Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 9

9. Liz – 4. W. März 2045– Sonntagabend

Liz öffnete etwas müde die Tür und ließ sie alle rein. Amber schlüpfte sofort aus den High Heels und massierte ihre Füße, die kleine war bestimmt nicht daran gewöhnt jeden Tag viele Stunden lang Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen, so wie sie. Akira setzte sich auf das Sofa auf die Pelzdecke und wirkte ganz Elendig. Kaz verschwand im Bad. Liz setzte sich neben Akira und legte ihr sanft einen Arm um ihre Schultern. Einen Moment saßen sie so da und dann brach Akira in Tränen aus und schluchzte heftig. Amber starrte sie mit großen Augen an, sagte aber nichts und legte sich nur mit dem Rücken auf das andere Sofa und betrachtete die bemalte Decke. Liz drückte Akira fest. Sie war für sie mittlerweile fast schon so etwas wie eine Tochter und sie kannten sich sehr gut und ihr vertraute Akira sehr.
   Kaz kam aus dem Bad betrachtete sie mit großen Augen und ging dann in die Küche. Der konnte doch unmöglich noch Hunger haben, nach den Mengen die er heute gefressen hatte. Sie wandte sich wieder Akira zu, die sich jetzt wieder etwas gefangen hatte und sie gefasst ansah. Ihre Schminke war total verlaufen. Liz klopfte ihr auf den Rücken und verschwand kurz ins Schlafzimmer um das Kleid loszuwerden und sich etwas Bequemeres anzuziehen. Als sie zurückkam saß Amber neben ihr, sie schlich sich leise an. Amber zeigte Akira Bilder von Kurzhaarfrisuren.
„Magst du kurz mitkommen Akira?“
Akira drehte sich zu ihr um und nickte. In der Küche stolperten sie auf Kaz, der sich Kekse auf einen Teller häufte und zusammen mit zwei Cola Dosen in den Lift schob. Er warf ihr einen unschuldigen Blick zu und grinste dann breit, während er an ihnen vorbei aus der Küche tigerte.
„Möchtest du noch einen Snack oder etwas zu trinken? Komm, lass mich dir einen Kakao oder eine heiße Milch mit Honig machen, das wird dir gut tun.“
„Heiße Milch bitte und eventuell einen Schokoriegel, wenn du sowas hast.“
Liz zwinkerte ihr zu und zog aus einer versteckten Schublade einen großen Marsriegel zu. Akiras Augen leuchteten auf und Liz setzte Milch in einem kleinen Topf auf.
„Ich verstehe deine Reaktion schon ganz gut meine Liebe. Deine wild gefärbten Haare machen dich zu dem was du bist und sind zu einem Markenzeichen für dich geworden. Und du liebst sie bestimmt total?“
Akira nickte eifrig.
„Ja und Papa bestimmt einfach so, was ich zu machen habe ohne nur eine Sekunde daran zu verschwenden, wie ich mich dabei fühlen könnte. Verdammt, er ist nie da und diktiert mein Leben. Ich bin jetzt volljährig, eigentlich bin ich jetzt dran.“
„Ich verstehe dich schon Schatz, auch wenn ich glaube, dass dein Vater das nicht so gemeint hat. Er war fuchsteufelswild als er gehört hat, dass man euch alle von der Schule geworfen hat. Er ist so besorgt und möchte dir einfach einen guten Abschluss ermöglichen. Das ist ihm wichtiger als deine Haare, so Leid es mir auch tut. Aber es gibt andere Möglichkeiten.“
Akira sah sie mit großen Augen an, während Liz die Haarnadeln löste und sich die Perücke mit sanfter Gewalt – der Kleber hatte gut gehalten – vom Kopf zog. Das Mädchen starrte sie mit riesigen Augen an.
„Du hast eine Glatze?! Hast du Krebs?“
„Nein und wegen genau solcher Fragen trage ich Perücken. Und sieht das furchtbar aus?“
Akira schüttelte den Kopf.
„Fällt mir gerade nicht ein, auch wenn ich mich noch von dem Schock erholen muss. Meinst du ich soll sowas auch machen?“
„Ach Quatsch, ich wollte es dir einfach mal gezeigt haben, aber guck mal.“
Sie hob die Perücke hoch und zeigte sie ihr von allen Seiten.
„Das ist eine Echthaarperücke. Die können wir doch einfach in Regenbogenfarben einfärben lassen und du brauchst dir keine Sorgen zu deinen Videos mehr machen. Die gebe ich dir nicht, die hab ich schon zu oft getragen, aber ich denke die ist von der Länge her gut. Ich kaufe dir einfach eine neue und lasse sie fachmännisch einfärben. In Ordnung? Die bekommst du dann als Geburtstagsgeschenk ok?“
Akira nickte mit riesigen Augen und drückte sie fest während sie schniefte.
„Na dann befrei dich mal von deinem total verlaufenen Makeup, gönn dir eine lange Dusche oder Badewanne und zieh dir etwas Frisches an, ich glaube meine Sachen müssen dir passen. Probier dich einfach aus. Ich mach dir derweil dein Getränk und bringe es dir dann. Ok, meine Liebe?“
Liz strich dem Mädchen sanft über den Rücken und verfluchte Johnny mit seiner Art sein Umfeld in den Wahnsinn zu treiben. Akira stand mit dem Riegel in der Hand auf und verschwand ins Bad. Liz machte dem armen Mädchen ganz in Ruhe ihre Heiße Milch mit Honig und brachte sie ihr ins Bad, wo sie sich gerade konzentriert das Makeup entfernte. Amber saß auf dem Sofa und beobachtete sie. Auf eine Nachfrage ob alles gut sei nickte sie nur. Sie dachte an Scarlett und ging die Treppe hoch. Aus einem Behälter nahm sie mit einer Pinzette ein großes lebendes Insekt und stäubte es mit Vitaminpulver ein, dann öffnete sie das Terrarium um warf das Insekt hinein. Interessiert beobachtete sie wie Scarlett aus ihrem Bau geschossen kam und das Insekt umfasste und ihr Gift injizierte. Liz machte ein zufriedenes Gesicht, so ein liebes süßes Mädchen. Dann ging sie zu Kaz, der seinen Laptop auf dem Tisch aufgebaut hatte und Kekse mampfte. Als sie sich ihm näherte sah er aus und musterte sie eindringlich.
„Sag mal Liz, warum machst du die Glatze nicht zu deinem neuen Image und trägst das so. Zusammen mit einem dunklen Makeup und neuem Outfit, sowas mit einem hohen Kragen und so. Warte mal ich hab schon ein bisschen was gebastelt.“
Er tippte auf dem Laptop herum und sie trat neugierig hinter ihn. Sie musste zugegeben dass die Solomons auch im künstlerischen Bereich unfassbar viel Talent hatten. Wann hatte er denn bitte die ganzen Entwürfe hergezaubert?
„Wo hast du die her?“
„Ach die sind schon alt, aus einer Zeit bevor du dir eine Glatze gemacht hast. Hier bitte sehr, klick dich ruhig durch.“
Sie klickte mit den Pfeiltasten durch Bilder. Die gefielen ihr total gut. Und die Outfits in den Firmenfarben. Ja, Schwarz, Rot und Weiß erinnerten immer ein bisschen an Nazis, aber war halt so und Kaz Entwürfe umgangen das geschickt. Nur die Bilder mit dem kahlen Kopf, auf den Entwürfen fehlten ihr auch die Augenbrauen, die sie sich tätowiert hatte.
„Sollen wir das ausprobieren, wenn die Kinder im Bett sind und wir ein bisschen Ruhe haben? Du triffst meinen Geschmack immer wieder. Auch wenn unsere PR Abteilung hinten über kippen wird wenn sie mich so sieht.“
Er nickte und drückte sie fest.
„Noch eine andere Sache: warum holst du dir keine Haushälterin, Helena ist doch mit ihrer Familie sowieso schon halb überfordert.“
Seine Stimme war vorwurfsvoll.
„Hab ich doch du Flasche, nur Lien hat an Wochenenden meistens frei. Und ich habe eine Pilotin und eine Sekretärin und Mara ist meine persönliche Assistentin. Recherchier das nächste Mal besser.“
Er grinste sie etwas verlegen breit lächelnd an.
„Wird gemacht Chefin.“
Dann ließ sie ihn machen und verschwand wieder nach unten.
„Amber, Liebes. Möchtest du dich nicht schon bettfertig machen? Du musst ja nicht schlafen, aber du kannst in deinem Zimmer noch was spielen oder lesen oder nach draußen gucken. Würde es dich stören wenn Akira heute bei dir im Zimmer schläft?“
Eigentlich wollte sie nur freie Bahn. Wenn das heute gut klappte, würde sie mit Kaz wieder richtig guten Sex haben und darauf freute sie sich total. Und Amber nickte eifrig und schoss ins Bad.
Oje Akira ich hoffe du liegst gerade nicht nackt in der Badewanne. Sie schmunzelte. Dann suchte sie im Schlafzimmer schon mal Kleidungsstücke in Rot Schwarz und Weiß zurecht und holte ein paar Pelze in weiß und schwarz aus der Garderobe, bunt gefärbte Pelzmäntel besaß sie nicht.
Und sie legte für Akira ein zusammen geklapptes Bettgestell samt Matratze, einen dicken Schlafsack und ein bequemes Kopfkissen vor Ambers Zimmertür. Sie sah wie Amber und Akira zusammen aus dem Bad kamen und noch oben gingen. Liz und Kaz halfen beim Bett und ließen die beiden Mädchen in Ruhe und sich erstmal kennenlernen. Kaz kicherte schon aufgeregt als sie nach unten ins Bad verschwanden. Kaz stöberte in den Schränken, während sie sich auch vom Makeup befreite, zum Glück hatte sie nicht in die Vollen gegriffen. Dann ging es ab in die Dusche, Kaz folgte ihr und sie hatten Sex. Unter dem lauten Wassergeprassel hörte sie auch niemand lustvoll Stöhnen.
Im Spiegel betrachtete sie ihr Antlitz von allen Seiten. Wie gut dass ihre operierten Wimpern so schön groß und voll waren.
„Das sieht sehr Alien-artig aus. Kannst du die Entwürfe, die ich gut fand, auch an Johnny senden? Dann kann unsere Hausinterne Schneiderei ein paar Entwürfe zaubern.“
„Wird gemacht Chefin.“
Er küsste sie sanft von hinten.
„Legst du jetzt los?“
Sie nickte und schlüpfte in ihre Unterwäsche, dann ging es ab ins Schlafzimmer. Zuerst prüften sie ein gutes Dutzend Outfits, bis sie eins gefunden hatten, dass gut passte. Das würde sie morgen tragen. Und beim Make-Up hatte sie auch schon eine konkrete Idee. Jetzt räumten sie alles weg und zur Abwechslung lag Kaz unten und sie war oben.

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