Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 8

8. Jack – 4.W. März 2045 – Sonntagnachmittag

Jack starrte missmutig in den hohen Spiegel, während seine Mutter an seinem Anzug herumzupfte und zog und zurechtschob. Er hasste Anzüge und er fühlte sich miserabel. Heute war das große Familientreffen und alle taten so als wäre nichts, während sein Bruder immer noch im Krankenhaus im Koma lag und es unklar war, ob er durchkommen würde.
   Er fühlte sich so elend, so als ob ein Teil von ihm einfach fehlen würde. In den letzten 17 Jahren hatte es praktisch keinen Tag gegeben, den sie nicht zusammen verbracht hatten. Hoffentlich erholte sich Ryan wieder. Andernfalls, nein, daran wollte, durfte er gar nicht erst denken.
Endlich ließ seine Mutter von ihm ab, beäugte ihn aber immer noch kritisch.
„Ist schon ok Mum, alles sitzt perfekt. Vergiss nicht dir auch was anzuziehen.“
Emma sah ihn einen Moment an, dann lief ihr eine Träne über die Wange und sie umarmte ihn fest.
„Ich hab dich so sehr lieb Großer.“
Dann verschwand sie in ihrem Zimmer und ließ ihn allein im Flur stehen. Er warf einen grimmigen Blick in den Spiegel. Ein Junger muskulöser Mann mit einem akkuraten dunklen Kurzhaarschnitt und einer frischen Narbe auf der linken Wange. Der Anzug saß einigermaßen gut, aber er konnte sich daran einfach nicht gewöhnen.
   Außerdem war es doch ein Familientreffen, konnten sie da nicht einfach anziehen was sie wollen?
Er dachte resigniert daran, dass das die Regel war und immer so sein würde. Mama führte ein riesiges international tätiges Architekturbüro und Onkel Johnny war CEO eines weltumspannenden Megakonzerns. Akira beschwerte sich andauernd, dass sie ihren Vater eigentlich nie sah, nicht mal an Wochenenden oder Feiern. Also war es etwas echt Besonderes, dass sich Johnny und seine Vizechefin Liz und Mama für heute freinahmen. Und das nur um ihren Bruder Kaz in Empfang zu nehmen. Jack grinste bei dem Gedanken, seinen abgedrehten Onkel Kaz nach zehn Jahren endlich wieder zu sehen. Das mit dem Ex Navy SEAL als Vorbild war eigentlich immer so ein bisschen eine Ausrede, in Wahrheit was ihr – seins und Ryans – großes Vorbild immer schon ihr Onkel gewesen. Sie hatten seine Videos immer und immer wieder studiert und analysiert und sie spürten, dass da etwas Verborgenes sein musste, dass ihr Onkel verbarg. Niemand, der nie beim Militär war, sollte in der Lage sein, so unfassbar selbstsicher mit Waffen und Sprengstoff umzugehen. Er hatte Emma schon so oft danach gebohrt, aber die hatte immer irgendetwas Abwehrendes gesagt. Kaz war immer schon ein versierter Bastler gewesen, oder ein Waffennarr, der immer schon wie auch er und Ryan mit Airsoft und Bögen geübt hatte. Aber irgendwas stimmte da nicht, das spürte Jack.
Mit gewissem Stolz, dachte er an das letzte Video von Kaz, wo er sie für ihre Leistung gelobt hatte.
Wenn nur Ryan heute da wäre, sein Zustand hatte sich verschlechtert, und jetzt durfte nur noch Emma ihn besuchen. Was für eine beschissene Welt? Und dieses Arschloch Adrian Drosser spazierte draußen ungestraft herum und erzählte allen seine miesen Lügen.
   Wenn er rausging, guckten ihn alle so komisch an. Und die Polizei hielt ihren Defender immer noch unter Verschluss. Aber Mama ließ ihn nicht rausgehen, er stand unter Hausarrest, obwohl er gar nichts getan hatte. Nur zu seiner Sicherheit behauptete sie immer wieder. Pah, um seine würde er sich gar nicht so sehr sorgen, eher um die von Adrian oder seinen Schlägern. Was er nur alles tun würde. Er hatte bereits mehrere Nächte lang wach dagelegen und sich überlegt, wie er Adrian wehtun könnte. Oft war er richtig erschrocken über sich und erkannte sich nicht wieder.
Onkel Kaz hatte einmal in ein paar Videos darüber gesprochen und nannte es den Schatten, einem Teil der Psyche, der zu richtig abscheulichen Sachen fähig war und das steckte in jedem Menschen. Kaz schrieb darüber in seinen Büchern. Die hatten er und Ryan natürlich verschlungen, auch wenn ihre Mutter verboten hatte sie zu lesen, aus Angst es könnte einen schlechten Einfluss haben. Die Überlegung, dass Kaz wie seine Figuren sein könnte, gruselte ihn total. Fast alles nur Monster und Psychopaten. Aber gerade das war das abgefahrene, keine flachen eindimensionalen Charaktere wie in so vielen Storys und Popkornkinofilmen. Die Vorstellung, dass sich abstoßend bösartige Charaktere aufbringen konnten in ihren Augen etwas Gutes zu tun war in Kaz Schreibstil einfach nur so unfassbar fesselnd.
   Leider war die Science-Fantasy Reihe schon nach vier Bänden zu Ende und der letzte Band kam auch schon vor einigen Jahren. Er strich mit den Fingern über die Rücken der Bücher auf dem Bücherregal neben ihrem Doppelstockbett. Kaz hatte ihnen zu jedem Band eine signierte Erstausgabe geschenkt.
   Er ließ sich für einen Moment auf dem unteren – seinem – Bett nieder und sah sich etwas missmutig im Zimmer um. Und die Anzughose zog im Schritt wenn er saß, so ein Mist.
Dann hörte er von Draußen Hupen und er sprang auf und ging zum Fenster. Sein Herz machte einen Sprung. Das war Manfred Bluhms alter Geländewagen in Bundeswehr Tarnfleck. Der Offizier stellte den Motor ab stieg aus und öffnete die Beifahrerseite. Jack sog die Luft ein, er sah schon von hier oben aus, das Yolanda einfach nur hinreißend gut aussah. Ihr Vater drückte sie fest und führte sie zum Eingang. Jack sprintete zur Wohnungstür, schnappte sich seinen Schlüssel und rannte die Treppen runter zum Eingang im Erdgeschoss. Er hatte es gut getimed, denn gerade als Die Glocke läutete lag sein Griff schon auf der Türklinke. Er zog sie sogleich auf und sah in die überraschten Gesichter von seiner Freundin und ihrem Vater. Yolanda fasste sich schnell und strahlte ihn an, Ihr Vater Manfred nickte ihm zu.
„Hallo Junger Mann, mit der Pünktlichkeit bist du im Militär genau richtig. Ich hoffe wir kommen nicht zu spät. Ich dachte ich bringe meine traumhaft schöne Tochter persönlich bei euch vorbei. Ich wünsche euch einen tollen Abend und grüß deinen Onkel aus Amerika von mir. Das Video hat bei uns auf dem Stützpunkt echt die Runde gemacht. Ich soll dir ausrichten, dass man dich beim KSK wärmstens begrüßen würde.“
Manfred zwinkerte ihm zu, dann salutierte er zackig und ging zügig zum Wagen zurück.
„Wow, ist der immer so?“
Yolanda nickte und verdrehte die Augen.
„Andauernd, ist manchmal total peinlich.“
Jack musterte seine Freundin von Kopf bis Fuß. Sie sah einfach nur sagenhaft aus in ihrem tollen blauen Kleid mit einem tiefen Ausschnitt und hohen High Heels. Ihre Haare waren kunstvoll aufgetürmt und ihr Makeup war einfach nur toll, auch mit langen falschen Wimpern und fantastisch betonten blauen Augen.
„Verschmiere ich das Makeup, wenn ich dich jetzt leidenschaftlich küsse?“
Sie schüttelte grinsend den Kopf und er küsste sie intensiv und lange.
Er hörte einen Buh-Ruf hinter sich und sie lösten sich voneinander. Hinter ihnen stand schon Akira in einem farbenfrohen Kleid, das gut zu ihren bunten Haaren passte.
„Jack, ist deine Mutter schon fertig?“
Jack zuckte nur mit den Schultern. Johnny kam mit seiner Frau im Arm nach draußen und musterte ihn aufmerksam.
„Mh, wie immer zu spät die Gute.“
„Bin ich gar nicht!“
Kam es aufgebracht von oben und Emma näherte sich in einem dunklen eleganten Kostüm und steckte sich gerade den rechten Ohrring ins Ohr.
„Puh, sind alle da? Oh meine Güte, Yolanda du siehst so fantastisch aus! Wie eine Prinzessin.“
„Wir steigen jetzt in die Wagen unsere Eskorte wartet schon.“
„Moment mal Bruderherz, wo sind Mama und Papa?“
„Die sind schon seit einer Weile unterwegs, zu Fuß und keine Sorge, sie werden begleitet.“
Emma nickte unmerklich.
„Hey worauf wartet ihr, es geht los!“
Und kurz darauf stiegen sie in die beiden schweren Defender und düsten los.
„Mama, wohin fahren wir eigentlich?“
„Ins Haus der Welt“
„Wow, ist das nicht dieses super teure Edelrestaurant bei Liz um die Ecke?“
„Ganz genau, und die gute übernimmt heute die Rechnung für uns alle, Sie bekommt dort Rabatt.“
Wissend nickte Jack und lehnte sich zurück. Er sah Yolanda von der Seite an und ihre Blicke trafen sich. Er konnte sich nicht helfen, aber er war einfach nur so hoffnungslos verliebt in dieses Mädchen.
Er beugte sich vor und küsste sie erneut auf den Mund. Ihr Parfüm war der Wahnsinn.
Sie fuhren durch Berlin und näherten sich langsam Berlin Solomon. Die Stadt, die seine Mutter und sein Opa entworfen und gebaut hatten, es war auch nach all den Jahren nicht zu glauben.
Selbst jetzt war hier ganz gut was los. Einer der Wagen vor ihnen Hupte und Jack sah einen Araber in Tanktop und Jogginghosen freihändig auf einem schrottigen Fahrrad vorbeifahren, während der sich eine Zigarette drehte. Was ein Verrückter.
   Sie erreichten den riesigen Klotz wo Liz wohnte und parkten auf dem öffentlichen Parkplatz vor dem Parkgelände. Alle stiegen aus und kühle Luft umfing sie. Hier war er praktisch nie. Akira hatte einen guten Draht zu Liz, aber für seinen Geschmack ging ihm diese Sache mit den Pelzen und Perücken zu sehr auf die Nerven als dass er Lust hätte, sie zuhause zu besuchen.
Und das war so eine reiche Ecke, wo er sich in den Geschäften mit seinem mageren Taschengeld eh nicht viel kaufen konnte.
   In der riesigen Halle umfing sie angenehm warme Luft. Sie gingen zum großen verspielten Brunnen in dem großen Lichthof und bogen scharf rechts ab. Da ging es in einen erleuchteten Gang, mit einer Treppe die sanft nach oben ging. Es roch schon richtig gut und er verspürte großen Hunger, seit dem Frühstück um 5:00 hatte er praktisch nichts gegessen und das machte sich jetzt bemerkbar.
Sein Magen grummelte Lautstark und alle sahen ihn belustigt an. Man kümmert euch doch um euren Kram! Sie erreichten einen großen luftigen Raum mit einer riesigen Bar. Johnny sprach mit einem der Kellner und der führte sie zu einem riesigen Fahrstuhl, wo erstaunlicherweise alle reinpassten und sie düsten ein bisschen nach oben. Die Türen öffneten wieder und sie traten aus dem Lift. Jack sah sich mit offenem Mund um, von hier aus sah man die halbe Stadt. Er sah sich um. Dort war eine kleinere Bar als unten aufgebaut und er machte ein paar große Speiseaufzüge hinter der Theke aus. Ein internationales Team von zwei Kellnern plus einen Barkeeper verbeugte sich vor ihnen und hieß sie Willkommen.
   Jack sah sich neugierig um, seine Großeltern waren schon da und diskutierten recht intensiv mit einem Mann der original wie John Wick aus dem gleichnamigen Actionstreifen aussah. Das musste einfach nur Kaz sein. Neben ihm stand ein schüchtern aussehendes Mädchen in einem tollen Kleid, sie sah aus wie eine fünfzehnjährige Lara Croft. Nicht zu vergessen Liz, die von Akira einfach nur Tante genannt wurde. Sie trug ein tolles glitzerndes Kleid und trug ihre Haare elegant hochgesteckt. Etwas abseits stand Sahid in einem etwas lachhaften weißen Anzug mit einer Rose im Knopfloch, immer für den großen Auftritt zu haben.
   Kaz löste sich von seinen Eltern und ging freudestrahlend auf die Neuankömmlinge zu.
„Oh, man das ist ja der helle Wahnsinn, euch alle nach zehn Jahren wiederzusehen. Und ihr müsst euch doch wegen mir nicht so toll anziehen.“
Er zwinkerte in die Runde. Johnny und Emma traten vor und umarmten Kaz gleichzeitig. Kaz war der größte von allen im Raum, bestimmt so knapp zwei Meter. Die drei lösten sich voneinander und Kaz umarmte Akira und ihn sehr überschwänglich. Dann setzten sie sich hin, Emma hatte die Plätze organisiert.
Jack sah sich um, hier gab es nur einen Tisch, also gehörte die Etage wohl Ihnen für den Abend, er zog die Brauen hoch, krass.
   Er saß glücklicherweise recht nah in der Nähe von seinem Lieblingsonkel und großem Vorbild. Yolanda saß neben ihm. Für die Begrüßung gab es Sekt für die Großen und Säfte für die Kleinen.
Akira prostete ihm boshaft grinsend mit ihrem Sektglas zu während er sein Glas mit Orangensaft musterte, ach geh weg du Biest. Zumindest schmeckte der Saft frischgepresst und nicht wie aus dem Tetrapack, das konnte er bei dem Laden hier wohl auch erwarten. Kaz grinste ihm zu und lächelte ihn aufmunternd an. Jack warf einen Blick auf das echt heiß aussehende Mädchen neben Kaz, Yolanda bemerkte das auch und stieß im unsanft in die Rippen. Ach komm schon, die ist doch erst fünfzehn. Mh, und er war siebzehn, also so groß war der Unterschied dann auch nicht. Johnny erhob sich und hob sein Glas auf Kaz.
„Es ist so unglaublich, dass unsere ganze Familie nach so langer Zeit endlich wieder zusammen ist. Und sie hat Zuwachs bekommen, ich begrüße Amber Solomon ganz herzlich in unseren Reihen.“
Er applaudierte und alle stimmten ein, auch Jack. Er beobachtete wie das Mädchen vor Scham bestimmt am liebsten im Boden versunken wäre, sie war echt süß. Oh man, Yolanda würde bestimmt mega eifersüchtig werden, nicht dass das noch zum Problem werden würde.
Kaz erhob sich jetzt auch.
„Die Freude ist ganz meinerseits, vor annährend zehn Jahren bin ich nach einem schweren Streit in die USA ausgewandert, wo ich zu euer aller Kenntnis ziemlich die Sau rausgelassen habe. In der Zeit habe ich euch zwar nicht ganz vergessen, aber ihr wart keine greifbare Instanz mehr in meinen Leben. Ich muss euch eine tragische Geschichte erzählen, die mir vor Augen geführt hat, wie wichtig Familie ist. Es war Oktober letzten Jahres und ich war mit einigen Freunden in Montana auf einem Jagdausflug. Eines Tages hörten wir in einiger Entfernung Reifenquietschen, einen Crash und Schüsse. Wir haben alles stehen und liegen gelassen und sind sofort zur Unglücksstelle gerannt. Wir fanden etwas Grausames vor. Der Wagen einer Familie im Graben gegen einen Stein geknallt, zwei Eltern und zwei Kinder. Die Eltern und der kleine Junge waren tot, aber das Mädchen lebte noch und war schwer verletzt. Ich habe mich damals sofort in dieses tapfere junge Ding verliebt. Wir haben sofort den Rettungswagen verständigt und ich hab das Mädchen ins Krankenhaus begleitet. Dort wurden wir darüber informiert, dass die Kleine an diesem Tag alles verloren hatte. Ihre Eltern, ihren kleinen Bruder und ihre Großeltern. Das Machwerk der Clowns. Innerhalb eines Tages wurde sie aus ihrer glücklichen Familie herausgerissen und zur Vollwaise. Ich hab alles in meiner Macht stehende getan um ihr beiseite zu stehen und ihr zu helfen. Und meine Freunde sahen das auch und schlugen mir vor sie zu adoptieren. Also habe ich es getan. Es war zwar eine Menge Papierkram, aber ich bekam sehr viel Zuspruch und Unterstützung aus der Bevölkerung und von meinen Freunden.
Ich habe euch die wahre Geschichte verschwiegen um euch nicht zu sehr zu verunsichern. Und hier neben mir sitzt das tapfere Mädchen, Amber. Vielleicht hätte sie sich lieber einen weniger Verrückten Vater ausgesucht, aber wie sagt man so schön, Familie kann man sich nicht aussuchen.“
Damit hob er sein Glas und alle applaudierten. Jack sah Tränen in einigen Gesichtern und Entsetzen in anderen, Kaz hatte ein bisschen gelogen, was den Autounfall anging.
Grimmig musterte er das Mädchen, dann war sie auch ein Opfer der Clowns. Scheiß Welt. Ihre ganze Familie wurde ausgelöscht und sie sah so ruhig aus. Er war ja schon völlig am durchdrehen und Ryan war „nur“ schwer verletzt, aber nicht tot.
Emma erhob sich. Ach verdammt, können wir nicht endlich essen?
„Ich sage nicht viel. Ich bedanke mich bei einer wunderbaren Freundin, die das alles hier organisiert hat und möglich gemacht hat, dass Kaz und seine Tochter hier in Deutschland so gut ankommen konnten. Und die heute auch die Rechnung bezahlen wird. Also ein Hoch und großes Lob an Liz, die von Akira immer nur noch Tante Liz genannt wird. Möchtest du auch noch was sagen?“
Liz schüttelte den Kopf.
„Na dann haut mal rein Leute. Nur keine Hemmungen.“
Jetzt jubelten alle, am lautesten Jack, und die Kellner legten die Karten vor sie hin. Er musterte die Gerichte mit großem Appetit und bekam ein ganz schlechtes Gewissen, als er die Preise sah. Man ey, sein mageres monatliches Taschengeld reichte ja kaum für die Vorspeise. Die Speisen war sehr international, aber fürs erste war ihm nach einem guten Steak. Er rief den Kellner und gab seine Bestellung auf. Zum großen Pfeffersteak gab es eine große Cola.
   Ob er jetzt auf die anderen warten musste? Das könnte dauern, gerade Akira war sehr wählerisch.
Er beobachtete wie sie angeregt mit ihrem Freund Sahid diskutierte und dann knutschten die beiden vor allen anderen ungeniert rum, ekelhaft. Dann dachte er an sich und Yolanda und er errötete etwas. Nach erstaunlich kurzer Zeit wurde ihm sein Steak serviert und die anderen starrten ihn an und blätterten dann hektisch in den Karten. Mit gewisser Genüsslichkeit ignorierte er die anderen und schob sich ein Stück Steak in den Mund, es war geschmacklich der helle Wahnsinn. Das Fleisch war geil, die Soße war fantastisch und die Beilagen der Knaller. Satt und zufrieden lehnte er sich zurück und sah den anderen beim Essen zu. Kaz hatte dasselbe wie er bestellt, inklusive Cola. Der bemerkte seinen Blick und zwinkerte ihm zu. Das sättigende Essen wurde irgendwann abgeräumt und die die wollten, holten sich noch ein Dessert. Belustigt sah er wie Kaz sich für ihn und Amber einen Riesenfamilieneisbecher holten. Jack holte sich einen Apfelstrudel mit Eis.
Verdammt, der war ja sogar fast noch besser als das Steak. Jetzt war er aber echt satt.
Kaz und seine Tochter mampften den wirklich riesigen Eisbecher ohne Zeichen der Sättigung zu zeigen, das war echt krass.
   Nach dem Nachtisch gab es eine Runde mit warmen oder kalten Getränken. Während des gesamten Essens redeten alle wild durcheinander, aber jetzt hörte er aufmerksam hin.
„Sag mal Kaz, hast du mitbekommen, wer das ganze Chaos beim Spielplatz da vorne veranstaltet hat, du warst doch heute hier im Haus?“
Kaz grinste breit und lehnte sich zurück.
„Könnte man so sagen, ich bin heute einem sehr netten Araber begegnet, der ein Vehikel wie frisch aus einem Mad Max Streifen durch die Gegend fuhr und auf dem Rasen vor dem Spielplatz zwischengeparkt hatte.“
„Was bitte soll das denn gewesen sein, die Spuren der Verwüstung sind enorm.“
„Hier, ich hab‘s gefilmt.“ Er reichte sein Handy herum. „Eine stark modifizierte Zugmaschine aus der Sowjetunion.“ Erstaunte Laute machten sich bemerkbar, als das Handy um den Tisch wanderte. Jack war schon sehr gespannt, als es an der Reihe war. Wow, was war das denn? Das wohl abgefahrenste Gefährt auf der ganzen Welt. Er konnte sich nicht zurückhalten.
„Wohin ist der Typ damit gefahren?“
„Erstmal zum Spielplatz um sich zu strecken und ein bisschen Sport und Parcour zu machen, dann hab ich ihn auf einen Tee eingeladen und zum Dank hat er uns zum BIT gebracht.“
BIT? Moment mal, war das nicht diese Eliteuniversität auf halbem Weg zwischen Berlin und Potsdam?
   Sahid meldete sich zu Wort.
„Der Araber war Yusuf, er ist einer der besten Bergsteiger der Welt. Er hält einige Weltrekorde für ziemlich abgefahrene Sachen. Und er ist Weltklasse im Parcour, er wird unter vielen als der neue David Belle gehandelt. Mein Vater hat es geschafft ihn am BIT als Dozent für Sport unter Vertrag zu bekommen. Dafür wurden auch eine ganze Reihe Kletterparcours geschaffen.“
Das klang cool, aber hieß das dann, dass der Vater dieses Lackaffen die Uni leitete?
„Jupp, und ich habe mir mit Amber das BIT angesehen und wir haben einstimmig beschlossen, dass sie auf das BIT gehen wird. Gleich am Dienstag startet der Evaluierungskurs.“
Jetzt waren alle völlig Baff. Aber das machte doch gar keinen Sinn, Amber war fünfzehn und das BIT war ne Uni. Er stieß seine Mutter an, aber die sah ihn auch nur ratlos an.
„Das BIT ist die einzige Uni der Welt die mit der ersten Schulklasse startet. Von daher kann Amber problemlos dorthin gehen. Ich studiere dort übrigens auch“ Kam es von Sahid.
„Ich hab mir Broschüren mitgeben lassen und hab sie auch hier, einen Moment mal.“
Kaz stand auf und kam mit einem dicken Stoffbeutel zurück. Naja die Farben passten schon mal gut zu Akiras Kleid. Die Broschüren machten bei Liz, Johnny, Helena und Emma die Runde und deren Augen wurden groß. Er griff sich auch mal so ein Blatt ab. Huh, Sport, na dann mal sehen was die so haben.
Ein paar Minuten später fragte er sich eher, was die alles nicht hatten. Das Angebot war ja der totale Hammer.
„ … Multimediapaket aus einem Smartphone von Prism und einem eigenen Laptop von Spectre …“
„… personifizierte Stunden- und Trainingspläne …“
„… frisch zubereitete Gerichte von den besten Köchen der Welt …“
„… Internat auf Niveau von internationalen fünf Sterne Wellnesshotels. …“
Ok Leute, hört doch einfach nur auf, ihr macht die Sache echt nicht besser. Er grübelte nach wie er seine Mutter dazu überreden konnte, ihn und seinen Bruder dahin zu schicken.
„Ok, und wo ist der Haken? Wenn man das so liest muss das doch ein Vermögen kosten.“
„Das Schulgeld ist etwas komplizierter, aber es ist überwiegend Umlagenfinanziert und richtet sich nach dem Gehalt der Eltern. Wir haben einige Studenten und Schüler aus den ärmeren Schichten. Sollte es trotzdem nicht ausreichen bekommen begabte Schüler auch problemlos ein Stipendium“
Sahid wusste natürlich alles. Johnny wechselte Blicke mit Helena.
„Was für Einschränkungen der äußerlichen Erscheinung gibt es?“
„Keine bunt gefärbten Haare und Piercings“
Johnny grinste triumphierend.
„Dann ist ja alles klar, Akira Haare ab und umfärben. Es ist beschlossen, du gehst da hin.“
Akira war erbost, aber wenn Johnny etwas sagte, dann war das praktisch wie in Stein gemeißelt. Jack grinste Akira schadenfroh an, die sich traurig durch die Regenbogenhaare fuhr.
„Akira, soll ich noch versuchen, ob ich für Morgen einen Friseurtermin hier im Haus finden kann? Die Rechnung geht auf mich.“
Akira nickte unglücklich und Liz erhob sich um ein Telefonat zu machen.
Jack stupste Emma an, die sah ihn mit einem wissenden Blick an.
„Dann werden meine Jungs auch dorthin gehen und wir sollten mal mit Manfred und Matilda Bluhm sprechen, deren Mädels sollten auch eine faire Schulbildung bekommen.“
Jack dachte nach und flohlockte, wenn die Klassen nach dem Alter gingen, würde er Yolanda bestimmt die ganze Zeit sehen. Akira meldete sich zu Wort.
„Aber ihr könnt das nicht einfach so bestimmen, ich bin Volljährig.“ Sie war trotzig wie immer.
Sahid hielt sie am Arm und flüsterte ihr etwas ins Ohr und sie nickte resigniert.
„Nichts da du gehst hin. Und wenn du nicht brav bist, dann kommst du aufs Internat, dann sind wir dich endlich los.“
Er lachte lautstark, während Akira ihn böse anguckte und schniefte.
Liz kam wieder zu ihnen.
„Du hast Glück, sie hatten noch einen Termin um 8 Uhr morgens, genau wie Amber auch. Dann könntest du eigentlich über Nacht bei uns in meiner Wohnung bleiben und morgen früh gehst du mit Kaz und Amber zum Frühstück und dann zum Frisör. Ok, Akira? Oder hast du Einwände Johnny?“
Akira nickte niedergeschlagen und Johnny verneinte. Kaz erhob sich.
„Ok Leute, der Abend war richtig toll und es war mir eine Freude euch alle wiederzusehen und die neuen Gesichter zu begrüßen. Und jetzt ist es spät und einige haben einen längeren Weg vor sich und Johnny, Liz und Emma haben morgen bestimmt einen sehr stressigen Arbeitsalltag. Also haut rein und ich wünsche euch nach eine angenehme Nacht.“
Damit verbeugte er sich kurz und grinste in die Runde.

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