Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 11

11. Jack – 1.W. April 2045 – Montagabend.

Ihm ging das alles irgendwie eine Spur zu schnell. Kaum erholte er sich von dem tollen Essen im Haus der Welt da riss ihn seine Mutter auch schon aus dem Schlaf und ging mit ihm einen wahnsinnig langen Fragebogen durch. Für die neue Schule natürlich, mit Fragen zu seinen Interessen und Hobbys und was er gerne aß und was nicht und so weiter. Den hatte Emma dann auch sofort abgeschickt und ihn ermahnt ein paar Klamotten zusammen zu packen und auf gar keinen Fall das Haus zu verlassen.
Tja er hatte den restlichen Tag gelesen und gezockt und ein paar von Kaz alten Videos angesehen.
Es war einfach immer so unfassbar befriedigend wie Haushaltsgegenstände in super Slowmotion in Fetzen gerissen wurden. Er wünschte sich Adrian wäre eins dieser Objekte gewesen. Ryans Zustand hatte sich dramatisch verschlechtert und die Ärzte wussten überhaupt nicht mehr ob er durchkommen würde.
   Ihm war zum Heulen, sein Bruder und sein bester Freund lag im Sterben und die Welt verdammte ihn als gefährlichen Mörder, während der wahre Mörder frei herumspazierte. Wie gerne würde er auf diese hässliche Visage einschlagen, bis nur noch Brei übrig war.
Um acht nach dem Abendbrot hatte ihn seine Mutter zusammen mit Akira zum BIT gebracht. Ihm war‘s egal, wichtig war nur dass er irgendwas zu tun bekam um auf andere Gedanken zu kommen.
Das BIT war von außen so ein riesiger Kasten und ihm war etwas mulmig gewesen als er die schwerbewaffneten Wachleute sah, aber was sollte das? Er wollte zum KSK und böse Jungs abknallen. Klar gehörte da viel mehr dazu, aber das wollte er nur mal so gesagt haben.
Man hatte sie empfangen und in einen großen Raum mit mehreren Tischen und Umkleidekabinen geführt wo sie ihre neuen Sachen anziehen sollten. Bei Ihm ein Anzug in Weiß und Schwarz und einen affigen Schlips in Unifarben. Die Mädels trugen ebenfalls Sachen in den gleichen Farben nur eben Röcke, Blusen, lange bunte Strümpfe und trotzdem auch Krawatten. Schöne Bescherung. Und sie durften auf dem Gelände auch keine anderen Sachen tragen, außer den Sachen, die man ihnen zur Verfügung stellte. Wozu hatte er dann sinnloserweise gepackt?
   Egal. Dann wurden sie ins Internat geführt was ein nicht minder riesiger Kasten war. Er würde sich ein Zimmer mit jemandem teilen müssen, den er noch nicht kannte. Derweil kamen Amber und Akira in ein Zimmer. Er schnallte die Kombi mit Amber und Akira nicht, sie waren nicht gleich alt und ihre Interessen? Ach keine Ahnung. Aber er bezweifelte dass sich Amber für Videoschnitt und Techreviews interessieren würde.
   Sein neuer Zimmergenosse war Sergej. Er war Russe und schon achtzehn, wenn auch erst seit Januar und er war Sohn des russischen Verteidigungsministers, zumindest der jüngste Sohn. Er nickte grimmig, er hatte im November Geburtstag und kannte das Problem mit dem eng beieinander liegenden Geburtstag und Weihnachten, sowas dämliches. Er beneidete Akira und Amber die beide im Sommer Geburtstag hatten.
   In einer Sache verstanden sie sich schon mal auf Anhieb: Sergej wurde von der Schule geschmissen, nachdem er ein paar Clowns heftig vermöbelt hatte, die seine Freundin angrabbeln wollten. Sergej war ebenso wie Jack sehr sportlich, aber fast so groß wie Kaz und wie ein Kleiderschrank gebaut, Jack war viel schlanker. Sergej war bestimmt ein guter Boxer. Und sie waren beide Zocker, waren Militärfans und lasen gerne. Der Russe war hier schon seit über einem Jahr.
   Also gab es hier anscheinend so eine Art Matchmaking System. Das Zimmer war gemütlich mit der einen Wand mit vielen Schränken und Schubladen und einem Etagenbett. Er würde oben schlafen, Sergej hatte Höhenangst. Unter dem großen Fenster ein großer Tisch mit super bequemen Drehstühlen, gut für einen Laptop oder fürs Lesen oder Hausaufgaben, sofern sie hier welche bekommen würden. Auf der anderen Seite gab es einen bequemen Sitzbereich mit einem flachen Tisch und noch mehr Regale. Das Bad war nicht riesig aber ziemlich gut ausgestattet, mit einer barrierefreien Dusche und ganz gut Stauraum.
   Auf dem Tisch hatten ihn ein paar echt coole Sachen erwartet. Ein nagelneues Prism 12 mit Schutzhülle in den Schulfarben. Ein Spectre Gaming 12, ein schickes nicht zu fettes Gaminglaptop.
Das musste er sofort ausprobieren und er startete einen Speedtest. Ihm klappte die Kinnlade runter, 10 Gigabyte Up- und Download und das im WLAN. Das war ja der Hammer. Zum Testen installierte er Steam, was problemlos ging und ihn sehr verwunderte, kein Admingedöns und alles. Der uralte Tombraider Teil war ja wirklich binnen Sekunden runtergeladen. Krass. Er dachte an die miese Leitung Zuhause, immer noch 8 Mb down und 1 MB up und das im Jahre 2045. Bei den Datenmengen heutiger Spiele war das echt zum heulen, die luden regelmäßig echt tagelang. Und der Laptop hatte eine 40 TB SSD, 256 GB Arbeitsspeicher und einen superschnellen 40 Kern Prozessor, sowie ein helles 17 Zoll Touchscreendisplay mitsamt Stift. Er war echt platt. Und dann natürlich nicht die Gamingmaus und das Wireless Gaming Headset und die Bluetooth Sport Kopfhörer zu vergessen, alles von Logitech aus dem HighEnd Bereich. Die Uni machte es ihm echt nicht leicht wieder nach Hause zu wollen.
   Und er fand auch einen Stapel mit einem Sportoutfit samt zwei Paar Schuhen und einem Freizeitdress für Freizeit eben. Wow. Das Zeug, besonders die Elektronik waren viele Tausend Euro wert, mindestens. Sergej erklärte ihm, dass er das Prism 12 auch als Schlüsselkarte für Türen, Spinde oder die Kantine verwenden könnte. Er dachte an sein schrottiges Uralt Handy, tja, dann würde er die Kontakte und die Daten übertragen und das alte Kackteil dann genüsslich entsorgen.
Er wusste die Specs von dem Prism 12 aus dem Kopf. HighEnd aller erster Güte. 64 Kern Arm Prozessor, 128 GB Ram, 24 TB Speicher, eines der besten Kamerasysteme die man für Geld kaufen konnte, Akku der praktisch unendlich lange hielt, stoßfest, fallsicher, Wasserdicht bis sechs Meter und lud natürlich kabellos. Kompatibel mit VR und AR Brillen der neusten Generation. Und an den Anschluss konnte man diverse Erweiterungshubs anschließen. Das war ein Supercomputer von der Größe einer Schokoladentafel. Einfach nur krank. Und das hatte er jetzt, einfach so und es gehörte ihm – zumindest wenn er genommen würde.
   Etwas säuerlich dachte er daran, dass sich Manfred Bluhm noch Bedenkzeit nehmen wollte, also waren Margarethe und gerade seine Freundin Yolanda nicht mit von der Partie. Er sah zu Sergej der auf dem Sofa ein Manga las. Er schnappte sich sein Prism 12 und prüfte ob seine Schlüsselkarte an ihrem Platz war. Sicher war sicher.
   Der Gang war hell erleuchtet und überall standen Blumen und Pflanzen herum. Im Zimmer rechts von ihm waren Akira und Amber.
   Er klopfte an die Zimmertür und nach einer Weile wurde ihm von Akira geöffnet.
„Was machst du denn hier? Geh doch woanders spielen. Ach man, du gibst ja eh keine Ruhe. Ok, komm rein.“
Er trat in ihr Zimmer ein und sah sich um, es war genauso geschnitten wie ihrs, nur Spiegelverkehrt.
Belustigt sah er dabei zu wie Amber eine dicke Pelzdecke auf das obere Bett auslegte. Au man, hatte die auch so einen Knall mit dem Zeug wie Liz? Und es war immer noch der totale Schock, sie mit so kurzen blond gefärbten Haaren zu sehen. Ihre lange Zottelmähne war viel toller gewesen fand er. Aber sie war auch so sehr süß. Jetzt sah sie ihn an, oh man hatte er sie echt die ganze Zeit lang angestarrt? Wie mega peinlich war das denn bitte. Wie war das eigentlich, sie war doch technisch nicht mit ihm verwandt und nur so auf dem Papier. Würde Kaz ihn lynchen wenn er etwas mit seiner bezaubernden kleinen Tochter anfangen würde? Naja, er vielleicht nicht aber Yolanda bestimmt, sie war einfach nur schrecklich eifersüchtig, was ihn des Öfteren auf den Keks ging.
Amber ging auf ihn zu und blieb vor ihm stehen. Sie war viel kleiner als er, fast einen ganzen Kopf. Aber sie wirkte überhaupt nicht zerbrechlich auf ihn. Und in ihren Augen loderte es.
Mensch, du hast es hart. Mein Bruder kämpft ja nur mit dem Tod aber bei dir hat man gleich die ganze Familie abgeschlachtet. Ich frage mich echt wie du dich fühlst.
„Wie fühlst du dich Amber?“
Sie dachte einen Moment nach.
„Ich finde es doof, dass ich nicht bei Papa sein kann, aber ich finde es gut hier und Liz hat mir eine Decke geschenkt. Guck mal da oben, ist die nicht schön?“
Er starrte sie an. Wie konnte sie nur so ausgelassen sein, nachdem was mit ihrer Familie passiert war? Er dachte an Ryan. Wie er sich wohl fühlen würde, wenn er sterben würde? Fuck, denk doch nicht daran. Aber es würde sich bestimmt so anfühlen, als hätte man ein großes Stück aus ihm herausgerissen.
„Habt ihr schon den Stundenplan für die nächsten Tage gesehen?“
Amber und er schüttelten den Kopf. Zeig mal her Zicke. Warum war er eigentlich so gemein zu Akira, eigentlich mochte er sie doch ganz gern. Jedenfalls war er immer noch schadenfroh darüber, dass ihre Regenbogenmähne weg war. Aber ganz so kurz hätte sie ja trotzdem nicht gehen müssen.
Akira zeigte ihnen den Stundenplan, der galt bestimmt in der Form für sie drei. Er stutze. Aufstehen um fünf. Danach eine halbe Stunde Workout und um sechs Frühstück. Dann kam leider eine ganze Menge Theorie am Dienstag. Am Mittwoch stand Sport auf dem Plan und Donnerstag psychologische Gespräche. Freitag gab es noch eine Auswahl ihrer Wahlkurse und dann würden sie dann erstmal packen. Ob sie zumindest die Smartphones mitnehmen durften? Hoffentlich. Und hoffentlich wurden sie von der Schule aufgenommen. Aber er konnte sich nicht vorstellen dass es nicht so war. Die Familie Solomon war durch den Megakonzern Horizon bestimmt sehr wichtig gewesen. Unten am Tor hatte er das Schild mit den Sponsoren gelesen. Prism, Spectre, Horizon, Omega, eine Reihe von griechischen Buchstaben die ihm nichts sagten, die Flaggen einige Bundesländer und so weiter. Außerdem waren sie ja in einer Notlage.
   Mal gucken ob das Essen hier was taugte und mal gucken wen sie für Sport bekamen. Er hatte gehört, dass hier einige Ex Specialforces aller Nationen arbeiteten. Kaz hatte am Sonntag von einem Russen erzählt, der bei den Spetsnaz gewesen war und hier Sport unterrichtete – coole Sache. Wie viele SEALSs und KSK Operatoren hier lehrten? Im fiel etwas es.
„Sollen wir uns das Gelände nochmal angucken, bevor wir ins Bett müssen?“
Die beiden Mädchen sahen sich ein und nickten dann gleichzeitig, die Chemie der beiden war ziemlich gut schien es ihm. Sie gingen aus dem Zimmer der Mädchen und fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten ins Erdgeschoss. Hier gab es für die Internatsschüler eine eigene Mensa, wie man ihnen vorhin erklärt hatte. Sie spazieren über den Campus, jetzt war es schon nach neun, allzu lange konnten sie also nicht hier draußen bleiben, wenn sie morgen fit sein wollten.
   Er wollte unbedingt den Sportpark sehen, die anderen seltsamerweise auch, die Mädchen hätte er gar nicht so eingeschätzt. Nicht das Akira unsportlich war, aber dass sie jetzt so sportversessen war fand er komisch und Amber konnte er einfach gar nicht einschätzen. Er fand sie sehr faszinierend. Sie hatte etwas sehr fremdartiges an sich, was nicht daran lag, dass sie aus Montana in den USA stammte. Nein irgendwie spürte er dass da mehr war, aber er wusste nicht so genau was.
Der Sportpark war riesig, wenn auch nicht sehr Parkartig grün. Aber er starrte auf den hohen Turm mit mindestens dreißig mal fünfzig Meter Grundfläche bestimmt über hundert Meter in die Höhe ragte. Zwei Seiten waren verglast und an den beiden anderen waren Kletterparkoure angebracht.
Plötzlich hörten sie schnelle Schritte, wie wenn jemand rannte. Sie sahen sich um und wie aus dem Nichts schlitterte ein Araber in viel zu dünnen Klamotten über den flachen Steinboden vor ihnen durch die Nacht und rappelte sich auf. Neugierig sah er sie an und kam auf sie zu. Wer zum Henker war das denn bitte? Moment Mal, das war doch der verrückte Araber den sie am Sonntag beinahe überfahren hatten. Was machte der denn hier?
„Seit ihr die Kinder der Familie Solomon?“
Sein Englisch war ausgezeichnet. Jack nickte verwundert.
„Klasse, ich bin euch als einer von zwei Klassenlehren zugeteilt. So wie ich das Verstanden habe sind die Klassen gemischt und bleiben bei einigen Unterrichtsfächern zusammen und bei anderen nicht. So was treibt ihr um diese Uhrzeit? Wollt euch wohl das Gelände ansehen. Ok, ich begleite euch, aber nur wenn ihr drei in meinen Parcour Kurs kommt. Kommt mit ihr müsst in nicht allzu ferner Zeit ins Bett“
Der Araber lachte etwas gackernd und strahlte sie an. Oh man. War das nicht dieser Weltklasse Kletterer und Parcour Sportler. Und DER war ihr Klassenlehrer? Wie geil war das denn?“
Was für eine Frage, natürlich folgten sie ihm. Und so spurteten sie über das nächtliche Gelände.

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