grün war günstig, gelb war normalpreisig und rot war hochpreisig. In Berlin gab es einen großen Nox Laden, der so groß wie Kaufland war und ein paar kleine Läden. Sie kauften da öfters ein, weil die oft das beste Angebot haben. Und internationale Angebote hatten. Und natürlich gab es noch eine Vielzahl anderer kleiner und großer Nox Läden und Geschäfte.
MREs wollte er immer schon mal ausprobieren, Emma hatte es bisher nicht erlaubt. Er sah sich gerne Bilder mit ausgepackten MREs an und guckte Unboxing- und Probiervideos an. Das war schwer faszinierend wie er fand.
„Yusuf hat mich angerufen und mir von eurem Training berichtet. Er ist sehr begeistert von euch. Den Sportteil der Aufnahme Prüfung habt ihr schon mal mit Bravour bestanden. Igor war auch recht happy und Nadja lässt euch loben, ihr wart aufmerksame Zuhörer bei einem trockenen Fach, bei ihr habt ihr Bio und Chemie und sie ist eure Klassenlehrerin. Jedenfalls hat euch der Araber Hausaufgaben aufgegeben die wir abarbeiten werden, in den drei Wochen bis Schulbeginn. Ihr werdet zu etwa 90% aufgenommen, nur Adam – der Leiter des BIT – will sich die Werte nochmal im Detail und in Ruhe ansehen. Und Yusuf freut sich, dass ihr seine ersten Schüler sein werdet.“
„Sorry, dass ich dich unterbreche, aber kennst du den Araber gut?“
Und die mega heiße Sportlehrerin war ihre Klassenlehrerin, wie geil – fand er zumindest, er konnte nicht für die Mädels sprechen.
„Huh, ich denke ich bin mit ihm ein bisschen befreundet, aber es ist hart zu sagen, ich kenne ihn ja erst seit Sonntag. So das ist auch eure letzte Nacht im bequemen Bett. Ab jetzt zelten wir. Das schließt mich ein, ich mache dieselben Übungen wie ihr, schlafe im Zelt und esse das gleiche Essen.
Und um eins vorweg zu nehmen, wir haben alle Jemanden an die Clowns verloren, die diese Welt in Schrecken versetzen. Und ich kann nicht länger mit ansehen, dass man euch quasi völlig hilflos zurücklässt. Von daher trainieren wir intensiv die nächsten drei Wochen. Hier ist weit und breit niemand und in mehreren Kilometer Umkreis kann uns keiner hören. Ich habe es getestet und hier kann man selbst ne ungedämpfte .50 Cal abfeuern und draußen am Waldrand hört man es nur noch wenn man ganz genau darauf achtet.
Ich bringe euch bei, wie ihr in der Wildnis überlebt, Wie ihr euch behelfsmäßige Unterschlüpfe baut. Dazu haben wir hier ein paar große Bäche, zwei kleine Seen und der Boden ist bisweilen recht lehmig, das sind gute Voraussetzungen. Wir zelten selbstverständlich wie gesagt, ich will die Ausrüstung ausprobieren, die Nox mir zur Verfügung gestellt hat. Wir machen Fitness satt um eure Körper zu trainieren. Ich mach mit euch Belastungstests. Ihr klettert, ihr lernt wie ihr euch an Gebäuden abseilt, dann freihändiges Klettern. Wie man Seilrutschen benutzt. Parcour ist auch mit von der Partie, das kann ich ein bisschen, auch wenn ich natürlich nicht an Yusuf rankomme. Schlösserknacken kommt auch dran, das ist ziemlich essentiell. Dann bringe ich euch ein paar Basics im Messerkampf bei, die euch in Fleisch und Blut übergehen müssen. Und das Beste kommt zum Schluss, ich trainiere euch für den Umgang mit Schusswaffen in allen Klassen. Das ist eine ganze Menge, also lasst das erstmal sacken. Und jetzt gibt es lecker Nachtisch und dann gehen wir alle nochmal duschen … Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett! Hehe, ist das nicht ein Lied? Auf geht’s!“
Das war ja der helle Wahnsinn, das würde der geilste Urlaub seines Lebens werden!

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 15

15. Liz – 1.W. April 2045 – Freitagabend.

Liz saß an ihrem Schreibtisch und prüfte ein paar Entwürfe, als sie Johnny nebenan fürchterlich fluchen hörte. Lautstark, wütend, energisch und in allen Sprachen, die er kannte. Besorgt stand sie auf und ging die flache Treppe runter und zu der Schiebetür, die ihrer beiden Büros trennte.
„Alles in Ordnung?“ Fragte sie besorgt. Johnny hatte einen hochroten Kopf und schob sich die Brille hoch. Er fuhr zu ihr herum und fuhr sie aufbrausend an.
„NEIN. Absolut gar nichts ist in Ordnung, alles nur völlige Katastrophen. Drei Eilmeldungen haben mich gerade mit der Sanftheit eines Güterzuges erreicht. Ach sorry, ich wollte dich nicht anbrüllen. Aber meine Nerven liegen nach der Sache mit meiner Frau einfach nur blank und ich bin kurz vorm Durchdrehen. Emma hat mich ganz aufgelöst angerufen und mir panisch berichtet, dass Jack und Akira verschwunden sind!“
Liz schlug sich erschrocken die Hände vor den Mund.
„Und Kaz ist seit Dienstag abgetaucht und geht nicht an sein Handy. Den nagelneuen Defender haben wir irgendwo in der Ukraine verloren. Amber ist verschwunden. Nate schwört Stein und Bein, dass er Jack und Akira zuhause abgeliefert und reingehen sehen hat. Zuhause sind überall Kameras angebracht und Security postiert, aber verdammt noch mal nur außen. Als Emma von ihrem Mittagsschlaf erwacht war wollte sie nach den beiden sehen, hat sie aber nirgends finden können. In Jacks Zimmer lag sein Handy auf dem Tisch und der Rechner war an. Sie hat festgestellt, dass ein paar Kleidungsstücke und sein Rucksack fehlen. Selbiges gilt für Akira und sie hat ihr iPhone zurückgelassen. Emma hat natürlich sofort Nate und unsere Eltern alarmiert und mit ihnen zusammen jeden Zentimeter des Hauses durchsucht, nichts. Nicht die geringste Spur. Sie ist völlig panisch vor Sorge. Aber die beiden können sich natürlich nicht in Luft aufgelöst haben. Ich wette mein Arschloch von einem Bruder steckt dahinter. Als IT Ass und versierter Bastler wird er sich schon bestimmt irgendetwas Perfides ausgedacht haben. Wir haben schon an alles gedacht, aber sein Defender mit dem Peilsender ist Hops gegangen und sein Prism kann man natürlich nicht orten. Und dieser Hurensohn meldet sich nicht, hoffentlich ist ihm auch nichts passiert. Jetzt kann ich mich nicht entscheiden welche Katastrophe ich dir als nächstes erzähle.“
Liz war völlig geschockt. Das war ja einfach nur entsetzlich. Bitte lass den Vieren nichts zugestoßen sein. Und wehe das ist ein Scherz von Kaz, das war jetzt weit über der Grenze.
„Was haben die medizinischen Tests ergeben?“
Das hatte sie ihrem Freund Kaz verschwiegen. Als sie am Montag in ihrem Neuen Outfit im Unternehmen war, hatte sie Johnny interessiert begrüßt und sie zu den Hintergründen des Tuns befragt und als gutem Freund und Unternehmenspartner konnte sie ihn nicht anlügen und hatte ihm alles erzählt. Von ihren Haaren, ihrem scheiß Körper, Dem Krebs und den anderen Tausend Problemen. Sehr besorgt hatte Johnny für den restlichen Tag freigegeben und sie ins medizinische Labor für einen gründlichen Check geschickt. Bang hatte sie jeden Tag mit dem Ergebnis gerechnet.
Jetzt sah sie Johnny mit leerem Blick an, er wirkte plötzlich um Jahre gealtert.
„Hach, ich habe inständig gehofft es wären alles nur zufällige Befunde aber wir haben etwas Schreckliches entdeckt. Eine Krankheit, eine der seltensten die es gibt und es existiert kein Gegenmittel oder Medikament, das dagegen ankommt. Es tut mir so verdammt leid. Wir wissen kaum etwas über die Krankheit, nur dass die Körper der Kranken regelrecht zerfallen. Bei dir ist die Krankheit sehr weit fortgeschritten und du hast nur noch etwa vier Monate Zeit, bevor eine irreversible Spirale in den Tod eintritt, der unvorstellbar schmerzhaft und grauenvoll sein soll. Verdammt nochmal, du bist die beste Vizechefin der Welt, aber ich gebe dir für die restlichen Monate frei, damit du dein Leben in vollen Zügen genießen kannst, bevor es vorbei ist. Wir geben aber erst deinen Rücktritt bekannt, wenn du von uns gehst. Natürlich gibt es Möglichkeiten dir das Leid am Ende zu ersparen, auch wenn das in Deutschland illegal ist. Aber es gibt ein kleines bisschen Hoffnung. Horizons Zukunftsprojekt FSB ist erfolgreich abgeschlossen. Und Horizon Russland arbeitet im geheimen an einem Nachfolgeprojekt. Das würde dein Problem zwar nicht lösen, aber hoffentlich bequemer machen. Wenn du einverstanden bist, lasse ich den Transfer nach Russland arrangieren, bevor deine Zeit abgelaufen ist.
Es tut mir so unfassbar leid, aber ich fürchte das wird deine einzige reelle Chance sein, auch wenn sie sehr schmerzhaft werden könnte.“
Ihr Herz krampfte sich zusammen und sie setzte sich auf einen Besuchersessel. Vier Monate und dann garantierter Tod. Warum nur war sie mit diesem Körper bestraft? Gott warum hasst du mich so sehr? Was hab ich der Welt denn getan, dass ich sowas verdiene? Sie dachte an Kaz und Amber. Sie beschloss das Experiment einzugehen. Lieber Schmerzen und ein bisschen Hoffnung als endgültiger Tod. Und sie würde ihm nichts sagen. Sie würde das Mittel zum Bleichen der Haut absetzen, aber das andere weiternehmen. Auf ihren Lebensabend wollte sie keine Sekunde ans Rasieren verschwenden wollen müssen.
   Komm doch bitte schnell wieder Kaz und bring Amber mit. Zu gerne hätte sie die kleine zusammen mit Kaz aufgezogen und mit Pech erlebte sie auch nicht mal mehr ihren sechzehnten Geburtstag.
So eine beschissene Welt. Hoffentlich konnte sie noch ein bisschen reisen, bevor es zu spät war. Das hatte sie zu ihrer Schande nie richtig getan. Kaz hatte ihr immer von Rom vorgeschwärmt und sie war noch nie dagewesen, das sollte sie wohl dringend nachholen.
   Und sie würde Kaz alles vermachen, was sie besaß. Ihm und seiner wunderbaren Tochter. Ob sie wohl eine gute Mutter gewesen wäre? Das würde sie wohl nie erfahren. Sie seufzte unglücklich und Tränen schossen ihr in die Augen. Sie würde gleich morgen notariell ihr Testament aufsetzen. Sie war sehr wohlhabend und sie wünschte sich, dass es den beiden gutgehen würde. Sie sollten alles bekommen, auch wenn Kaz mit ihren Pelzen und Perücken nichts anzufangen wüsste.
„Ok, ich begebe mich in die Hände der Russen, aber sag bitte keinem, dass ich krank bin.“
Johnny nickte schwer.
„Was ist die dritte schreckliche Nachricht?“ Johnny seufzte.
„Eine Eilmeldung von der Sicherheitsabteilung. Ein Geist ist wieder aufgetaucht: Dagger.“
„Was soll mir das sagen? Was heißt Geist und wer oder was ist Dagger.“
„Die Geister sind eine Geheimorganisation. Sie sind sozusagen die Marvel Avengers ohne Superkräfte und absolut Jugendfrei. Sie tauchen aus dem Nichts auf, erledigen ihre Ziele und verschwinden spurlos. Absolut niemand ist vor ihnen sicher. Keiner weiß wer sie sind oder was sie wollen, aber es gibt sie und sie sind die tödlichsten Attentäter der Welt. Man sieht sie nur wenn sie gesehen werden wollen und wenn man sie sieht ist es bereits zu spät. Und sie verfügen über mächtige Freunde und eine Menge Ressourcen. Und einer der Schlimmsten ist wieder aufgetaucht. Dagger ist wie Nathan aus Kaz Buch, nur schlimmer und total sadistisch. Unzählige Tötungsmissionen mit maximalen Opferzahlen. Er ist schnell, effizient, stealthy, extrem brutal und liebt es seine Opfer mit der Klinge zu foltern. In der letzten Woche sind in Deutschland 17 Tote aufgetaucht, alle mit seinem Symbol versehen, dem Dolch-Pictogram aus fünf Strichen. Warte, ich zeichne es dir auf.“
Johnny holte einen Stift und einen Zettel, malte kurz und zeigte ihr ein Symbol, das tatsächlich an einen Dolch erinnerte. Das beunruhigte sie zutiefst, dass dieser wahnsinnige Massenmörder frei draußen Herumlief.
„Ich schicke dir die Daten zu Dagger auf deinen Rechner. Aber sei vorgewarnt, guck dir die Sachen nur mit leerem Magen an! Seine letzte bekannte Tötungsmission hatte über zweihundert Opfer, danach ist er für viele Jahre abgetaucht, bis jetzt. Und jetzt zur Abwechslung auch mal eine gute Nachricht. Wir haben eine neue Leibwächterin für dich. Sie heißt Vera und arbeitet bei Horizon. Sie ist eine erfahrene Pilotin, Fahrerin und topfit im Nahkampf und Fernkampf. Und sie ist schwer augmentiert. Ich lasse sie rufen.“
Wenig später kam eine Frau ins Büro, Liz würde sie auf Anfang dreißig tippen. Schwarzer Rollkragenpullover, enge schwarze Lederhosen, hohe schwarze Stiefel mit Absätzen, ein schönes scharfgeschnittenes Gesicht mit grünen Augen und ein lockerer dunkler Pferdeschwanz. Sie lächelte freundlich und verbeugte sich vor Liz.
„Es ist eine Freude sie kennenlernen zu dürfen, Madam“
Sie hatte einen leichten französischen Akzent und eine angenehme Stimme. Sie machte einen freundlichen und kompetenten Eindruck. Liz dachte schmerzlich an ihre letzte Personenschützerin Mara, die diese Woche im Dienst gestorben war. Hoffentlich ereilt dir nicht dasselbe Schicksal.
Immerhin hatte sie jetzt Jemanden der sie begleiten konnte, wenn sie sich die Welt ansah.
Was sie jetzt wohl als erstes machen würde? Ja, ihm Haus der Welt essen gehen.

Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 14

14. Jack – 1.W. April 2045 – Freitagnachmittag.

Nate sah sie beide an und strahlte regelrecht.
„Und wie war‘s? Ach Quatsch, das könnt ihr später erzählen. Jetzt kommt erstmal in Ruhe an. Jack ich soll dir ausrichten, dass du leise sein sollst, deine Mutter schläft. Und eure Großeltern haben ebenfalls ein kleines Päuschen eingelegt.“
Sie stiegen aus dem schwarzen Defender und nahmen ihre Sachen. Leider durften sie ihre neuen Handys und Laptops nicht mitnehmen, das war deprimierend. Jack dachte an sein mieses Schrotthandy. Aber es tat gut, mal wieder ganz normale Sachen anzuhaben.
Die Straße war mit Security nahezu gepflastert und er entdeckte überall Kameras. Tja, er würde wohl nie wieder hier raus kommen. Naja vielleicht noch in den Garten, aber der war auch nicht riesig.
An ein totlangweiliges Wochenende denkend öffnete er die Tür zum Treppenhaus und ging nach oben. Akira wirkte auch etwas traurig, war das wegen ihrer Mutter oder wegen der bevorstehenden Isolationshaft alias sicherheitsbedingten Hausarrest?
   Leise schlich er in die Wohnung, ohne Mama zu stören, und ab in sein Zimmer. Er sah sich um und dachte nach. Er startete seinen Rechner, der im Gegensatz zum Spectre in seinem Zimmer in der Uni die Schnecke aller Schnecken war. Tja, für Bögen und Softairs hat Mama Geld, aber für ein neues Handy oder einen neuen Rechner nicht. Er fluchte. Er checkte seine Newsseiten und stutzte. Seit Dienstag hatte es keine neuen Angriffe der Clowns gegeben. Und die Medien und die Polizei rätselten über eine Reihe von sehr brutalen Morden. Da war jemand verdammt fleißig gewesen und hatte 17 Leute regelrecht hingerichtet. Alles Angriffe völlig lautlos und ohne die geringste Spur, das waren absolute Profis. Hoffentlich warn die Toten alles Clowns, andernfalls hätte er ein ganz mieses Gefühl.
Zumindest hatte der Täter ein Zeichen hinterlassen, es sah aus wie ein stilisierter Dolch.
Sein Handy klingelte, wer war das denn, die Nummer war unbekannt. Was war denn das?
„Hallo Neffe, ich schätze du langweilst dich bestimmt. Hast du Lust deiner Einzelhaft zu entfliehen und mit mir und Amber und Akira auf einen kleinen Abenteuerurlaub zu begleiten? Deine Cousine ist schon am Packen. Ich sehe, dass das Haus praktisch belagert ist, aber ich kenne den einen Geheimgang im Heizungskeller. Hinter einem Stapel mit Stahlblechen sind ein Kriechgang und ein Schacht zu einem Kellerraum, den ich fürs preppen umfunktioniert habe, der Eingang ist mit dem Zeichen der schwarzen Geister markiert. Zieht euch da um. Der Raum hat zwei Ausgänge. Der eine führt zum Gartenhaus, das nützt euch nichts, aber der andere führt zu einem Schuppen zwischen den Grundstücken, die Kombination vom Türschloss ist die Fibonacci Folge. Geht von dort aus nach links die Straße hoch, geradeaus über die Kreuzung und dann die nächste Ecke wieder links, da hole ich euch ab. Nimm ein paar Sachen mit, aber nur so viel in einen normalen Rucksack passt. Der Platz wo es hingeht hat ‘ne Waschmaschine, also nicht zu viel reinstopfen. Am besten lange sportliche Hosen und zumindest einen warmen Pulli und feste Schuhe, wir gehen zelten. Aber ruhig auch ‘ne gemütliche Hose und ein paar T-Shirts mit einpacken. Und denk dir spontan ‘ne wirksame Verkleidung aus. Also, hast du Lust?“
Heilige Scheiße, sein großes Vorbild wollte ihn aus dem ganzen Elend hier befreien.
„Klar, bin sofort unterwegs.“
„Alles klar, und lass dein Handy hier liegen, das brauchst du nicht und kann geortet werden. Wann würde Schule anfangen, wenn ihr genommen werdet? Und wann ist die Beerdigung von Jack und Helena?“
„Beerdigung ist am letzten Sonntag im April und Schule würde im Mai anfangen.“
„Fabelhaft, dann haben wir ja ordentlich Zeit. Ich leg jetzt auf und nicht zu hektisch du hast Zeit, Emma schläft ziemlich tief, die wacht so schnell nicht wieder auf.“
Woher wusste er denn das mit Emmas Mittagsschlaf? Egal. Er schnappte sich seinen Rucksack und leerte ihn auf dem Bett. Dann suchte er leise aber schnell ein paar Sachen zusammen und packte sie sorgfältig in seinen Rucksack, ein paar Unterhosen und T-Shirts. Und eine lange Wanderhose. Als Tarnung dachte er sich einen auf Jung Kaz zu machen und mit langer Arbeitshose, dreckigem Oberteil, Mütze und Brille rauszugehen. Die Sachen stopfte er in eine Tüte. So bepackt dachte er an die Informationen von Kaz, legte sein Handy eingeschaltet auf den Tisch und verließ leise die Wohnung.
   Unten im Keller traf er auf Akira, die ihn angrinste, sie hatte eine Sporttasche und eine Tüte in der Hand. Nach ein bisschen Suchen fanden sie die Bleche, die auf einem Rollensystem angebracht schienen und kletterten in den niedrigen Gang dahinter. Jack schloss die Tür hinter sich und sie folgten dem Gang zu einer Treppe, hier brannten schwach Lampen, coole Sache. Und Plötzlich waren sie in einem etwa fünfzehn Quadratmeter großen Raum mit einer hohen Decke der von etwas helleren Lampen erhellt war. Das war ja der Wahnsinn. Wie konnte er davon nichts wissen?
Jack sah sich staunend um. Rostige Metallregale mit Vorräten, ein paar Kästen mit Wasserflaschen, Einmachgläser, Schraubgläser mit Reis und Müsli. Ein alter Gaskocher, mit Ersatzkanistern, Geschirr und Besteck. Kleidungsstücke, ein paar Gasmasken mit Filtern. Ein klappriges Etagenbett mit schmuddeligem Bettzeug. Ein kleiner Stromgenerator und einige Kanister mit Treibstoff. Ein Tisch mit einem alten Röhrenfernseher und daneben einem Radio und eine Reihe Wegwerfhandys. Und eine Nische mit einem Waschbecken und Spiegel und einem WC. Auf der anderen Seite des Raumes ein altes Sofa. Kaz war wohl Prepper mit Leib und Seele.
   Er war mal gespannt wie Akiras Tarnung zu ihrem Platinblonden Stachelhaar aussah. Er zog sich aus und die Verkleidung an, die Brille hatte zum Glück nur Gläser aus Fensterglas. Akira zog sich ebenfalls um und schlüpfte in einen langen Rock, flache schwarze Schuhe, eine Bluse und sie schminkte sich, dunkler Lidschatten und rote nicht zu knallige Lippen. Zum Abschluss setzte sie sich eine lange schwarze Perücke auf den Kopf. Ne, so würde man sie echt nicht wiedererkennen. Er stopfte noch seine Jogginghose in den Rucksack.
„Hast du die Perücke von Liz geklaut?“ Sie grinste etwas boshaft.
„Ich hab alles von ihr geklaut, wir haben die gleiche Figur, sind gleich groß, haben einen gleich großen Busen, unsere Hüften haben den gleichen Umfang. Wahnsinniger Zufall, aber ich profitiere hat davon und sie ist so beschäftigt und hat so scheißviel Krempel in ihren Schränken, dass sie einfach gar nichts schnallt. Und das ist ‘ne Echthaarperücke, die war bestimmt teuer. Schade, dass ich keinen Schlüssel für ihre Wohnung habe, die hat bestimmt echt wertvolle Sachen in ihrer Sammlung. Oder nützliche, die ist ja über die Jahre auch total zur Prepperin geworden.“
„Na dann los, das ist die Tür zu diesem Schuppen an der Straße.“
Sie kletterten einen hohen Schacht an einer Leiter hoch und Jack öffnete eine Luke. Er half Akira aus dem Loch und sie sahen sich um, hier sah alles ganz unauffällig schrottig aus. Das Schloss an der Tür war ein digitales Ziffernschloss mit fünf Stellen. Er tippte die Zahlenkette ein und mit einem leisen Klacken waren sie draußen. Hier war niemand, die Luft war rein. Unauffällig gingen sie gemächlich die Straße entlang. Wirklich niemand beachtete sie. Ein paar Minuten später waren sie am Treffpunkt und sie sahen sich unauffällig um. Dann bog dort hinten ein wahres Monster von einem Geländewagen mit großem Anhänger um die Ecke. Quatsch, das war ein Radpanzer der als SUV cosplayte. Was um alles in der Welt war denn das, Kaz hatte doch den Defender geschenkt bekommen? Als die Kiste mit den stark getönten Scheiben näher kam erkannte er das Omega Symbol am Kühlergrill. Heilige Scheiße, wie konnte sein Onkel sich denn das Monster leisten? Der Wagen fuhr lautlos und hielt ebenso lautlos vor ihnen an. Die Türen entriegelten klackend und schwangen auf. Kaz in sportlichen Klamotten und kurzen Haaren grinste ihn an und winkte ihnen zu, hinten saß Amber. Akira und er warfen sich erstaunte Blicke zu und dann stiegen sie zu Kaz und Amber in den Wagen. Alter, was waren das denn für ultra fette Türen?
Jack schloss die Tür wieder und sah sich neugierig um. Alles Leder, Carbon und Glas. Er saß vorne und die Mädels hinten.
„Willkommen ihr beiden, vergesst nicht euch anzuschnallen, auch wenn die Clowns jetzt schon echt einen Panzer brauchen um hier reinzukommen. Wir machen jetzt ne kleine Spritztour. Es ist an alles gedacht und wenn ihr Mädels hinten die mittlere Lehne runterklappt, habt ihr eine prallgefüllte Snackbar vor euch und gebt Jack auch was ab. Ihr habt ein Infotainment System samt Kopfhörern vor euch in den Sitzen und du Jack um Handschuhfach. Wir besuchen meinen alten Freund Hal in seiner bescheidenen Hütte und von dort aus geht der Urlaub los. Freut ihr euch schon?“
Jack und die Mädchen brachen in Jubelschreie aus.
„Wunderbar. Wir sind heute Abend da, leider ist das hier kein Rennwagen sondern ein Panzer.“
Und sie bewegten sich vorwärts, absolut lautlos, krass.
„Onkel Kaz, ist das das ominöse neue Flaggschiff von Omega.“
„Ganz genau und ich freue mich darauf euch zu sagen, was er kann.“
Kaz grinste sie breit an.