Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 6

6. Liz – 4.W. März 2045 – Samstagabend

Amber sah sich neugierig im luxuriösen Innenraum des mächtigen Orca Travel um, Liz beobachtete sie dabei. Was ein wunderschönes Mädchen. Ihr wurde warm ums Herz. Sie saßen in der Lounge nebeneinander auf einer der bequemen Bänke. Dann warf das Mädchen ihr einen etwas ängstlichen Blick zu.
„Ist das echter Pelz?“ fragte sie.
„Ja, das ich echter weißer Hermelin. Möchtest du mal anfassen? Es ist ganz weich.“
Unsicher streckte Amber die Hand aus und strich bedächtig über den Ärmel des dicken Mantels.
„Ich habe noch ein paar Pelzmäntel zuhause, die kannst du ja vielleicht mal anprobieren. Die machen sich gut für eine stilbewusste junge Frau wie dir.“
Sie zwinkerte ihr zu. Amber sah sie mit großen Augen an und nickte unmerklich, dann starrte sie aus dem Fenster auf das nächtliche Berlin.
   Liz freute sich schon sehr darauf, dieses junge Mädchen so richtig zu verwöhnen. In den letzten Tagen hatten sie und ihre Freundin Helena fleißig alle Vorbereitungen getroffen und tonnenweise Kekse und Plätzchen gebacken. Nicht zu vergessen die wirklich größte Neuerung, ein eigenes Zimmer für Amber in ihrer Wohnung. Das war bei einer Wohnung dieser Größe kein Problem gewesen und eine von Emmas Innenarchitektinnen hatte sich eine tolle Lösung ausgedacht, die dann auch in Rekordzeit umgesetzt worden war. Sie war schon sehr gespannt auf Ambers Reaktion.
   Der Flug war recht kurz, obwohl ihr Haus am Platz der Nationen in Berlin Solomon auf der ganz anderen Seite von Berlin lag und sie über die halbe Stadt flogen. Amber döste in ihrem Sitz, wachte aber als die Turboprop Triebwerke für den Landeanflug in die Vertikale fuhren. Schläfrig sah sie sich um. Nate schulterte Ambers Rucksack und Liz übernahm den rollbaren schweren Schalenkoffer. Liz streckte Amber eine Hand hin und das Mädchen ergriff sie erst zögerlich und dann mit festem Griff. Die vier betraten den geräumigen Aufzug auf dem Flugdeck und fuhren in den dritten Stock und waren einen Moment später vor Liz Wohnungstür, die sie zügig aufschloss. Liz schaltete das Licht ein und Amber trat mit offenem Mund und riesigen Augen in ihre Wohnung. Nate stellte das Gepäck ab und er und Mara verließen die Wohnung wieder.
„Amber, das ist dein neues zuhause von jetzt an. Guck dir ruhig alles an und hab keine Angst auch die Schubladen aufzuziehen. Ich möchte einfach, dass du dich wohl fühlst. Möchtest du, dass ich dir eine Kleinigkeit zu Essen mache? Und wenn ja, hättest du lieber ein saftiges Sandwich oder ein paar köstliche Kekse.“
Das Mädchen dachte einen Moment nach.
„Das ist wirklich sehr nett, ich würde bitte gerne ein Sandwich haben und bitte mit Schinken. Und hast du vielleicht Saft, zum Beispiel Orangensaft?“
„Ich bin bestens auf dich eingestellt und habe ein paar Flaschen und Tüten mit Orangensaft. Ich habe einfach mal ein ganzes Sortiment gekauft, damit ich weiß, welcher dein Liebster Orangensaft ist.
Ok mache es dir gemütlich oder schaue dich um. Dein Sandwich wird sofort gemacht. Und wirklich, fühl dich wie zuhause. Das ist jetzt deins.“
Liz zwinkerte ihr zu und Amber sah sie einen Moment lang fragend an. Dann sah sie sich sehr interessiert in der Wohnung um und inspizierte jede Ecke. Lächelnd hängte Liz den Mantel an die Garderobe zu den anderen Pelzmänteln und suchte in der Küche Vorräte für ein Sandwich zusammen. Fluffiges Brot, selbstgemachte Mayonnaise, knackigen Salat, saftigen Schinken, saure Gürkchen und ein fabelhaftes Apfel-Zwiebel Chutney, das Helena gekocht hatte, mit Äpfeln und Zwiebeln aus dem Garten. Wenige Minuten später stellte sie ein Tablet mit dem fertigen Sandwich und einem großen Glas Orangensaft in den Speiseaufzug und verließ die Küche.
„Amber? Dein Sandwich ist fertig und erwartet dich oben.“ rief sie.
Liz durchquerte die Lounge und stieg die Treppe hoch. Amber war über Scarletts Terrarium gebeugt und musterte die große Tarantel misstrauisch. Als sie Liz bemerkte sah sie hoch.
„Das ist meine süße Tarantel Scarlett. Möchtest du sie mal streicheln?“
Amber schüttelte heftig den Kopf.
„Sorry, aber ich kann nicht behaupten dass ich Spinnen mögen würde.“
Verdammt so wie Kaz, dabei waren sie gar nicht wirklich verwandt.
„Das ist auch ok. Komm mit, dein Snack erwartet dich.“
Liz führte sie zum Essbereich und holte das Tablet aus dem Speiseaufzug, sie stellte Teller und Glas an der Stirnseite des Tisches ab und Amber setze sich. Zufrieden beobachtete Liz wie Amber sich mit sichtlichem Appetit über das Sandwich hermachte.
„Danke sehr, dass Sandwich war echt richtig lecker. Aber kann ich dich mal was fragen?“
„Sicher, was liegt dir auf dem Herzen?“
„Warum hast du so viele Perücken? Ich hab sie nicht gezählt aber, das müssen hunderte sein!“
„ich bin süchtig danach und probiere mich gerne aus. Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Aber sag es nicht deinem Vater, das möchte ich selbst machen wenn er hierher kommt.“
Amber nickte eifrig. Also zog sich Liz die Perücke vom Kopf und dem Mädchen fiel die Kinnlade herab.
„Ich hatte immer recht dünne Haare und konnte nicht so viele Frisuren ausprobieren, besonders kurze. Vor drei Jahren sind mir die Haare ausgefallen und ich hab sie mir abrasiert und seitdem nur noch Perücken getragen. Jeden Tag.“
„Das ist der Wahnsinn, aber ich glaube das steht dir. Soll ich es auch mal probieren?“
Liz lachte verlegen, Kaz würde ihr den Kopf abreißen wenn sie ja sagte.
„Vielleicht irgendwann mal, aber du kannst ja schrittweise kürzer gehen bis du die Länge findest, die dir am besten gefällt.“
Amber zuckte mit den Schultern.
„Weiß nicht. Ich hatte mein Leben lang lange Haare. Und jeder nennt mich Lara Croft. Das nervt mich und meine Haare nerven. Und meine Eltern sind tot und jedes Mal wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich wie meine tote Mutter mir die Haare flechtet und ich will, dass es aufhört. Ich würde gerne zu einem Stylist gehen und mir die Haare ganz kurz schneiden und vielleicht auch färben lassen. Aber ich bin auch total ängstlich, weil ich nicht weiß ob mich Papa dann noch mag.“
„Glaub mir, deinem Vater wird es lieben. Als dein Vater noch in Deutschland lebte und wir frisch befreundet waren, war er hin und weg als ich ihn mit kurzen Haaren überrascht habe.“
„Echt das wusste ich nicht. Toll.“
„Weißt du schon wie es aussehen soll?“
„Leider nicht. Ich hab ein bisschen recherchiert und mir ganze viele Guides und Bilder durchgesehen. Aber ich konnte mich noch nicht auf einen bestimmten Stil einigen. Ich möchte einfach anders aussehen, ich möchte ein neues Leben starten.“
„Wir könnten ein paar Kurzhaarperücken ausprobieren, ich hab so einige da. Dann können wir testen wie sowas bei dir aussieht. Und unten im Center gibt es einen erstklassigen gut bekannten Haarstylist. Da solltest hingehen. Die haben kurze Wartezeiten und ich bin mir sicher das Personal spricht Englisch. Warum nicht gleich Montag nach dem Frühstück, ich mache einen Termin für dich. Und ich zahl die Rechnung, also mach dir keine Sorgen darüber.“
„Wow, das wäre total großartig, danke sehr! Können wir die Perücken jetzt gleich probieren? Ich bin wirklich gespannt wie ich damit dann aussehen würde.“
„Sicher, lass uns gehen. Es wird bestimmt noch eine Weile dauern bis dein Vater hier ankommt. Aber vorher möchte ich dir noch etwas zeigen. Siehst du die Tür da neben dem Speiseaufzug? Geh mal durch.“
 Amber sah sie neugierig an. Liz setzte sich die Perücke wieder auf und erhob sich, Amber rutschte auf ihrem Stuhl zurück, stand auf und ging am Tisch vorbei auf die die Weiße Schiebetür zu. Liz folgte ihr mit ein bisschen Abstand und beobachtete neugierig wie Amber die Tür öffnete und den Raum dahinter betrat. Liz grinste breit als sie Ambers verzückten Aufschrei hörte und folgte dem Mädchen nach ein paar Minuten in den Raum. Als Amber sie bemerkte drehte sie sich zu ihr um und umarmte sie stürmisch.
„Oh mein Gott, das ist so großartig, das beste Geschenk dass ich jemals bekommen habe! Vielen vielen Dank! Können wir jetzt das mit den Perücken machen?“
Liz nickte lächelnd und Amber schoss an ihr vorbei aus dem Raum. Liz sah ihr nach, ihre Bewegungen waren geschmeidig wie die einer Katze. Liz folgte ihr, immer noch mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Unten im Schlafzimmer wartete Amber schon erwartungsvoll auf sie und saß auf dem Hocker vor dem Schminktisch.
„Ok Mädchen, ich mach dir jetzt einen Zopf, sodass ich deine Haare einfacher unter einem Haarnetz verwahren kann.“
Einige Minuten später waren Ambers Haare ganz unter einem enganliegenden Haarnetz verschwunden. Das Mädchen war schon sehr aufgeregt. Liz trat an das Perückenregal und ihr Blick flog über die unzähligen Schachteln. Dann zog sie ein paar Schachteln aus dem Regal und legte sie auf den Tisch. Amber beobachtete sie aufmerksam. Liz öffnete eine der Schachteln und setzte Amber die Perücke auf, rückte sie zurecht und kämmte sie kurz durch. Eine kurze blonde Bobfrisur. Amber betrachtete sich im Spiegel interessiert von allen Seiten.
„Was denkst du? Magst du es?“
„Schwer zu sagen. Ich meine ich hatte in meinem ganzen Leben nie kurze Haare. Er ist ein gewisser Schock mich so zu sehen. Aber ich denke ich mag es. Können wir bitte noch mehr probieren?“
Die Zeit verging wie im Fluge, während sie eine Perücke nach der anderen probierten. Amber war sehr neugierig und zu ihrer eigenen Überraschung experimentierfreudig.
Als Amber gerade eine pechschwarze Pagenkopf Perücke ausprobierte, öffnete sich die Wohnungstür und Kaz betrat sichtlich erschöpft die Wohnung. Er sah Amber mit der Perücke auf dem Kopf vor dem Schminktisch sitzen und warf ihr einen fragenden Blick zu.
„Amber, kann ich dich fragen was du da machst?“
„Liz und ich probieren ein paar verschiedene Frisuren aus. Können wir gleich Montag bitte zum Frisör? Bitte bitte Papa.“
„Wart mal, warum so schnell Mädchen?“
„Ich möchte einen frischen Start, weißt du? Nachdem was mit meinen Eltern passiert ist, scheinen sie mich zu verfolgen, wie Geister.“
„Ok kleine, aber jetzt geht es erstmal ins Bett, es ist schon spät.“
Liz nahm Amber die Perücke ab und befreite sie von dem Haarnetz.
„Und jetzt ab ins Bad zum Zähneputzen. Weißt du noch, wohin du deine Zahnbürste und deinen Pyjama eingepackt hast?“
Amber nickte und ging durch den Raum zu ihrem Rucksack, öffnete und durchstöberte ihn.
Kaz umarmte Liz fest und küsste sie auf die Wange.
„Ryan ist leider immer noch nicht bei Bewusstsein und in kritischen Zustand und seine Freundin Margarethe weicht keinen Millimeter von seiner Seite, das finde ich sehr bemerkenswert. Jedenfalls bin ich jetzt total geschafft. Ich glaube ich gehe auch mal Zähneputzen.“
Liz hielt ihn am Arm fest.
„Was denn?“ Er sah sie fragend an.
„Ich muss dir was zeigen, im Schlafzimmer.“
Sie führte ihn ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich zu.
„Und jetzt?“
Ohne eine Antwort zu geben zog sie sich die Perücke vom Kopf. Kaz Kinnlade kippte herab und seine Augen wurden riesig groß. Er trat zu ihr und fuhr ihr bedächtig über den völlig kahlen Schädel.
„Oh man, Was machst du denn für Sachen? Ich mag‘s kurz, aber ich hätte nie gedacht, dass du dir jemals den Kopf rasierst. hast du das nur wegen dem Brief gemacht? Ich meine das war eher so als Scherz gedacht, ich hätte nie gedacht, dass du das jemals durchziehen würdest. Es tut mir so leid. Aber es sieht echt gut aus. Ich mag es. Gerade mit deiner weißen Haut und den Augen. Das war zwar vorhin ein echter Schock, aber ich finde es gut.“
„Hast du Lust?“ fragte sie ihn?
„Das musst du mich nicht fragen, natürlich. Und sei um Himmels Willen leise. Amber muss ja nicht sofort mitbekommen wie nahe wir uns stehen. Und jetzt befreie ich dich mal aus diesem Kostüm.“
Kurz darauf räkelte sich Liz nackt auf dem weichen Pelz und Kaz der ebenfalls vollkommen nackt war kam zu ihr auf das Bett und baute sich über ihr auf. Er fuhr mit den Fingern die Konturen ihres Körpers entlang, küsste sie sanft überall und strich ihr über ihren kahlen Kopf. Nach einem kurzen Vorspiel drang er langsam in sie ein und sie wurde von einer Woge der Lust überflutet und gab sich ihr voll hin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: