Das Osiris Projekt – Teil 1 – Kapitel 3

3. Liz – 2. W. März 2045 – Sonntag – Die Welt steht Kopf

Liz wollte weiterschlafen, aber ein lautstarkes Klingeln riss sie aus dem Schlaf. Müde schlug sie die Augen auf und sah sich um. Sie war beim Lesen auf dem Sessel eingeschlafen. Ihr Kopf schmerzte, was bei der Menge Wein die sie gestern getrunken hatte nicht verwunderlich war. Draußen war es schon hell. Sie schlug die Pelzdecke zurück und fröstelte. Der Bademantel lag noch auf der Lehne des mächtigen Schreibtischstuhls, sie erhob sich und zog ihn sich über. Die Türklingel schrillte immer noch lautstark. Man, ich bin doch nicht taub! Sie fluchte lautlos, toller erster offizieller Urlaubstag. Beim Blick auf die Uhr auf dem Schreibtisch hob sie überrascht die Brauen, es war fast ein Uhr nachmittags. Hatte sie echt noch so lange gelesen, dass sie sie jetzt erst aufwachte, wenn auch eher gezwungener Maßen oder war die Woche einfach so erschöpfend gewesen? Oder war es der Wein?
Schlaftrunken tappte sie barfuß die Treppe herunter und zur Tür. Ohne durch den Türspion zu gucken öffnete sie genervt die Wohnungstür, wehe es war nicht dringend.
   Überrascht stellte sie fest, dass es Helena war, die da sturmklingelte. Hinter ihr stand eine etwas angenervte Mara in ihrem Freizeitoutfit, die Liz einen hilflosen Blick zuwarf und mit entschuldigender Miene mit den Schultern zuckte. Helena sah von der Klingel auf und ihre Augen weiteten sich vor Schreck als sie Liz sah. Oh verdammt, sie hatte vergessen sich eine Perücke aufzusetzen. Liz war jedoch nicht minder erschrocken, Helenas Gesicht war tränenüberströmt und ihre Augen ganz verquollen. Irgendwas Schlimmes musste passiert sein.
„Liz, ist was passiert? Oh entschuldige ich komme völlig ungelegen, Tut mir so leid. Ich bin nur einfach so durcheinander und aufgelöst und weiß nicht was ich tun soll.“
„Nein mir geht es gut. Aber bitte komm doch rein. Möchtest du etwas zu trinken haben?“
Helena holte tief Luft und nickte dann. Sie trat an Liz vorbei in die Wohnung und schlüpfte aus Mantel und Schuhen. Mara verschwand wieder durch eine Tür, die zu ihrem Apartment führte.
„Cappuccino wie immer?“
Helena nickte nur, aber sie schien ihr gar nicht richtig zuzuhören. Sie stolperte fast über den großen Waran der neugierig zur Tür gelaufen war. Zitternd ließ sie sich auf dem Sofa nieder und starrte ins Leere, während ihr weiter Tränen über die Wangen liefen.
   Liz fühlte sich unwohl und ihr bangte, was ihre beste Freundin gleich erzählen würde. Er jetzt bemerkte sie, dass Helena eine zusammengefaltete Zeitung auf den Glastisch gelegt hatte, vom Logo her eins dieser Boulevard Blätter. Komisch, sowas las Helena doch gar nicht. Ohne sich die Zeitung weiter anzusehen, schoss sie in die Küche und setzte den Cappuccino für ihre Freundin auf. Dann schnell ins Bad wo sie sich eine Dose mit Taschentüchern schnappte und vor Helena auf den Tisch stellte. Dann eilte sie ins Schlafzimmer wo sie sich schnell etwas anzog und sich eine Perücke aufsetzte. Sie musste ja nicht halbnackt und mit Glatze dort auf dem Sofa sitzen, wo es ihrer Freundin so miserabel zu gehen schien.
   Fünf Minuten später stellte sie ein Holztablett mit einem Keksteller und dem Kaffee für ihre Freundin auf den Tisch. Sie selbst trank nichts, in der Küche hatte sie bereits ein Glas Wasser und zwei Kopfschmerztabletten heruntergestürzt.
   Sie setzte sich schräg gegenüber zu ihr und beobachtete wie Helena mit zitternden Händen Zucker in den Kaffee schüttete und umrührte. Dabei warf sie ihr einen unsicheren Blick zu.
„Was ist passiert? Deine Haare!“
„Nicht so wichtig, ist nichts schlimmes, ich erzähl es dir später. Aber was ist denn mit dir? Du weinst und zitterst total. Was ist passiert?“
Wortlos schob ihr Helena die Zeitung zu und griff dann nach einem Taschentuch. Mit einem unguten Gefühl entfaltete Liz die Zeitung und starrte auf die furchtbar reißerische Schlagzeile.
„Mörder Zwillinge gehen um“ Darunter ein Bild von einer Straße im Wald und ein … Oh nein. Ein Bild von Jack und Ryan. Liz überflog den miserabel und völlig reißerisch geschriebenen Artikel und beim Lesen kochte sie vor Wut. Nach der Hälfte legte sie die Zeitung weg und schloss die Augen. Sie sah auf und Helena in die Augen, diese hatte sich etwas gefangen und weinte nicht mehr.
„Kannst du mir erzählen was passiert ist? Diesem Artikel kann man ja wohl kaum Glauben schenken.“
Helena nickte gefasst und räusperte sich.
„Die Kurzfassung, vor drei Wochen waren die Jack und Ryan auf eine Party eines Arschlochs namens Adrian Drosser eingeladen, die gehen alle auf die gleiche Schule und Adrian ist so ein Möchtegern Gangster Boss der sich wie blöde aufspielt und einen Haufen Schläger herumkommandiert.
Jedenfalls beobachten die beiden wie Adrian etwas in einen Drink schüttet und einem Mädchen anbietet und das arme Ding hoch zu einem Schlafzimmer führt. Verdammt die beiden haben an dem Abend eine Vergewaltigung verhindert. Die Opfer heißen Yolanda und Margarethe Bluhm.
Und gestern …“, sie schluchzte laut auf „ … gestern waren die vier im Wald spazieren und auf dem Rückweg lauerte ihnen Adrian mit neun Schlägern auf, die die vier zusammenschlagen und töten wollten. Gott sei Dank trainieren die beiden Jungs wie besessen und konnten sich gut wehren und die Schläger umhauen. Aber dieser Adrian Bengel hat auf Ryan geschossen und schwer verletzt.
Und hier kommt das abscheuliche. Yolanda hat alles gefilmt, auch was sie in den beiden Wagen gefunden hat. Vier schwarze Leichensäcke, Tape und Schaufeln. Da kommt einem echt das Essen hoch. Und Jack hat geschäumt vor Wut. Aus einer Ahnung heraus hat er die Video-Aufnahmen sofort an Akira und Kaz geschickt.“
„Warum? Sorry dass ich dich unterbreche“
„Komm schon, Kaz hat über fünf Millionen Follower über diverse Videoplattformen verteilt und Akira hat knapp dreihunderttausend. Lies dir nur diesen scheiß Artikel durch, dass weißt du warum.
Jedenfalls zurück zu gestern. Die Polizei war dann zum Glück schnell da und hat alles aufgenommen. Die waren ziemlich platt als sie die lange Reihe an bewusstlosen Schlägern und den Stapeln mit den Waffen gesehen haben und haben Verstärkung angefordert. Zwei gegen Zehn. Leider hat es Ryan schwer erwischt, er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und operiert und wir sind noch alle am Bangen, weil er immer noch in einem sehr kritischen Zustand ist.“
Liz atmete schwer aus und schüttelte nur ungläubig den Kopf.
„Das ist doch einfach nur krank dass wir in einer Welt Leben, wo Kinder andere Kinder umbringen.“
„Ist es. Hier, Das ist das Video.“
Helena reichte Liz ihr Handy und Liz startete mit bangem Gefühl das Video. Es war genauso wie ihre Freundin es ihr beschrieben hatte nur sehr brutal und grafisch und bei einigen Momenten rumorte ihr Magen heftig. Gerade die Aufnahme wo Jack seinem Bruder Jacke und Oberteil aufriss und seine Hände auf die stark blutende Wunde presste während im Hintergrund eines der Mädchen heftig schluchzte. Als die Aufnahme zu Ende war fühlte sich Liz entsetzlich. Jack und Ryan waren so nette Jungs mit einem ausgezeichneten moralischen Kompass. Sie taten das einzig richtige und verteidigten sich und die Mädchen und zum Dank kämpfte Ryan jetzt mit dem Leben. Sie war zwar sehr friedliebend, aber diesem Adrian hätte sie jetzt gern etwas Scharfkantiges zwischen die Rippen geschoben. 
„Wie geht es Emma?“
„Frag nicht, sie ist regelrecht explodiert, als die Polizei sie angerufen hat. Sie ist in Angst um Ryan und trotz allem unglaublich stolz auf die beiden. Und da Jack das Video sofort an Akira geschickt hatte, wussten auch wir sofort Bescheid. Und Johnny hat sofort seinen großen Bruder ans Telefon geholt und die drei haben eine Notfall-Videokonferenz eingeläutet.“
„Mit welchem Ergebnis?“
„Weiß ich nicht genau, ich war nicht dabei und vorhin waren sie wieder heftig am Diskutieren. Weißt du das wirklich ekelhafte an dieser Geschichte ist, dass Adrian inzwischen wieder auf freien Fuß ist. Sein Vater Torsten Drosser hat verdammt viel Einfluss und er besitzt etliche Zeitungen und mehrere Fernsehsender. Die Zeitung da vor dir, gehört auch ihm. Und dieses Arschloch hat die rosarote Brille auf wenn es um seinen missratenen Sohn geht. Schlimmer noch, der Bastard ist ganz dicke mit dem Polizeichef und dem Bürgermeister, was eine unfaire Scheißwelt in der wir leben.
Weißt du, Die beiden retten das Mädchen vor einer Vergewaltigung und zur Belohnung will dieser Spinner mit seinen Schlägern die beiden umbringen, die Mädchen vergewaltigen und dann wahrscheinlich auch umbringen und dann irgendwo im Wald verscharren. Und die Jungs machen einen Weltklasse Job in ihrer Verteidigung auch wenn sie hart einstecken müssen. Jetzt sind alle vier im Krankenhaus, die Polizei ermittelt, auch wenn sie definitiv Druck von oben bekommen werden die Ermittlungen einzustellen und diese scheiß Presse hat nichts besseres im Kopf als die Fakten völlig zu verdrehen und die vier als die Bösen darzustellen und den Ruf unserer Familie komplett durch den Dreck zu ziehen.“
„eurer ganzen Familie?“
„Ja, du musst den Artikel weiterlesen. Kaz wird als waffenliebender gemeingefährlicher Psychopath bezeichnet, der die beiden angestiftet hat – das mit den Waffen stimmt ja auch. Emma als verantwortungslose Mutter, Johnny als größenwahnsinniges Kapitalistenschwein und Kriegsprofiteur. Und die Familie der Mädchen kommt auch nicht gut weg, alles Nazis.“
„Bitte Was? Und warum Nazis?“
„Weil diese Familie stark vom Militär geprägt ist. Der Vater ist ein hochrangiger Offizier beim Heer und die Mutter war bis zur Geburt der Mädchen ebenfalls Berufssoldatin. Alles Lügen, was diese Schweine da schreiben. Trotzdem werden Millionen von Menschen diesen Scheißdreck lesen und glauben.“
Helena schüttelte sich vor Wut und ballte die Hände zu Fäusten.
„Und weißt du was? Adrians Vater ist super gut mit dem Schulleiter der Schule befreundet, auf den all unsere Kinder gehen. Jack und Ryan wurden der Schule verwiesen. Und Akira auch, obwohl sie in keinster Weise etwas damit zu tun hat. Es trifft sie nur, weil sie den gleichen Familiennamen hat. Und Yolanda und Margarethe hat es auch erwischt. Es ist einfach nur zum kotzen. Akira ist im Abschlussjahr und hat sich schon intensiv auf ihre Prüfungen vorbereitet, und jetzt das. Abitur ist in wenigen Wochen und man wirft sie von der Schule.“
Liz stand auf und setze sich neben ihre Freundin, schlang den Arm um sie und drückte sie fest.
„Es wird alles gut, eure Familie hält in Krisenzeiten zusammen.“
Sie dachte einen Moment an ihre Assistentin Mara Bluhm, die würde schäumen wenn sie davon erführe, Die Mädchen waren ihre Cousinen.
   Helena lächelte schwach, dann grinste sie ein bisschen.
„Du weiß schon, dass du auch zur Familie gehörst? Mein Mädchen schwärmt total von dir. Und Johnny lobt dich in höchsten Tönen, ohne dich würde er das mit dem Konzern nie schaffen.“
Liz spürte wie sie rot wurde. Der Gedanke fühlte sich gut an, zumal sie ihre Familie praktisch verstoßen hatte. Allerdings war der Zeitpunkt schlecht gewählt, wo doch die Jungs schwer verletzt im Krankenhaus lagen.
„Und ich glaube wir brauchen jetzt auch echt deine Hilfe.“
„Ich versteh schon, die temporäre Leitung der Firma.“
„Das nicht unbedingt, wir dachten da an etwas anderes.“
Liz hob fragend die Brauen.
„Jetzt bin ich aber neugierig, was denn?“
„Als emotionale Stütze für Sebastian, also Kaz. Er kommt fürs erste wieder nach Deutschland zurück. Wie du gesagt hast muss eine Familie in der Krise zusammenhalten.“
Liz Magen sackte ihr in die Kniekehlen, sie fühlte als hätte jemand den Teppich unter den Füßen weggezogen. Glücklicherweise bemerkte Helena nichts davon.
„Er muss sich jetzt um eine Menge kümmern und Sachen abklären. Jetzt ist bei ihm alles so viel komplizierter jetzt wo Amber bei ihm wohnt.“
Helena sagt das alles so nebenbei, aber in Liz Magen krampfte es sich heftig zusammen. Wer war Amber, eine Freundin, seine Frau? Sie fühlte sich auf einmal ganz miserabel.
„Huh, alles in Ordnung? Du siehst so blass aus.“
Helena sah sie besorgt an. Liz schüttelte den Kopf und kämpfte gegen die Tränen. Alle Hoffnung für ein gemeinsames Leben war umsonst.
„Oh, Ich denke ich verstehe dich. Naja weißt du, im Grunde genommen dachte ich mir du würdest dich darüber irgendwie ziemlich freuen.“
„Über was denn bitte? Dass er mich abgesägt hat und sich ‘ne andere gesucht hat?“
„Nein nein, du verstehst das total falsch. Amber ist nicht seine Freundin, sie ist seine fünfzehn Jahre alte Adoptivtochter.“
Liz erstarrte und sie kam sich schrecklich dumm vor. Sie lachte unsicher auf, aber es klang falsch. Helena schob Liz ihr Handy hin. Ein Bild von einem unsicher lächelnden Mädchen mit zotteligen dunkelbraunen Haaren, einem sehr hübschen Gesicht, großen grünen Augen und Sommersprossen.
Wärme stieg in ihr auf, der Schreck wich einer angenehmen Vorfreude.
„Wie lange bleiben die beiden?“
„Das steht noch nicht fest, aber der Plan ist, dass Amber in Deutschland zur Schule gehen soll. Und ich weiß das ist vermutlich sehr schwer für dich, aber können die beiden vorerst bei dir einziehen?“
Die eine Hälfte von Liz wollte in Tränen, die andere in Freudengeheul ausbrechen.
„Naja es wird vielleicht eng und Amber hat kein eigenes Zimmer, aber als Übergangslösung ist das machbar. Dann müssten wir halt zu dritt in dem riesigen Bett schlafen oder einer schläft auf dem Sofa oder auf einer Matratze.“
„Danke sehr, du bist ein Schatz! Aber ich bitte dich dreihundertfünfzig Quadratmeter sind nicht eng! Außerdem wird es Zeit, dass die Kleine ihre Mama kennenlernt“
Liz guckte verdutzt. „Das verstehe ich jetzt echt nicht.“
„Komm schon, ihr beide seit euch so nahe, dass es schon lange über eine normale Freundschaft hinausgeht. Und ihr quält euch so sehr. Es ist so süß, dass ihr euch beide seit zehn Jahren standhaft weigert euch einen Partner zu suchen. Gib doch zu, dass du ihn haben willst.“
Helena lächelte ihr aufmunternd zu.
„An dem Tag wo er mir gesagt hat, dass er auswandern will, wollte ich ihm einen Heiratsantrag machen.“
„Oh, wie süß. Hast du den Ring und alles noch?“
„Klar, ist oben in einer Schublade.“
„Die Kleine hat so viel mitgemacht, dass sie jetzt bestimmt gut jemanden gebrauchen könnte, die in die Rolle einer Mutter schlüpft. Ich glaube das kannst du sehr gut. Ich sehe es ja bei meiner Tochter, dass du ein Händchen für Kinder hast. Und jetzt bekommt die Kleine nicht einmal eine  Verschnaufpause sondern wird gleich ins nächste Familiendrama hineingerissen. Ihre Eltern sind im Herbst bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und die Kleine lag wochenlang im Krankenhaus, hat Kaz erzählt. Sie hat keine näheren Verwandten mehr und wurde sofort in ein Heim gebracht, wo Kaz regelrecht über sie gestolpert und sich anscheinend sofort in das kleine Mädchen verliebt hat. Ich finde sie hat gewisse Ähnlichkeiten zu dir, bis auf die Hautfarbe.“
Liz lächelte verlegen, auch wenn sich schrecklich unwohl fühlte. Armes kleines Mädchen.
„Warum hast du eine Glatze?“
Liz zuckte zusammen, der Themenwechsel kam super abrupt.
„Ähm. Naja, ich hatte immer schon ziemlich dünne Haare. Und vor drei Jahren sind sie schlagartig ausgefallen. Ab dem Zeitpunkt hab ich angefangen nur noch Perücken zu tragen und mir eine Glatze gemacht. Anfangs hab ich mich rasiert und später hab ich ein Mittel von Horizon dafür genommen.“
„Kann ich es nochmal sehen?“
Liz nahm die Perücke ab und legte sie auf den Tisch, dann drehte sie sich zu ihrer Freundin hin.
„Wow, darf ich?“
Liz nickte und Helena strich ihr über den haarlosen Kopf.
„Fühlt sich total abgefahren an, wie Babyhaut. Und der Anblick ist schwer gewöhnungsbedürftig. Aber dein Kopf hat eine tolle Form, ich glaube dir steht sowas. Ist das für immer so?“
„So dünn wie meine Haare waren bin ich nicht traurig, dass das Elend endlich ein Ende hatte. Und ich mag kurze Haare. Zwar war es nicht unbedingt geplant mir eine Glatze zu machen aber so ist es jetzt nun mal. Aber mich würde es nicht stören bis zu meinem Lebensende so rumzulaufen. Jetzt wo ich darüber nachdenke, sollte man es im Leben unbedingt mal probiert haben.“
Helena schluckte und schüttelte den Kopf.
„Nein, also ich weiß nicht. Bei mir könnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Außerdem würde es tausend Jahre dauern, bis es wieder nachgewachsen ist.“
„Du könntest ja einfach eine Perücke tragen.“
„Nein, ich bin nicht so der Typ für Perücken.“
„Musst du ja auch nicht. Aber zurück zu gerade eben. Es war immer schon mein Lebenstraum eine eigene Tochter zu haben, deshalb hat es mich ja auch so fertig gemacht, als mir die Ärzte verkündet haben, dass ich keine Kinder bekommen kann. Und ich bin seit zwanzig Jahren in diesen Verrückten verknallt, der mein Leben total auf den Kopf gestellt hat. Ich bin jetzt sehr unsicher. Vor über zehn Jahren haben ich und Kaz eine Weile zusammen gelebt und es war die tollste Zeit meines Lebens. Und jetzt droht sich das Ganze zu wiederholen nur dieses Mal sind wir ein Jahrzehnt älter und dieser Kindskopf hat anscheinend ein wunderschönes Mädchen adoptiert und bringt es nach Deutschland mit. Ich glaube ich hab Angst davor wie sie mich sieht. Ich bin doch ein Monster.“
„Ich bitte dich, du hast jetzt so viel Erfahrung Akira und den Jungs, dass ich mir da echt keine Sorgen mache. Und du bist schön auf eine ganz besondere Weise.“
Helena starrte einen Moment in die Leere. Dann schniefte sie lautstark und ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. Liz nahm sie in den Arm und drückte sie fest. Helena schluchzte heftig und ihr Körper bebte. Sanft strich Liz ihr über Kopf und Rücken bis sie sich wieder beruhigt hatte.
„Ich war gerade auf dem Weg ins Krankenhaus, würde es dir etwas ausmachen mich dorthin zu begleiten? In meinem Zustand traue ich mich nicht selbst zu fahren.“
„Das musst du mich nicht fragen, ich fahre dich sofort, kein Problem. Ich brauch nur einen Moment um mir etwas anzuziehen und Mara Bescheid zu geben.“
Sanft löste sie sich aus der Umarmung, stand auf und eilte ins Schlafzimmer wo sie sich legere unauffällige Kleidung anzog und sich die Bob-Perücke auf den Kopf setzte, die sie auch im Konzern trug. Helena saß noch auf dem Sofa und tupfte sich die Wangen mit einem Taschentuch trocken. Bei ihrem Anblick erhob sie sich etwas wacklig.
„Du bist ein richtiges Chamäleon weißt du das. Und du siehst immer so toll aus.“
„Es macht mir ja auch Spaß so viele verschiedene Sachen zu probieren. Soll ich dich stützen? Du siehst sehr wackelig aus. Warte ich bringe dir deine Schuhe und deinen Mantel, eine Sekunde.“
Ein paar Minuten später sah ihr Helena in ihrem schicken Wintermantel dabei zu wie sie schnell in ein paar Stiefel und in einen langen Wollmantel in gedeckten Farben schlüpfte. Draußen im Hausflur sprang sofort das Licht an und Liz prüfte kurz ob sie alles Wichtige dabei hatte, dann schaltete sie das Licht in der Wohnung aus und schloss die Tür. Sie fuhren mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage und steuerten Liz Wagen an. Was die Wahl des fahrbaren Untersatzes anging passte sie schon ausgezeichnet in Kaz Familie. Dort in einer Ecke stand ein mächtiger schwarzer Land Rover Defender 110 mit getönten Scheiben. Aber den fuhr sie nicht mehr. Neben dem Defender stand ein furchteinflößender schwarzer SUV. Ein Mix aus einem Rolls Royce und einem Geländewagen. Ein Omega Hound und zu ihrer Freude gepanzert und voll elektrisch. Mit einem Fond mit extra viel Beinfreiheit und einer schönen kleinen Snackbar. Und sie fuhr am liebsten solo, wenn sie es sich zeitlich erlauben konnte.
   Suzi brachte sie immer mit dem Lambda Swordfish Escort in die Konzernzentrale.
Mara wartete schon in ihrer Dienstmontur neben dem Wagen, die kurzen schwarzen Haare noch etwas feucht vom Duschen.
   Emma und Johnny fuhren das exakt gleiche Modell von Defender 2020, nur Emmas Jungs durften in Kaz alter Defender Gurke herumfahren, die war aber zumindest auch schwarz und machte die beiden arm. Sie hielt den Defender für ein Sicherheitsrisiko, deshalb hatte sie sich für Omega entschieden, die waren die neue sichere Edelklasse und der Ruf und die Qualität war ganz ausgezeichnet. Omega hatte dafür gesorgt dass „Made in Poland“ im Autobau für etwas sehr positives und kraftvolles steht.
Helena stieg hinten ein und Liz und Mara vorn, Liz fuhr. lautlos sprang der starke Elektromotor an. Benziner und Diesel waren echt selten geworden.
„Zu welchem Krankenhaus muss ich?“
„Zur Berliner Charité.“
Liz nickte wissend und fuhr langsam aus der Tiefgarage und dann in zügigem Tempo durch den Nachmittäglichen Verkehr.
„Ich glaube es ist wichtig dass ich dir ein paar Sachen über den Vater der Mädchen berichte. Er ist ebenfalls äußerst schlecht gelaunt darüber in welches Licht seine Familie gerückt wird. Gestern war es so, dass Yolanda im Krankenwagen bei ihren Eltern zuhause angerufen hat und das nötigste berichtet hat. Die Eltern haben den Militär Drill definitiv im Blut, denn sie sind keine fünfzehn Minuten nach dem Krankenwagen in der Klinik eingetroffen. Emma traf eine halbe Stunde später mit ihrem Bruder und der halben Horizon Garnison im Schlepptau ein. Ryan war zum dem Zeitpunkt schon im OP und Jacks Wunden wurden genäht, die zum Glück nicht so schlimm waren, wie sie aussahen. Die Mädchen waren gefasst, standen aber unter Schock und brachten kaum ein Wort über die Lippen. Johnny hat den Eltern Mädchen das Video gezeigt und der Vater Manfred hat mit regungsloser Miene aber vor Wut lodernden Augen zugeguckt, während seine Frau Matilda, die in dem Krankenhaus als Krankenschwester arbeitet, in Tränen ausgebrochen ist. Emma hat keine einzige Träne verdrückt, sie war einfach nur so voller Wut und Hass auf diejenigen, die ihre beiden mutigen Jungs so zugerichtet haben. Dieses schreckliche Ereignis hat unsere Familien zusammen gebracht und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass die sich mit der falschen Familie angelegt hat. Manfred und Matilda kommen beide aus einem Zweig alter stolzer Militärfamilien, bei denen in jeder Generation die Jungen zum Militär gehen und mittlerweile auch die Mädchen. Und Manfred hat zwei Brüder, er ist der jüngste. Wolfgang ist der Mittlere und hochrangiger Befehlshaber beim KSK und der Wilhelm ist der älteste, war ebenfalls Befehlshaber beim KSK, musste aber den Dienst nach einer schweren Verletzung im Einsatz quittieren und hat vor über fünfzehn Jahren ein Unternehmen für Security und Personenschutz gegründet, das einen ausgezeichneten Ruf haben soll.
Jedenfalls sind die vier zu dem Schluss gekommen, dass es wohl das Beste wäre, wenn die vier Jugendlichen unter Schutz gestellt werden sollte, zur Sicherheit. Manfred hat also seinen Bruder kontaktiert und weniger als eine Stunde später parkten auf dem Parkplatz unten zwei Mannschaftswagen und zwölf Sicherheitsleute von Bluhm Security haben wortlos ihren Posten bezogen. Und momentan bereiten sich HRZN Gardisten und Ritter darauf vor in Orcas zu steigen und den Komplex zu besetzten. Auch wenn mich das total gruselt, die sind ja wie ‘ne Armee.
Emma und Matilda sind geblieben während Manfred und Johnny zu uns nach Hause gefahren sind und eine Notfall Konferenzschaltung mit Kaz gestartet haben. Danach hat Johnny ein paar Sachen für die Jungs und für Emma eingepackt und die beiden sind wieder ins Krankenhaus gefahren, wo sie die ganze Nacht Wache gehalten haben. Ryans Operation war erfolgreich, aber sein Zustand bleibt kritisch und er ist nicht bei Bewusstsein. Jack schläft die ganze Zeit und Yolanda weicht ihm keinen Zentimeter von der Seite. Ihre Schwester Margarethe sitzt mit ihrer Mutter und zwei Sicherheitsleuten vor der Intensivstation und bangt um das Leben ihres neuen Freundes. Die Ereignisse der letzten Wochen haben die vier Teenager echt zusammen geschweißt. Und als heute Morgen die ersten Artikel zu dem ganzen erschienen sind ist das Ganze erst so richtig hochgekocht. Und dann die Nachricht dass man Adrian laufen gelassen hat und dass die Kriminalpolizei, die diese Sache untersucht, absolut nicht reagiert. Manfred und Matilda kochen vor Wut und deren Geschwister und Eltern sind mittlerweile im Bilde. Und dieser Bengel Adrian schürt das Ganze noch an, indem er auf Twitter über die vier ordentlich herzieht und sich als das Opfer darstellt. Kaz und Akira haben sich zusammen getan und arbeiten an einer Video Sache um die Fakten wieder klar zu rücken.“
Mara neben ihr rückte unruhig auf ihrem Sessel herum, sie ahnte etwas.
„Oh man, das ist echt eine ganze Menge. Ich finde es klasse, dass sich alle so ins Zeugs legen.“
„Ist doch selbstverständlich. Alle ziehen an einem Strang und helfen sich gegenseitig.“
„Wie geht es deiner Tochter?“
„Akira ist wütend, hat sich in ihrem Zimmer verschanzt und arbeitet an dem Video.“
„Ist das nicht riskant wenn sie allein ist?“
„Nein, Akiras Freund Sahid ist da und auf dem ganzen Grundstück sind Sicherheitsleute von Bluhm Security postiert. Wilhelm ist den Jungs über alles dankbar, dass sie seine Nichten vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt haben und sieht es sich als seine Pflicht an, auf alle Beteiligten aufzupassen. Ich denke das ist unglaublich wichtig, da diese niederträchtige gekaufte Presse uns alle in den Dreck ziehen wollen. Ich wette dich nehmen sie auch ins Visier. Und es wird viele Schaulustige und Mitläufer geben, die unsere Familien angreifen werden. Es ist einfach nur ekelhaft was man seit heute Morgen in den sozialen Medien liest.“
Bei dem Gedanken schluckte Liz. Gestern noch war die Welt in Ordnung und jetzt herrschte regelrecht Krieg. Nein das stimmte nicht, die Welt war immer schon ein relativ mieser Ort gewesen und mit den Clowns hatten sie seit zehn Jahren aktiven linksextremen Terrorismus in Europa.
Und ihre Wohnung mit dem riesigen Panorama Fenster. Wenn das nicht eine erstklassige Zielscheibe war. Ein Schauer lief ihr den Rücken runter zum Glück war sie bestens vorbereitet.
„Da vorne ist es. Oh nein, siehst du die Schar mit den Schildern vor dem Eingang? Verdammter Mist, an denen kommen wir unmöglich vorbei. Moment, ich ruf kurz meinen Mann an.“
Helena telefonierte leise mit ihrem Mann, während Liz unauffällig einparkte.
„Ok, wir müssen uns einen Moment gedulden, aber gleich kommen ein paar Leute, die uns eskortieren.“
„Würden sie dich erkennen, wenn du dir meine Perücke aufsetzt und ich dir meinen Mantel gebe?“
Helena warf ihr einen überraschten Blick zu, dann schüttelte sie den Kopf.
„Ich glaube das bringt nichts, außerdem bist du dann ungeschützt. Ich glaube die Presse würde sich nur darauf stürzen, dass die Vizechefin eines Milliardenkonzerns einen mentalen Meltdown hatte und sich den Kopf rasiert hat.“
„Das stimmt doch gar nicht.“
„Ich weiß, aber von diesen Hurensöhnen nimmt dir das doch keiner ab. Und ich möchte unbedingt vermeiden, dass sie dich auch noch ins Visier nehmen. Ich glaube ich als Hausfrau bin ein weniger lukratives Ziel, als eine äußerst erfolgreiche Unternehmerin. Das ist zwar sehr lieb von dir, aber das brauchst du nicht machen.“
Liz zuckte mit den Schultern und lehnte sich in den Sitz zurück. Sie sah neugierig raus, als jemand ans Fenster klopfte. Ein Mann in einem schwarzen T-Shirt und mit schwarzen Cargohosen, das war Nate von Bluhm Security. Ehemaliger Navy SEAL der im Einsatz schwer verwundet wurde und von HRZN Medical zusammengeflickt worden ist, seitdem lebt er in Deutschland und arbeitet bei Bluhm Security. Liz warf Helena und Mara einen Blick zu, diese nickten und die drei stiegen aus.
„Hallo, ich heiße Nate und ich bin die Vorhut. Bitte folgt mir.“
Liz griff nach ihrer Handtasche und schloss den Wagen ab.
„Verhaltet euch ganz ruhig und unauffällig und folgt mir.“
Liz, Mara und Helena folgten dem muskulösen großen Mann vom Haupteingang weg und um das riesige Gebäude der Klinik herum. Hinter einer Ecke standen zwei muskelbepackte Ritter von Horizon in schweren Kampfanzügen und nickten den drei Frauen freundlich zu. Nate übernahm die Führung, danach kamen Liz, Mara und Helena und dann die Ritter. Die Klinik war riesig, deshalb dauerte es einen Moment, bis die Gruppe den nächsten Eingang erreichte. Im Eingangsbereich blieben die Ritter zurück und der Mann führte sie durch ein schier endloses Gewirr von Gängen und Treppenhäusern. Dann hielt er plötzlich inne und deutete auf eine Tür zu einem größeren Wartebereich. Liz und Helena gingen an ihr vorbei in den Raum. Johnny döste auf einem Stuhl. Hatte der nicht eben noch mit seiner Frau telefoniert? Emma lehnte ihren Kopf an seine Schulter und starrte ins Leere. Schräg gegenüber saß ein hochgewachsener Mann mit kurzen graumelierten Haaren mit einem ausdruckslosen Gesichtsausdruck, das musste Manfred sein. Neben ihm saß eine schlanke mittelgroße Frau mit kurzen blonden Haaren und tupfte sich die tränennassen Augen mit einem Taschentuch, Matilda höchst wahrscheinlich. Zwei HRZN Ritter mit schweren Exosuits und mächtiger Bewaffnung standen wachsam mitten im Raum und wirkten völlig fehl am Platze. Auf der anderen Seite standen ein paar Männer in schwarzen Outfits und ein paar mit Security Uniformen und unterhielten sich leise. Zwei der beiden hatten Ähnlichkeiten mit Manfred, dann mussten das wohl seine Brüder sein und den einen kannte sie gut. Emma bemerkte sie sofort und stupste ihrem Bruder in die Seite. Der war schlagartig wach und sprang vom Sitz hoch um erst seine Frau und dann Liz herzhaft zu umarmen. Emma folgte seinem Beispiel. Manfred und Matilda erhoben sich und umarmten die beiden ebenfalls. Liz kam sich etwas fehl am Platz vor, denn sie kannte die beiden ja gar nicht, jedenfalls nicht direkt. Helena ergriff zuerst das Wort.
„Wie geht es den vieren?“
„Ryan ist immer noch in einem sehr kritischen Zustand, Jack geht es verhältnismäßig gut, er hat eine Menge Glück gehabt. Und auch wenn es vielleicht nicht der passende Moment ist, aber jetzt können wir die beiden zu mindestens zuverlässig unterscheiden. Aua.“
Emma hatte ihrem großen Bruder den Ellenbogen in die Seite gerammt.
„Ist ja gut kleine Schwester. Naja und die Mädchen sind unter Schock. Yolanda schläft momentan auf einem Stuhl neben Jacks Bett und man hat Margarethe erlaubt neben Ryans Bett in der Intensivstation zu sitzen. Ein so schreckliches Erlebnis hat die vier regelrecht zusammen geschweißt.“
Manfred nickte zustimmend.
„Diese Jungen haben ein ausgeprägtes Gespür für Moral und was richtig ist. Mutig, diszipliniert und schlagfertig. Ohne den Einsatz der beiden … nein ich mag mir nicht ausmalen, was mit meinen beiden Mädchen passiert wäre. Es dreht mir die Eingeweide um daran zu denken, dass Ryan schwer verwundet wurde und der Schütze wieder auf freiem Fuß ist. Das wird Konsequenzen haben.“
Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck starrte er für einen Moment an die Decke, dann wandte er sich an Emma.
„Eins habe ich nicht so recht verstanden, warum waren die beiden in der Lage es zu zweit gegen zehn anzutreten und den Kampf zu überleben? Nicht dass ich es in Frage stelle, aber ich finde es ungewöhnlich. Und ich bin sehr dankbar für die Fähigkeiten der beiden Jungen, denn ansonsten müssten wir jetzt um all unsere Kinder trauern.“
Emma lächelte etwas unglücklich.
„Ich weiß nicht genau warum, aber seit frühestem Kindesalter wollen die beiden unbedingt Soldaten werden und zwar bei einer Spezialeinheit. Ihr großes Vorbild ist ein berühmter Ex Navy SEAL und sie ziehen das seit jetzt bestimmt schon fünf Jahren durch jeden Morgen um 4:30 aufzustehen. Die beiden trainieren jeden Tag super hart in allen Disziplinen. Muskeltraining, Schwimmen, Laufen, Bogenschießen und Kampfsport. Und sie spielen semi-professionell in einem Airsoft Verein.“
Manfred nickte anerkennend. Die Männer auf der anderen Seite des Raumes hatten Emmas Worten aufmerksam gelauscht und tauschten Blicke untereinander.
„Wahrscheinlich ist es nur ein seltsamer Zufall der unsere Familien zusammengeführt hat, aber wenn es der Wunsch der beiden Jungen ist beim KSK zu dienen, dann werde ich verdammt nochmal dafür sorgen, dass man ihnen die Chance gibt, sich zu bewähren. Wir brauchen einfach mehr junge Leute wie die beiden, die bereit sind alles zu geben um für ihre Nation zu kämpfen.“
Emma nickte zustimmend, dann warf sie Liz einen Blick zu.
„Möchtest du die beiden sehen?“
Liz nickte etwas unsicher.
„Komm mit ich zeig es dir.“
Emma führte Liz ein kurzes Stück den Gang entlang zu einer Tür vor der zwei Sicherheitsleute Wache standen. Leise betraten sie den großen Raum in dem momentan nur ein Bett stand. In dem am Fenster lag Jack mit einem großen Pflaster auf der Wange, die Decke bis zur Brust hochgeschoben. Seine Arme waren bandagiert und er hing an einem Tropf mit einer Kochsalzlösung. Auf einem unbequem aussehenden Stuhl saß ein Mädchen, die vornübergebeugt halb auf Jacks Bett lag. Als sie eintraten wachte sie schlagartig auf und sah sie erschrocken an.
   Ein ausgesprochen schönes Mädchen mit einem ovalen Gesicht, großen blauen Augen und einer langen blonden Mähne. Jetzt waren ihre Augen vom vielen Weinen ganz verquollen und die Haare ganz zerzaust.
„Hallo Yolanda, Entschuldigung dass wir dich geweckt haben. Geht es dir gut?“
Das Mädchen nickte schnell und lächelte wenig überzeugend.
„Das ist übrigens Liz, Jack und Ryans Tante.“
Liz zuckte bei Emmas Worten vor Überraschung heftig zusammen. Yolanda warf ihr einen fragenden Blick zu, sagte aber nichts. Emma trat an das Bett ihres Sohnes heran und strich ihm sanft eine Haarsträhne aus der Stirn. Liz trat auf die andere Seite neben Yolanda und betrachtete den jungen Mann. Er hatte eine gewisse Familienähnlichkeit mit Kaz. Johnnys Scherz war zwar super geschmackslos gewesen, aber mit der Narbe, die auf Jacks Wange zurückbleiben würde, könnte man die beiden wirklich zuverlässig unterscheiden. Eineiige Zwillinge die zu Emmas Leidwesen exakt gleich aussahen, die gleiche Stimme hatten, die gleichen Klamotten trugen und immer den gleichen Haarschnitt hatten. Selbst ihre Mutter Emma hatte irgendwann aufgegeben die beiden zu unterscheiden.
   Jack regte sich und seine Augen flatterten, dann öffnete er die Augen und sah sich im Raum um.
„Mama? Liz? Yolanda? Ist es schon Morgen?“
„Morgen wäre schön, es ist schon nach drei nachmittags. Hast du Hunger? Ich lass dir etwas bringen. Ich hab dich so lieb mein Großer. Ihr wart so unfassbar mutig, alle sind so stolz auf euch.“
Jack richtete sich ein Stück auf und verzog das Gesicht vor Schmerzen. Er grunzte dumpf und ließ sich wieder in die Kissen sinken. Er schloss für einen Moment die Augen, dann war sein Blick sehr ernst.
„Wie geht es Ryan? Ich hab seit der OP nichts mehr gehört. Kommt er durch?“
Emma setzte sich auf Bett und seufzte.
„Die Operation verlief erfolgreich und ohne Komplikationen. Aber die Schussverletzung war kritisch und er hat viel Blut verloren. Die Ärzte sagen, dass er eine Chance hat durchzukommen, aber momentan ist er in einem künstlichen Koma und nicht ansprechbar.“
Jack rang sichtlich mit der Fassung. Yolanda griff nach seiner Hand und drückte sie fest.
„Und was ist mit diesem kleinen Scheißkerl Adrian?“
„Es tut mir so leid. Die Polizei hat ihn laufen gelassen.“
Trotz starker Schmerzen bäumte ich Jack im Bett auf, er schäumte vor Wut.
„WAS? Dieser Bastard hat auf meinen Bruder geschossen, mit der Intention ihn zu töten. Drei Augenzeugen, das Video und die Tatwaffe und man lässt dieses Monster laufen. In was für einer Scheißwelt leben wir eigentlich?“
Mit sanfter Gewalt drückte Emma ihren Sohn zurück in die Kissen zurück. Tränen liefen über Yolandas Gesicht. Liz fühlte sich so entsetzlich leer. Ja, was für eine Scheißwelt war das eigentlich. Sie hoffte inständig dass es ihm erstmal verschont bleiben würde, dass die Presse ihre Geschichte total verzerrte und Adrian als den Held und die beiden Brüder als die Monster darzustellen versuchten.
Jack starrte mit wutverzerrtem Gesicht an die Decke, dann brach er und seine Augen füllten sich mit Tränen. Yolanda beugte sich über ihn, strich sich eine lange blonde Haarsträhne hinter die Ohren und küsste ihn sanft auf den Mund. Liz warf Emma schnell einen Seitenblick zu, die das Mädchen in völliger Überraschung anstarrte. Liz beobachtete die beiden Jugendlichen einen Moment dann hörte sie aus dem Gang gedämpfte Stimmen und vernahm energische Schritte. Dann wurde die Tür aufgerissen und zwei Polizisten in Uniform betraten das Zimmer, eine junge dunkelhaarige Frau und ein übergewichtiger Schwarzer um die vierzig. Die Frau hob eine Marke hoch.
„Andrea Wolf, Kriminalpolizei. Wir ermitteln in einem Fall von versuchten Totschlag und versuchter Entführung. Wir haben ein paar Fragen an Yolanda und Margarethe Bluhm und Jack und Ryan Solomon.“
Emma lachte spöttisch auf.
„Warum verhaftet ihr die vier nicht einfach gleich, wo sie doch so gemeingefährliche Mörder sind?“
Die junge Polizistin warf ihrem verdutzten Kollegen einen überraschten Blick zu, dann wandte sie sich wieder Emma zu.
„Entschuldigen sie, ich und meine Kollegen waren die ersten am Tatort und haben den bewusstlosen Schlägern Fesseln angelehnt und Beweismaterial gesichert. Leider war gestern keine Gelegenheit mehr die Mädchen und die Jungen zu befragen. Deshalb sind wir jetzt da.“
„Und warum sind die Schläger und ihr Anführer Adrian Drosser schon wieder auf freiem Fuß? Haben die gesammelten Beweise und das Beweisvideo wohl nicht ausgereicht.“
Die Polizistin biss sich angespannt auf die Unterlippe.
„Ich bin nicht befugt darüber zu reden. Können wir jetzt bitte unseren Job machen? Bitte verlassen sie den Raum.“
Liz zog Emma am Arm, die sich nur sehr unwillig aus dem Raum führen ließ.
Die beiden gingen wieder zurück zu den anderen im Warteraum. Kam es ihr nur so vor oder befanden sich dort mehr Leute als zuvor? Ein hochgewachsener Mann mit kurzen grauen, fast schon weißen Haaren und Vollbart erhob das Wort.
„Für alle die mich noch nicht kennen, ich bin Wilhelm Bluhm, Ex KSK Befehlshaber und jetzt Leiter der renommierten Sicherheitsfirma Bluhm Security.
Meine Angestellten bewachen jetzt die Häuser meines Bruders Manfred und von Emma Solomon und Jonathan Solomon. Zudem sind euch allen jetzt Personenschützer zugeteilt. Nate, ich teile dich Elisabeth Engström zu und du eskortierst die beiden jetzt zu Frau Engströms Haus und prüfst die Lage vor Ort.“
Personenschutz? Liz fühlte sich gekränkt. Sie hatte vor ein paar Monaten ihrer Personenschützerin Mara das Leben gerettet und warum schaltete man nicht einfach HRZN Security ein. Wer hatte schon den Hauch einer Chance gegen die Garde, die Bruderschaft und die weiße Schwesternschaft? War sie so sehr in Gefahr auch ein Opfer zu werden? Wenn schon Opfer der Erniedrigung. Nate trat vor und nickte ihr aufmunternd zu.
„Entschuldigen sie Frau Engström?“
Ein großer Mann mit weißem Vollbart trat vor, Maras Vater wie sie wusste.
„Dürfte ich kurz mit Ihnen und Mara kurz unter sechs Augen sprechen?“
Liz wechselte Blicke mit Mara und Nate zuckte nur mit den Schultern.
„Sicher dürfen sie das, Nate warten Sie einen Moment.“
Sie gingen in ein leeres Zimmer. Dort musterte Wolfgang Bluhm seine Tochter einen Moment zögerlich und fuhr ihr durch die kurzen schwarzen Haare, dann kamen ihm die Tränen und er umarmte sie sehr fest. Sehr emotional für den Kommandanten einer Militärspezialeinheit.
„Oh meine Liebe. Ich dachte ich hätte dich für immer verloren als ich die Nachricht von dem Anschlag auf euch gehört habe. Leider war ich auf einer Mission im Ausland und konnte dich nicht besuchen. Geht es dir gut Liebes? Ich war so in Sorge um dich! Ich lag deswegen nächtelang wach.“
Er löste die Umarmung und trat weinend zurück.
„Ja, mir geht es viel besser und Frau Engström hat sich bereit erklärt die Operationen zu bezahlen, wenn ich als ihre persönliche Assistentin anfange.“
„Wirklich, wie großzügig von Ihnen Frau Engström. Wie kann ich ihnen danken? Die Krankenkasse bezahlt sowas nicht und ich hab als Soldat nicht viel Geld.“
„Nennen sie mich Liz und bitte Du. Wir bei Horizon helfen Menschen in Not und wir haben uns erlaubt eine Analyse ihrer Tochter zu machen und ihr eine bessere Stelle anzubieten. Als Assistentin hat sie ihr eigenes Apartment und ihr Waran Karl wohnt bei mir in der Wohnung.“
„Karl ist bei dir? Gott sei Dank ich dachte er muss wieder zurück in den Zoo. Vielen vielen Dank dass du so sehr auf meine liebe kleine Tochter aufgepasst hast. Das vergesse ich dir nie.“
Er schüttelte ihre Hand und umarmte nochmal fest seine kleine Tochter.
Dann folgten sie Nate durch das Gewirr der Flure zurück zu ihrem Wagen, Mara war dabei direkt hinter ihr und Wolfgang ging zurück zu den anderen. Als sie ihren Wagen erreichte wollte sie auf der Fahrerseite einsteigen, aber Nate hielt sie zurück und streckte ihr die Rechte mit der Handfläche nach oben hin.
   Ja natürlich, jetzt muss ich mich auch noch kutschieren lassen. Sie kramte in ihrer Handtasche und drückte Nate ihren dicken Schlüsselbund in die Hand. Nate nahm auf dem Fahrersitz und Mara auf dem Beifahrersitz Platz, Liz saß auf der Rückbank. Nachdem Nate den Sitz an seine Größe angepasst hatte, drehte er den Schlüssel im Schloss und fuhr aus der Parklücke. Als sie am Haupteingang vorbeifuhren sah Liz die große Menge an Protestlern mit Bannern und Schildern, die auf die Gardisten und Ritter vor dem Haupteingang einschrien und den Weg blockierten. Was für eine merkwürdige Welt.
Die Adresse nach Hause war im Bordcomputer eingespeichert und Nate fuhr den Anweisungen folgend zügig nach Hause. Liz bemerkte, wie extrem wachsam der Ex SEAL war. Auch Mara auf dem Beifahrersitz war hochkonzentriert. Während der Fahrt befragte Nate sie, seine Stimme war der totale Schock, sie klang wie ein Sack Schotter. Er wollte Details zu ihrem Wohnhaus und ihrem Wohnviertel haben, jedwede Besonderheiten und ob ihr in letzter Zeit irgendetwas komisch vorgehkommen wäre. Liz fühlte sich jetzt einfach nur Müde und war genervt. Sie nahm sich ein paar gesalzene Nüsse aus der Snackbar und kaute sie demonstrativ laut.
   Dann erreichten sie den Platz der Nationen. Eine regelrechte Festung aus Beton Glas und Stahl.
Ein Ring aus einem dreißig Meter hohen und über fünfzig Meter breiten undurchlässigen Gebäudezug umringte einen großen quadratischen Park mit über tausend Metern Seitenlänge. An den Ecken waren keilförmige Ausbuchtungen nach außen wie bei einer Festung. Außen herum war auch ein Park mit gut zweihundert Metern Breite Aus der „Mauer“ ragten oben gigantische Wohntürme heraus, deren höchste mehr als Dreihundert Meter in die Höhe ragten. Die Wohntürme waren über breite Wände miteinander verbunden. An vier Punkten gab es in der Mauer tunnelartige Durchfahrten für die Straße und für Fußgänger und Fahrradfahrer. Überall schwerer Beton, Stahl und dickes Glas. Im Zentrum des Parks lag der Platz der Nationen eins, der über dreißig Meter hohe Edelkasten mit dem besten Restaurants Deutschlands in einem Turm und einem vertikalen Hanger mit Flugdeck für Helikopter und VTOLs, dort parkten auch ihre Maschinen und selbst die riesenhaften Orcas passten da geschmeidig rein, wie sie aus Erfahrung wusste.
   Dazu weite Grünflächen und gelegentlich Teiche, Spiel- und Sportplätze, Bistros, Cafés und Restaurants, Supermärkte für jeden Geldbeutel und schicke Einkaufszentren. Dazu ein kleines Krankenhaus und Arztpraxen für jedes Problem. Eine schöne Wohngegend. Allerdings wurde ihr Haus quasi auf allen vier Seiten von einer Mauer aus riesig hohen Wohntürmen, die von außen nach innen pyramidenähnlich höher wurden, umringt. Fast schon bedrohlich ragten sie hoch in den Nachthimmel. So schrecklich viele Möglichkeiten für ein Attentat. Das musste sich dieser Nate wohl denken, sie lächelte abfällig. Nate machte mit seiner Handykamera Bilder der Umgebung, vermutlich von möglichen Schlüsselpositionen und Schwachstellen. Schwachstellen gab es hier nicht.
Der schwere Wagen erreichte die Einfahrt zur Tiefgarage und sie fuhren die gekurvte Rampe hinab.
Im grellen Licht der Tiefgaragenbeleuchtung parkte Nate auf ihrem Stellplatz und schaltete den Motor aus. Nate stieg zuerst aus und sah sich wachsam um, dann öffnete er die hintere Tür und ließ Liz aussteigen. Nate voran gingen sie zu einem der Fahrstühle, Mara folgte ihnen. Im Fahrstuhl zuckte Liz zusammen, als Nate seine Dienstwaffe hervorholte, den Schlitten zurückzog und entsicherte, Mara sah ihn überrascht an. Das trug nicht gerade zu ihrem positiven Wohlbefinden bei, wenn dieser Affe bei einem Haus dieser Klasse und Sicherheit seine Waffe zückte. Im dritten Stock angekommen gingen sie zügig den Gang zu ihrer Wohnung entlang. Nate wollte aufschließen und blieb verdutzt stehen. Liz trat schnell vor und öffnete das biometrische Schloss mit ihrem Handabdruck. Nate nickte dann verschwand er im Inneren während Liz und Mara im Flur warteten.
Nach ein paar Minuten rief Nate „Clear!“ Und Liz betrat ihre Wohnung. In der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit hatte sich wie zu erwarten rein gar nichts verändert.
„Ich lasse euch jetzt allein und mache mir einen Eindruck der Umgebung. Bis später“
Er sicherte seine Waffe und steckte sie weg, dann verließ er die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Liz seufzte erleichtert und ein Teil der Anspannung fiel von ihr ab, dieser nutzlose Spinner war endlich weg. Mara schlenderte durch ihre Wohnung und Karl rannte aufgeregt auf sie zu, als er sie bemerkte. Währenddessen hängte Liz den schweren Wollmantel an einen Kleiderhaken und zog die Lederstiefel aus.
„Mara, möchtest du etwas zu trinken?“
Ihr Assistentin hielt inne und sah sie einen Moment leicht verunsichert an.
„Nur ein Glas Wasser bitte.“
Liz nickte und ging in die Küche während Mara sich die Wohnung weiter anguckte. Wasser für Mara und für sie etwas Stärkeres. Ein paar Minuten später kam sie mit zwei Gläsern aus der Küche, ein Glas Wasser und einen Gin Tonic für sie selbst. Sie stellte beide Gläser auf dem Glastisch an und setzte sich auf ein Sofa. Einen Moment später nahm Mara ihr gegenüber Platz und trank einen Schluck Wasser, dann lehnte sie sich mit überkreuzten augmentierten Beinen zurück.
„Wie fühlst du dich meine Liebe, dein Jahr hatte ja keinen sehr guten Start.“
Mara nickte traurig und wirkte verunsichert.
„Alles ging so schnell, ich hab alles vermasselt und hab den Truck der Clowns nicht kommen sehen und dann war da nur noch Schmerz und Schwärze. Man hat mir die Aufnahmen gezeigt und sie sahen nicht so aus als ob sie mich jemals in all den Jahren gebraucht hätten. Warum haben sie mich eingestellt?“
„Leider eine schrecklich logische Erklärung, Ich habe einen Waffenschein und trainiere regelmäßig mit Waffen, in diesem Land dürfen Zivilisten aber keine Waffen tragen, nicht mal Messer während die Clowns schwer bewaffnet ihr Unwesen treiben. Du warst blutjung und frisch aus der Schule und als Personenschützerin darfst du eine Waffe tragen. Ich habe dafür Sorge getragen, dass du eine Dienstwaffe bekommst mit der ich gut umgehen kann.“
Mara brach in Tränen aus.
„Das ist alles, ich war nur Mittel zum Zweck und eigentlich nur da um ihre Waffe umherzutragen?“
„Am Anfang war das so, aber ich habe dich wachsam beobachtet und realisiert dass du eine gebrochene Person mit viel Potential bist. So wie ich einst. Mein Leben war ziemlich unglücklich und mit Verlaub ziemlich scheiße bis ich bei Horizon gelandet bin. Ich wollte dir immer eine Chance geben dich zu beweisen. Du bist sehr schlau und hast ein Herz für Tiere, das gefällt mir. Und du organisierst gut, bist sehr ordentlich und ein klasse Researcher. Die Wahl für dich als meine Assistentin war da nur naheliegend. Ich möchte dir eine Chance auf ein besseres Leben geben und deine Mentorin werden.“
Die junge Frau fasste sich und wischte sich die Tränen mit den augmentierten Händen weg.
„Ich danke Ihnen … dir dafür, bis auf meinen Vater haben mich alle immer nur wie Dreck behandelt. Ich hab nur Papa und Karl und sonst hab ich keine freundlichen Gesichter in meinem Leben – gehabt.
Die anderen drei die für Sie arbeiten sind sehr nett und freundlich zu mir und ich fühl mich wie in einer richtigen Familie. Ich danke Ihnen so sehr, dass sie Karl aufgenommen haben, das ist keine Selbstverständlichkeit. Ist er brav?“
„Er ist so sanft und lieb, er macht nichts kaputt und ist schlau. Und für meinen Geschmack eine Spur zu neugierig. Aber wenn ich das gewusst hätte, wäre meine Wahl auch ein Kaiserwaran gewesen.
Wie eine schlaue schwarze drei Meter lange Katze.“
Sie lachte und Mara lächelte.
„Wie geht es dir mit der Operation und dem Facelifting?“
„Mir geht es gut auch wenn es anfangs sehr gewöhnungsbedürftig war. Ich mag die Kampfupgrades meiner Arme und Beine und mit den neuen Augen kann ich so viel sehen, was mir vorher nie aufgefallen ist. Vielen Dank, dass Sie die Kosten übernommen haben. Und jetzt erkennt mich keiner mehr und das mag ich, ich mag mein Spiegelbild, das ist was Neues. Und ich liebe das Kampftraining bei Horizon, ich werde jeden Tag besser.“
„Wenn du dich anstrengst nimmt dich der Orden der Schwesternschaft vielleicht irgendwann auf.“
„Das wäre sehr cool, ich habe einen Wahnsinns Respekt vor den Damen des Ordens.“
„Aber zuerst bist du meine Assistentin. Du machst in dieser Rolle einen viel besseren Job als davor als Personenschützerin. Darf ich mal dein kleines Reich bewundern?“
Mara strahlte und nickte eifrig. Karl sah ihnen nach als sie rausgingen.
Sie wandten sich nach links wo eine Stahltür mit der Aufschrift „Personal 3-VII“ prangte.
Mara hielt ihren Chip vor und die Tür glitt lautlos zur Seite. Liz hatte sich diese Räume zuletzt angeguckt, als sie den Rohbau vor knapp elf Jahren besichtigen durfte.
Sie sah sich interessiert um. Rechts ging es zur Gemeinschaftsküche mit einem Essbereich für vier Personen, das war wohl Liens Reich, sie war eine richtig gute Köchin, die in einigen der besten Restaurants der Welt gearbeitet hatte bevor sie für Liz zu arbeiten angefangen hatte.
Liz und ihre Rechnereien, jetzt kochte sie nur noch selbst wenn Lien nicht da war und sie selbst die Zeit hatte. Es war ihr ultimatives Ziel ihre kostbare Zeit nicht zu verschwenden. Das Nobelrestaurant das Haus der Welt hatte eine sehr schnelle exzellente Küche und mit den kurzen Wartezeiten ging sie oft dorthin. Alle Bewohner des Hauses besaßen eine permanente Tischreservierung. Und das Restaurant war erst die Spitze des Eisbergs. Sarah kam nassgeschwitzt in einem Sportoutfit herein, grüßte und leerte den Briefkasten mit der Nummer drei. Mara war Nummer vier. Die Poststelle im Haus kümmerte sich, dass die Post in beide Richtungen ordnungsgemäß zugestellt wird. Aus Gründen des Datenschutzes verwendete man im Haus nur Nummern und Codes.
Der Aufbau war so. Man kam rein, rechts ist die Küche und so, geradezu sind Briefkästen, Wäschesäcke und Organisatorisches, die Treppe nach oben und links waren zwei kleine Apartments nebeneinander.
   Hier unten Nummer drei und vier, oben eins und zwei. Lien war eins, Suzi zwei, Sarah drei und Mara vier, ganz in der Reihenfolge der Einstellung. Oben waren noch ein Gemeinschaftsbad mit großer Badewanne und eine Lounge mit Sitzecke, Entertainment System, Billardtisch und Minibar.
Lien trat im Bademantel aus ihrem Apartment als Liz sich oben neugierig umsah, auf dem Weg in den Wellnessbereich des Schwimmbads im Untergeschoss. Und Suzi mixte sich gerade einen bunten Cocktail an der Bar, die Feuermähne lose hochgebunden.
   Liz fragte ihre Angestellten nach ihrem Wohlergehen und allen schien es sehr gutzugehen.
Das freute sie sehr und dann zeigte ihr Mara ihr Apartment. Sie hatte sich von Emma auf Plänen und VR-Rundgängen erklären lassen, dass jedes Apartment von der Einrichtung vorgefertigt war, es aber viele Möglichkeiten gab den Raum durch faltbare Raumtrenner zu unterteilen und zu individualisieren. Ein kleines Apartment. Zuerst standen sie in einem zwei mal zwei Meter großem Bereich mit drei Schiebetüren. Alles war in Weiß gehalten und das Licht war warm. Sie untersuchte zuerst das Bad. Für eine so kleine Wohnung war das langgestreckte acht Quadratmeter große Bad sehr geräumig. Viel Stauraum und viel Grün. Es sah aus wie in einem Nobelhotel. Auf der anderen Seite war der Ankleideraum mit Garderobe und Kleiderschrank in einem. Dann der Hauptraum. Sie sah sich staunend um. Auf dreißig Quadratmetern war wirklich eine Menge untergebracht. Auch dem Bett war ein großer Plüschwaren in eine Fleece Decke eingekuschelt. Sie lächelte bei dem Anblick.
„Wie findest du es Mara?“
„Ich finde es großartig, fast wie eine große Einraumwohnung mit recht hoher Decke. Und durch die unzähligen Staufächer in den Wänden findet alles seinen Platz. Und durch das große Fenster kommt richtig viel Licht rein, auch wenn man es leider nicht öffnen kann. Und die Klimaanlage ist so toll.
Ich kann mir zur Not auch ein bisschen was kochen, aber Lien nimmt es mir übel wenn ich Dosenfutter und Tiefkühlsachen esse.“
„Ach Quatsch, so hab ich lange Zeit meines Lebens gelebt, hab da keine Scheu.“
„Und die Boni sind der Hammer. Ich kann kostenlos trainieren und schwimmen gehen. Und im Block mit Rabatten einkaufen und Essen gehen. Dazu das tolle Gehalt. Darf ich Sie umarmen.“
„Nur zu, ich finde es toll dass du es so magst.“
Mara umarmte sie fest und weinte Freudentränen.
„So wie sie mit mir umgehen sind sie fast wie die Mutter die ich mir immer gewünscht habe. Sie sind streng, aber fürsorglich und wissen immer wenn ich getröstet werden muss.“
„Das rührt mich zutiefst. Bitte, wir sollten beim Du bleiben meine Liebe. Und du bist immer herzlich eingeladen mich in meiner Wohnung zu besuchen. Ich lasse dich freischalten.“
Mara strahlte.
„Oh, das ist so freundlich von Ihnen … äh dir. Danke sehr.“
„Mal was anderes, wie klappt das denn bei euch vier mit dem Essen, Lien ist schließlich nicht immer da?“
„Wir bekommen von der Küche unten Essen hochgeschickt. Das ist personalisiert und im Gegensatz zu Krankenhausfraß sehr lecker. Man hat mir sagen lassen, dass das Haus der Welt nur die Spitze des Eisbergs ist, die haben da ‘ne riesige Großküche im Keller und jetzt wird mir auch klar warum dieser Liefereingang so riesig ist, die füttern glatt das ganze Haus durch. Und wirklich richtig lecker.
Und es passt sich zeitlich immer an den eigenen Tagesverlauf an, die sind da mega flexibel.
Und im Keller soll es eine sehr gute Kantine für die Angestellten in den Läden geben.“
„Das habe ich tatsächlich nicht gewusst, faszinierend. Ich möchte, dass du mir Gesellschaft leistest wenn ich zuhause oder auswärtig Essen gehe, natürlich nur wenn du willst.“
„Vielen Dank, auch wenn ich das nicht annehmen kann.“
„Ich bitte dich, wir sind eine große Familie hier und bei Horizon. Komm lass uns wieder zurückgehen.“
Auf dem Rückweg dachte sie nach was sollte sie jetzt den restlichen Tag über machen?
„Würde es dich stören wenn ich ins Schlafzimmer gehe und mich ein bisschen Schlafen lege? Die Anstrengung der letzten Wochen zollt ihren Tribut.“
Mara lächelte und schüttelte den Kopf.
   Liz saß noch einen Moment auf dem Sofa und trank in Ruhe ihren Drink aus, dann erhob sie sich und ging etwas wackelig ins Schlafzimmer. Sie legte ihr Prism auf den Nachttisch, stellte einen Timer, schlüpfte aus ihren Sachen und legte sich auf das riesige Bett und schloss die Augen. Schnell dämmerte sie weg.
   Ein energisches Klopfen an der Tür zum Schlafzimmer holte sie aus ihren Träumen. Liz rieb sich die Augen und stand auf und zog sich etwas an. Es war kurz nach sieben abends, der Timer hätte sie ohnehin in einer halben Stunde geweckt. Jetzt verspürte sie einen heftigen Hunger, sie hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Sie setzte sich wieder ihre lange schwarze Echthaarperücke auf und schob die Tür auf. Mara deutete sie mit der rechten Hand, in der sie eine Fernbedienung hielt, zu dem riesigen Fernseher. Liz stellte sich neben sie und warf einen Blick auf den eingeschalteten Fernseher. Ein Browser mit YouTube, ein neues Video von Kaz, mit dem englischen Titel „Modern Heroes“.
„Von wann ist das Video?“
„Weiß ich nicht genau, aber nicht älter als eine halbe Stunde. Soll ich es starten?“
Liz nickte eifrig und Mara drückte auf Start.
Das Video begann mit einem einzigen eingeblendeten Wort: HEROES. Dann sah man Kaz in seinem Studio vor einem mächtigen Mikrofonständer, er blickte sehr ernst in die Kamera.
„Guten Abend liebe Freunde auf der Welt. Dieses Video wird etwas anders und ist sehr ernst, denn ich berichte euch von einem grausamen und brutalen Ereignis, das sich gestern um fünf Uhr nachmittags in einem Waldstück nahe Berlin, der Hauptstadt von Deutschland zugetragen hat.
Meine beiden Neffen Jack und Ryan, die Söhne meiner kleinen Schwester, und deren Freundinnen wurden von neun Schlägern und deren Anführer Adrian Drosser angegriffen. Aber jetzt möchte einen Moment innehalten und euch ein paar Hintergrundinformationen geben.
Meine Neffen sind identische Zwillinge und sind siebzehn Jahre alt. Seit sie kleine Kinder sind war es immer ihr allergrößter Traum nach der Schule zum KSK zu gehen, der deutschen Militärspezialeinheit, die gleichauf mit den amerikanischen Navy SEALs sind und manchmal besser.
Die Jungs sind verdammt schlau und extrem willensstark und kämpfen für ihren Traum. Sie nutzen Trainingsmethoden, die weltweit von Spezialeinheiten verwendet werden. Ich zeigs euch!“
Eine Videomontage wurde abgespielt. Jack und Ryan beim harten Training im Fitnessstudio, Ausdauerlaufen durch den Wald, Wettkampfschwimmen im Schwimmbad, bei gestoppter Zeit einen Hindernisparkour absolvieren, beim Bogenschießen mit Compoundbögen und unterwegs auf einem Airsoft-Gelände und so weiter.
„Die Waffen Gesetze in Deutschland sind richtig streng und die Jungs können nicht mit echten Waffen trainieren. Aber sie holen das meiste aus dem Airsoft Training mit realistisch schweren Waffen heraus. Sie üben seit Jahren Häuserkampf und das Säubern von Gebäuden. Das ist echt gut. Auch wenn mich meine Schwester daran hindert, dass sie mich mal hier in Texas besuchen, wo sie auf dem Schießstand hinterm Haus mal mit echten Waffen trainieren können. Sie ist echt stur.
Aber genug der Langeweile, jetzt geht’s ans Eingemachte der Story. Lasst uns die Uhren drei Wochen zurückdrehen, als alles angefangen hat. Leider hab ich für diese Story kein Videomaterial, also hab ich basierend auf den Erzählungen eine Animation und Bilder angefertigt. Die Jungs gehen auf eine Privatschule, ebenso wie dieser Mistkerl: Adrian Drosser. Seinem Vater gehören gefühlt die Hälfte aller Zeitungen und nicht wenige Fernseh- und Radiosender des Landes. Die über alles berichten, aber nicht über die seit Jahren herrschende Gewalt der Clown Banden in diesem Land. Adrians Eltern waren also auf einem Kurztrip über das Wochenende und er hat entschlossen in der riesigen Villa seiner Eltern eine Party zu schmeißen. Die halbe Schule ist eingeladen, also auch die Jungs und unsere armen Opfer, zwei populäre Mädels, deren Familie erst letzten Sommer nach Berlin gezogen ist. So sehen die beiden aus, identische Zwillinge wie die Jungs auch. Jack und Ryan fahren zur Party und haben ein wachsames Auge, Adrian Drosser, dem Chef der Junior Clowns ist nicht zu trauen. Die Junioren sind eine stümperhafte Jugend Abspaltung der großen Clowns in Deutschland, sie sind wenig kompetent, aber dennoch brandgefährlich. Sie halten sich im riesigen Wohnzimmer auf, das habe ich hier rekonstruiert mit den Positionen der Mädchen und der Jungen. Die Mädchen setzen sich auf ein Sofa. Von ihrer Position haben die Jungs einen guten Überblick über den Raum, sehr taktisch gedacht. Adrian nähert sich den Mädchen mit Getränken und startet eine Unterhaltung mit den beiden. Zuerst ist all normal, aber nach einer knappen halben Stunde scheint sich eins der Mädchen sehr unwohl zu fühlen und steht mit Mühe auf, wo sie sich kaum auf den Beinen halten kann und sehr müde ist. Adrian bietet ihr an sie nach oben zu einem Gästezimmer zu führen, wo sie sich ausruhen kann. Die Alarmklingeln der Jungs schrillen wie verrückt als sie Adrian dabei beobachten, wie er das erschöpfte Mädchen nach oben führt. Die Schwester auf dem Sofa scheint besorgt. Die beiden folgen ihm und dem Mädchen unauffällig aus dem Raum und nach oben in einen Bereich, wo nicht so viele Partygänger sind. Adrian stößt das Mädchen durch eine Tür am Ende eines leeren Flurs und einer seiner Schläger hält Wache an der Tür. Die Jungs warten einen Moment und folgen dann Adrian durch die Tür und schubsen den Schläger aus dem Weg. Ich glaube wir wissen alle was jetzt folgt. Es ist ein Schlafzimmer und sie sehen das Mädchen auf dem Bett. Sie ist nackt und rührt sich nicht, Adrian hat keine Hose an und sein Glied ist steif. Er gerät in Panik und schreit die Jungen an. Sie seien hier drin nicht erlaubt und müssen sofort gehen, sein Haus seine Regeln. Oder sie werden herausgeworfen. Jack nähert sich dem Mädchen und findet sie bewusstlos vor. Ryan konfrontiert Adrian damit, dass Vergewaltigung eine schwere Straftat ist, während sein Bruder dem Mädchen wieder ihre Kleider anzieht. Die Jungs verlassen den Raum, Jack trägt das bewusstlose Mädchen. Er bugsiert sie vorsichtig in den Wagen, meinem alten schwarzen Land Rover Defender, und Ryan holt das andere Mädchen von drinnen. Minuten später sitzen alle vier Jugendlichen sicher im Wagen. Der Name der Bewusstlosen ist Yolanda und ihre Schwester heißt Margarete. Letztere schluchzt heftig, als sie der Geschichte der Jungs lauscht. Sie fahren ins nächste Krankenhaus, wo die Ärzte sie über Nacht dabehalten und ihr Blut analysieren. Ihre Schwester bleibt die Nacht über bei ihr und die Jungs leisten ihr Gesellschaft. Ende der Geschichte. Nope, leider nicht. Das war lediglich die Vorgeschichte. Jetzt wird es verdammt ungemütlich. Dreckige Clowns. In den nächsten drei Wochen freunden sich die vier Jugendlichen gut an und verbringen fast die gesamte Zeit zusammen, Tage und manchmal auch Nächte, aber nicht das was ihr gerade denkt. Und jetzt geht’s los. Samstag, also gestern, fahren die vier nach dem Mittagessen in einen nahegelegenen verschneiten Wald um dort spazieren zu gehen. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehren, der auf einem etwas abgelegen Parkplatz im Wald steht, bemerken sie etwas Ungutes. Sie sind nicht länger allein! Ein Range Rover und ein buntbemalter Minibus der Clowns stehen auf beiden Seiten zum Defender. Jetzt allerdings kann ich euch zeigen was passiert ist, denn die Mädchen waren schlau und haben die ganze Sache gefilmt. Aber ich muss euch warnen, die folgenden Szenen sind unglaublich brutal und nichts für sanfte Gemüter. Ich werde das Video an ein paar Stellen kommentieren, wenn es mir sinnvoll erscheint. Ich verlinke euch natürlich unten das ganze Video ohne Kommentar, das ihr auf meiner Webseite findet. Jetzt los. Die Wagentüren öffnen sich und zehn junge Männer kommen raus, sie sind mit Messern, Baseballschlägern und Macheten bewaffnet. Und den so typischen Clownsmasken die man echt verbieten müsste. Einer ist gekleidet und geschminkt wie der Joker aus dem gleichnamigen Film von 2019. Er hält eine kleine Rede, für die ich Untertitel gemacht habe, da die meisten von euch kein Deutsch sprechen. ‚Guten Abend meine lieben Freunde, kommt doch ein bisschen näher heran. Und hört auf zu Filmen ihr dämlichen Fotzen. Naja, nicht so schlimm, wenn wir mit euch fertig sind schnappen wir uns eure Handys. Es hat mir gar nicht geschmeckt, dass ihr Bengel in mein Haus gekommen seid und meine Gastfreundschaft gebrochen habt. Das ist mein Haus, dort gelten meine Regeln. Ihr hättet euch nicht einmischen dürfen, als ich die kleine Schlampe ficken wollte. Und jetzt bezahlt ihr den Preis. Meine Jungs hauen euch jetzt ordentlich zu Brei und dann bringen wir die Schlampen zu einem besonderen Ort. Wir haben einige schöne Dinge mit ihnen vor. Hahaha, wir sind die Clowns und das ist unsere Stadt, wir machen was wir wollen und keiner kommt uns in die Quere.‘
Nettes Kerlchen er hat ein Gesicht … bei uns in Deutschland würde man dazu Backpfeiffengesicht sagen, also ein ‚punchable Face‘. Gäbe ‘ne nette Zielscheibe für mein AI AX50 ab, auf Papier gedruckt natürlich, leider sitzt er sicher in seinem Zimmer auf der anderen Seite der Welt. Jetzt können wir mal verdammt froh sein, dass die Jungs seit über fünf Jahren knallhart trainieren. Der Tanz beginnt. Die Clowns haben keine Ahnung was ihnen blüht, aber das sind auch nicht die wahren Clowns sondern gewisser Weise Nachahmer. Das sieht jetzt direkt wie aus einem Film aus, ist es aber nicht. Das ist kein Filmblut und es gibt auch keine Cheografie, hier geht’s ums nackte Überleben. Guckt euch nur an wie schnell sich die Jungs bewegen, geschmeidig fast. Einer nach dem anderen fallen die Clowns. Entgegen der Pressemeldung leben diese Schweinebacken (leider) noch. Mit Präzision und minimaler Krafteinwirkung, von ein paar Knochenbrüchen einmal abgesehen. Aber die Jungs müssen hart einstecken, das sind echte Waffen und ich hoffe die Stichwunden sind nicht so tief wie sie aussehen. Und jetzt sind die neun Clowns am Boden, die Jungs atmen schwer und sind verletzt und nur noch der Oberclown ist übrig. Und dieses Arschloch hat eine Pistole, schwer zu erkennen, aber das müsste ‘ne Beretta 92 sein. Zwar versuchen die Jungs zu deeskalieren, aber dieses Clownsgesicht ist nicht wenig durchgeknallt. Verdammt der Schuss hat leider gesessen, hoffen wir das die Kugel nichts wichtiges getroffen hat. Und guter Job Junge den Bastard zu entwaffnen und ihm ins Reich der Träume zu schicken. Und verdammte scheiße, der andere Junge blutet wie ein angestochenes Schwein, irgendwas Wichtiges wurde definitiv erwischt. Das ist nicht gut. Und gute Arbeit mit dem Entwaffnen des Arschlochs. Glücklicherweise sind Notarzt und die Polizei schon auf dem Weg. Hier endet das Video aber die Geschichte ist noch nicht vorbei. Aus Sicherheitsgründen darf ich euch nicht nennen wo die vier hingebracht worden sind, aber sie sind in Sicherheit und das ist alles was zählt. Auf Ryan wurde geschossen und sein Zustand ist zum Zeitpunkt wo ich dieses Video aufnehme sehr kritisch, die Ärzte wissen nicht ob er durchkommt! Die Mädchen haben die Videos auf Jacks Bitte umgehend an mich und Akira, meine Nichte und ebenfalls nicht unbekannte Youtuberin und Streamerin aus Deutschland. Sie wird ein ähnliches Video zu meinem machen. Jetzt mögt ihr vielleicht glauben dass die Clowns hinter Gitter gewandert sind und mit langen Haftstrafen rechnen müssen. Und die Medien die Jungs als Helden feiern. Irrtum. Drecks Land und verdammte Clowns die die Medien und die Polizei in der Tasche haben. Erinnert ihr euch an den Anfang, als ich meinte dass Adrians Vater verdammt viele Medien in der Stadt besitzt? Ja genau, die haben die Fakten so gedreht, dass die beiden Jungs jetzt die Bösen sind. Und die Clowns sind die armen Opfer, zieht euch das Mal rein. Clowns sind Opfer! Ich hab einen Clip für euch und ich hab wieder Untertitel rüber gelegt. Das sind die Nachrichten. ‚Dringende Eilmeldung, Vor wenigen Stunden ereignete sich auf einem Parkplatz in einem Wald nahe der Hauptstadt ein schreckliches Massaker. Zehn junge Leute wurden von zwei extrem gefährlichen stadtbekannten Schlägern, Jack und Ryan Solomon, hinterrücks überrascht und brutal zusammengeschlagen. Die Jungen sind momentan auf der Flucht vor der Polizei. In ihrem Wagen, den sie am Wald zurückließen konnte die Polizei mehrere Pistolen, Sturmgewehre  und zwei Jagdbögen sicherstellen. Die Opfer sind mittlerweile wieder sicher in bei ihren Familien. Das prominenteste Opfer ist Adrian Drosser. Dieser tapfere junge Mann hat sich den Schlägern in die Welt gestellt und hat einen harten Preis dafür bezahlt. Wir melden uns wieder, wenn es Neuigkeiten gibt. Damit zurück ins Hauptstadtstudio.‘ Japp da habt ihr es. Das komplette Gegenteil der eigentlichen Story. So verdammt korrupt ist Deutschland geworden, es ist nicht zu glauben. Ach was heißt hier Deutschland, die ganze westliche Welt. Hier in den USA haben wir doch auch das verdammte Problem mit den Clowns und keiner sagt was, weil alle Angst haben, die nächsten zu sein. Das sind die Nachrichten in Deutschland und genug dämliche Schafe werden glauben, was ihnen die korrupten Medien in den Rachen stopfen. Und was auf den sozialen Medien für eine Grütze über mich und meine Familie geschrieben wird, es ist nicht auszuhalten. Wenn ihr dachtet Twitter war schon vor zwanzig Jahren ein Drecksloch … heute ist es echt nicht besser. Ihr könnt es euch nicht ausdenken, was diese Schwachmaten da von sich geben. Und die Todesdrohungen … Tonnenweise.
Hier wieder ein paar Screenshots mit Übersetzungen. Manchmal hasse ich mein Herkunftsland.
Und die Clowns werden als Helden gefeiert. Das ist nicht zu glauben. Schon mal erwähnt dass viele linksextreme in Europa bei den Clowns sind, wundert mich nicht. Und die Gegner der Clowns sind natürlich alles Nazis. Der Vater der beiden Mädchen ist ein Bundeswehr Offizier und kommt aus einer Familie, wo es Brauch ist, dass die Kinder in der Armee dienen. Die werden von den Medien komplett als Nazis abgestempelt und wirklich übel beschimpft. Und die meisten Opfer der Clowns auf der Welt sind Angehörige und Freunde von unseren hochgeschätzten Soldatenkameraden. Ich bin mit genug Jungs und Mädels der Airforce, Marines und SEALs befreundet, die jemanden an die Clowns verloren haben. Das ist verdammter Krieg und keinen interessiert es. Terror, Zermürbungsangriffe. Um das Bollwerk der Verteidigung des Westens zu schwächen, um die gute Moral zu zerstören. Und wem geht’s prächtig? Keinem Schwein. Die Welt ist ein beschissenes Drecksloch geworden. Die Araber haben ihr ganz eigenes hausgemachtes Problem und das wird wohl auch nie weggehen.
Los, stempelt mich als Verschwörungsfanatiker ab. Die Medien machen das ohnehin schon.
Oder ihr stellt euren Fernseher aus und fangt an mitzudenken. Ich fürchte etwas Großes steht an und uns wird eingetrichtert, dass die Welt ein schöner glücklicher Ort ist. Und die Clowns wollen nur spielen. Sicher doch, und die tausenden Opfer durch die Clowns sind nur reiner Zufall.
Ich will zwar nicht prophetisch sein. Aber bereitet euch gut vor und passt auch euch und eure Familien auf. Wir sehen uns wieder, aber leider nicht sehr bald. Meine Familie ist unter heftigem Beschuss und ich muss bei ihnen sein, damit wir gemeinsam die Krise überstehen können. Meine Adoptivtochter kommt mit, der Papierkram ist eingereicht. Kasimir muss leider hier bleiben. Die sind streng mit der Einfuhr von lebenden Reptilien. Waffengesetze in Deutschland sind für die Tonne, also muss ich leider auf Bögen zurückgreifen und mich auf News und Berichte im Militärbereich zurückgreifen. Tut mir Leid meine lieben Freunde. Machts gut. My name ist Kaz. Over and out!“
Das Video war zu Ende. Liz atmete schwer aus und setzte sich gefasst hin. Das Video lag schwer im Magen aber sie war so erleichtert, dass die Fakten nun klar auf dem Tisch lagen und sich die ganze Welt ein Bild von der Sache machen konnte. Auch wenn bei ihm leider immer dieser Verschwörungswahn zum Spüren kam, aber das war bei ihm schon immer. Er liebte Verschwörungstheorien, Legenden, Geheimnisse und Mythen aller Art. Sie war aber so stolz auf ihren besten Freund und sie freute sich darauf, dass er übernächste Woche in Deutschland eintreffen würde, mit seiner Adoptivtochter.
   Sie lächelte zufrieden und ein angenehmes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie saß einen Moment einfach nur dann, dann erhob sie sich und ging in die Küche um sich einen kleinen Snack zuzubereiten. Die nächste Woche würde verdammt entspannt werden und sie hoffte sie würde etwas Zeit in ihrem Ferienprogramm freischaufeln können um die beiden in zwei Wochen vom Flughafen abzuholen und in Empfang nehmen zu können. Für Security würde sie selber sorgen, Bluhm Security war nicht der richtige Partner gegen den Terrorismus der Clowns.
   Mit wie viel Gepäck die beiden wohl anreisen würden? Sie würde einen Schlafplatz für die Kleine vorbereiten, dazu würde sie ihre Freundin Helena um Hilfe bitten. Sie hatte ein gutes Gespür für Kinder. Sie warf einen Blick ins Wohnzimmer wo ihre Assistentin Mara auf dem Sofa saß und in einer Modezeitschrift blätterte. Nate war bestimmt irgendwo draußen und observierte die Umgebung. Sie würde für Mara einfach auch eine Kleinigkeit zubereiten, die junge Frau war ihr sehr sympathisch.

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